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Der EN-Kreis und Ennepetal ist auch Europa. Wir haben gewählt!

[jpg] Zum ersten Mal habe ich mich zu einer „Wahlfete“ ins Rathaus begeben, um mir die Ergebnisse  der Stadt und auch vom EN-Kreis anzeigen zu lassen. Fast alle „Häuptlinge“ oder auch „Silberrücken“ waren da, die sich je nach Wahlkreis die neusten Ergebnisse um die Ohren schlugen. Die Indianer saßen entweder vor dem Laptop oder hatten sich in den hinteren Bereich zurückgezogen.

Es war eine reine Männerdomäne, in der von den Bürgermeisterkandidatinnen einzig Frau Schöneberg sich auftat in den Kreis der „Häuptlinge“ wie selbstverständlich einzubrechen. Man merkte schon, dass es den Häuptlingen nicht so recht war, dass ihr angestammtes Gebiet, das Kommentieren der einzelnen Wahlergebnisse, von einer Frau begleitet wurde.

Herr Faupel, der von uns immer wieder beobachtende „Silberrücken“ fühlte sich auch sichtlich unwohl, wartete sicherlich seine Angetraute zu Hause mit dem Abendessen auf ihn, wie es sich gehört.

Auch merkte man, Europa war bei den kommunalen Politikern doch sehr weit entfernt.

An den Ergebnissen, die niemand auf Bundesebene von den Medien verwunderte, konnte man absehen, Europa ist ein Stiefkind geworden. Es wird nicht geliebt aber auch nicht gehasst.
                  [Quelle Internet  Collage JPG]
 

So ist denn anzumerken, Europa hat ein Kommunikationsproblem, es weiß sein Dasein nicht so recht bei dem Wähler rüberzubringen.

Nur wenn es die Kommunalpolitiker von unten nicht rüberbringen können, wer soll es denn dann rüberbringen? In den letzten zwei Wochen wurden nur lieblose Veranstaltungen hier in Ennepetal auf den Weg gebracht, die aber sicher den Wähler nicht erreichten. Die Wahlkämpfe haben ein anderes Timing aber auch eine andere Dramaturgie verlangt, was von der alten Garde der Politiker schlicht und einfach ignoriert wurde.
 
Gegen 0.00 Uhr denken wir haben wir verlässliche Ergebnisse, die wir Ihnen im Einzelnen darstellen wollen:
 
                                        Europawahl in Ennepetal
 
Stimmen 2004
Veränderung
Stimmen 2009
Veränderung
CDU
41,9
-1,7
35,3
-6,6
SPD
29,3
-12,2
28,4
-0,9
Grüne
10,6
4,7
10,8
0,2
FDP
7,5
3,9
12,4
4,9
Linke
2,3
0,9
5,0
2,7
sonstige
8,4
7,1
8,0
-0,4
 
 
 
 
 
Wahlbeteiligung
38,5
-5,1
38,6
0,1
 
Und weil es so schön ist den Kreis direkt dazu:
 
                                        Europawahl im EN-Kreis
 
Stimmen 2004
Veränderung
Stimmen 2009
Veränderung
CDU
35,9
-1,4
30,7
-5,2
SPD
32,5
-13,3
31,5
-1,0
Grüne
13,2
5,7
13,6
0,4
FDP
7,5
4,0
11,3
3,8
Linke
2,4
0,8
5,3
2,9
sonstige
8,4
5,6
7,5
-0,9
 
 
 
 
 
Wahlbeteiligung
41,4
-3,1
42,1
0,7
 
Das gute zuerst. Der vorhergesagte Absturz bei der Wahlbeteiligung ist ausgeblieben. Festhalten müssen wir trotzdem, die Wahlbeteiligung ist sehr niedrig, sprich, das Interesse ist gering.
 
Das zweite was wir feststellten, die Neonaziparteien, wie NPD, DVU und Republikaner haben im Kreis als auch in der Stadt Ennepetal einen „Stammwählersatz“. Genau konnten wir das allerdings nicht ermitteln, in der Regel liefen die auf den Rechnern unter „sonstige“ Wobei die Rubrik „sonstige“ nicht richtig dargestellt werden konnte, hier fehlt es offensichtlich an der Sensibilisierung der Verantwortlichen.
 
Nachdem im Jahre 2004 die SPD zweistellig, durch die Agenda 2010, abgestürzt war, hat sie sich offensichtlich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Allerdings stürzte die CDU nunmehr massiv ab und findet sich auf der Verliererstrasse der Volksparteien wieder. Dies ist einerseits der großen Koalition und andererseits der Finanzkrise und deren Handhabung geschuldet. Das aber die FDP davon profitiert vermag niemand rational zu erklären. Ist doch die FDP die Partei die für die so genannte Freiheit der Märkte, auch der Finanzmärkte, eintrat.
Die ersten Weichen wurden nachhaltig während der Ära Kohl CDU/FDP Koalition gestellt, um sodann in der Ära Schröder nochmals justiert zu werden. Bis heute ist kein einziges Gesetz oder eine Verordnung auf den Weg gebracht worden um die entfesselten Finanzmärkte unter Kontrolle zu bringen.
 
Wenn man für Ennepetal eines daraus lesen kann, so folgendes:
 
Wenn es den Parteien gelänge die Wähler über die 50% Marke zu hieven, so würden die beiden großen Volksparteien die kleinen wieder auf die Plätze verweisen. Aber auch die Neonazis klar, so sie denn antreten, in ihre Schranken der Bedeutungslosigkeit verweisen. Was aber fehlt sind die Themen; denn warum sollte man etwas thematisieren, wenn der Trend einem doch die notwendigen Mehrheiten beschafft?

So ist es nicht verwunderlich, dass die CDU auf einen Angstwahlkampf setzt, um zumindest ihre Stammwähler, die überwiegend zu den älteren Wählergruppen gehören, zu mobilisieren. Denn die Älteren haben diese überzogene Angst ihre Besitzstände zu verlieren. Bei der Bürgermeisterwahl verfolgt die CDU eine Doppelstrategie. Einerseits soll, für die Erzkonservativen, keine Frau an die Macht, andererseits setzt sie auf die angeblich erfolgreiche Politik des Herrn Eckhardt, die von Frau Schöneberg nicht in Gefahr gebracht werden sollte. Das zweite Thema, das in Ennepetal rumgeistert, ist die Fuzo „inne Milspe“, welches von der Mehnertruppe favorisiert wird. Die SPD als auch Frau Schöneberg halten sich gepflegt zurück und halten sich an ihre Programmpunkte.

Die großen Themen, die auch in Ennepetal zu sehen sind, sind von allen Parteien tabuisiert. Ennepetal als Avantgarde, in den Bereichen Jugend, Ausbildung, Bildung, Ehe und Familie oder stellen wir uns vor, die Printmedien titeln, „Ennepetal die kinderfreundlichste Stadt in NRW“ oder "Ennepetal hat dem demografischen Wandel Einhalt geboten und ihn sogar durchbrochen". Für die hasenfüßigen Ennepetaler Politiker wäre das undenkbar, würden sie doch auf einmal aus der Bedeutungslosigkeit ins Rampenlicht gezerrt, und das treibt jedem die Schweißperlen auf die Stirn.
 
 

 Jürgen Gerhardt

 

Es gibt keine bessere Zeit um glücklich zu sein, als JETZT. Glücklich sein ist eine Reise, in Rüggeberg.

Foto: JPG   v.l. Die vier Kandidaten

                 
[jpg] So hätte man den Abend am 5.6.2009 im Vereinsheim in Rüggeberg umschreiben können. Die Initiative KiR hoch4 lud zu einem literarischen Abend ein. 4 der 5 BürgermeisterkandidatInnen wurden angesprochen,  etwas Literarisches zum Thema "Lebenslust" vorzutragen.

Anita Schöneberg, Bürgermeisterkandidatin der SPD, machte den Anfang.
Eine Liebesgeschichte von zwei Fremden in Irland, die Nähe suchten und irgendwie schon gefunden hatten.
Die Fragen, die Zweifel aber auch die Hoffnung ob er/sie der PartnerIn ist spielten in der urwüchsigen Landschaft Irlands eine eingebettete Rolle. Die Landschaft, hier Westirlands, wurde sehr treffend beschrieben.
Auch die Iren selber, die ein sehr einnehmendes Wesen haben, kamen nicht zu kurz. Wer einmal in Irland war, weiß das diese Menschen einem immer das Gefühl vermitteln, hier bin ich zu Hause.
Ja, man hörte Frau Schöneberg die Lebenslust heraus, mehr zu erfahren, neues zu wagen aber auch nicht stehen zu bleiben. Sie will dem Leben etwas abgewinnen. Passend war auch ihre jetzige Musikliebe, Vivaldis "Vier Jahreszeiten", welches immer wieder durch den Wechsel der Tempi jeden begeistert. Ein Werk das keinen Menschen kalt lässt.

