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LWL-Naturkundemuseum: ”Wale – Riesen der Meere”

NEU im LWL-Naturkundemuseum: ”Wale – Riesen der Meere”

 

Münster (zd). Bis in die Wassertiefe von 3000 Metern eintauchen, den Walgesang der lebensgroß gezeigten, schwimmenden Blauwale hören, das kühle Wasser imaginär spüren und sich einstimmen auf eine besondere Reise mit rund 900 Exponaten auf 1.700 Quadratmetern Ausstellungsfläche, das ist im Einstimmungsraum der neuen Sonderausstellung „Wale – Riesen der Meere“ im LWL-Museum für Naturkunde in Münster möglich, die am Freitag, 21. September 2012 eröffnet wurde und als die größte Wal-Schau Deutschlands gilt.

 
Dr. Wolfgang Kirsch, LWL-Direktor beim Presserundgang
durch die Sonderausstellung  „Wale – Riesen der Meere“
   LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch: "Zu den Besonderheiten der eine Millionen Euro teuren Ausstellung gehören die lebensechten Walmodelle, Abgüsse von Urwalskeletten sowie das Modell eines Blauwalherzens." Diese attraktive Ausstellung mit großen Objekten war eine große Herausforderung der sich der Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks und die Ausstellungsmacher Judith Becker, Dr. Thorsten Pickel und Dr. Jan Ole Kriegs stellten.
 


Kuratorin M. Sc. Judith Becker erklärt die Besonderheiten
der Anatomie am Orca-Skelett

   Die Vorbereitungsphase dauerte etwa zwei Jahre um letztendlich in mehreren Räumen neben der Vielzahl an Exponaten und Leigaben auch Fotos, Grafiken und seltenes Videomaterial zu präsentieren, das National Geographic Deutschland zur Verfügung gestellt hat, um den Besuchern die Welt der Wale näher zu bringen.

 


Kopf eines Bartenwals – Wie viele andere Walmodelle, ent-
stand auch dieses im Maßstab 1:1 hergestellte Objekt
im französischen Atelier Gilles Pennaneac’h,
Thorigny-sur-Marne

   Das wissen nicht alle: Die Wale sind „keine Walfische“, sondern im Wasser lebende Landwirbeltiere und gehören zu den Säugetieren. Das wissen eher wenige: Die Vorfahren der Wale waren Paarhufer, die vor etwa 50 Millionen Jahren (frühes Eozän) auf unserer Erde lebten und mit der Zeit ihrer Entwicklung in den Lebensraum des Wassers abgewandert sind. Wissenswertes können die Museumsbesucher der Sonderschau im Naturkundemuseum auch über diese Thematik erfahren.

Neben dem Lebensraum der Wale illustrieren zahlreiche Ausstellungsstücke, unterstützt mit neuster Technik, die sowohl junge als  auch ältere Besucher bedienen können, ebenfalls den Lebensraum, Evolution, Anatomie, Lebensweise und Fortpflanzung sowie Walfang und Schutz dieser Tiere.

Wo ist es denn möglich so viele anschauliche Informationen über Wale und deren Vorfahren zu erfahren? Wer weiß, dass die Orcas die größten Vertreter der Delfine sind? Wo kann man Seepocken, Delfinhaut, Haihaut oder Walläuse eines Schweinswals „unter die Lupe nehmen“ – mikroskopieren? Wo kann man einen Abguss eines eineinhalb Meter langen Penis eines gestrandeten Pottwals in den Augenschein nehmen?

Selbstverständlich in der neuen Sonderausstellung „Wale – Riesen der Meere“ im LWL-Museum für Naturkunde in der Sentruper Straße in Münster, die ab Freitag, 21. September 2012 für die Öffentlichkeit öffnet und bis zum 3. November 2013 besichtigt werden kann.

Zum Ausstellungsstart am Donnerstag fehlt noch das Höhepunkt der Schau: das über 15 Meter lange Skelett eines Pottwals, der im November 2011 vor der Insel Pellworm gestrandet war.   "Die Präparation dieses riesigen Walkörpers hat mehr Zeit gekostet, als unsere Präparatoren angenommen haben", berichtet Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks.


In der neuen Sonderausstellung im Naturkundemuseum in Münster
können die Besucher Seepocken, Delfinhaut, Haihaut oder
Walläuse
 eines Schweinswals „unter die Lupe nehmen“ – mikroskopieren
 

 "Wir rechnen damit, dass das Exponat Ende November fertiggestellt ist und dann endlich gezeigt werden kann", so Hendricks weiter. Der Pottwal wird im Einstimmungssaal zu sehen sein

Bis auf wenige Ausnahmen sind in der Ausstellung ausschließlich Originalskelette zu sehen. Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen steuerte eine wichtige Leihgabe eines fossilen Wals für die Schau bei.


Am Skelett eines Orcas – hier ist die Flosse zu sehen
können die Besucher die Anatomie der Wale in Augenschein
nehmen  und studieren. Orcas sind die größten Vertreter der Delfine
  Weitere Leihgaben kamen zum Beispiel vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund, dem Überseemuseum in Bremen, dem Nordseemuseum Bremerhaven, dem Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg, dem Museum für Naturkunde in Berlin, dem Natureum Niederelbe in Balje und dem Leihgeber Manfred Tangerding.


Angebote und Rahmenprogramm
Zur Sonderausstellung "Wale – Riesen der Meere" steht ein Audioguide mit einem familienfreundlichen Programm in Deutsch und Englisch zur Verfügung. Für Menschen mit Hörbehinderung gibt es einen Multimediaguide in Gebärdensprache sowie eine Induktionsschleife.

Der Eröffnungsvortrag zum Rahmenprogramm wird von den Waltauchern Andrea und Wilfried Steffen am Dienstag, 9. Oktober, um 19.30 Uhr, im LWL-Planetarium gehalten.

Ein Familientag zum Thema "Wale" informiert am Samstag, 17. November, von 14 bis 19 Uhr, unterhaltsam über die Meeressäuger. Die Premiere der beliebten literarischen Rundgänge mit der Schauspielerin Beate Reker findet am Freitag, 23. November um 19.30 Uhr statt.
Die Premiere des Theaters an ungewöhnlichen Orten feiert das Ensemble von Freuynde+Gaesdte mit ihrem Stück "Mocha Dick 3D" am Mittwoch, 23. Januar 2013, um 19.30 Uhr, mitten in der Wal-Ausstellung.

Führung für Erwachsenengruppen, Kindergeburtstag mit Wal, Delfin & Co. sowie museumspädagogische Programme von Kindergarten bis Sekundarstufe II sind dauerhaft während der Ausstellungszeit zu buchen.

