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Vertragsverlängerung – Dr. Gerhard Finckh bleibt Direktor bis Frühjahr 2019
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Dr. Gerhard Finckh, Museumsdirektor des Von der Heydt-Museums Wuppertal Foto; (c) Linde Arndt
[Wuppertal] Dr. Gerhard Finckh, seit 2006 Museumsdirektor des Von der Heydt-Museums Wuppertal, wird auch über seinen 65. Geburtstag im Jahr 2017 hinaus das renommierte Kunstmuseum leiten. Sein Vertrag wurde bis 2019 verlängert.
Der passionierte Ausstellungsmacher mit früheren Stationen in München, Emden, Essen und Leverkusen setzte in Wuppertal von Beginn an auf große Ausstellungen, die er an der eigenen Sammlung entwickelte und die zu Publikumsmagneten wurden. In den vergangenen zehn Jahren zogen die Ausstellungen des Wuppertaler Museums überregional und international Aufmerksamkeit auf sich. Kunstkritiker wählten die Ausstellungen des Von der Heydt-Museums bereits mehrfach zur „Ausstellung des Jahres“, so die Schau zu Monet (2009), Bonnard (2010), Sisley (2011), „Der Sturm“ (2012), Pissarro (2014) und „Weltkunst – Von Buddha bis Picasso“ (2015).

Dr. Gerhard Finckh, Foto: (c) Linde Arndt
Finckh etablierte eine Ausstellungsreihe zum französischen Impressionismus, die 2016 (ab 25. Oktober 2016) mit einer Zusammenschau von Degas und Rodin fortgesetzt wird. Für Herbst 2017 plant Finckh eine Ausstellung zu Edouard Manet und für Herbst 2018 eine zur französischen Kunst des 18. Jahrhunderts.
Ermöglicht werden diese ambitionierten Projekte durch das Engagement und den Zusammenschluss großer Mäzene in der gemeinnützigen Von der Heydt GmbH, durch Sponsoren und ein bürgerschaftliches Engagement, das, wie Finckh immer wieder betont, „Wuppertal als Standort eines so bedeutenden Museums ganz einzigartig macht“.
31. August 2016
EN-Mosaik berichtete über:
Camille Pissarro als Fußnote? Um Gottes Willen. Nein!
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Pissaro-Ausstellung im von-der-Heydt-Museum Wuppertal Foto: Linde Arndt
[jpg] Das Leben kann manchmal furchtbar mitspielen. Camille Pissarro, einer der ganz großen der Impressionisten, bekommt eine Ausstellung im von der Heydt-Museum in Wuppertal. Das von der Heydt-Museum führt Pissarro in dieser Ausstellung als „Vater des Impressionismus“. Vater in vielerlei Hinsicht, sowohl menschlich als auch künstlerisch.
Es ist der vierte Impressionist. Nach August Renoir, Claude Monet und Alfred Sisley nun die Ausstellung Camille Pissarro.

Dr. Gerhard Finckh [links] bei der Pressekonferenz zur Pissaro-Ausstellung
Foto: Linde Arndt
Pissaro war der älteste in der vorgenannten Gruppe, zu der noch Paul Cézanne gehörte. Er war jedoch nicht Vater im Sinne eines Patriarchen mit entsprechender Dominanz. Vielmehr war er ein väterlicher Freund, der mit seiner Lebenserfahrung und Persönlichkeit anderen, den Künstlerkollegen, zur Seite stand. Gefunden haben sich die Künstler in der damaligen Schule von Barbizon bei Fontainebleau, die auch von Jean-Baptiste-Camille Corot besucht wurde. Es war die Schule für Landschaftsmaler schlechthin, außerhalb des akademischen Lehrbetriebs. Claude Monet mit seinem Bild „Impression, Sonnenaufgang“ (1872), gab damit der neuen Stilrichtung seinen Namen. Da die Künstler um Camille Pissaro keine akademische Ausbildung hatten, wurden sie auch von dem Pariser Salon, der damals führenden Ausstellungsmöglichkeit, zurück gewiesen. Camille Pissaro lies sich dadurch nicht entmutigen, und organisierte mit der Gruppe eine eigene Ausstellungsmöglichkeit im Atelier des Pariser Fotografen Nadar. Diese Ausstellung fand jedoch in Paris ein negatives Echo, das Publikum sprach von Schmierereien und verließ schimpfend die Ausstellung. Die ausgestellten Bilder wurden von der Presse als unfertig eingestuft und die Künstler als Impressionisten verspottet. Pissaro hatte nur 130 Franc auf dieser Ausstellung umgesetzt. Zu wenig um seine Familie zu ernähren.
