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Gibt Ennepetal sich auf weil es kein Image hat?

Fußgängerzone in Ennepetal  Fotodesign: Linde Arndt

Fußgängerzone in Ennepetal Fotodesign: Linde Arndt


Demografischer Wandel

Deutschland hat eine „tolle“ Geburtenrate (Fertilitätsrate) von 1,36 der EU Durchschnitt wird mit 1,57 gemeldet. Die Deutschen haben diese Geburtenrate (Fertilitätsrate) seit Jahrzehnten und haben sich anscheinend daran gewöhnt. Sie hätten schon längst wieder 2,10 ( 1970 hatte Deutschland das letzte mal eine Rate über 2,0) haben müssen; denn die 200 Mrd.Euro/pro Jahr, die für Familie und Kinder ausgegeben werden, hätten eine Steigerung dieser Rate schon längst erbringen müssen. Haben sie aber nicht. Man kann diese derzeitige Familienpolitik sicher als gescheitert ansehen.

Mal am Rande. Die Italiener geben in diesem Bereich nur 25% dieser Summe aus und haben eine Geburtenrate etwas über Deutschland. Aber es geht hier nur um Deutschland, hier wollen wir doch etwas verändern. Aber schauen wir auf den lokalen Bereich von Ennepetal, hier werden Kinder geboren und wachsen danach auf, wie überall.

Und so ließ sich der Ennepetaler Rat im Sozialausschuss von zwei Experten aus Siegen erklären warum alles nicht so läuft, mit der Geburtenrate, wie die Politik das sich wünschte. Zwei der netten biederen Ennepetaler Ratsmitglieder hatten denn auch ihre eigene Meinung hinsichtlich des demografischen Wandels in Ennepetal.

 

  • Ob es denn eine Blaupause gibt, wie man die Geburtenrate nach oben verändern kann, so die  eine Gruppe.

           Nein, natürlich nicht so die beiden Experten.

  • Man müsse nur den  richtigen Partner haben und schon würde es auch mit der deutschen Geburtenrate klappen.

    Wir haben den richtigen Partner und wohnen auch in der richtigen Stadt, wir fühlen uns auch wohl, so ein weibliches Ratsmitglied.

Das dieses Statement keine Relevanz hatte, ist wohl selbstverständlich. Mir geht es gut, also muss es den anderen auch gut gehen.

Was also kann oder soll man in Ennepetal machen? Ratlosigkeit auf allen Ennepetaler Rats-Gesichtern. Hatte man doch immer das gemacht, was man besonders gut konnte, die Hände in den Schoß gelegt während man den Kopf in den Sand steckte.

Das man aber im Ansatz nichts für ein positives Image der Stadt getan hat, wird natürlich verschwiegen. Abgesehen davon –  Ennepetal hat kein Image  – oder wenn man nachdenkt eher ein negatives Image. Die Stadt und der Rat gehen immer davon aus, geht es mir gut, geht es den anderen auch gut. Das Gemeinwesen Stadt Ennepetal einmal von außerhalb zu betrachten, kommt niemanden in den  Sinn. Die Attraktivität der Stadt Ennepetal ist unterirdisch.

Das ist aber nicht alles bei dieser Betrachtung. Denn fast 400 Städte und Gemeinden hat NRW und es herrscht Krieg um jeden Bewohner der bleibt oder kommen könnte. Den demografischen Wandel geht man offensiv an, indem man mit einer positiven Marketingstrategie um die Bewohner buhlt. Rabattiert man bei der Gewerbesteuer im Zusammenhang mit Industrieansiedlungen sind es andere Strategien die um die Ansiedlungen von Bewohnern erarbeitet werden. Lohnt das denn?

Schaut man sich die Statistik der Wanderungsbewegungen an, so sieht man unschwer z.Bsp. 892.563 Zuzüge in die Städte von NRW. 546.206 ziehen von einer Gemeinde in eine andere Gemeinde. Das sind alles potenzielle Bewohner für Ennepetal, wenn Ennepetal sich besser verkaufen ( Außendarstellung ) würde. Das Produkt Ennepetal ist ein Produkt für die Ramsch-Ecke.

Und das schlimme ist, alle wissen es. Da läuft der Dortmunder Frank Heinze, von Heinze und Partner.durch Milspe, im Schlepptau eine Handvoll Milsper um diese zu überzeugen, dass sie etwas für ihre Stadt tun sollten. Vergebens. Es wird wie immer. Zum Ende dieser Aktion wird es eine Rechnung geben und nichts ist herausgekommen. Milsper, Voerder oder die Bewohner der anderen Stadtteile haben schon längst aufgegeben. Ihnen ist es egal ob sie der Stadt Ennepetal angehören oder sonst wem.

Anzahl der Gesamtwanderungen in dem Jahr 2012 für NRW

Jahr

Wanderungen

insgesamt

Binnen-
wanderungen
1)

Außenwanderungen

Zuzüge

Fortzüge

Zuzüge

Fortzüge

Überschuss

der Zu- (+)
bzw. Fort-
züge (−)

1)Personen, die innerhalb des Landes NRW von einer Gemeinde in eineandere Gemeinde gezogen sind.

Quelle:Information und Technik Nordrhein-Westfalen Stand: Juli 2013

2012

892.563

839.070

546.206

346.357

292.864

+53.493

 

 Wilhelm Wiggenhagen, Brigitte Drees und Ulrich Schilling haben sich jetzt zwei Jahrzehnte mit der Wirtschaftsförderung Ennepetals befasst und haben letztendlich eine sterbende Stadt den Ennepetalern überlassen – Siechtum an allen Ecken.

Lasst uns alle den Tag ins Auge fassen wo die prognostizierten 24.000 Einwohner in Ennepetal erreicht werden. Dann sollten die Sektkorken fliegen.

Vielleicht ist aber der eine oder andere etwas nachdenklich und nimmt Einfluss auf dieses Rathaus, damit das Ganze nicht wahr wird. Die Möglichkeiten haben wir ja noch. Der demografische Wandel sollte als Herausforderung und Chance gesehen werden und nicht als unabänderlich und gottgegeben kommuniziert werden. Ehrgeiz und Mut erbringen erst Signale des Aufbruchs.

 

Ausflug zum Düsseldorfer Landtag

Es ist ja ein Witz. Da machen sich mehrere vom Ennepetaler Rat und der Verwaltung auf den Weg um an einer Sitzung des Landtages teilzunehmen. Anlass war die ungeliebte Solidaritätsumlage, die von dem Land NRW auf den Weg gebracht wird. Hintergrund: Reiche Städte wie Düsseldorf aber auch Ennepetal zahlen in einen Topf, der von den armen Städten wieder geleert wird. Die reichen Städte wollen natürlich weiter reich bleiben und lehnen es ab den armen Städte etwas abzugeben.

Eine Gruppe unter dem Düsseldorfer OB Dirk Elbers (CDU), will, wenn erst einmal die Bescheide auf dem Tisch liegen, dagegen klagen. Und da saßen die Ennepetaler im Landtag auf der Besuchertribüne und hörten „ergriffen“ den richtigen Politikern im Innenausschuss zu. Die Ennepetaler hatten jedoch kein Protestschreiben oder ähnliches für die Staatskanzlei der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, für den Innenminister Ralf Jäger oder den Finanzminister Walter Borjahn in der Tasche. Nein, sie wollten nur als gute Bürger im Landtag mal zusehen, was die Großen so machen. Sicher wurde dieser Ausflug auf unsere Steuerkosten gemacht oder hat man da in die eigene Tasche gegriffen? Ich glaube, wir (Steuerzahler) haben diesen Ausflug bezahlt. Wir haben ja in Ennepetal kaum was zu tun. Der Ausflug war schon in Ordnung; denn dadurch konnte diese Truppe keinen weiteren Schaden in Ennepetal anrichten. Erreicht wurde natürlich nichts. Denn diese Solidaritätsumlage ist zu komplex für die biederen Ennepetaler. Wie sagt der Kämmerer immer so schön: Das ist ziemlich schwierig, aber ich will versuchen es ihnen zu erklären. Na denn.

Dem Vernehmen nach hat niemand der Ausflügler etwas im Düsseldorfer Landtag verstanden, jedoch waren alle begeistert von den mitgenommenen Frikadellenbrötchen die während der VER Bustour verdrückt wurden.

 

Prozess vor dem OLG Düsseldorf

swap-partner

Swap-Partner – Kämmerer Dieter Kaltenbach und Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen Fotos und Collage: Linde Arndt

Die Stadt Ennepetal muss keine weiteren Zahlungen aus den Swap-Geschäften mehr leisten, so das OLG Düsseldorf. Daraufhin knallten angeblich die Sektkorken im Rathaus. Sieg auf der ganzen Linie? Wohl kaum. Was die Stadt verschweigt, es wird keine Rückzahlung der WestLB Nachfolgerin geben. Wie viel war das denn? Gerichts- und Anwaltskosten werden unter den Teppich gekehrt. Wie viel war das denn?

Und bei aller Liebe, es war eine Wette die die Stadt Ennepetal mit dem Geld der Steuerzahler eingegangen ist. Und da ist erst einmal etwas Demut angesagt, weil der Kelch an der Stadt vorbei gegangen ist und die Gerichte der Stadt Ennepetal Recht gegeben haben. Die Rechtskräftigkeit dieses Urteils ist jedoch noch nicht gegeben, denn die „Erste Abwicklungsanstalt“ (EAA) (Nachfolge der WestLB für risikoreiche Papiere) kann noch Revision einreichen.

Und vielleicht wäre jetzt eine Entschuldigung bei den Ennepetaler Bürgern fällig. Denn mit dem Beschluss aus dem Jahre 2006 zum Einstieg in das Swap Geschäft waren alle damaligen Verantwortlichen einverstanden. Und als zum ersten mal eine Auszahlung stattfand, war man doch zufrieden im Rat der Stadt. Damals herrschte die Gier im Rathaus.

