Wenn Schlecker geht, eine Chance für Ennepetal?

[jpg] Als in der Vergangenheit die Nachricht kam, Tengelmann schließt, sah ich mir die Lage und auch das Geschäft an. Ich fand es wäre sehr gut, wenn man nun endlich eine der fehlenden Branchen zum ansiedeln bewegen würde. Nebenan war noch das Schlecker Geschäft. Wie ich aus der Presse wusste, steckte und steckt Schlecker in einem Umstrukturierungsprozess.
Dieser Umstrukturierungsprozess sollte kleinere unrentable ( Unter 5% Gewinn ) Filialen dem Rotstift zum Opfer fallen lassen, gleichzeitig sollen neue größere Filialen in XXL Format entstehen, soweit die nationale Presse.
Um aber das ganze zu bewerten, muss man schon in die Vergangenheit gehen, und dort stößt man unweigerlich auf folgende Nachrichten.

 

  •         Schlecker hat Probleme mit einem Betriebsrat
  •         Schlecker hat teilweise kein Telefon, so dass noch nicht einmal
            ein Notruf abgesetzt werden kann.
  •         Schlecker beteiligt sich an einem aggressiven Preiskampf in der Drogeriebranche.        
  •         Schlecker soll keine Überstunden bezahlen.
  •         Schlecker soll Dumpinglöhne zahlen.

Diese dubiosen Methoden könnten beliebig fortgesetzt werden.

 
 
So summierten sich in der Jahrtausendwende bei der Stuttgarter Justiz die Lohnausfälle die den Angestellten vorenthalten wurden  auf  920.000,– DM.
In dem nachfolgenden Prozess akzeptierte das Ehepaar Anton und Christa Schlecker einen Strafbefehl zu jeweils einer halben Million, sowie eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

 

 
Ennepetal muss attraktiver werden, richtig, das geht aber besser ohne Schlecker.
 
Damals sah ich, wie gesagt, das Schlecker Geschäft und dachte mir hoffentlich geht der auch. Denn beide Ladenlokale, dachte ich in meiner unkonventionellen Art, könnte man  gut an Geschäfte vermitteln die eine Bereicherung für Ennepetal darstellen würden. Zumal denn mir persönlich die Firma Schlecker immer schon ein Dorn im Auge war, denn das Geschäftsgebaren im Zusammenhang mit seiner Personalpolitik war und ist für mich nicht tragbar.
Auch sind wir in Ennepetal mit den DM und Rossmann Märkten meines Erachtens überversorgt.
Nun dachte ich mir, wenn nunmehr die Firma Schlecker eine Nutzungsänderung beantragen würde, und das muss sie wahrscheinlich, so würde ich die ohne Probleme als Stadtverwaltung ablehnen. Und tschüss Schlecker.
 
Jetzt gibt es aber eingeschworene Schleckerfans, denen es Schwierigkeiten bereiten würde, zu dem gegenüberliegenden DM Markt zu gehen. Hat der zwar das Toilettenpapier auch für EUR 1,69, jedoch fehlt auf dem dreilagigen Papier das süße Blümchen. Peng, haben wir den Salat. Schlecker kann nicht mehr gehen.
Da ist den Fans alles egal, da kennen die nichts. Das die Schlecker Angestellten mit einer Änderungskündigung zu einem viel niedrigeren Lohn wieder anfangen dürfen, zählt einfach nicht. Können ja ruhig etwas mehr Zuschuss zum Lebensunterhalt bei der Stadt beantragen, bei dem Lohn gibt es sicher auch jetzt einen Heizkostenzuschuss. Und im übrigen, wenn es dann immer noch nicht reicht, wir haben ja in Voerde einen Tafelladen,  da gibt es Lebensmittel umsonst. Hauptsache ich bekomme weiter an meinem gewohnten Ort das Blümchentoilettenpapier. Toilettenpapier mit Schmetterlingen, so habe ich von eingeschworenen Schlecker-Fans gehört, die tun es eben nicht. Die liegen nicht so toll in der Hand. Auch das Rektum soll sich dabei erschrecken.
 
Aber, so muss ich sagen, verpennen wir nicht wieder eine Chance? Wir könnten einen Raffke loswerden und einen „seriösen“ Kaufmann hinzubekommen.
 