Aber er hatte ja noch die Gruppe ,die sich gegenseitig inspirierte und sich weiter entwickelte. So sympathisierte Pissarro zeitweilig mit den Anarchisten, die die hierarchischen, gesellschaftlichen Strukturen in der Gesellschaft ablehnten. Künstlerisch machte er Ausflüge zum Pointillismus, einer Farben- und Formenlehre, die eine durchkomponierte Malweise erforderte.
Immer war der Dialog mit der vor genannten Künstlergruppe ein wichtiges Element in seinem Leben. Auch menschlich war Pissarro der Gruppe zu getan. Van Gogh der damals unter schweren Depressionen litt, besorgte er den Arzt der ihm half die Depressionen zu überwinden. Gut und gerne kann man sagen, er war eine Größe sowohl in menschlicher als auch künstlerischer Hinsicht.
Die Dreyfus´ Affäre 1894, die ganz Frankreich damals erschütterte, brachte auch Camille Pissarro aus dem Tritt. Alfred Dreyfus wurde mit dubiosen und gefälschten Beweisen wegen Landesverrates verurteilt. Da Alfred Dreifus Jude war, setzten kurz nach dem Urteil in Frankreich Angriffe, gegen alles was jüdisch war, ein. Der offen ausgebrochene Antisemitismus entzweite die französische Republik. Und Pissarro? Pissarro war Jude und verlor von einem Tag auf den anderen seine Freunde, die danach nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten. Er, der einer der führenden französischen Impressionisten war, der dem Impressionismus die maßgeblichen Impulse gegeben hatte, er stand auf einmal alleine da. Freunde wechselnden die Straßenseite und grüßten nicht mehr. Unverständlich ist für heutige Begriffe, wenn dann 1937 in einem Standardwerk „Meisterwerke französischer Impressionisten“ von Karl Scheffler, Camille Pissarro nur in einer Fußnote erscheint. Glücklicherweise gab und gibt es ja nicht nur Antisemiten auf der Welt.
1892 erlebte Camille Pissarro trotz allem noch seinen Durchbruch bei dem Kunsthändler Durand-Ruel. Es waren die US-Amerikaner die Gefallen an den Impressionisten gefunden hatten und die nicht genug von diesen Werken bekommen konnten.
Man kann jedoch sagen, es muss eine spannende Zeit gewesen sein, die Stoff für viele Gesellschaftsromane liefern würde. Menschliche Höhen und Tiefen eingeschlossen.
Die künstlerischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge aufzuarbeiten und dies in einer Ausstellung sichtbar zu machen ist dem Kurator und Direktor Dr. Gerhard Finckh gut gelungen.
So wird der Besucher anhand von 170 Werken, wovon rund 120 von Pissarro sind, durch die damalige Zeit geführt. Die gegenseitige Inspiration der Künstler werden sichtbar gemacht und darüber hinaus in den geschichtlichen Kontext gesetzt. Paris wurde durch den Stadtplaner Georges Haussmann zu einer Metropole umgestaltet, die bis heute noch Bestand hat. Die damalige Pariser Weltausstellung erregte die Gemüter positiv. Und die industrielle Revolution brachte dementsprechende gesellschaftliche Umwälzungen. Eine durchaus spannende Zeit des Aufbruchs. Zu jeder Zeit waren die Künstler stille Beobachter der neuen Zeit.
Diesen Spannungsbogen und die künstlerischen Veränderungen aufzuzeigen, wird diese Ausstellung im von der Heydt Museum jederzeit gerecht.