 

Unser Sport soll alles haben wonach der Sinn sein könnte

Während im Sozial- oder auch Kulturbereich mit dem notwendigsten Haushaltsansätzen gearbeitet wird, kann der Sportbereich aus dem Vollen schöpfen. Im Sportbereich gibt es auch keine Einwendungen; denn diese Zahlen wurden offensichtlich alle von den Vereinsvorsitzenden übermittelt. In anderen Städten zahlen die Vereine gerne an ihre Stadt für die Nutzung der städtischen Liegenschaften. Oder da werden Vereine zusammen gelegt. Blau/Weiß Voerde/RSV/TUS Ennepetal oder auch Rot/Weiß Rüggeberg, sie alle stehen auf der Haushaltsliste der Stadt Ennepetal für bedürftige Sportvereine.

Und da geht es nicht um ein paar tausend Euro, sondern um Millionen die die „arme“ Stadt Ennepetal aufbringen muss. Bleibt die Frage nach dem, warum macht die Stadt dies?

Es ist für jeden Ratsherrn als auch für den Bürgermeister gut, sich als Wohltäter aufzuführen. Bei den Vereinsversammlungen sich mit einem Grußwort hervorzuheben oder aber selber anwesend zu sein. Bei der nächsten Wahl wird sicher der eine oder andere sich an den Kandidaten erinnern der dem Verein meinetwegen den Kunstrasen ermöglicht hat. Nur für eine 30.000 Einwohnerstadt sind diese Zuwendungen eindeutig zu hoch. Auch ist es für ein noch aufzustellendes Imageprofil nicht vermittelbar, wieso Ennepetal im Sportbereich so mit Steuergelder gefördert wird.

Lokale Kultur ein Imageträger

Die Ennepetaler Musikschule hat durch die Probleme im Fliednerhaus (schädliche Schimmelsporen) den Unterricht ausgelagert. Dies aber nur als Zwischenlösung. Ein zurück wird es nicht mehr geben. Gesucht wird eine Endlösung. Die Endlösung hatte man schon in der Grundschule Friedenstal gesehen. Beim letzten Ausschuss wurde alles wieder auf Start gebracht. Wieder im Rennen ist die ehemalige Grundschule Hasperbach.

Anita Schöneberg (SPD), Vera Zenker (SPD) und Dr. Hella Siekermann (FDP) Fotos: Linde Arndt

Anita Schöneberg (SPD), Vera Zenker (SPD) und Dr. Hella Siekermann (FDP)
Fotos: Linde Arndt

Vom Tisch ist allerdings die Lösung die einzelnen Instrumente auf mehrere Räumlichkeiten zu verteilen. Also ein totaler Neubeginn? Nein, so was ist in Ennepetal nicht üblich – Flickschusterei ist hier die erste Wahl.

So wurde eine komische Koalition im Kulturausschuss sichtbar. Anita Schöneberg (SPD), Vera Zenker (SPD) und Dr. Hella Siekermann (FDP) fanden die Hasperbach Lösung für ausreichend.

Die Grundschule Hasperbach liegt für die meisten Kinder aus Rüggeberg, Büttenberg oder anderen Stadtteilen sehr weit entfernt. So müssten die meisten Kinder bis zu 3 Stunden Hin- und Rückfahrt hinnehmen, was unzumutbar wäre. Andererseits können auch Eltern nicht mehr solch einen Zeitaufwand erbringen. Was dann letztendlich zu einer Abnahme der Schülerzahlen führen würde.

Stefan Mayer-Stoye Foto: LInde Arndt

Stefan Mayer-Stoye
Foto: Linde Arndt

 

Gewollt von dem weiblichen „Le Trio Infernale“? Einzig der grüne Ratsherr Stefan Mayer-Stoye wusste die Situation in diesem Zusammenhang richtig einzuschätzen.

Aber lassen wir das, musische Bildung war noch nie der Deutschen liebstes Kind. Es war auch so nicht alles für einen Neustart der Musikschule vorbereitet.

Es lagen keine Pläne der einzelnen Schulen vor, Konzepte wie eine Musikschule in einer modernen Stadt einen positiven Imagetransfer herstellen könnte fehlten gänzlich, Mehrfachnutzung der schulischen Gebäude waren nicht angedacht. Überhaupt hatte die Politik zur Gänze gepennt; denn außer das es galt zwischen zwei oder mehreren Gebäuden zu entscheiden war da nichts.

Auch hier sollten wir einen Blick über die Stadtgrenzen werfen. In Gevelsberg hat Frau Dagmar Tewes mit ihrer Musikschule ein über die Stadtgrenze bemerkenswertes Gitarrenfestival aufgebaut.

Das ging allerdings nicht von heute auf morgen, Frau Tewes hatte und hat die notwendige Geduld um solch ein außerordentliches Event für Gevelsberg zu stemmen. Dazu kommt noch eine Stadtverwaltung, die die Notwendigkeit und den Glücksfall dieses Festivals richtig zu würdigen wusste. Und Ennepetal?

Wir erinnern uns ungern an die Blamage mit der Jeki (Jedem Kind ein Instrument) Aktion, wo zwar Instrumente mit Steuregeldern abgegriffen wurden, für die Kinder aber keine Lehrer vorhanden waren. Und heute wieder so lieblos, obwohl Frau Schöneberg (SPD) selber musiziert.

 

Nochmals  – wir wollen den Neuanfang beschwören, mit: Einem Image für die Stadt Ennepetal. Die Musikschule müsste unter diesem Aspekt eine Zielvorstellung definieren. Zweimal im Jahr würde die Musikschule ihr Leistungsvermögen in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Die Musik hält unendlich viele Möglichkeiten bereit das eine Stadt sich profilieren (Transfer) könnte. Die Öffentlichkeitsarbeit müsste verbessert werden. Die Räumlichkeit einer Schule, wie der Schule Friedenstal,  müsste unter der Leitung der Musikschule evtl. einer Mehrfachnutzung zu geführt werden. Die Schulleitung müsste alleinverantwortlich in allen Bereichen  entscheiden dürfen. Personell bedeutet dies aber auch, es müsste eine qualifizierte Kraft an die Spitze der Musikschule.

 

Kulturausschuss v.l.: Cosima Palomba / Zink / Carsten MichelFoto: Linde Arndt

Kulturausschuss v.l.: Cosima Palomba /Christian  Zink / Carsten Michel
Foto: Linde Arndt

Das sind nur Stichworte für eine Musikschule die der Stadt Ennepetal Punkte bringen könnten.

Vor allen Dingen müsste zuerst der Kulturausschuss federführend diesen Neuanfang der Musikschule in Besitz nehmen wollen. Danach sollten den weiteren Ausschüsse, wie Betriebsausschuss oder AÖR SBE ein dementsprechender Beraterstatus zu geteilt werden. Die Arbeiten im Rat und den Ausschüssen sollten hier anderen moderneren Vorgehensweisen Platz machen. Zeit ist ja noch vorhanden um die neue Musikschule handwerklich auf den richtigen Weg zu bringen.

Und zu guter Letzt sollte den Ausschussmitgliedern bewusst sein, die Musikschule ist mit einer Stadt wie Ennepetal mit vielen Bereichen verknüpft. Ein falscher Aufbau bringt einen negativen Effekt. Eine Repräsentanz sollte die Musikschule schon darstellen, nicht eine Aufbewahranstalt für Menschen die eine komische Neigung haben. Nächstes Jahr 2014 wird es ein Jahr der kulturellen Bildung geben. Das Haus von Ministerin Löhrmann will sich von Leuchttürmen verabschieden und will in diesem Bereich ganze Lichterketten aufbauen. Dazu gehört auch die musische Bildung, die nachweislich Menschen mit mehr Kreativität und Phantasie hervor bringt. Und die wollen wir ja gerade; denn die sind in der Lage Probleme einer Lösung zu zu führen.

 

Stichwort Zielvorstellung

Als Betriebswirt muss man den Rat der Stadt Eennepetal und die Verwaltung bewundern. Jahrelang sehen wir sie durch die Stadt irren auf der Suche nach einer vermittelbaren Konzeption. Da wird von einem auf den anderen Tag ein Problem sichtbar, was bei näherem Hinsehen schon immer jahrelang sichtbar gewesen war. Kurz-, mittel- oder gar langfristige Planungen sind nicht der Ennepetaler Ding. Improvisieren, und zwar Tag für Tag, ist angesagt. Wen wundert es wenn normale Leute scharenweise die Stadt verlassen? Und dann immer diese Neuanfänge, die immer wieder da enden wo sie in Ennepetal enden – im Nichts. Dabei müssten die Ennepetaler doch nur einmal eine Zielvorstellung definieren. Wo wollen wir hin. „Mein Ennepetal“, höhlisch gut“ oder jetzt „Stadt der Kluterthöhle“, alles Slogans die mal auf geworfen wurden und dann wieder verschwanden. Im Moment hat man den Tourismus auf dem Plan, Leute sollen morgen in Ennepetal einfallen, 40 Kilometer auf unzureichenden Strecken mit Kind und Kegel marschieren, dann aber wieder verschwinden. Bewundernswerte Vorgehensweisen bei denen der Schaudereffekt nahe einer Krimisendung ist.

Eine kinderfreundliche Stadt, eine Stadt für Touris, eine industriefreundliche Stadt, eine tolerante Stadt, alles tolle Zielvorstellungen, nur es müssen die Infrastrukturen erarbeitet und kommuniziert werden. Es reicht nicht wenn der BM einen Rundweg abgeht, sich an einem Tag in den Printmedien ablichten lässt und am nächsten Tag wieder Ruhe ist. Nachhaltigkeit ist hier gefragt. Und das bedeutet planen und organisieren und nicht improvisieren.

Und weil das ewige Improvisieren nie hin kommt, wenden sich die Verantwortlichen ab, legen die Hände in den Schoß und den Kopf in den Sand. Das ist Ennepetal die „Insel der Glückseligen“ die eine eigenartige Sicht der Dinge sichtbar macht. Und die Ennepetaler Bewohner? Sie gehen nach wie vor in die umliegenden Städte, arbeiten, chillen,  vergnügen sich, essen und trinken um danach in Ennepetal ihre verdiente Bettruhe auszuüben. Und bei nächster Gelegenheit fragen sich diese Ennepetaler, warum sie nicht gleich in der Stadt wohnen, wo sie eben arbeiten, chillen, sich vergnügen oder essen und trinken. Wie oft habe ich schon gehört, ich muss hier nicht wohnen!.




Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

Man kann die Ennepetaler Politik fast nur mit Mitleid betrachten

[jpg] "Handlungskonzept Wohnen" wurde diese Veranstaltung genannt. Wilhelm Wiggenhagen nannte es eine Auftaktveranstaltung auf der Grundlage des demografischen Wandels und der erarbeiteten "Vision 2025" und übergab direkt an Ulrich Höhl von der Stadtentwicklung.

Der hatte eine wunderschöne Powerpointvorlage erarbeitet auf welcher man die Daten aus dem Flächennutzungsplan, dem Einzelhandelskonzept als auch der Vision 2025 des Cosimo Palomba nochmals variiert hatte um dem versammelten Publikum diese neu zu servieren.

Angereichert wurde das Ganze mit allseits Bekannten aus dem statistischen Landesamt oder dem Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung. Wer die nationale Presse regelmäßig liest fand in diesem Referat viele Argumente und Weisheiten aus der Presse, auch von EN-Mosaik, wieder.

Selbstverständlichkeiten wie "die Lebensqualität hängt von der Wohnqualität ab", "einem Wohnraumumfeld" oder "einer höheren Anforderung an das Wohnen", wurden als eigene Einsicht dargelegt. Es war schon bemitleidenswert wie hier etwas vorgetragen wurde, was normalerweise heute schon zur Allgemeinbildung gehört. Aber das ist nicht das Wesentliche, was einen in eine Mitleidskrise treiben könnte.

Wesentlich ist, dass diese statische Betrachtung (Handlungskonzept kann man das nicht nennen)  in einer hoch dynamischen Gesellschaft angestellt wird. Aber in Ennepetal hat man halt einen gefühlten 60 Stunden Tag,heißt, die Uhren gehen hier etwas langsamer. Hat man in der Politik Jahre gebraucht um den demografischen Wandel zu erkennen, so kommt heute die Reaktion viel zu spät. Bis die Politik die Anforderungen in Handlungen umsetzt, hat sich der demografische Wandel erledigt. Und wie setzt sie im Moment das Problem um? Die Alten werden selektiert, es werden Strukturen geschaffen, die wir in 15 Jahren nicht mehr brauchen. Da sind die Alten unter der Erde. Was bleibt? Ein Bestand an Seniorenheimen oder ähnlichem bleibt, die unser System belasten, die wir aber nicht mehr brauchen. Die Überkapazitäten an Krankenhäusern die durch die Politik im Gesundheitssysetm geschaffen wurden, sprechen eine eindeutige Sprache.

Stichwörter:

Patchworkfamilien:
Immer mehr Partner, teilweise mit jeweils eigenen Kindern, finden sich zusammen und wollen keine langfristige Bindung eingehen. Wollen jeweils ihre eigene Wohnung behalten.

Singlehaushalte:
Auch diese Gruppe steigt immer mehr und ist eine ernstzunehmende Gruppe.
Der Raumbedarf ist aber der gleiche wie bei einer ehemals 3 köpfigen Familie

Alleinerziehende:
Überwiegend Frauen. Benötigen dementsprechenden Raum, aber auch eine funktionierende soziale Infrastruktur.

ALG II Empfänger:
Auf Dauer gesehen wird diese Gruppe steigen, die Einkommen werden jedoch sinken. Der Bund streicht gerade den Heizkostenzuschuss. Die vom Bundesverfassungsgericht geforderten neuen Sätze sind noch nicht bekannt, werden jedoch niedriger sein. Dies bedingt eine Nachfrage nach billigem Wohnraum, billiger als bisher bekannt. Denn wenn der Bund die Zuschüsse streicht, muss die Kommune wieder mal einspringen. Hier kann man nur kostengünstig arbeiten, indem man diese Gruppe in Stadtteilen zusammenfasst und andere Wohneinheiten zu schaffen, deren Versorgung zentral gesteuert werden.

Senioren:
Die Kosten für die Unterbringung in Heimen werden steigen, aber auch das betreute Wohnen ist für diese Gruppe zu teuer. Denn die Renten und Pensionen werden in den nächsten Jahren sinken. Konsequenz: Es müssen andere Wohnformen her.

Arbeitskräftemangel:
Hier zeichnet sich eine riesengroße Lücke in den nächsten 15 Jahren ab. Headhunter werden auf Jagd nach Fachkräften abgestellt. Und diese Fachkräfte fragen einen dementsprechenden qualitativen und quantitativen Wohnraum nach.

Das sind nur 6 Punkte die in eine Betrachtung einfließen müssten. Diese sind aber nur beispielhaft. Dazu kommen noch die Infrastrukturmaßnahmen die eine moderne Stadt bereitzustellen hat, die ich hier unerwähnt lassen möchte. Und diese 6 Punkte gehören in eine gründliche Analyse. Und erst aus der Analyse leitet man ein Handlungskonzept ab und stellt dieses zur Diskussion.

Es nützt auch nichts,  wenn das Wissen um die mangelnde Attraktivität vorhanden ist, wenn jeder Attraktivität anders definiert.

Attraktiviät heißt für Ennepetal, wir haben eine Höhle, eine Fußgängerzone und einen grünen Gürtel. Und gut ist. Können die Verantwortlich aus der Politik sich nicht vorstellen, dass Andere das anders sehen?

Wir leben zwar auf einer "Insel der Glückseligen" aber manchmal sollte man doch hinter die B7 gehen um zu sehen wie es andere machen. Wobei so weit ist das eigentlich gar nicht.

Wann wird Ennepetal begreifen, dass Kommunen in einem Konkurrenzkampf leben?

 

Und dann musste die Politik wieder mit ein paar Statements auftrumpfen, die in der Forderung gipfelten, einen Arbeitskreis zu eröffnen oder ein Gutachten erstellen zu lassen. Die Herren Rauleff und Steinbrink von der SPD und Frau Hofmann von den Bündnisgrünen spielten sich hierbei die Karten zu. Es sind immer wieder die gleichen Sprachülsen und Textbausteine die aus den parteipolitischen Setzkästen stammen. Einmal durchatmen, Vernunft und das Denken aktivieren fällt der Politik sichtlich schwer. Aber wir wollten ja schon immer mal was sagen.
   
                   
Herr Frey von der FDP wollte die Marktwirtschaft umgesetzt haben, die es ja richten sollte. Nur das die Marktwirtschaft aus der Politik Impulse und Eckpunkte haben muss, dass ist dem Oberliberalen Frey offensichtlich nicht geläufig. Marktwirtschaft ist kein liberales Dogma, es ist ein System liebe liberale FDP. Und Marktwirtschaft braucht Akteure, die diesem ganzen System eine Richtung geben. Die eingeforderten Wortmeldungen durch Herrn Höhl brachten keine weiteren Erkenntnisse. Warum auch, es ist doch bis heute für jeden der Anwesenden gut gegangen. Nur für die Stadt Ennepetal ist vieles daneben gegangen. Herr Braselmann sah indirekt mal wieder nur seine und andere Interessen gewahrt, wenn endlich die Fußgängerzone wieder für den Durchgangsverkehr geöffnet werde. War klar. Nur das Herr Braselmann seine Häuser vielleicht in einen besseren und anderen zeitgemäßen Zustand versetzen sollte, dass steht auf einem anderen Blatt.

Wilhelm Wiggenhagen fand dann noch, dass dieses Thema die letzten 20 – 30 Jahren vernachlässigt worden war. Recht hat er. Nur er saß doch in dem Fachbereich der dieses Thema bearbeitete. Warum hat er es nicht früher auf die Agenda gesetzt? Und weiter meinte Wilhelm Wiggenhagen, das kann es doch nicht gewesen sein.  Doch das war es, mehr ist nicht drin. Als Frau Hofmann die Frage stellte: Was können wir tun? war schon alles gelaufen.

Klar kann Ennepetal was tun. Sich endlich der Realität stellen und eine schonungslose Analyse anfertigen. Nicht die Sachverhalte so herbeireden wie sie eben nicht sind, damit es für die "Insel der Glückseligen" passt.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

alle Fotos ©2010 EN-Mosaik

Demographischer Wandel, in Ennepetal ein passiver Prozess

[jpg] Wilhelm Wiggenhagen und Casimo Palomba touren jetzt schon einige Zeit mit ihrer Präsentation "Demographischer Wandel" durch Ennepetal. Höflich wie die meisten sind, lässt man das über sich ergehen. Dabei hat sich im Laufe der Monate das Design der Präsentation verbessert, die Inhalte sind jedoch immer noch als eher mangelhaft bis ungenügend zu bezeichnen.

Erheben die beiden für ihre Präsentation den Anspruch, eine wissenschaftliche Präsentation gefertigt zu haben? Nur als wissenschaftliche Arbeit kann man dies wohl kaum bezeichnen, eher als Blendwerk, welches den Blick auf die Probleme und deren Lösungsmöglichkeiten verstellt.

Überhaupt werden immer wieder Halbwahrheiten durch Wilhelm Wiggenhagen verbreitet, die den Eindruck erwecken sollen, er habe alles im Griff. Da behauptet er doch auf seiner Webseite glatt weg, der Bahnhofsverein hätte bis jetzt nichts machen können, weil er noch nicht im Vereinsregister eingetragen wäre. Tatsächlich hätte der Verein nach seiner Gründungsversammlung sofort loslegen können, denn die gesetzlich vorgeschriebenen Voraussetzungen waren erfüllt, er hätte nur seinem Bahnhofsverein bis zu seiner Eintragung in das Vereinsregister den Zusatz "in Gründung" anhängen müssen. Wieder einmal mehr hat   Wilhelm Wiggenhagen seine Passivität im Zusammenhang eines wichtigen Themas positiv umschreiben müssen. Warum schreibt der gute Mann nicht einfach, sorry, ich bin bis jetzt nicht dazu gekommen? Er versucht aber auch alles schönzureden. Und das ist sein Problem, vor lauter Schönreden (schreiben), sieht er das Problem nicht mehr. Und wo kein Problem ist, braucht man auch keine Lösung. Nun hat er ja das Bahnhofsproblem in die Verantwortung dieses Vereins gelegt, der nunmehr, "…ein finanzierungssicheres und tragfähiges Konzept für das Gebäude zu entwickeln…", hat – so seine Webseite. Scheitert der Verein, so ist Wilhelm Wiggenhagen noch lange nicht gescheitert; denn er hat ja alles getan. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Es sei beiden gesagt, es  geht um ein Thema, welches oberste Priorität genießen sollte, es geht um nichts geringeres als um die Attraktivität der Stadt Ennepetal. Denn nur die Attraktivität einer Stadt ist der Schlüssel um die Folgen des demographischen Wandels zu mildern, wenn nicht sogar umzukehren.
Lassen wir einmal den Begriff demographischer Wandel definieren.

