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Rocker “leuchten” Weihnachten in Schwelm ein

[jpg] Meine Güte, sind die Schwelmer fix. Da waren wir doch erst vor 14 Tagen wegen der Weihnachtsbeleuchtung vor Ort und kündigten die Spendenaktion an und jetzt?

Britta Kruse, die Redakteurin der WAP, hat sich mit ihrem Mann kurz geschlossen,  der ein gestandener Rock-Musiker ist, und hat eine Rocknacht eingetütet.

Britta Kruse wollte damit mehr als nur über das Thema Weihnachtsbeleuchtung in ihrer Zeitung berichten, sie wollte als Schwelmerin nicht abseits stehen.

So werden die Bands:

  • "Smithy"
  • " Lazy Daisy "
  • "Scholle & the good old Boys"

im Ibach Haus Schwelm in dem Saal der Piano Manufaktur am 13. November 2010 um 20:00 Uhr auftreten. Der Kartenvorverkauf findet ab dem 15.Oktober bei der GSWS, Römerstraße 29, bei der wap, Hattinger Straße 43, bei art & trend, Kirchstraße 3 und bei Raidt’s Getränkehof an der Talstraße, statt. Kosten 13 Euro und an der Abendkasse eben halt 15,– Euro.

Zwischenstand 31.10.2010: 
Die Veranstaltung ist ausverkauft – evtl. noch Einzeltickets durch Rückgabe an der Abendkasse

Speis und Trank gibt es am Abend zu "volkstümlichen" Preisen. Da das Ibach Haus nur für 400 ( vielleicht auch mehr? )Gäste ausgelegt ist, sollte man sich sputen um an die begehrten Karten zu kommen. Es wird ein Benefitskonzert der drei Bands, die sich offensichtlich sehr gut verstehen; denn wenn es um Schwelm geht, wollen sie auf jeden Fall mitmachen. Es geht um die Finanzierung der Weihnachtsbeleuchtung in der Schwelmer Innenstadt, die noch nicht zur Gänze gedeckt ist.

       
     

Und so fanden sich alle Beteiligten: Claudia Lipka, Ibach Haus Piano Manufaktur GmbH, Peter Gastreich und Georg Jacobi, Scholle & the good old boys und Oliver Maikranz von Smithy ein um auch im Namen von Lazy Daisy unendgeldlich das Benifizkonzert auszurichten.

Es soll eine heiße Nacht werden, die Bands werden jeweils eine Stunde auftreten. Vorgesehen ist evtl. auch eine Session in der man gemeinsam auftritt. Angelegt ist das einmalige Konzert als "Open End" Konzert. Es wird gerockt bis der Arzt kommt. Man darf also gespannt sein, wann derLetzte das Haus verlässt.

Im Vordergrund soll die Freude am rocken sein um den Anwesenden einen unvergesslichen Abend zu bereiten. Wann gibt es so was schon mal – drei beliebte Bands auf einen Schlag, die so noch nie auftraten.

So fand der Aufruf, sich für die Finanzierung der Weihnachtsbeleuchtung einzusetzen schon mehrfach eine Antwort; die Ossenkämper haben sich bereit erklärt ihre Einnahmen aus dem Trödelmarkt für die Weihnachtsbeleuchtung zu spenden. Und jetzt also das Benefitskonzert der drei Bands. Der Geschäftsführer der GSWS Tilo Kramer wusste auch schon zu berichten, dass es noch mehr Ideen zur Finanzierung gibt, die aber noch ausgewertet werden.

Für die Veranstaltung wünscht man sich noch Firmen die mit Bannerwerbung oder auch sonstigen PR Maßnahmen diese Veranstaltung unterstützen würden. Angedacht ist auch an dem Abend die alte Weihnachtsbeleuchtung zu versteigern, sicher ist das aber noch nicht.

Ohne Weihnachtsbeleuchtung kommt kein Christkind und auch kein Weihnachtsmann so Peter Gastreich mit einem strahlenden Gesicht. Recht hat er. Und im Übrigen betonten die anwesenden Musiker, dass sie sehr gut miteinander auskommen und deshalb auch gute Musik zusammen machen können. Überhaupt haben sich alle drei Bands in der Vergangenheit mit ihren unterstützenden Auftritten, z. B. für das Schwelme Bad, immer für Schwelm eingesetzt. Insofern kann man sagen, es sind Schwelmer die für ihr Schwelm stehen.

Wenn das so in diesem atemberaubenden Tempo weitergeht dürfte die Finanzierung der Weihnachtsbeleuchtung wohl kein Problem sein. Also hurtig am Freitag, dem 15. Oktober die Karten besorgen, bevor keine mehr da sind.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm

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Weihnachten soll es in Schwelm heller leuchten

[jpg] Man muss sich erst einmal daran gewöhnen. Die Kommunen können viele, viele Aufgaben nicht mehr finanzieren. Zuviel hat der Bund und das Land den Kommunen aufgebürdet ohne Gegenfinanzierung.  Es sind die Pflichtaufgaben die den Stadtsäckel über Gebühr belasten, da bleibt für die so genannten freiwilligen Leistungen kein Cent mehr übrig.

In der Düsseldorfer Staatskanzlei hatten sich auch 27 Kommunen und Landkreise eingefunden um mit der neuen Landesregierung eine Lösungsmöglichkeit zu erörtern ( EN-Mosaik berichtete ). Nur das wird dauern; denn die Kommunen sind das schwächste Glied in unserem föderalen System.

Selbsthilfe ist angesagt und zwar Selbsthilfe der Bewohner und Bürger einer Stadt. In diesem Fall ist der Bürgermeister einer Stadt wie Schwelm in die Situation des Moderators aufgerufen. Und so steht Schwelm vor der Situation, dass die Weihnachtsbeleuchtung in die Jahre gekommen, die Installation zu teuer, damit nicht mehr finanzierbar ist.

      
 

 v.l.n.r. Bürgermeister Jochen Stobbe, Daniela Weithe WGS und Tilo Kramer GSWS mit einem Plakat des in den nächsten Tagen an alle Schwelmer Bürger in kleinerem Format zugehenden Flyer zum Spendenaufruf und einem Musterstern der Weihnachtsbeleuchtung, wobei jede Sternzacke eine Möglichkeit der Beleuchtung anbietet.      Foto: © Linde Arndt

 

Bürgermeister Jochen Stobbe, Tilo Kramer GSWS (Gesellschaft für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung Schwelm) sowie Daniela Weithe WGS (Werbegemeinschaft Schwelm) luden ins Rathaus ein um die Schwelmer aufzurufen sich an der Finanzierung der diesjährigen neuen Weihnachtsbeleuchtung zu beteiligen. Bürgermeister Stobbe stellte unumwunden fest, dass die Weihnachtsbeleuchtung keine städtische Aufgabe ist und auf Grund der Haushaltssituation auch nicht sein kann. Stobbe machte aber auch klar, das er alles in seiner Macht mögliche dafür tun würde, dass es eine Weihnachtsbeleuchtung in Schwelm geben werde.

In einer ersten Sammelaktion mit Bürgermeister Stobbe kamen schon einmal 500,– Euro zusammen. Kalkuliert werden jedoch 60.000,– Euro. Denn es müssen neue Sparlampen und Hausanschlüsse her, damit dadurch die Kosten gedrückt werden können. Durch die neuen Anschlüsse müssen zukünftig nicht mehr die weiten Kabel verlegt werden. Zukünftig werden die Elemente einfach in der Weihnachtszeit in die Anschlüsse eingesteckt, was sehr viel Zeit und damit Kosten spart. Abgesehen davon, dass die alten Elemente alle marode sind und damit ein denkbar schlechtes Bild auf die Schwelmer Innenstadt werfen würde.