Ganz anders Frau Dr. Siekermann, Bürgermeisterkandidatin der FDP, die ihre Lebenslust in dem Spirituellen der Metaphysik sieht. Bezeichnend ist, dass der Benediktiner Anselm Grün, einer ihrer Favoriten, der sich in der Nachfolge der großen Mystiker  wie Franz von Assisi oder auch Meister Eckhart sieht. Für sie ist der erste Schritt das Göttliche die Natur, die Lust macht, erfahrbar zu machen. Zwiesprache mit der Natur. So packt sie gutes Schuhwerk, den Rucksack und etwas Verpflegung ein und macht sich auf den Weg um das Leben in Gottes freier Natur erfahrbar zu machen. Es ist schon alles da. Es ist da nicht verwunderlich, dass sie spontan Tirol als Ausgangspunkt ihrer Wanderungen nimmt. Oberhalb Tirols führt ein Höhenwanderweg durch halb Europa, man kann tagelang wandern und begegnet nur wenigen Menschen, dass tägliche Wandern wird nur von der Nächtigung in den einzelnen Sennerstationen unterbrochen. Dort oben ist man für sich mit der Natur, die ihre Erhabenheit offenbart, alleine.

Es folgte eine kleine Pause in welcher uns von den anwesenden Jugendlichen und Kindern, kleine aber sehr schmackhaften Häppchen gereicht wurden. Liebevoll versorgten uns die Jugendlichen mit den bereiteten delikaten "Fingerfoods" eine nicht nur exquisite Aufmerksamkeit. Ich hatte einen sehr aufmerksamen jungen Mann, der sich rührend um mein Wohl kümmerte. Kaum hatte ich mein Glas Wasser leer, so fragte er mich auch höflich nach einem neuen Glas.

Nach dieser kurzen Pause ging es weiter mit Sabine Hofmann, Bürgermeisterkandidatin der Bündnisgrünen.

Sie wähle einen Krimi, ihre Lieblingsliteratur, der von ihr vorgelesen wurde. In diesem Krimi wurde die Steigerungen bis zu der Ausführung der Tat, durch die Ernährungsgewohnheiten herbeigeführt, die letztendlich auch zu der finalen Tat führten. Die Tat selber geschah allerdings so nebenbei. Befragt woran ihr Herz so hänge, brachte sie eine uneingeschränkte Hymne auf Rüggeberg vor. In Rüggeberg wohnt sie und möchte diesen Ortsteil nicht missen. Den Kommissar möchte sie aber doch nicht machen, eher möchte sie wohl zusehen wie der Täter später dingfest gemacht wird.

Als letztens kam Wilhelm Wiggenhagen der Bürgermeisterkandidat der CDU dran.

Er  wählte Wilhelm Busch als Lebensführer, der ihn in allen Lebenslagen offenbar ein guter Begleiter war und ist. Das Wilhelm Busch Zeit seines Lebens ein Misanthrop war, wird er wohl nicht gewusst haben. Seine feinsinnige Satire wusste er als seine Lebensphilosophie zu reklamieren. Der Vortrag über den "Humorvollen Vogel" bringt es für ihn auf den Punkt im Leben. Aus diesem Grund ist das Lesen für Wilhelm Wiggenhagen Lebenslust, die er sich aber nicht immer aus zeitlichen Gründen gönnen kann.
Nach seinem letzten gelesenen Buch befragt, nannte der den "Krebsgang" von Günter Grass. Die Novelle beschreibt den Untergang der Gustloff aus der Sicht des Paul Prokriefke, einem Mann der zurückblickte um vorwärts zu kommen. Eine der besten Werke von Günter Grass.

Nun folgte wieder eine kleine Pause in der uns wieder diese exquisiten Häppchen gereicht wurden, man fühlte sich wie in gutem Hause.  Wieder waren die Kinder und Jugendlichen von ausgesuchter Freundlichkeit dabei uns zu umsorgen.
           

 

Foto:JPG "Die Intitiatoren"

             
Danach wurde uns vom Moderator die Initiative "KiR hoch 4" vorgestellt.
KiR steht für Kultur in Rüggeberg, wobei hoch für das höher gelegene Rüggeberg steht und die Zahl 4 steht für Literatur, Musik, Kunst und Kulinarisches. Die Initiative ist spontan nachbarschaftlich in Rüggeberg geboren worden, einer kam zum anderen. Verständlich brauchte es schon 6 Monate um die ganze Organisation aufzubauen. Der Eintritt wurde mit Eur 6,– angesetzt, ich finde nicht nur angemessen. Wobei die Ennepetaler Tafel hierbei bedacht werden soll.
Perspektivisch soll im November ein Abend mit Musik angesetzt werden, ich bin zumindest gespannt.
Danach wurden die vielen, vielen Helfer allesamt vorgestellt, eine wunderbare Gruppe, sowohl die Initiatoren als auch die Helfer denen man ansah wie sie mit Kopf und Herz diese Veranstaltung organisiert haben.

Ein herzliches Danke schön von meiner Seite an alle Beteiligten.

  

Foto: JPG "Die tollen Helfer"

                              
Einmal mehr wurde aber bewiesen, die Vitalität liegt in den Ortsteilen. Ennepetal ist nur ein leeres Konstrukt ohne die Ortsteile. Es waren Rüggeberger die diese Veranstaltung organisierten und damit ihrem Ortsteil Farbe gegeben haben. Ähnlich haben es die Bewohner aus Oberbauer gemacht, in dem sie ihrerseits ein wunderbares Fest ausrichteten.

Der Zentralgedanke der Politik, nachdem sich alles einem Zentrum unterzuordnen hat, wurde einmal mehr in Frage gestellt. So gilt auch für Ennepetal der Ausspruch Herders: "….daß auf der bunten Wiese des Erdbodens es so mancherlei Blumen und Völker gibt, dass diesseits und jenseits der Alpen so verschiedene Blüten blühn, so verschiedene Früchte reifen!(….)

Was bleibt? Es sollte über solche Aktivitäten mehr Öffentlichkeit hergestellt werden, wir sollten solche Initiativen mehr liebevoll begleiten, sie machen unsere Stadt reicher.
Verstehen konnte ich noch nie, warum von der Politik diese "Bälle" nicht aufgenommen wurden und werden um diese Ideen weiter zu entwickeln. Ich könnte mir vorstellen eine Lesestunde mit Prominenten, wie einem Herrn Mankel, Herrn Schädlich, Herrn Bilstein oder aus der Politik, Herrn Faupel, Herrn Frey und Herrn Rauleff , die Jugendlichen und Kindern ihre frühe Literatur vorlesen. Schneiden doch unsere Kinder und Jugendlichen in den Studien IGLU und PISA im Bereich Lesekompetenz nicht gerade gut ab, hier könnte vieles durch Vorbilder durchbrochen werden. Und warum sollte Ennepetal nicht einmal Avantgarde sein. In Rüggeberg?
So möchte ich einigen Politikern, die immer so gerne die Stadt nach vorne bringen wollen, etwas von Eugen Roth ins Stammbuch schreiben:

 

 

  Ein Mensch

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt -
doch oft hat sich herausgestellt
nach manchem trüb verbrachten Jahr,
dass dies der einzige Lichtblick war.

 

Nehmen sie die Gelegenheit  wahr, die Bemühungen und vielen Chancen aufzunehmen um diese zu verstärken und zu bestärken.

Jürgen Gerhardt

 

 

 

 

Aus dem Bereich Mythen und Märchen – Die Werbung heute.

 [jpg] Vor 40 Jahren konnten sich 50% der Zuschauer an eine Werbung erinnern. Wer kennt sie nicht, das HB Männchen oder den Marlboro Mann? Und heute? Nur noch gerade einmal 8% erinnern sich an eine Marke die gerade beworben wurde. Das gilt für Funk und Fernsehen. Bei den Printmedien sieht es noch düsterer aus, gerade einmal 0,5% der Leser erinnern sich überhaupt das in ihrer Zeitung Werbung auf den einzelnen Seiten zu finden war. Spricht man sie gezielt auf die beworbenen Marken oder Firmen an, so erntet man nur ein Kopfschütteln und Verständnislosigkeit.
Botschaften die mit dem Produkt oder der Firma vermittelt werden sollen werden nicht mehr wahrgenommen oder es wird gerätselt.
Die Wirtschaft ist entsetzt und jammert; denn keiner hatte bemerkt der Konsument wurde total überfordert und hat schlicht und einfach abgeschaltet. Konsumentenvertreter sprechen inzwischen von audiovisueller Umweltbelastung die unerträglich sind. Werbung als Belastung? Aber das sollte so nicht sein, sie sollte doch schmeicheln, locken, zum Kauf animieren. Als diese Untersuchungen vor drei Jahren publik wurden, schalteten sämtliche Firmen auf Stopp. Ein Umdenken setzte ein. Werbung wurde, da sie ja  offensichtlich die Konsumenten nicht mehr erreichte, zunehmend als eine Investition verstanden, der ein Risiko beiwohnt.
Risiken gilt es aber zu minimieren, also wurden Managementabteilungen gebildet, die genau dosiert Werbung streuten. Die Printmedien wurden überdacht, dort tummelte sich, als wenn nichts wäre, die Butter, Eier, Käse Werbung, sie bringt zwar nichts, wird aber doch gemacht. Die Einzelhändler und ihre Verbände taten und tun noch immer so, als wenn die Welt vor 40 Jahren stehen geblieben wäre. Dabei müssten doch den Verbänden zumindest die Untersuchungen zu denken geben.

