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Trash People von HA Schult im Dümmertpark in Telgte

Parallel zu der Ausstellung und der Eröffnung des „Ein-Wochen-Museum“ in der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld mit der „Tankstelle“ von HA Schult fand in Telgte die Ausstellung „Trash People“ statt. Eine befreundete Journalistin, Zdena David“ hat uns ihren Artikel mit den dazu gehörigen Bilder übermittelt, die wir ihnen nicht vorenthalten wollen. (Jürgen Gerhardt)

Bürgermeister Pieper, Bündnis90/Die Grünen   [ZD]„Wir produzieren Müll und wir werden zum Müll. Denn jede Coladose von heute ist die römische Scherbe von morgen“, betonte HA Schult, der international und hauptsächlich durch Objekt- und Aktionskunst bekannte Künstler zur Ausstellungseröffnung, der durch seine im Dümmertpark in Telgte aufgestellten Trash People auf unsere im Wohlstand lebende Gesellschaft, die die Erde ausbeutet, aufmerksam macht. Seine Aktion der mannshohen, aus gepresstem Müll mit Montageschaum verfestigten Figuren, sowie seine überragende Rede, hinterließen beim prominenten und alltäglichen Besucher  am Eröffnungstag der Ausstellung „Einkehr in Telgte“ einen bemerkenswerten Eindruck.

Nein, es ist keine Wallfahrt, auch wenn diese „Menschen“ kurzweilig die Stadt Telgte um 200 „Einwohner“ bis zum 31.07.2011 vergrößern und den Wallfahrtsort Telgte (NRW, Münsterland) auf der ganzen Erde noch bekannter machen.

Mit begrüßenden Eingangsworten und einer hervorstechenden Aufzählung der Metropoleorte „Moskau, Peking, Kairo, Brüssel, Rom, Arktis, Telgte“, hieß Bürgermeister Wolfgang Pieper (Bündnis 90/Die Grünen) die Besucher Willkommen bei der Ausstellungseröffnung der Trash People des in Köln und Berlin lebenden Künstlers HA Schult, der ebenfalls, wie seine aufgestellten „Müllmenschen“ am Sonntag, 03.07.2011 anwesend war.

„Laden Sie Menschen nach Telgte ein, um sich mit dieser Kunst auseinander zu setzen“, beherzigte Bürgermeister Pieper alle Besucher, denn das Konsumenten-Thema sowie die Müllproduktion (580 kg/Jahr/Bürger/Deutschland) findet der überregional bekannte Politiker sehr wichtig und nachhaltig erschreckend.    

Die Trash People sahen mittlerer Weile zahlreiche Orte, wo sie Menschen aufrüttelten und zur Diskussionen führten. HA Schult packte „das zentrale Thema in eine globale, mobile Skulptur“, der er zum ersten Mal 1996 in Xanten in einem Römischen Amphitheater das Leben einhauchte und zu 1000 Stück ausstellte. Weitere Orte folgten, die Attraktivsten sind zu nennen: Die Müllmenschen standen 1999 in Moskau auf dem Roten Platz, 2001 auf der Großen Mauer in Peking, 2002 vor den Pyramiden in Kairo, 2005 in Brüssel auf dem Grand-Place, 2007 in Rom auf Piazza del Popolo, 2011 in der Arktis, 78° 13’ N 15° 33‘ E. Unterschiedliche Höhen besuchten die Trash People: Am Matterhorn, 2800 m ü. NN sowie 880 m unter Tage im Salzstock Gorleben.   HA Schult

Simone Thieringer, Leiterin von „Tourismus + Kultur“ der Stadt Telgte besuchte die Müllmenschen während ihres Urlaubs am Kilkenny Castle in Irland, von diesem Zeitpunkt an, setzte sie ihre Idee die Trash People nach Telgte zu transportieren und auszustellen durch. Großartig!

