„Meine Kinder waren doch nicht dabei“

(pen) „Kinder und häusliche Gewalt“ so heißt ein jetzt vorgestelltes Informationsblatt des Runden Tisches gegen Häusliche Gewalt im Ennepe-Ruhr-Kreis. „Kinder, die erleben müssen, wie in ihrer Familie Gewalt ausgeübt wird, werden in den Diskussionen häufig vergessen. Auch wenn sie selbst nicht direkt Opfer sind, als Zeuge des Geschehens sind sie dennoch betroffen. Darauf möchten wir auch anlässlich des Wettkindertages am 20. September hinweisen“, macht Renate Terboven, Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung und Koordinatorin des Runden Tisches, deutlich.

Die von Betroffenen häufig zu hörende Aussage „Meine Kinder waren doch nicht dabei“ will die kleine Broschüre nachdrücklich widerlegen. So wird darauf verwiesen, dass Kinder mehr mitkommen, als viele glauben möchten. Wörtlich heißt es: „Kinder sind Ohren-, Gefühls- und Augenzeugen von häuslicher Gewalt und damit auch Betroffene und Opfer. Sie leiden vielfach im Stillen, wollen ihre Eltern nicht belasten, verstecken ihre Angst und ihre Gefühle.“

        
  Kathleen Schmalfuß vom Frauenhaus EN (links) und Renate Terboven stellen
Landrat Dr. Arnim Brux das neue Informationsblatt vor/    Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis
 

                   
Terboven sieht in der kleinen Broschüre einen weiteren Schritt, um die Bevölkerung für das Thema häusliche Gewalt zu sensibilisieren und Betroffene zu motivieren, die vorhandenen Hilfsangebote zu nutzen, auch und gerade im Interesse der Kinder. „Wie viele unter Häuslicher Gewalt leiden, lässt die Zahl der aktenkundigen Fälle erahnen. Allein im letzten Jahr wurden im Ennepe-Ruhr-Kreis rund 300 Anzeigen aufgenommen und mehr als 200 Frauen an Beratungsstellen verwiesen. Dazu kommt eine vermutlich hohe Dunkelziffer.“

Die Autoren des Informationsblattes führen den Betroffenen die Verantwortung für sich und ihre Kinder vor Augen. „Ja“, so heißt es, „Kinder brauchen beide Elternteile. Aber sie benötigen auch ein gewaltfreies Familienklima und manchmal ist es nötig, die Familie zumindest vorübergehend zu trennen. Konflikte durch Gewalt zu klären, endet im Teufelskreis, ohne Hilfe von Außen gibt es keinen Ausweg.“

Auf zwei Seiten werden daher Anlaufstellen aufgelistet, die Wege aus der Sackgasse sein können. Dazu zählen die Kontaktdaten von Beratungsstellen und Jugendämtern in allen neun kreisangehörigen Städten sowie Notrufnummern von Polizei, Opferschutz und Frauenhaus. „Dank einer Auflage von 30.000 Exemplaren können wir die Informationen sehr breit streuen“, so Terboven.

Öffentlichkeitswirksam präsentiert wird das Informationsblatt in jeder kreisangehörigen Stadt. Die Jugendämter vor Ort starten anlässlich des Weltkindertages am 20. September Aktionen und verteilen dabei auch „Meine Kinder waren doch nicht dabei“.

Stichwort „Runder Tisch gegen häusliche Gewalt im Ennepe-Ruhr-Kreis“

Der „Runde Tisch gegen häusliche Gewalt im Ennepe-Ruhr-Kreis“ besteht seit 1999. Fachleute aus Justiz, Polizei, dem Opferschutz, den Beratungsstellen, dem Frauenhaus, der Frauenberatung, dem Gesundheitswesen und die Gleichstellungsbeauftragten der Städte und der Kreisverwaltung arbeiten gemeinsam daran, die Situation von gewaltbetroffener Frauen nachhaltig zu verbessern und Gewalt öffentlich zu ächten. Schirmherr ist Landrat Dr. Arnim Brux.

Um Gewalt an Frauen und Kindern zu ächten, hat der Runde Tisch in den letzten Jahren neben dem Erstellen von Informationsbroschüren und der Organisation von Fachtagungen regelmäßig auf kreisweite Aktionen gesetzt. Dazu zählten 200.000 Brötchentüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, 50.000 Taschentücherpäckchen mit der Botschaft: „Keine Gewalt gegen Frauen. Wir haben die Nase voll!", 10.000 Taschenkalender mit dem Aufdruck „Die Zeit ist reif – Keine Gewalt gegen Frauen!" und 1.000 Regenschirme mit dem Slogan „Wir lassen Frauen nicht im Regen stehen!“.

 

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