Der Begriff ist zuerst einmal neutral, sagt er doch nur aus, dass eine Bevölkerung in einem Untersuchungsgebiet entweder zu- oder abnimmt. Wie das hängt von drei Faktoren ab:

  •    Die Geburtenrate, sie liegt zur Zeit bei  ~1,37 ( 2007), sinkend
  •   Das zu erwartende Lebensalter, also die Lebenserwartung, steigend
  •   Der Wanderungssaldo, steigender Wegzug

Der demographische Wandel ist also die Summe aus den obigen drei Faktoren. Nun geht Herr Palomba her und prognostiziert mehrere Bevölkerungszahlen im Jahre 2025 indem er sinkende Bevölkerungszahlen zu Grunde legt. Der "Worst Case" ergibt im Jahre 2025 eine Einwohnerzahl von rund 24.000. Und dann guckt dieser Betriebswirt immer Beifall heischend in die Runde. Wissenschaftlich ist dieser Vortrag ein Unding, suggeriert er doch, dass der demographische Wandel ein statischer Prozess sein soll. Tatsächlich ist er jedoch ein hochdynamischer Prozess mit vielen Einflussmöglichkeiten auf die drei obigen Faktoren. Nur müssen die Einflüsse politisch auch gewollt sein. Palomba unterstellt der Politik die Unfähigkeit sich zu bewegen, ja noch weiter, er verweigert sogar die Möglichkeit der Einflussnahme.

Wir versuchen einmal die politische Einflussnahme, auch in einer Kommune, zu skizzieren.

Vorbemerkung.

In den letzten 30 Jahren verweigert die Politik die in unserer Gesellschaft teilweise revolutionären Veränderungen zur Kenntnis zu nehmen. Auch geht die Politik her und versucht mittels Scheckheft die alten gesellschaftlichen Bedingungen wieder herzustellen. Alle Statistiken weisen seit Jahren auf ein verändertes Verhalten im Zusammenleben der Gesellschaft hin. Jedes Jahr wenn die Zahlen herauskommen, hebt ein lautes Lamento der Politik an, getan wird jedoch nichts.

1.    Die Geburtenrate

Sie lag im Jahre 2007 bei 1,37, hätte um die Bevölkerungszahl stabil zu halten bei 2,1 liegen müssen. Frauen wollen keine Kinder mehr, so möchte man sagen. Wollen sie das wirklich nicht? Nein, sie wollen, aber sie wollen es nicht unter den Bedingungen die der Staat ihnen vorgibt. Was ist das für ein Staat der gut ausgebildeten Frauen abverlangt auf eine berufliche Karriere zu verzichten um Kinder zu bekommen? Warum geht der Staat nicht her und verändert die Bedingungen so, dass eine Frau weiter ihre Karriere betreiben  und sich ihren Kinderwunsch erfüllen kann?

Da fehlt es an Kinderhorten und Kindergärten, die flexibel auf die nicht immer gleich bleibenden Arbeitszeiten der Frauen und Männer reagieren. Da fehlt es an vorschulischen Angeboten in den vorgenannten Institutionen, die überwiegend zu reinen Verwahranstalten organisiert wurden. Da beobachtet man eine signifikante Gruppe von Frauen und Männern die keine Ehe eingehen wollen, jedoch Kinder gerne hätten – Studien belegen dies. Dieser Kinderwunsch bleibt nur ein Wunsch, weil die Politik Familie und Ehe zum Dogma erklärt hat. Den Anstieg der Singlehaushalte und der so genannten Patchwork Familien sollte man schon konstatieren.

Ich denke mir, wenn eine Kommune sich aufraffen würde die Bedingungen den gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen, würde die Geburtenrate auch steigen. Wo ist denn das Problem in einem Hort  oder Kindergarten die Öffnungszeiten variabel zu gestalten? Wo, die Schule mit einer Freizeiteinrichtung zu erweitern? Immer wieder werden die Kosten nach vorne geschoben, nur keiner der Betonköpfe berechnet welche Kosten durch nicht getroffene Entscheidungen entstehen.

Um es klar zu sagen, man kann die Geburtenrate beeinflussen, aber nur mit den Frauen und nicht gegen die Frauen. Ehe und Familie ist sicher ein Auslaufmodell in unserer Gesellschaft, wenn sich der Wertekanon nicht wesentlich verändert und es sieht nicht so aus. Man kann das Bedauern, sollte es aber zur Kenntnis nehmen. Der Staat sollte sich grundsätzlich aus der Lebensplanung eines jeden Einzelnen heraushalten, nicht was sein sollte, sondern was ist, darauf sollte er politisch reagieren. In diesem Kontext müsste noch die halbherzige Jugend- und Bildungspolitik angeprangert werden, die allerdings nur bedingt von den Kommunen beeinflusst werden kann. Nur eines: Welches Elternteil will seinem Nachwuchs nicht die bestmöglichen Perspektiven bieten? Ich kenne niemanden.

2.    Die Lebenserwartung

Ja, sie steigt und steigt und setzt die Sozialsysteme unter Druck. Die Generation 60+ hat ein ungeheueres wirtschaftliches Potenzial. Nur es existiert in der Wirtschaft kein probates Angebot, welches die Generation 60+ zum konsumieren bringt. Der Jugendwahn versperrt der 60+ Generation den Konsum. Und der Staat? Er reagiert zunehmend mit der Ansiedlung von Alten- und Pflegeheimen, deren Credo "Satt und Sauber" die 60+ in den Wahnsinn treibt. Wer sagt denn dass mit 65 Jahren Schluss sein soll? Warum kann man den Eintritt in das Rentenalter nicht flexibel gestalten? Ein 70 jähriger Mensch hat heute noch ein Leistungspotenzial  (70% nach neusten Untersuchungen) das genutzt werden kann. Jobsharing würde aus zwei 65+ Menschen zu einer Arbeitsstellenteilung führen. Wenn die 60+ Generation nicht aufs Abstellgleis geschoben würde, würden auch die Gesundheitskosten sinken.

Gut, der Staat kann nur die Rahmenbedingungen schaffen. Aber bei den Rahmenbedingungen gibt es doch Grundbedingungen die diesen zu Grunde liegen. Nun die Lebenserwartungen verändern sich nicht so rasant wie die anderen Faktoren, aber sie verändern sich. Und diese Veränderungen sollte der Staat erst einmal zur Kenntnis nehmen.

3.    Der Wegzug oder Wanderungssaldo.

Gehen mehr Menschen aus einer Kommune, einem Land aber auch einem Staat so spricht man von einem negativen Wanderungssaldo. Deutschland verliert Jahr für Jahr rund 140.000 Bürger an andere Staaten. 140.000 gut ausgebildete Menschen die uns den Rücken zu kehren. Stichproben Befragungen haben ergeben, Deutschland ist für die Menschen nicht attraktiv genug, es fehlen die beruflichen Perspektiven sich zu entwickeln. Und in einer Kommune? Auch hier wird die Attraktivität als Grund genannt. Eine Kommune die auf das veränderte Freizeitverhalten der 25 bis 50 jährigen keine Antwort hat, ist schon per se schon unattraktiv. Das Wohnangebot für Singlehaushalte ist unzureichend. Ein Single benötigt heute gleich großen Wohnraum, wie ehedem ein drei Personen Haushalt.

Umfangreiche Freizeitangebote sollte eine Stadt schon bereithalten. Die üblichen Vereine, wie Sportvereine mit ihrem breiten Angebot decken schon lange den Bedarf nicht mehr ab. Schaut man sich die Statistiken der Vereine an, so stellt man unschwer fest, die Gruppe 25 bis 50 Jahre ist unterrepräsentiert. Auch ein spezifisches Frauen Angebot für die Freizeit, jenseits von Koch- oder Häkelkurse, fehlt fast zur Gänze.

Heimatvereine oder politische Vereine sind in der Regel geschlossene Veranstaltungen, verkrustet führen sie nur noch die veralterten Mitglieder ins Nichts. Diese Vereine sind unfähig neue Formen des Zusammenseins zu organisieren. Impulse von außen werden abgeblockt. Nur in unserer heutigen Gesellschaft lässt sich kaum einer mehr auf solch einen Verein ein. Die festen Bindungen von ehedem werden gemieden. Wir verlangen Mobilität und Flexibilität von den BürgerInnen, wen wundert es wenn diese Anforderungen auch im privaten Bereich gelebt werden. Tag für Tag kommen in unsere Stadt Pendler um hier ihrer Arbeit nachzugehen. Warum wohnen die aber nicht hier, nehmen also den Stress der täglichen Fahrt auf sich? Weil eben die Arbeitsstelle attraktiv ist, nur die Stadt ist es halt nicht.

Diese vorgenannten Faktoren sind also beeinflussbar im positiven wie im negativen Sinne. Positiv aber doch nur mit guter nachhaltiger Politik. Und für diese Politik braucht man auch Personen die Visionen transportieren können, keine Besitzstandswahrer die sich immer rechtfertigen warum es nicht so läuft wie es laufen sollte. Und ja, Menschen wollen sich mit ihrer Stadt identifizieren, sie brauchen Identifikationspunkte die ihnen eine Bindung an ihre Stadt ermöglicht. Die Dachmarke "Mein Ennepetal" trifft sicherlich für alle Alten und altgewordenen Ennepetaler zu.Nur trifft dies auch für die Gruppe 25 bis 50 zu? Die Kluterthöhle oder der Teckel kann doch nicht eine nachhaltige Bindung erzeugen, beide sind nur für eine kleine Zielgruppe bindend wirksam. Sicher diese Zielgruppe sollte bedient werden, die anderen Zielgruppen, die viel größer sind, sollten aber nicht außen vor bleiben. Politik in Ennepetal heißt immer, nichts Neues zulassen was evtl. das Alte verdrängen könnte. Nur wie soll das funktionieren, wenn die Gesellschaft sich immerzu verändert? Und diese Veränderungen müssen sein, denn wir stehen im Wettbewerb mit anderen Nationen auf diesem globalen Dorf. Jedoch  auf einer "Insel der Glückseligen" kann man hergehen alle gesellschaftlichen Veränderungen ignorieren.