Und so schreibt Dr. Gerhard Finckh zu dieser Ausstellung am Schluss: „ Abgesehen von den betörenden Werken Pissarros sehen Sie hier auch die großartigen Werke von Courbet, Corot, Cézanne, Manet, Monet, Gauguin, van Gogh und anderen Künstlern dieser aufregenden Epoche.“
Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Wuppertal

Camille Pissaro / Boulevard Montmartre bei Nacht
(ca. 1897) The National Gallery London Foto: Linde Arndt
Pissarro – Der Vater des Impressionismus
Eine Ausstellung:
Bis zum 22.2.2015
Öffnungszeiten:
DI+MI 11-18 Uhr
DO+FR 11-20 Uhr
SA+SO 10-18 Uhr
MO geschlossen
Eintrittspreise:
12,–€ pro Persone
10,–€ ermäßigt
24,–€ Familienkarte
öffentliche Führungen Plus 4,–€ zum Eintrittspreis
Adresse:
von der Heydt Museum
Turmhof 8
42103 Wuppertal
Tel.: 0202/563-6231
Anreise mit der DB:
Das Von der Heydt-Museum Wuppertal liegt in der Fußgängerzone des Stadtteils Elberfeld und ist vom Hauptbahnhof (DB, S-Bahn) in weniger als 5 Minuten zu Fuß zu erreichen.
Anreise mit dem Auto:
Von der A 46 die Abfahrten W-Katernberg oder W-Elberfeld wählen. Dem Parkleitsystem Richtung Zentrum Hofaue folgen (siehe Karte)
Weitere Informationen über das Internet: http://vdh.netgate1.net/index.html
Außerdem eine Ausstellungsseite: http://www.pissarro-ausstellung.de/
Jochen Stücke. Ein Künstler, als Wanderer zwischen Raum und Zeit.
/1 Kommentar/in AKTUELLES, Jochen Stücke, Z- Alle Beiträge /von Redaktion
v.l.: Jochen Stücke, Kuratorin Dr. Beate Eickhoff, Dr. Gerhard Finck Foto: Linde Arndt
[jpg] Es ist faszinierend wenn man mit seiner Fantasie Zeit und Raum überwinden kann. H. G. Wells Roman „The Time Machine „ beschrieb eine Zeitreise in eine Zeit in der die gesellschaftlichen Unterschiede größer nicht sein könnten. Faszinierend war hierbei, die Zeitmaschine bleibt an einer Stelle stehen und befördert den Insassen durch die Zeit. Eine Fiktion? Albert Einsteins Annahmen einer änderbaren Raumzeit bewies in der Neuzeit die Möglichkeit einer Zeitreise, jedoch wüsste man nicht wie man diese Maschine bauen sollte.
Nun, diese Fiktion kann Wirklichkeit werden durch einen Geist der die eigene Fantasie und Kreativität anzuwenden weiß.
Jochen Stücke ist ein Mensch, der sich die Metropole Paris ausgesucht hat und diese Metropole immer wieder neu entdeckt. Paris übte seit jeher auf jeden Betrachter eine Faszination ohne Gleichen aus. Und wer sich darüber hinaus, wie Jochen Stücke, von der Stadt noch einfangen ließ, dem geriet diese Stadt zum Feld seiner eigenen Fantasie. Paris ist die europäische Metropole der Neuzeit schlechthin „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ wurden in Paris zuerst gedacht, nicht in den USA, wie viele heute meinen. Der soziale Gedanke des Staates hat bis heute seinen festen Platz in der französischen Republik in Paris. Gesellschaftliche Umwerfungen wurden zuerst in Paris vor gedacht und von Paris ging das Fanal der Freiheit über Europa in die ganze Welt. Die europäische Metropole Paris ist voll an Geschichte die uns an jeder Ecke und auf jedem Straßenkilometer entgegenkommt. Die großzügigen Straßen, Parks oder die Anordnungen der Quartiere (Arrondissements) wurden von Napoléon III. und seinem genialen Stadtplaner Georges-Eugène Haussmann im 19. Jahrhundert umgesetzt. Daneben existieren noch die alten verwinkelten Gassen mit ihren Cafés, Bars oder Brasserien. Auf diesen Straßen, in diesen Gassen und in diesen Häusern lebt die Vergangenheit noch nach. Die Rue de l’Echiquier, Rue Bonaparte (damalige Rue des Petits Augustins) , Rue Molière (damalige Rue Traversière) und die Rue du Faubourg Poissonière, waren Stationen des deutschen Dichters Heinrich Heine. Heines Umgang war Balzac, George Sand, Delacroix, Berlioz und viele andere.

Ausstellung Jochen Stücke im von der Heydt Museum Foto: Linde Arndt
Jochen Stücke erkennt Paris in seinen fiktiven Gängen, ihm kommen die Personen aus den verschiedenen Zeiten entgegen. Danton kann sich mit Zola oder Berlioz unterhalten, wobei der heutige Präsident der Republik Hollande oder Ex-Präsident Sarkozy sich dazu gesellen könnten.