Weitere Infos unter Telefon: 0251 591-05.

Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung:
"Wale – Riesen der Meere"
Autoren:
Judith Becker und Dr. Thorsten Pickel.
Mit Beiträgen von Dr. Jan Ole Kriegs
Seiten: 180, Preis: 17,80 Euro, ISBN 978-3-940726-19-3

Kooperationspartner:
NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND
LWL-Kulturstiftung Westfalen-Lippe

Veranstaltungsort:
LWL-Museum für Naturkunde
Sentruper Straße 285
48161 Münster

 

Zdena David für EN Mosaik  aus Münster (Münsterland-Event)

 [Fotos und Text: Zdena David]

 

 

 

TextilWerk Eröffnung in Bocholt – Spinnerei erstrahlt neu

 


Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe eröffnet TextilWerk in Bocholt

Historisches Spinereigebäude wird zum neuen kulturellen Standort

Am Freitag, 02.09.2011 eröffnete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die historische Spinnerei Herding in der Industriestraße als zweiten Standort neben dem bestehenden Webereimuseum in der Uhlandstraße, die sich gemeinsam im neu benannten TextilWerk Bocholt vereinen und als Textilmuseum, einem der acht Standorte des LWL-Industriemuseums angehören.

Ein moderner, gläserner Kubus ragt über den vier Etagen des über 100 Jahre alten Gebäudes an der Bocholter Aa und bietet eine luftige Aussicht über die Stadt und schafft eine optische Verbindung zur Weberei des Textilmuseums. Dieses Industriedenkmal der ehemaligen Spinnerei Herding wurde im Auftrag des LWL vom Stuttgarter ATELIER BRÜCKNER für eine neue Nutzung als Kulturfabrik, mit Schaulager, Sonderausstellungsflächen, Veranstaltungsräumen und Gastronomie in zwei Jahren saniert. Unter den Maximen „Beleben und neu erlebbar machen“ betonen die Architekten Prof. Dr. Uwe Brückner und Michel Casertano mittels gezielter architektonischer Eingriffe die ursprünglichen Funktionszusammenhänge der Fabrik. „Wir haben versucht bescheiden und rücksichtsvoll mit der Architektur umzugehen“, erläuterte Prof. Dr. Uwe R. Brückner die Vorgehensweise, um die Authentizität der Räume zu bewahren.

Im kompletten Gebäudekomplex sowie draußen im Eingangsbereich samt Treppenaufgang, der ein gefaltetes Tuch darstellt, sind neue und alte Bauteile vereint worden. An der Fassade und den innen befindlichen Räumen kann der Besucher die Entwicklung des Hauses ablesen. Im imposanten Foyer-Bereich fällt eine rot akzentuierte Treppe ins Auge, die als zentrales Erschließungselement dient und in den 20 Meter hohen ehemaligen Seilgang der Fabrik eingelassen wurde. Moderne Formen der Treppe führen den Besucher vom Kesselhaus über das Maschinenhaus und den Seilgang bis zu den Spinnereisälen und der ehemaligen Technikzentrale auf das Dach des Flachbaues. Die ursprüngliche Energieachse des Gebäudes – räumlich gesehen von der Erzeugung der Energie, über Umwandlung der Energie in Bewegung, zur Kraftübertragung und Absaugung der Luft – endet das Gebäude im luftigen Restaurant, einem zusätzlichen Raum, dessen vorgehängte Fassade aus stählernen Drähten einen Camouflage-Effekt erzeugen und die ehemalige Spinnerei symbolisieren. Im Innenraum des gläsernen Kubus stellt die Installation an der Decke, 88 Leuchten der 1950er Jahre, die wichtige Zeitphase der Fabrik.

Insgesamt 5,9 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II flossen in die energetische Sanierung und den Ausbau des 1907 errichteten Gebäudekomplexes. „Wir hatten mit unserem Museum in Bocholt ein Defizit“, sagte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch. LWL trägt Kultur in die Region und bewahrt Geschichte. Das Ziel, mehr als 500 Jahre Textilgeschichte an authentischen Orten in Münsterland zu zeigen, das das Land geprägt hat, kann nun durch die 6.000 Quadratmeter Fläche, die für Ausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung steht, erreicht werden.

Der neue Name „TextilWerk“ mit seinen beiden Teilen Weberei und Spinnerei macht die räumliche wie inhaltliche Erweiterung deutlich und steht für ein neues Konzept, das Dirk Zache, Museumsdirektor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erläuterte: „Das Museum wird zum Forum, zu einem Ort der Begegnung, des sich Wohlfühlens und des Austausches“. Es entsteht eine Plattform für die Gesellschaft mit textiler Kunst, Textilgeschichte, Mode und Design.

Die Entwicklung des TextilWerkes schreitet fort, denn die geografische Lage zwischen Fußgängerzone und Aasee setzt städtebaulich weitere Ziele. „Um die Spinnerei mit Leben zu füllen, hoffe ich, dass Land, Kreis und Stadt die Chance der Regionale 2016 nutzen“, sagte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch.

Das Eröffnungprogramm, das von Freitag, 02.09.2011 bis Sonntag, 04.09.2011 angeboten wurde, war für alle Altersgruppen vielversprechend.

Am Freitag, 02.09.2011 ab 15 Uhr war die Spinnerei bis Mitternacht öffentlich zugänglich. Es standen Führungen, Musik und Theater auf dem Programm.

Im Erdgeschoss im neuen Wechselausstellungsraum konnten die Besucher bis zum 20.11.2011 die Ausstellung „Zwischen-Räume“ besuchen, die skizzenhaft auf die zukünftigen Ausstellungen Appetit machte.

„Das Textile steckt voller Themen. Und unsere Sammlung an Maschinen, Musterbüchern und Objekten gehört zu einer der größten in Europa. Da haben wir reichlich Stoff für Dauer- und Sonderausstellungen“, erklärte Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp.

Am Freitagabend, 02.09.2011 um 20 Uhr wurde im Drosselsaal im zweiten Obergeschoss die Ausstellung „Magdalena Abakanowicz – Laura Ford. Atelier.Industrie“ eröffnet. Zwei international renommierte Künstlerinnen, die für zwei Generationen in der Textilkunst stehen, haben ihre Werke bereits in London und New York ausgestellt, sowie schon fünfmal bei der Biennale in Venedig.

Am Samstag, 03.09.2011 und Sonntag, 04.09.2011 wurden im Rahmen des Eröffnungsfestes Führungen durch Gebäude, Ausstellungen, Vorführungen historischer Maschinen und kreative Angebote für Kinder von 10 Uhr bis 18 Uhr bei freiem Eintritt angeboten.

