Ennepetals Zukunft beginnt mit dem Flächennutzungsplan

Alles hängt mit allem zusammen.

Der neue Flächennutzungsplan für die Stadt Ennepetal.

Auftaktveranstaltung vom 15.10.08 ab 19:30 h  in der Rosine


Rund 70 Besucher, darunter die Parteien des Rates  CDU  /  SPD  /  FDP  /  GRÜNE, die Verwaltung, die Firmen Grünplan, Dortmund, Planlokal, Dortmund und sbp, Essen, sowie Bürger aus allen Stadtteilen.

  Dipl. Ing. Thomas Scholle ( Planlokal/Dortmund) erläuterte die Begriffe aus den Bereichen und Inhalten eines Flächennutzungs- plans. Es wurde die Vorgehensweise der vorgenannten Firmen eindeutig  beschrieben, so dass eine Orientierung der Teilnehmer möglich war.

Darauf folgend sollte eine Podiumsdiskussion stattfinden, die mit einer Einleitung aus den Bereichen, Einzelhandel, Gewerbe/Industrie, Wohnraum, Infrastruktur, sowie Sozialbereich durch betroffene Mitbürger begann.

Nach dieser Einleitung sollten Wünsche als auch Fragen durch das Podium beantwortet werden.
Die Moderation übernahm Herr Dipl.Ing. Tomas Scholle (Planlokal/ Dortmund). Für weitere Fragen sollten als Ansprechpartner Herr Wiggenhagen, Wirtschaftsförderung als auch Herr Höhl, Planung, nach den einzelnen Veranstaltungen in der Stadtverwaltung  zur Verfügung stehen.

Irritierend war, dass der vorherige Flächennutzungsplan über 41 Jahre alt war und im Laufe der Zeit 53 Änderungen erfahren hatte, zumal denn solch einer Planung in der Regel eine Zeitspanne von 15 Jahren zu Grunde liegen sollte, wie dies auch referiert wurde.

 

 

Im Laufe des, bzw. der Referate wurden mehrere Eckpunkte genannt, die wie Pfähle in den Boden gerammt wurden.

 1.  Die Geburtenrate in Ennepetal beträgt wie auch anderswo in Deutschland 1,36
   (Eurostat 2005)
 2.  Die Überalterung entspricht in Ennepetal dem Bundesdurchschnitt.
 3.  Die Armut einzelner Bevölkerungsteile ist auch wie der Bundesdurchschnitt.
   Wesentlich ist dies besonders am Immobilienmarkt zu beobachten.
 4.  Die Stadt Ennepetal wird von ehemals 38.000 Einwohner 1975 auf 27.000
   Einwohner im Jahre 2025 zum Ende des Planungszeitraumes sinken. Wobei
   innerhalb der letzten  33 Jahre schon ein Einwohnerverlust  von rund 8.000
   Einwohnern zu verbuchen ist.

 

Um es kurz machen, es wurde ein düsteres Bild von Ennepetal für die Zukunft gemalt, das erstaunlicherweise einfach unwidersprochen so hingenommen wurde.

 

Aber muss das so stehen bleiben?
 

  Ein Flächennutzungsplan beinhaltet auch immer ein Leitbild für die Zukunft einer Stadt, eine Vision oder ein Wunschbild, welches zu erreichen gilt. Insofern hat die Planung keine Zielvorstellung, sie nimmt das Erreichte als unumstößlich hin und verlängert dies in die Zukunft. Es ist quasi eine Planung für die Planung, wenn keine Ziele entwickelt werden.

Hier fehlt doch eine politische Gestaltung, ein Wollen, das mehr als das Gegebene erreichen will. Man merkte auch innerhalb der Veranstaltung, dass eine Kommunikation im Sinne eines fruchtbaren Dialogs nicht zustande kommen wollte, obwohl alle gesellschaftlich relevanten Gruppen anwesend waren. So war die Einlassung eines Ratsmitgliedes mehr als verwunderlich, dass der Stadtteil Oberbauer in dem ausgehängten Plan nicht sichtbar war.

Marginalien sollten Eingangs keineswegs zur Sprache kommen, es sollten große Skizzen gezeichnet werden, die die Ambitionen der Bewohner einer Stadt unterstreichen. Danach sollte man ins Detail gehen.

Warum sollte ich nicht die Vision fordern, in meiner Stadt sollte die Geburtenrate 1,90 in 15 Jahren  Bestand haben?

Die Franzosen (1,94) und Skandinavier (1,80) haben eine weit höhere Geburtenrate, es gibt dort aber andere soziale Umfeldbedingungen.

Warum sollte ich keine Vision entwickeln, in meiner Stadt sollten wieder 38.000 Einwohner ihr zu Hause haben? Hier sollte eine grundsätzliche Weichenstellung, hin zu einer attraktiveren Stadt vorgenommen werden.

