Ende der Foren des zu erarbeitenden Flächennutzungsplans. Mut die Chance zu nutzen.

[JPG]1.Einleitung

Ich muss gestehen, es war für mich eine spannende, lehrreiche Zeit, die Vorträge über den zukünftigen Flächennutzungsplan. Dazwischen war noch der Vortrag von Herrn Berg (SPD) über die planerischen Möglichkeiten einer Stadt wie Ennepetal.


Was mich begeisterte war die Bereitschaft der Bürger aus allen Stadtteilen an diesen Foren nicht nur teilzunehmen, sondern sich auch aktiv einzubringen.

Widerlegt wurde die Aussage der Politiker aller Couleur, wir Bürger würden uns dafür nicht interessieren. Das ging sogar soweit, das auf dem letzten Forum Politiker der CDU, Grünen und der FDP sich massiv meldeten weil sie offensichtlich ihr Meinungsmonopol gefährdet sahen.

Thomas Scholle
Thomas Scholle
   Danken möchte ich von hier aus  Herrn Dipl. Ing. Thomas Scholle von Planlokal Dortmund, der mir, aber auch einigen anderen Ennepetalern, die Stadt und die Möglichkeiten mit dieser zu planen etwas näher gebracht hat. Der Vortrag von Herrn Dipl. Ing. Berg passte irgendwie nahtlos in diese Foren, auch hier ein Danke.
Die Moderation von Herrn Scholle war jedes Mal souverän aber auch wohltuend, machte neugierig auf mehr.
Leider war seine Zeit begrenzt, so dass es um 21:00 h immer etwas knapp wurde. Schade, dass wir solch einen Menschen nicht in unseren Stadtmauern oder sogar in der Stadtverwaltung  zu Hause haben.
Gewünscht hätte ich mir mit und in einem etwas größeren Kreis die planerische Zukunft dieser Stadt an Hand der Vorträge weiter zu diskutieren. Gelegenheiten waren ja da. Nur die Kommunikation in Ennepetal ist im Hinblick auf ein Streitgespräch oder eine Diskussion, kulturell doch sehr rudimentär ausgeprägt.
  Tobias Berg
Dipl.Ing.Tobias Berg, Foto: Xing

Nun der Flächennutzungsplan ist für das Gemeinwesen Stadt oder auch Kommune ein wesentliches Element um den Faktor Boden gedankentlich einer Nutzung zu zu führen. Diese Nutzungszuführung ist aber nicht bindend wie z. B. die Bebauungspläne oder der Bauleitplan.  Er stellt nur den Rahmen für die obere Behörde da.
Die Nutzungen sollen für das gesamte Gemeindegebiet ausgeführt werden und können nach Bedarf fort- oder auch umgeschrieben werden.

2. Die großen Flächen

Ennepetal ist flächenmäßig eine große Stadt, nämlich rund 58 km², Gevelsberg hat im Vergleich  rund 26 km² bei fast gleicher Einwohnerzahl, wobei die Einwohnerzahl in Ennepetal seit Jahren überproportional rückläufig ist.

Die überproportionale Rückläufigkeit , die auf Grund:

1.    Der höheren Sterberate, es sterben mehr Menschen als geboren werden.
2.    Die höhere Fortzugsquote, es ziehen mehr Menschen weg als zu ziehen.
3.    Durch die höhere Fortzugsquote, die hauptsächlich im Bereich der jüngeren < 30 Jahre
     

zu beobachten ist, ergibt eine höhere Bevölkerungszahl im Bereich der > 60 jährigen.

Aus diesem Grund sind wir auch der Meinung, dass die höhere Sterberate nicht so aussehen müsste.

Die Einwohner sind aber auf  viele unterschiedliche Quartiere verteilt, die zu weit auseinander liegen, um eine zweifelsfreie Zuordnung zu einer City anzustreben. Was bleibt ist ein Dilemma. Einesteils versucht die Stadt ziemlich verkrampft eine City in Milspe, welches mit Homberge mal gerade rund 10.000 Einwohner zusammen bekommt, zu etablieren. Andererseits versucht sie auch Büttenberg mit seinen rund 3.500 Einwohnern Milspe zu zu schlagen, was in vielen Bereichen an den Haaren herbeigezogen ist.