Weitere Veranstaltungen:

– Sonntag, 11.09.2011, 10 Uhr bis 18 Uhr, Tag des offenen Denkmals mit Führungen, Denkmalrallye und vielem mehr

– Samstag, 17.09.2011, 20 Uhr, Lockstoff. Erste lange Show der Mode

– Mittwoch, 21.09.2011, 19 Uhr, Aus aller Herren Länder. Vortrag und Führung mit Abendessen. Kosten: 22,50 Euro. Anmeldung erforderlich

– Samstag, 01.10.2011, 20 Uhr, 3. Bocholter Kriminacht

– Montag, 03.10.2011, 11:30 Uhr (Beginn), Münsterland Festival. Jason Yarde trifft das UniJAZZity. Eintritt: 13 Euro VVK, 16 Euro Tageskasse

Nähere Informationen entnehmen Sie im Internet unter:

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/bocholt/ort/

Text: Zdena David, Onlineredaktion www.muensterland-events.de

  Bild 1: Sie freuen sich auf die Eröffnung der historischen Spinnerei, einem der zwei Museen des TextilWerkes Bocholt und stehen am gläsernen Kubus: Dirk Zache, Museumsdirektor des LWL, Prof. Dr. Uwe R. Brückner, ATELIER BRÜCKNER, Dr. Wolfgang Kirsch, LWL-Direktor, Dr. Hermann Josef Stenkamp, Standortleiter und Michel Casertano, ATELIER BRÜCKNER (v.l.).

Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de

 

Bild 2: Eingangsbereich der Spinnerei in der Industriestraße 5 in Bocholt, wo alte und neue architektonische Formen sich begegnen und teilweise zusammenfließen.

Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de

 
Bild 3: Prof. Dr. Uwe R. Brückner, ATELIER BRÜCKNER und Dr. Wolfgang Kirsch, LWL-Direktor. 

Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de

 
Bild 4: Imposante rot akzentuierte Treppe im Foyer der Spinnerei.

Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de

 

Bild 5: Prof. Dr. Uwe R. Brückner (r.) erklärt die räumliche Aufteilung am Modell der Spinnerei; daneben Dr. Wolfgang Kirsch, Dr. Hermann Josef Stenkamp und Dirk Zache. 

Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de

 
Bild 6: Magdalena Abakanowicz, Mutants, 1992/1996.

Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de


 

„Trabajadoras del Mundo – Frauenarbeit“ in der Zeche Nachtigall

[zd] Neue Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten-Bommern Witten – Die argentinische Künstlerin Cecilia Herrero-Laffin wagt es das globale Thema „Frauenarbeit“, seit dem es in allen Munde ist, im Klein- und Großformat im Gemälde und in plastischer Form auf eine ganz besondere Art und Weise darzustellen. Eine Auswahl dieser festgehaltenen „Momentaufnahmen“, die Migrantinnen bei ihrer Erwerbstätigkeit in Deutschland, Frauen beim Zigarrendrehen oder in einer Textilfabrik an einer Nähmaschine sitzend in einer südamerikanischen Fabrik, wird in einer neuen Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten-Bommern, ausgestellt. „Trabajadoras del Mundo – Frauenarbeit“ – Neue Ausstellung in der Zeche Nachtigall Rund 50 farbenfrohe Gemälde und Plastiken von Cecilia Herrero-Laffin können Interessierte vom 29. Mai 2011 bis zum 25. September 2011 im LWL-Industriemuseum betrachten, das der Landschaftsverband-Westfalen Lippe (LWL) in der Zeche Nachtigall zeigt. Die Ausstellung wurde am Sonntag, 29. Mai 2011 um 11 Uhr eröffnet.

   
  Bild: Ingrid Telsemeyer (l.) und Dr. Anne Kugler-Mühlhofer (beide Kuratorinnen, Zeche Nachtigall) und Jenny Linke, Volontärin (r., Zeche Nachtigall) freuen sich auf die neue Sonderausstellung „Trabajadoras del Mundo – Frauenarbeit“. Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de  

Herrero-Laffin, eine außergewöhnliche Künstlerin mit scharfsinniger Wahrnehmung, deren Lebensweg sie durch verschiedene Länder geführt und geprägt hat, will das Thema „Frauenarbeit“ mit Hilfe ihrer Kunst öffentlich machen. Arbeit und Alltag der Frauen unterschiedlichen Alters, nicht geschminkt, müde, hochkonzentriert – an zahlreichen Orten, ob in der Fabrik, auf der Straße, auf dem Fischmarkt, im Kleinunternehmen – in Deutschland und Südamerika – das sind die Themen, mit den sich die Künstlerin intensiv auseinandersetzt und als Motiv ihrer vielseitigen Kunstwerke in Form von Momentaufnahmen präsentiert.

 

 
  Bild: Cecilia Herrero-Laffin, Fischereiarbeiterin 2007, bemalter Gips, 25 cm hoch. Foto: ZD,
Onlineredaktion www.muensterland-events.de
 

 "Wir nehmen die künstlerische Präsentation der Frauenarbeit zum Anlass, das bis zum heutigen Tag brisante Thema ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken", sagt Kuratorin Ingrid Telsemeyer vom LWL-Industriemuseum. Die 24 in der Zeche Nachtigall gezeigten Skulpturen sind aus bemalten Ton und Gips angefertigt. Die Farbnuancen der präsentierten Plastiken variieren in ihrer Farbenprächtigkeit. Eine tief gebückte Fischereiarbeiterin, die in den Eimer greift. In dieser fast unscheinbaren Frauenskulptur, dominiert die grau-weiße Farbe der Kleidung und der zusammen gebundenen Frisur, lediglich die fleischig angepinselten Arme und das Gesicht lassen die schwerstarbeitende Frau lebendig erscheinen. Sie ist durch diese Haltung und ihren monotonen Gesichtsausdruck erstarrt, um sich dem Betrachter einzuprägen. Eine großartige Leistung der Künstlerin Herrero-Laffin mit Gips und Ton umzugehen, eine menschliche Figur zu formen, die etwas ganz Bestimmtes darstellen soll. Die in Deutschland lebende Argentinierin Cecilia Herrero-Laffin kennt aus ihrer Heimat die „geheimen Textilfabriken“ der späten 1990er Jahre in Buenos Aires, wo unter anderem auch aus den Nachbarländern illegal eigewanderte Näherinnen zu menschenunwürdigen Bedingungen geschuftet haben.