Nun bin ich, ich gebe es zu, in dieser Hinsicht total konservativ. Konservativ nicht im Sinne der CDU, sondern wertekonservativ. Ich bin auch heute noch der Meinung, wenn ein Mensch, ob Weiblein oder Männlein, 4 Wochen zur Arbeit geht, und das sind in der Regel so an die 173 Stunden im Monat, so sollte er damit seinen Lebensunterhalt verdienen können. Heißt, er sollte sich mit dem erarbeiteten Gelde seine Nahrung, eine Wohnung, Bekleidung und ein paar Sprünge in der Freizeit erlauben können. Falsch? Ich glaube nicht.
Wenn nicht, warum arbeitet er denn? Jetzt werden mir viele Schlecker Fans vorhalten, das ist naiv und Idealismus pur. Nein ist es nicht; denn die Firma Schlecker hatte als sie anfing einen Gewinn von sage und schreibe 2% und kam damit klar, heute hat sie ein Vielfaches dessen was sie damals verdiente. Und raten Sie einmal wer für die Gewinne bezahlen musste? Richtig, die Arbeitnehmerinnen, die immer weniger bekamen.
Das nennt man heute kreative Marktwirtschaft, von sozialer Marktwirtschaft wollen wir ja schon lange nicht mehr reden. Ach nein, reden tun wir noch von der sozialen Marktwirtschaft, doch wir  handeln nicht mehr danach.
Wie sagte Herr Professor Sinn so schön, die Unternehmen können die Löhne nicht mehr bezahlen um die Ergebnisse zu erzielen, die sie vorgeben. Richtig, aber dann sollen sie doch bitte dichtmachen.Übrigens, der Kölner Ökonomie-Professors Axel Ockenfels, hat in einer eindrucksvollen Studie nachweisen können, der Mensch ist fair und teilt auch. Leider war Anton Schlecker nicht als Probant eingeladen, ob aber Menschen mit dem Raffkedefekt in dieser Studie ihren Platz gefunden hätten, wage ich zu bezweifeln.
Lasst Schlecker nach China auswandern um von dort die Welt zu beglücken, dort gibt es sogar Babynahrung mit ungeahnten Effekten für die Babys. Im Übrigen hat Schlecker ja sowieso Expansionsgelüste nach Nord- und Osteuropa. Bei Forbes ist er sowieso schon als reicher Mann in den Top 100 gelistet.
 
Aber wie gesagt, wenn nicht dieses Blümchentoilettenpapier wäre, man kann es aber auch keinem recht machen.
Und Schlecker macht unsere Stadt auch so attraktiv, boah man eh.
 
Das wäre doch mal eine schöne Chance für die Wirtschaftsförderung aber auch für das Citymanagement, mit einem Schlag zwei Läden zu bekommen in denen attraktive Branchen angesiedelt werden können.
 
 
Ich bin mal gespannt wie das ausgeht, ob man die Chance nutzt?
 
In der Zwischenzeit zeige ich meinem Rektum ganz entspannt das Toilettenpapier mit Schmetterlingen und sinniere über die Attraktivitätsbemühungen der Stadt Ennepetal. So Schmetterlinge machen ein ganz anderes Feeling.
 
Und was ist mit den Angestellten? Da bin ich frohen Mutes; denn die würden sicherlich sehr gerne bei einem Porzelliner, Geschenkeladen,Schmuckladen oder auch einem Textiler die Kunden freundlichst bedienen. Ohne Druck und Psychoterror lässt es freudig und hochmotiviert Waren an die Frau oder den Mann bringen.
Das freut beide, den Kunden weil er überzeigt ist das Richtige verkauft zu haben und den Arbeitnehmer ebenso.
 
 
 
Jürgen Gerhardt
 

 

6 Kommentare
  1. Avatar
    Schlecker-Ma sagte:

    Schön zu lesen,dass es doch noch ein paar (oder zumindest einen…) “denkenden” Menschen in der Umgebung gibt.Wenn man z.B. versucht seine Kunden über die momentanen Zustände bei Schlecker aufzuklären (gehöre selbst zu einer Schließungsverkaufsstelle), hört man meist nur: “Ach quatsch,so schlimm kann das gar nicht sein”. oder: ” So etwas ist doch in Deutschland gar nicht möglich.” “Und warum wehrt sich dann niemand? ICH würde so etwas nicht mit mir machen lassen!” ….warum wehrt sich niemand…wenn einem keiner glaubt… Unterstützt wird das dann teilweise noch durch die Presse, die ohne Zweifel Pressemitteilungen des Herrn Anton abdruckt in denen versichert wird, dass es überhaupt keine Kündigungen gibt und auch nur nach Tarif gezahlt wird…Wir im Nebenbezirk von Ennepetal haben momentan 8 Kündigungen und 3 neue Einstellungen zum Kurs von 6,50 Euro pro Stunde…

    Deshalb an Sie, Jürgen Gerhardt: DANKE!!!!!

  2. Avatar
    Pro-Streetworker sagte:

    Aus dem Combi-Markt wurde der kaufpark, aus Minimal wurde REWE, Plus wird zum NETTO,
    Tengelmann wurde KAISERS etc. etc., Federn gelassen haben leider immer die Angestellten,
    die wieder mit niedrigem Lohn, weniger/kein Weihnachtsgeld, Urlaubsanspruch Fehlanzeige,
    gewerkschaftlich nicht organisiert, kein Betriebsrat usw. dafür mitzahlen mussten, eine Arbeits-
    stelle behalten zu dürfen. Da müssen sie ja froh gewesen sein…(ironisch gemeint). Dies ist
    wohl ein gängiges Mittel, Betriebskosten niedrig zu halten. Irgendwer sagte mir vor Kurzem,
    die Gewerkschaften wollen dagegen angehen, da sie wissen, wie die Firmen mittlerweile vorgehen.
    Da gibt es wohl kein Gesetz dagegen?! Irgendwer muss doch aber zustimmen, wenn große
    Konzerne sich zusammenschließen und mehrere Namen zu einem gemeinsamen zusammenfügen
    und eine “großartige” GmbH & Co. oHG oder ähnliches bilden. So werden Löhne ebf. klein gehalten,
    wie war das mit den Mindestlöhnen in Deutschland…, wer wollte was dafür tun?

  3. Avatar
    Pro-Streetworker sagte:

    Neulich hatte ich ein Gespräch über Schlecker, was ist am Gerücht dran, dass in Voerde die
    Filiale geschlossen werden soll? Weiß hier jemand etwas genaues zum Thema? Wer schön,
    wenn mir hier geholfen werden könnte. (Will niemanden verrückt machen, im Gegenteil).

  4. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Ich habe das auch nur Gerüchte weise gehört. Wäre aber nett, dann könnte man die Vorschläge aus dem Leitbild Voerde von 2001 umsetzen.

  5. Avatar
    k2 sagte:

    Es ist unglaublich, was der Herr Anton und seine Christa da mit den Angestellten machen..befristete Jahres-Arbeitsverträge, die nicht verlängert werden, wer weiter bleiben will, muss das über einen Vertrag mit einer Zeitarbeitsfirma aus Ostdeutschland machen – zu einem Lohn, der einen zunächst mal schlucken lässt (600 € br. weniger p.M.) – aber wer hat denn so schnell einen anderen Job in Aussicht, dass er sich das nicht gefallen lassen müsste???
    Miete, Strom, Tel müssen weiter gezahlt werden und essen möchte man ab und zu auch was – da beißt man trotzdem in den sauer-bitteren Apfel und hofft, bald was anderes zu finden. Ich habe Kenntnis von einer bevorstehenden Schliessung eines Marktes, in den dann ein XXL einziehen soll. Alle Leute dort werden entlassen, können aber dort weiterarbeiten, wenn sie den neuen Vertrag unterschreiben und akzeptieren.
    Gut, wer es sich leisten kann, NEIN zu sagen, schlimm für den, der auf das bißchen Geld angewiesen ist.
    Man muss überhaupt so Vieles akzeptieren ………und sich das Denken abgewöhnen, denn die Angestellten haben nicht darüber nachzudenken, warum etwas wie ist oder gemacht werden soll – sie haben zu tun, was man ihnen sagt!!!

  6. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Es ist leider so wie Sie es beschreiben. Aber warten Sie es ab, es kommt noch dicker. Die Idee von diesen Firmen:
    Die Angestellten bekommen nur das entlohnt was sie auch getan haben,meinetwegen es wird eine Vorgabe erstellt, indem in 8 Stunden X Euro Umsatz gemacht werden soll, der nie erreicht werden kann. Wird dieser nicht erreicht, so bekommt die Angestellte nur anteilig zum erreichten Umsatz eine Entlohnung.
    Hauptsache wir bekommen unser Toilettenpapier für 3 Cent weniger.

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