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Einladung zum Vortrag „Ökologie der Pilze“ von Prof. Dr. Meike Piepenbring

 

[Ennepetal] Die Referentin lehrt an der Universität Frankfurt Mykologie (Pilzkunde) und erforscht die Wechselwirkungen zwischen Pilzen und anderen Lebewesen. Dabei sind nicht die Speisepilze und ihre ungenießbaren Doppelgänger im Mittelpunkt des Vortrages, sondern die ökologische Bedeutung der Pilze in Wäldern. Was würde passieren, wenn es im Wald keine Pilze mehr gäbe? Welche Rolle spielen die verschiedenen Gruppen der Pilze, d.h. Abfallzersetzer, Mykorrhizapilze und Parasiten? Wie reagieren Pilze auf den Klimawandel?

Diese und viele andere Fragen erweitern unser Wissen über die oft unscheinbaren Pilze unserer Heimat.

Da im September Pilzzeit ist, wird Meike Piepenbring auch Fragen zum Sammeln, der Schonung und den Naturschutzregeln für einheimische Pilze beantworten.

Veranstaltungsort: Biologische Station (Loher Straße 85, Ennepetal)

Veranstalter: AGU (Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Schwelm)
Termin: 23.09.2015, 19 Uhr

Es zischt, es qualmt, es beißt im Hals aber es ist spannend

Meilernacht

Meilernachtwache 2010 foto: Linde Arndt

[jpg] Alle zwei Jahre qualmt es im Hülsenbecker Tal. Dampfschwaden liegen wie schwerer Nebel über dem Tal. Nachts flackert es, leise Gespräche finden zwischen dunklen Gestalten statt. In der Dunkelheit der Nacht entweicht dem Meiler (Ofen) zischend eine Flamme. Einer der dunklen Gestalten schließt das Loch aus der die Flamme entwichen war. Der Meiler liegt oder steht wie ein schlafendes Ungeheuer auf dem oberen Bereich des Hülsenbecker Tals. Mystische Geschichten ranken um solch einen Meiler, der in der Nacht irgendwie menschlich anmutet. Er atmet und „redet“ mit den ihn umgebenden Menschen, so sie denn hören wollen. Es ist die Meiler-Wache die hier mitten in der Nacht anzutreffen ist.  Köhler nennt man diese dunklen Gestalten, Menschen die sich mit der Kohlengewinnung befassen. Kohle aus Holz brauchte man um die hohen Temperaturen bei der Eisengewinnung zu erreichen. Im Mittelalter waren diese Menschen unehrenhaft, wie die Totengräber. Sie lebten neben und von ihren Meilern ein kärgliches Leben. Gesellschaftlich waren sie damals auf der untersten Stufe anzufinden.

Köhler am Meiler Foto: Linde Arndt (2010)

Köhler am Meiler Foto: Linde Arndt (2010)

Die Ennepetaler Meilerwoche findet alle zwei Jahre statt, dieses Jahr

vom Freitag 5. September 2014   18:00 Uhr bis zum Sonntag 14. September 2014

Ein umfangreiches Programm wird die Meilerwoche begleiten.

Am Freitag wird eine eBike Gruppe eine Grubenlampe in der Henrichshütte in Hattingen entzünden und diese zum Hülsenbecker Tal bringen um die bereiten Meiler zu entzünden. Kohle und Stahl sind die beiden Bereiche,  die die Industrie im Ruhrgebiet begründeten. Jagdhornbläser werden die Meilerwoche anblasen.

Die beiden Köhler, Joachim Schulte und Stefan Beermann aus Warstein werden zur Tat schreiten und rund um die Uhr den Meiler begleiten. In der Zwischenzeit haben sich in Ennepetal auch einige Köhler ausbilden lassen, die den beiden tatkräftig beiseite stehen.

Am Samstag wird eine Schafherde von Hütehunden auf den richtigen Weg gebracht. Schmieden, Verhütten, Metallgießen, Backen, Räuchern werden  einen Überblick des Lebens der damaligen Bevölkerung geben. Mittendrin und alltäglich für alle Beteiligten. Etwas „Wildes“ aus der Gulaschkanone der Jäger aus dem Kreis wird die Feinschmecker auf den Plan bringen. Spürbar wird uns das Leiden unserer Erde durch Geoscopia vorgeführt.