Aus diesem Grunde rufen Bürgermeister Stobbe, Tilo Kramer (GSWS) und DanielaWeithe (WGS) die Schwelmer zu Spenden auf. Schwelmer sind schon immer in ihrem nachbarschaftlichem Bestreben bereit gewesen besondere Leistungen für ihre Stadt zu erbringen. So wird in den nächsten Tagen jeder Haushalt eine Karte in seinem Briefkasten vorfinden auf welcher jeder den Spendenbetrag für seine und damit für Schwelm Weihnachtsbeleuchtung eintragen kann. Selbstverständlich wird eine Spendenquittung , die steuerlich absetzbar ist, bei Bedarf erstellt. Abgewickelt werden die Spenden über den

Förderverein Pro Schwelm e. V.
Kennwort: Weihnachtsbeleuchtung
Sparkasse Schwelm
BLZ 454 515 55
Konto Nr.: 39701

Damit Weihnachten das Licht brennt, sollten Sie es mit dieser Spende  zum Leuchten bringen.

Falls Sie Fragen haben können Sie den Bürgermeister unter der Telefonnummer 02336/801-200 oder der email Adresse buergermeister@schwelm.de

oder

den Geschäftsführer der GSWS Tilo Kramer unter der Telefonnummer
02336/860370 oder der email Adresse info@gsws-schwelm.de

ansprechen.

Im Anschluss an diese Spendenaktion werden die Spender in einer öffentlichen Liste veröffentlicht. Falls keine Veröffentlichung gewünscht bitte vermerken, kein Problem.

Was bleibt?

In den vergangenen Jahren konnte man zunehmend beobachten, dass immer mehr private Weihnachtsbeleuchtungen an oder um die Häuser installiert wurden. Dies machte auch in den einzelnen Vierteln ein wunderschönes individuelles Bild. Wenn nun der einzelnen die eine oder andere Lichterkette durch eine Spende für dieses Projekt ersetzen würde, so würde die Innenstadt genauso in hellem Glanze erscheinen wie das eigene Haus. Das Warme dieser Beleuchtung würde sich bei einem Bummel in der Innenstadt positiv auswirken. Denn eines ist sicher. Schwelm gehört den Schwelmern welche für ihre Stadt auch in diesem Falle einstehen werden.
Wie gesagt, wir müssen uns alle daran gewöhnen, dass wir unsere Dinge selber machen müssen.

 

Es wurde aber noch eine zusätzliche Lösung angedacht. Wenn ein Privatmann oder Verein ggf. daran interessiert ist, einen Teil der alten Weihnachtsbeleuchtung zu erstehen, dann wird auch über diese Veräusserung nachgedacht. Auch hier sind die folgenden Personen Ansprechpartner.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm

Herzen schlagen für Schwelmer Heimatfest, wohin man schaut

[la] So wie an diesem schönen Tag draußen die Sonne strahlte, so strahlten auch die Augen von Greta Lilli Sophie Nachtigall aus der Klasse 4 b von der Grundschule Westfalendamm.

Sie war als Siegerin des  Plakatwettbewerbes für das diesjährigen Heimatfest mit dem Motto "Use Hiärte schlött vö Schwelm" [Unser Herz schlägt für Schwelm] hervorgegangen und war somit Ehrengast bei dem gestrigen Empfang der Stadt im Sitzungssaal des Rathauses.

Und es waren so viele Ehrengäste zu diesem besonderen Anlass geladen, so dass nicht einmal ausreichend Stühle da waren. Da waren die Menschen der 13 Nachbarschaften, die mit unermüdlichem Engagement und Kreativität die Fäden für die Gestaltung des  Heimatfestumzug fest in der Hand haben. Gäste aus Politik,  Industrie und  Wirtschaft, Persönlichkeiten der Kirchen,  Sozialpfleger aus den einzelnen Bezirken und viele Helfer die für einen reibungslosen Ablauf der Festivitäten sorgten waren da.

Was aber besonders die herzliche Verbundenheit der Städtenachbarschaften zeigte war die Tatsache, dass nicht nur  Landrat Armin Brux mit Gattin, sondern auch  die Bürgermeister  Claus Jacobi (Gevelsberg), Willi Wiggenhagen (Ennepetal) und Klaus Baumann (Breckerfeld), sowie der ehemalige  Bürgermeister Jürgen Steinrücke (Schwelm)  mit ihren Gattinnen der Einladung gefolgt und zu diesem Festakt gekommen waren.

Ach ja und es gab noch einen "Neuen", den Castrop Rauxeler Bürgermeister Johannes Beisenherz mit seiner Gattin, der sich augenscheinlich mit dem Heimatfestvirus infiziert hat.

Seit ihrem letzten Besuch in Schwelm beim Ehepaar Aland [wir berichteten] ist dieser Kontakt aufrecht erhalten geblieben und so entsteht auch mit Castrop Rauxel eine herzliche Verbundenheit.

Ein ganz herzlicher Gruß von  Bürgermeister Jochen Stobbe galt dem Ehrenbürger der Stadt Schwelm –  Wilhelm Erfurt – der durch sein unermüdliches Engagement Schwelm schon bei vielen Projekten unterstützt und schon lange sein Herz für Schwelm gezeigt hat.

So auch beim Erhalt, bzw. Aufbau des Schwelmer Lesesaales, einer wahren Rarität hier im EN-Kreis und über diesen hinaus.
(Wir berichteten)

            
Wilhelm Erfurt
[Foto: Linde Arndt]

Für einen ganz besonderen Effekt hatte die Firma Bunzel gesorgt, die extra für die Ehrengäste 3D-Brillen gesponsert hatten. Nachdem jeder im Saal mit solch einem guten Teil bestückt war und die Brille aufgesetzt hatte, verwandelten sich die Lichter der Kronleuchter in einen Kranz strahlernder Herzen. Eine wirklich gelungene Überraschung.
                     
                                                                                                        Foto Linde Arndt entstand durch Vorhalten der 3D-Brille

Und dann wurde noch eine Auszeichnung vergeben, die Wilhelm-Vandage-Medaille für das Schwelmer Platt, die an den Vorsitzenden des Plattdeutschen Vereins Werner Burggräfe ging.
Aus diesem Verein gab sodann das Schwelmer Urgestein Anita Stiepermann in reinstem Schwelmer Platt kurzweiliges zum Besten.

   

Nun sorgte die französische Polizistin Christine Chergui für Heiterkeit im Saal.
Sie revanchierte sich für eine geschenkte deutsche Polizeimütze, die sie anlässlich des Besuches vom Polizeichef des Kreises vor einiger Zeit geschenkt bekam und  übergab Landrat Dr. Arnim Brux als obersten Polizeichef ihre Dienstjacke, die sie als Polizeianwärterin getragen hatte.

Dr.Arnim Brux war sichtlich gerührt, zog die Jacke an,  die ein wenig zu klein war und umarmte Christine Chergui, wobei er ihr versprach sich für dieses Geschenk zu revanchieren.

      

Und dann ging noch die Begrüßung von Bürgermeister Stobbe auf französisch an seinen Amtskollegen der Stadt Fourqueux, Daniel Level und die anwesenden französischen Bürger ein wenig  holprig aber nicht ungeschickt über die Bühne.

Daniel Level antwortet mit einer Grußadresse in Deutsch – das erste mal in seinem Leben – wie er betonte. Ich denke beide Bürgermeister sollten die jeweils andere Sprache etwas vertiefen. Wie sollen nur die berühmten vier Augen Gespräche über die Bühne gehen? Daniel Level wusste mit seinen Worten die Gäste des Bürgermeisterempfangs zu berühren. Beide Redner wurden mit lang anhaltendem Beifall bedacht.

Dann wurden aber schon einige unruhig, die Zeit war gekommen, die anwesenden Nachbarn mussten zu ihren Wagen. Bürgermeister Stobbe eröffnete kurzerhand das Buffett  und eilte mit seinem Anzug aus dem Saal. Fünf Minuten später kam er nochmals rein, nunmehr schon mit dem blauen Nachbarschaftskittel versehen. Er musste ja mit Christiane Sator, der Obernachbarin den Führungswagen besetzen. Es war Zeit.