In diesem Zusammenhang hat man das Problem die "Enden" nicht zusammen zu bekommen, nicht jetzt und nicht in 15 Jahren.
Aber warum sollte man sie denn zusammen bekommen, wenn sie sich doch wie bisher ganz gut selber entwickelt haben?
So erscheint die unterschwellige Forderung der Politik spekulativ, die großen Areale gewerbemäßig und mit Wohnraum zu reservieren und planerisch einzuteilen,  etwas zu kurz zu sein. Eines der großen Vorteile von Ennepetal ist seine Natur, die gab es bei der Gründung vor 60 Jahren umsonst. Nur wie wird die verwertet? Kaum! Das wurde auch angesprochen. Hier fehlt der Umsetzungswille, ein Lippenbekenntnis gab es schon einmal.

3.Gewerbeflächen, Faktor Arbeit

Die Gewerbeflächen sollen perspektivisch erweitert werden. Hier ist vor allen Dingen Oelkinghausen angesprochen, welches einen Schwerpunkt in der Erweiterungspolitik darstellt. Nur, wenn man sich die Firma Dorma in Voerde betrachtet, die jetzt schon in Wuppertal/Schwelm eine Erweiterung hat, so stellt sich doch die Frage nach den Reserveflächen für diese Firma, die ja offensichtlich eine expansive Firmenpolitik verfolgt. Kostenmäßig wird diese Firma durch eine Stückelung der unterschiedlichen Standorte ins Hintertreffen gelangen und sich vor die Frage gestellt sehen, aus diesem Grunde eine Zentralisierung des gesamten Firmenstandortes zu betreiben. Langfristige Politik in einem Wirtschaftsunternehmen ist nicht deckungsgleich mit der Politik einer Kommune. Da kann es schon vorkommen, dass ein Wirtschaftsunternehmen eine Kommune verlässt, weil perspektivisch keine Möglichkeiten mehr vorhanden sind. Dies gilt gleichwohl für die Firmen Febi, Ischebeck, Jakob aber auch andere. In den letzten Wochen konnten wir die Reibungsverluste im Bereich Kommunikation der Stadtverwaltung beobachten, es wird im Bereich der Wirtschaftspolitik nicht anders sein.

Auch erscheint es mir nicht zweckmäßig die klare Trennung von arbeiten und wohnen weiter bei zu behalten.  Hier sind in den letzten Jahren viele Diskussionen geführt worden, die diese Trennung  als nicht mehr tragfähig ansehen. Die Diskussion dauert allerdings an, aber, so meine ich, eine interessante Diskussion.

Wichtig ist aber doch im Idealfall dass das Kommunale Gewerbe die Bewohner auch ernähren, d.h. ihnen Arbeit geben kann und zur Entwicklung der Kommune beiträgt.


4.    Wohnraumflächen, Faktor Wohnen

Auch hier sind dramatischen Veränderungen in den letzten Jahren zu registrieren. Nicht nur der demografische Wandel spielt hier eine Rolle, vielmehr beobachtet man zunehmend eine andere  Anforderung an das Wohnen.
Im heutigen Bundesgebiet leben rund 82 Mio Menschen.  Diese werden aber im Jahre 2050 auf rund 69 Mio zurück gehen, auf Grund der Geburtenrate von rund 1,36. Ein Gegenlenken ist von der Politik nicht in Sicht.
Weiter  wird die Art und Weise des Zusammenlebens innerhalb der nächsten Jahrzehnte total anders sein.
War im vorigen Jahrhundert die Großfamilie und die Familie ein Modell des Zusammenlebens, so beobachtet man zunehmend den so genannten Singlehaushalt oder auch die Patchworkfamilie als dominierende Komponente des Wohnens. Wenn vor 30 Jahren eine 4 köpfige Familie mit 70 qm zufrieden war, so beobachtet man heute Singlehaushalte die die gleichen Quadratmeter nachfragen, jedoch in einer höheren Qualität.
Mobiltät und Flexibität verlangen ein anderes Zusammenleben. Auch spielt der Aspekt des Erlebens der Freizeit eine viel höhere Rolle. Die Organisation von Alt und Jung, also das soziale Element der Generationen muss überdacht werden. Die Alten können nicht auf  Dauer ausgegliedert werden, weil dies nicht mehr finanzierbar sein wird. Die Alten sind auch nicht mehr zufrieden mit der Zuweisung auf ihr Ruhedasein, auch sie wollen noch erleben; denn der körperliche Status ist bis ins hohe Alter ein hervorragender. Herr Scholle sagte in einer Einlassung, wir alle müssen lernen wie wir mit den schrumpfenden Anforderungen bei höherer Qualität auskommen. Wohl wahr.