 

 
  Bild: Cecilia Herrero-Laffin, ein Gemälde und vier Skulpturen, die Szenen aus der Textilfabrik darstellen.  Textilfabrik 2011, Mischtechnik, 140 x 137 cm. Näherinnen 2007, bemalter Ton, jeweils 30 cm hoch.
Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de
 

Herrero-Laffin und der LWL betrachten gemeinsam die Situation von arbeitenden Frauen weltweit, das Industriezeitalter in Westfalen-Lippe ist hierbei integriert. Mit dieser neuen Ausstellung „Trabajadoras del Mundo – Frauenarbeit“ in der Zeche Nachtigall und dem aktuellen umfangreichen Begleitprogramm zum Thema „Frauenerwerbstätigkeit“, das in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern von LWL während der Ausstellungszeit stattfindet, wird in Form von Vorträgen, Diskussion und Information ein direkter Zusammenhang der sensiblen Thematik gespannt. Aus historischer, künstlerischer und aktueller Sicht werden prekäre Arbeitswelten der weiblichen Bevölkerung betrachtet, neu analysiert und führen letztendlich durch lange Tradition wieder in die Zeit der Industrialisierung zurück. Die Kooperationspartner: Die Bundesagentur für Arbeit, die Gleichstellungsstelle Bochum, die Gleichstellungsstelle Witten, der Regionalverband Ruhr, die Stadt Witten, die Gewerkschaft Verdi

   
  Bild: Cecilia Herrero-Laffin, Rosa Gruppe 2010, Mischtechnik, 150 x 120 cm. Foto: ZD,
Onlineredaktion www.muensterland-events.de
 

 Die 27 farbenprächtigen Bilder und drei Videoinstallationen ergänzen die Auswahl der zwei Kuratorinnen von LWL. Mit großzügigen Pinselstrichen, allerdings wohlüberlegt auf der Leinwand angebracht, erscheinen die meist großformatigen Gemälde, der in Bielefeld arbeitenden Künstlerin, im ersten Augenblick der Betrachtung so farbenfroh. Das Thema „Frauenarbeit“, Entlohnung, Doppeltbelastung der Frau in ihrem Job und zu Hause gerade in den Entwicklungsländern, sollen die Betrachter der farbig auffälligen Gemälde aufrütteln. „Wir wollen Denkanstöße geben, denn Frauenarbeit ist kein neues Thema“, so Ingrid Telsemeyer. Aktuelles Thema: Die unsichtbare Arbeit

   
  Bild: Cecilia Herrero-Laffin, Mutter mit Kinderwagen, 2011, bemalter Ton, 30 cm hoch. Im rechten Bereich sind drei Videoinstallationen, die erstmals in Witten ausgestellt sind, zu sehen.   Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de  

Frauen sind weltweit in verschiedenen Arbeitsbereichen tätig, ob Teilzeit oder Vollzeit angestellt oder selbständig. Allerdings leisten sie auch „unsichtbare“ Arbeiten. „Pflege von Angehörigen, Kochen, Putzen, Kinderbetreuung – diese gesellschaftlich wichtigen Tätigkeiten bleiben oft unbeachtet. Auch das wollen wir ins Blickfeld rücken“, betont Kuratorin Dr. Anne Kugler-Mühlhofer über das Anliegen der Ausstellung. Cecilia Herrero-Laffin schaut über den Tellerrand und erweitert fortwährend ihre Arbeitsweisen und Techniken, so können die Besucher der Zeche Nachtigall die erstmals ausgestellte Videokunst sehen, wo filigran ausgearbeitete Filmaufnahmen das Thema „Pflege der Angehörigen“ im wahrsten Sinne des Wortes sehr plastisch darstellen. Der zur Ausstellung im KLARTEXT-Verlag publizierte Katalog: „LWL-Industriemuseum. Trabajadoras del Mundo – Frauenarbeit. Gemälde und Plastiken von Cecilia Herrero-Laffin“ ist im Museumsshop der Zeche Nachtigall erhältlich. Auf knapp 40 Seiten erfährt der Leser wie umfangreich und aktuell das Thema „Frauenarbeit“ auf der Welt ist. Vielseitige Texte, Zitate aus verschiedenen zeitlichen Epochen sowie intensiv ausgearbeitete, mit handfesten Diagrammen belegte Recherche-Ergebnisse, verdeutlichen gemeinsam mit der Biografie und den ausgewählten klein- und großformatig abgebildeten Kunstwerken der Künstlerin Cecilia Herrero-Laffin die Intention der Künstlerin, die sie gemeinsam mit den Organisatoren und Veranstaltern verfolgt. Zitat aus dem Begleitkatalog von Prof. Jutta Allmendinger, 2010, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. In: taz vom 26.03.2010: „Wir steuern auf eine gigantische weibliche Altersarmut zu. Wir müssen ernsthaft über große Teilzeit reden, für Frauen und Männer. Dass die Politik das nicht thematisiert, halte ich für fahrlässig.“

Text: Zdena David, Onlineredaktion www.muensterland-events.de
Alle Fotos (6) sind von Zdena David, Onlineredaktion www.muensterland-events.de

„Trabajadoras del Mundo – Frauenarbeit“
Gemälde und Plastiken von Cecilia Herrero-Laffin

29.05.2011 bis 25.09.2011

Veranstaltungsort:

Zeche Nachtigall, Nachtigallenstraße 35, 58452 Witten-Bommern

Telefon: 02302 93664-0

Telefax: 02302 93664-22

www.lwl-industriemuseum.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag, sowie feiertags 10 – 18 Uhr, letzter Einlass 17:30 Uhr

 

An folgenden Tagen können die Besucher das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall kostenlos besuchen. Neben drei freien Freitagen (1. Juli, 2. September, 4. November und 13. November 2011) nimmt das Museum auch am Knappentag (3. Juli 2011) keinen Eintritt.

 

Eintritt:

Erwachsene: 3,00 Euro

Kinder, Jugendliche (6-17 Jahre) und Schüler: 1,50 Euro

Ermäßigt: 2,00 Euro

 

Begleitkatalog:

LWL-Industriemuseum. Trabajadoras del Mundo – Frauenarbeit. Gemälde und Plastiken von Cecilia Herrero-Laffin“. Essen, 2011. Preis: 5,20 Euro. Ab dem 29.05.2011 im Museumsshop erhältlich.