So schreibt Jochen Stücke:
„Paris überblicken? Ich gehe durch Bilder, Texte, Straßen, Jahre und komme nicht an. Sage ich Balzac muss ich auch Rodin sagen, sage ich Rodin, ist Zola zur Stelle. Diese Stadt ist ihre immerwährende Fortsetzung, ohne Geschichte, in endloser Gegenwart.“
So hat das „von der Heydt Museum“ die Exponate in sechs Themenbereiche mit 110 Werken verwoben.
-
Aragon/Géricault
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Emile Zola „Das Werk“
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Notre Dame
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Kunst und Literatur
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Nocturne, Paricon
-
Revolution
So erkennt man in Jochen Stücke den Meister der Radierungen, Lithografien aber auch den Zeichner. Am eindrucksvollsten sind für mich die Werke aus dem Themenkomplex der Revolution. Der viel zu große Hut Napoleons mit dem er einerseits mit dem Kopf durch die Wand geht und andererseits seine geistige Größe dokumentiert. Auf unsere heutige Zeit bezogen, können wir vielen unserer Politiker sehen deren geistige Größe die Größe Napoleons nicht übersteigen. Im Gegenteil.
Oder die Aufbruchstimmung des 5. Oktober 1789, als Marktweiber und 20.000 Nationalgardisten König Ludwig XVI nach Paris führten wobei die Nationalversammlung ihm folgt, um die Beschlüsse über die Aufhebung des Feudalsystems durch den König anerkennen zu lassen. Oder Jean-Paul Marat, ein Hitzkopf und ein angesehener Abgeordneter des Nationalkonvents. Ein schwer kranker Mann zum Ende seiner Lebenszeit, der von Charlotte Corday ermordet wurde. Der Tanz, mehr Totentanz vor der Badewanne, ist der Tanz der Revolutionsanhänger mit unterschiedlichen Ausrichtungen.
Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Wuppertal
Ausstellung vom 16. September 2014 – 22. Februar 2015 im Von der Heydt-Museum
Titel: Pariser Album
Öffentliche Führungen:
„Jochen Stücke“
Kosten 14 € inkl. Eintritt
Samstag, 25. Oktober, 14 Uhr
Sonntag, 9. November, 12 Uhr
Samstag, 22. November, 14 Uhr
Samstag, 24. Januar, 14 Uhr
Samstag, 14. Februar, 14 Uhr
Öffnungszeiten:
AUSSTELLUNG SAMMLUNG „Von 1900 bis heute“ und JOCHEN STÜCKE
DI-SO 11-18 Uhr
DO 11-20 Uhr
MO geschlossen
Jeden ersten Donnerstag, 17-20 Uhr, ist der Eintritt in die Ausstellung der Sammlung frei
Adresse:
von der Heydt Museum
Turmhof 8
D-42103 Wuppertal
Tel.: +49(0)202/563-6231
Die Illusion von Leben erzeugen
/0 Kommentare/in Sisley Ausstellung, Von der Heydt Museum, Z- Alle Beiträge /von Redaktion[jpg] Es ist schon eine schöne Angelegenheit, wenn die Tür zur Kunst, respektive der Malerei einmal sehr weit geöffnet ist. Die Rede ist von der im „von der Heydt Museum“ befindlichen Alfred Arthur Sisley (* 30. Oktober 1839 in Paris; † 29. Januar 1899 in Moret-sur-Loing) Ausstellung.
Geht man durch die Ausstellungsräume so sind nicht nur die Exponate des Künstlers in einer Abfolge zu sehen. Vielmehr sind auch die vielen Bezüge, meinetwegen zur Zeit, zum Umfeld oder auch der Herkunft verständlich ausgestellt.
William Turner, der Meister des Lichtes, und John Constable, der die Malerei mit Gefühlen verglich, waren diejenigen die Sisley inspirierten aber auch motivierten sein Leben der Malerei zu widmen. So entstanden auch seine ersten Werke in England, die letztendlich zu dem Entschluss führten nach Paris umzusiedeln. Das damalige Paris war seit Anfang des 19ten Jahrhunderts der Mittelpunkt der Malerei schlechthin, was auch noch lange anhielt. Die Stadt Paris war ja in der damaligen Zeit einer revolutionären Veränderung ausgesetzt, diese Veränderungen wollte anscheinend die Kunst nicht verpassen.
