“Zwei Männer sehen schwarz” – weiteres Glanzstück von Autor Werner Hahn

Migration unverfroren lässig, cool auf den Punkt gebracht

Foto: Theater Hagen

Foto: Theater Hagen

 

 

(Hans Leicher) Hagen – “Lass doch mal den Kongo raus” – ein Satz den in Werner Hahns neuester Migrationssatire, die an diesem Sonntag Abend im lutzhagen uraufgeführt wurde, nicht genügend Menschen hören können. Denn wenn sie ihn hören, dann erleben sie auch das rund 90-minütige Stück über eine Theater-AG, die eigentlich nur ein heißes Thema wie Menschenhandel auf die Bühne bringen will, dann aber (ob der Besetzung des Stücks) unweigerlich mitten im Thema steht.

“Lass doch mal den Kongo raus” – dabei geht es (wie es in der Stückbeschreibung steht) um “Spaß in den Backen”, “Verrücktheit im Blut und Swing in den Knochen”. Genau dieses Gefühl bringen alle zehn Protagonisten ab der ersten Szene dem Publikum rüber. Sie haben es eben im Blut. Bis auf einen Darsteller haben alle anderen afrikanische Wurzeln. Von Beginn an agieren sie lässig und cool, so als würden sie niemals etwas anderes machen, als auf der Bühne stehen. Im wahren Leben sind sie eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die bisher einige Distanz zur Profi-Schauspielerei hatte. Bisher. Denn spätestens nach der Uraufführung haben sie alle erkannt, dass Theater “einfach geil ist”.

Interessant unterteilt ist das Ensemble in die vierköpfige Band “Le Diamont Blanc”, die bereits beim Einlass für die richtige Einstimmung sorgt. Zudem sind es drei Sängerinnen bzw. Schauspielerinnen: Chaira Ndongala, Schekina Ndongala und Debby Kuyitila. Die drei Darstellerinnen, die ihren Weg über ihre Christliche Gemeinde in Bochum nach Hagen gefunden haben und bereits im Projekt “Ohrenbilder” zu erleben waren, überzeugen auf den Punkt genau. Mit einer scheinbar schier unverfrorenen Lässigkeit und Leichtigkeit bringen sie ihre Songs augenscheinlich aus dem Stand heraus; zudem in einer hervorragenden Choreogafie. In der ersten Szene ist das Publikum noch abwartend und schüchtern, dann aber gibt es regelmäßigen, kräftigen Szenenapplaus.

Dritter Part auf der Bühne sind die (auch nicht gerade unmusikalischen) jungen Herren Hardy Karl-I-Bond und Joel Karl-I-Bond (beide sind schon duch einige Lutz-Produktionen bekannt) und Loris Qoraj.

Neben den relativ kurzen Szenen, die sich mit den nicht gerade leichten Thematiken wie Migration, Menschenhandel und der damit verbundenen Prostitution beschäftigen, gibt es jede Menge Musik. Dabei kommen Humor und Satire in keinem der Parts zu kurz. Bleiben wir beim “Neudeutsch”, so sind es geile Texte von Werner Hahn, die wach machen und das in Worte fassen, was wir (vielleicht wegen der grausamen Hintergründe) nicht einmal gedanklich fassen können. Werner Hahn hat hier Wege der Sprache und Formen gefunden, die das Erfassen möglich machen.

Hervorzuheben ist aber neben vielen wichtigen Details, das gelungene und fließende Zusammenspiel, der drei Parts auf der Bühne. Sie sind ein Ensemble, sie bilden eine Einheit und bringen somit eine faszinierende Harmonie in das Stück. Das alles unterstützt von einer perfekt funktionierenden Technik im Hintergrund, deren Ausleuchtung, Licht- und Toneffekte auf dem Punkt sind. Das Gesamtbild vor einem wieder einmal, trotz engem Budget, toll gestalteten Bühnenbild von Jeremias H. Vondrlik vermittelt das Gefühl eines professionellen Weltstadt-Theaters.

Erwähnt sei hier noch einmal die hervorragende Aufteilung zwischen den Szenen und der Musik, die fließend und oft traumhaft ineinander gehen. Betrachtet man die Songs und den Sound, so würde manch einer gerne die entsprechende CD gleich nach dem Stück an der Theaterkasse kaufen.

Trotz aller Faszination, die in diesem Stück auf die Lutz-Bühne gebracht wird, werden die Themen Migration, Menschenhandel, Ausbeutung, Prostitution, und auch das was vielleicht so mancher Migrant als Heuchelei in diesem Land empfindet, wenn er die Realität unseres so hoch gelobten Landes erfahren muss, klar und deutlich auf den Punkt gebracht.

“Zwei Männer sehen schwarz” ist nicht nur sehenswert. Es sollte einfach jeder sehen!

Weitere Termine:

15.11.2013  –  19:30 Uhr
22.11.2013 –  12:00 Uhr
22.11.2013 –  19:30 Uhr

07.01.2014  –  12:00 Uhr
08.01.2014  –  12:00 Uhr

 

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