5. Freizeit, Faktor Freizeit

Mit immer weniger Arbeitszeit schafften wir immer mehr Werte, dies hat  unsere Volkswirtschaft zur drittgrößte der Welt gemacht hat. Ein Zurück scheint es auch in der Krise, die wir jetzt haben, nicht zu geben. Diese Krise, die mit aller Wahrscheinlichkeit drei Jahre dauern wird, ist eine Chance uns für die Zukunft neu aufzustellen.
Arbeiten und Wohnen ist jedoch nicht der einzige Faktor der neu organisiert werden muss.
Neue Freizeitgestaltungen und damit auch Flächen benötigen die Menschen um einen vernünftigen Ausgleich hinsichtlich ihrer Leistungserbringung zu erreichen. Auch hier ist die Anforderung eine andere als vor 30 Jahren.

Vor 30 Jahren waren die Menschen eben noch zufrieden nach der Arbeit in ihrem direkten wohnlichen Umfeld ihre Freizeit zu gestalten. Da war das Einfamilienhaus mit dem Vorgarten, dem Verein um die Ecke oder auch die Nachbarschaften vordringliches Ziel der Freizeitgestaltung. Eine kleine Kneipe reichte aus.
Die Folge war auch die Verwaisung der Innenstädte und die Zersiedlung der grünen Flächen. Neue Freizeitformen wie Golfspielen, Tennis und Hockey aber auch die unterschiedlichen Formen der Wellness Kampagnen benötigen ganz andere Flächen die nachgefragt werden. Immer weniger Menschen werden immer mehr verdienen, was sie aber auch in ihrer Freizeit ausgeben wollen. Die Menschen wollen jetzt erleben, nicht morgen und auch nicht danach.

6. Altlasten, Fehler der Vergangenheit

Nach dem 2. Weltkrieg hatten unsere Väter nur eines im Sinn gehabt, Wohn- und Gewerberaum zu schaffen, koste es was es wolle. Die Städte geben ein beredtes Zeugnis ab. Ennepetal hat da sehr lange gezögert um das Ruder herum zu reißen – oder zögert noch. Man braucht nur an der Neustrasse vorbei zu fahren um die hässlichen Hinterhöfe zu sehen, die eine Narbe in Milspe darstellen. Oder "Manhatten",  Voerde Nord oder Teile des Büttenbergs sind städtebaulich als nicht gelungen zu bezeichnen. Folge: Die Stadt wird in ihrer Struktur als unattraktiv wahrgenommen. Kein Wunder das dies zu ihrem Ruf als Schlafstadt führte.
Um hier eine Änderung herbei zu führen braucht es planerischen Mut, Mut den die politischen Entscheider offensichtlich nicht aufbringen können oder wollen. Nur auf Zeit wird diese mangelnde Attraktivität, der Stadt das Genick brechen. Denn auch Ennepetal steht in Konkurrenz zu den anderen Städten des Kreises, fällt aber immer weiter zurück. Chancen ergreifen und Zukunft gestalten hieß das Leitwort der Flächennutzungsplanung. Richtig, möchte man sagen. Dann reißt doch endlich einfach mal das alte ein und legt etwas neues zukunftträchtiges an, in Milspe, in Voerde oder anderswo!!!!
 
7. Stadtteile oder auch Quartiere

Politisch wird dem Zentralgedanken angehangen. Milspe soll das Zentrum sein. Ein fataler Entschluss der mit nichts aber auch gar nichts begründet werden kann. Die Begründung, alle Städte hätten ein Zentrum ist doch nur eine hilflose Konstruktion, die von dem eigentlichen Problem ablenkt. Die Topografie gibt es noch nicht einmal her, wenn man sich Milspe genauer anschaut. Auf der einen Seite der Klutertberg, auf der anderen  Seite der Homberg, liegt Milspe in einem Tal mit natürlichen Grenzen. Eine Ausweitung könnte ein Durchstich nach Altenvoerde bringen, dort ist aber eine Industriebrache wie ein Wall verankert. Auch die vorliegenden Flächen großzügig den Diskountern Penny und Aldi zur Verfügung zu stellen um die Grenzen nach Altenvoerde zu verfestigen ist ein nicht gerade genialer Schachzug, denn dadurch werden neue Hindernisse dem Stadtteil Altenvoerde vorgelagert.
Leben und damit Attraktivität bringt aber nur das Zusammenwachsen der Stadtteile und schafft damit auch neue Erlebnisräume. und Angebote an die Bevölkerung. Ennepetal hat in seinen Quartieren eine sehr hohe Identität, wie z. B. wir Voerder oder auch Milsper und das ist gut so. Wenn im Jahr 2009 der Stadtteil Oberbauer die freie Republik Oberbauer ausruft so ist das Ausdruck von einem urwüchsigen Identitätsstreben, welches niemals mit einem Zentrumsgedanken unterbunden werden kann und sollte. Der Zentrumsgedanke konterkariert gerade dieses Bestreben und führt letztendlich zur Ablehnung des Zentrumsgebildes und damit zu einem erhöhten Wegzug der jungen Bevölkerung.
Den Bestrebungen, Milspe eine zentrale Rolle zu zuweisen, stehen die Verhaltensmuster der Einwohner konträr entgegen. Abgesehen davon, dass Milspe diese Erwartungen niemals erfüllen kann und wird.
Im September 2008 wurde die Fußgängerzone eröffnet. Die Zielsetzung war eine zentrale Versorgungseinheit zu schaffen, Milspe kann dieser Forderung bis heute nicht gerecht werden. Die Forderung, die Fußgängerzone wieder für den Autoverkehr zu öffnen, ist eine Forderung dem Citybestreben Einhalt zu gebieten, weil die Mehrheit der Milsper dieser Forderung  subjektiv nicht gerecht werden kann. Es ist aber nicht Ausdruck der ewig gestrigen, die evtl. ihr eigenes Süppchen kochen wollen. Die Verwaltung will mit dem Citymanagement
gegensteuern, merkt jedoch nicht, dass sie mit dem Kopf vor die Wand läuft.
Für einen attraktiven Branchenmix  fehlen Händler, für attraktive Händler fehlen jedoch Verkaufsflächen, die ein probates Angebot darstellen könnten. Was nutzen Events, wenn keine Angebote vorhanden sind, die ein nachhaltiges Einkaufsverhalten auslösen.
Wenn die vorhandenen Verkaufsflächen z.B.mit Glasbläsern, Töpfern, Tuchmachern oder sonstige Kunsthandwerkern
bestückt würden, gäbe dies einen größeren Effekt, hin zu mehr Attraktivität der Stadt als die derzeitigen Eventaktivitäten. Ennepetal die Stadt der Kunsthandwerker. Da hat der Tourismus direkt eine viel größere Chance. Lassen wir das als eine konstruktive Provokation stehen.
Auch wurde nicht bemerkt das die Dienstleister, wie Versicherungen oder die Energieunternehmen, um die raren Ladenflächen mit den Händlern in Konkurrenz stehen, das bedeutet, die Ladenmieten werden nicht sinken. Die Dienstleister haben ihre Strategie geändert, sie wollen auf ebener Erde ihre Leistung präsentieren, sie meiden nunmehr die erste Etage oder die "Hinterhöfe". Diese Flächen sind auf Jahre verloren, weil die Händler die hohen Innenstadtmieten nicht mehr zahlen können. Das gibt die Kalkulation nicht mehr her.

Die Hilflosigkeit der derzeitigen Wirtschaftsförderung ist schon zur Regel geworden, die die Kreativität und Phantasie total unterdrückt, sie treibt fröhliche Urstände. Kreativität und Phantasie sind aber notwenig um die anstehenden Probleme zu lösen. Werden sie unterdrückt können die Probleme nur kaschiert werden.
Auch ist es nicht nachvollziehbar,warum die Voerder Strasse nicht durch mehr Wohnraum aufgewertet wird. Der Abriss vieler altehrwürdiger Gebäude zu Gunsten eines Terassenbaus zur Gasstrasse würde der Stadt ein ganz anderes moderneres Bild geben. Aber das braucht wieder Mut.
 
8. Zusammenfassung

Ein Teilnehmer artikulierte das Weniger der Stadt Ennepetal als Chance. Aber Chance für was? Wenn nicht der Mut zu einer neuen Organisation des Zusammenlebens der Einwohner, der Stadtteile vorherrscht. Die neue Organisation kann doch nur bedeuten, auf bestehenden Flächen, wie Wohnen, Arbeiten und Freizeit etwas Neues zu wagen, was einmaliges, was uns hervorhebt, erhebt und den Grad der Identität erhöht? Nur das alte fortschreiben oder auch umschreiben wird keine wesentliche Veränderung bringen. Räume gestalten mit neuen Flächen, das war einmal. Räume gestalten auf bestehenden ausgewiesen Flächen, auch mit der Abrissbirne, kann eine Chance bedeuten, andere Wege zu gehen.
Dann der Konkurrenzgedanke der Planung, der zwischen den Quartieren  aber auch den Nachbarstädten abgelehnt wird, ist der falsche Weg. Mit der Konkurrenz zu arbeiten und zu leben ist immer wieder ein Ringen um einen besseren Weg, aber auch das Aufzeigen von anderen Wegen, Nischen.  Konkurrenz ist niemals ein nieder machen des anderen, es ist immer etwas was neu entsteht. Klar das Alte geht unter, aber es belastet auch nicht mehr, soll es doch für die Nostalgiker in einem Museum Bestand haben.