 Unrealistisch? Wohl kaum.

Im ersteren Falle müsste ich erst einmal akzeptieren, dass die Geburtenrate auch aber nicht nur vom sozialen sondern auch städtebaulichen Umfeld abhängt. Dies zu verändern sollte ein Ziel sein. Frauen und Männer jüngeren Alters (Bis 38 Jahre) sind nun einmal diejenigen die Kinder bekommen, und diese haben eine ganz andere Vorstellung von ihrem Leben als unsere Vorgenerationen. Konstatieren muss man in unserer Stadt, aber auch anderen Städten, die fehlenden Betreuungen von Kindern und auch unflexiblen Arbeitszeiten um Beruf und Familie zu vereinbaren. Da macht es keinen Sinn, wenn die Kita erst um 9:00 Uhr aufmacht, wenn die Arbeitszeit einer Mutter um 8:00 Uhr beginnt und um 16:00 Uhr zu macht wenn die Arbeitszeit um 17:00 Uhr oder länger ist.

Da ist aber noch die heutige Stigmatisierung von Müttern und Vätern zu beobachten, die letztendlich den Kinderwunsch nicht zur Verwirklichung bringt. Nur wohin soll das führen, wenn ich das Ziel 1,36 Kinder akzeptiere? Es führt dazu, dass die bei uns ansässigen Unternehmen unzureichend mit Arbeitskräften versorgt werden und sodann zur Abwanderung der Unternehmen.

Eine Planung sollte in diesem Punkt also für die dementsprechenden Einrichtungen, wie Kitas, Kindergärten mit Vorschulen aber auch Schulen mit den dementsprechenden Öffnungszeiten sorge tragen. Weiter sollte mit den ansässigen Unternehmen Gespräche geführt werden, die meinetwegen flexiblere Arbeitszeiten anbieten oder einführen sollten.

Das Boot ist noch nicht voll, es ist eben aber auch nicht richtig gebaut.

 
Im zweiten Fall, müsste ich zumindest einmal im Ansatz wissen warum in unserer Stadt überproportional viele Einwohner weggezogen sind. Denn in den anderen Städten des Kreises sind diese Verluste bei weitem nicht so hoch. Dass hier von den politischen Parteien oder der Verwaltung keine Fragen gestellt wurden, verwundert doch sehr.

Die derzeitigen Strukturen sind für eine Bevölkerungszahl von 38.000 ausgelegt, plant man nunmehr für 27.000 müssten die vorhandenen Strukturen zurückgefahren werden. Darüber hinaus läuft Ennepetal Gefahr in einer nochmaligen Gemeinde- bzw. Gebietsreform, die letzte fand zwischen 1967 bis 1972 statt, unterzugehen. Ein Zusammenschluss der  Städte Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal zu meinetwegen einem „Großschwelm“, wäre demnach diskussionswürdig.  

 
Ist das so gewollt?

Nur Leuchttürme sieht man, die im Schatten eines Leuchtturms stehen übersieht man jedoch.

Ich vermisse den Mut etwas zu wagen. Mut eine  Kinderrate von 1,90 anzustreben und damit die Vorrausetzungen zu schaffen, dass Eltern sagen, hier bin ich zu Hause, hier kann ich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausleben und darüber hinaus, ich bin hier mit meinen Kindern gewollt.

Die anwesenden politischen Parteien aller Coleur waren für meine Begriffe sprachlos. Wenn man Politik als gestaltendes Element mitten in unserer Gesellschaft definiert, so war hier die Veranstaltung wo Politiker sich artikulieren konnten, fernab von irgendwelchen lokalen Querelen. Nicht die Sprüche auf den diversen Wahlplakaten zeigen uns Perspektiven, sondern Politiker die klare konkrete Zielvorstellungen haben. Wenn Parteien immer wieder über die Politik- und Parteienverdrossenheit resümieren, so ist das solchen Veranstaltungen geschuldet. Ein vergessener Ortsteil in einem Plan bringt sicher keine Zukunftsperspektive, er lenkt als Einwand nur ab, indem der politische Adressat nicht in der Lage war eine Perspektive zu artikulieren.

Von Verwaltung und der Politik, als den im Rat vertretenen Parteien, wünschte ich mir eines mehr Mut indem sie alle ein mehr für die Stadt artikulieren wollen. Die Verwaltung steht da allerdings außen vor, sie ist letztendlich nur der Erfüllungsgehilfe der Politik.

 

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  1. […] Erinnern Sie sich noch an die erste Veranstaltung zum neuen Flächennutzungsplan in der Rosine ? Es war der 15.10.08 um 19:30 Uhr, damals war Wilhelm Wiggenhagen noch Wirtschaftsförderer und […]

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