 

Linde Arndt für EN-Mosaik aus Schwelm


Über den Heimatfestumzug wird unsere Redaktion noch an anderer Stelle berichten.

Hier noch einige Fotos des Empfangs (© Linde Arndt)

 

Ein Familientreffen in Schwelm

[jpg] Integration ist für mich ein Begriff dessen Inhalt etwas beschreiben soll und doch nicht beschreiben kann. Für mich bedeutet es, ich bin angekommen. So wie wenn ich zu Freunden und Bekannten komme und ich mich in diesem Kreise wohl fühle.

So gestaltete sich auch die einmal im Jahr stattfindende Ausstellung des Koordinierungskreises ausländischer Mitbürger, kurz "KAMS" genannt, am 09. Juli 2010 im Schloss Martfeld.

Elisabeth Christoforidou, Kayi Schlücker im Hintergrund Saraswati Albano-Müller Zbigniew Pluszynski war als Künstler gewonnen worden, der seine umfangreichen ausgesuchten Porträtfotografien zur Ausstellung brachte. Nebenbei hatte er auch  viele der Schwelmer Bürger porträtiert, die auch einen anderen Kulturhintergrund haben und fügte sie in die  Reihe der Schwelmer Mitbürger ein.

Bürgermeister Stobbe betonte auch den familiären Charakter dieses jährlichen Kulturenfestes, welches in Schwelm einen festen Platz im Alltag der Stadt hat. So ist es in Schwelm längst kein Fremdeln mehr, sondern ein Freuen, dass man wieder etwas von dem/den anderen Schwelmer MitbürgerInnen erfahren darf.

Es war der Pressesprecherin der Stadt Schwelm,  Heike Rudolph, vorbehalten, die Einführungsrede bezüglich der Porträtausstellung von  Zbigniew Pluszynski als auch der Porträtierten zu halten.

Das war eine Rede, die sowohl den Fotografen Zbigniew Pluszynski als auch die Porträtierten feinfühlig beschrieb. Es war so als wenn die Porträts von Heike Rudolph selber hätten angefertigt worden wären. Aufgrund dieser Feinfühligkeit fiel es ihr nicht schwer, so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Saraswati Albano-Müller, Jochen Stobbe, Kayi Schlücker oder Wilhelm Friedrich Erfurt aus den Porträts zu skizzieren. Wobei Skizze ist das richtige Wort, denn Persönlichkeiten wie die Anwesenden haben so viele Facetten, dass es sicher ein ganzes Leben bedarf um diese auch in Gänze zu erfassen.

Gerade die Porträtfotografie lebt von dieser Feinfühligkeit mit der sich der Fotograf dem Porträtierten nähern muss um nur annähernd ein akzeptables Bild zu bekommen. Da spielt der Dialog zwischen dem Fotografen und dem Porträtierten eine herausragende Rolle. Beide müssen sich auf gewisse Nähe einlassen. Beide müssen bestimmte Schranken der Intimität akzeptieren. Kurz, es ist eine gewisse Vertrauensbasis die sich dort herausbildet und die auch beide trägt. Und da wären wir bei dem Begriff Integration, der für mich zu technisch oder zu formal etwas beschreibt, was viel tiefer liegt. Vertrauen ist ein Begriff, der das Zusammenleben zwischen den Kulturen erfassen sollte. Dieses Vertrauen findet man auch immer wieder bei Feierlichkeiten, wo Gäste auf einen Gastgeber treffen. Dort herrscht noch dieses Urvertrauen. Und Urvertrauen ist dort manifestiert wo beide Parteien oder Personen sein dürfen wie sie sind. Und zu sein wie man ist, ist doch das was wir alle wollen – nicht mehr und nicht weniger.

Ich denke Bürgermeister Stobbe hat es richtig erfasst, als er sagte, "hier ist doch mehr oder weniger ein Familientreffen". Und wer fühlt sich nicht gerade im Schoße der Familie wohl.

Im weiteren Verlaufe fanden noch viele gute Gespräche zwischen den Teilnehmer statt, die selbst mich ohne Probleme mit einbezogen hatten. Die Gruppe "Benrof" aus Solingen rundete das Ganze mit ihrem Gesang ab. Jazz und Soul war angesagt und brachte eine außergewöhnliche Stimmqualität der Sängerin zu Tage.

Bis zum nächsten Jahr, wenn es in Schwelm heißt, die Familie trifft sich wieder zu einer Ausstellung im Schloss Martfeld.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm

 

Schwelmer Schätze – erstrahlen im neuen Martfelder Lesesaal

[jpg] Schwelm hat zwar keinen Codex Manesse, eine Liederhandschrift aus dem 13 Jahrhundert, aber immerhin schlummerten in den Archiven Bücher, die teilweise über 200 Jahre alt sind, die mehr schlecht als recht untergebracht waren.

Nun hätte man sagen können, was soll es und sicher hätte sich kaum einer beschwert, wenn die Bücher irgendwann entsorgt worden wären. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit, wo die Kultur oft eine untergeordnete Rolle spielt, wäre das also nicht verwunderlich gewesen.

Warum also Bücher erhalten und darüber hinaus noch dem Bürger zugänglich machen?
Bücher sind unser aller kollektives Gedächtnis in einer Gemeinde –  ebenso wie in einem Land wie Deutschland. Bücher  beantworten die Fragen,  die sich, ob bewusst oder unbewusst, alle immer wieder einmal stellen: Wo kommen wir her, also die Vergangenheit, wie sind wir hierhin gekommen, also die Gegenwart und wo wollen wir hin, also die Zukunft. Ohne Vergangenheit könnte der Mensch die Zukunft niemals oder nur unzureichend gestalten.

Sie dokumentieren die Bemühungen der Menschheit eine über alles gehende einmalige Identifikation einzunehmen. Ohne diese Aufzeichnungen, aber auch ohne Kultur, wären wir ein Nichts. Das gilt für das Lokale über das Nationale bis hin zu der globalen Identität. Und weil das so ist, können wir uns heute wie selbstverständlich diese Frage, wer wir sind was wir sind, stellen und können uns auch dadurch richtig einordnen.

Die überall, so auch in Schwelm, angespannte Finanzsituation bringt die Städte aber dazu den kulturellen Bereich einer Kommune Streichungen auszusetzen. Die Förderung der Wirtschaft, die mit ihren Steuern erst die Einnahmen einer Kommune erbringen, war a priori wichtiger. Aber auf der anderen Seite erwuchsen den Kommunen immer mehr Ausgaben in den sozialen Bereichen. Prioritäten mussten gesetzt werden, die die Kultur nur unzureichend berücksichtigte.

Aber  Kultur ist ein Transmissionsriemen der eine Gesellschaft überhaupt zusammen hält  und befördert – und das ist das Wesentliche. Und zwar Kultur im Sinne von Kant, der in der Kultur auch die Ethik verankert sah. Und diese Ethik nimmt uns alle in die Pflicht, den Politiker wie auch den Wirtschaftler. Sie verbindet aber auch, sie ist quasi der Klebstoff in der Gesellschaft. Und dieser Verantwortung sahen sich in den Jahren immer Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft verpflichtet. So sprang die Wirtschaft in Zeiten des Niedergangs von Kultur immer wieder ein um das kulturelle Erbe nicht der Vergessenheit zu überlassen.