Am Sonntag werden die Zusammenhänge zwischen Wald und dem heutigen Klima vor Augen geführt.
Montags wird es abends gemütlich, indem  an einem Lagerfeuer über Gott und die Welt geredet werden kann.
Dienstags geht es um Artenschutz, indem Fledermaus, Schwarzstorch, Insekten sich vorstellen. Biologische Station Hagen, und Ennepe-Ruhr-Kreis, NABU Ennepe-Ruhr-Kreis und die AGU Schwelm werden die Besucher begleiten.

Worauf sich der Mittwoch mit einem Grillabend anschließt. Abendlieder werden gesungen und der ev. Pfarrer M. Steffens und der kath. Diakon M. Nieder werden anschließend eine ökumenische Abendandacht  feiern. Begleitet wird die Abenandacht vom CVJM Posaunenchor Milspe.

Der Donnerstag soll ein Köhlerabend werden, „Op dä Dicken“, das Baumstammkegeln, verbunden mit einem Spießbratenabend und Country-Musik versprechen einen kurzweiligen Abend.
Allerdings weisen wir hier auf einen Anmeldungswunsch hin der entweder unter email: info@biologische-station.de oder unter Mobilphone 0172 – 9645433 gewünscht wird.
Freitag wird die Coverband DUO 2you Live, Rock and Ballads vortragen. Hits der 80er und 90er Jahre, das Oldiefeeling ist angesagt.
Am Samstag wird es ernst, der Meiler wird aufgebrochen und die Holzkohle wird herausgenommen. Dies unter dem nun vorhandenen Bauern- und Handwerkermarkt
Sonntag wird die Holzkohle am Rande des Bauern- und Handwerkermarktes verkauft. Und Franz Schnurbusch, Falkner wird mit seinen Adlern, Falken oder Uhus um 11:00 und 15:00 zwei Vorführungen geben. Es ist absolut faszinierend dem Falkner zu zu sehen, hier zur Einstimmung eine Impression von Linde Arndt http://youtu.be/ez57QlKPGwM aus dem Jahre 2010.

Eines dürfen wir noch erwähnen. Innerhalb der Meilerwoche werden 51 Schulklassen der Klassen 3 bis 7 das Hülsenbecker Tal besuchen. Hier hat Elke Zach-Heuer mit 40 Helfern viel geleistet um den jungen Besuchern Lerninhalte aus dem damaligen Leben zu vermitteln. Ob das nun die Kinderarbeit, das Arbeiten auf einem Bauernhof oder die Ökologie des Waldes ist, interaktiv und mit eigenen Erfahrungen werden die jungen Menschen in diesen Themenkreis eingeführt. Die älteren Heranwachsenden müssen sich mit Kompass und Karte zum Hülsenbecker Tal durchschlagen.

Hoffentlich werden die Smartphones aus geschaltet, denn mit Google Maps geht es ganauso gut.

Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Ennepetal, der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld, der AVU, dem LIONS Club Ennepe-Ruhr Audacia, dem Kreisheimatbund Ennepe-Ruhr-Kreis e.V. und der biologischen Station im Ennepe-Ruhr-Kreis e.V.

Veranstalter und Sponsoren der Meilerwoche 2014  foto: Linde Arndt

Veranstalter und Sponsoren der Meilerwoche 2014 foto: Linde Arndt

Für Interessierte haben wir das Schulungsprogramm zum downloaden bereit gestellt.
Zum Schluss sollte man erwähnen, Bauer und Köhler waren keine Berufe die man romantisieren sollte. Es waren heute wie damals harte Berufe. Nur damals kam jedoch noch die geringe Lebenserwartung von 31 Jahren hinzu. Köhler erreichten in der Regel noch nicht einmal das 30. Lebensjahr.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal.