Begleitprogramm zur Ausstellung „Frauenarbeit“:

– 08.06.2011, 18 bis 20 Uhr, Vortrag „Der kleine Anfang – in Teilzeit selbständig. Chancen und Risiken der Gründung in Teilzeit“, Referentin. Bigitt Torbrügge, Unternehmensberaterin. Eine Veranstaltung der Gleichstellungsstelle Witten/Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe. Freier Eintritt. Anmeldung notwendig unter:

gleichstellungsstelle@stadt-witten.de oder Tel.: 02302/5811613

– 20.06.2011, 19 Uhr bis 21:15 Uhr, Vortrag und Diskussion, „Der Minijob: Was ist bei einer ‚geringfügigen Beschäftigung‘ zu beachten?“ – Achtung: Abweichender Ort: Seminarzentrum Holzkampstr. 7, Witten. Eintritt frei. Anmeldung unter: Tel.: 02302/910500, Kursnummer 12321. Veranstalter: Gleichstellungsstelle der Stadt Witten/VHS Witten-Wetter-Herdecke

– 30.06.2011, 19 Uhr, Film: We Want Sex, GB 2010, 113 Min., FSK 6. Regie: Nigel Cole

14.07.2011, 18:30 bis 20:30 Uhr, ein Abend in Salon-Atmosphäre mit Musik und Führung durch die Ausstellung. Unter der Moderation von Gudrun Kemmler-Lehr (Regionalverband Ruhr) beantworten Expertinnen zum Thema „Arbeit ist das halbe Leben – Frauen-Erwerbsarbeit im Ruhrgebiet“ Fragen. Einführende Bilder und Worte  liefert Claudia Horch vom Regionalverband Ruhr. Die Gesprächspartnerinnen sind:

– Astrid Berger-Fels, Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit

– Maria Tschaut, Landesbezirk NRW der Gewerkschaft Verdi

– Bärbel Weber, Gleichstellungsstelle Bochum

– 04.08.2011, 14-17 Uhr, Grundkurs „Figuren töpfern“, gemeinsam mit der Künstlerin für Kinder von 6 – 11 Jahren. Anmeldung erforderlich! Teilnahmegebühr inkl.
Material 5,– Euro.

10.09.2011, 13-18 Uhr, Grundkurs „Keramik Skulptur“, gemeinsam mit der Künstlerin für Erwachsene. Anmeldung erforderlich! Teilnahmegebühr inkl. Material und Brand 20,– Euro.

   
   Bild: Cecilia Herrero-Laffin, Tabacalera, 2011, Mischtechnik, 60 x 160 cm.
Foto: ZD, Onlineredaktion www.muensterland-events.de
 

 

 

 

Trash People von HA Schult im Dümmertpark in Telgte

Parallel zu der Ausstellung und der Eröffnung des „Ein-Wochen-Museum“ in der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld mit der „Tankstelle“ von HA Schult fand in Telgte die Ausstellung „Trash People“ statt. Eine befreundete Journalistin, Zdena David“ hat uns ihren Artikel mit den dazu gehörigen Bilder übermittelt, die wir ihnen nicht vorenthalten wollen. (Jürgen Gerhardt)

Bürgermeister Pieper, Bündnis90/Die Grünen   [ZD]„Wir produzieren Müll und wir werden zum Müll. Denn jede Coladose von heute ist die römische Scherbe von morgen“, betonte HA Schult, der international und hauptsächlich durch Objekt- und Aktionskunst bekannte Künstler zur Ausstellungseröffnung, der durch seine im Dümmertpark in Telgte aufgestellten Trash People auf unsere im Wohlstand lebende Gesellschaft, die die Erde ausbeutet, aufmerksam macht. Seine Aktion der mannshohen, aus gepresstem Müll mit Montageschaum verfestigten Figuren, sowie seine überragende Rede, hinterließen beim prominenten und alltäglichen Besucher  am Eröffnungstag der Ausstellung „Einkehr in Telgte“ einen bemerkenswerten Eindruck.

Nein, es ist keine Wallfahrt, auch wenn diese „Menschen“ kurzweilig die Stadt Telgte um 200 „Einwohner“ bis zum 31.07.2011 vergrößern und den Wallfahrtsort Telgte (NRW, Münsterland) auf der ganzen Erde noch bekannter machen.

Mit begrüßenden Eingangsworten und einer hervorstechenden Aufzählung der Metropoleorte „Moskau, Peking, Kairo, Brüssel, Rom, Arktis, Telgte“, hieß Bürgermeister Wolfgang Pieper (Bündnis 90/Die Grünen) die Besucher Willkommen bei der Ausstellungseröffnung der Trash People des in Köln und Berlin lebenden Künstlers HA Schult, der ebenfalls, wie seine aufgestellten „Müllmenschen“ am Sonntag, 03.07.2011 anwesend war.

„Laden Sie Menschen nach Telgte ein, um sich mit dieser Kunst auseinander zu setzen“, beherzigte Bürgermeister Pieper alle Besucher, denn das Konsumenten-Thema sowie die Müllproduktion (580 kg/Jahr/Bürger/Deutschland) findet der überregional bekannte Politiker sehr wichtig und nachhaltig erschreckend.    

Die Trash People sahen mittlerer Weile zahlreiche Orte, wo sie Menschen aufrüttelten und zur Diskussionen führten. HA Schult packte „das zentrale Thema in eine globale, mobile Skulptur“, der er zum ersten Mal 1996 in Xanten in einem Römischen Amphitheater das Leben einhauchte und zu 1000 Stück ausstellte. Weitere Orte folgten, die Attraktivsten sind zu nennen: Die Müllmenschen standen 1999 in Moskau auf dem Roten Platz, 2001 auf der Großen Mauer in Peking, 2002 vor den Pyramiden in Kairo, 2005 in Brüssel auf dem Grand-Place, 2007 in Rom auf Piazza del Popolo, 2011 in der Arktis, 78° 13’ N 15° 33‘ E. Unterschiedliche Höhen besuchten die Trash People: Am Matterhorn, 2800 m ü. NN sowie 880 m unter Tage im Salzstock Gorleben.   HA Schult

Simone Thieringer, Leiterin von „Tourismus + Kultur“ der Stadt Telgte besuchte die Müllmenschen während ihres Urlaubs am Kilkenny Castle in Irland, von diesem Zeitpunkt an, setzte sie ihre Idee die Trash People nach Telgte zu transportieren und auszustellen durch. Großartig!