Die roten Steine der Kulturspur in der Innenstadt Telgte weisen den Weg zum nahgelegenen Dümmertpark an der Ems, wo die „Neubürger“, wie sie bei der Ausstellungseröffnung Peter Scholz, Vorstandsmitglied der Sparkasse Münsterland Ost,  bezeichnete, in Reih und Glied wie eine Armee aufgestellt sind. „Die Sparkasse fördert gerne Kunst im öffentlichen Raum. HA Schult ist eine echte künstlerische Attraktion in Telgte“,  sagte Scholz während seiner Rede am Eröffnungstag. Glücklicherweise steuerte die Sparkasse Münsterland Ost in die umfangreiche Aktion der Trash People einen großen finanziellen Betrag bei, mit von der Partie sind zahlreiche, private, regional ansässige Unternehmen  als Sponsoren zu nennen. Der ausschlaggebende finanzielle Zuschuss für die komplette Realisierung dieser Outdoor-Ausstellung samt Begleitprogramm kam von der LWL-Kulturstiftung. Dieses Projekt erfülle die Förderkriterien, sagte Silke Rommel vom Beirat der Kulturstiftung, während sie einen weiten Blick über den idyllischen Dümmertpark streifte und betonte, die Trash People suchten doch eine Heimat nach der langen Weltreise!

Trash-ArmeeDie Besucher können die Müllarmee der Trash People von HA Schult einerseits direkt vor Ort auf der grünen Wiese im Dümmertpark besichtigen,  andererseits in unmittelbarer  Nähe einige Metallstufen auf einen  „Seh-Container“ der Firma Bolle hochsteigen, von wo aus man eine gewisse Vogelperspektive der gesamten Betrachtung der Trash People erhaschen kann.
Im Inneren des bunten Metall-Containers werden Merchandising-Artikel zu dieser aktuellen Kunstaktion verkauft. Auf dem Gelände treffen die Besucher  ehrenamtliche Gästebetreuer, deren Einsatz von 120 Schichten der Heimatverein Telgte koordiniert.

Ein Begleitprogramm bereichert die Kunstaktion von HA Schult in Telgte:
– Lesung zur Ausstellung, am 07.07.2011, 19:30 Uhr, Dümmertpark:
Christian Nachtigäller liest in mitten der Trash People aus seinen trashigen geschichten. Der Autor erzählt vom Alltäglichen Wahnsinn und vom wahnsinnigen Alltag.
– Führungen zur Ausstellung – Auf den Spuren der Trash People.
Termine nach Wunsch sowie öffentliche Führung am 17.07.2011 um 16:00 Uhr.
Treffpunkt: marktplatz, Tel.: 02504/690100, simone.thieringer@telgte.de
Dauer: 45 Minuten, Kosten 3,00 Euro, ab 10 Personen
– Konzert zur Ausstellung, am 17.07.2011, 17:00 Uhr, Bürgerhaus Telgte, Baßfeld 9, Eintritt frei!
The Long Breath. Die Reise von HA Schult durch die Kunst. Eine Bild- und Musik-Collage von Anna Zlotovskaya. Musik: Antonio Vivaldi. Im Anschluss des Konzerts findet eine Signierstunde mit dem Künstler HA Schult statt.

Einkehr in Telgte – Trash People von HA Schult
Diese Ausstellung im Grünen ist von 6 Uhr bis 22 Uhr bis zum 31.07.2011 im Dümmertpark in Telgte zu sehen.

Informationen:

Stadt Telgte Tourismus+Kultur Telgte, Tel.: 02504/690100,
www.telgte.de
simone.thieringer@telgte.de

Weitere Informationen:
www.haschult.de

 

Text und Fotos: Zdena David

 

Der Trashman oder „Gott der Tankwarte“ nun auch in Ennepetal


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  [jpg] Erst die KultGarage und nun hat die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld das „Ein Wochen Museum“ aus der Taufe gehoben.

Nicht ohne Stolz stellte Johannes Dennda das erste Exponat vor. Man muss sich das erst einmal durch die gesamten Gehirnwindungen gehen lassen; denn dieses Exponat ist HA Schult „Die Tankstelle“ von 1972. HA Schult der Trashman oder wie er sich selber einmal nannte der „Gott der Tankwarte“.

Dieses Werk entstand in einer Zeit der Ölkrise (1973). Die Opec verlangte von heute auf morgen einen Ölpreis der die westliche Welt schockte. Damals gab es als Antwort die autofreien Sonntage oder in anderen Ländern wurden nach den  Nummernschildern die Autos an verschiedenen Tagen abgestellt, staatlich verordnet versteht sich. In dieser Zeit des Wandels gelangte HA Schult zu seinen ersten Arbeiten. Als Aktions- oder Objektkünstler  wurde HA Schult bekannt. Wobei er sich mit den Prozessen der Müllentstehung und Müllverwertung beschäftigte. Die Zeit der Studentenbewegungen war die Zeit der Fragen und des Hinterfragens. Sie war aber auch die Zeit der neuen Stilrichtungen in der Kunst. Die gesellschaftlichen Verkrustungen sollten aufgerissen werden. Für viele war es eine unruhige Zeit, die Ängste erzeugte. Für andere war es jedoch eine inspirierende Zeit, eine Zeit der Befreiungen von gesellschaftlichen Konventionen und Zwängen – macht kaputt was euch kaputt macht.

              
     

In diesem gesellschaftlichen Umfeld entstand das Werk „Die Tankstelle 1972“. Es ist ein Werk welches gerade heute, nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, noch eine ungeheurere Aktualität besitzt. In diesem Bild, welches wie ein Setzkasten wirkt, ordnete Schult ein Szenario an, welches eine Weltuntergangsstimmung darstellt. Der Boden mit Erdöl verseucht und auf diesem Boden eine Tankstelle an der ein Auto betankt wird.Hinter der Tankstelle häufen sich die verbrauchten Reifen, die nicht entsorgt wurden. Es ist eine geschunden Welt. Die heile Welt ist nur andeutungsweise durch den an der Tankstelle stehenden Geländewagen vorhanden. Dieses Bild ist wie ein Drama im Sinne von Brecht angeordnet. Man möchte eingreifen und eine Umkehr erzwingen. Es geht jedoch nicht. Schult zwingt uns zu zu sehen was wir mit unserem Ego anrichten und fragt: Wollt ihr das?

Er stellt auch diese ganze Konsumwelt des Verbrauchens damit in Frage und weist auf intelligentere Lösungen hin, die wir sicher auch erbringen könnten.

   
  v.l.: Jürgen Schlothauer, Johannes Dennda, Saskia Lipps und Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin                                      Foto: © Linde Arndt  

Die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld zeigt einmal mehr den Mut, Außergewöhnliches  zu wagen als nur das Alltägliche. Wobei das Alltägliche ja heute schon in gewisser Weise Mut erfordert.

Mit der Sparkasse mit Johannes Dennda und dem K.E.Osthaus Museum mit Dr. Tayfun Belgin haben sich zwei Institute zusammen gefunden, die offensichtlich eine Botschaft vermitteln wollen – es geht. Es geht eine Kunstvermittlung jenseits des musealen Kunstbetriebes aufzubauen.

Und mit Saskia Lipps vom K.E. Osthaus-Museum als Soziologin ist es sogar möglich Artefakte in einem alltäglichen Umfeld, wie einer Sparkasse, den Heranwachsenden näher zu bringen. Die ersten Besucher, die sich mit diesem Projekt vor Ort mit großem Interesse auseinander setzen konnten und in die Details zu diesem Werk von Saskia Lipps  eingeweiht wurden, waren 16 Schüler des Leistungskurses vom Reichenbach-Gymnasium Ennepetal mit ihrem  Kunstlehrer Jürgen Schlothauer.

Es musste zwar noch etwas improvisiert werden aber so ist das eben bei einem Findungsprozess. Manchmal ist eben auch der Weg das Ziel. Es hatte auch noch gereicht sich in einem Gespräch auszutauschen und Hintergrundinformationen über die Zeit eines HA Schult, und über Karl-Ernst Osthaus, den Begründer des Hagener Museums zu erfahren.

Ja, ich denke die Idee der Sparkasse und des K.E. Osthaus Museums könnte in der Region Wellen schlagen. Wellen, die dazu führen, dass unsere Kultur und damit die Kunst mehr wert ist als nur eine Haushaltsposition die nach Belieben gekürzt werden kann.

Johannes Dennda von der Sparkasse und Dr. Tayfun Belgin mögen sich offensichtlich, denn für das nächste Bild aus dem Osthaus Museum ist schon wieder gesorgt. Es ist eben so in der Kunst – sie verbindet.

Das Bild von HA Schult ist noch bis 9. Juli 2011 während der Öffnungszeiten in der Hauptstelle der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld zu sehen.

Das nächste „Ein Wochen Museum“ mit einem weiteren Exponat wird dann am 4. Oktober 2011 in der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld eröffnet.

Man darf gespannt sein.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

Hier geht es zum K.E.Osthaus Museum.