1998 sah sich die Erfurt Stiftung durch Wilhelm Friedrich Erfurt mit Freude in der Pflicht das in einem desolaten Zustand befindliche Archiv der Stadt Schwelm zu retten. Wilhelm Friedrich Erfurt trat an den damaligen Bürgermeister Döring heran und schlug ihm vor, den vorhanden Bestand in einem angemessenen Zustand dem Schwelmer Bürger zugänglich zu machen. Bürgermeister Döring gab diesem Gedanken eine Zusage und Wilhelm Friedrich Erfurt hatte freie Fahrt. Herr Erfurt holte sich Dr. Wolfgang Fenner und Ursula Albel und versicherte sich ihrer Mithilfe. Es war ein schweres Stück Arbeit die 1.800 Titel respektive 2.500 Bände zu katalogisieren. Grundstock war der Bestand des ehemaligen Heimatvereins, welcher der Stadt Schwelm Mitte des vorigen Jahrhunderts übergeben worden war.

Der Heimatverein sammelte überwiegend Bücher  der Schwelmer Alltagsgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts. Dann gab es noch eine Sammlung des ehemaligen Konrektors des Märkischen Gymnasiums, Heinrich Holthaus, aus dem späten 19. Jahrhundert. Holthaus war ein Sammler par excellence vor dessen Sammelleidenschaft kein Buch sicher war. Atlanten, Folieanten und sogar eine alte Luther Bibel aus dem Jahre 1739 des Herzogs Ernst von Sachsen, Jülich, Kleve und Berg, ein Schmuckstück für jede Stadt. Diese Bibel ist reichhaltig verziert und mit einem ausgesucht künstlerisch wertvollen Bucheinband versehen.
   

2003 war es soweit, die Katalogisierung und Restaurierungsarbeiten der Bücher waren in etwa fertig. Wilhelm Friedrich Erfurt war jedoch noch nicht damit zufrieden. Er wollte diese Schätze für Jedermann zugänglich machen. Was nützen diese Bücher, wenn sie dem Schwelmer Bürger und anderen Interessierten nicht zur Verfügung standen. Ein Lesesaal war die einzige Möglichkeit. Anfang 2007 gab der Kulturausschuss der Stadt Schwelm sein ok für diese weitergehenden Aufgaben. Die Räumlichkeiten wurden im Schloss Martfeld verortet. Hier musste aber erst einmal die Haustechnik angepasst werden. Rauchmelder, neue Elektroleitungen, Heizung wurden auf den neusten Stand gebracht.

2009 suchte man sich einen weiteren Partner, die Firma Hüls in Schwelm, die den Büchern das notwendige Ambiente erbringen sollte. Es wurde ein heller und freundlicher Raum mit Schränken und Vitrinen in denen die alten Bücher wie Edelsteine zur Geltung kommen.
Man merkte Wilhelm Friedrich Erfurt schon den Stolz und die Freude für das Erreichte an und jetzt, so Wilhelm Friedrich Erfurt, jetzt sollen die Bürger ihre neue Bibliothek auch alle nutzen. Denn nur dafür habe er diese 12 Jahre auf sich genommen. "Was lange währt, wird endlich gut", so Erfurt.
                   

Bürgermeister Stobbe freute sich über dieses Geschenk für die Stadt als auch persönlich. 12 Jahre Zeit für diese Arbeit sind sicherlich zukünftig etwas zu verkürzen, wenn es gilt, dass eine Stadt solch eine Arbeit zumindest unterstützt. Es sollte jedoch von Seiten der Stadt nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden, was die Erfurt Stiftung der Stadt zukommen ließ. Zuerst die Restaurierung des Haferkastens und jetzt dies. Wir sind Stolz in unseren Stadtmauern solch ein engagiertes und selbstloses Handeln zu sehen. Und es gebührt der Erfurtstiftung unsere tiefsten Dankbarkeit.

Dr. Wolfgang Fenner und Ursula Albel, die sich dieser Aufgabe in den vergangenen Jahren so widmeten,  schilderten von der Freude, die ihnen die Katalogisierung dieser alten Werke bereitete.

  Was kann es da Schöneres für jeden der Beiden geben als einen guten alten Wein zu bekommen, der eine reizende Analogie zu den alten Büchern darstellt.

Dr. Fenner übergab Wilhelm Friedrich Erfurt das erste Belegexemplar des Kataloges der Bibliothek.

 
         

Martin Siepmann von der Geschäftsführung der Firma Hüls fand, dass der von seiner Firma mit stilvollen Möbeln in  schlichtem doch durchaus edlen Ambiente erstellte Lesesaal  eine gelungene Symbiose zwischen den alten Büchern und dem neuen hellen Lesesaal darstellt.

Bürgermeister Stobbe erinnert zum Schluss noch daran, dass hier dem Bürger seine Wurzeln sichtbar werden." Das Geschenk was wir hier bekommen haben, sollten wir immer würdigen."

 

              

Nachbemerkung:

Es war eine freundliche Gesellschaft die sich in den Räumen des alten Wasserschlosses Martfeld einfand. Es war eine Stimmung wie bei einem guten gelungenen Fest, wo jeder jeden anlächelt um zu sagen: Ist es nicht ein schöner Tag und ein schöner Anlass?
Und es sind helle freundliche Räume, die geradezu einladen den Katalog in die Hand zu nehmen um sich auf eine Spurensuche zu begeben. Alleine die Buchbinderarbeiten der Bücher bringen jeden Bücherfreund zum schwärmen. Ich durfte ein paar Zeilen der ausgestellten Lutherbibel lesen. Es ist schon etwas besonderes, wenn man nach der Elberfelder Bibel aufgezogen wurde und die sprachlich ganz andere Lutherbibel liest. Man kann es sprachlich einem anderen Menschen nicht so leicht vermitteln, was der Wandel der Sprache in der Kultur bedeutet.

Es ist ein anderer Wertekanon, den die damalige Gesellschaft hatte und der einem durch das Lesen dieser alten Bücher vermittelt wird. Was der Lesesaal auch begünstigt, ist die Ruhe und Geborgenheit die einen umhüllt um sich den Büchern zu widmen. Und so haben die Worte von Karl Ernst Osthaus ihre Bedeutung auch in diesem Lesesaal erlangt: Wandel durch Kultur-Kultur durch Wandel. Dies wird in den zur Verfügung gestellten Büchern nachhaltig sichtbar. Das moderne Schwelm von heute wäre undenkbar, wenn es nicht das Schwelm vor 200 Jahren gegeben hätte – in den Alltagsgeschichten des damaligen Schwelm nachzulesen.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm

Hier noch einige Impressionen von der Eröffnung des Lesesaales im Schloss Martfeld.

(Fotos: Linde Arndt)

 

Kippen, Pappen, Radkappen: Schwelm bei 36 Grad gesäubert Bürger packten auf “1. Schwelmer Putztag” tüchtig an

"Schwelm hat sich heraus geputzt". Und das Ergebnis sind zwölf stramme Säcke
voller Abfall, die Klaus Lisardo Machtenberg (TBS) am Samstag dort einsammelte, wo tüchtige Schwelmer Bürger sie nach der Reinigung ihrer Stadt abgestellt hatten.

3. Juli, Wilhelmplatz, schon 28 Grad am Vormittag, die Frisuren sitzen längst nicht mehr. Circa 15 Bürgerinnen und Bürger, der Jüngste 7 Jahre alt, besprechen die Aufteilung der Gruppen und die Straßen und Bereiche, die auf dem 1. Schwelmer Putztag gesäubert werden sollen. Man beginnt an den Endpunkten und arbeitet sich sternförmig auf den Bürgerplatz zu.

Die Technischen Betriebe haben Schaufeln und Säcke zur Verfügung gestellt, die Firma OBI Handschuhe, Müllgreifer, Besen und Kehrschaufeln. Die Teilnehmer ziehen sich Warnwesten über, und dann geht  es bei ständig steigenden Temperaturen an die Arbeit.