Wir haben einen schwachen Rat und einen schwachen Bürgermeister. Warum? Weil sie nicht den Mut haben das Denken zu zu lassen, den Streit um die bessere Zukunft zu wagen, den unvoreingenommenen Dialog verweigern und letztendlich in ihren Eitelkeiten versagen müssen. Ein Bürgermeister der jedwede Verantwortung auf andere abschiebt, keine Entscheidungen treffen mag, die nicht von der ihn aufgestellten Partei goutiert wird. Der von der Person geachtet werden will, in der Sache aber nichts vorzuweisen hat. Das Amt des Bürgermeisters ist zunächst einmal leer, es muss durch Impulse, Ideen und Handlungen erst einmal mit Leben gefüllt werden. Das Ablichten bei jeder Gelegenheit machte schon bei Eckhardt keinen Sinn und löste nur Gelächter aus, Wiggenhagen versucht es ihm nachzumachen. Seine Hilflosigkeit im Zusammenhang mit dem Bahnhof oder dem Thema Tourismus taten schon richtig weh.

4.    Konsequenzen und Schlussbemerkungen

Wenn Palomba seine rund 24.000 Einwohner präsentiert, präsentiert er in der Konsequenz nur die so genannte Fixkostenremanenz. Er verschweigt aber, bewusst oder unbewusst,  dass dies die halbe Wahrheit ist. Denn wenn diese statische Betrachtung so stehen bleiben sollte, sollte die Stadtverwaltung ganz schnell zu den großen Firmen, wie Dorma, Febi oder ABC gehen und ihnen mitteilen, dass es in 15 Jahren keine qualifizierte Arbeitskräfte mehr geben wird  und die Stadt eine Stadt der Alten und Pflegebedürftigen sein wird. Das bedeutet, diese Firmen machen zu oder sie verlagern ihre Betriebe dorthin wo es genügend Arbeitskräfte gibt.

 

Noch ist die Bindung der Firmen zur Stadt Ennepetal  hoch, nur wenn die Firmen wirtschaftliche Einschränkungen hinnehmen müssen, kann diese Bindung sehr schnell fallen.

Auf der anderen Seite wird es in Deutschland sicher eine politische Veränderung in der Einwanderungspolitik geben, heißt Deutschland wird ein Einwanderungsland, ein Grauen für jeden konservativen Politiker. Nur wenn diese Hürde fällt, was passiert dann? Im Moment wird der Aderlass den Deutschland durch den Wegzug erleidet, durch Zuzug aus Osteuropa einigermaßen kaschiert. Nur zunehmend stellt man fest, dass gut ausgebildete Nichtdeutsche Deutschland nur als Sprungbrett betrachten.

Sie ziehen weiter nach Großbritannien, Skandinavien oder gleich in die USA, Gutausgebildete können alle englisch.  Die bleiben, sind meistens schlecht ausgebildet. Also warum erst deutsch lernen, wenn man in den anderen Ländern mit der erlernten Zweitsprache klar kommt? Aber, und das ist eine berechtigte Frage, wird Ennepetal in 15 Jahren mit gut ausgebildeten Bulgaren, Weißrussen oder Ukrainer einverstanden sein, denen die Attraktivität der Stadt vollkommen egal ist? Was ist denn wenn der Anteil der Nichtdeutschen auf über 20% ansteigt? Ein Wirtschaftsbetrieb braucht nun einmal gut ausgebildete Arbeitnehmer um sein Fortbestehen zu sichern.

Demographischer Wandel bedeutet,  es finden  hoch dynamische Transformationprozesse statt, die alle Bereiche der Gesellschaft erfassen. Dies zu begreifen sollte erste Pflicht sein um überhaupt Entscheidungen zu treffen, die getroffen werden müssten. Da nutzt es wenig dies mit einer unzureichend statischen Betrachtung zu begleiten.

Nimmt man die Statistiken zur Hand, so stellt man fest, dieser demographische Wandel löst in Europa und anderen Staaten ganze Völkerwanderungen aus. Nur die flexibelsten Volkswirtschaften kommen dabei mit. Es sind heute schon zwei Verlierer auszumachen, die in 15 Jahren größte gesellschaftliche Verwerfungen bilanzieren dürfen, Deutschland und Japan.

Die Frage bleibt, wollen wir die globalen Verlierer sein? Will die Kommune Ennepetal sich in die Reihe der Verlierer klaglos einreihen oder will sie sich besinnen um die Chance des Wandels zu begreifen um eine Neupositionierung der Kommune anzugehen? Der Kommentator "Leserkritik" stritt an anderer Stelle eine Einflussnahme auf die obigen Faktoren ab, gab nur geringe Möglichkeiten zu. Dies ist falsch, wenn man nicht die Dynamik begreift. Die Märkte erfordern eine offensive Vorgehensweise gegenüber den Volkswirtschaften im globalen Dorf  um seine Produkte an den Mann zu bringen und letztendlich Gewinne zu generieren. Wer das nicht schafft geht unter. Im gesellschaftlichen Bereich kann es nicht anders sein, so lange wir dem Diktat der Wirtschaft unterliegen. Alles andere ist Wunschdenken und Träumerei. Und passiv etwas zu erdulden hat die Menschheit noch nie weitergebracht, sie hat sie nur zurück geworfen. Also.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

Ennepetal lebt den demografischen Wandel

[jpg] Wenn ich die letzten Tage und das Erlebte in Erinnerung rufe, so muss ich sagen, Ennepetal freut sich auf den demografischen Wandel, wenn in 15 Jahren die Stadt nur noch rund 24.000 Einwohner hat und man eben halt mehr Platz hat. Wenn die pro Kopf Kosten dann um ein Vielfaches steigen und die Schlüsselzuweisungen aus Umsatz- und Einkommensteuer so dann zurückgehen. Die Sehnsucht nach der Bedeutungslosigkeit einer Stadt oder Stadt der Alten und Gebrechlichen, so kann man es an den vielen Bemerkungen festmachen.

Da findet der runde Tisch zum Tourismus unter Herrn Wiggenhagen statt, einem Mann der Bürgermeister sein will und  einfach dieses Amt nicht antreten will. Klar, er hat die Wahl gewonnen, ist vereidigt worden, aber er will dieses Amt nicht von der Person und der Sache trennen. Unbedingte Gefolgschaft erwartet er von allen aus seinem Umfeld, Loyalität gegenüber seiner Person aber nicht gegenüber dem Amt.

Da wird ein pseudowissenschaftlicher Vortrag über den Tourismus durch den persönlichen Referenten Herrn Palomba gehalten. Die Notwendigkeit des Tourismus wird an dem demografischen Wandel festgemacht. Wobei die Frage im Hintergrund steht, weiß dieser Mann überhaupt was dieser demografische Wandel bedeutet? Und was Bitte hat der demografische Wandel mit der Etablierung des Bereiches Tourismus in Ennepetal zu tun?
Es wird Herrn Palombas  Geheimnis bleiben. Nur mal ein Stichwort nebenbei, Tourismus gehört zum Dienstleistungsbereich und ist personalintensiv.

Und weiter, da werden auf einer Folie mal kurz 26 gastronomische Betriebe aufgelistet. Bei näherem Hinsehen werden Imbissstuben zu Restaurants erklärt. Herr Wiggenhagen freut sich über das für ihn große Interesse der Ennepetaler, verschweigt aber, dass er die Anwesenden alle persönlich angeschrieben und angesprochen hat. Hätte er zu diesem Runden Tisch nur über die Printmedien und die städtische Internetseite eingeladen, wären wahrscheinlich nur  2-3 Leute gekommen. Die Inszenierung Bahnhof Ennepetal/Gevelsberg ist ja für den Bürgermeister gut gelaufen, der Bahnhof ist aus seinem Verantwortungsbereich. Gut so.

Und dann der runde Tisch selber.

Eine Ist-Aufnahme, was bei einem wissen- schaftlichen Anspruch unabdingbar wäre, fehlte zur Gänze. Da geht man doch direkt in den Bereich des Wunschdenkens über.

Da wurde ein umfangreiches Wanderwegenetz besprochen, die einen sprechen von 55 km und andere von 120 km. Tatsächlich sind die meisten Wanderwege seit Jahren nicht mehr gepflegt worden, ja teilweise nur unter Gefahr begehbar.

 

Ein Wanderplan mit verschiedenen Strecken fehlt gänzlich. Ludger Brinkmann (CDU) bietet sein Gut Brabant als Haltepunkt, Franz-Josef Brinkmann bietet gar ganz Voerde als Stadtteil mit netten kleinen Geschäften für alle Tages- und Wochenendgäste an. Man versteigt sich gar, ganze Busladungen nach Ennepetal umzuleiten. Und übrigens würden alle Niederländer an Ennepetal vorbeimüssen, wenn sie auf den Weg ins Sauerland wären, die könnte man doch alle an der Autobahn umleiten. Da wurde aber einem Teilnehmer ganz mulmig, der kurz einwarf, man solle nicht zu viel Gäste in Ennepetal reinlassen, dass würde aber der schönen Ennepetaler Natur schaden.

Scheint denn ganz Ennepetal, zumindest die an solchen Aktionen mitwirken, an Realitätsverlusten zu leiden?

Als Ennepetal gegründet wurde planten die ersten Bürgermeister Textor und Sondermann schon den Tourismus zu etablieren, viele Schritte wurden damals gegangen, aber nie wurden Gesamtkonzepte erstellt und umgesetzt.

Später wurde immer mal wieder der Gedanke des Tourismus aufgenommen aber auch niemals umgesetzt. Was fehlte, ein schlüssiges Gesamtkonzept. Auch diesmal wieder, kein Konzept, nur viele evtl. Einzelmaßnahmen, die aber nicht zu einem gelungen Ganzen taugen. Dann sieht man immer wieder, dass bestimmte schon vorhandene missliebige Institutionen ausgegrenzt werden, ja sogar ignoriert werden.