Charles Gleyre, („Schule von Barbizon") war der Lehrer der Sisley auf den „Weg“ brachte. Dort lernte er auch Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir kennen, mit denen er auch zeitlebens befreundet sein sollte. Es war auch eine Freundschaft die man wirklich Freundschaft nennen kann und die sich wechselseitig immer wieder zeitlebens und darüber hinaus bewährte.
Den Lebenslauf von Alfred Sisley kann man nicht als erfolgfreich bezeichnen. Auf der einen Seite war er bei seinen Kollegen als Mensch und Künstler ein gesuchter und beliebter Partner und auf der anderen Seite fanden seine Bilder keine Abnehmer. Wenn er nicht eine handvoll Freunde gehabt hätte, hätte er noch nicht einmal das Geld für Farben, Leinwand oder Pinsel gehabt. Es ist ein tragischer Lebenslauf den wir dokumentieren müssten. Die Ausstellung nach seinem Tode, die durch seine Freunde organisiert wurde, erbrachte immerhin nach heutigen Maßstäben 2 Millionen Euro, die dann seinen beiden Kindern zugute kamen. EN-Mosaik schrieb schon im Artikel die Ankündigung der Ausstellung.
Man kann jedoch nicht genug von diesem Maler bekommen, der es in seinem Werksverzeichnis immerhin auf 884 Gemälde gebracht hat. Und es ist vollkommen unverständlich warum es bis heute noch keine Sisley Ausstellung gab.
80 seiner Werke hat das von der Heydt Museum in Wuppertal zu einer einmaligen Einzelausstellung zusammen getragen. Das Oeuvre Sisleys, welches nahezu ausschließlich zauberhafte Landschaften darstellt die er in der Umgebung von Paris gemalt hat, wird durch die 80 Bilder eindrucksvoll repräsentiert. Der Kurator Dr. Gerhard Finckh wusste die ersten Häuser Europas und Übersee, wie das Paris – Musée d’Orsay, London – Tate, Essen – Museum Folkwang, St. Gallen – Kunstmuseum St. Gallen oder New York – Metropolitan Museum of Art nicht zu vergessen die privaten Leihgeber um nur einige zu nennen, für diese Ausstellung in Wuppertal zu begeistern. Und darüber hinaus wurde ein Katalog mit Texten internationaler Autoren zum Preise von 25,– Euro herausgegeben. Durch die Ausstellung wird aber auch eine Vorbereitungszeit von rund 2 Jahre mit Erfolg gekrönt.
Zur Ausstellung selber: Man kann die Ausstellung rein intuitiv erleben indem man sich auf den Beginn einlässt. So ist es auch logisch, wenn man Eingangs Bilder von Turner und Constable intensiv betrachtet um danach den eigenen Weg von Sisley zu erfahren. Licht und Gefühle, so Turner und Constable, nun kommt noch der Himmel, die Landschaft oder das szenische durch Mensch und Natur hinzu. Man spürt förmlich das vorbei ziehen der Wolken, so, als wenn man im sommerlichen Gras auf dem Rücken liegt und den Wolken nach sieht.
![]() [oben ein Bildausschnitt, das gesamte Werk ist in unserer Fotogalerie enthalten] |
Oder auch die von Sisley gemalte Überschwemmung "Nach dem Eisgang, die Seine an der Brücke von Suresnes (1880)" – hier sieht man ruhige und besonnene Menschen die mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind, wobei der gemalte Platz von wenigen Schaulustigen besucht wird.
Man spürt die Stimmung nach der " Katastrophe". Der Himmel ist teilweise aufgebrochen, Wolken ziehen vorbei und geben den Blick auf die Szene frei. Der Fluss befindet sich wieder in der Bahn; die Natur hat sich wieder mit dem Menschen versöhnt. Eine friedliche Stimmung die dem Betrachter das Gefühl der Sicherheit vermittelt. |
In den Bildern ist immer eine gewisse natürliche Dynamik zu bemerken, die einen in die Bilder hinein zieht. Lässt man es zu, kann man Wind, Feuchtigkeit oder den Duft der gefallenen Blätter wahr nehmen.
Zum Ende der Ausstellung ist ein Bild von einem Felsen am Strand zu sehen, ungewöhnlich für Sisley.
Der Fels, steht er doch statisch in der Landschaft und drängt das Meer in den Hintergrund. Es fehlt die Leichtigkeit die Sensibilität mit der alle andern Bilder wahr genommen werden können. Der Fels als Zeugnis für seine Vita? [Bild rechts: Storr´s Rock, Lady´s Cove, am Abend] |
![]() |
Als die Führung für mich beendet war, legte sich eine wohlige besinnliche Stimmung über mein Gemüt.
Die Ausstellung geht noch bis zum 29. Januar 2012.
Öffnungszeiten:
DI + MI 11-18 Uhr
DO + FR 11-20 Uhr
SA + SO 10-18 Uhr
MO geschlossen
Allerheiligen 11-18 Uhr
Heiligabend geschlossen
1. Feiertag geschlossen
2. Feiertag 11-18 Uhr
Silvester geschlossen
Neujahr 14-18 Uhr
Eintrittskarten sind an der Tageskasse erhältlich
oder online über den Button beim von der Heydt Museum
Wer an Führungen interessiert ist, kann sich ebenfalls über die Homepage
kundig machen.
Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Wuppertal
alle Fotos © Linde Arndt
Bemerkungen zu einer Pflanze
/0 Kommentare/in Von der Heydt Museum, Z- Alle Beiträge, Zettels Traum /von Redaktion[jpg] Nein es müssen nicht immer spektakuläre Ausstellungen wie die ehemals gezeigten Werke von Auguste Renoir oder Claude Monet sein. Es geht noch etwas feiner und zarter, was war vor dem von uns heute bewunderten Gemälden der großen Meister?
Nun, es waren die Skizzen oder Zeichnungen welche die einzelnen Künstler anfertigten. Und diese Zeichnungen sind die Gedanken, oder die "Dinge im Kopf", wie es Cragg nennt, die in den meisten Fällen auf Papier gebannt werden. Ich kannte Künstler, die haben auf der Rückseite einer Streichholz- oder Zigarettenschachtel gemalt. Ein mir bekannter Maler meinte, es bricht eben aus mir heraus. Es wurde danach nicht unbedingt ein Gemälde bzw. Kunstwerk, es konnte aber eines werden. Viele Künstler machten diese Zeichnung hinterher zu einem eigenen Werk um es zu verkaufen. Aber in der Regel waren es spontane und eigenständige Artefakte die, wenn man so will, teils nicht weiter verfolgt oder teils auch wieder aufgenommen wurden.
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v.l.: Dr. Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt Museums, / Julia Klüser / Verena Klüser / Bernd Klüser / Foto: copy Linde Arndt |
Und so hat sich die Galeristen Familie Klüser aufgemacht diese Zeichnungen zu sammeln. Zuerst fanden die modernen Maler die Aufmerksamkeit der Galeristen. Später wurde die Sammlung ausgeweitet auf die alten Meister. Mit der Zeit und der Erfahrung stellte die Galeristen Familie Gemeinsamkeiten zwischen den Zeichnungen der alten und modernen Künstler fest. Die Striche, ob zart und leicht oder hart und breit, die Schattierungen, die Abstufungen, die Konturen oder auch der Abstraktionsgrad, dies findet man sowohl bei den alten als auch bei den zeitgenössischen Meistern.
220 Zeichnungen sind es die die Galeristenfamilie mit dem von der Heydt Museum in verschiedenen Blöcken ausstellt um diese Zusammenhänge aufzuzeigen. Es sind jedoch noch einige Zeichnungen die es noch zu sehen geben könnte, nur der Besucher wäre überfordert von dem weiten Rahmen. Und es ist die erste Ausstellung für diese Zeichnungen und das in Wuppertal.
Bernd und Verena Klüser wollen damit ihre Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt Wuppertal und dem von der Heydt Museum zeigen.
Bernd Klüser hat im damaligen Elberfeld am und im Von der Heydt Museum seine Liebe zur Kunst entdeckt. Es war eine andere Zeit in Elberfeld, das Schauspielhaus war noch an der Bergstrasse. Es gab offene Künstlerkreise die miteinander diskutierten und sich unterstützten. In dem Bereich hatte die damalige Jugend jede nur erdenkliche Inspiration bekommen. Und heute? Das Theater soll eingestellt – Kultur soll klein geschrieben werden. Das nur so am Rande. Heute hat die Familie Klüser in München Fuß gefasst und betreibt dort zwei Galerien.