 Wir kennen nun drei große Bereiche der Werbung, die Printmedien, die E-Medien, wie Funk und Fernsehen und die Online Medien. 2008 überholten zum ersten mal die Online Medien im Umsatz die Printmedien, die E-Medien hatten zwar Umsatzrückgänge, die aber bei weitem nicht die der Printmedien erreichte.

Ist denn Werbung überhaupt noch interessant? Eindeutig ja. Nur Werbung hat sich grundlegend ändern müssen und zwar blitzschnell, so sie denn noch Sinn machen sollte.

Was ist passiert? In der Untersuchung hatte man mit Entsetzen festgestellt, Werbung ist nicht kommunikationsfähig! Unternehmen schickten Botschaften an den Konsumenten, hatten aber kein Feedback, das ist keine Kommunikation, das ist nur Ein-Wege-Transfer ohne die Möglichkeit der Reaktion, wobei gerade die Interaktion das A und O der Werbung sein sollte. Konsumenten wollen aber wahrgenommen werden. So ist es nicht verwunderlich wenn nur noch 5% der Kunden ihre Kaufentscheidung anhand der klassischen Werbung abstellen. Aber zu 50% stellen ihre Kaufentscheidung am Point-of-Sales, sprich an der Verkaufstheke, ab. Weitere 20% stellen Ihre Kaufentscheidung nach den Informationen im Internet ab.

Es kommt aber noch dicker in der Untersuchung. Wenn ein Unternehmen 1 Euro Werbung ausgibt, so erhält es nur 54 Cent zurück, und  der Wert des beworbenen Produktes oder der Firma sinkt in den Augen der Konsumenten. Das sind fatale Ergebnisse. Es war also ein Märchen, dass Werbung etwas brächte und das seit Jahren schon.
Warum das so ist, wusste man auch. Kunden haben sich einen ganz anderen Mix an Kontaktkanälen gesucht und offensichtlich gefunden. Ein Produkt oder eine Firma kann sich heute keine Fehler mehr leisten, kommt ein Fehler zutage, wird dieser postwendend auch im Internet veröffentlicht. Dies wird zu Oma und Opa oder wem auch immer weiter getragen. Wenn der 25 jährige Sprössling täglich im Internet ist, so bekommt er Informationen über Firmen und Produkte, die ihn in die Lage versetzen allumfassende qualitative Auskünfte zu geben. Der Sprössling versorgt aber auch Vater, Mutter, Onkel, Tante, Oma und Opa, in der Regel hat er eine Basis von rund 6 Abhängigen in seinem sozialem Umfeld

Da kommt es also ganz normal, wenn der Kauf  erst nach Einholung eines Rates von diesem vorgenannten Sprössling abgestellt wird. Die Sprösslinge sind zu Multiplikatoren geworden. Nur die hatte keiner der Firmen auf dem Radar. Die gab es gar nicht.
Die Industrie steuert dagegen, indem sie Blogs oder Wikis unterstützt, die nett über ihre Produkte berichteten, nur die Blogger sind eine ganz wache Community , die diese Veränderungen bemerken und ruckzuck gegensteuerten.
Verzweiflung macht sich breit. Die Printmedien haben bis zu 50% der großen Firmen verloren. Wenn sie nicht die kleinen Unternehmen der lokalen Liga hätten, müssten sie ganz aufgeben. Unverhohlen spricht man in diesem Zusammenhang von einem Abkommen zwischen den Verbänden Handwerk und Einzelhandel und den Printmedien.
Nur was kann oder sollte man tun? In der Untersuchung hat man eines erkannt man muss die Werbung neu definieren und strukturieren. Und da sollte man erst einmal fragen: Wovon existiert denn die Werbung?

Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: Werbung existiert von der Akzeptanz! Ein alter Hut, denn werde ich akzeptiert so bin ich auch kompentent.

Nun sollten wir uns mit den Grundsatzfragen der Werbung befassen.

a)    Die Hierarchie im Hinblick von effizienten Werbeformen.
b)    Das wesentliche der Gestaltung der Werbung.
c)    Wie viel Gängelung sollte man dem Konsumenten zumuten?

Das letzte ist ganz einfach zu beantworten. Der Kunde will nicht mehr verfolgt werden, also weniger ist mehr.
Denn gängelt die Werbung weiter, schaufelt sie sich ihr eigenes Grab. Der Kunde soll doch akzeptieren, er kann es aber nicht wenn er verfolgt wird. Wer kann schon seinen Verfolger akzeptieren?

Bei der Gestaltung der Werbung sollte man akzeptieren, der Kunde will gezielt angesprochen werden. Er ist Einzelperson mit einem breiten Erfahrungshorizont und vielfältig vernetzt. In diesem Bereichen will der Kunde Bestätigung erfahren. Er ist Klasse und nicht mehr Masse und in diesem Umfeld müssen die Beziehungsstrukturen erkannt werden und  die Kommunikation der Werbung ansetzten. Aber Kommunikation in beide Richtungen. Man geht nicht mehr "Ein Bierchen" trinken, sondern man geht zur "After Work Party".
Das Kneipensterben der vergangenen Jahre spricht da eine klare Sprache. Personalisierung ist angesagt, erkenne die Gruppen und deren Beziehungen untereinander und verknüpfe dies mit der Gestaltung der Werbung.

Das Zauberwort bei den Werbeformen lautet: Dialog.
Die Zukunft ist crossmedial und vermittelt eine Rundumsicht und zwar transparent. Keine Rätsel in der Werbung über Sinn oder Unsinn der Botschaften, sondern klare kurze Botschaften und nicht die Überladungen der Vergangenheit. Werbung muss wieder Effizient sein, effizient heißt aber nicht sich nur um die zu kümmern die sowieso kommen, sondern auch um die,  die nicht kommen.
Gefeuert wird aus allen Rohren, Blogs, virales Marketing, Guerilla-Aktionen, mobile-Marketing, Events, Direct-Response- TV oder auch email Marketing mittels techn. Systeme, das sind die Systeme des effizienten Dialogs.

Aber das ist noch nicht alles, es ist erst ein Anfang. Die Hochschule St.Gallen fordert Werbung neu zu erfinden, nicht das Produkt muss beworben werden, sondern der Konsument mit seinen vielfältigen Lebensfacetten, er will in seinem alltäglichen Lebensumfeld angesprochen aber auch bestätigt werden.

Niemals aufhören die Grundsatzfragen zu stellen, es darf nie wieder dazu kommen, dass das ganze Werbesystem kollabiert, zuviel hängt daran.

Was aber hat das mit Ennepetal zu tun?

Oh, sehr viel!
Nachdem das Citymanagement gegründet wurde, irrt dieses ziemlich ziel- und planlos durch die Stadt. Der Hauptausschuss hat inzwischen den städtischen Beirat mit Wiggenhagen und Eckhardt besetzt, es ist aber noch keine grundsätzliche Ausrichtung zu erkennen. Eine Ausrichtung, die die vorgenannten Punkte und Erkenntnisse berücksichtigt. Vielmehr werden die alten verstaubten Instrumente ausgepackt, die in den letzten 15 Jahren soviel Schaden angerichtet haben. Sicher wird das Citymanagement für Aldi, Schlecker und Co. gute Dienste leisten und den einen oder anderen Discounter in die Stadt holen aber auch binden. Aber soll das das Ziel sein? Wohl kaum. Zumal dann die EUR 150.000,– spielend von den Discountern aufgewendet werden könnten, um ihr Dasein zu rechtfertigen.Aber doch nicht aus dem Stadtsäckel.

Ziel sollte doch wohl sein einen attraktiven Branchenmix aufzubauen, der von Anfang an überlebensfähig ist! Das bedeutet aber auch die Instrumente in die Hand zu nehmen, die diesen Branchenmix stützt. Der Vorschlag von Frau Arndt, die Domain "einkaufen-in-ennepetal.de" einzurichten, diesem lag die neue  Denke zu Grunde. Nur was nutzt die neue Denke und das zu Grunde liegende Konzept, wenn die beteiligten die EUR 150.000,– vor Augen haben? Die Gier blendet, richtig. Aber muss sie denn auch den Verstand abschalten? 10 Millionen Euro Einzelhandelsumsatz sind in den letzten 7 Jahren abgewandert, wie viel müssen es denn sein, damit die Wiggenhagens und Eckhardts einsehen, dass es offensichtlich andere Instrumente sein müssen?