In den folgenden drei, vier Stunden werden ungezählte Zigarettenkippen- und packungen, Bonbonpapiere und Taschentücher sowie Plastikumhüllungen von Süßigkeiten und leere Getränkepackungen zusammengekehrt und aufgelesen. Hier und da gilt es, eine einsame Flasche Sekt oder Bier einzusammeln, und immer wieder müssen Glassplitter zusammengefegt werden. Besonderheiten wie eine Radkappe in einer Grünanlage vervollständigen das Repertoire. Gefegt werden Gehwege und Straßenrinnen, gesäubert werden Grünareale. Da auch Unkraut unsehnlich aussieht, wenn es aus Ritzen und Fugen sprießt, greift eine Teilnehmerin zum Brenner, der das Ausrupfen des struppigen Gewächses überflüssig macht.

                  

Mit einer schöne Geste wartet der Inhaber der Balkan-Spezialitäten in der Schulstraße auf, als die Bahnhofstruppe sich an seinem Geschäft vorbeiarbeitet. Er winkt die Putzer heran und verwöhnt sie auf einem kurzen Zwischenstopp mit erfrischenden Melonenscheiben.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich am Ende auf dem Bürgerplatz, wo kühle Getränke und ein Ranft-Würstchen als Belohnung warten. Und alle betonen: Das war eine großartige Sache. Es lohnt sich, wenn der einzelne für seine Stadt mit anfasst. Man reicht sich die verschwitzten Hände; ein heiteres Gemeinschaftsgefühl greift um sich. Und wirklich: Schön sieht es aus!

Die Idee zu "Schwelm putzt sich heraus" war auf dem "1. Schwelmer Stadtgespräch" entstanden, zu dem Bürgermeister Stobbe im Mai in die Stadtparkasse eingeladen hatte. Vier Themen hatten sich auf diesem spannenden Bürgerabend als besonders dringlich für Schwelm erwiesen: Die Sauberkeit, ein gefälligeres Entree für die Stadt (Kreisel am Ochsenkamp), die Weihnachtsbeleuchtung und harmonischer abgestimmte Öffnungszeiten des Einzelhandels.

Zu allen Themen waren noch am "Stadtgesprächs"-Abend Arbeitsgruppen gebildet worden. Denn dem Bürgermeister wie den Teilnehmern liegt die zügige Umsetzung der Themen am Herzen. Mit "Schwelm putzt sich heraus", das zur festen Einrichtung werden soll, ist der erste Schritt getan.

Schwelm, den 6. Juli 2010 

 

Castrop-Rauxel meets Schwelm – So werden Netze geknüpft

[la] Es hatte schlicht und einfach begonnen.

In Castrop-Rauxel gibt es  den berühmten "Geierabend", eine  open air Kultveranstaltung, um deren Teilnahme sich viele Menschen über Jahre vergeblich bemühen. So war es auch bei Gerd und Brigitte Aland,  die durch Zufall, oder Schicksal nun doch in die glückliche Lage versetzt wurden, hierfür  endlich einmal Karten zu ergattern – und das auf recht kuriose Art. Im Rahmen eines scherzhaften Quiz beantworteten sie eine Frage und gewannen eine Reise nach Castrop-Rauxel, die ebenfalls eher scherzhafter Natur war: nämlich eine Stadtrundfahrt mit einem Kurzstrecken-Ticket.

Aber das war nicht im Sinne von  Castrop-Rauxels Stadtoberhaupt,  Bürgermeister Johannes Beisenherz (SPD), der die Meinung vertrat,   das alleine reiche nicht. Und so lud er die Schwelmer kurzentschlossen zu einem ausführlichen Besuch der Stadt ein, wovon Familie Aland sehr angetan war. So sehr, dass sie beschlossen, sich dafür zu revanchieren und Johannes Beisenherz mit seiner Frau Dorothea zu einem Gegenbesuch in das schöne Schwelm einzuladen. Und um dieses Treffen noch spannender zu gestalten, baten sie auch ihren Bürgermeister Jochen Stobbe (SPD) und seine Frau Carina, sich diesem Treffen anzuschließen.

So hat es sich wieder einmal passend zum Kulturhauptstadtjahr 2010 gezeigt, wie einfach partnerschaftliche Netze geknüpft werden können, wenn nur die Idee und die Bereitschaft hierzu vorhanden sind.

                     

Pünktlich um 14:00 Uhr traf Bürgermeister Johannes Beisenherz mit seiner Frau Dorothea bei Familie Aland in Schwelm ein.
            


Nach einer herzlichen Begrüßung überreichte Johannes Beisenherz Brigitte Aland ein liebevoll zusammengestelltes Präsent mit Produkten fair gehandelter Waren mit den Worten:
"Statt Blumen für die Dame etwas Besonderes von Castrop-Rauxel, denn wir sind Fairtrade-Town.
[Castrop-Rauxel , bekennt sich zum Fairen Handel, mit dem Beschluss gegen ausbeuterische Kinderarbeit, dem fairen Einkaufsflyer, der Aktion "Castrop-Rauxel trinkt fair" und der Unterschrift unter die Magna Charta 2010 sowie der jährlichen Veranstaltungsreihe "Faire Woche" , s. auch Kampagne Fairtrade Towns]

Frau Aland verstaute das Präsent rasch im Wohnzimmer, denn jetzt sollte ja die Besichtigung markanter Punkte Schwelms erfolgen.

Beim Verlassen des Hauses fiel Familie Beisenherz direkt die Fußmatte ins Auge, die den Namen des Gastgeberpaares trägt.

Gerd Aland wußte daraufhin zu berichten, dass diese Matte immer viel Beachtung fänd und sie auch ganz stolz seien, hier einen Teppichhersteller gefunden zu haben, der sehr ausgefallene Dinge möglich macht.

 

Man machte sich jetzt auf den Weg zum Schwelmer Gymnasium, wo Familie Aland und die Gäste aus Castrop-Rauxel bereits erwartet wurden. Bürgermeister Jochen Stobbe bat um Verständnis, dass seine Frau Carina, die sehr gerne an dem gemeinsamen Treffen teilgenommen hätte nun doch nicht mitkommen konnte, weil "Stobbinchen" [Anmerkung d. Red. :so nennen wir von EN-Mosaik den kleinen Sonnenschein der Familie Stobbe ] im Augenblick  Probleme hatte.

             

Nun plante man die weiteren Besichtigungspunkte der kleinen Schwelm-Erkundungstour und auf ging es.

Wir haben hier einmal eine kleine Bildfolge zusammengestellt, die jeweils mit den Sehenswürdigkeiten oder Situationen betitelt sind. Auf jeden Fall waren die Gäste aus Castrop-Rauxel hell begeistert und ich denke, das wird bestimmt nicht die letzte Zusammenkunft gewesen sein, denn die angeregten Gespräche und der Austausch von Gedanken die beide Städte betrafen, haben auf beiden Seiten viel Anklang gefunden und es war schön zu sehen, wie wertvoll dieser Besuch für alle Beteiligten war.

Und wieder komme ich zu dem Slogan von RUHR2010, wo es heisst:

"Jede Vision braucht Menschen, die an sie glauben"

Auch hier war zunächst eine Idee, die tatkräftig Wirklichkeit wurde.

Danke Familie Aland, danke Ehepaare Beisenherz und Stobbe. Gut, wer Netze zu knüpfen weiss und den globalen Gedanken begreift.

Hier noch einige Schnappschüsse der Tour [Fotos: Linde Arndt]

 

Linde Arndt für EN-Mosaik aus Schwelm

 

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Was können wir für unsere Stadt Schwelm tun?

 

[jpg] Unter diesem Gedanken hatten sich rund 80 Händler, Dienstleister und Hauseigentümer in dem Veranstaltungsraum der Stadtsparkasse auf Einladung (wir berichteten darüber) von Bürgermeister Jochen Stobbe eingefunden.

Es sollte der erste aber nicht letzte Dialog werden, welcher als Stadtgespräch zwischen den Geschäftsleuten und dem ersten Bürger der Stadt, dem Bürgermeister  stattfinden sollte.

"Die Frage: Wie viel Geld die Stadt hat erübrigt sich, denn wir haben keines", so Bürgermeister Stobbe. "Nur trotz des schwierigen finanziellen Umfeldes der Stadt, sollten wir uns alle auf unsere Kräfte besinnen, um für die Stadt etwas zu tun.

