Du kommst hier nicht rein, komm Montag wieder.

[jpg]So oder so ähnlich hat mich mal ein Türsteher zurück gewiesen, weil ich zu alt war oder weil ich als Mann alleine rein wollte? Wer weiß das schon. Im Kopf hatte ich mir ein paar deftige Schimpfworte zu recht gelegt  und mich dann aber getrollt. Übrigens, Montags war die Disse zu, diese Türsteher.
Ein paar Tage später unterhielt ich mich mit meinesgleichen. Klar, meinten die, dass ist halt die heutige Jugend, früher hätten wir uns so was nicht erlaubt. Die sitzen doch nur vorm Fernseher oder vor ihrem Computer. Dann diese Gewaltspiele auf dem Computer, ne lass mal. Die taugen nichts mehr. Weißt Du noch wie wir damals auf der Straße oder auf dem nächsten Platz Fußball, Hockey, Handball oder ein sonstiges Ballspiel spielten? Wir wussten uns noch zu beschäftigen. Man klopfte sich auf die Brust, ach wie gut waren wir doch gewesen.
Und heute? Wir sind nicht mehr so gut, haben mit unseren Gewichten oder unserem Kreislauf zu kämpfen, aber auch um unseren Platz in der Gesellschaft, in der wir noch wahrgenommen werden wollen. Man hat so den Eindruck, die gesellschaftlichen Werte gehen immer mehr den Bach runter und wir bewegen uns schnurstrackts
auf das Regelwerk eines Wolfsrudels zu. Die Schwächeren werden verbissen und nur die Stärkeren haben das Recht in der Gesellschaft zu verbleiben.

Foto und Collage: Jürgen Gerhardt EN-Mosaik

So könnte man das stehen lassen, haben doch schon andere darüber lamentiert, bessere, gute Leute in den letzten Jahren, nix ist passiert. Eher haben sich die Regeln noch verschärft, was soll es also.
Eine kleine aber in meiner derzeitigen Wohnstadt Ennepetal "feine" Nachricht ist mir wieder mal peinlich in diesem Zusammenhang unter die Nase gehalten worden.

Titel: Ab sofort darf auf dem Kunstrasenplatz im Bremenstadion nicht mehr gebolzt werden

Zitat:" So schön der Kunstrasen für die Fußballer des TuS Ennepetal und die
meist jugendlichen Freizeitkicker aus der näheren Umgebung auch ist –
für die Anwohner rund um das Bremenstadion hat er in erster Linie eine
erhöhte Lärmbelästigung mit sich gebracht. Nachdem sich das Ordnungsamt
inzwischen mehrfach vor Ort einen Eindruck verschafft hat, kam nun die
Reaktion seitens der Stadtverwaltung: Auf dem Kunstrasenplatz am
Bremenstadion darf außerhalb der Trainingszeiten des TuS und der Firma
ABC nicht mehr gebolzt werden."

So auf der Seite des Tus-Ennepetal: http://www.tus-ennepetal.de/index.php?p=aktuelles_news_detail&id=501.

Jetzt sind da nun zwei Plätze nebeneinander, ein Naturrasen- und ein Kunstrasenplatz, also würde ich melden, im Sinne einer positiven Regelung:

"Unser Naturrasen ist nunmehr auch für Hobbyfußballer oder sonstige Bolzgruppen fit."

 das wäre mein Titel.

Im Artikel würde ich schreiben:
"In der letzten Zeit ist es uns nicht immer gelungen, den Kunstrasenplatz für ein anstehendes Ligaspiel fertig zu bekommen. Um unsere Mannschaft in ihrem Bestreben aufzusteigen zu unterstützen, bitten wir den Kunstrasenplatz  vorerst nicht zu bespielen. Also unterstützt auch unsere Mannschaft in ihrem Bestreben."

Aber ich glaube es ging nicht um die Plätze, denn wie ich sie besichtigte und die darauf Spielenden befragte, waren diese sehr erstaunt ob dieser angeblichen Probleme. Einer sagte sogar, das kommt nicht vom TuS und war ziemlich wütend. Also was denn nun ?

Es geht um die "erhöhte Lärmbelästigung" sagt man, aber geht es nicht eher darum, dass die etwas Älteren die Bestätigung bekommen möchten, dass die Jugend nichts taugt und deshalb schickt man sie in die "Wüste".
Und wenn diese Jugend morgen nichts mehr mit sich anzufangen weiß, weil sie sämtlicher Freiräume beraubt wurde, dann, ja dann, fühlen wir uns so gut bestätigt. Tja und wenn die Jugend darüber hinaus noch jemanden als Amokläufer hervorbringt, na gut, umso besser. Da haben wir wieder was zu reden.

Und die Stadt, Stadtverwaltung und Rat der Stadt? Die schweigen ganz einfach, lass doch das Ordnungsamt und das Sportamt sich damit rumschlagen.
Aber wie war das noch? Wir wollen eine kinderfreundliche Stadt sein, wir wollen eine familienfreundliche Stadt sein. Bei allen Parteien fanden wir diesen Spruch, so oder ähnlich.
Lippenbekenntnisse, sind das mehr nicht. Nur, wie hieß es in den letzten Monaten auf den Versammlungen so schön zu den weichen Standortfaktoren? Einer der weichen Faktoren, ein sehr wichtiger, ist die Familienfreundlichkeit einer Stadt. So tappern wir auf der einen Seite mit dem Citymanagement los um was aufzubauen und auf der anderen Seite formieren sich die Anderen schon um das ganze wieder zusammen zu schmeißen. Also gut, streichen wir das familienfreundliche aus unserer Image Werbung, schreiben wir, wer uns Geld, aber keine Kinder und Jugendliche, bringt,  ist uns immer herzlichst willkommen.

Übrigens, vor unserem Hause spielen auch immer die Kids im Busch und manchmal gehen sie mir mit ihren Freudenschreien auf den Keks. Ich hab´ das ganz einfach, ich mach das Fenster zu, und Ruhe ist.
Kann das sein, dass die Anwohner auf dem Bremenplatz sich keine Fenster leisten konnten? So teurer sind die nun aber auch nicht. Kann das sein, dass sie nicht wussten, dass auf einem Fußballfeld gespielt wird?
Vielleicht gibt man aber auch vor einem spontanen Spiel an alle Beteiligten Mundknebel aus, damit die Lärmbelästigung unterbunden wird?

 
Wir hatten es noch gut, wir konnten auf der Strasse spielen, es waren ja auch nicht so viele  Autos da .Es kam sogar vor, das diese Autos, weil sie störten, einfach von den Besitzern ein Stück weiter abgeparkt wurden.
Die Jungend hat sich nicht geändert, richtig, sie will sich immer noch bei einem Spiel körperlich erfreuen, dass ist gut so. Nur die Erwachsenenwelt hat sich total verändert . Sie ist auf einem totalen Egotrip. Und die Gemeinde?
Die unterstützt diesen Egotrip noch, durch Stillschweigen und Hinnehmen. Jedoch die Jugendlichen von heute sind die Steuerzahler von morgen, nur dann gehen sie lieber in eine andere Stadt, denn die Drangsalierungen vergisst man nicht.

Jürgen Gerhardt
 

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