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Ennepetals „Gammelbahnhof“ und kein Ende

Bahnhof Ennepetal/Gevelsberg Foto: (c) Linde Arndt

 

[jpg]Die Headline hört sich irgendwie, wie Gammelfleisch in Ennepetal an. Das ist gewollt und entspricht der gängigen Meinung vieler Zeitgenossen um den Bahnhof Ennepetal/Gevelsberg.

Nun begleiten wir den Bahnhof schon 8 Jahre. Von Anfang an waren wir überzeugt, ohne Konzept und ohne seriöse Finanzierung kann es mit dem Ennepetaler Bahnhof nichts werden.

Die Architektin Frau Schulze-Finkenbrink veranschlagte eine Investitionssumme von 1,8 Mio Euro für einen Nutzungsbedingten Ausbau. Wobei die Basiszahlen dieser zugrunde liegenden Kalkulation weit vor 2010 liegen. Die damals anwesenden Lokalfürsten wiesen diese Zahl weit von sich und meinten die Hälfte tut es auch. Nur ein einziger dieser Lokalfürsten, Rolf Hüttebräucker, mochte nicht so recht und wollte den Ennepetaler Bahnhof dem Abriss zuweisen.

Der damalige Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen wollte jedoch unbedingt einen Erfolg und stürzte sich auf den Bahnhof ohne Konzept und ohne zu wissen auf was sich Ennepetal da einließ.

Der Bahnhof – wo ist das richtige Konzept? Foto: Linde Arndt

Ennepetal kaufte den Bahnhof, und zwar, nur den Bahnhof einschließlich der angebauten vergammelten Toilette.

Danach wurden die Arbeitslosen der Gepal mit der Beseitigung des Mülls beauftragt. Mehrere Container mit Müll wurden aus dem Gebäude entfernt. Bei unserem Besuch fanden wir eine hohe Mykotoxinbelastung, der die Arbeiter ohne Schutz ausgesetzt waren. Kein Mundschutz wurde verwendet, die Arbeitsschutzbestimmungen galten für Arbeitslose nicht.

Danach gründeten die Ennepetaler einen Förderverein der so vor sich hinwerkelte, der Förderverein beauftragte das Büro startklar.projekt.kommunikation (startklar), Dortmund mit der Erstellung eines Nutzungskonzeptes um daraus einen Förderantrag zu erstellen. Startklar sollte es richten und die Millionen an Fördersummen einfahren. Was kam, der Antrag wurde abgewiesen.

Ennepetal und sein Förderverein saß auf dem Trockenen.

Am Anfang gab es noch Pläne Foto: Linde Arndt

Ennepetal wäre nicht Ennepetal, wenn es die Schuld für dieses Debakel nicht einem anderen in die Schuhe schieben würde. So ging der Förderverein Denkmal Bahnhof Ennepetal (Gevelsberg) e.V. (Förderverein) her und schob der Stadtverwaltung mit seinem Stadtrat den schwarzen Peter flugs in die Schuhe.

Verwundert rieb man sich die Augen, wollte der Förderverein doch alles richten um mit dem Bahnhof der Ennepetaler Heimat ein bisschen näher zu kommen.

Die Stadt wurde ermahnt ihren Verpflichtungen zum Denkmalschutz nachzukommen und kräftig zu investieren; denn mit 15,– Euro/p.a. an Mitgliedsbeiträgen konnte man eine Investition wohl vergessen, zumal die Mitgliederzahlen rückläufig sein sollen. Auch der derzeitige Pächter der Gaststätte, mahnt auf einmal Schimmel in seinen Gasträumen an.

Es läuft nicht mehr so rund am Bahnhof. Also ran an die Stadt, hatten die doch gerade die Zuwendungen für ältere Mitbürger in hohem Alter halbiert, so bekommt eine 90 jährige Dame zwar die Bürgermeisterin zu Gesicht, die bringt aber nur noch 25,– Euro mit, was als Anerkennung für ihre Lebensleistung angesehen wird. Was aber soll man mit den restlichen 25,– Euro machen? Klar, die steckt man in den Gammelbahnhof und versenkt sie dort.

Neben dem Kauf der Immobilie sind in den 7 Jahren umfangreiche Mittel in den Ennepetaler Bahnhof geflossen, man kann so an die 400.000,– Euro andenken. Belastbare Zahlen gibt es nicht; denn wer wird die direkten und die indirekten Investitionen trennen. Die Stadtverwaltung? Wohl kaum. In diesem Zusammenhang scheint die Jammerei des Ennepetaler Kämmeres Kaltenbach, kein Geld in der Stadtkasse, als bigottes Verhalten dazustehen.

Auch Außen ist der Bahnhof kein Renommee Foto: Linde Arndt

Die SPD kommt nur auf den klugen Antrag, sowohl dem Förderverein als auch dem derzeitigen Wirt der Gaststätte, beiden das Betreten des Bahnhofs wegen Meckerns untersagen zu wollen. Begründung: Man spricht nicht in der Öffentlichkeit über negative Vorkommnisse der Stadt. Alles ist gut – heile Welt ist überall. Die anderen Parteien sind empört über diesen Antrag. Warum? Wollte man doch noch ein bisschen Monopoly spielen, Steuergelder sind eben Spielgelder.

Wieder ist es den Eliten von Politik und Verwaltung in Ennepetal gelungen ihre Geschäftsunfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Die Löschung des Bahnhofs aus der Denkmalschutzliste, käme einer Niederlage von Stadt und Politik gleich; denn Verwaltung und Politik machen keine Fehler. Also wird man weiter lustig Gelder in den Bahnhof versenken.

Der Ennepetaler Bahnhof ist ein „Gammelbahnhof“, so wohl innen als auch außen und er könnte in jedem Quartier mit sozialen Brennpunkten stehen, in Paris würde er in den Banlieues stehen und von den Jugendlichen schon längst zerstört worden sein.

Meine Güte, reißt diesen Bahnhof endlich ab und macht Parkplätze aus dieser Fläche oder ist die Stadt auch dafür nicht gut genug? Es ist vorbei.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

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Ennepetal auf dem Weg ins digitale Zeitalter?

[jpg] Ennepetal auf dem Weg ins digitale Zeitalter / Bahnhof Ennepetal/Gevelsberg / Schule



Stichwort: Ennepetal auf dem Weg ins digitale Zeitalter

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Bravo Ennepetal – jetzt digital? Foto: Linde Arndt

Das digitale Zeitalter ist im Ennepetaler Ratssaal angebrochen. Zum ersten mal haben wir ein Notebook im Ratssaal gesehen, welches zum schreiben benutzt wurde. Durchgängig wurde mit diesem Notebook ein Protokoll erstellt. Und kein teures Apple Gerät, wie unser Herr Schrey von der Stadtverwaltung es gerne hätte, nein, ein normal preisiges HP (Hewlett-Packard) Gerät. Sicher war dieses Gerät aus dem Besitz der Protokollantin. Wilhelm Wiggenhagen musste dies zur Eröffnung der Hauptausschusssitzung auch besonders erwähnen. Ach ja, die Schiefertafelzeit scheint in Ennepetal überdacht zu werden. Man konnte aber schon die misstrauischen Blicke der anwesenden Ratsmitglieder sehen.

Aber, Spaß beiseite, wir wurden zum Ende der Periode 2012/2013 mit vielen Ungereimtheiten von Rat und Stadtverwaltung „überrascht“.

Hier mal aus unserer Sicht eine kleine Bilanz von 2012/2013:


Stichwort: Bahnhof Ennepetal/Gevelsberg

Bahnhof Ennepetal-Gevelsberg Foto: Linde Arndt

Bahnhof Ennepetal-Gevelsberg   Foto: Linde Arndt

Keinen Cent wollte die Stadt mit dem Rat in dieses Gebäude stecken. Bis jetzt sind in den vergangenen Jahren so um die 500.000,– Euro, einschließlich der Quersubventionen, aufgelaufen. Es geht aber voran. Womit? Jetzt hat der Rat beschlossen dem Unternehmer Oliver Dunker, 16.500,– Euro für eine Einrichtung zu bewilligen, mit der ein Kiosk eröffnet werden soll. Außerdem soll Dunker keine Miete und Nebenkosten für einen gewissen Zeitraum bezahlen müssen. Auf Befragen erklärte Herr Dunker, ich mache das doch nur, weil sich niemand für diesen Kiosk gefunden hat. Die Kalkulation für diesen Kiosk sieht einen monatlichen Umsatz an Kaffee in Höhe von 5.100,–Euro vor. Die Öffnungszeiten sollen vorerst von Montag bis Freitag morgens 5:00 Uhr bis 11:00 Uhr sein, das sind im Monat durchschnittlich 130 Stunden für einen Arbeitnehmer der dafür angestellt werden müsste.

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Rechnet die SPD die evtl. Gewinne am Ennepetaler Bahnhofskiosk hoch?    Foto: Linde Arndt

Die SPD macht sich denn auch Sorge, dass sich das FWE Mitglied Oliver Dunker mit diesem Kiosk eine „golden Nase“ verdient. Morgendlichen Pendler müssen, um den Kios zu erreichen, einen Umweg in Kauf nehmen,wenn sie diesen Kiosk erreichen wollen. Aber wen kümmert das schon. Das der einzustellende Arbeitnehmer bei 5.100,– Euro Umsatz nur ein 1 Euro Jobber oder ein sogenannter „Aufstocker“ sein kann, bleibt da außen vor. Wofür steht eigentlich das „S“ bei der SPD? Als seinerzeit die 1 Euro Leute im Bahnhof arbeiten mussten (!), und zwar gesundheitsgefährdend, wollte auch niemand was davon wissen. Wie weit der Bahnhofsverein mit einem Konzept oder einen genehmigungsfähigen Förderantrag ist, ist auch nicht so recht bekannt.
Der Bahnhof gehört übrigens immer noch der Stadt Ennepetal und wurde nicht dem Bahnhofsverein übereignet. Clever! Nach Jahren des Herum Geredes und der Beratung (Kosten) durch die Firma startklar.projekt.kommunikation/Dortmund müsste doch ein Konzept für den Bahnhof zu sehen sein, immerhin hat der Verein so illustre Mitglieder wie Dipl. Kaufmann Siekermann, Rechtsanwalt Oberdorf oder den städtischen „Architekten“ Möllenberg – eine versammelte Kompetenz. Walter Faupel (CDU) schickte in der Ratssitzung denn auch ein Danke in Richtung Bahnhofsverein (Wofür), die 1 Euro Jobber brauchten kein Danke (?). Und Volker Rauleff (SPD) fragte gar, was denn wäre wenn man keine Fördergelder für dieses marode Gebäude bekommen würde. Nicht auszudenken!


Stichwort: Schule

Hier hat sich eine riesige Baustelle aufgetan, die nur unzureichend bearbeitet wird.

Diskussion AS-Schule April 2011  Foto: Linde Arndt

Diskussion AS-Schule April 2011 Foto: Linde Arndt

Nach dem „Schulfrieden“ im Jahr 2011 in Düsseldorf wurde eine neue Schulform eingeführt – die Sekundarschule. Gleichzeitig wurde die Verfassungsgarantie für die Hauptschule nicht mehr erneuert. Das dreigliedrige Schulsystem blieb dabei unangetastet. Die Forderung nach einer Inklusion im Schulsystem stand, zwar nicht zwingend, auch noch im Raum. Soweit die Parameter auf die die Ennepetaler Politik keinen Einfluss hatte.
Dazu kam und kommt noch eine fehlende Ennepetaler Imagepolitik die zu einer Überalterung der Bevölkerung führte. Zumindest führte diese Imagepolitik zu einer Beschleunigung der Veralterung.
Das führte zu der Entscheidung 2010 die Schließung der Grundschule Hasperbach zu betreiben. Weit vorher hätte die Politik aufgrund der vorliegenden Schülerzahlen umfangreiche Informationen veröffentlichen aber auch politisch handeln müssen. Hat man aber nicht. Heute stehen die Schulen Rüggeberg und Wassermaus auf der roten Liste. Mal wird es erwähnt, mal appelliert man, man möge doch die Eltern nicht verunsichern. Klammheimlich wurde die Albert-Schweitzer Förderschule mittels einer Verwaltungsvereinbarung weg rationalisiert. Für die Sekundarschule benötigt man jetzt zwei Gebäude, die Effeyschule und die Realschule. Abzusehen ist, es wird nur ein Schulgebäude benötigt. Trotz allem wurden und werden noch umfangreiche Sanierungsarbeiten in Millionenhöhe getätigt – Reparaturen hätten es auch getan. Die Gebäude werden hinterher verkauft und/oder abgerissen. Wer will schon solche Gebäude in einer sterbenden Stadt, die immerhin einen rund 50%igen Anteil der Bevölkerung der über 50 jährigen aufweißt – ein Altersheim. Dazu kommt der nicht zu geringe Anteil von Migranten, die auch noch teilweise unzureichend eingegliedert sind.
Das alles führt zu einem weiteren Imageverlust – eine Abwärtsspirale. Nur ein Gymnasium vorzuhalten ist ein bisschen wenig für das städtische Image. Ein sicheres, nachhaltiges und breites Schulangebot ist aber ein wesentlicher Faktor im Mix der Entscheidung für Unternehmensansiedlungen. Im vorschulischen und schulischen Bereich punktet jede Stadt wenn sie Horte, Kitas und Kindergärten neben Schulen flexibel ganztägig anbietet die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Politik und Administration wollen aber nicht punkten. Da nützen die Sprüche „Kurze Beine, kurze Wege“ der Parteien nichts, wenn man noch nicht einmal einen Busdienst organisieren mag.


Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

Teil 2   Berlet Investition / Haushalt 2014 / Parteien im Rat der Stadt Ennepetal
Teil 3   Kontrolle / Pressearbeit / Bürgermeister