Und da sollte man doch zuerst etwas nehmen, was eben kein Geld kostet, und zwar was müssen wir tun, um von einem Ich-Schwelmer zu einem Wir-Schwelmer zu kommen?"

 

So eröffnete der Bürgermeister das Gespräch. Stichwortmäßig brachte er sodann die Themen:

  • Stadteingänge, das bedeutet, wie sieht es aus, wenn wir von auswärts nach Schwelm kommen.
  • Die Sauberkeit der Innenstädte,
  • gemeinsame Öffnungszeiten des Einzelhandels,
  • Welche Leistungen fehlen oder können wir bündeln oder auch
  • die Leerstandproblematik. Und weiter denkend,
  • wie entwickeln wir unsere Innenstadt.

Aus einer Idee, könnte im Dialog ein Konzept werden. Wenn wir hier unsere Ideen einbringen oder auch nicht, wird evtl. ein Anderer diese Idee weiterentwickeln.

Es wurden viele Ideen eingebracht, die die Pressesprecherin Heike Rudolph auf Stickys notierte und an die Pinnwand heftete. Zum Schluß waren es so an die 60 Ideen.

Nach einer kurzen Weile stellte Bürgermeister Stobbe fest: "Wir haben bisher untereinander ein Informationsdefizit, die Kommunikation funktioniert nicht einwandfrei. Da arbeitet der Verein "Pro Schwelm" oder das Stadtmarketing  mit mehreren Arbeitsgruppen, jedoch nur ein begrenzter Personenkreis weiß davon. Auch die Servicestelle "Ehrenamt", wo sich Bürger einbinden können, hat noch einen relativ geringen Bekanntheitsgrad."

Und weiter sollte man die Stärken stärken und dieses auch hervorheben. Der Internetauftritt Schwelm. de sollte weiterentwickelt werden und die einzelnen Geschäfte und Branchen verlinken.

Oder man sollte einen zentralen Infopoint  einrichten, der umfassend über die Stadt und deren Möglichkeiten informiert.

Herr Hüls monierte das Verhalten vieler Schwelmer (auch Einzelhändler) die von ihrer Stadt  immer mal wieder sagen hier gäbe es ja nichts. Denn wenn es  in Schwelm etwas nicht geben würde, so wäre es doch eine Herausforderung für die Geschäftsleute gerade das aufzunehmen, denn würde sich ein Investor in diese Marktlücke begeben, wären wohl auch  dementsprechende Umsätze zu generieren.

Auch das Thema Weihnachtsbeleuchtung kam auf. Die Weihnachtsbeleuchtung ist in die Jahre gekommen und es müsste eine neue angeschafft werden. Die nicht unerheblichen Investitionen sollten von allen Schwelmern getragen werden. Es bieten sich hier private Initiativen an mit denen neue Wege gegangen werden könnten. Spenden könnten über den Pro Schwelm Verein steuermindernd gebucht werden. Bürgermeister Stobbe stellte fest, dass die Stadt direkt oder indirekt 30.000 Euro in die Weihnachtsbeleuchtung steckt. Im Moment wird der Innenstadtbereich technisch für die Weihnachtsbeleuchtung vorbereitet.

Herr Bruder von der AVU schlug statt der derzeitigen Weihnachtsbeleuchtung eine Dauerbeleuchtung vor, die sich je nach Jahreszeit ändere.
Weiter schlug Herr Bruder vor, nicht nur "Schwelm für Schwelmer" sondern  auch für Auswärtige werblich aufzubereiten. Die Frage wäre jedoch, wie man zu dieser Botschaft käme.

Kritisch wurde angemerkt, dass es schon Gespräche gab, die hierin angemerkten Ideen wurden jedoch bisher nie umgesetzt.
Auch in den Meldungen der Einzelnen sollte eine Änderung stattfinden. Wenn man eine Idee besser befördern will, sollte man sich als Ideengeber zuerst einbinden, indem man sich mit, Ich werde……., meldet. Jürgen Reschop reklamierte fehlende Ladenflächen im Innenstadtbereich, die vorhandenen sind teilweise zu klein. Hier sollte man Gespräche mit den Hauseigentümer führen. Worauf Bürgermeister Stobbe vorschlug auch Flächen von verschiedenen Eigentümern zusammen zu legen. In diesem Bereich besteht noch ein gewisser Gesprächsbedarf. Der bestehende Arbeitskreis "Wilhelmplatz" wird nicht wahrgenommen, hier sollte auch die Kommunikation verbessert werden.

              
Nach weiteren vielen, vielen Wortmeldungen und Ideen entschied man sich für folgende Themen, die man a priori anfassen will:

  • Sauberkeit. Hier soll evtl. ein Tag " Schwelm putzt sich" stattfinden
  • Gemeinsame und einheitliche Öffnungszeiten
  • Stadteinfalltore, Entwicklung von Konzepten der Präsentation incl. Finanzierung
  • Flächenentwicklungen, Zusammenlegungen und neue Flächen
  • Weihnachtsbeleuchtung, evtl. Neuanschaffung oder bestehende reparieren und installieren, Finanzierungsmöglichkeiten

Unter Stadteinfalltore wurde der Stadt für den Kreisverkehr Ochsenkamp ein Angebot überreicht, welches die Finanzierung des Kreises sichert. Hier müsste jedoch noch über die Erstellung und Pflege der Pflanzbeete und deren Finanzierung gesprochen werden.

Die Brunnenstrasse kann als gelungenes Stadteinfalltor angesehen werden, welches sehr einladend wirkt.
Die Hattingerstraße aber auch der DB Bahnhof sollte jedoch in seiner einladeten Wirkung verbessert werden.

 

Auch sollte man die Frage stellen: Wofür steht Schwelm? Hier steht man vor einem unscharfen Stadtbild.

Und weitergehend, was eint uns, welche identifikationsstiftende Merkmale benötigen wir oder haben wir schon.

Einzelne Quartiere, wie der Möllenkotten, sollten eine gemeinsame Präsentation anstreben, ähnlich dem Neumarkt. Bestehende Leerstände sollten durch Kunst aber auch durch Aktivitäten der Schulen belebt werden.

Die Pressesprecherin, Heike Rudolph, hatte mehrere Listen mit den Themen vorbereitet in welchen sich die interessierenden Personen eintragen konnten um dort mitzuwirken. Die Gespräche sollen im Juni 2010 fortgesetzt werden.

Wenn man bedenkt, dass sich Schwelm mit seinen starken Nachbarschaften immer durch besondere Leistungen hervorgetan hatte und einen sehr großen, über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Heimatfestzug, stemmen konnte, so sollten diese Stadtgespräche sicherlich zu einem guten Ergebnis führen. Die Probleme sind zu allererst, und das wurde angesprochen, in der Kommunikation und der Moderation zu suchen. Der Heimatfestbereich ist sehr stark vernetzt, und hat sich über die Jahre immer stärker vernetzt. Die Stadtgespräche müssen sich erst einmal die Vernetzung erarbeiten um letztendlich schlagkräftig zu werden. Stichwort wäre hier: Bündelung der Ressourcen.

Das Stadtgespräch kann zu einem guten Ergebnis kommen, denn nicht nur die Stadt ist im Boot, sondern auch die Stadtsparkassen und die AVU. Wir sind gespannt wie es weiter geht und meinen, nach Hermann Hesse: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne……", die Schwelmer werden sich diesem Zauber hin geben.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm

Local Hero, der Staffelstab ist in Schwelm übergeben worden

 

[jpg] Was in Dinslaken am 10. bis16. Januar 2010 im Anschluss an die Eröffnungsfeierlichkeiten in Essen  begann, kam jetzt auch nach Schwelm. 52 Wochen neue lokale Helden, "local Heroes", jetzt vom 21. bis 27.März 2010 in Schwelm.