Der Verkehrsverein, dessen Vorsitzende Anita Schöneberg anwesend war, wurde mit keiner Silbe erwähnt. Dabei ist es doch gerade der Verkehrsverein, der in den Vorjahren erhebliche ehrenamtliche Anstrengungen geleistet hat, die für eine touristische Infrastruktur als Baustein genutzt werden könnten. Da ist die Musikmuschel, die jetzt gerade ihr 25jähriges feierte, da ist der Nordic Walking Kurs der von den Mitglieder erstellt wurde und nicht zu vergessen die Konzerte die im Hülsenbecker Tal ausgerichtet wurden und werden. Nur weil Herr Wiggenhagen seine Privatfehde mit Frau Schöneberg austragen muss, darf der Bürgermeister Wiggenhagen den Verkehrsverein nicht erwähnen? Nur weil Frau Schöneberg ihrer Rolle als oppositionellen Ratsfrau nachkommt, soll sie ignoriert werden? Man kann hier nur den Kopf schütteln. Ein Bürgermeisteramt erfordert Souveränität und auch Integrität und diese beiden Faktoren tolerieren Opposition, ja erfordern sie gar.

Um es einmal klar und deutlich zu sagen, es fehlt die komplette Infrastruktur für den Wirtschaftsfaktor Tourismus. Es bedarf hier eines kompletten Neuanfanges. Sicher, man kann einzelne Bausteine erfassen, aber nur im Rahmen eines Gesamtkonzeptes. Als Anknüpfungspunkt den Teckel zu nehmen, ist gelinde gesagt eine Farce. Es kommen zwar Menschen nach Milspe, nur wo sind die gastronomischen Anknüpfungspunkte, Manus hat überwiegend geschlossen. Und man sollte sich hüten Besucher zu gängeln, dieser Schuss geht nach hinten los.

Und dann das so genannte Frühlingsfest "Inne Milspe". Um es kurz zu machen, es war lächerlich und mehr als peinlich, wenn es nicht Gottseidank nur in Milspe geblieben wäre.

Da auf die miserable Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Ennepetal Verlass ist, fand auch kein Ortsfremder hierhin. Die Milsper hat es zumindest gefreut, kam man doch wieder einmal zu einem Trätschken "Inne Milspe".

Nur mit diesem Event kann man weiß Gott keine Fremden zum Bleiben animieren. Von den Einzelhändlern in Milspe hatte man gerade Herrn Filici, Deppe Moden und Confiserie Kartenberg gesichtet. Die sich bei Schmuddelwetter redlich mühten, gute Miene zu machen. Da konnten auch die Blumeninseln der ansässigen Landschaftsgärtner nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Fest ein totaler Reinfall war. Als Besucher konnte man die üblichen älteren Herrschaften, die sowieso sich immer "inne Milspe" treffen, sehen. Wesentliche Umsätze wurden sichtbar nicht generiert. Die Landschaftsgärtner haben sicher gute Arbeit gemacht, jedoch fehlten die notwendigen Besucher, so dass dieser Auftritt einen werblichen Effekt herbei geführte hätte. Ach übrigens, am nächsten Tag machte "Inne Milspe" ein neues Geschäft auf, ausgeflippte Mode für junge oder junggebliebene Menschen. Wo war denn da die Wirtschaftsförderung? Kommunikation ist eben auch keine Stärke von Ennepetal.

Auch hier seit Monaten kein Gesamtkonzept, es wird gewurschtelt, mehr nach Zuruf  aber nicht geplant und darüber hinaus keine auswärtigen potenziellen Käufer angesprochen. Wie denn auch, bei dem Angebot?

Was bleibt?  Es fehlt das Wissen wie man eine richtige Analyse, ein richtiges Konzept erstellt und umsetzt.

Und was noch viel schlimmer ist, es fehlt eine kompetente Führung der es ein Anliegen ist für die Stadt etwas zu tun. Und jetzt kommen wir zum Ehrgeiz, der ja im hohen Alter erlahmen soll, man merkt es an den Verantwortlichen dass sie dieses Alter erreicht haben. Die Zellteilung hat eben schon länger aufgehört. Allesamt leben sie schon den demografischen Faktor mit ihren Handlungen.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

Ennepetal soll auf einer Rasierklinge reiten?

[jpg]  Die FDP lud zur öffentlichen Fraktionssitzung am 30.11.09 ins Haus Grebe ein. Wie schon in Wahlkampfzeiten, stellte sie einen Referenten vor, der über ein, für Ennepetal, brennendes Thema referieren sollte.
Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen und der designierte Leiter des Bürgermeisteramtes Casimo Palomba (CDU) waren erschienen und wollten über die "Vision 2025" referieren. Vision 2025 war die Masterarbeit von Casimo Palomba (CDU). Inhaltlich setzt sie sich mit der "Stadtentwicklung Ennepetals unter Berücksichtigung des demografischen Wandels" auseinander. Ich möchte rufen: Herzlich willkommen in der Runde der Ökonomen, wieder einer mehr.

Ökonomie besteht jedoch nicht nur aus Zahlen und Berechnungen, sie besteht zu ungefähr aus 65 % aus Psychologie und Soziologie. Und das letzte scheinen die Herren Wiggenhagen und Palomba (CDU)  nicht akzeptieren zu können.

Palomba (CDU) schmiss uns die Zahlen um die Ohren das es nur so krachte, hier der Flächennutzungsplan, dort das Einzelhandelskonzept der CIMA, dort die Bevölkerungsstatistik des Landesamtes NRW und, und, und um einen fulminanten Kunstflug zu tätigen. Gelandet sind wir mit einem lauten Knall auf einer Rasierklinge. Wie Donnerhall klang die Forderung des Herrn Palomba: Die Stadt muss sich für die Schrumpfung entscheiden, hier und jetzt. Wobei seine Perspektive für Ennepetal bevölkerungspolitisch bei 23.000 Einwohner liegt. Ein Strategiekonzept muss her, so Palomba, aufgezeigt wurden hier die alten Werkzeuge, die allesamt bisher versagt haben.  Wilhelm Wiggenhagen will eine Bürgerrunde, die eine Strategie mit erarbeitet. Nein, ich denke so geht das nicht. Herr Siekermann (FDP) brachte es auf den Punkt: Wofür haben wir uns Anfang des Jahrtausends in den unterschiedlichen Runden die Arbeit gemacht, wenn hinterher die Stadtverwaltung doch nichts davon umsetzte?Er meinte damit die Leitbilder für Milspe und Voerde aus dem Jahre 2001.

Ich denke mit diesem Referat wollten der Bürgermeister und sein Amtsleiter den so genannten Führungsanspruch einfordern.

Wie weit wir schrumpfen sollen, dass wollten uns Wiggenhagen und Palomba (CDU) nicht sagen. Aber wenn ich solch eine Entscheidung fordere, so sollte ich wenigstens eine Hausnummer sagen können.

Lassen wir uns einmal ein "worst case" Szenario zu Grunde legen, also der GAU für Ennepetal.1975 gab es in Ennepetal rund 38.000 Einwohner,jetzt sollen in 2025 nur noch rund 23.000 Einwohner innerhalb der Stadtmauern leben. Die gesamte Infrastruktur ist auf die 38.000 Einwohner ausgerichtet. Und soweit ich informiert bin waren die Planungen auf über 40.000 Einwohner ausgerichtet. Der Wohnungs- und Gebäudebestand muss zurück gebaut werden. Damit einhergehend werden die Preise für Grund und Boden ins uferlose sinken. Auch der verbleibende Immobilienbestand wird einen sehr hohen Werteverlust erleiden. 23.000 Einwohner würde bedeuten, wir verlieren Voerde-Nord, Homberge, Oberbauer,Hasperbach und müssen diese Stadteile zurückbauen. So einfach wird es jedoch nicht gehen, vielmehr werden sich die Auflösungen nicht unbedingt gezielt ergeben. Es werden mitten in den Ortteilen Flecken von Leerstände entstehen. Da kann man nicht eben  zusammenrücken, indem man drei Mieter umziehen lässt und dann das Haus abreißt. Das CIMA Konzept kann man heute schon in die Tonne legen. Denn eine Perspektive für den Einzelhandel wird es nicht geben. Dann die Kosten für diesen Rückbau, sie sind immens. Der Osten hatte dieses Problem schon. Wenn dort nicht Mittel des Bundes, der EU und der Länder gewesen wären, wären diese Kommunen schon verkommen. Und was das für einen Kommunalhaushalt bedeutet? Im Grunde sind bei solchen Szenarien sämtliche Mittel gebunden, kein Cent wäre frei um eine andere Aufgabe als diesen Wandel zu finanzieren. Handlungsspielräume gibt es nicht mehr.

Ja, die böse Statistik, wenn sie doch nicht für alles herhalten muss, selbst für die eigenen Fehler der Vergangenheit kann sie benutzt werden.

Der demografische Wandel in Ennepetal ist kein allgemeingültiger Wandel, vielmehr vollzog  und vollzieht er sich aus den politischen Fehlern der Vergangenheit.

Das Problem für Ennepetal: Es gehen überdurchschnittlich viele junge Menschen Ennepetal durch Wegzug verloren. Dem gegenüber sterben aber nicht genug ältere Menschen in Ennepetal, damit würde sich dies alles wieder ausgleichen. Also wenn alle Jungen bleiben  und die Alten über 60+ wegsterben würden, wäre das Problem gelöst. Ich weiß, das war jetzt zynisch, sollte aber eine Zuspitzung sein.

Die Lösung: Schafft Strukturen, das junge Menschen sich in den Stadtmauern mit ihrer Stadt identifizieren können und sich auch wohl fühlen. Das die jungen Menschen außerhalb uns überhaupt wahrnehmen.

