60 Jahre Ennepetal, Ihr da oben, wir da unten?

Gemeinschaftsgefühle wollen nur bedingt aufkommen.

[jpg]Fast zwei Monate vor der Gründung der Bundesrepublik wurde am 1.4.1949 die Stadt Ennepetal gegründet, viele gute Wünsche begleiteten dieses "Kind"

In der Pressemitteilung der Stadt heißt es im letzten Absatz:

"In der ersten öffentlichen Proklamation der Stadt Ennepetal vom 01. April 1949 gaben der damalige Bürgermeister Dr. Textor und Stadtdirektor Wallbrecher u.a. bekannt, dass es nach der Stadtwerdung gelte, der Stadt Schaffensmut, Glauben an den Wiederaufstieg, Zielbewusstsein bei der Ausgestaltung der Stadt und tatfrohes Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Hierzu riefen sie die gesamte Bevölkerung – insbesondere die Jugend – auf."

60 Jahre ist auch immer ein Jahr an dem es gilt sich zu besinnen, was ist gut gelaufen, was nicht so gut. Haben sich die Wünsche unserer "Eltern", die sie uns mit auf den Lebensweg  gegeben haben, auch erfüllt oder besser, haben sie sich übertroffen?

In den ersten Jahren, so liest man, hat die Stadt bei der Eingliederung der Flüchtlinge erhebliche Anstrengungen unternommen. Man musste zusammenrücken, das Leid teilen, man lernte von dem Anderen, aber auch die Selbstständigkeit war eine alltägliche Aufgabe. Der Staat war noch nicht der Dienstleister für alle. Erst versuchte man ein Problem selber oder auch mit dem Nachbarn zu lösen. Und meistens ging das auch gut. Kinder und Jugendliche hatten damals viel Platz auf der Strasse, der Verkehr war nur auf vereinzelte Fahrzeuge beschränkt. Ein Fußweg von 5 Km war damals keine Besonderheit. Nachbarschaftliche Hilfen funktionierten noch, auch gegenüber Fremden.

Schaffensmut; Glauben an den Wiederaufstieg, Zielbewusstsein und tatfrohes Gemeinschaftsgefühl, das wurde der Stadt damals in die Wiege gelegt. Was ist aus diesen Wünschen der Taufpaten geworden, heute, am Tag nach 60 Jahren?

Dr. Textor rief insbesondere die Jugend auf, die heute nicht mehr so stark in den Stadtmauern vertreten ist, sie gehen. Bleiben, tun die Alten, die sich nicht mehr verpflanzen wollen, wie man halt einen in die Jahre gekommenen Baum nicht mehr verpflanzen mag. Schaffensmut, Glauben oder Zielbewusstsein ist einem Bewusstsein des, man-kann-es-halt-nicht-ändern gewichen. Eine Aktion löst die andere ab, mit dem Gedanken, es würde danach besser werden. Es wird aber nicht besser, weil viele die Augen vor den Problemen verschließen. Und das Gemeinschaftsgefühl, nein, das besitzt die Stadt schon lange nicht mehr.  Wieso auch, Gefühle kann man nicht anordnen, Gefühle haben etwas mit Erfahrung, mit Vertrauen oder auch Zutrauen zu tun. In der heutigen Welt gilt schon ein erster  Gruß wie, "Guten Tag" als Freundschaftsbeweis. Bekanntschaften, nein, das überspringen wir mal schnell. Es sind nur lose Beziehungen die geflochten werden, die schnell reißen. Aber die Stärke der Beziehungen machen die Bindung zu einer Stadt aus. "Er hat eine Starke Bindung",  so sagt man, ein Gefühl. Haben wir eine starke Bindung, zu unserem Nachbarn, zu unserem Friseur, zu unserem Einzelhändler und zu unserer Stadt? Wir sind müde und schlaff geworden, wir können keine Bindung mehr vertragen und rufen nach dem Animateur.

So erleben wir heute, die da oben. Die so genannten Honoratioren haben ein eigenes Gemeinschaftsgefühl, was sie mit uns nicht teilen mögen. Wir da unten, wir dürfen DIESE  zu einem späteren Zeitpunkt unterhalten. oder auch belustigen.
Schade drum, ich denke Herr Dr. Textor hat es so nicht gemeint, dass mit dem Gemeinschaftsgefühl.
Trotzdem, unsere besten Wünsche begleiten diese 60 jährige, möge sie noch eine gute Zeit haben.

Jürgen Gerhardt

2 Kommentare
  1. Frank Wittig sagte:

    Hallo Herr Gerhardt,

    nur ganz kurz.
    Warum diese Melancholie ?
    Die Sonne scheint, die Menschen gehen wieder auf die Straße auch unser FuZo belebt sich immer mehr, man sieht die Blumen ( Bepflanzung in der FuZo) und unsere Stadt wird 60.

    Da freue ich mich lieber und geniesse die Zeit. Machen Sie es auch. Und es hilft auch gegen ihre Müdigkeit und Schlaffheit.

    Einen schönen Abend noch.

  2. Jürgen Gerhardt sagte:

    @Frank Wittig 31. März 2009 18:04

    Zitat:”Da freue ich mich lieber und geniesse die Zeit. Machen Sie es auch. Und es hilft auch gegen ihre Müdigkeit und Schlaffheit. ”

    *grins* Ne, ne,ich war heute wegen dem Flächennutzungsplan, Teil II, Voerde, Oberbauer, Hasperbach unterwegs gewesen. War aber hier oben bei uns, sehr viel Diskussionsbedarf.

    Von Müdigkeit und Schlaffheit keine Spur, sogar Ihr Fraktionsvorsitzender war putzmunter, ist halt hier oben doch eine bessere Luft. Und man ist der Sonne viel näher. Hm,nur ein Milsper war ein bisschen am schwächeln, wir haben ihn aber schlafen lassen.

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