Der Festakt zur Eröffnung  fand im Haus Martfeld, eines der Wahrzeichen der Stadt Schwelm, statt.

Es war wie bei einer großen Familie, die sich etwas Neues vornahm und darüber freute, dass es bestimmt eine  spannende Woche würde. Da waren die Kinder des Landrates und des Bürgermeisters ebenso integriert und interessiert wie alle anderen Gäste auch.  Wie es sich eben bei einer Familie gehört.  

                                      

Bürgermeister Stobbe fand, dass der durch die Kulturhauptstadt 2010 hervorgerufene Wandel ein Echo geworfen hat, welches nun in Schwelm angekommen ist. Schwelm ist Ruhrgebiet, ja, es könnte sich auch als dessen Wiege bezeichnen. "Local Hero" ist ein neuer Geist der alle im Ruhrgebiet einlädt, sich auf das zu besinnen,  was schon immer in einem selber vorhanden war und ist.

Sich der Stärken bewusst zu sein, sich ehrlich zu begegnen um den Aufbruch in eine andere Zeit zu organisieren. Der Prophet in der eigenen Stadt ist etwas wert, denn er hat ja was vorzuweisen. Das Neue ist, man ist nicht mehr alleine, man merkt,  man ist in einem Netz mit Gleichwertigen und Gleichartigen, welche die selben Probleme haben, die sich aber im Netz besser lösen lassen.

Schwelmer Bürger, wie der ehemalige Bundespräsident Gustav Heinemann, immerhin Mitglied der bekennenden Kirche, Johannes Kardinal Degenhardt, Franz Josef Degenhardt, ein Vetter des Kardinals, Rolf Rüssmann, ehemaliger Fussballnationalspieler und Wilhelm Erfurt der Ehrenbürger der Stadt Schwelm ist, haben mit ihrem guten Namen auch dazu beigetragen ein positives Image für Schwelm zu schaffen. Sie sind uns Vorbilder in unserer Stadt mit ihrem Wirken, wobei Wilhelm Erfurt in besonderer Weise der Stadt Schwelm verbunden ist, denn er war es der die Fäden mit seiner Stiftung im Zusammenhang mit Schloss Martfeld in die Hand nahm, so dass wir heute stolz auf dieses Schmuckstück blicken können.

Als Bonbon hatte die Stiftung den alten Haferkasten fachgerecht herrichten lassen.

Und jetzt diese Woche der "local Heroes", die Schwelm dazu aufruft sich ihrer tatsächlichen Kraft bewusst zu werden.

Eine Woche werden von vielen, vielen Helfern und Akteuren, bei denen er sich ausdrücklich bedankte, die lokalen Helden sichtbar werden. Es sind die Helden, wie z. B. die Kinder aus der Musikschule, die nebenan in der Sparkasse musizieren.

Auch hat es gezeigt der Impuls brachte uns den Nachbarstätten näher. So werden wir mit den Städten Sprockhövel, Gevelsberg und Ennepetal gemeinsam ein Kunsthighlight  " Kohle, Kühe, Kunst" erleben, hier wird ein Kunstevent entstehen, welcher der Kunst in der Natur einen Raum gibt. So Bürgermeister Jochen Stobbe.

Als Dank überreichte Bürgermeister Stobbe  dem anwesenden Wilhelm Erfurt einen  Strauß bunter Blumen.

                
     

    Programmdirektor der Ruhr2010 GmbH Jürgen Fischer erwiderte, dass aus den lokalen Helden, also "local Heroes", eine Bewegung geworden ist, die die kulturellen Welten der einzelnen Städte abbildet.

Rückbesinnend   war der Glaube an dieses Projekt gering, jetzt freuen sich die anderen Städte auf  "ihre Woche".

Er wünscht sich, dass diese Bewegung nicht nur auf 2010 beschränkt bleibt, sondern der Geist dieser Bewegung über das Jahr erhalten bleibt.

Schwelm ist ja noch im Projekt Schachtzeichen und  !Sing mit eingebunden, so Fischer.

Er wünschte den Schwelmern "Glück Auf"

     

Die !Sing Säule wurde nun eingeweiht, wobei der lokale Künstler Stefan Wiesbrock die Gäste eindrucksvoll zum Singen animierte. Alle Gäste sangen den Beatles Song Blackbird fly mit, der gleichzeitig von der !Sing Säule aufgenommen wurde. Diese steht nunmehr 1 Woche im Schloß Martfeld, jeder kann seinen Song vor dieser Säule aufnehmen. Diese Songs werden letztendlich zu einem gemeinsamen Lied vereinigt.

                         
Die vorgeführte Videopromotion von Bernd Henkel zeigte was Schwelm ausmacht, eine liebenswürdige Kleinstadt die mit ihrer Tradition auf einem Weg in die moderne Zeit ist. Die Nachbarschaften die den Zusammenhalt erkennen lassen aber auch die weltweit agierenden Firmen, sie alle begründen eine offene freundliche Stadt.

Die Museumsleiterin Cornelia Hackler betonte und reklamierte in ihrer Ansprache, dass hier in dieser Region die Ursprünge des heutigen föderalen Systems unserer Bundesrepublik sind. Denn durch die Ermordung von Engelbert I veränderte sich die politische Landschaft damals in diesem Gebiet, was bis heute anhält. Denn, so Frau Hackler, damals 1225 gab es nur einen namhaften Ort in der Gegend – Schwelm.

Der musikalische Rahmen dieses Festaktes wurde durch Nadia Weiser (Flügel) und Sophie Abels (Violine) und Stefan Wiesbrock (Gitarre) erbracht.
Gauckler, Ritter, Musikanten nebst einem Burgfräulein ganz in weiß, ergänzten und bereicherten die Eröffungsveranstaltung. Wobei die Pantomime des Burgfräuleins beim zweiten Hinsehen auffiel.

Ein Wermutstropfen muss man jedoch noch registrieren, der Wettergott hatte kein Einsehen, es gab "Schmuddelwetter", so dass sich die Besucherschar nach dem Festakt in überschaubaren Grenzen hielt.

Was bleibt?

In dieser Woche wird es noch viele, viele unterschiedliche Vorstellungen und Events in Schwelm geben, Mittelpunkte werden Schloss Martfeld aber auch die Innenstadt sein. Der Wettergott hat ein Einsehen und wird sicher diese Woche ein offenes Wetter gestalten.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm

 

Herz-Lungen-Maschine für die Kommunen

[jpg] Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat zur Beschleunigung des Kollapses der Kommune getan, indem sie riesige Haushaltslöcher aufgetan hat, die vorher nur notdürftig immer wieder kaschiert wurden.

Oberhausen kann keine Ausgaben, selbst die so genannten Pflichtausgaben, mehr tätigen ohne vorher das Innenministerium zu fragen. Wuppertal und Duisburg müssen Theater und Schwimmbäder zu hauf schließen. Andere Städte senken die Betriebstemperaturen ihrer Schwimmbäder um Energie zu sparen. Von den 53 Städten der Kulturhauptstädten befinden sich 37 in der Haushaltssicherung, das bedeutet, sie können ihren Haushalt nicht ohne den Regierungspräsidenten aufstellen.

Gespart werden musste immer mal wieder, weil die Wirtschaft zyklisch arbeitet. Mal gab es mehr und mal gab es eben weniger Steuereinnahmen. Nur eines war immer wieder zu bemerken, die Dramatik der Verschuldung der Kommunen hat sich verändert. Der Wind wehte immer stärker den Kommunen in das Gesicht. Das Problem ist im System des so genannten Finanzausgleichs zu sehen, aber auch dadurch, dass die Länder und der Bund den Kommunen Ausgaben per Gesetz aufgeben, diesen Ausgaben aber keine oder nur unzureichende Einnahmen gegenüber stehen.