![]() Paul Klee 1934, Bemerkungen zu einer Pflanze |
Ach ja der Titel, "Bemerkungen zu einer Pflanze" von Paul Klee, was hat er zu bedeuten? Künstler "sprechen" mit ihren Werken, es ist ein Dialog. Und ich könnte mir vorstellen, wie Paul Klee mit dieser Pflanze gesprochen hat und dabei diese Zeichnung anfertigte und in eines seiner späteren Werke hat einfließen lassen. Diese Zeichnung hat aber ihren besonderen Reiz. Zeichnet diese Zeichnung doch das Galeristenehepaar Klüser mit ihrer Klugheit beim Sammeln aus. Denn die geistige Verwandtschaft Klees mit Beuys zeigte sich bei einem zufälligem Treffen zweier Ausstellungen im Lenbachhaus 1979. Beuys sah dort die Bilder Klees und fand die Gemeinsamkeiten im Zusammenhang mit der Betrachtung über die Ganzheit der Natur.
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"Ein Fetzen Gemeinsamkeit" hieß folgerichtig auch eine spätere Ausstellung 2000 auf Schloss Moyland im Kreis Kleve.
Soweit zu dem Gedanken, die Zeichnung sei als Vorstufe eines späteren Werkes anzusehen.
Und so fügt sich alles folgerichtig zusammen, indem das Galeristenpaar Klüser einen großen Block an Beuyszeichnungen gesammelt hat und einzelne Zeichnungen der anderen Meister zuordnete um die geistige Verwandtschaft, auch in handwerklichem Sinne, aufzuzeigen.
![]() Théodore Géricault (1791 – 1824), Gretchen im Kerker |
Wenden wir uns dem zweiten aber nicht letzten Aspekt zu. Zeichnungen als eigenständige Werke.
Géricault ein Zeitgenosse von Delacroix und Daumier fertigte hier die Zeichnung "Gretchen im Kerker" an. Zugrunde liegt hier das Faustdrama von Goethe. Vor den Füßen liegt das getötete Kind und man erkennt schon an der Haltung, dass Gretchen dem Wahnsinn verfallen ist. Gretchen erwartet ihren Henker, also den Tod, was durch den schwarzen Hintergrund angekündigt wird. Gretchens Unschuld, durch das nach beige hin aufgetragene Weiß, widerspricht die Körperhaltung. Der Blick ist auf das am Boden liegende Kind gerichtet, der Körper jedoch nach hinten geneigt, so als will sie sagen: Was habe ich getan? Gretchen hat sich mit ihrem Schicksal, dem Henkerstod, abgefunden und ist von Faust schon längst verlassen. |
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Géricault zeigt hier seine angeeignete Fertigkeit Körper in realistischer Weise darzustellen.
Es ist aber auch noch ein dritter Aspekt dieser Ausstellung festzuhalten. Die alten Meister des 16. und 17. Jahrhunderts mit der Moderne in Beziehung zu setzen. Man sieht dies erst auf den zweiten Blick und ich muss gestehen, ich bin beim ersten mal zu schnell bei der Betrachtung der Werke vorgegangen. Machen sie nicht den gleichen Fehler, gönnen sie sich die Zeit um die wunderbaren Verbindungen zwischen den einzelnen Meistern zu erkennen. Es ist pure Kunstgeschichte die Bernd und Verena Klüser gesammelt haben.
Es ist auch ein Universum der verschiedensten Zeichnungen das, genauso wie Arno Schmidts "Zettels Traum", auf eine subtile innere Gemeinsamkeit hinweist. Die Sammlung in ihrer Zusammenstellung leitet, nimmt einen an die Hand aber – und das ist das Spannende – bringt einen auf Verbindungen die man so nicht gesehen und geahnt hat – man ist außerordentlich überrascht.
Die Ausstellung ist aber damit noch nicht zu Ende, es gibt da noch eine besondere Gabe die man so nicht erwartet hat.
![]() |
Jorinde Voigt, die Otto-Dix Preisträgerin von 2008, stellt unter dem Titel "Nexus" ihre großformatigen Zeichnungen aus. Teilweise sind sie eigens für diese Ausstellung angefertigt worden.
