Auszeichnung für die „gute Seele der Kleiderkammer“

(pen) Hohe Auszeichnung für Doris Weyersberg: Für ihr jahrzehntelanges soziales Engagement erhielt sie die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

   
  Gruppenbild mit der Ordenträgerin: Ehemann Bernhard Weyersberg, Carin Hell (DRK Landesverband Westfalen-Lippe), Landrat Dr. Arnim Brux, Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe und Oliver Flüshöh (DRK Ortsverband Schwelm)/Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis  

"Sie gehören zu den Menschen, die bis an die Grenze der eigenen Belastbarkeit und auch darüber hinaus Mitmenschlichkeit auf eine für Sie selbstverständliche Weise leben", hob Landrat Dr. Arnim Brux bei der Übergabe des Ordens im Schwelmer Kreishaus hervor. 

Seit 1989 ist die 71-jährige die feste Größe in der Kleiderkammer des DRK Ortsvereins Schwelm. Was zunächst als Übergangslösung gedacht war, um nach dem Fall der Mauer Bürger aus der DDR mit dem nötigsten zu versorgen, wurde angesichts der großen Nachfrage zu einer dauerhaften Anlaufstelle für Bedürftige. "Doris Weyersberg leistete die notwendige Aufbauarbeit und übernahm als Leiterin Verantwortung.

Schnell wurde sie zur guten Seele der Einrichtung", würdigte der Landrat. Tag für Tag nimmt die Schwelmerin bis heute Spenden entgegen, sortiert Kleidung, kleine Elektrogeräte und Spielwaren in die Regale und sucht gemeinsam mit den Besuchern das Passende aus.  "Es ist allerdings nicht das ´Was´ sondern das `Wie´, das über die Jahrzehnte zum Markenzeichen der Leiterin wird", so Brux. Für Hilfesuchende habe sie stets ein offenes Ohr, wickle alles unbürokratisch ab und sei immer freundlich und aufgeschlossen. "So gelingt es ihr, anfängliche Ängste und Scham abzubauen. Für viele ihrer Kunden ist Doris Weyersberg längst auch Seelsorgerin. Sie wird geschätzt und geachtet, nicht wenige der jährlich 4.500 Bedürftigen sagen ´Tantchen´ oder `Oma´ zu ihr", wies der Landrat auf eine Vielzahl vertrauter Beziehungen hin.

Dies sei genauso wie die Dankbarkeit in den Augen der Betroffenen sicher Lohn und Anerkennung für die ungezählten Einsatzstunden in der Kleiderkammer.  Auch den Menschen, die etwas übrig haben und dieses an und für andere abgeben, vermittle Weyersberg immer ein besonderes Gefühl. "Obwohl Sie die Spenden nur weitergeben, haben Sie sich immer so gefreut, als wäre es ein Geschenk für Sie persönlich. Häufig hatten Sie auch schon genau im Hinterkopf, für welchen Ihrer Kunden dieses oder jenes Kleidungsstück etwas sein könnte", betonte der Landrat. 

Abschließend merkte er in seiner Laudatio noch an, dass es für ihn nach wie vor eine besondere Freude ist, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an eine Frau zu übergeben. "Wer die Auszeichnung mit dem Orden zum Maßstab nimmt, der kann schnell dem Trugschluss erliegen, dass das Ehrenamt männlich ist. Nach wie vor gehen nämlich sieben von zehn Orden an Männer. Eine mögliche Erklärung: Frauen sind im Bereich soziales Engagement und auf der Ebene des konkreten Dienstes am Menschen mit einem Anteil von zwei Dritteln zwar überproportional vertreten, in Leitungsfunktionen und damit wohl auch in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit dominieren aber weiterhin die Männer. Vermutlich werden diese daher einfach häufiger für einen Orden vorgeschlagen." 

Stichwort Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland  Der Verdienstorden ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Er wird an Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen sowie für Verdienste aus dem sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich verliehen. Seit seiner Stiftung durch Bundespräsident Theodor Heuss 1951 wurden etwa 240.000 Menschen auf diese Weise für ihre Leistungen gewürdigt. Der Orden verfügt über acht verschiedene Stufen. Als Erstauszeichnung wird im Allgemeinen die Verdienstmedaille oder das Verdienstkreuz am Bande verliehen.  Jeder kann die Verleihung des Verdienstordens an einen anderen anregen. Das Schreiben ist formlos an die Staatskanzlei des Bundeslandes zu richten, in dem der Vorgeschlagene wohnt. Die Anregung sollte neben Namen und Anschrift des möglichen Ordensempfängers auch Art und Umfang der Verdienste darstellen und Personen oder Organisationen nennen, die zu dem Vorschlag Stellung nehmen können. Übrigens: Wer seine eigene Auszeichnung anregt, kann nicht mit einer Verleihung des Verdienstordens rechnen.

 

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