Der Anfang wäre ja zum Beispiel gemacht, wenn die Verantwortlichen mal daran dächten, dass da Produkt Ennepetal, sprich die Stadt selber, erst einmal vermarktungsfähig gemacht werden sollte.Keinem der Beteiligten ist so recht klar, welche Inhalte oder Formen hat das Produkt Ennepetal. Wer mag schon ein Produkt dessen Wert man nicht erkennen kann, außer dem Produzenten?

Jürgen Gerhardt
 

Attraktivität die Ennepetal gebrauchen könnte.

                                        
[jpg ] Manchmal passiert jedem von uns folgendes: Wir kommen an Kindern vorbei die Ball spielen, wir halten etwas Abstand, doch irgendwie passiert es, dass der Ball den Kinder entgleitet und auf uns zuspringt. Wir versuchen den Ball zu stoppen, sehen die erwartungsvollen Blicke der Kinder, tänzeln vielleicht etwas und versuchen den Ball zurück zuschießen. Die Kinder nehmen den Ball und ihr Spiel wieder auf  und wir gehen weiter unseres Weges.

Es war nur ein kurzer Moment, ein Moment wo wir dazu gehörten, wo wir uns erinnerten, an unsere Kindheit als wir auch so waren wie diese Kinder. Die Blicke der Kinder, die einen Moment fragten, gehörst du dazu? Das Spiel war uns vertraut und doch so fremd. Die Entscheidung, wir gaben das Spiel, den Ball, zurück, wir waren wieder draußen, nicht drinnen.

Künstler sind wie Kinder, unbefangen, etwas tun, was manchmal augenscheinlich keinen Sinn ergibt. Wir stehen immer irgendwie als Betrachter draußen. Sehen aber die Exponate, versuchen diese zu ergründen, zu erfassen, unserem Inneren verständlich zu machen. Es gelingt fasst nie, verärgert und frustriert wenden wir uns in der Regel alleingelassen ab.  Die zeitgenössische Kunst und der Künstler ist nicht in der Regel der Erklärende, seine Werke entstehen aus ihm selber, manchmal  aus einer Stimmung, einer Störung, einer Anwandlung, einer Laune, ein Witz oder auch ein Gedanke. Die zeitgenössische Kunst will nicht schön sein wie die alten Meister, sie genügt sich selber, braucht nicht den Betrachter. Aber und das ist das wesentliche, der Betrachter braucht die zeitgenössische Kunst, als den Ausdruck seiner Zeit, der Jetztzeit.
 

So sprang der Ball in die Fabrik Stockey und Schmitz, wo die Gruppe Kunstraum-EN die Ausstellung "Zwischen den Säulen" in einer notdürftig aber auch sehr nachdenklich machenden ehemaligen Produktionshalle organisierte.
Das Gebäude hatte ich schon einmal erkundet (Der Mensch und seine Unterscheidung zum Tier), für mich erfahrbar gemacht – zwischen den Zeiten.

Meine Gedanken bevor ich das Gebäude betrat, kreisten um die "großen" Ausstellungen, Kunstsammlung NRW, Kunsthalle, Folkwangmuseum, Schaumainkai, MMK oder Ludwig die ich gesehen hatte. Würde diese Ausstellung "Zwischen den Säulen" bestehen können? Hat die Zeit gereicht um in der Kürze eine  Ausstellung  zu organisieren?
Nun, wir sind im EN-Kreis und darüber hinaus noch in Ennepetal, für beide ein ziemlich spektakulärer Anspruch.
           
Ich betrat die Halle im ersten Stock wo mir sofort eine Installation ins Auge sprang – Berührungen.

Neonfarbene Punkte, Bälle auf verschiedenen Ebenen, doch erreichbar, versuchten zueinander zu finden. Näherten sich, suchten sich und doch konnten sie sich nicht fassen. Kurze Augenblicke, ein Aufblitzen und dann wieder erlöschen.

Man wünschte sich sie würden es schaffen, doch fehlte die Energie den letzten Rest des Weges zu gehen.

Ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Zustandes in dem der Einzelne dem Anderen so fremd geworden ist, sich nicht mehr traut, zu berühren?
Obwohl wir uns alle nach Berührungen sehnen, die Wärme, die Nähe des Anderen? Aber sind es nicht die anonymen Mächte die dies gerade zu verhindern wissen?  Denen wir, einem höheren Ziel unterordnend, immer wieder nachgeben.

Und weiter die Videoinstallation, eine immer öfter anzutreffende Kunstrichtung der zeitgenössischen Kunst.

Unförmige Gestalten, nur menschliche Hüllen, irren
durch ein Gelände das mit den Gebäuden seine ehemalige Funktion erahnen lässt.  Ihrer Würde beraubt der bizarren Umwelt hilflos ausgesetzt. Auf ihre Nacktheit,dem wesentlichen zurück geworfen in eine so feindliche Welt, die sie selber geschaffen haben, aber so nicht wollten.
Die Frage: Wollen wir das? Können wir das noch stoppen?
Nein, der Film läuft weiter er hat kein Ende, er könnte  das Ende unseres Daseins werden.

 

 

Dann die Unsichtbaren der Fabrik die hier ihr Auskommen hatten, ihre Familien ernährten.

Man ahnt den Arbeiter,  der Gussteile, Formen säubert, nicht mehr anwesend aber doch da.
Die Schuhe, von einer Seite Kästen leert und wieder bearbeitet füllt – stundenlang. Danach eine andere Arbeit wieder ausführt, dieselben Schuhe, derselbe Arbeiter.

Der Geist der Arbeit, die Energien der Arbeitskraft verpufft nicht so schnell, die Halle hält sie, sie vergisst nicht.

Es wird wieder gearbeitet, die Halle hat wieder ihre Berechtigung, sie der Container, die Schutzhülle.

 

 

 

  Ein flüchtiger Blick auf die Stempelkarten.

Ja, "Zeit ist zeitlos" und  "Zeit zum Denken" hat abgestempelt, ist da für Minuten, für Stunden.Immer? Nein, nur eine Schicht.

In der "Bude" werden die Karten ausgestellt die dann in die Anwesenheitsschächte gesteckt werden. Jeder sieht es, sie sind da, wir sind zumindest für einen Moment komplett.

Die Zeitproduktion kann beginnen, hoffentlich nicht allzu viele Nacharbeiten.
Der Meister der Zeit ermahnt uns sorgfältig mit der Zeit umzugehen, kein Ersatzrohstoff vorhanden, es muss reichen.

Die Ausstellung war umwerfend, überwältigend, wenn man das so salopp sagen darf. Ein Gesamtkunstwerk auf einer Etage in einer riesigen Halle, Performance, Installationen, abstrakte Malereien, Collagen, Skulpturen, Video, Audio, Grafiken, Animationen  – ein Füllhorn der zeitgenössischen Kunst. Und obendrein die Halle, die Fabrik als Artefakt der veränderten Funktionen, Zeugnisse unserer Zeit. Es eröffnet sich nicht direkt, man muss sich schon auf Berührungen einlassen, jetzt, in der Gegenwart.
Das Problem, ein Wermutstropfen,  also einige fanden sich nicht zurecht, es ging ihnen so wie dem Werk Berührungen, sie wollten Berühren fanden aber nicht den Weg. Es ist einmalig gewesen für die Stadt und darüber hinaus den EN-Kreis. Es war ein wunderbarer Beginn und ich denke es könnte noch mehr werden, mit diesen Menschen, die so zupacken können und wollen.

Unter den Anwesenden sah ich viele Politiker der Stadt, zwei stellvertretenen BürgermeisterIN und einen Vorsitzenden der hiesigen CDU.
Diese Ausstellung könnte eine Bereicherung für die Stadt Ennepetal  aber auch für den Kreis werden, die Gruppe Kunstraum-EN hat einmal mehr ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Sie haben in wenigen Tagen eine Fabrikhalle so hergerichtet, die eine beachtenswerte Ausstellung mit einem großen Bogen der zeitgenössischen Kunst beherbergt. 34 Künstler, teils aus dem Ausland, sind dem Ruf gefolgt und kamen.

Gehen wir zum Eingang dieses Artikels zurück. Einen Augenblick hatten wir es in der Hand mit zuspielen oder den Ball wieder zurück zu geben. Dieser eine Augenblick entscheidet über eine anzustrebende Attraktivität einer Stadt Ennepetal. Danach könnte es heißen: "Ennepetal, ist das nicht die Stadt die die Ausstellungen der zeitgenössischen Kunst immer organisiert?"
Kosten? Nein, Engagement ist gefragt, Leute zusammenführen, die zu einem Sponsoring bereit wären, den Ball aufnehmen, mitspielen.
Die Künstler und der Inhaber, Herr Helkenberg,  haben ihrer Part geleistet, jetzt sollten die Anderen ergänzend ihren Part machen.
Sollen wir einfach weitergehen und den Ball einfach ins Nichts trudeln lassen?

Ennepetal ist kein Nichts, sollte es zumindest nicht sein.

Jürgen Gerhardt

Der Mensch und seine Unterscheidung zum Tier

Auftakt 60 Jahre Ennepetal Feiern, eine Kunstausstellung.
[jpg] Carl Jaspers hat die Unterscheidung Mensch und Tier einmal so formuliert. " Das Tier wird in die Welt, Umwelt hinaus geworfen und muss sich mit ihr abfinden, der Mensch wird geboren und gestaltet seine  Welt Umwelt"
Der Wille zu gestalten unterscheidet den Menschen ausdrücklich von dem des Tieres. So er diesen Willen verliert, verliert er seine Unterscheidung zumTier. Er drückt der Umwelt/Welt  seinen Stempel auf, auf die Ewigkeit angelegt.

Was aber wenn das gestaltete, das Werk, den Gestalter und auch noch den Erhalter verliert? Es fällt wieder zurück in den Urzustand, langsam, und doch der Umwelt preisgegeben. Die Umwelt hat einen großen Schoß, aus der alles kommt und in der alles zurückfällt.
So fuhr ich zu den Vorbereitungen der Kunstausstellung "Kunst zwischen den Säulen" im Gebäude der ehemaligen Firma Stockey & Schmitz GmbH&Co.KG. Von außen ist es verkleidet, mit dunkelbraunen Alumiumblechen, die sich ineinander schieben so als wenn sie das Gebäude fesseln. Und doch zeigt es eine gewisse Würde, noch, die von Zeiten zeugt, die einmal den Menschen mit ihrer Arbeit ihr Auskommen sicherte.
Spurensuche. Wie gesagt, die Künstler sind noch mit dem Aufbau beschäftigt, sortieren, installieren, diskutieren, es soll ja gut werden, "es soll gelingen".
Der Eingang ist dunkel und es schlägt einem eine ruhige Kraft entgegen die Kraft der ehemaligen Arbeitenden.
Leichte Verfallserscheinungen lassen die Zeit erahnen indem das Gebäude der Umweltkräfte trotzte. Ein Stockwerk höher über eine alte Treppe mit Handlauf dem man seine Jahre ansieht, sieht man die ausstellenden Künstler ihre Exponate in Position bringen.

Die Fabrik atmet, die die ihr immer den Willen aufgezwungen haben sind wieder da. Zerfall wird zurück gedrängt, sie soll leben, sie soll wieder einen Sinn haben, den, den ihr ihre Erbauer zuwiesen.

       

Kabel ohne Strom hängen aus den Wänden, die Energie hat sie verlassen, die Fabrik, die soviel Energie brauchte. Sicherungskästen die nichts mehr zu sichern haben, zerschlagen – Wunden in einer Fabrik.
Doch dort gibt es wieder Energie, aus anderen Richtungen gelegt, nicht die ursprünglichen Adern.
Die Heizungen, kalt und doch hatten sie ehemals die Arbeiter gewärmt ,die ihre Werkstücke fertigten, der Staub zwischen ihren Röhren. Die Wände blättern ab, die Nässe will sich helfend hinter Vater Zerfall stellen.
Ein eingeworfenes Fenster, von Menschen, die zeigen, he,du bist für nichts mehr gut, wir brauchen dich nicht mehr. Aber hat die Fabrik sie nicht alle beschützt, vor Wetter und Unbill, sie ihrer Arbeit nachgehen lassen?Undank.
Warum werde ich gesteinigt, so meint man die Fabrik sagen zu hören. Keine Antwort.
Ein Kind, eine Mutter und ein Hund gehen an mir vorbei, Künstler aus Düsseldorf, sie suchen ihren Partner, der in einem anderen Raum seine Bilder anordnet. Ein kurzes Gespräch im Vorbeigehen, ja die Installation ist interessant, vorbei aus. Ruhe,wieder alleine.
Zwiesprache mit der Seele der Fabrik, vor der Ausstellung " Kunst zwischen den Säulen". Komm, ruft sie, die Fabrik, die Stolze, komm sieh mich nochmals an, überall.
Eine dunkle Treppe, ein Stockwerk höher. Stille, doch dort ein Fotograf, der auch der Zwiesprache der Fabrik erlegen ist. Auch hier Staub, Wege über die die Hubstapler die Werkstücke beförderten, kaum auszumachen die Wege.
Wieder zwei zerschlagene Fenster, Wunden im Schutzschild. Die Decke zeigt Nässeschäden,Schäden?,nein, die Nässe hilft der Umwelt sich die Fabrik zurück zu holen.

Über eine Holztreppe geht es etwas erhöht weiter, zu den Büroräumen der Betriebsleitung, die Angestelltenbüros mit Linoleumböden, Abteilungsgleiter mit Filzböden, der Werksleiter mit Teppichböden, ein Sonnenschutz und eine Klimaanlage, Hierarchie des Arbeitslebens, dem Verfall preisgegeben. Der Besprechungsraum mit Parkettboden, die Nässe hat schon die Kassetten hochgedrückt, nicht mehr lange. Hier wurden die Aufträge abgeschlossen, Verträge unterzeichnet. "Noch eine Tasse Kaffee?", so meint man zu hören.
Nebenan restliche Werkszeichnungen nach denen die Werksstücke gefertigt wurden.

Unten höre ich Rufe, die Künstler suchen etwas, die Fabrik hört zu, sie atmet, sie wird wieder gebraucht, ja sie ist noch nicht ganz vergessen, sie kann noch mal ihre Bestimmung erfüllen. Weiß sie das es nur für einen Moment ein bisschen Glück gibt. Ein Moment von vielen Momenten der Ewigkeit. Die Zeit zurück gedreht.
Wieder runter zu den Künstlern, Kabel fehlt, wird gesucht.

Jetzt am Vorabend, es wird ein Fest, die Menschen nennen es Vernissage, Eröffnung, viele kommen, ja, eine andere Bestimmung, aber doch eine Bestimmung der Fabrik.
Ich gehe wieder, ich komme aber wieder, am Samstag. Ach Fabrik, ich fahre  ja öfter an dir vorbei, ich sah dich ja immer.

 

Ein Stück des Weges, Gleise, verwittert, die Natur ist im Anmarsch, die Fabrik liegt um die Ecke. Schwellen verrotten,bleichen aus, Gleise kaum benutzt,  zugewachsene Signalleuchten. Kinder spielen auf den Schienen, gehen weiter über die Schienen Richtung Altenvoerde. Und doch, eine Idylle, das satte Grün das die Weichen zuwachsen lässt, das Braun der Schwellen mit seinen Furchen, stillgelegte Strecken die in die Fabriken zeigen, der Züge die manchmal noch fahren – wie lange noch?  

Weiter, sie wollen einen halten, Geschichten erzählen, alte Geschichten, die kein  Mensch mehr wissen will. Andere Zeiten, schneller. Und doch zerren die Zeiten und Geschichten an einem herum, wollen nicht loslassen. Wir müssen loslassen, wir wollen nicht zurückfallen, nicht stehen bleiben.

Gedanken vor der Ausstellung. "Kunst zwischen den Säulen", die am 23.05.09 um 18:00h  ihre Eröffnung hat.

 

"Kunst zwischen den Säulen"

im

Gebäude der ehemaligen Firma Stockey und Schmitz

Vernissage am Samstag 23.05.09  18:00h bis 21:00h

Kölnerstr. 23a   ( B7 )

58256 Ennepetal

Info: 02333 - 4835

 

Hören Sie die Fabrik rufen, es geht weiter, nur für einen kurzen Augenblick, und Sie waren dabei.

Jürgen Gerhardt

Fotos: JPG

Warum nicht, dient es doch der Attraktivität von Ennepetal.

[jpg] Als ich meinen Artikel für meine Menschin schrieb, freute die sich und hörte auch sofort mit dem Anschweigen auf. Nur als sie glücklicherweise ihre Sprache aber auch ihr Lachen wieder entdeckt hatte, ging es irgendwie  nicht in die von mir gewünschte Richtung.   Foto: JPG

Jürgen, sagte sie, ich habe ein Problem. Ups, sie hatte noch nie ein Problem, was sie sowieso nicht besser alleine lösen konnte, sämtliche Sinne standen auf vollste Konzentration. "Warum schreibst Du nicht für mich solche Artikel, wie diesen ….(Quäl ) Geister Artikel" Sie sagte das ganz unaufgeregt, wobei ihre Augen wieder in meine Seele blickten – wenn sie das in solchen Situationen doch mal lassen würde.
"Na ja, ich habe ja mit der Schreiberei eine ganz andere Intention.  Während du ja die Politik ganz abgeschrieben hast, meine ich doch, ein Wiederbelebungsversuch sollte von Erfolg gekrönt sein" so ich.
"Aber Du hast doch schon Erfolg, die Leute sind politisiert, reden über ihre Stadt, die politischen Parteien, die Kandidaten und sogar über politische Ziele werden formuliert." meinte sie. " Aber die Politiker haben sich in ihrer Wagenburg eingeschlossen, stellen sich nicht den Bürgern, haben Angst vor ihren eigenen Worten, wissen nicht zu überzeugen. Ich will das sie sich stellen!" meinte ich. "Gut, aber den einen oder anderen Menschinnen Artikel kannst Du doch schreiben? Mir gefiel der Artikel" Stand auf und ging raus.
Was sollte ich dazu sagen?Abgesehen von dem indirekten Lob, sie kann nicht direkt loben. In einer Partnerschaft ist es halt so, dass jeder dem anderen gefallen will – immer.
Wenn nicht, na dann wäre es keine Partnerschaft, so einfach ist das.
Also was tun? Ich will gefallen also schreibe ich, aber nur ab und an.

Foto:JPG   Foto:JPG   So um Weihnachten 2008 rief mich eine Voerderin an und erinnerte mich an ein Gespräch das wir lange vorher geführt hatten. Es ging um Gut Ahlhausen, welches für EUR 600.000,– zu verkaufen war. Sie bat mich ihr doch einmal zu folgen, was ich auch tat.
Oberhalb von Gut Ahlhausen zeigte sie mir eine Gruft, die so langsam vor sich hinrottete, verrostete Gitter die sich ohne Probleme  öffnen ließen  machten  den Weg frei auf ein Familiengruft.

Danach ging es wieder durchs Gebüsch abwärts. Mit dem Auto  fuhren wir auf der Strasse weiter in Richtung Peddenöde, links an einer Brücke hielten wir auf einem Parkstreifen. Von da ging es über eine niegel, nagel neue Brücke rechts einen Abhang rauf, Hohenstein oder so hieß die Richtung. Es war eher ein Pfad den man hoch ging, der schlecht ausgebaut war. Der Pfad hatte aber ein Geländer, das mir gerade bis unterhalb der Hüfthöhe ging. Um die Lauffläche zu ergreifen, musste ich mich etwas beugen. Unwillkürlich dachte ich an unsere Vorfahren im Mittelalter, die ja immerhin eine durchschnittliche Größe von 1,40 erreichten. So alt konnte das Gelände jedoch nicht sein, es war zwar tausend mal gestrichen worden (ich übertreibe jetzt), der Rost hätte aber innerhalb des genannten Zeitraumes dem Geländer längst den Garaus gemacht.

Ich taperte also hinter meiner Begleiterin her,  um an den Ort zu gelangen,  an dem sie mir was zeigen wollte. Es war nass und regnerisch, darüber hinaus hatte ich noch eine Erkältung, was dazu führte, das ich etwas unwillig folgte.

Urplötzlich hielt meine Begleiterin und zeigte auf den Abhang. "Hier war der Eingang, er muss hier gewesen sein", so sagte sie. Ich sah ein kleines Loch, was dreiviertel zugemauert war. Die Mauerung musste neu sein, denn sie war noch nicht bemoost., während die umgebenen Steine doch stark bemoost waren.
" Dies war der Eingang oder auch Ausgang, der zum Gut Ahlhausen führt, dieser Gang soll unterhalb der Ennepe in das Gut führen". Ihr Bekannter habe ihr schon viele Geschichte darüber erzählt. Vom Gut aus hätten seine Väter diesen Gang einmal betreten und hätten sich in der Mitte auf einmal unter Gebeinen wieder gefunden, hätten diesen Gang aber wieder schleunigst verlassen, weil ihnen zu unheimlich geworden war.
Mythen und Märchen? Ahlhausen soll aus dem 13.ten Jahrhundert sein. Es lag nicht weit vom der Handelsroute der Hanse. Die Anordnung des Ensembles konnte auch eine Zollstation gewesen sein, würde ich rein spekulativ sagen.
Denn als ich recherchierte stand das Gut auf einer Grenze, die Grenze war der Weg nach Willringhausen.
Das Gut selber steht unter Denkmalschutz, wobei bei der oberen Denkmalbehörde im Kreis  so niemand damit etwas anfangen kann. Es ist zwar gelistet,  aber es hat keine Geschichte, die auf das Vorgetragene hindeutet.

Meine Menschin meint, es gibt eine Truhe die mit Ideen überquillt, denn nicht nur ich habe Ideen. Leider sind die Entscheider so sehr mit Oelkinghausen beschäftigt, dass sie nicht zum sortieren kommen – schade.

Wie dem auch sei, dieses Gut steht zum Verkauf, leider nicht das gesamte Ensemble. Wobei ich mich mit  den Bewohnern des vorgelagerten Gebäudes noch nicht unterhalten  konnte.
Die Grundstücksfläche beträgt 20.000 qm, die Wohnfläche ca.800 qm über zwei Etagen, ohne das vorgelegene Gebäude, als Kaufpreis wurde mir EUR 600.000,– genannt, Verhandlungsbasis versteht sich. Ein Schnäppchen? Wohl kaum.

  Wohnraum    Küche    Was wäre aber wenn die Stadt dieses Gut käuflich erwerben würde?

  • Es in ein Tagungs-oder Schulungsgut umfunktionieren würde.
  • Es an einen Edelitaliener vermieten oder verpachten würde.
  • Es für exklusive Kulturveranstaltungen nutzen würde.
  • Es für Event Gut der besonderen Art vermieten würde.
  • Nutzungsmöglichkeiten gibt es zuhauf.

In Wuppertal haben wir Schloss Lüntenbeck, das von der Firma Dinnebier liebevoll restauriert und einer exklusiven Nutzung zugeführt wurde. Die steuerlichen Zuwendungen, von Land, Landesverband gingen in die Millionen. Allerdings hatte die untere Denkmalschutzbehörde selber ein Interesse,dass dieses Objekt zu einem herausragenden Objekt wurde. Warum nicht auch hier in Ennepetal? Derjenige müsste einen langen Atem haben, obwohl die oberste Denkmalbehörde ohne Probleme eine Einzelzuweisung genehmigen würde, dies als flankierende Finanzierung. Und wenn man Münster anspricht und diese vorgenannte Geschichte erzählen würde, kämen sicherlich noch andere Finanzierungstöpfe vom Landesverband für Dnekmalspflege zum tragen. Die oberste Denkmalschutzbehörde aber auch die Denkmalspflege in Münster wäre nicht abgeneigt,  diesem Gut mehr Beachtung zu schenken als einer Pauschalzuweisung. Und wenn ein privater Investor mit einstieg , würde er sich sogar an einer steuerlichen Vergünstigung  nach EStG erfreuen können.
Nun, ich könnte mir schon vorstellen, dass dieses Ensemble eine Perle in den Stadtmauern von Ennepetal werden könnte. Auch könnte ich mir ein Restaurant "Aubergine" wie in München vorstellen, allerdings macht es Witzigmann nicht mehr. Gute Köche werden sich für ein derartiges Unterfangen sicher finden. Im exklusiven Kreis ein Quartett oder Trio zu hören, dass wäre etwas für Ennepetal.

Und dann  würde evtl. eine Konkurrenz zur Klutherhöhle entstehen und sie würden positiv auffallen.
Nur, liebe Menschin, der Ehrgeiz der Ennepetaler ist nicht gerade als ausgeprägt anzusehen, was sie immer wieder unter Beweis stellen wollen. Und gute Ideen müssen in Ennepetal immer noch von den Alphatieren der Stadtverwaltung und der Politik formuliert werden, aus dieser vorgenannten Truhe versteht sich.

Die Fäden habe ich aufgenommen, das Tuch sollten aber die Anderen weben, bunt und schillernd, so wie es sich für eine attraktive Stadt gehört.

Jürgen Gerhardt
 

Ist der Rat der Stadt am Nasenring der Stadtverwaltung?

 [jpg] Im Verkauf eines Industrieunternehmens kann man nie ohne eine ausgeklügelte Verkaufsstrategie vernünftige Umsätze machen. Dabei kommt es in der Regel nicht darauf an was der Kunde braucht, vielmehr was der Kunde haben sollte. Man ist von seinen Produkten oder Dienstleistungen überzeugt, also sollte der Kunde diese auch bekommen.
Wie funktioniert das eigentlich? Zuerst muss man herausbekommen, wer das sagen in einer Firma hat, das sind bei KMU  Unternehmen (Klein- und mittlere Unternehmen)  in der Regel nicht mehr als zwei bis drei. Wir sprechen über Aufträge die sechsstellig sind. Dazu kommen noch die betroffenen Abteilungsleiter oder aber auch Sachbearbeiter. Es finden nun Vorgespräche statt. Hier gilt es alles über die Personen herauszubekommen, sei es privat oder auch dienstlich. Diese Informationen werden alle in Berichten gespeichert. Die Kunden, eben die vorgenannten, schildern was sie sich so an Produkten  vorstellten und welche Probleme sie damit lösen wollen. Es wird nur ein in etwa Preis genannt. Ich spreche von der IT Branche, der ich eine ganze Zeit lang angehörte.

Nach diesen Gesprächen wird eine Präsentation angefertigt, in die alle bisher erlangten Informationen einfließen. Da gibt es ein Standardpaket, Hardware und Software, plus Schulung. Nun wird ein Termin abgemacht, wozu alle Beteiligten eingeladen werden. Nicht nur die zwei oder drei Entscheider, vielmehr werden alle,  die von dieser Investition betroffen sein werden,  mit eingeladen. Wir kommen nun auch mit 3 Leuten je nach Auftragsgröße. Die Präsentation läuft dann so ab, indem gesprächsweise die erlangten Informationen einfließen die man erlangt hat. Es entsteht der Eindruck als wenn nur für diese Firma etwas zusammengestellt wurde. Die Personen und deren Abteilungen fließen mit ein aber auch die Geschäftsleitung findet sich in dieser Präsentation wieder.  Wir selber sind in dunkelblauen gestreiften Anzügen anwesend, während in der Regel der Betrieb etwas salopper angezogen ist.
Das schafft Überlegenheit und Kompetenz.

Nachdem die Präsentation zu Ende ist werden die einzelnen Personen angesprochen und darauf hingewiesen, wie gut sie uns auf den Weg gebracht haben und wie wir das so auch umgesetzt haben.
In der Präsentation werden mehrere Module und Objekte, die das Arbeitsleben erleichtern, vorgestellt und zwar besonders positiv erwähnt. Nicht unerwähnt bleibt, dass der Mitbewerber logischerweise mehrere Module geordert hatte.

Zum Schluß wird zu einem Meinungsaustausch aufgefordert wobei wir froh wären, jetzt weitere Anregungen aus dieser Firma zu bekommen. Danach ist es so, dass in der Runde fast alle Module als ein "must" eingeordnet werden. Die Gruppe ist kaum mehr zu bremsen. Die Entscheider wollen nun nicht als kleinkariert dastehen und stimmen den Forderungen auch zu. Weitere Fragen werden auch nicht mehr gestellt, es ist von uns ja auch alles gesagt worden. Durch die Vorbereitung und die Art des Vortrages geschieht es sehr oft, dass der anvisierte Auftrag um bis das Dreifache ausfällt.

Fakt ist jedoch bei der Strategie, niemals die Führung aus der Hand zu geben aber den Eindruck erwecken der Andere wäre Herr der Situation und der Kunde wäre was besonderes.
In der Regel sitzen uns Menschen gegenüber die uns fachlich in jeder Hinsicht total unterlegen sind, wagen das aber nie zu zu geben. Wir behandeln sie aber so als wenn sie diese erheblichen Wissensdefizite nicht hätten. Wer traut sich schon zu zugeben, er wisse nicht Bescheid, wenn man ihm ja gesprächweise die Kompetenz zugesprochen hat? Schon mal gar nicht in einer Gruppe (Gruppenzwang). Jeder tut so als wenn er Ahnung hätte – hat er nicht.

Kurz es wird der Auftrag geschrieben und sodann auch unterschrieben, der Termin gesetzt und gut ist.
Hatte der Kunde eine Chance? Nein. Der Kunde wurde glatt am Nasenring geführt. Später sagte man, die wollen es ja nicht anders. Man muss halt die Kunden zu ihrem Glück ein bisschen zwingen.

Als ich nun die beiden Ausschüsse der Stadt besuchte und mir den Ablauf der Sitzungen zu Gemüte führte, erinnerte ich mich an die damaligen Abläufe.
Da waren erst einmal die vielen Informationen die den Mitglieder vorher aus den Fachabteilungen zugeschickt wurden, die teilweise ein fundiertes Wissen erforderten, die aber nicht vorhanden sein konnten. Dann der Gruppenzwang der den Einzelnen nicht in die Lage brachte Fragen zu stellen. Wer will schon als dumm dastehen?
Die Fachbereichsleiter aber auch die Referenten waren allesamt so gekleidet, dass sie den Ausschussmitgliedern Respekt abverlangten. Dann der Vortrag des TOP durch den Vorsitzenden.
Der Vorsitzende gab dann an den Fachbereich ab, der nun seinerseits vortrug. Dann übernahm wieder der Vorsitzende des Ausschusse, der nunmehr evtl. an einen Referenten (Outsourcing) weitergab. Der Referent gab wieder zurück an den Vorsitzenden des Ausschusses. Die "Bälle" wurden so gespielt, dass keine Zwischenfrage gestellt werden konnten, die Themen waren sehr exklusiv und erforderten ein fundiertes Fachwissen. Und da keine Frage? Wenn man nun bedenkt, dass die beteiligten Ausschussmitglieder in der Regel zwar mit einer gewissen Bildung ausgestattet sind, aber auch durch ihre berufliche Ausbildung vorbelastet sind, so mutet es doch irgendwie verdächtig an, wenn bei solchen Themen a la European Energie Award keine Wissensfragen oder Grundsatzfragen gestellt wurden. Es gab nur eine Erklärung, dass einzelne Ausschussmitglied wollte nicht als Dummkopf dastehen. Denn jeder war darauf bedacht, vor dem Anderen als im Bilde dazustehen.
Auf Nachfrage ob denn vorher eine Einführung des Themas stattgefunden hatte, wurde dies verneint. Auf  den von mir gemachten Vorwurf, es sollte doch nichts entschieden werden, worüber man nicht Bescheid wisse, wurde  nur entgegnet, man sei ja "Hobbypolitiker" und könne nicht über alles Bescheid wissen. Aber wo ist denn das Bewusstsein, dass es auch Entscheidungen gibt die letztendlich zu einer Katastrophe führen können?

Eindrucksvoll wird uns solch eine unselige Gemengelage von Nichtwissen und eingefahrenen Regeln innerhalb eines Stadtrates in Köln vorgeführt, die letztendlich zu einer Katastrophe führte.
Bei der 4 Kilometer langen Nord-Süd- Trasse der Kölner U-Bahn wurden sechs von 12 Baulose an einen Prüfingenieur aus München vergeben, der zwar weitaus  der billigste war, jedoch im Nachhinein nicht fachlich in der Lage war, solch ein Gutachten zu erstellen, so das RWTH Aachen. Die Vergaberichtlinien sehen aber nicht ausdrücklich vor, den billigsten Anbieter zu nehmen. Sie sehen auch vor einen anderen Anbieter zu nehmen, wenn der begründete Verdacht besteht, dass der Anbieter nicht den Nachweis erbringen kann, solche Arbeiten schon einmal ausgeführt zu haben.
Diese Vergabe wurde jedoch im Ablauf in nicht öffentlicher Sitzung, so wie vor beschrieben durchgewunken, mit fatalen Folgen. Das Kölner Stadtarchiv und andere angrenzende Häuser stürzten ein und zwei Tote waren zu beklagen. Fragen die die Politiker hätten stellen müssen, wurden in keinem der Gremien gestellt. Es war ja so toll, einen Anbieter gefunden zu haben der es für rund 500 tsd.machte, da stellte niemand die Frage warum die anderen Anbieter bis zu 1,5 mio verlangten.
Das Hickhack was sich jetzt zwischen der KVB und der Stadt Köln darstellt, stellt hierbei nur den Verschiebebahnhof der Verantwortlichkeiten dar.

Nun, was für eine Konsequenz können wir für Ennepetal ziehen?

Für die "immer-weiter-so" Fraktion gibt es nur eine Konsequenz, und zwar, wir haben keine U-Bahn und werden auch nie eine bekommen – Ende. Oder es ist ja noch nie was schiefgegangen.

Für die Nachdenklichen, ich hoffe es gibt noch welche, sollte das ganze System der Ausschüsse und deren Lenkung überdacht werden. Dabei sollte die fachliche Kompetenz der Ausschussmitglieder zu vielen Themen in Frage gestellt werden. Der organisatorische Ablauf ist durch die überbordenden Informationen ( Nürnberger Trichter ) aus den Fachabteilungen nicht angemessen. Der Zeitrahmen indem selbst schwierige Themen abgebildet werden ist unangemessen.

Auf der anderen Seite beobachtete ich den Grundkonflikt zwischen der Verwaltung und dem Rat der Stadt. Die Verwaltung möchte in einem leistungsbedingten Zeitrahmen die Arbeit erledigt haben, dem steht aber der Aufklärungsbedarf und das Wissensdefizit der Ratsmitglieder konträr entgegen.
Wenn man den Rat der Kommune einmal definiert, so ist er kein Parlament, also Legislative, sondern er ist Teil der Stadtverwaltung, also Exekutive. Der Rat ist also ausführendes Organ, kurz sie bilden eine Organschaft Und auf Grund dieser Stellung kann und sollte er sich auch anders organisieren können, die GO NRW hat jedenfalls nichts dagegen. In den Parlamenten gibt es einen Ältestenrat, er evtl. korrigierend in die Abläufe eingreift. Soweit ich informiert bin ist es auf kommunaler Ebene die interfraktionelle Zusammenkunft.

Was bleibt ist die Frage wurde der Nasenring bewusst oder unbewusst aufgezogen und von wem wurde er aufgezogen und geschah das auf freiwilliger Basis?

Jürgen Gerhardt

So stelle ich mir meine Stadt Ennepetal vor

 

Es war gestern Nachmittag in der Kreuzkapelle, Harkortstr. 8  in Ennepetal. Die Mitglieder der Evangelischen-Freikirchlichen Gemeinde hatten wieder einmal, wie an jedem letzten Dienstag eines Monats um 15.00 Uhr  zum TREFF 55 +  und ausführlichen Kaffetrinken eingeladen.                                                                 

Diese Gemeinde, unter Leitung von Bernfried Stich, ist in Ennepetal längst bekannt für viele Initiativen und kreative Ideen, ob es nun der Ostergarten oder auch die Mitausrichtung der Weihnachtsgeschichte im alten Krusegebäude, aktuelle Vorträge,  informative Besichtigungsfahrten oder Wanderungen sind.

Ich war als Gast dabei und man spürte direkt die herzliche Stimmung, die in dieser Gemeinschaft vorherrschte und das man gern willkommen war.

Für diesen Tag hatte sich Bernfried Stich etwas Besonderes ausgedacht, denn auch die Menschen über 55, Vorruheständler, Rentnerinnen oder Rentner, aber auch die, die in diesem Alter noch zur Arbeit gehen oder selbständig sind, möchten gerne über  "ihre Stadt Ennepetal" ausführlich informiert werden. Und somit war der Beigeordnete Wilhelm Wiggenhagen zum Gespräch und zur Diskussion eingeladen  – Thema: "So stelle ich mir meine Stadt Ennepetal vor" .

Es war ein ganz anderer "Wiggenhagen", den man hier erleben durfte. Irgendwie als wäre ein Sohn der Gemeinde von einer langen Reise wiedergekommen und würde nun über seine Erlebnisse berichten.

Zunächst wurden positive Dinge berichtet, wie das Industriegebiet Oelkinghausen, unser Gymnasium, Schulen in Ennepetal überhaupt und auch die zahlreichen Sportvereine "von dem inzwischen jeder seinen Rasenplatz" hat. Dann wurden eine ganze Reihe Dinge aufgezeigt, wo die Stadt Ennepetal nach seiner Meinung in den letzten Jahren nicht reagiert hatte und hier einiges ins Arge gekommen war. Und das Beste daran, er machte nicht wie ihm sonst vorgeworfen wird, andere dafür verantwortlich, sondern bekannte sich: "Leider betrifft es auch mich, denn mitgegangen – mitgehangen ich gehöre mit dazu"  War irgend wie beeindruckend und die Anwesenden, die ihn anschließend noch mit vielen Fragen torpedierten und auch akzeptable Antworten erhielten, waren sehr von ihm angetan.

Es tauchten Fragen auf, wie denn die Möglichkeit wäre, ein Mehrgenerationshaus zu bauen, bzw. einzurichten. Ein Thema, mit dem wir uns hier von En-Mosaik in Kürze noch ausführlich auseinandersetzen werden.
 

Frau Eichinger von der CDU, die ebenfalls Gast des Nachmittages war, regte an, im Rathaus eine Empfangsstelle einzurichten, wo Bürger so wie an diesem Nachmittag Fragen stellen und auch Vorschläge machen könnten, wo die Namen und Adressen der Bürger und ihre Einwände festgehalten werden und später auch nachzulesen ist, wie und wann hier etwas geschehen ist.

Ein sehr konstruktiver Ansatz und ich denke, wenn alle [und ich meine a l l e] miteinander und füreinander arbeiten würden, so wie es harmonisch an diesem Nachmittag passierte, wäre Ennepetal schon einen Schritt weiter.

Alles schien sehr authentisch und ich möchte nur wünschen, das es nicht nur eine Goodwill-Tour wegen der baldigen Wahl war.

 

Linde Arndt

 

Ist der Ruf erst ruiniert….!

 Ist der Ruf unserer Stadt der Stadtverwaltung nun ganz egal?

Man kann als Ennepetaler schon die Tränen in die Augen bekommen, wenn man die letzten Monate und Wochen die Zeitungen aufschlägt. Aber, war das nicht immer schon so? Hatte man sich nicht irgendwie daran gewöhnt?

"    Da wird eine Fuzo eröffnet und es fehlen Einzelhändler!
"    Da hungern Kinder in den Schulen und der Kinderschutzbund muss eingreifen.
"    Da wird ein Citymanagement gegründet als GmbH&Co.KG, wo es ein Verein auch tun würde.
"    Da kommen Leute mit einem Schienenbus in Ennepetal an, die nicht wissen wo es längs geht.
"    Da wird ein Konzept verwendet, welches nicht frei von Rechten ist und eine Urheberrechtsverletzung in Kauf genommen.

Das alles muss man sich ansehen und kommt sich recht hilflos vor, wenn man die Attraktivität der Stadt doch
erhöht sehen will. Ob in  Schwelm, Gevelsberg und anderswo, überall dieses Grinsen wenn man von Ennepetal spricht. Das Grinsen welches besagt, he, hör mir damit auf, Du hast ja den Schuss nicht gehört.
Mich persönlich hat die Nachricht mit den hungernden Kindern am meisten aufgeregt. Mir fiel auch spontan das Werk von Frau Kollwitz ein, welches im Jahre 1924 entstand. Sind wir wieder soweit?

Und wie reagiert die Stadtverwaltung?
Ein Krisenmanagement sieht aber ganz anders aus. Untergebene oder Andere werden als Verantwortliche zitiert, wobei die eigene Verantwortung nicht zählt.
Und die Politiker? Im Falle des Teckels hat zumindest die SPD Kandidatin die Deckung verlassen, wurde aber sofort von der Stadt auf der CDU Internetseite abgebügelt, wobei es schon ein starkes Stück ist , wenn ein städtischer Angestellter auf einer örtlichen CDU Parteiseite seine Korrespondenz veröffentlicht. 
Nun streitet man sich über das Neutralitätsgebot, während immer noch nicht geklärt ist ob die Besucher das nächste mal nicht doch über die Gleise laufen sollten, bis die sich einigen.

Ist der Stadtverwaltung eigentlich bewusst, dass sie mit solchen Schlagzeilen das Image unserer Stadt schwer beschädigt. Und ist ihr nicht bewusst, dass sie mit diesen Reaktionen  einen noch größeren Imageschaden herbeiführt?
Letztendlich ist der Bürgermeister als die oberste Instanz in der Stadtverwaltung verantwortlich, wenn der nicht anwesend ist, der Beigeordnete. Wo aber nehmen diese beiden Ihre Verantwortung wahr?
Dann die Politiker im Rat –  sie sollen die Verwaltung kontrollieren, wo ist da eine Sitzung gewesen, wo solche Dinge behandelt wurden – und zwar öffentlich.

Man sollte nicht nur über die Attraktivität der Stadt Ennepetal reden, sondern auch etwas für unser Image tun!!!
Und dazu gehört z. B.: "Der Rat der Stadt Ennepetal beschloss in einer Eilsitzung die Mittel für Kinder in Not aufzustocken. Das Credo: Kein Kind in unseren Stadtmauern ohne warme Mahlzeit!!!!!! "

Und liebe Leute, diese Schlagzeile geht durch die ganze Republik, eine Imgagewerbung, die ihr Geld wert ist.

Wenn nun aber niemand eingreifen will, so sollte man doch einmal ernsthaft überlegen ob man nicht die kommunale Aufsichtsbehörde ansprechen sollte, die das Funktionieren der Kommune herstellt. So wie es bisher läuft wird der Stadt und damit den Bürgern ein Schaden zu gefügt, der in Zukunft nicht getilgt werden kann. Im Zweifelsfall sollte der Bürger überlegen ob er nicht ein Bürgerbegehren in Gang setzen sollte.