Geschwungene Linien, Pfeile, Fußstapfen, Zahlen, Sätze, Anweisungen, Worte oder Verweise, dies sind die Zeichnungen mit denen man sich konfrontiert sieht. Ein Code! Genau, es sind codierte Zeichnungen die etwas sichtbar machen, was so nicht sichtbar ist. Zuerst weigert man sich in die Fülle der Informationen der gesehenen Zeichnungen hineinzuversetzen. Und doch lässt es den Betrachter nicht los. Den Code "knacken"? |
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Jorinde Voigt vor einem ihrer Werke Foto: © Linde Arndt |
Nein, es ist einfacher als man denkt. "Adlerflug" in Beziehung zur Windrichtung, der Himmelrichtung und der Windstärke. Die Darstellung auf Papier mittels Tinte und Bleistift, als gerichtete Bewegung ergibt eine Zeichnung. Diese Zeichnung hat eine innere und äußere Ästhetik, die den Betrachter in seinen Bann zieht.
Nexus I (Horizont; mögliche Farben des Horizonts; Position; Himmelsrichtung; Melodie; Zäsur; Territorium, Zentrum; Öl; Wasser; Konstruktion; Dekonstruktion; Airport, N; S; W; O; Externe Zentren; Rotation; Kontinentalgrenzen)
Diese Parameter wirken auf Voigt in ihrer Wahrnehmung wobei sie die Zusammenhänge aufzeichnen will. Diese Aufzeichnung ergibt eine Struktur die eine Verbindung eingeht. Die Endstruktur ergibt nunmehr das Werk. Auf dem Papier entsteht ein riesiges Energiefeld welches sich aus scheinbar willkürlichen Verbindungen speist. Die Quellen dieser Linien oder Zeichen können unterschiedlicher Natur sein.Letztendlich bilden sich auf dem Papier neue Wirklichkeiten die von anderen Wirklichkeiten abgeleitet sind. Voigt ist dabei stückweit ein Transformator oder eine Verschlüsselungsstation.
Eine Melodie löst eine Bewegung aus, diese wiederum eine Richtung, eine gewisse Zeit, die wiederum etwas anderes benötigt oder aber auch auslöst. Es klingt wie eine Versuchsanordnung verschiedener Elemente, die sich berühren und wieder lösen.
Unwillkürlich denkt man an die Fraktale der Mandelbaum-Menge, an die Chaosforschung und damit an die Geschichte von dem Schmetterling der mit seinem Flügelschlag in Südamerika einen Orkan in Europa auslösen kann. Voigst Werke erscheinen undenkbar und doch zieht uns Voigt mit ihren Werken und deren Inhalte auf eine Basis die Vertrauen erzeugt und uns das Denken mit ihren "Apparaten" erleichtert. Mir ging bei der Betrachtung das Hauptwerk Aristoteles über die Physik (Band IV) durch den Kopf, die Bewegungs- oder die Zeitdefinition. Es ist schon komisch auf welche Gedanken man kommt wenn man sich in ein Kunstwerk versenkt.
Zur Eröffnung der Ausstellung sprach Dr. Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt Museums,
die Einführungsrede hielt Dr. Michael Semff, Leiter der Staatlichen Graphischen Sammlung München.
Zur Ausstellung "Zettels Traum" ist ein zwei Bände umfassender Katalog mit zahlreichen Abbildungen, einem Interview mit Bernd Klüser, einem Einführungstext von Dr. Michael Semff mit dem Titel "Die Zeichnungssammlung Bernd und Verena Klüser, Band I und Band II erschienen. Die beiden Bände können im Shop des Von der Heydt Museums erworben werden.
Sicherlich werden diese beiden Bände zu einem Standardwerk für Zeichnungen avancieren.
Zur Ausstellung "Nexus" Jorinde Voigt ist selbstredend auch ein Katalog erschienen, der von Julia Klüser herausgegeben wurde.
Die Texte hierzu wurden von Andreas Schalhorn und Lisa Sintermann verfasst.
Der Katalog hat 144 Seiten, mit 200 farbigen Abbildungen
Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Wuppertal.
Info
"Zettels Traum" –
Die Zeichnungssammlung Bernd und Verena Klüser
15.3.2011 – 19.6.2011
Von der Heydt-Museum
Turmhof 8
D – 42103 Wuppertal
Telefon 0202 – 563 2500
Telefax 0202 – 563 8091
von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de
www.von-der-heydt-museum.de
Öffungszeiten:
DI – SO 11 bis 18 Uhr
DO 11 bis 20 Uhr
MO geschlossen
Hier unsere Galerie von der Vernissage und Ausstellung im von der Heydt-Museum Wuppertal.
{Fotos © Linde Arndt]
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