Dazu kommt noch, dass die Kommunen von ihrer Gewerbesteuer an die übergeordneten Stellen anteilig abführen müssen. Insofern wirkt sich eine Steuersenkung des Bundes, letztmalig die Steuersenkung die den Namen Wachstumsbeschleunigungsgesetz trägt, auch auf die Kommunen aus.

So bringt die Absenkung der Umsatzsteuer für Hoteliers von 19% auf 7% einer Kommune wie Schwelm in der Schlüsselzuweisung eine Kürzung in Höhe eines sechsstelligen Eurobetrages.

Aber auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im Zusammenhang mit ALG2, besser gesagt Hartz IV, eine Kostenbelastung in noch nicht bekannter Größenordnung.

Denn in Zukunft muss der Bedarf eines ALG 2  "Kunden" an der persönlichen Bedürftigkeit abgestellt werden.

 

Die Kommunen haben also meistens keinen Einfluß auf die ihnen von den Parlamenten aufgebürdeten Ausgaben. Ein Dilemma? Ja. Denn das System sieht keine Beteiligungsmöglichkeit der Kommunen an der Gesetzgebung vor.

So lud der Schwelmer Bürgermeister Jochen  Stobbe die Presse zu einem Gespräch am 19.02.10 ins Rathaus ein.
Es sollte ein Gespräch über die Situation der Kommunalfinanzen werden, zu der auch folgende Teilnehmer eingeladen wurden:

  • Dr. Rainer Bovermann MdL
  • Hubertus Kramer MdL
  • Thomas Slotko MdL
  • Guntram Schneider Vorsitzender des DGB Landesbezirks NRW

            

 

13 Millionen muss die Stadt Schwelm einsparen, sie kann aber nur 6 Millionen einsparen. Mit dem Konjunkturpacket II wurde kräftig in die Realschule investiert, wobei auch Eigenmittel eingesetzt werden mussten. Um Energie zu sparen müsste in neue Techniken investiert werden, hierzu fehlen aber die Mittel.

Über Gebührenerhöhungen müsste man nachdenken, wobei dies ja nicht der Weisheit letzter Stein sein kann, denn der Bürger kann ja auch nicht unendlich belastet werden. Letztendlich wird es, wenn sich nichts ändert, zu erheblichen Leistungseinbußen kommen. Die finanziellen Bewegungsmittel werden immer weniger, so dass  man schon ahnen kann, wann eine Kommune wie Schwelm nur noch das Notwendigste tun kann.

Nur Schwelm steht hier nicht alleine mit dem Rücken zur Wand, anderen Städten geht es noch schlimmer. Als Beispiel seien hier die Ruhrgebietsstädte genannt, die teilweise unter Aufsicht arbeiten müssen. So schilderte Bürgermeister Jochen Stobbe die Situation seiner Stadt.

Nun kommt am 24.02.10 der Regierungspräsident Helmut Diegel nach Schwelm, dem Bürgermeister Jochen Stobbe seine Situation schildern möchte. Ihm ist schon bewusst, dass auch der Regierungspräsident mit der Bezirksregierung ein ausführendes Organ in unserem System ist, nur es kann doch nicht sein, dass man seine Hände in den Schoß legen sollte.
 

 

Guntram Schneider, als Gewerkschafter, beobachtet dies auch schon lange und hat erkannt das auch seine Mitglieder als Einwohner der Städte immer höhere Belastungen durch die Städte zu tragen haben.

Was nutzt ein Tarifabschluss, wenn er auch durch die höheren Kosten einer Kommune gemindert wird.

Auch musste er sich von seinen Mitglieder sagen lassen, dass die Lebensqualität in den einzelnen Kommunen gesunken ist, was auf die schlechte Ausstattung der Kommunen zurück zu führen sei.

Schneider will dies im DGB thematisieren und den Aufbau eines breiten Widerstandes anregen. Für ihn ist es klar, dass die Probleme in Düsseldorf und Berlin gelöst werden müssen. Seine Forderungen:

  • Ein Entschuldungsprogramm sollte von Bund und Land angelegt werden..
  • Der Solidarpakt sollte nicht über Kassenkredite finanziert werden, die Kommunen die das tun müssten, sollten von der Zahlung freigestellt werden.
  • Die vertikale Verteilung der Steuern muss überdacht werden.
  • Die Gewerbesteuer sollte verbreitert werden.
  • Die Kosten der Unterkunft bei ALG 2 muss neu geordnet werden
  • Aufstocker bis ALG 2 sollten durch einen flächendeckenden Mindestlohn abgefangen werden.
  • Die Ausbildung in den Verwaltungen sollte nicht an den finanziellen Möglichkeiten gemessen werden, denn letztendlich fehlt uns auch in der Verwaltung der fachlich ausgebildete Nachwuchs.
  • Das kulturelle Angebot als weicher Standortfaktor ist eine wesentliche Voraussetzung um Fachkräfte an eine Kommune zu binden.
  • Die Gleichartigkeit der Lebensgrundsätze innerhalb der Kommunen sollte gewährleistet sein.

Schneider will das die Gewerkschaften mit den Kommunen zusammen ein neues Grundverständnis bei Bund und Länder anmahnen, wobei der Sozialgedanke wieder vorherrschen sollte. Kommunen im Ruhrgebiet ,die einen erheblichen Strukturwandel hinzunehmen hatten, sollten mehr nach ihren finanziellen Möglichkeiten belastet werden.

Hubertus Kramer MdL trieb es auf die Spitze, indem er anmerkte Millionäre brauchen kein öffentliches Bad, der kleine Bürger schon und deshalb brauchten die Kommunen jetzt Entlastung.

Bürgermeister Stobbe möchte in seiner Stadt  "Standards" definieren und diese mit dem Regierungspräsidenten als unabdingbar einstufen. Bei Not der Kommunen soll die obere Ebene angerufen werden. Das Problem ist parteiübergreifend, denn z. B. in Wuppertal gingen der Oberbürgermeister, der CDU angehörend, mit dem SPD Bürgermeister Seite an Seite für ihre Kommune auf die Strasse.

Auf die Frage, ob es nicht ein Problem des Bewußtseins der Landes- und Bundesebene wäre, denn die beiden Ebenen haben kein Problembewusstsein für die Kommunen, verneinte Thomas Slotko MdL  dieses, da auch die Landtagsabgeordneten  auf der Seite ihrer Bürger vor Ort wären.

Auch den Fehler im System wollte man nicht gelten lassen,  denn der Bund kann keine Gesetze machen die die Länder betrifft, ohne sich die Gesetze vom Bundesrat absegnen zu lassen. Aber Gesetze die allesamt die Kommunen betreffen haben keine Analogie wie den Bundesrat. Der Städte und Gemeindetag kann nur anmahnen, hat aber keinen wirklichen Einfluss auf die Gesetzgeber in Bund und Ländern.
        
Nun, ans System wollen die Parteien wohl nicht so recht, weil dies auch meistens immer mit einer Grundgesetz- oder Landesverfassungsänderung einhergehen muss. In der Regel ist dies mit einer 2/3 Mehrheit verbunden.

Parallel fand übrigens ein Treffen des Aktionsbündnis der 19 Städte des bergischen Landes und des Ruhrgebietes in Essen statt, welches unter dem Slogan "Raus aus den Schulden / Für die Würde unserer Städte". Konkret fordern die 19 Städte ein Entschuldungsprogramm der Landesregierung, ähnlich dem Entschuldungsprogramm für Banken (Bad Bank Gesetz). Mit dabei ist übrigens der Regierungspräsident der Bezirkregierung Düsseldorf Jürgen Büssow.
Duisburgs Kämmerer Dr. Peter Langner, meinte auf dieser Veranstaltung: "Ein Aktionsbündnis wie das derzeitige mit den 19 Kommunen habe ich in den 20 Jahren, in denen ich in der Verwaltung arbeite, noch nicht erlebt"
Aber soweit sind wir noch nicht in Schwelm. Wie lange denn noch?

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm