Bochum erhält den goldenen European Energy Award

[la] Bereits in  unserem Artikel vom 21.11.2012 (letzter Absatz) haben wir über den European Energy Award berichtet. Im Nachgang hierzu geben wir folgende Mitteilung an Sie weiter:

Bochum erhält den goldenen European Energy Award

[Brüssel/Bochum] Die Stadt Bochum hat als einzige Ruhrgebietskommune gestern Abend in Brüssel den European Energy Award in Gold erhalten. Insgesamt wurden 25 europäische Kommunen und ein Landkreis für ihre ganzheitlichen Klimaschutzstrategien und -projekte, kommunalen Förderprogramme und für den Einsatz regenerativer Energien und die Energieeinsparung ausgezeichnet.
Bochum wurde nach 2009 bereits zum zweiten Mal mit Gold geehrt, u.a. für Anlagen zur Hebung des Grubenwassers auf ehemaligen Schachtanlagen. Das Grubenwasser wird genutzt, um städtische Liegenschaften mit Wärme zu versorgen.80% betrug die Punktzahl die Bochum erreichte.

Den European Energy Award in Gold erhält eine Kommune, wenn sie mindestens 75 Prozent der Maßnahmen umsetzt, die in einer Kommune oder einem Kreis überhaupt möglich sind.

Bereits im November waren die European Energy Award auf Landesebene verliehen worden. [Den European Energy Award in Silber erhält eine Kommune, wenn sie mindestens 50 Prozent der Maßnahmen umsetzt.] Unter den Geehrten waren Castrop-Rauxel, Ennepetal, Hamm, Marl, Oberhausen und Witten. An dem Zertifizierungsprogramm rund um den Award nehmen mittlerweile europaweit 1.000 Gemeinden teil, 500 Kommunen wurden bisher ausgezeichnet.
Infos unter www.EnergieAgentur.NRW.de

 
Ratsmitglieder Ennepetal                                                                                                                                             Foto: ©  Linde Arndt
 

Politiker und Sensibilität, schließen sich irgendwie aus

     [jpg] Nun hat sich „unser“ Literatur-nobelpreisträger Günter Grass einmal mehr Sorgen um den Weltfrieden gemacht. Er hat ein Gedicht verfasst, was der Form nach kein Gedicht ist.

Nur inhaltlich hat er etwas gesagt, was viele um treibt und was tatsächlich tabuisiert wird. Tabuisiert deshalb, weil es sich nicht gehört Israel, also den Staat Israel, zu kritisieren.
Klar können wir Belanglosigkeiten, wie, die Straßen könnten mal eine neue Decke bekommen, kritisieren. Aber wir dürfen nicht die Siedlungs-, Verteidigungs- oder gar die Gesellschaftspolitik kritisieren.

 Günther Grass                               [Screenshoot Tagesschau]
   

Hinter vorgehaltener Hand ja, aber nicht offen. Wenn man das jedoch macht ist man sehr schnell in die Ecke des Antisemiten gerutscht oder möchte gar das Werk Hitlers als Erbe vollenden.

Unser ehemaliger Bundespräsident und Oberbürgermeister von Wuppertal. Johannes Rau. war immer ein Freund Israels, aber wie er einmal gesprächsweise sagte, eine Freundschaft sollte auch Kritik aushalten. Deutsche sollten jedoch ihre Kritik gegenüber Israel wohlüberlegt anbringen, dies gebiete die besondere Beziehung zu Israel.

Zu diesem Staat Israel gehören Juden, Christen und  auch Muslime, es gehören aber auch die verschiedensten Ethnien dazu. Politisch findet man in Israel von erzkonservativ bis progressiv alles in einer Gesellschaft. Das es in solch´einer Gesellschaft auch brodelt ist klar. Nur, eine gute Demokratie hält so was auch aus, ja braucht diese unterschiedlichen Strömungen um im Dialog sich weiter zu entwickeln. Israel hat jedoch keine Freunde als Nachbarn, vielmehr muss das Land immer auf der Hut sein. Alle Nachbarn wünschen sich nur eines, dass Israel von der Landkarte verschwindet. Dieser Wunsch existiert schon seit Nasser, der die Israelis ins Meer treiben wollte. Israel hat gelernt damit zu leben und seine Nachbarn immer im Auge zu haben. Politisch reagiert Israel nicht immer glücklich auf die Vorkommnisse seiner Nachbarn. Und jetzt hat Israel auch noch einen „arabischen Frühling“ einzuschätzen. Bekannte Diktatoren verschwinden und überall sieht man die politischen Verhältnisse instabil werden. Es geht aber noch weiter. Der Iran mit seinem Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad leugnet die Shoa und droht ziemlich unverhohlen den Israelis mit der Auslöschung. Dazu kommt das Atomprogramm der Iraner, welches letztendlich zu der Atombombe führen kann. Ein Interview welches der Frontmann des ZDF Claus Kleber mit Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad führte brachte auch keine Klarheit. Allerdings führte sich Claus Kleber vom ZDF eher wie ein Anfänger auf, der noch nie ein Interview geführt hatte.

Das ist so ziemlich alles an Fakten um eine Ausgangssituation zu beschreiben. Fehlt noch die israelische Seite zu beschreiben. Auf israelischer Seite steht ein Hardliner oder auch Falke dem Staate vor, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Benjamin Netanjahu fiel während seiner ersten Amtszeit als israelischer Ministerpräsident 1996 bis 1999 dadurch auf, dass er gegenüber den Palästinensern eine unnachgiebige Siedlungspolitik ausübte. Diese harte Haltung brachte für die Friedenspolitik einen herben Rückschlag.

Und nun kommt Grass, der gegenüber Benjamin Netanjahu und seiner Regierung eine inakzeptabele Person ist, her, mit einem Gedicht welches moralisiert, relativiert und Israel persönlich moralisch angreift. Grass erfährt zuerst von seinen Landsleuten Kritik oder was man als Kritik sehen will. Da wird die Person Grass auf Teufel komm raus diffamiert, es wird polemisiert und diskreditiert, nur inhaltlich setzt sich niemand mit dem „Gedicht“ auseinander. Der Gipfel war, als man Grass dafür angriff, dass er von den Nazis als 17 jähriger eingezogen und der SS zugeteilt wurde. So kann man natürlich auch eine Kritik vernichten indem man die Person vernichtet. Aber es gibt noch eine Steigerung, indem der israelische Innenminister Eli Jischai ein Einreiseverbot über Grass verhängte. Dies ist eine vollkommen unangemessene Reaktion und bringt den Staat Israel in einer Ecke mit Diktatoren in der er nichts zu suchen hat. Was aber soll der ganze Zirkus? Nun, nächstes Jahr wird die 19. Knesset gewählt und die Regierung Netanjahu ist in Israel nicht gerade beliebt. Da kommt einem Machtmenschen wie Benjamin Netanjahu dieses Gedicht gerade Recht um schon einmal Stimmung für die Wahl zu machen. Und der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad? Auch er macht von seinem Recht Gebrauch über missliebige Menschen ein Einreiseverbot zu verhängen.

Was ist aber denn jetzt mit dem Inhalt des „Gedichtes“?

 

Nun, Grass hat Recht:

  •  
  • Das im Nahen Osten eine Atombombe von wem auch immer zum Untergang des Anderen führen kann.

  • Und diese eine Atombombe einen Weltbrand herbeiführen kann.

  • Und die Tabuisierung des Atomwaffenbestandes von Israel immer die Frage aufwirft, warum sollen Andere dann ( Auch Schurkenstaaten) mit offenen Karten spielen.

  • Und der Friedenswille im Nahen Osten nicht gerade als ausgeprägt einzustufen ist. – von allen Seiten.

  • Und wenn ein Funken Hoffnung auf Frieden war, genügte eine Rakete um diesen Funken auszulöschen.

 

Grass wollte nicht:

 

  • Das Volk Israel diskreditieren, vielmehr wollte er sein Misstrauen gegenüber der derzeitigen Führung ausdrücken.

  • Er wollte dem Volk Israel niemals unterstellen, es wolle den Iran auslöschen.

 

Ok, das Gedicht war und ist sehr sperrig, naiv und für einen Literaturnobelpreisträger daneben. Aber mit ein klein wenig Willenskraft und oder auch Sensibilität konnte man das Gedicht als Beitrag zur Friedenspolitik erkennen.

Was man aber niemals daraus erkennen konnte ist der Antisemitismus. Und das die konservativen Blätter der Bundesrepublik Deutschland mit einem Kampagnenjournalismus über den alten Grass herfielen, hätte ich wirklich nicht gedacht. Komisch, das selbst die israelische Zeitung Haaretz ( Immerhin!) dieses Gedicht ganz entspannt sieht (Gunter Grass‘ poem is more pathetic than anti-Semitic by Tom Segev ).

Und der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland Avi Primor meinte auch ganz gelassen sinngemäß, viele Menschen müssen immer irgendwo etwas hinein interpretieren, wo nichts ist. So auch im Falle dieses Gedichtes.

 
Avi Primor        [File:Avi-primor-2010-ffm-036.jpg Wikipedia]

 

 

Und so ist es Grass wieder gelungen die Menschen zu polarisieren und über die tatsächlichen Probleme zu sprechen über die zu sprechen notwendig ist.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik

 

Unsere Politiker als hysterische Akteure ohne Haltung und Würde?

[jpg] Mittwoch, 2. November 2011 12:28:58, das Bundesministerium der Finanzen lädt
kurzfristig ein:  „EILT!!! – Terminhinweis HEUTE“ für 13:50 Uhr zu einer PK in der der Minister Dr. Wolfgang Schäuble ein Pressestatement abgeben will. Thema: „Heutige Gespräche im BMF zu Bilanzkorrekturen bei der FMS-WM“.

  Was war? Es ging um die 55 Mrd. Euro die die HRE falsch verbucht hatte. Hatte sie falsch gebucht? Nein, natürlich nicht. Oder vielleicht doch? Der Minister versuchte das Ganze auf eine fehlerhafte Kommunikation der Beteiligten, also der HRE, Bad Bank FMS und der Prüfungsgesellschaft PwC (PricewaterhouseCoopers International Limited)  herunter zu spielen. Was Firmen in der Wirtschaft mit einem Rauswurf ohne „goldenen Handschlag“ ahnden würden, wurde beim Minister mit einem „Anschiss“ ohne Konsequenz geahndet.

Alle, die wir gesprochen haben, fanden den Vorfall als eine Ungeheuerlichkeit. Jedes noch so billige Buchungsprogramm lässt keinen Saldierungsfehler zu. Und da soll das BMF anders handeln können? Wohl kaum. Man kann solche Fehler nicht mit einem „Rüffel“ durch lassen, denn in der Regel findet man schwer wiegende organisatorische Fehler hinter solch einem Fehler.
Was uns alle daran störte, wie kann ein Minister der Presse soviel Unverstand unterstellen, wo nachweislich auch Fachjournalisten unter den Anwesenden waren.
Kurz danach hob  Dr. Wolfgang Schäuble (CDU) mit dem Flieger nach Cannes zum Sondersondersondergipfel ab. Lustig.

Nächster Part unserer Politiker:

Die Griechenland-, Euro- oder Bankenkrise.
Man muss sich das mal wegtun. Die EU hat einen Wirtschaftsraum mit 500 Millionen Menschen. Wir können locker mit den US Amerikaner oder den Chinesen mithalten und wir laufen wie gackernde Hühner durch die Gegend weil Griechenland mit den paar Milliarden in den Miesen ist. Seid es den Euro gibt zittern und bibbern wir. Mal ist der Eurokurs zu hoch, wegen des Exportes und dann wieder zu niedrig weil sich dann die Rohstoffe verteuern. Den europäischen Politikern war der Kurs nie recht; zumindest den Deutschen. Und jetzt das. Griechenland hat mit einer mehr oder weniger guten Finanz- und Wirtschaftspolitik zu viel Schulden gemacht. Bis 2008 interessiert das niemanden. Dann kam die „Zockerkrise“ und die Banken wurden zum ersten mal gerettet. Die waren ja für das System wichtig. Und nun 2011 stellte man fest, die Banken haben sich nochmals „verzockt“. Womit? Angeblich nur mit Trashpapieren aus Griechenland. ( Das sind Staatspapiere die der griechische Staat heraus gegeben hat.) Logisch war es keine Bankenkrise sondern eine Griechenlandkrise. Und weil die Griechen nicht so richtig wollten, war es flugs auch eine Eurokrise. Was kam.Es kam ein Gipfel, dann ein Sondergipfel, dann nochmals ein Sondersondergipfel und jetzt soll es noch einen Sondersondersondergipfel geben. Wofür? Man hatte die griechischen Staatsanleihen auf 50% rückzahlbar durch die Gipfelteilnehmer gesetzt. Wie gnädig. Griechenland muss also „nur“ 50% an die Banken(!) zurück zahlen. Das Ganze sollte in Gesetze gefasst werden und durch das griechische Parlament abgesegnet werden. Danach wären viele Menschen in Griechenland um bis zu 30% ärmer geworden oder hätten gar ihren Arbeitsplatz verloren. Die Griechen und die konservative Opposition fanden das nicht so gut und taten das auch lautstark kund.