Die Ambivalenz der Stadt Schwelm

martfeld-bio

Satelittenaufnahme Anlage Martfeld  (c) Google-Maps

[jpg] Wenn man die Geschichte von Haus Martfeld liest, liest man eine Geschichte einer durchaus sozialen Stadt Schwelm. Man erfährt von Wilhelm Erfurt und seiner Stiftung, der ein ziemlich verrottetes Haus Martfeld mit Tatkraft und Mitstreitern wieder aufbaute. Später lässt er den Haferkasten restaurieren, der Bibliothek wird das Antiquariat erhalten. Man erfährt von Eduard Schwamborn, der mit seinem Verein die Friedhofskapelle restaurierte, die vorher noch nicht einmal mehr als Funkerbude genutzt werden konnte. Man erfährt von dem derzeitigen Schwelmer Bürgermeister Jochen Stobbe oder dem Fraktionsvorsitzenden der SPD Gerd Philipp, die mit noch weiteren Mitstreitern die Gräfte (Wassergraben) von Haus Martfeld von Unrat und Abfall beseitigten – Jahr für Jahr. Schüler des Märkischen Gymnasiums stellten sich hin und machten für Besucher den Sinn der Gräfte von Haus Martfeld sichtbar. Es sind nicht alle die wir hier aufzählen können, die das Schloss so herrichteten das man es heute für ein Kleinod der Stadt Schwelm sieht. Ein Wahrzeichen für das jede Stadt einstehen würde. Der Aufbau dieses Kleinods ist ein klassischer Aufbau im Sinne des Denkmalschutzes, getragen von der Mehrzahl der Bürger.

Bürgermeister Jochen Stobbe beim 5. Stadtgespräch  Foto: Linde Arndt

Bürgermeister Jochen Stobbe beim 5. Stadtgespräch
Foto: Linde Arndt

Nur was nutzt das Denkmal wenn es nicht einer sinnvollen Nutzung zu geführt wird. Hans Neveling, der Leiter der unteren Denkmalbehörde und Stadtkonservator in Wuppertal, prägte immer den Anspruch, ein Denkmal ist niemals tot, vielmehr lebt es mit seiner Nutzung. Dahinter steht, ein Denkmal sollte sich selber wirtschaftlich tragen.

Haus Martfeld könnte etwas mehr an Besucherverkehr vertragen als es sich heute  darstellt. Und so war es ein Glücksfall, dass die biologische Station des EN-Kreises aus Ennepetal ein neues Zuhause suchte. Der Blick war auf die Kreisstadt gerichtet und letztendlich auf den Park um Haus Martfeld.

Wie gesagt, ein Glücksfall. Es entstand eine Win-Win Situation, die zwei zusammen brachte, die sich wunderbar ergänzen.

So wurde das 5. Schwelmer Stadtgespräch zum Anlass genommen, die Entscheidung der Ansiedlung der biologische Station vorzustellen. Es sollte ein Gespräch über die Inhalte und die Arbeit der Station werden. Und es sollte über die Lösung, wie die Stadtion sich in das Ensemble des Hauses Martfeld einfügt, gesprochen werden. Es kamen an die 100 Bürger der Stadt Schwelm. Änderungswünsche wollte man hören, ob man nicht was besser machen könnte.

Dirk Janzen, Biologische Station  Foto: Linde Arndt

Dirk Janzen, Biologische Station Foto: Linde Arndt

Auf der Agenda standen noch mehr Themen, Martfeld war jedoch das Hauptthema. Und zu diesem Hauptthema hatte man den Leiter der Station Dirk Janzen eingeladen, der über die Station Auskunft geben wollte. Die Redaktion von EN-Mosaik war auch gespannt was es nach Ennepetal denn neues geben würde, ob sich die Inhalte oder Zielsetzungen verändern würden. Immerhin wollte man ja eine neue Station bauen.

Es kam jedoch ganz anders. Eine Gruppe von Anwesenden dominierte die Versammlung, indem sie Randthemen zu Hauptthemen orchestrierte. Die Brücke über die Bahnstrecke zum Haus Martfeld, die von der Westfalenpost als baufällig erachtet wurde, war ein Thema. Tatsächlich hält die Brücke noch 10 Jahre aus und müsste dann untersucht werden. Was sicher sehr wichtig ist, nur erst in 10 Jahren. Man wollte aber doch heute wissen wie man dann Martfeld mit dem Auto erreichen könnte. Dann wollte man wissen wie es mit den Parkplätzen bestellt war, die ja für jedes Gebäude nach dem Baurecht bereit gestellt werden müssten. Die Gruppe hatte sich gut vorbereitet, sie wusste es müssen 17 Plätze sein, so hörte man. Das diese Plätze nur virtuell bereit gestellt werden, wurde so nicht dargestellt. Man sah sich schon zwischen den 17 Autos zu geparkt. Logischerweise folgte jetzt die Frage nach dem erhöhten Verkehrsaufkommen, der Eindruck verstärkte sich, es geht rhetorisch nunmehr um die Gestaltung einer Hauptverkehrsstraße. Ängste machten sich angeblich breit, dass man zu-geparkte Garageneinfahrten oder auch einen erhöhten Publikumsverkehr ertragen müsste. Das die Planung aus 5 Vorplanungen favorisiert wurde, wollte man nicht hinnehmen ohne die restlich 4 Planungsvorschläge gesehen zu haben.

Modellansicht Park  Foto: Linde Arndt

Modellansicht Park Foto: Linde Arndt

Modell der geplanten Station  Foto: Linde Arndt

Modell der geplanten Station Foto: Linde Arndt

Und jetzt meldete sich ein Besucher, ob man nicht einmal über die Station sprechen könne. Na man wird doch noch mal über die Ausgleichsparkplätze reden dürfen, das wäre wichtig, so die dominierenden Fragesteller. Und weiter ging es mit Verkehr, Parkplätzen, Besuchern, Bussen und Zufahrten wenn die Brücke mal nicht mehr befahrbar wäre. Nach fast 100 Minuten also über 1 ½ Stunden Brücke, Parkplatz und Co. meldete sich eine weitere Besucherin „ungeduldig“ und wollte über die Station sprechen. Ein einsamer Applaus, war die Folge.Inzwischen waren schon an die 20 Besucher gegangen, sie hatten das Interesse an diesem Stadtgespräch verloren. 124 Minuten, also über 2 Stunden waren nunmehr vergangen, kaum ein Wort war über die biologische Station gesprochen worden, jetzt wollten die Schwelmer nach Hause. Bürgermeister Stobbe bedankte sich und wünschte noch einen guten Abend. Was folgte, waren noch einzelne Gespräche bei der noch Informationen ausgetauscht  und die bereitgestellten Modelle besichtigt wurden.

Im Gespräch mit der dominierenden Gruppe erfuhr ich, diese Gruppe waren Anwohner und Besucher des Martfeld Parkes. Als helfende Hände waren sie sich zu schade; denn das, so sagte mir ein Paar, wäre ja wohl städtische Angelegenheit. Tolle Einstellung.

Anwohner und Gäste des Stadtgesprächs  Foto: Linde Arndt

Anwohner und Gäste des Stadtgesprächs Foto: Linde Arndt

Unter den Anwesenden waren auch die Stiftungsmitglieder verschiedener Schwelmer Stiftungen, die sich durch den Gesprächsverlauf sicherlich geohrfeigt sehen konnten. Denn so viel Egoismus und Gleichgültigkeit wie in diesen Gesprächen auftrat, schadet dem Erhalt des Kleinodes Haus Martfeld. Denn der Erhalt von Haus Martfeld, so ist das nun mal bei Gebäuden, muss irgendwie finanziert werden. Und das geht nun nur über eine sinnvolle kulturelle Nutzung, die zahlende Besucher anzieht. Die Stadt Schwelm kann den Erhalt nicht sichern, aber zahlende Besucher können es sehr wohl. Die Wilhelm-Erfurt-Stiftung für Natur und Kultur, der Schwelmer Verschönerungsverein, der Verein für Heimatkunde oder die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz stehen nicht immer mit prall gefüllten Geldbeutel herum um die Kulturpflege von einigen egoistischen Schwelmer Bürgern zu übernehmen, wenn solch ein Kulturgut wie das Ensemble Haus Martfeld wieder dem Verfall ausgesetzt wird. Die Liebe zu einer Stadt wie Schwelm sollte doch über die virtuellen Parkplätze stehen und zwar hier und heute.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm