Wikileaks und der eigentliche Skandal

[jpg] Früher, ja früher, war alles viel einfacher und sicher für viele auch besser. Spione hatten ihre Probleme an Akten oder sonstige Papiere heranzukommen. Da hangelten sich diese Helden oder auch manchmal Antihelden die Fassaden hoch und stiegen in Fenster ein, dass war damals lebensgefährlich. Aber spannend, wenn wir die Filme sahen. Sie knipsten mit  winzigen Kameras  und einer Taschenlampe im Mund Dokumente ohne Ende um die Neugier ihres Auftraggebers zu befriedigen. Mein Gott, wie lange ist das her. Ich seh´die Filme immer noch gerne, denn es waren noch richtige Helden und richtige Antihelden.

Und heute? Sämtliche Aufzeichnungen sind heute digitalisiert und sind auf mehreren Rechnern aus Sicherheitsgründen verteilt. Falls ein Rechner ausfällt werden die Dateien von einem anderen Rechner zurück gesichert. Keiner merkt was. Ausfallsicherheit in besonders sensiblem Bereich gleich 100%.

Da sitzt ein Gefreiter Bradley Manning in irgendeinem Büro in Bagdad und macht für einen Gefreiten seinen Job. Und wie das so üblich ist hat er einen Computer als Arbeitsmittel. Damit alles ganz  fix  an seine Vorgesetzten geht, ist er logischerweise auch mit dem Internet verbunden.

Und dann passiert es. Er steckt einen USB Stick in seinen Rechner und lädt Daten auf diesen USB Stick.
Wochen später erfährt die ganze Welt, dass die USA so mir nichts dir nichts mit einem Apache Hubschrauber eben mal kurz 2 Reuter Mitarbeiter massakriert hat. Und weil diese Ausbeute nicht reicht, massakriert man die hinzueilenden Helfer kurzerhand auch, nebst Kindern die sich in dem Rettungswagen befanden.
Logischerweise waren dies natürlich alles Terroristen, so die Sprachregelung.

Nun passieren im Krieg solche Untaten, nur die vor beschriebenen Täter werden in der Regel den Gerichten zu geführt. Die stellen zwar das Verfahren wieder ein, aber immerhin der Schein wurde gewahrt.
Zurück zu dem Gefreiten Manning. Sein USB Stick soll 16 Gb gehabt haben, einesteils ist das viel und kann aber auch wenig sein. Da dieser Gefreite mal gerade beim  Downladen war, lud er auch gleich alle Dokumente des Afghanistan Krieges, des Irak Krieges und noch die des Außenministeriums der USA herunter.


Julian Assange
 

Er schnappte sich seinen USB Stick und übergab ihn den Leuten von Wikileaks, klar das in Bagdad die Leute so auf der Straße herum standen.
Wikileaks, eine Organisation die sich damit beschäftigt, im Internet Dokumente zu veröffentlichen die die kleinen und großen Schweinereien der Regierenden der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, nahm diese Dokumente in Empfang.

 Sie sichtete und veröffentlichte sie in Raten. Zuletzt rund 250.000 Dokumente des Außenministeriums der USA. Wir alle haben dies gehört und gesehen. Aber jetzt mal ehrlich, waren wir wirklich überrascht über die Inhalte? Nein, wohl eher nicht.

  • Die Personen in vorgenanntem Hubschrauber, die zwei Reuter Mitarbeiter und Andere ermordet hatten. Überrascht? Nein.
  • Die diversen Untaten, um das mal nett zu umschreiben, in Afghanistan oder im Irak. Überrascht? Nein.
  • Oder das die US Amerikaner von Merkel und Co. nichts hielten und sie mit dementsprechenden Attributen versahen. Überrascht? Nein.

Das unsere Bundeskanzlerin nicht gerade Kreativ ist oder unser Außenminister eitel und aggressiv ist, mein Güte, dass war uns doch allen bekannt. Spiegel und Co. mühten sich heftigst daraus einen Skandal zu machen, was US Amerikaner so alles nach Hause berichten. War das ein Skandal? Nein und nochmals nein.

                     

Was aber war der eigentliche Skandal?

Der eigentliche Skandal war, wie die Verantwortlichen der USA mit sicherheitsrelevanten Dokumenten umgehen. Wie leicht eine untergeordnete Stelle sich Dokumente der Klassifizierung "Streng geheim" kopieren konnte. Einfach so. Stick rein, Verzeichnis aufrufen, Verzeichnisse und/oder Dokumente kennzeichnen und auf den Stick kopieren. So wie ich hier ein Bild oder File auf einen Stick kopieren und jemanden weiter geben kann. Nun könnte ich meinen Rechner so konfigurieren, dass ich keine Kopie von ihm ziehen kann, tu ich nicht da ich alleine diesen Rechner nutze. Auf meinen Servern ist das schon etwas anderes. Dort sind weit höhere Sicherheitshürden aufgebaut, die zu überwinden schon eine gewisse Anstrengung und Fachwissen erfordert.

Aber die Server der US Regierung, nun, da dachte ich an Sicherheitsmaßnahmen, die meine doch bei weitem in den Schatten stellen würden. Da gibt es mehrfach gestaffelte Firewalls, die für jeden Angreifer eine unüberwindbare Hürde darstellen. Dokumente die mit dem auf Jahre sicheren Verschlüsselungsalgorithmus Advanced Encryption Algorithm (AES) 192 oder 256 bit verschlüsselt sind. Hardware vom Feinsten, die selber schon Hürden für Angreifer darstellen.

Das war alles falsch gedacht. Mit einem einfachen Stick den ganzen Sicherheitsaufwand, falls der überhaupt vorhanden war, umgehen. Das war es? Ja, das war es. Wenn dem so ist, wie sind den die Daten des Verteidigungsministeriums der USA gesichert? Kann ich mir einfach mal die Raketenstellungen besorgen oder gar den Zerstörungscode? Welche sicherheitsrelevanten Daten kann ich mir auf diese Art kopieren? Und das geht noch viel weiter, der Schaden beträfe ja nicht nur die USA, denn wir haben ja auch noch die Nato, wo noch andere Staaten betroffen sind.

Es ist nicht nur eine Blamage, es ist eine riesengroße Sauerei wie die USA mit Daten umgeht, die die ganze Welt gefährden könnten. Offensichtlich war den USA eine gute Sicherheitsphilosophie zu teuer, statt dessen haben sie sich einer Standardlösung bedient. Und diesen Leuten sollen wir zwecks Verbrechensbekämpfung unsere Daten übermitteln? Nein, das kann und darf nicht sein.

Und jetzt? Nun hält man sich damit auf den Wikileaks Gründer Julian Assange und diesen Gefreiten vor ein Gericht wegen Hochverrats zu stellen. Man will von dem eigenen Versagen ablenken. Heute ging auch der letzte Wikileaks Rechner vom Netz und es stehen nur noch die Mirror-Rechner zur Verfügung, das Paypal Konto über die ein Großteil der Spenden lief wurde geschlossen. Haftbefehl wurde gegen Julian Assange erlassen, wegen Vergewaltigung – wie durchsichtig. Der Gefreite Manning sitzt schon.
Was hätten die USA machen sollen?

Nun, sie hätten sich mit Assange zusammensetzen sollen und es gar nicht soweit kommen lassen dürfen. Dann hätten sie das einmal eins der IT Sicherheit erlernen müssen sichere Netze aufbauen, die klare Zuständigkeiten zuweist. Ein militärischer Aufklärer kann an Daten des Außenministeriums. Wie bitte?
Und die Presse? Die thematisiert das Ganze überhaupt nicht, die hält einen Deckel darauf und streitet sich ob der Spiegel richtig übersetzt hat. Dabei werden unsere Daten,ob Reisedaten, Bankdaten oder sonstige persönliche Daten schon längst an die USA übertragen. Die sind doch bei solch einer Sicherheit gar nicht sicher.

Die USA Hörigkeit unserer Regierungen als auch der Presse ist ja ganz nett, nur sie helfen weder den USA noch unserem Land. Wenn die USA unser bester Freund sein sollte, dann ist es Zeit Tacheles mit dem Freund zu reden. Meinem Freund hätte ich hierbei die Meinung gegeigt, nicht weil er mich mit Attributen belegt hat, sondern weil er mit vertraulichen Daten sorgfältigst umgehen sollte.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus dem Netz

 

14 Kommentare
  1. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Wikeleaks ist nunmehr vielfach gespiegelt und damit nachhaltig vor den Zugriffen sicher.
    Falls jemand die Dokumente im Original lesen möchte hier die Liste der Server die Wikileaks gespeichert haben:

    http://savewikileaks.net/another-wikileaks-address/

    Die IP Adresse von Wikileaks ist auch erreichbar, sie lautet:

    http://213.251.145.96/

    Wer sich über den neusten Stand informieren will, sollte sich bei Twitter und Facebook eintragen.

    Es kann und darf nicht sein, dass diese Ungeheuerlichkeiten unter den Tisch gekehrt werden, sondern die USA sollen sich ihrer Verantwortung stellen.

  2. Avatar
    Rolf sagte:

    Die „Sauereien“ die sich die selbsternannte Weltpolizei USA leistet und geleistet hat, die sollen ja nicht ans Tageslicht, wie vieles andere auch. Das die Politiker auf der anderen Seite des Teiches nun routieren, ist normal und das sich nun andere Staaten unterdrücken und kaufen lassen, sich die „Judas-Taler“
    einstecken und falsche Aussagen beurkunden, einfach lächerlich.
    Alle sollten doch einfach froh sein, das Missstände aufgeklärt werden, die USA sind nicht die „Saubermänner“ wenn man den Vergleich mit einem Schweinebauern, der aus dem Stall kommt, zieht,
    duftet der doch wohl besser.
    David gegen Goliath, ………………war da nicht mal schon so etwas????

  3. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update: 7.Dez. 2010 18:57

    Über Twitter und facebook habe ich gerade erfahren, es sind um 17:37 Uhr 1.328 Server die Wikileaks gespiegelt haben und es werden stündlich mehr.
    Der Server von Wikileaks ist offiziell in der Nähe von Roubaix in Frankreich und wird von dort umgeleitet.

    Assange wurde von der britischen Polizei festgesetzt und vernommen. Der Vergewaltigungsvorwurf ist bei Licht betrachtet nur in Schweden haltbar, weil es dort andere, schärfere, Gesetze gibt. Ob die britische Polizei Assange ausliefert hängt davon ab, ob die Vorwürfe auch in GB gegen Gesetze verstößt. Der Rechtsanwalt von Assange bekommt keine Akteneinsicht in Schweden.

  4. Avatar
    HTB sagte:

    Die Frage für wen die Enthüllungen peinlicher sind, die USA, oder andere Staaten, ist völlig offen. Der Punkt ist doch das viele der Bewertungen die US Diplomaten zu Politikern in der ganzen Welt gemacht haben durchaus nachvollziehbar sind. Vieles davon war dem aufmerksamen informierten Zeitgenossen aus frei zugänglichen medien ohnehin bereits bekannt. Assange kommt somit aber durchaus das Verdienst zu Politikern in aller Welt klar gemacht zu haben das sie nicht damit rechnen können dass die Weltöffentlichkeit und: die Öffentlichkeit des jeweils eigenen Landes! nichts davon erfahren welchen Mist sie bauen. Das kann auf Dauer durchaus positive Folgen zeitigen.

  5. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update 08.Dezember 2010

    Die US Regierung sieht diejenigen (New York Times) die diese Dokumente aufgearbeitet haben, als zumindest „schlechte Staatsbürger“, so Senator Lieberman vom Heimatschutz. Und weiter, es wäre „Geheimnisverrat“ gewesen, als diese Dokumente veröffentlicht wurden. Indirekt denkt Lieberman über eine Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit nach.

    Anmerkung der Redaktion:
    Als in den 70er Jahre die Watergate Affäre den Staat in große Schwierigkeiten stürzte, gab es die Diskussion schon einmal. Nur damals waren etwas einsichtigere Politiker an der Macht.
    Tatsache ist jedoch: Julian Assange wurden diese Dokumente zugespielt und er wäre ein stümperhafter Journalist wenn er diese Dokumenten nicht verwerten würde. Das Argument,Wikileak könne man nicht der Presse zuordnen, ist dabei so fadenscheinig wie dumm. Zeigt es doch nur eines, unsere Politiker und mit ihnen viele Pressevertreter kommen mit dem Internet nicht klar, nur, es ist nicht mehr wegzudenken. Spiegel, Guardian und Co. hätten sicher die Docs nicht veröffentlicht, wenn nicht das Internet Gewehr bei Fuß gestanden hätte. Letztendlich ist es für die Regierungen, hauptsächlich die US Regierung, und deren Akteure ein Desaster. Scheint es doch so als wenn wir nur von Stümpern regiert werden.

  6. Redaktion
    Redaktion sagte:

    @htb

    Es scheint ja jetzt so,dass sich die australische Regierung wieder ihren Pflichten zugewendet hat und für ihren Staatsbürger Assange da ist. Abgesehen davon, dass es im Internet keine Grenzen gibt, man ist im Internet Weltbürger.
    Zu den schwedischen Gesetzen. In Schweden wäre fummeln,knutschen usw. bei einer eitlen Partnerin evtl. nicht ohne Folgen. Ich wusste das erst nicht. Selbst auf einen weiblichen Popo zu schauen, kann unangenehme Folgen haben.

    Von der US Regierung wird jetzt ein Druck aufgebaut, der inzwischen ungeahnte Ausmaße annimmt. Ist unsere westlich Freiheit nur ein Popanz gewesen?

  7. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update 10.Dezember 2010

    Der etablierten Presse ist es nunmehr auch aufgegangen, dass die Sperrung der Konten bei Paypal, Mastercard, Visa und der Schweizer Postfinance kein Zufall sein kann, zumal Mastercard ohne Probleme dem Ku Klux Klan, einer rassistischen Organisation, die Konten führt.
    Auch die Vergewaltigungsvorwürfe entpuppen sich als haltlos. Assange hatte mit zwei Frauen unabhängig einvernehmlichen Geschlechtsverkehr ( Blöde Wortkonstruktion), als die beiden Frauen voneinander erfuhren, wurde daraus mit einer Staatsanwältin etwas konstruiert. Blöd nur, dass beide sich über Twitter anders äußerten und das darüber Screenshots existieren.

    Auch der Vorwurf der etablierten Presse Wikileaks könne nicht als journalistische Plattform eingeordnet werden,bricht langsam zusammen. Denn Assange hat genau das gemacht, was z. Bsp. der Spiegel 1962 mit seinem Artikel über die Bundeswehr gemacht hat, auch damals waren geheime Papier des Verteidigungsminsteriums Grundlage diese Artikels. Augsstein und Conrad wurden damals auch verhaftet und kamen danach aber wieder frei.
    Nur die Presse-und Meinungsfreiheit gilt nur für die „Edelpresse“, die der Hof- und Hausberichterstattung nachhängen.

  8. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update II 10.Dezember 2010

    Die US Regierung hat die Studenten an den US Hochschulen vor dem lesen der Wikileaks Seiten gewarnt und auf Konsequenzen hingewiesen.

    Quelle: Ein Student der School of International and Public Affairs der Columbia University über Twitter

  9. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update III 14.Dezember 2010

    Heute ist Haftprüfungstermin in London.

  10. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update IV 14.Dezember 2010

    Julian Assange kommt gegen Auflagen frei, so entschied das britische Gericht bei dem Haftprüfungstermin.

  11. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update V 14.Dezember 2010

    Kurz vor Abschluss der Einspruchsfrist,hat die schwedische Staatsanwaltschaft Einspruch gegen die Freilassung Assange eingelegt. Jetzt muss der britische oberste Gerichtshof entscheiden.

  12. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update VI 16.Dezember 2010

    Der oberste britische Gerichtshof hat den Einspruch der britischen Staatsanwaltschaft* gegen die Aufhebung des Haftbefehls aufgehoben.
    Assange kann nach Hinterlegung der Sicherheitsleistung und weiterer Auflagen bis zur Verhandlung im Januar 2011 entlassen werden.
    Am Rande: Das britische Gericht verbot den anwesenden Pressevertretern während der Sitzung das twittern.

    * Nicht die schwedische Staatsanwaltschaft hatte Einspruch erhoben, der Guardian erfuhr dies nachdem er sich bei der schwedischen Staatsanwaltschaft erkundigt hatte.

  13. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Update VII 16.Dezember 2010

    Wer sich wundert warum die deutsche Presse nicht über die Wikileaks Dokumente berichtet und stattdessen nur über die Meinungsfreiheit, Cyberkrieg usw. schreibt; es ist der vorauseilende Gehorsam den unsere deutsche Presse gegenüber den USA üben.
    Wer aber gerne informiert werden möchte was so alles für Dokumente mit Inhalten auftauchen, sollte sich z.Bsp. der Lektüre des Guardian ( http://www.guardian.co.uk/ ) bemühen. Bürger des Vereinigten Königreiches werden eben etwas besser informiert als deutsche Bürger.

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