Ministerpräsident Papandreou wollte jetzt nicht der Dumme sein und zog die Reißleine. Er setzte nun eine Volksabstimmung aufs Programm, die Griechen sollten selber entscheiden ob sie diese gewaltigen Einschnitte hinnehmen wollten.

Angela Merkel und Nicolaus Sarkozy stehen nun ziemlich dumm da, weil sie den ganzen Deal eingefädelt haben. Und schon trötet es von allen europäischen Plätzen, wenn die Griechen das Paket nicht verabschieden und sich dagegen entscheiden müssen sie aus der Eurozone raus. Sie sollten selber kündigen oder man werde ihnen kündigen, so tönt es aus allen Richtungen. Lächerlich! Die EU und auch die Eurozone sieht keine Kündigung vor. Das haben die Gründungsväter schlicht und ergreifend nicht vorgesehen.

Na gut, wird man sagen, dann kommen alle zusammen und man schmeißt Griechenland eben raus. Was soll es. Das geht auch nicht. Solche Vertragsänderungen müssten einstimmig vorgenommen werden. Und kein vernünftige Mensch geht davon aus, dass Griechenland für seinen eigenen Rauswurf stimmt, Griechenland darf nämlich mit voten.

Der geneigte Leser versteht sicher jetzt warum die andauernd einen Gipfel haben. Einesteils haben sie ihren Banken versichert, sie lösen das Griechen Problem und jetzt ist nichts. Auf der anderen Seite stimmt ja alles so nicht, was uns die Politiker erzählen, dass mit der Europleite, und das alles auseinanderbricht.  Oder das das Ganze alternativlos ist.

Es gibt schon Alternativen – nämlich die Eurostaatspapiere. Denn Europa ist ja kein kleiner Wirtschaftsraum, er wird nur klein geredet. 2. Alternative, die Pleite oder Insolvenz.
Manch einer erinnert sich an die argentinische Wirtschaftskrise 1998 – 2002, sie mündete in einer Staatsinsolvenz. Damals bediente Argentinien einfach seine Schulden nicht und erreichte eine bessere Rate als die 50% Griechenlandrate.  

Ministerpräsident Papandreou hat also richtig gehandelt um das Heft des Handelns wieder in die Hand zu bekommen, ruft er den Souverän zu den Urnen.
Was ich nicht verstehen kann ist die Beschimpfung des griechischen Volkes, welches ja für die Griechen der Souverän ist. Bei dieser Beschimpfung haben sich auch deutsche Politiker hervorgetan. Den deutschen Politikern möchte ich die Präambel unseres Grundgesetzes ins Gedächtnis rufen  ……das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt …. Da steht nicht der Deutsche Politiker, sondern das Deutsche Volk. Es ist der „pouvoir constituant“ und bedeutet nichts anderes, dass Volk kann alles auch wieder nehmen!

Aber ob das Grundgesetz nach Ronald Pofalla (CDU) Minister für besondere Aufgaben noch Bestand hat, da kann man erst einmal leichte Zweifel anmelden. Denn der hat ja bekannterweise seinem Parteikollegen Wolfgang Bosbach nach einem Grundgesetz Zitat mit "Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe." geantwortet.

Es wird eng in den Systemen und man sollte mal ins Auge fassen, ob man die Systeme nicht nachjustieren sollte. Denn, die Vorfälle häufen sich, wobei die Intervalle immer kürzer werden. Viele können das hysterische Verhalten unserer Politiker nicht mehr ertragen, ein bisschen mehr Haltung und Würde darf es ruhig sein.  Mit Haltung und Würde unterzugehen kann einem Betrachter der Geschichte Achtung abverlangen.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal.

Wenn etwas Neues entsteht und das Alte sich nicht ändern will

[jpg] Manchmal ist man es Leid wenn sich eine ganze Branche nicht von den liebgewonnenen Annehmlichkeiten verabschieden will. Die Rede ist von den Kollegen Journalisten die für sich in Anspruch nehmen die absoluten Wahrheiten zu besitzen. Diese Wahrheiten werden mit Regeln und Verbänden erzeugt die für einen Blogger, sprich einen modernen Journalisten, undurchschaubar und teilweise noch aus der Zeit der „Volksempfänger“ sind. Wie in allen Bereichen unserer Gesellschaft müsste auch hier reformiert werden, weil die Zeit die Branche überholt hat. Die Kollegen der Print- und E-medien jammern über die rückläufigen Zahlen, die Flucht der Verbraucher ins Internet oder über die Smartphones mit dementsprechenden Apps. So ist statistisch zu beobachten, dass z.B. im Printmedienbereich nur noch ältere Menschen zu einem Abo zu bewegen sind. Trotz allem werden auch im Printbereich die älteren Leser immer weniger, weil sie allmählich wegsterben.

Gehen die guten alten Medien unter? Ja und nein, ja wenn diese sich nicht ändern und nein, wenn sie ihre journalistische Tätigkeit qualitativ verbessern.

Ich will einmal ein krasses Beispiel von journalistischer Fehlleistung aufführen. Diese Fehlleistung kann man auch der neuen Gattung „manipulativer Journalismus“ zuordnen. Die Rede ist nicht vom „Pussemucker Tageblatt“, wo so was mal passieren kann, die Rede ist von dem Flagschiff des deutschen Journalismus der ARD und zwar der Tagesschau. Die Tagesschau hat alle Möglichkeiten Qualitätsjournalismus zu erbringen, wie also kann eine solche krasse Fehlleistung über die Schirme gehen?

In dieser Umfrage sind drei Fehler, die letztendlich zu der Frage führen: Was will die ARD damit bezwecken? Schauen sie sich einmal die Fragestellung an.

 

  1. Es begann eben nicht in New York sondern am 15 Mai.2011 in Spanien.

  2. Die Banken haben keine angebliche Macht, vielmehr wurden diese Banken als systemrelevant eingeordnet und damit ihre Macht von der Politik noch zementiert. Also die haben alle Macht.

  3. Die Politik ist nicht ohnmächtig, vielmehr ist sie nicht bereit die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen um dem Treiben des monetären Bereiches ein Ende zu bereiten.

 

Was jeden halbwegs denkenden Menschen entsetzt, ist, dass die Politik nicht begreifen will, dass das System der Marktwirtschaft, des Kapitalismus oder wie man es nennen will, einer umfangreichen Reform unterzogen werden müsste. Das die Politik sich aus der Klammer der Wirtschaft befreien müsste um für eine Demokratie da zu sein, die allen Menschen (Demokratie!) dient. Deshalb der Ruf der Bewegung „ich bin 99%“, weil 1% der Bevölkerung über das Schicksal der restlichen 99% entscheiden. 99 % ist nichts anderes als die Weiterentwicklung des Rufes: „Wir sind das Volk“ Und so wurde aus dem spanischen Ruf „Democracia Real Ya!“ (Echte Demokratie jetzt) vom 15 Mai, hier in Deutschland die Bewegung  „Echte Demokratie jetzt“ oder 15M. Am Wochenende dem 15. Oktober kamen deshalb Hunderttausende in tausenden von Städten auf der Welt zusammen. Auch in Deutschland.

Hier die Demo in Spanien, die nach Twitter Follower auf 1 Millionen Teilnehmer gezählt wurde. Und das seit Monaten. ARD und ZDF meldeten dies jedoch nur am Rande.

Nur, wie immer bei solchen sozialen Bewegungen gibt es keine Führungsstrukturen, mit den sich ein Journalist der alten Garde mal eben kurz vor Redaktionsschluss unterhalten kann. Also machte man kurzerhand die US amerikanische Bewegung „Occupy Wall Street“ zur Führungsbewegung und brach diese auf alle Bewegungen inhaltlich runter.(Die US Amerikaner sind immer Führer – auch in der Armut)  So einfach ist das. Nur, die Wall Street ist eben nur ein Symptom eines reformbedürftigen Systems. Das Spekulantentum ist ja keine Naturkatastrophe, sondern es wurden Geschäfte innerhalb der im System vorgegebenen Gesetze gemacht, mehr nicht. Das weiß die ARD und mit ihr die etablierte Presse. Man berichtet nur ungern über solche Fehler, denn die Hand die einen füttert mag man doch nicht beißen.

 

Solche Fehler macht die ARD schon mal öfter, gerne außerhalb des eigenen Machtbereiches. Da wird ein 27 Minuten Interview 2008 mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin von dem Moskauer ARD-Studioleiter Thomas Roth auf 10 Minuten zusammen geschnitten. Das Interview hatte danach eine total andere Aussage. Die Qualität dieser Fehlleistungen ging auch sofort um die ganze Welt. Durch Weglassungen hatte man von Russland und Putin einen ganz anderen Eindruck. Da Russland dieses Interview jedoch ungekürzt ins Internet stellte, wurde diese ganze Aktion ruchbar. Bis heute hatte Thomas Roth nicht den Schneid gehabt zu dieser Kürzung zu stehen. Worum ging es 2008? Russland sollte mit Ministerpräsident Wladimir Putin im Georgienkonflikt als Aggressor da stehen. Was soll es. Solche Fehlleistungen gibt es auch im lokalen Bereich zu beobachten. Da fragt man sich doch nach einem Qualitätsjournalismus um das Überleben der etablierten Medien zu gewährleisten. Man feiert die alten Verbindungen und verflucht die neue Zeit. Die Blogger, also das Internet, sind zwar gut, wenn sie aus Krisengebieten berichten oder auch als erste aus denselben Fotos erbringen – ist ja auch eine "Bombenstimmung". Kaum sind die Krisen wieder vorbei, werden die Blogger wieder verteufelt. Merke: Blogger sind die direkten Konkurrenten der etablierten Medien – böse Menschen.

Wenn ich manchmal mit einigen Kollegen der etablierten Medien auf der Straße zusammentreffe, habe ich das Gefühl die haben gerade wieder ihr Revier markiert und ihre Duftmarken verteilt.

Also. In Zeiten wo viele Menschen auf der Welt sich um die Demokratie sorgen machen und dafür auch noch auf die Straße gehen, muten die altbekannten Fehlleistungen und das gleichzeitige Lamento der etablierten Presse eher bigott an. Dem Internet gehört sicher noch eine ganze Weile nicht die ganze Welt. Sicher werden die Printmedien noch eine Weile am Markt bleiben und dann abtreten müssen. Nur, beim Abtreten kommt es auf die Haltung an. Im Moment sieht das Ganze Spiel schon etwas peinlich aus.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

 

 

 

Occupy Wall Street – Occupy Berlin! Internationaler Aktionstag

Presseerklärung von echte-demokratie-jetzt.de

Am 15. Oktober werden Menschen in Berlin auf die Straße gehen, wie auch in etwa 78 weiteren Ländern, von Australien bis Uruguay. Sie protestieren in Brüssel, Frankfurt/Main, Hong Kong, Johannesburg, New York, Rabat, Rio de Janeiro, Warschau, Zürich und zahlreichen anderen Städten gegen die ökonomische, soziale und ökologische Krise. Unter dem Motto "vereint für globale Veränderungen" treten sie für eine transparente Gesellschaft ein, an deren politischen Entscheidungen alle teilhaben können. Ihr Ziel ist die Ausbreitung einer neuen politischen Kultur mit Versammlungen für alle und mit offenen Entscheidungsprozessen.
 

Von Kairo über Madrid nach New York und Berlin

In New York besetzten viele Menschen am 17. September einen Park in der Nähe der Wall Street, um regelmäßige Versammlungen durchzuführen. Im Oktober 2011 dehnte sich die Bewegung schnell in den USA aus. In erstaunlich vielen Städten von San Francisco bis Boston und Washington fanden und finden Solidaritätsbekundungen statt.
 Die Bewegung 15M begann am 15. Mai in Spanien, inspiriert vom Arabischen Frühling und den Kundgebungen in Griechenland, Island und anderen Ländern. Von der besetzten Puerta del Sol in Madrid breitete sich die Bewegung in ganz Spanien aus und wurde in anderen Ländern aufgegriffen, zum Beispiel in Tel Aviv und in deutschen Städten wie Frankfurt/Main, Köln, Leipzig.
 
 
Aktionen in Berlin
 
In Berlin organisierten die Empörten am 21. Mai eine erste Kundgebung am Brandenburger Tor. Seitdem folgten mehrere Aktionen und Versammlungen als Teil einer internationalen Protestkultur, unter anderem am 17. September, in Solidarität mit der Bewegung Occupy Wall Street in New York. Am 20. August wurden nach einer kleinen Party Zelte am Alexanderplatz aufgeschlagen. Die Polizei verbot die Zelte, aber die Aktivisten und Aktivistinnen blieben eine Woche.
Wir sind Teil einer internationalen Bewegung. Wir sind die 99 Prozent, die auf friedliche Weise gegen Ungleichheit protestieren. Unsere offenen Gruppen werden nicht von einer politischen Führung vertreten.
 
 
Planung für den 15. Oktober in Berlin:

13 Uhr                        Neptunbrunnen (Alexanderplatz)
13-16 Uhr                  Demonstration zum Brandenburger Tor
                                   (Verlesen des Manifests)
ca. 17 Uhr                  Kanzleramt (Attac)
ab 16 Uhr                   Festival am Mariannenplatz (Kreuzberg)
                                    (live Musik, Essen, informelle politische Versammlungen, usw.)
                                    am Feuerwehrbrunnen.
 
Attac veranstaltet ab 10 Uhr eine Krisenanhörung im Grips Theater.

Links und weitere Infos:
 
www.15october.net/de
www.echte-demokratie-jetzt.de
www.15mberlin.net
www.reden.tk

 

Stuttgart liegt auch in Ennepetal

Sicherlich werden Sie sich, zumindest die User im EN-Kreis,  jetzt an den Kopf fassen und sagen, ist der denn jetzt ganz verrückt? Nein, ist er oder sind die nicht! Das Internet ist eben ein Netz und Stuttgart liegt in diesem Fall manchmal näher als Hattingen oder auch Ennepetal-Voerde, dass wissen wir von den IP Nummern unserer monatlich rund 270.000 unterschiedlichen Besucher.  Alle kennen wir die Vorfälle um Stuttgart 21, kurz S21.

Es geht um den unterirdischen Durchgangsbahnhof Stuttgart, der so vieles so einfach aber auch billiger machen soll. Tatsächlich macht dieser Bahnhof weder etwas einfacher noch macht er etwas billiger, im Gegenteil. Immer mal wieder haben wir S 21  in unsere Artikel mit einfließen lassen, sei es hier oder hier. Die Bürgerbewegung hat viel erreicht, es gibt inzwischen einen Entwurf für einen neuen Kopfbahnhof, K21; und es gibt einen zaghaften Baustopp.

Aber es kam auch heraus, die Bauherren von S21 haben mit falschen Karten gespielt. Der Bahnhof S 21 wird, was schon heute feststeht, den versprochenen Kostenrahmen  von 4,5 Milliarden weit übersteigen und das bedeutet Ausstieg aus S 21 und zwar sofort. Schon jetzt ist absehbar, weder die Deutsche Bahn, das Land Baden-Württemberg noch die Stadt Stuttgart wollen den Bahnhof. Gesichtswahrung ist angesagt. Wie kommt man da wieder raus. Es wurde aber auch  ein Volksentscheid erreicht, dieser Volksentscheid soll letztendlich dazu führen, dass S 21 nicht gebaut wird. Das Problem ist jedoch, dass Quorum ist höher als die derzeitige Koalition von SPD und Grüne Stimmen haben. Es müssen also 2,5 Mio an Stimmen für einen Ausstieg in Baden-Württemberg mobilisiert werden. Das sind sehr, sehr viel Stimmen für einen Volksentscheid.

Und jetzt kommt das Internet mit all seinen Möglichkeiten ins Spiel. Wir haben den Link zum Landesbündnis für den Ausstieg aus Stuttgart 21 hier eingestellt weil wir wissen, dass uns viele Bürger aus dem "Ländle" lesen. Vielleicht fühlt sich die/der eine oder andere ja aufgerufen eine temporäre Initiative zu gründen um in seinem Ort oder Gebiet den Volksentscheid Ende 2011 zu organisieren. Warum? Denken Sie einmal, diese Steuergelder müssen woanders eingespart werden, bei der Bildung, den Schulen, der Gesundheit, den Alten, der Streckensicherheit, bei der Kultur also alles Dinge die nicht für jeden sofort sichtbar sind. Und noch eines sie helfen der Deutschen Bahn AG, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart ihr Gesicht zu wahren. Denn hinterher können alle sagen, wir wollten ja den Bahnhof, der Bürger wollte uns jedoch nicht folgen. Werden Sie doch erst einmal Online Unterstützer. Was soll´s, wir sind nur einen Klick voneinander entfernt.

Wenn durch diesen Aufruf eine Stadt mit 8.000 Bewohnern in Baden-Württemberg an dem Volksentscheid teilnimmt hat die Initiative schon viel gewonnen.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus dem Internet.

 

Schreiben Sie Ihre Geschichte für ein Theaterstück!

Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel gibt Hilfestellung.

[EN-Mosaik]Sie schreiben gerne, sie schreiben leidenschaftlich und sie schreiben mit Vorliebe über die Geschichten, die der Alltag so mit sich bringt? Egal wo ihre Geschichte spielt – vielleicht hat sie das Potenzial zu einer Uraufführung zu gelangen!
Das Westfälische Landestheater in Castrop-Rauxel sucht Schreibtalente, die im Rahmen eines achtmonatigen Workshops gefördert werden. Eine Jury entscheidet dann im Frühjahr 2012, welches der Stücke zur Uraufführung kommen wird. Der Wettbewerb heißt „IN ZUKUNFT“ und richtet sich an Autorinnen und Autoren, an Profis ebenso wie an unentdeckte Talente.

 

 

Einzige Voraussetzung: Die Bewerber müssen einen Migrationshintergrund haben. Ziel des Projektes ist es, der kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft im Theater eine Bühne zu geben. Gesucht werden Geschichten von Menschen, die mit und in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen sind. Sie sollen mit dem Förderwettbewerb ermutigt werden, das nötige Handwerkszeug zu erlernen, für die Bühne zu schreiben. Das Projekt wird vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und in Kooperation mit exile-Kulturkoordination e. V. durchgeführt. Geleitet wird der Workshop von der erfahrenen Autorin und Dozentin, Maxi Obexer aus Brixen/Italien.

Die Bewerbung zur Teilnahme läuft noch bis zum 15. Mai 2011. Bewerben kann man sich mit eigenen Texten oder bereits fertig Stücken und einem Exposé für ein Theaterstück beim Westfälisches Landestheater, Herrn Axel Prochnow, Europaplatz 10 in 44575 Castrop-Rauxel. Nähere Infos und Teilnahmebedingungen unter www.westfaelisches-landestheater.de .

Das Westfälische Landestheater (WLT)
Das Land Nordrhein Westfalen ist Heimat von vier Landestheatern: dem Westfälische Landestheater (WLT) mit Sitz in Castrop-Rauxel, dem Landestheater Detmold, dem Landestheater Burghofbühne in Dinslaken und dem Rheinischen Landestheater in Neuss. Der Begriff Landestheater bedeutet, dass das Theater mit seinem Programm auf Reisen geht und in Städten und Gemeinden spielt, die kein eigenes Theater haben. Im WLT Castrop-Rauxel gelangen jährlich ca. 15 Premieren zur Aufführung. Das Theater am Europaplatz hat zwei Spielorte: die Stadthalle mit 570 Sitzplätzen (ca. 21 Aufführungen pro Jahr) und das WLT-Studio mit 101 Plätzen (ca. 51 Aufführungen pro Jahr).

Kontakt:
Westfälisches Landestheater
c/o Herrn Axel Prochnow
Europaplatz 10
44575 Castrop-Rauxel
E-Mail: prochnow@westfaelisches-landestheater.de

Fotounterschrift: Bühne frei für Ihre Geschichte! © WLT

Das Projekt wird in Kooperation mit exile-Kulturkoordination e. V. durchgeführt und vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Eine Chance und nicht das Risiko suchen – Thema Fracking bzw. unkonventionelle Gasförderung

   [HL] Eine ähnliche Veranstaltung hatte es bereits vor ca. einem Monat in den Räumlichkeiten der Grünen in Hagen gegeben. Hier war das Interesse der Bürgerinnen und Bürger so groß, dass man sich für einen weiteren Termin in einer größeren Lokalität entschied. 

Zudem war zu der vorangegangenen Veranstaltung eine wichtiger Referent aufgrund einer anderen Konferenz nicht erschienen: Joachim Pünnel, Direktor der Wintershall-Erdölwerke.
 Die Wintershall Holding GmbH mit Sitz in Kassel ist, nach eigenen Angaben, eine 100-prozentige Tochter der BASF in Ludwigshafen und seit mehr als 75 Jahren in der Suche und Förderung von Erdöl und Erdgas aktiv.

Joachim Pünnel vom Unternehmen Wintershall
gab am Donnerstagabend
einen Überblick zu den Vorhaben seines Unternehmens: (Foto:
© Hans Leicher}
   

Wintershall konzentriert sich bewusst auf ausgewählte Schwerpunktregionen, in denen das Unternehmen über ein hohes Maß an regionaler und technologischer Expertise verfügt. Und genau dieses Unternehmen will in Zukunft unter anderem in unserer Region nach einer besonderen Art von Erdgas bohren, das versteckt in sehr tiefen Gesteinsschichten lagern soll. Das Ganze setzt ein besonderes, aufwändiges und nicht ungefährliches Verfahren zur Erforschung der Vorkommen und der evtl. späteren Förderung voraus. Pünnel gab in einem rund 20-minütigen Vortrag einen Überblick über sein Unternehmen, die Bedeutung von Erdgas und die Bedeutung von Gasimporten aber auch über die geplanten Vorhaben des Unternehmens. Zudem gab er einen kurzen Überblick über das vielfach kritisiere Verfahren der unkonventienellen Gasförderung die, nach seinen Worten, viel mehr Bohrungen notwendig mache, wie die konventionelle Gasförderung. Bereits sechzehnmal habe das Unternehmen derartige Bohrungen durchgeführt; ohne Umweltschäden. Geologische Bohrungen würden zunächst bis auf eine Tiefe von ca. 200 Metern durchgeführt um Erkenntnisse über die Gesteinsbeschaffenheit zu erlangen. Die für die Förderung interessanten Gesteinsschichten liegen aber viel tiefer – in ca. 2.000 Metern. Gefährliche Anwendungen, wie sie seit vielen Jahren in den USA angewendet würden, seien in Deutschland nicht möglich und würden hier auch nicht durchsetzbar sein, versuchte Pünnel zu beruhigen. Zudem seien kurzfristige Bohrungen nicht angedacht, bis dahin könnten noch bis zu sechs Jahre ins Land ziehen. Das Unternehmen "suche eine Chance und nicht das Risiko" bekräftigte Pünnel zum Abschluß seiner Ausführungen.

   
  Gäste beim Vortrag über Frecking von Joachim Pünnel vom Unternehmen Wintershall    Foto: © Hans Leicher
 

Ein Vortrag und eine Aussage eines Managers, das nun eigentlich an dem Abend alle hätte beruhigen können. Hätten, haben sie aber nicht. Verschiedene Fachleute auf dem Podium aus dem Bereich der Geologie, Biologie, Wasserwirtschaft und auch aus dem heimischen Energie- und Wasserversorger Mark-E brachten viele Einwände und erläuterten ihrerseits die Gefahren der Vorhaben. Die liegen unter anderem in den brüchigen, rissigen und unberechenbaren Gesteinsstrukturen in der Region begründet. Dazu komme die Gefahr der Verunreinigung und Vergiftung des Grundwassers, da für die unkonventionelle Gasförderung eine enorme Menge an (teils toxischen) Flüssigkeiten in den Boden gepresst werden müssen. Diese werden (nach Pünnels Aussagen) auch nur zu maximal 50 % wieder zurückgewonnen, müssen dann jedoch wieder auf Deponien gelagert werden. Auch kleinere Erdbeben bis zu einer Stärke von 3,0 seien möglich, so die anwesenden Fachleute. Insbesondere Roland Rüther vom Wasserversorger Mark-E sah große Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf Grund- und Trinkwasser. Es müsse klar prüfbare Standards geben und Wintershall müsse alles offenlegen und sich nicht auf Betriebsgeheimnisse berufen, erklärte Rüther. Unklar aber, warum diese klar prüfbaren Standards noch nicht bestehen, wenn es bereits Bohrungen gegeben hat. Unklar blieb an dem Abend vieles, insbesondere hinsichtlich der Fragen aus dem Publikum von rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Teils konnte Pünnel Fragen nicht konkret beantworten, da Erfahrungswerte fehlten, teils wurden Antworten "umschifft" oder Fragen nur zum Teil beantwortet. Ein Vorhaben in unserer Region, das weiterhin für sehr viel Gesprächsstoff sorgen wird und viele Fragen auf den Plan bringt.

Gastredakteur von EN-Mosaik  Hans Leicher.
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Die Affäre „copy and paste“ hat doch noch ein Ende gefunden

[jpg] Es war lange, viel zu lange, wie diese Affäre geköchelt hatte. Trotz allem haben die Verantwortlichen noch die Kurve gekriegt. Nur keiner hat sich dabei mit Ruhm bekleckert.

Wenn man bedenkt wie Politiker aller Farben ihrem anvertrauten Volk immer mal wieder sagen wo es lang geht, so schienen bei dieser Affäre sämtliche moralischen Kompassnadeln abhanden gekommen zu sein.