Beispiel gefällig: Die Rockband Revolverheld gastierte in diesem Jahr in Voerde.
In den Nachbarstädten wurde die notwendige Promotion jedoch nicht wahrgenommen. Der Kirmesplatz war sodann auch nur zu einem Drittel belegt. Die Jugendlichen waren allesamt aus dem Häuschen. Nur sollte das was Einmaliges zu den 60 Jahrfeiern sein? Und das ist es was ich nicht begreife, ein solches Konzert hatten wir als Jugendliche auch gehabt. Hier ist es jedoch etwas, dass alle 60 Jahre mal stattfindet? Nur Jugendliche haben heute ein anderes Lebensgefühl und dem sollte man Rechnung tragen. After Works Partys, Über 30 Feten (Ist auch nicht mehr das), Techno Feeling mit mehreren DJ´s oder auch LAN Partys, sie wollen chillen. Ja, und auch Flatrate "saufen" als exzessive Lebensform. Dies alles ist aber organisier- und steuerbar, wenn man will. Gevelsberg hatte am Nirgena im Rahmen seiner "großes G" Veranstaltungen auf dem Platz ein Alkoholverbot erlassen, es funktionierte.

Ja, dieser Wille in Ennepetal ist recht rudimentär ausgeprägt, Anpassung an die Gegebenheiten die man als nicht beeinflussbar hinnimmt. Eine Toilette in Milspe kann da schon mal einen 10 Jahresplan voraussetzen, verbunden mit der Hoffnung die Bürger würden ihr Verhalten ändern und ihre menschlichen Bedürfnisse einstellen.

Und da war das noch mit den Alten, für die man auch keine richtige Verwendung hat, die man aber auch nicht versteht. Warum werden die nur so alt? Auch hier sollten andere Strukturen geschaffen werden. Es ist ein Märchen, dass ältere Menschen nur die "kurzen Wege" haben wollen. Auch sie brauchen Angebote, z.B. kultureller Art, die sie in die Lage versetzen aktiv ihr Leben zu gestalten. Sie wollen nicht zu Siechenden abgestempelt werden. Abgesehen davon, dass sie eine recht kaufkräftige Gruppe darstellen, denen man von der Wirtschaft nichts bietet, ja, sie noch nicht einmal als Zielgruppe wahrnimmt.

Das Problem des demografischen Wandels so wie es heute dargestellt wird, wird sich von alleine lösen; denn schon jetzt sterben die älteren schneller als junge Menschen geboren werden. Und dann werden wir ein Problem haben, 2025 bis 2050, dann muss Deutschland seinen industriellen Standort aufgeben, denn was fehlt, sind gut ausgebildete Arbeitskräfte. Und die guten Arbeitskräfte können sich die Standorte aussuchen, die für sie ansprechend sind, ob da aber Ennepetal mit mischen kann, wage ich zu bezweifeln. Die Folge: Firmen wie Bilstein, Dorma oder ABC müssen sich andere Standorte suchen, dort wo es Städte gibt die attraktiv genug sind um Arbeitskräfte zu binden.

Alles in allem war dies eine düstere Vision, eine Vision der Aufgabe und darüber hinaus die teuerste Vision die mir unter die Augen gekommen ist. Es fehlte der Mut die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen und zu gestalten.

Eben ein Ritt auf der Rasierklinge, der mit dem Untergang der Stadt enden könnte.

Aber wie gesagt, es ist ein "Worst Case" Szenario. Ist denn kein "Best Case"  oder zumindest ein "Average Case" Szenario mit dem derzeitigen Denken möglich? Unkonventionelles Denken oder das undenkbare zu Denken ist möglich, wenn man sich nicht blind an vorgegebene Strukturen festhält. Gevelsberg plant lustig vor sich hin, meistert jede Aufgabe um seine Stadt attraktiver zu gestalten, die Zahlen sind alle stimmig. Sind das andere Menschen? Sind die auf Droge, weil es bei denen vorwärts geht?

Und noch einmal, Mut und Ehrgeiz, das braucht man in Ennepetal, für die Parteien und die Verwaltung.

Was bleibt? Es fällt bei solchen Themen in der Vergangenheit immer wieder auf, dass Ennepetal keine Streitkultur hat. Das sich in den Veranstaltungen niemand traut eine Diskussion zu führen, eher werden da ein paar Statements abgegeben. Die Beteiligten sind offensichtlich nicht an einem Feedback interessiert. Dadurch unterbleibt das Ringen um den besten Weg. Schade eigentlich.

Jürgen Gerhardt

Mehrgenerationen und demografischer Wandel, eine Ersatzdiskussion

[jpg] Im Wahlkampf und auch noch heute hörte man immer von Herausforderungen die sich durch den demografischen Wandel ergeben. Es wurden düstere Bilder an die Wand gemalt. Der Staat  und unsere Stadt werden an ihre Grenzen kommen, ja mehr noch, der Haushalt werde kollabieren.

Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Faz schrieb in seinem Buch "Der Methusalemkomplex", gar von einer vergreisten Republik in der wenige Junge die Mehrzahl der Alten ernähren müssen. Andere Printmedien griffen das Thema auch auf , um letztendlich  die Problematik noch  zu verschärfen. Man hat den Eindruck jung soll gegen alt aufgebracht werden, damit die jungen endlich den Baseballschläger aufnehmen und die Alten erschlagen.

Frauen werden wegen ihrer Verweigerungshaltung kritisiert, die letztendlich am Aussterben der Deutschen Schuld sind. 1,36 Kinder bekommt jede Frau statistisch in der Bundesrepublik, man kann da schnell nachrechnen wann der letzte Deutsche das Licht ausmacht. Nur was treibt die Politiker und Journalisten dazu, diese Artikel in solch einer Form immer mal wieder zu bringen?

Es geht um Geld, viel Geld, sehr viel Geld. Unsere Sozialversicherungen werden für die Mehrzahl der Bürger durch den Staat verwaltet und letztendlich auch garantiert. Sie werden mit dem Arbeitslohn wie der Steuer eingezogen. Je zur Hälfte tragen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer diese Beiträge. Es sind hunderte von Milliarden, die die gesetzlichen Versicherungen einnehmen und ausgeben. Der Staat soll sich hier zurück ziehen, weil er kurz vor der Pleite steht, so die Forderung.

Wen wundert es, wenn die privaten Versicherungen, wie Allianz und Co, ihre Begehrlichkeiten kaum zurück halten können. Immer wieder wird die kapital gedeckte Versicherung mal wieder ins Spiel gebracht, heißt, Allianz und Co. ziehen die Beiträge an sich. Nur Privatunternehmen müssen Gewinne machen, die gesetzlichen eben nicht. Dies ist ein Argument welches nie sichtbar wird. Vordergründig wird nur von Senkung der Nebenkosten gesprochen um die Produktionskosten zu senken. Mehr netto vom brutto heißt nichts anderes als das es mehr Gewinne geben sollte. Nicht für den Arbeitnehmer sondern für den Unternehmer.

Aber was ist denn dran an diesem ganzen "Gesabbere" diesem Chor der so genannten besorgten Halbnationalisten? Es ist im Grunde genommen nichts dran, es sind Menschen die nur eine kurzfristige Denke pflegen. Die jetzt und heute den Gewinn haben wollen, nicht erst in der nächsten Generation. Die nächste Generation ist ihnen egal. Die Internetblase Anfang des Jahrhunderts und die Finanzkrise geben hierzu ein beredtes Zeugnis ab.

Im Grunde altert unsere Gesellschaft schon seit 1870 mehr oder weniger schnell in den Jahren bis heute. Und immer wieder trieben Ängste die Verantwortlichen in die Öffentlichkeit. Ängste keine Soldaten zu bekommen, wie bei Kaiser Wilhelm oder Hitler. Ängste das die "von unten" die "von oben" verdrängen könnten. Ängste vor Überfremdung in Zeiten als nicht genug deutsche Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Frank Burgdörfer,schrieb 1932 sein Buch "Volk ohne Jugend – Geburtenschwund und Überalterung des deutschen Volkskörpers", indem er vor der totalen Überalterung der Bevölkerung warnte. Genau die gleichen Szenarien wurden in diesem Buch beschrieben, wie wir sie heute wieder vorgesetzt bekommen. Aber es war 1932, also vor fast 80 Jahren.

Mal ehrlich, wer könnte sich vorstellen, dass ein Cem Özdemir von den Grünen der Deutschen Bank vorstehen könnte? Dies nur so nebenbei zu den Ängsten der Überfremdung durch die Konservativen. Und da entlarvt sich die Diskussion als das was sie ist, als eine Scheindiskussion von Rassisten und Nationalisten. Denn hinter dieser Diskussion steht noch etwas anderes. Die Alten sterben schneller als Junge nachkommen. Es fehlen auf Sicht Arbeitskräfte aber nicht nur irgendwelche, sondern gut ausgebildete Arbeitskräfte. Einer vernünftigen Einwanderungspolitik, die seit Jahren reklamiert wird, verweigern sich die Politiker.

Das treibt einem Unternehmer schon der Schweiß auf die Stirn, wenn er in 10 Jahren seine Produktion nicht mehr aufrechterhalten kann, weil der Markt für Arbeitskräfte leergefegt ist und der Headhunter nur noch mit dem Kopf schüttelt. Die Stadtplaner werden mehr und mehr irritiert, Rückbau ist angesagt, Infrastrukturen des Verkehrs  oder auch der Bildung stehen auf dem Prüfstand. Da wird das geliebte Schwimmbad auf einmal überflüssig. Mit dem ungeliebten Nachbarstädter kann oder will man es nicht, müsste es aber machen oder können. Da müssten andere Formen des Zusammenlebens organisiert werden, die es zwar schon mal vor 100 Jahren gab, die jedoch heute verpönt sind.

Womit wir wieder in Ennepetal wären.

Hier schlägt dieses Thema, demografischer Wandel, besonders hart zu. Hier altert die Bevölkerung besonders stark? Nein. Hier hat die Politik besonders viel getan, dass junge Menschen gegangen und nur die Alten geblieben sind. Die Nachbarstädte Schwelm und Gevelsberg zeigen einen ganz normalen Wandel, nicht so in Ennepetal. Hier in Ennepetal hat die Politik besonders stark versagt. Durch wegsehen wurden die Zeichen nicht erkannt oder falsch eingeschätzt. Man hatte ja seinen schönen Vorgarten, indem alles in Ordnung war, warum sollte man auf die Kommune schauen? Man war ja froh, wenn man dösend im Rat der Stadt sitzen durfte, irgendeiner würde einem schon sagen wenn man die Hand heben sollte. Der Stadtverwaltung, hier wurde in der Regel der Bekanntenkreis zugeführt, passte ja schon. Neues Denken war nicht erwünscht, also ja keinen von außen rein lassen. Frischblutzufuhr fand nicht statt. Es war und ist ein Zusammenspiel von gegenseitigem Nehmen und Geben. Politische Arbeit fand in der Regel nicht statt, warum auch. Es ist halt eine "Insel der Glückseligen" und wir fühlen uns alle so wohl hier!
Das Ende vom Lied heute? Es fehlen auf einmal 7.000 Einwohner die in den letzten Jahren sich mir nichts dir nichts verabschiedet haben und die Alten zurück ließen. Ein ganzer Stadtteil, zwar verteilt über das ganze Stadtgebiet, aber immerhin.