Die roten Steine der Kulturspur in der Innenstadt Telgte weisen den Weg zum nahgelegenen Dümmertpark an der Ems, wo die „Neubürger“, wie sie bei der Ausstellungseröffnung Peter Scholz, Vorstandsmitglied der Sparkasse Münsterland Ost,  bezeichnete, in Reih und Glied wie eine Armee aufgestellt sind. „Die Sparkasse fördert gerne Kunst im öffentlichen Raum. HA Schult ist eine echte künstlerische Attraktion in Telgte“,  sagte Scholz während seiner Rede am Eröffnungstag. Glücklicherweise steuerte die Sparkasse Münsterland Ost in die umfangreiche Aktion der Trash People einen großen finanziellen Betrag bei, mit von der Partie sind zahlreiche, private, regional ansässige Unternehmen  als Sponsoren zu nennen. Der ausschlaggebende finanzielle Zuschuss für die komplette Realisierung dieser Outdoor-Ausstellung samt Begleitprogramm kam von der LWL-Kulturstiftung. Dieses Projekt erfülle die Förderkriterien, sagte Silke Rommel vom Beirat der Kulturstiftung, während sie einen weiten Blick über den idyllischen Dümmertpark streifte und betonte, die Trash People suchten doch eine Heimat nach der langen Weltreise!

Trash-ArmeeDie Besucher können die Müllarmee der Trash People von HA Schult einerseits direkt vor Ort auf der grünen Wiese im Dümmertpark besichtigen,  andererseits in unmittelbarer  Nähe einige Metallstufen auf einen  „Seh-Container“ der Firma Bolle hochsteigen, von wo aus man eine gewisse Vogelperspektive der gesamten Betrachtung der Trash People erhaschen kann.
Im Inneren des bunten Metall-Containers werden Merchandising-Artikel zu dieser aktuellen Kunstaktion verkauft. Auf dem Gelände treffen die Besucher  ehrenamtliche Gästebetreuer, deren Einsatz von 120 Schichten der Heimatverein Telgte koordiniert.

Ein Begleitprogramm bereichert die Kunstaktion von HA Schult in Telgte:
– Lesung zur Ausstellung, am 07.07.2011, 19:30 Uhr, Dümmertpark:
Christian Nachtigäller liest in mitten der Trash People aus seinen trashigen geschichten. Der Autor erzählt vom Alltäglichen Wahnsinn und vom wahnsinnigen Alltag.
– Führungen zur Ausstellung – Auf den Spuren der Trash People.
Termine nach Wunsch sowie öffentliche Führung am 17.07.2011 um 16:00 Uhr.
Treffpunkt: marktplatz, Tel.: 02504/690100, simone.thieringer@telgte.de
Dauer: 45 Minuten, Kosten 3,00 Euro, ab 10 Personen
– Konzert zur Ausstellung, am 17.07.2011, 17:00 Uhr, Bürgerhaus Telgte, Baßfeld 9, Eintritt frei!
The Long Breath. Die Reise von HA Schult durch die Kunst. Eine Bild- und Musik-Collage von Anna Zlotovskaya. Musik: Antonio Vivaldi. Im Anschluss des Konzerts findet eine Signierstunde mit dem Künstler HA Schult statt.

Einkehr in Telgte – Trash People von HA Schult
Diese Ausstellung im Grünen ist von 6 Uhr bis 22 Uhr bis zum 31.07.2011 im Dümmertpark in Telgte zu sehen.

Informationen:

Stadt Telgte Tourismus+Kultur Telgte, Tel.: 02504/690100,
www.telgte.de
simone.thieringer@telgte.de

Weitere Informationen:
www.haschult.de

 

Text und Fotos: Zdena David

 

Die Roncalli Premiere – Ein Abend der besonderen Art

[[wr] 592] Wir waren schon sehr früh da an diesem Premierenabend am Konrad Adenauer Platz in Recklinghausen, aber wir waren nicht die Ersten.

Viele waren schon sehr früh an diesem Abend gekommen. Die Schlangen vor den Kassen und vor dem Eingangsportal wurden lang und länger. Doch obwohl es an diesem Abend lausig kalt war, tat dies der freundlichen und beschwingten Stimmung keinerlei Abbruch, was ein wenig an die Veranstaltungen von RUHR.2010 erinnerte, denn da war es wieder dieses viel zitierte Gemeinschaftsgefühl der Menschen aus dem Revier. Herrlich!

In der Regel ist man als geneigter Zuhörer und Zuschauer immer etwas skeptisch, wenn bestimmte Superlative bei der Vorstellung einer Veranstaltung benutzt werden. Doch es gibt sie auch, die Überraschungen der besonderen Art. So hatte Bernhard Paul bei der Vorstellung seines Jubiläumsprogramms im Recklinghauser Rathaus noch davon gesprochen; "Höchstleistungen allein reichen aber für eine Roncalli-Inszenierung nicht. Erst die verbindende Dramaturgie, das poetische erzählen der Geschichten und die harmonische Einheit von Artistik und Musik machen das perfekte Programm aus." Der Prinzipal des Roncalli hat kein wenig zuviel versprochen und nun haben wir das Problem nicht in jedem Satz ein Superlativ zu verwenden.

          
  Gruppe vor dem Zelt                                                                                                                   Foto: © Zdena David  

Allen Künstlern konnte man die ungeheure Spannung, sein allerbestes zu geben an der Nasenspitze ansehen. Die Probenzeit für das gesamte Programm zu dieser Auftaktveranstaltung "35 Jahre Roncalli" war mit 2-3 Wochen auch ziemlich stramm bemessen. Der eine oder andere "Haker" zeigte wie es bei Höchstleistungen normal ist ganz menschlich Züge und genau das macht Roncalli schließlich aus. Der Mensch als Ganzes steht im Mittelpunkt!

In seiner Einleitung hatte Bernhard Paul auch von der nächsten Generation in der Manege gesprochen und wahrlich die Lebensfreude dieser jungen Generation (Durchschnittsalter ca. 20 Jahre) hielt der nur auf Produktivität schielenden Gesellschaft den Spiegel vor Gesicht.
            


An dieser Stelle fällt es auch schwer einzelne der Künstler hervorzuheben, denn alle gemeinsam haben den anwesenden Zuschauern einen wunderbaren Abend geschenkt. Als absoluter Clown-Fan, als der ich mich hier oute, war ich von der ersten bis letzten Sekunde von David Larible begeistert, der mit seiner Körpersprache und Mimik viele Tränen der Freude zusammen mit Theaterclown Gensi heraus kitzelte. Mit ihrer auf die einzelnen Artisten passgenau abgestimmten Dramaturgie waren die Beiden die Seele der Manege und man hatte nicht Gefühl nur als Zuschauer dort zu sein, sondern man fühlte sich als ein Teil des Ganzen. Bei jedem der 18 Programmpunkte wurde man Emotional mitgenommen. Bei Florian & Edith Richter war man dabei, wenn die wunderschönen Pferde ihre Phantasien und ihren Postkurs zeigen. Wenn Shirley Larible an Strapaten unter der Kuppel ihre grazilen Figuren drehte oder das Duo Bobrov mit ihrer Luftnummer eine emotionalen Choreographie zeigte, wurde das Publikum ebenso wie bei den Fahrrad-Kapriolen von Fabrico Nogueira in die Welt des Staunens entführt. Die zierlichen Azzario Sisters, die mit ihrer Darstellung von Balance sehr viel "Köpfchen" bewiesen, zeigten ebenso wie Borys Borysenko mit seiner Pantomime, Jemile Martinez als Jongleur und Andrey Romanovsky als "Mensch ohne Knochen" zwar etwas mehr die "Bodenhaftung", doch die Schnelligkeit und Eleganz war auch hier in jedem Atemzug zu spüren. Den artistischen Reigen schloß Encho Kreyazov mit seiner wahrlich kraftvollen Handstand-Akrobatik.
            
Eine der wichtigsten Gruppen sah man allerdings nicht selbst in der Manege, das Orchester thronte über dem Bühnenportal und spielte Live einen hervorragenden Sound. Ein großer Dank sollte aber auch an die vielen unsichtbaren Geister gehen, die in allen Lebenslangen dafür sorgen, das im Rund alles reibungslos funktioniert und die Gäste immer umsorgt werden.
Es war schön für ein paar Stunden in einer anderen Welt zu sein.
            

 

Gastbeitrag von Will Rumi für EN-Mosaik aus Recklinghausen

 

Ein Teil eines Forschungsprojektes: Dokumentarfilm „Gotteshäuser zu verkaufen“

 [zd] Bochum / Westfalen Zur Filmpremiere "Gotteshäuser zu verkaufen – Kirchenschließungen zwischen Verlust und Chance" wird am Donnerstag, 17.03.2011 ab 19 Uhr in die Kunstkirche Bochum (Christ-König-Kirche, Steinring 34) eingeladen.

   
  (v.l.): Projektleiterin Dr. Katrin Bauer, Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann, Vorsitzende der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin, Probst Michael Ludwig, Hausherr der Kunstkirche Bochum, Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der Kommission.                                                                                                                     Foto: © Zdena David  

Profanierung von Kirchen in Westfalen macht sich auf unterschiedlichste Art und Weise bei den betroffenen Menschen, ob christlich Erzogenen oder Ungläubigen sowie bei den Vertretern der Kirche und Gotteshäuser bemerkbar. Mit dieser Wirkung und Auswirkung auf den Menschen und den Raum dieser umfangreichen Thematik der "unübersehbaren Entkirchlichungstendenzen in unserer Gesellschaft", beschäftigte sich Dr. Katrin Bauer im Rahmen einer  zweijährigen wissenschaftlichen Arbeit des Forschungsprojektes der Volkskundlichen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL):  "Kirchenumnutzungen und ihre Folgen".

Aus diesem Projekt entstand ein 47-minütiger Dokumentarfilm  und ein Buch, die die Autorin "Gotteshäuser zu verkaufen" betitelte.
Neben lokal präsentierten kirchlichen Standorten (Bochum-Langendreer, Bocholt, Münster, Bielefeld,…), die gezielt umfunktioniert wurden oder abgerissen werden mussten, zeigt Bauer emotionsgeladene Bilder der Gemeindemitglieder, die diese massive Wandlung nicht verstehen können. Auch der Abriss der St.-Antonius-Kirche in Gronau-Epe ist Gegenstand des Dokumentarfilmes, wo sich die Gläubigen lange gewehrt haben und nun "verraten fühlen".

 

           
  Kunstkirche Christ-König in Bochum.                                                                                               Foto: © Zdena David  

Die Christ-König-Kirche in Bochum wurde zu einer Kunstkirche umgewandelt – großartige Ausstellungen finden bereits seit der RUHR.2010 in diesen Räumen statt.

 

   
  (v.l.): Projektleiterin Dr. Katrin Bauer, Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann, Vorsitzende der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin, Probst Michael Ludwig, Hausherr der Kunstkirche Bochum. Foto: © Zdena David  

Der Hausherr Probst Michael Ludwig hat sich mit der Umwandlung des Gotteshauses sehr gut angefreundet, er sieht dies als eine Chance auf einen Neuanfang. "Hier mache ich etwas Innovatives, was Neues. Das ist besser als hinter der Vergangenheit nachzutrauen", erklärte er während des Pressegesprächs am 15.03.2011, als das gesamte Forschungsprojekt  "Kirchenumnutzungen und ihre Folgen" in Bochum von zahlreichen Vertretern vorgestellt wurde.

Dieser Dokumentarfilm ist auch für schulische Zwecke zu empfehlen. Die DVD ist beim LWL-Medienzentrum für Westfalen, medienzentrum@lwl.org oder im Buchhandel erhältlich.

Aus dem Forschungsprojekt  "Kirchenumnutzungen und ihre Folgen" sind hervorgegangen:

DVD "Gotteshäuser zu verkaufen.
Kirchenschließungen zwischen Verlust und Chance".

Ein Film von Katrin Bauer, Andrea Graf und Ragnar Kopka.
(in der Reihe: Alltag im Film, eine Co-Produktion des LWL-Medienzentrums und der Volkskundlichen Kommission für Westfalen,
zu bestellen beim LWL-Medienzentrum für Westfalen, medienzentrum@lwl.org oder im Buchhandel)

Katrin Bauer:
Gotteshäuser zu verkaufen.

Gemeindefusionen, Kirchenschließungen und Kirchenumnutzungen,
212 Seiten, zwei farbige Bildteile,
mit DVD, Festeinband, 29,90 Euro Waxmann-Verlag, Münster


Ausstellung: Kirchenumnutzungen.

Fotografien von Stephan Sagurna,
vom 17.März bis zum 10. April
in der Kunstkirche Christ-König, Steinring 34 in Bochum

Ein weiterer Bericht folgt im nächsten Zeitraum.

Text: Zdena David

Circus als Märchenbuch des Lebens

35 Jahre Circus – 35 Jahre farbiges Leben
Jubiläumsprogramm Roncalli

Vom 10. bis 27. März 2011 gastiert der Circus Roncalli und die historischen Circuswagen zum siebten Mal in Recklinghausen. Hier präsentiert Bernhard Paul, sein Jubiläumsprogramm "35 Jahre Circus Roncalli".

   
  Ein Interview des TV Emscher-Lippe mit Prof. Bernhard Paul, Roncalli-Direktor / Foto:  © Zdena David  

Recklinghausen war von Anfang an eine wichtige Station für Roncalli. In der Ruhrfestspielstadt werden seit Jahrzehnten viele Erfolgsprogramme aus der Taufe gehoben. Circus Roncalli – das ist der Circus, der kein Circus ist. Eine Show, die keine Show ist. Theater, das kein Theater ist. Das ist eine Vorstellung, die ihre Zuschauer in den Bann zieht, ein poetisches Schauspiel für Jung und Alt, ein fesselndes Narrenstück, eine märchenhafte Reise in die Tiefe unserer Herzen, ein sanfter Kuss für die Seele. Bernhard Paul spürt die Künstler seines Ensembles von jeher in aller Welt auf.

     
   Prof. Bernhard Paul, Roncalli-Direktor /   Foto:  © Zdena David  

Für sein Jubiläumsprogramm hat Roncalli ein buntes Bouquet geschnürt aus Pferdephantasien, poetischer Pantomime, außergewöhnlicher Körperbeherrschung, atemberaubender Luftartistik, kraftvoller Akrobatik, ausgezeichneter Clownerie und zauberhaften Roncalli-Träumen. Im neuen Programm treten Artisten u.a. aus Brasilien, Russland, der Ukraine, England, Ungarn, Bulgarien, Italien oder auch Spanien in die Roncalli-Manege. "Höchstleistungen allein reichen aber für eine Roncalli-Inszenierung nicht. Erst die verbindende Dramaturgie, das poetische Geschichten-Erzählen und die harmonische Einheit von Artistik und Musik machen das perfekte Programm aus" so Bernhard Paul zum Erfolgskonzept Roncalli.

Eine Erfolgsgeschichte.

     
   v.l.:Prof. Bernhard Paul, Roncalli-Direktor und Oberbürgermeister Recklinghausen,  Wolfgang Pantförder  /   Foto:  © Zdena David  

Vor 35 Jahren begann 1976 "das Wunder Roncalli" (GEO). Seither hat der Circus über achtzehn Millionen Menschen verzaubert, begeistert sein Publikum in Deutschland, Österreich, Dänemark, Russland, Belgien und Spanien. Und wie kein zweites Unternehmen hat Roncalli die internationale Circusszene inspiriert, fand Nachahmer von Schweden bis Italien, von Moskau bis Marokko. Sie erlebten nicht Löwen, die durch Feuerreifen springen, Schimpansen auf Motorrollern oder schrille Clowns, sondern "Die größte Poesie des Universums", "Die Reise zum Regenbogen", "Commedia dell’Arte", "Salto vitale" und "Theatro Paradiso" (so Roncallis Programmtitel). Ein roter Faden vom Vorspiel bis zum Finale, humoreske Zwischenspiele, liebevolle Übergänge, phantastische Kostüme wie aus dem Märchenbuch. Ein Programm, das mehr ist als die Abfolge artistischer Nummern. Und auf Anhieb gelang damals das Experiment. Schon nach der Welturaufführung am 18. Mai 1976 in Bonn jubelten die Zeitungen: "Der Circus ist tot. Es lebe der Circus!"

     
   v.l.: Oberbürgermeister Recklinghausen,  Wolfgang Pantförder  und Prof. Bernhard Paul, Roncalli-Direktor /   Foto:  © Zdena David  

Menschen in der Manege

Zu den Höhepunkten des neuen Programms gehört Florian Richter. Der Ungar gilt in der europäischen Circuswelt als "Pferdepapst" und wurde bereits beim internationalen Circusfestival von Monte Carlo mit dem Goldenen Clown ausgezeichnet. Mit ihm kommen edle Araber und Friesen in die Roncalli- Manege. Bei Andrey Romanovsky kann der Zuschauer zweifeln, ob der Mensch tatsächlich Knochen hat. Spätestens wenn er sich in einem Schornstein versenkt. Für sinnliche Höhepunkte am schwingenden Vertikalseil sorgt das Duo Bobrov, das in einer theatralischen Luftdarbietung das Publikum träumen und staunen lässt. Neu bei Roncalli sind die hübschen Azzario Sisters, zwei spanischen Akrobatinnen, die bei Ihrer Darbietung nicht nur Kraft sondern auf viel "Köpfchen" brauchen. Sie präsentieren einen außergewöhnlichen "Kopf- auf- Kopf" Balance- Act. Mit Starclown David Larible kommt ein vertrautes Gesicht nach Recklinghausen. Der hoch dekorierte Spaßbereiter, beim Circusfestival Monte Carlo von Fürst Rainier mit dem Goldenen Clown geadelt, zelebrierte über zehn Jahre in der größten Show der Erde, bei Ringling Bros., Barnum & Bailey in den USA, täglich vor 20.000 Menschen seine großartige Komik. Er wird das Publikum mit neuen Kabinettstückchen der Clownerie zum Lachen bringen. Theaterclown Gensi bezaubert in nostalgischen Kostümen als poetischer Weißclown. Encho Keryazov’s Körper ist sein Kostüm. Der Handstandakrobat wurde beim internationalen Circusfestival von Monte Carlo für seine kraftvolle Darbietung mit dem Silbernen Clown ausgezeichnet. Shirley Larible wird an Strapaten als Prinzessin der Lüfte durch die Manege fliegen. Dazu Pantomime Borys, ein sensibler und poetischer Pantomime, der ans Herz geht und Sie mit sanftem Humor verzaubern wird. Jongleur Jemile Martinez lässt Bälle fliegen und rotieren. Fabricio Nogouaira wird mit einem Fahrrad in der Roncalli-Kuppel Steilwand fahren, und somit eine traditionelle Circusdarbietung wieder aufleben lassen. Zudem werden Bernhard und Eliana Paul’s Kinder Vivian, Lilian und Adrian in der Manege stehen, bzw. im Orchester mitwirken. Traumhaft schöne Kostüme und liebevoll arrangierte Live-Musik von Orchesterchef Georg Pommer runden die zauberhafte "Roncalli- Welt" ab. Der Maestro komponiert Roncalli seit mehr als 30 Jahren wie maßgeschneidert die Musiken zum Programm. In Bernhard Paul weiß der Vollblutmusiker einen eingeschworenen Verbündeten. So gehört Roncalli zu den wenigen Circussen, die noch über ein eigenes Live-Orchester verfügen. "Bei uns spielt Musik eine gleichberechtigte Hauptrolle im Programm. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

Gastspielort: Recklinghausen, Konrad Adenauer Platz
Gastspieldauer: 10. März bis 27. März 2011
Vorstellungen: Dienstag bis Samstag 20 Uhr
                      Mittwoch, Donnerstag, Samstag auch 15 Uhr
                      Sonntag 14 und 18 Uhr
Preise: 14 € bis 49 €
Kartenservice: www.roncalli-tickets.de und  an allen bekannten Vorverkaufsstellen

 

767 Will Rumi