Als ich im zarten Alter von 11 Jahren auf das Gymnasium gegangen bin, hatte ich mir in den vorherigen Jahren auf der Volksschule  Tricks erlernt die nicht so ganz in Ordnung waren.
Dazu gehörte auch, wie ich meiner Meinung nach vollkommen unauffällig von meinem Nachbarn abschreiben konnte oder wie ich mittels eines besonders präparierten Spickzettel Informationen für eine Arbeit mitbrachte. Ich war meiner Meinung nach gut, vielleicht sogar sehr gut, nur der damalige Dozent am Gymnasium war besser. Ich wurde bei einer Arbeit erwischt. Ich durfte nach 10 Minuten meine unfertige Arbeit wieder abgeben und mich bis zum Ende der Klassenarbeit auf meinen Platz setzen. Der Dozent sprach kein Wort mit mir. Als die Arbeiten alle abgegeben waren, musste ich mit dem  Dozenten ins Rektorenzimmer zum Rektor. Der Dozent schilderte dem Rektor kurz den Vorfall, wonach sowohl der Rektor als auch der Dozent sich mir zuwandten und mich fragten, was ich dazu zu sagen hätte. Also, mir war damals an einem kalten Wintermonat ziemlich heiß, sicher hatte ich auch einen glühenden Kopf. Und wie das so ist, versuchte  ich mich zu verteidigen. Ich fand, auch für mich staunenswerter weise, Argumente ohne Ende die zu meiner Verteidigung herhalten sollten.  Die beiden hörten auch gespannt und geduldig zu. Nur ich weiß es noch heute, ich habe mich damals mit jedem Wort um Kopf und Kragen geredet. Nach dieser Stunde bedeutete mir der Rektor, dass er meinen Vater zu sehen wünscht. Bis mein Vater nicht erschienen wäre, brauchte ich nicht mehr in die Schule zu kommen. Toll, dachte ich. Ich hatte eben Ferien, denn mein Vater hatte sehr wenig Zeit. Als ich nach Hause kam, schilderte ich abends meinen Eltern was passiert war.
Ich betonte dabei, dass diese Handlung für meine Begriffe doch nicht zu solch einer Entscheidung hätte führen müssen. Vielmehr dachte ich an eine Ermahnung des Dozenten.

Meine Eltern schwiegen, was für mich sehr bedrückend war. Langsam dämmerte mir etwas. Nur was, ich verstand das nicht so recht. Nun meine Mutter erklärte mir das Ganze. Nicht das Betrügen, ja sie sagte ausdrücklich "Betrügen", war so schlimm, sondern dieses feige herumreden, nicht zu dem stehen was ich gemacht habe. Warum hast Du nicht sofort gesagt, ja, ich habe das und das gemacht, warum hast du für sowas eine Entschuldigung gesucht?, so fragte meine Mutter. Die Traurigkeit meiner Mutter traf mich zu tiefst. Wobei, das war noch schlimmer, sie mich noch nicht einmal bei diesem Gespräch anschaute. Ich merkte da, dass ich anscheinend etwas fürchterliches getan hatte. Komischerweise hatte mein Vater am nächste Tag sofort frei und ging mit mir zur Schule. Ich war dabei etwas zerknirscht und niedergedrückt aber auch irgendwie wütend und ging dabei an der Hand meines Vaters der mich immer unwirsch zog.
In der Schule angekommen mussten wir einige Zeit warten bis wir zum Rektor vorgelassen wurden. Mein Vater durfte sich setzen und ich musste stehen. Und was hat ihr Sohn ihnen erzählt?, fragte der Rektor.

Ohne zu zögern, entschuldigte sich mein Vater für mich und erzählte das ich zu Hause alles zugegeben hätte. Nur die Angst hätte mich nach der Klassenarbeit zu solchen Geschichten getrieben obwohl ich genau wusste, dass ich unrecht getan hätte. Mein Vater meinte, mit meinen jungen Jahren könne sein Sohn die Konsequenz seines Tuns offensichtlich noch nicht richtig einschätzen.Die beiden Herren einigten sich auf eine sechs und auf einen Eintrag: Die Versetzung war gefährdet.

Ich will diese Erzählung nicht weiter führen. Um die Spannung rauszunehmen, ich habe die Versetzung noch geschafft. Ich hatte auch meine Lektion gelernt.

Und heute? Nun ich bin keine 11 Jahre mehr und bin erwachsen geworden. Und zum erwachsen sein gehört nun einmal, dass man zu dem steht was man gemacht hat und das mit allen Konsequenzen. Ich habe gelernt mit meinen Fehlern offensiv umzugehen. Das heißt wenn ich sie einmal erkannt habe, bekenne ich mich auch sofort dazu und versuche umgehend mich um einen dementsprechenden Ausgleich zu bemühen. Das spart Zeit und lässt auch vielen negativen Gefühlen keinen Raum. Mit den Jahren wurden, bedingt durch die gesammelten Erfahrungen, die Fehler immer weniger. Man nennt das auch Lernprozesse durchmachen.

Was soll das?  Nun, vielleicht hätte Herr zu Guttenberg früher auch solche Lehrer und Eltern  haben sollen, dann wäre so was nicht passiert. Ich habe mit Entsetzen eine Stelle in seiner Arbeit gesehen, wo er bewusst den Urheber am Ende der rein kopierten Zeilen gelöscht haben musste. Denn im Original war der Urheber vorhanden. Das ist schlicht und einfach Betrug. Betrug wird im BGB, mein Lieblingsgesetzbuch, als "ungerechtfertige Bereicherung" aufgeführt. Er hat etwas erlangt (den Doktortitel) was ihm  so nicht zustand (Jure naturae aequum est neminem cum alterius detrimento et iniuria fieri locupletiorem). Die alten Griechen aber auch die Römer hätten ihn auf das schwerste bestraft.

Wie gesagt, er hätte das alles mildern können, wenn er offensiv sich sofort zu seiner Schuld bekannt hätte.

Aber es geht ja noch weiter. Jeder Prüfling der sich ab heute einer Prüfung aussetzen muss wird sich auf diesen Fall berufen wollen. Und nicht nur das, vielmehr wird heute die Frage erlaubt sein, welche Prüfungskontrollen sind auf unseren Bildungseinrichtungen vorhanden?
Nach der drezeitigen Analyse der Guttenberg Doktorarbeit sind 8061 von 16325 Zeilen, das sind 49% der Doktorarbeit (jeweils inkl. Fußnoten) als Plagiate identifiziert worden (Quelle: Guttenplag Wiki)

Eine weitere Frage muss hier gestellt werden: Wieso sind unsere Universitäten nicht in der Lage die einschlägigen Internetsuchprogramme zu nutzen? Innerhalb von drei Tagen wurden die wesentlichen Zeilen sichtbar. Dann die Frage, wieso viele Dokumente noch nicht digitalisiert worden sind?

Im Grund ist diese Affäre ein Affront gegen jeden Menschen der sich schon einmal unter Schweiß Prüfungen gestellt hatte. Auch ist es eine Herabsetzung der universitären Ausbildung, wenn die Kanzlerin erklärt sie habe keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter gesucht sondern einen Verteidigungsminister. Ist ein wissenschaftlich ausgebildeter Mensch weniger wert als ein Verteidigungsminister? Da stellt sich doch gleich die provozierende Frage: Brauchen wir noch die universitäre Ausbildung? Brauchen wir überhaupt noch Leistung? Genügt es nicht das wir clever genug sind uns in dem System zurecht zu finden um unseren Vorteil zu erlangen? Und das koste es was es wolle?

Weiter sollte endlich einmal die Führungsfrage gestellt werden. Die Kanzlerin hat als konservative Kanzlerin einen eklatanten Verlust an Werten erkennen lassen. Wir sollten nicht nur anderen Menschen die gemeinsamen Werte unter die Nase reiben, die dann allerdings nach Bedarf nicht belastbar sind und leicht zur Disposition gestellt werden können.
Der ganze Vorfall zeigt schon eine gewisse moralische Desorientiertheit unserer politischen Kaste, die allerdings durch viele Doktoranten so nicht hingenommen wird. Eine rühmlich Ausnahme bilden die CDU Politiker Biedenkopf, Lammert und Schavan, die vollkommen unaufgeregt das sagten was gesagt werden musste. Und zwar jenseits der politischen Farbenlehre.

Und wieder zeigt sich das Medium Internet an vorderster Aufklärungsfront. Die Sueddeutsche Zeitung hat zwar den Anfang gemacht, jedoch der Blogger Raphael Wimmer hatte das wichtige Einleitungsplagiat aus  der FAZ  entdeckt.

Und das Geschrei, die Medien haben alles versaut? Quatsch! Haben die Medien etwa die Doktorarbeit geschrieben?
 
Halten wir fest: Das Internet kann inzwischen Minister zum Rücktritt treiben und es kann Despoten ins Exil expedieren. Es muss nur richtig genutzt werden.

Update 05.März 2011

Hier habe ich ein Audiofile im Internet gefunden. Es gibt noch Journalisten (@Holgi)  die klar sagen, was gesagt werden sollte und die nicht wollen, dass unser Land zu einer Bananenrepublik á la Berlusconi verkommt. Komischerweise sucht man diese Journalisten in den etablierten Medien fast vergebens. Wogegen man diese kritischen Journalisten im Online Bereich sehr viel findet. Wir wollen keine Postdemokratische Verhältnisse wie in Italien.

 


Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus dem Net.

Das macht einen doch ein bisschen stolz

[jpg] Der internationale renommierte Pulitzerpreis bekam eine Bloggerin, nämlich die US amerikanische Journalistin Shari Fink für ihren Bericht  im Zusammenhang mit den Zuständen die Hurrikan Katrina in Krankenhäusern hervorbrachte. Dieser Bericht war ein Paradebeispiel für den längst aus Kostengründen vergessenen investigativen Journalismus. Das machte schon stolz, stolz zu dieser Gruppe zu gehören und Ansporn es der Preisträgerin gleich zu machen.

Und jetzt? Blogger auf dem Vormarsch?

Da zeichnet das europäische Parlament James Clive-Matthews  aus Großbritannien mit dem Preis in der Kategorie Internet für seinen Blogbeitrag "EUtopia –  welcher Prozentsatz der Gesetze stammt von der EU?"  In der Begründung der Jury hieß es, der Autor habe "hervorragende Recherchearbeit" geleistet, und der Beitrag sei sehr "verständlich, überzeugend und humorvoll" sowie "informativ und interessant". Der Journalist, der einer der "wenigen Blogger sei, die sich ernsthaft mit der EU befassen", habe sehr ernsthafte statistische und vergleichende Arbeit geleistet, aber gleichzeitig könne sein Artikel "mit großem Vergnügen" gelesen werden. Parlamentspräsident Jerzy Buzek betonte: Das Parlement will damit kritischen und unabhängigen Journalismus der sich mit der EU befasst dementsprechend würdigen. James Clive-Matthews fiel mit seinem Nosemonkey Blog damit auf, indem er immer wieder Fragen nach dem Sinn oder Unsinn von politischen Entscheidungen der EU stellte. So fragte er nach dem Sinn eines Verbotes der 12er Eier Verkaufspackungen durch die EU. Seinen Blog hat er deshalb angefangen, weil Mother BBC die Nachrichten über die EU in der Regel unter Sonstiges liefen lies – heißt es wurde nicht berichtet.

Wir wollen aber nicht überheblich sein oder werden; denn auch die anderen Medien wurden ausgezeichnet:

Witold Szabłowski von der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza (Polen)

Kajsa Norell und Nuri Kino von Sveriges Radio Ekot (Schweden)

Zsolt Németh von MTV (Ungarn)

In Deutschland zeichnet das Grimme Institut analog dementsprechend  aus.

Die junge Redaktion von EN-Mosaik sieht diese Auszeichnungen als Ansporn jeden Tag besser zu werden, sich immer wieder selber in Frage zu stellen,  so wie sie es mit ihren Artikeln gegenüber den unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft auch macht. Unsere demokratischen Freiheiten sind keine Selbstverständlichkeiten, sie müssen, wenn sie Bestand haben sollen, immer wieder neu erkämpft werden. Aktuell hat uns Stuttgart 21 gezeigt, wie schnell die Regeln der Demokratie ausgehebelt werden können und damit der Beliebigkeit preisgegeben werden. In den USA wird die Presse als die vierte Macht im Staate, zu recht oder unrecht, gehandelt. Eine Macht die sich zu aller erst als Macht versteht um unsere Demokratie zu verteidigen – nicht mehr und nicht weniger. Demokratie funktioniert nur von unten, also von der  lokalen Ebene, nach oben zur nationalen oder übernationalen Ebene. Wenn der kleine Mann in seiner Stadt nicht versteht, wonach die Entscheidungen der Politik, auf welcher Ebene auch immer, ausgerichtet sind, so ist die Demokratie in Gefahr. Und wenn dieser kleine Mann sich als Spielball der Großen sieht indem seine Einflussmöglichkeiten gering oder nicht mehr vorhanden sind, so wird er das System Demokratie nicht mehr tragen wollen. Shari Fink und James Clive-Mathews haben ihre Arbeiten danach ausgerichtet, die Fragen zu stellen die unbedingt gestellt werden mussten.

Es gilt: Die vorderste Verteidigungslinie der Demokratie befindet sich auf der lokalen Ebene, In New Orleans, London, Düsseldorf aber auch in Ennepetal.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik

 

Fotos:©European Parliament/Pietro Naj-Oleari