Das Szenario 2025 für Ennepetal:

Auf  zwei alte 60+ wird ein junger Einwohner Ennepetal bewohnen. Ein worst case Szenario welches die Stadt in enorme Probleme bringen wird. Eines Teils müssen erhebliche Mittel dafür aufgewendet werden, um die bestehende Infrastruktur zurück zu fahren und andererseits müssen neue altersgerechte Strukturen aufgebaut werden.  

Da reicht das angestoßene "Barrierefreie Wohnen" nicht mehr aus, schadet aber auch nicht. Ein Dilemma ist am Horizont sichtbar.
Wird die bestehende Infrastruktur auf eine altersgerechte umgebaut? Werden Mittel gebunden, die einen weiter reichende Ausbau der Infrastruktur unmöglich macht? Denn Ziel der Politik sollte es doch sein,  langfristig der jungen Generation auch eine attraktive Stadt zu sein. Aber schon jetzt gilt: "Ennepetal ist für die junge Generation weitgehend unattraktiv."
Gesamtpolitisch existieren nur zwei Denkansätze, wie man dem heutigen Altern der Gesellschaft begegnen sollte.
 

  • Man belässt die Alten in ihrer vertrauten Umgebung so lange wie möglich und baut mobile Strukturen um sie herum auf. Handel und Dienstleistungen werden in einen mobilen Bereich überführt. Die Folge: Die Innenstädte veröden, es findet eine Abwanderung in die Oberzentren statt.
  • Man überführt die Alten in den Dienstleistungsbereich "Alten-und Pflegeheime" die unter dem Titel "Satt und Sauber"  die Bedürfnisse der Alten abdecken. Die Folge: Die Sozialsysteme der Kommunen werden über Gebühr in Anspruch genommen. Es fehlen Gelder für Investitionen, die die Attraktivität der Stadt erhöhen könnten. Auch hier steht die Verödung der Quartiere am Ende bevor.

Beide Denkansätze sind in ihrer Folge fatal für jede Kommune, bringen sie doch am Ende dieses Prozesses eine tote Stadt hervor, die erhebliche, aber auch nicht tragbare, Investitionen benötigt um wieder lebensfähig und damit attraktiv zu werden.

Es ist und bleibt ein gesellschaftliches Problem ersten Ranges welches von der Politik total ignoriert wird oder nicht hinreichend einer Lösung zu geführt wird. Man sitzt das Problem aus und denkt, durch wegsterben der Generationen 60+ wird sich das Problem von alleine lösen. Ein Trugschluss. Notwendige interdisziplinäre wissenschaftliche Diskussionen zwischen der Wirtschaft, Stadt- und Raumplanern aber auch Sozialdisziplinen werden nicht gefördert, ja werden sogar unterdrückt. Wenn die Politik jedoch unter dem Primat der Wirtschaft agiert und Wachstum, Gewinn (Arbeitsplätze) und Wirtschaftsförderung die bestimmenden Themen sein lässt, muss sie sich nicht wundern, dass andere gesellschaftliche Themen keine Relevanz besitzen. Denn für die Wirtschafts- und Finanzpolitik ist die Organisation des Zusammenlebens der Gesellschaft im soziologischen Sinne vernachlässigbar. Definiert Wirtschaft zunehmend die Gesellschaft nur als Arbeits- und Konsumentenpotenzial welches sich zur Verfügung zu stellen hat. Gibt Gesellschaft nicht mehr her, so zieht man einfach weiter. Unter Wirtschaftsnomaden ist man sich selbst genug, wir haben ja die Globalisierung. Eine böse Falle für jede Kommune, jedes Land aber auch für den Staat.
Daraus folgt: Will eine Kommune langfristig nicht untergehen, sollte sie tunlichst einen eigenen politischen Weg  gehen. Nicht die wirtschaftlichen Kennzahlen sollten die Maßstäbe einer prosperierenden Kommune sein, sondern die Lebensqualität seiner Bewohner sollten bestimmende Ziele sein.  Denn die Wirtschaft selber ist wie eine Hure, sie wird immer dahin gehen wo sie ihren Vorteil erkennt, sprich Gewinne machen kann. Aber nur eine prosperierende Kommune weckt letztendlich die Begehrlichkeiten der Wirtschaft.

Was soll eine Kommune wie Ennepetal tun? Sie sollte mutig voran gehen und die Herausforderung des so genannten demografischen Wandels annehmen um die Strukturen des Zusammenlebens neu zu organisieren.

Was wir brauchen ist eine neue Stadtplanung, neues Wohnen was es aber schon einmal gab. Ich denke da an den Sozialbau von Magarethe Krupp, die durch die Gartenstadt Margarethen Höhe die Fürsorge Verpflichtung der Firma Krupp dokumentierte. Die Stiftung hatte die Idee von Margarethe Krupp aber nicht weiter entwickelt.
Die damalige Idee: Alle Generationen sollten in einer Siedlung zusammen leben, sich gegenseitig helfen und ergänzen. Kunst und Kultur sollten der "Erbauung" dienen. Freiräume für die Bewohner sollten Raum für Freizeitgestaltungen bieten. Krupps damaliger Gedanke, wenn es meinen Arbeitnehmern gut geht sind sie loyal, die Kosten der Krankheit bleiben gering, Ausbildungskosten werden reduziert durch geringe Fluktuation. Durch zufriedene Arbeiter wollte er qualitativ hochwertige Güter schaffen. Die Rechnung ging auf, Produkte von Krupp waren Jahrzehnte von sehr hoher Qualität. Diese Philosophie wird noch heute in der  Firma Thyssen/Krupp weiter verfolgt.

Diese zu Grunde liegende Philosophie kann man in den Bau von neuen Siedlungen in Ennepetal mit einfließen lassen. Was wäre denn, wenn wir Siedlungen schaffen wo sich Alt und Jung ergänzen. Die Alten den Kindern bei den Schularbeiten helfen. Es gemeinsame genutzte Räume gebe. Diese gemeinsam genutzten Räume könnten unterschiedliche Funktionen erfüllen. Kochen, basteln, malen, musizieren, diskutieren und was weiß ich noch.

Die Gruppen würden sich von selber finden, könnten voneinander lernen, Probleme würden im Gespräch einer Lösung zugeführt. Freiräume im Außenbereich, Autofrei, könnten für vielfältige körperliche Aktivitäten genutzt werden. Die Margarethen Höhe brachte den Tusem Essen, einen Sportverein, hervor. Kinder könnten ohne Gefahr in geschützter Umgebung wieder spielen, es wäre wieder Freiraum vorhanden.

Wir haben zwei große Baugenossenschaften, die Voerder und die Gebau, die ihren Wohnungsbestand barrierefrei umrüsten will. Warum aber verfolgen sie nicht ein viel größeres Ziel, ein generationsübergreifendes Ziel.
Es gäbe nur Vorteile, jeder würde davon profitieren.

In den letzten Jahren haben wir 7.000 Einwohner verloren, es müssen Wohnungen zurückgebaut werden, neue mit anderen Qualitäten müssen erstellt werden.

 

Es zwingt uns niemand, dass wir die Alten von den Jungen trennen, wir sind in der Planung und Ausführung frei.
Und grundsätzlich haben die Alten keine andere Wohnbedürfnisse wie die Jungen.

Das Kostenargument ist auch nicht gegeben, es sind die gleichen Kosten. Nur die Lebensqualität ist eine bessere.
Und eine bessere Lebensqualität bringt in der Summe eine bessere Attraktivität für die Stadt. Viele Ehepaare wollen keine Kinder, weil Kinder ihnen die Karriere verbauen. Nur, eine Ersatzoma könnte der Anreiz sein die Lebensplanung zu ändern. Es könnte aber auch ein Angebot für Paare sein, denen eine offene Siedlung mehr Möglichkeiten bietet.

Und mit einer höheren Lebensqualität erreicht man auch eine höhere Zufriedenheit von Bewohnern und damit auch Arbeitskräfte.
Im vorigen Jahrhundert hat die Gesellschaft die Großfamilie "zerschlagen" mit dem Ziel, die Leistungsträger von den nicht Leistungsträgern zu trennen. Die Leistungsträger sollten höhere Leistungen im Produktionsprozess erbringen. In diesem Jahrhundert ist man sich schon lange im Klaren, dass dieser Gedanke in seiner Ausführung in vielerlei Hinsicht gescheitet ist. Menschen sind soziale Wesen, sie suchen ihresgleichen um sich gegenseitig mitzuteilen, Kommunikation zu betreiben. Unterbindet man diese natürlichen Bestrebungen, senkt man die Lebensqualität. Die Forderung der Wirtschaft nach einem mehr an sozialer Kompetenz muss und kann nur durch gemeinsame Übungen erlangt werden. Aber nicht in den derzeitigen "Bienenwaben" oder "Betonklötzen" die wie an einer Schnur aneinander gereiht sind, ist ein soziales erfülltes Leben möglich. Die Trennung oder auch Ausgrenzung von Alt und Jung bringt nur eines,  soziale Kälte. Internalisierte soziale Kälte ist aber der heute geforderten Teamarbeit in unseren Firmen abträglich, sie verhindert geradezu eine hohe Leistungsbereitschaft.
Und Leistungsbereitschaft, die fordert die Wirtschaft doch Tag für Tag?

Ist das alles zu naiv, zu blauäugig? Nein. Wenn die Krupps und Thyssens des vorigen Jahrhunderts dies angedacht hatten, so kann man deren Gedanken aufnehmen und weiter entwickeln. Anderswo und gerade hier in Ennepetal.

Jürgen Gerhardt