Es fiel auch  diese Mut- und Hilflosigkeit auf, die so lähmend hier im Tal vorherrscht. Nur die neue Zeit ist auch eine Zeit der Neuorientierung oder des Neuanfangs. Neue Wege zu gehen, bedeutet auch das Beharrungsvermögen, den inneren Schweinehund, zu überwinden, um andere Lebensqualitäten zu erfahren.
Das Erreichte ist durchaus als gut anzusehen, nur ist es nicht auch menschlich mal etwas einzusetzen um eine andere Welt zu betreten. Besser oder nicht besser, wir werden es nie erfahren, wenn wir es nicht wagen.

Wenn ich die Alten immer höre, wie schön alles früher war, so ist das doch nur der Ausdruck dafür, dass die soziale Position nicht der inneren Erwartung entspricht. Es ist nur eine Artikulation des mit Mängeln behaftenten sozialen  Standpunktes in unserer Gesellschaft. Es ist fast so wie: "Also, früher war ich wer,heute habe ich keinen Platz mehr in dieser Gesellschaft." Es ist ein Problem der Soziologie und der Psychologie. Und da verstehe ich die Raumplanung nicht, die nur das Ingenieurwesen zulässt, aber die Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften außen vor lässt.
Flächen werden von Menschen in vielfältiger Weise genutzt. Die Nutzung kann zwar durch die Ingenieurwissenschaften nach technischen Gesichtspunkten erarbeitet werden, das Zusammenwirken und – leben der Menschen sollte jedoch durch die Soziologie und Psychologie begleitet werden, nicht ohne Mitwirkung oder Mitbestimmung.
Rene König, Horst Eberhard Richter, Theodor Adorno oder auch Alexander Mitscherlich haben hierzu im vorigen Jahrhundert eindrucksvolle Gedanken zu dieser Problematik erbracht. Ennepetal ist ein Beweis für eine umfassendere Planung, nicht nur durch die Ingenieurswissenschaften. Warum Ennepetal kein Pilotprojekt in einem größeren politischen Rahmen sein kann, ist für mich unverständlich.
Wenn wir heute im Angesicht einer Systemkrise unser Zusammenleben nicht besser gestalten wollen und können, wann wollen wir denn anfangen. Die Krise die im monetären Bereich begann und langsam den ökonomischen Bereich erfasst, wird letztendlich auch den sozialen Bereich in andere Formen überführen, dann aber unter wirtschaftlichem Zwang und nicht mit gestalterischem Willen.
Aushalten ist nicht angesagt, sondern gestalten. Aushalten kann man eine Naturkatastrophe, aber die Zukunft sollte man schon gestalten und damit wären wir wieder bei der Politik. Diese Politik die offensichtlich nicht gestalten will sondern nur die Substanz verwalten, die wir aber für eine Neuausrichtung benötigen.
Diese Politik die nur zwischen zwei Wahlterminen planen will, wo im Gegensatz Generationen nach neuen Wegen aufbrechen wollen. 140.000 hochqualifizierte Menschen verlassen z. Zt. Deutschland. Wie lange wollen und können wir uns das noch leisten, in Ennepetal aber auch anderswo.
Ennepetal als Leuchtturm im südlichen EN-Kreis? Da braucht es aber ein Mehr an Herz.

Ich bin gespannt auf die weiteren Veranstaltungen zum Flächennutzungsplan, nachdem diese Foren in den Plan eingearbeitet worden sind.

Jürgen Gerhardt

2 Kommentare
  1. Avatar
    Dr. Ingo Mehner sagte:

    Naja oder nana, da ist viel drin:
    Auf den ersten Blick die wohltuende Abkehr von der Zentralität.
    Über die anderen Themen habe ich nachzudenken.
    Bis Dienstag dann. Dienstag stelle ich das Zukunftsthema FNP ins net. FNP a la Mehner.
    I.M.

  2. Redaktion
    Redaktion sagte:

    @Dr. Ingo Mehner 18. April 2009 15:03

    Ne, ne, geben Sie es zu, dass wohltuende ist, ich plädiere für eine Planung für den Menschen, ich nehme ihn also wahr. Also Planung vom Menschen und für den Menschen. Die Planung der letzten Jahrzehnte wurde jedoch immer ohne den Menschen gemacht. Hinterher stellte man fest, he, was sind das für Leute die in den Bau gehen. *fg*

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