Zeichen setzen für Gemeinsamkeit

[la] Das wohl spektakulärste Kunstprojekt anlässlich der RUHR 2010 hatte heute seinen Stapellauf (oder besser gesagt – Höhenflug).

 

Schachtzeichen: Ein Zeichen setzen für das Ruhrgebiet und den Ennepe-Ruhr-Kreis und den Strukturwandel.

4000 qkm groß wird die Kunstinstallation. Aus den ehemals mehr als 3.300 Schächten und 10.000 Tagesöffnungen wurden 350 ausgewählt und wurden dadurch Teil des flächenmäßig größten Kunstwerkes der Welt.

In über 311 früheren Bergwerksschächten im Ruhrgebiet hat die Kulturhauptstadt eines ihrer spektakulärsten Projekte gestartet. Mehr als 2000 Helfer ließen 3,70 Meter große Gasballons bis zu 80 Meter hoch in den sonnigen, aber leicht bedeckten Himmel steigen. Sie sollen das einst dichte Zechennetz im Revier ins Bild setzen und zugleich für den Strukturwandel stehen.

Weitere 39 Standorte werden im Laufe der kommenden Woche noch hinzukommen, so daß zum Abschluß der Aktion die 350 Ballons das geplante Kunst-Netzwerk ergeben, das in seiner Einmaligkeit noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Und so erhielten wir heute die offizielle Pressemitteilung aus Essen:

Mit Applaus und Beifall sind die 311 gelben Heliumballone des Kulturhauptstadt- Großprojekts SchachtZeichen am heutigen Samstag um Punkt zwölf von Tausenden Menschen begrüßt worden – die größte Kunstinstallation der Welt schmückt bis zum 30. Mai 2010 den längst wieder blauen Himmel über dem Ruhrgebiet. Die SchachtZeichen markieren auf einer Fläche von 4.000 km2 von Weitem sichtbar die ehemaligen Kohlenschächte und symbolisieren mit den Mitteln von Kunst und Kultur den Wandel der ehemaligen Kohle- und Stahlregion zu einer Metropole der Zukunft, der Metropole Ruhr. „Es war ein mannigfacher Sonnenaufgang zur Mittagsstunde“, sagte Fritz Pleitgen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH hat das Auflassen der Ballone am Maximilianpark in Hamm erlebt. Sein Geschäftsführer-Kollege Oliver Scheytt freute sich derweil an der Halde Rheinelbe, im Volksmund „Himmelsleiter“, dass die Aktion auch dort von so vielen Bewohnern und Besuchern der Kulturhauptstadt Europas gefeiert wurde – mit Picknick hier, mit Sektkorken dort, festgehalten von einer Legion an Fotoapparaten. „Alle haben beim Thema Ruhrgebiet Bilder von Zechen im Kopf – die SchachtZeichen zeigen, was aus ihnen geworden ist: nämlich neues Leben in der Metropole Ruhr“, erklärt Oliver Scheytt. „Es sind vor allem die Geschichten der Menschen, die unter den SchachtZeichen lebendig werden und damit auch den Mythos Ruhr durch ihre Erzählungen begreifbar machen. Sie tragen die Vergangenheit vor und verbinden sich mit der Zukunft.“ An vielen Standorten seien Bergleute vor Ort, die vor über 30 Jahren mit einem Deckel den Schacht endgültig geschlossen haben.


                                      

Wir waren in Gevelsberg mit dabei, wie wir weiter unten noch ausführlich berichten werden.

Ennepetal hatte wohl seine Gründe, warum sie sich an diesem Projekt erst gar nicht beteiligt haben, oder sie gingen von Anfang an davon aus, dass sie keine freiwilligen Helfer hierfür aktivieren könnten und so wurde es erst gar nicht in Angriff genommen.  Schade.

Schwelm wollte es unbedingt und hat lange darum gekämpft, bei diesem Zeichen für die gesamte Kulturlandschaft dabei zu sein. Leider sind die Auflagen ziemlich hoch und so war es trotz Aufruf in der Presse nicht möglich, für die gesamten  9 Tage jeweils täglich für 12 Stunden Helfer zu bekommen. Etwas traurig für alle Schwelmer, insbesondere den Bürgermeister, der mit ganzem Herzen hinter dem Projekt stand, mußten wir heute aus der Presse erfahren, das der heutige Start – gemeinsam mit den 39 übrigen Städten leider nicht möglich war.

So schreibt derWesten u.a.:

Knackpunkt ist das Personal. Ein Aufruf blieb fast ohne Erfolg. Kaum ein Bürger wollte das Ehrenamt übernehmen, auf den gelben Ballon aufzupassen. Ist der Ballon erst einmal mit Gas gefüllt, muss er zur Sicherheit rund um die Uhr bewacht werden. Schließlich fanden sich zwölf Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Technischen Betriebe Schwelm bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Zu wenig, um das Projekt Schachtzeichen eine ganze Woche lang in Schwelm betreiben zu können.

Deshalb wird es in der Kreisstadt ein stark abgespecktes Projekt geben. Statt am heutigen Samstag, wird der gelbe Ballon erst am kommenden Freitag erstmals in den Schwelmer Himmel aufsteigen. Mit dem Abschluss der Aktion liegt Schwelm allerdings wieder im Zeitplan der ruhrgebietsweiten Aktion. Am Sonntagabend soll der Ballon, wie seine 310 Kollegen im Gebiet der Kulturhauptstadt, zum letzten Mal eingeholt werden – und dann allerdings endgültig.

Diese großflächige Aktion braucht das Engagement tausender Helfer und Unterstützer vor Ort – sie sind das Herzstück des Projekts. Denn sie zeigen wie das miteinander im Ruhrgebiet  funktionierte und auch noch heute funktioniert.

SchachtZeichen-Volunteers lassen den Ballon morgens aufsteigen, holen ihn abends oder bei Unwetter herunter und passen auf, dass er keinen Schaden nimmt; sie stehen auch für Fragen zum Standort zur Verfügung und haben in vielen Fällen bereits diverse Veranstaltungen "unter dem Ballon" geplant.

Der Projektgeber Dr.Volker Bandelow  hat das Projekt Schachtzeichen auch als Netzwerk verstanden, wonach die Standorte ihre Verbundenheit miteinander dokumentieren werden. Wir gehören dazu, wir sind der Wandel und stehen für diesen ein.


 

Wir aber durften – wie oben schon erwähnt – in Gevelsberg auf der ehemaligen Zeche Trappe, heute Betriebshof der Firma Schäfer & Flottmann, Esborner Straße 97 – 103, dabei sein und es war schwer beeindruckend.

Als nach der Eröffnungsansprache durch Bürgermeister Claus Jacobi und dem Gastgeber der Startfläche, Herrn Heinrich Flottmann auch der sich hinzugesellte Landrat Dr. Arnim Brux die Anwesenden gebührend begrüßt und über das aussergewöhnliche Projekt  ausgiebig informiert hatten, und  der Männergesangverein Diamant, Silschede, die feierliche Zeremonie musikalisch untermalte, wurden durch das Sicherheitspersonal "Schachtzeichen" die Sicherungsleinen punkt 12:00 Uhr gelöst und der 3,70 Meter große Ballon, der  tagsüber bis zu  9 Tagen  80 Meter hoch am Himmel steht, setzte sich nach oben in Bewegung.

                  

Mit ihm stiegen in Gevelsberg aber auch 50 Helium – Ballons mit dem SchachtZeichen und Grußkarten aus Gevelsberg auf, symbolisch für die Helfer der Aktion "Schachtzeichen"  und genau das setzte noch einmal ein besonders Zeichen für die Bedeutung der Aktion "Wir sind mit allen anderen verbunden".

Schaute man nun nach rechts, so stieg zur gleichen Zeit von Wetter her der dortige Ballon des Schachtzeichens in den Himmel.

Wie beeindruckend muß das Ganze erst aus der Luft oder Sicht eines Flugzeuges zu sehen gewesen sein. Immerhin sind insgesamt 311 Helium-Ballone aufgestiegen – ein gigantisches Gesamtkunstwerk, wie es so etwas in seiner Art noch nie gegeben hat.

        

In Gevelsberg-Silschede gab es jetzt noch ein kleines festliches Rahmenprogramm. Jule Karthaus  las aus dem Buch "Sagen und Geschichten aus Nordrhein-Westfalen".

Helmuth Orth und Siggi Lettau vom Förderverein Bergbau historischer Städte stellten eine Ausstellung mit historischen Dokumenten und Fotos zur Verfügung.

Der MGV Diamant gab noch einige Stücke seines Repertoires zum Besten.
Bürgermeister Jacobi bedankte sich bei den vielen Helfern die diese Aktion ermöglicht hatten. Nur Gevelsberg ist, wie von Jacobi erwähnt nicht der südlichste Punkt beim Schachtzeichen, wenn am 29. Mai Schwelm sein Schachtzeichen setzt, wird Schwelm diese Position einnehmen.

Und nun noch einige Bilder von der Schachtzeichen-Eröffnung in Gevelsberg.

[alle Bilder in diesem Artikel und der Gallery von Linde Arndt]

Und wieder ist ein neues Glied in der Kette der Metropole Ruhr geschmiedet, wo  eins ins andere greift und gemeinsame Stärke und Verbundenheit symbolisiert.

Welch gigantisches Jahr – und es sind erst 5 Monate herum.

Danke RUHR2010, dank an alle Initiatoren, die Macher, die für diese Idee gekämpft haben, besonderer Dank an alle Helfer, die sich ebenso mit dieser Idee identifizieren und die Menschen in den Städten und Gemeinden, die diese Idee mit tragen und realisieren.

 

Linde Arndt

für EN-Mosaik aus Gevelsberg

 


Innerhalb des Projektes gibt es aber noch ein weiteres Highlight. Am 24. und 29. Mai  von 22:00 bis 1:00 Uhr werden die Ballone von innen beleuchtet – das NachtSchachtZeichen oder auch Ballonglühen. So werden an vielen Standorten die unterschiedlichsten Veranstaltungen stattfinden. Da wird es Nachtwanderungen, Feten, Konzerte. Lesungen oder auch Rockkonzerte geben. Denn an diesen Tagen ist Vollmond und die Sonne geht um 21:30 Uhr unter.

 

 

So kann man heute schon sagen, der Strukturwandel, der letzten 30 Jahre eines industriellen Kerngebietes ist vielerorts schon gelungen und andern Ortes noch in vollem Gange. Wenn vor Jahren noch 80 % mit Industriebetrieben und 20 % mit Dienstleistern belegt waren, so hat sich das Verhältnis inzwischen gewandelt und es sind nun 80% Dienstleister und 20% Industriebetriebe.


Auf der Seite von Schachtzeichen.de gibt es ein interessantes Video von Schachtzeichen-TV

http://www.schachtzeichen.de/deutsch/fotos/videos/

Und zum Abschluss noch einen Screenshot von Google über die Standpunkte der Schachtzeichen.

 

6 Kommentare
  1. Ein Voerder says:

    Typisch für Ennepetal.
    Wir stehen immer abseits.
    Armes Ennepetal, hat noch nicht einmal die paar Euro um mitzumachen.

  2. Anneliese Bröking says:

    Ich glaube nicht, dass es am Geld liegt. Ist eben mit viel Aufwand verbunden und ich könnte mir denken, dass Ennepetal den Vernetzungsgedanken von Ruhr 2010 nicht wirklich begriffen hat. Habe auch nicht mitbekommen, dass man sich so wie Schwelm überhaupt bemüht hätte. So etwas ist Ennepetal eben nicht wichtig. Gevelsberg kann froh über so einen Bürgermeister und die aktive Verwaltung sein. Schwelm ebenso. In Ennepetal sind ja mit der Local Heros Woche schon Welten bewegt worden. Wer weiß welche Ausreden man jetzt dafür hat, das Ennepetal mal wieder abseits steht.

  3. Peter Kappel says:

    Ich war auch in Gevelsberg. Super Geschichte. Toll das es Gevelsberg wieder geschafft hat ein Zeichen zu setzen. Die sind wirklich aktiv. Jetzt freue ich mich auf Schwelm kommenden Freitag. Hat doch auch ein Gutes. So kann man es zwei mal miterleben und ich werde bestimmt auch noch mit meiner Familie nach Essen fahren.
    Frau Kruse von der WAP meint ja, Meininghausen würde reichen, ein schwacher Trost.

  4. Jannik says:

    „Ennepetal hatte wohl seine Gründe, warum sie sich an diesem Projekt erst gar nicht beteiligt haben, oder sie gingen von Anfang an davon aus, dass sie keine freiwilligen Helfer hierfür aktivieren könnten und so wurde es erst gar nicht in Angriff genommen. Schade.“

    Haben Sie einmal nachgefragt ? Wenn nicht machen Sie das doch bitte im Sinne einer fundierten Berichterstattung. Ich habe nachgefragt, sogar schon vor Wochen (sehen Sie mal, wann ich mich für das Thema schon interessiert habe).
    Es gab wirklich nachvollziehbar gute Gründe aus der Ennepetaler Sicht, sich aus diesem Projekt zurückzuziehen. Anfangs waren sie nämlich dabei 😉
    So liebe Redaktion, wieder etwas dazugelernt……

  5. Redaktion
    Redaktion says:

    Mir wurden von Seiten der Stadt Kostengründe genannt, ich hatte keinen Grund daran zu zweifeln. Da viele Kommunen, die teilweise sich in einen Nothaushalt befinden, sich aber daran beteiligt haben, waren offensichtlich die Prioritäten bei der Stadt Ennepetal anders gelagert.
    Ist doch auch ok, wenn die Stadt Ennepetal keinen gesteigerten Wert auf eine Außendarstellung legt. Als „graue“ Stadt habe ich ja immerhin ein Image zu verlieren.

  6. Jannik says:

    Leibe Redaktion,

    ich habe mal auf Grund aller Kritik und Ihrer Berichterstattung eine Schachtzeichenrunde am Samstag abend gemacht.
    Was soll ich hier berichten ? Im Ruhrgebiet war es klasse.
    In Witten waren nur 2 Ballone zu sehen, die restlichen waren nicht hochgezogen. In Sprockhövel wurde der Ballon um 23 Uhr heruntergezogen, schade für mich, ich ging davon aus, dass ich die Ballone im Südkreis bis 1 Uhr sehen konnte, wie es dir Ruhr 2010 engegeben hat. Das war ein Irrtum, denn wie gesagt, um 23 Uhr kam ich in Sprockhövel pünktlich zum Abbau. Vom Schwelmer und Gevelsberger Zeichen habe ich dann schon nichts mehr gesehen. Eine Wetterwarnung hat die Internetseite http://www.ruhr2010.de jedoch nicht aufgezeigt, als ich nach Hause kam.
    Und Schwelm war für mich eine Katastrophe. Da wurde etwas gemacht, ohne handelnde Personen zu haben, so dass nur an drei Tagen das Schachtzeichen zu sehen war ? Schande, ich wusste garnicht, dass die Ennepetaler Manieren schon abgefärbt haben. Naja, Schwelm ist halt auch nur ein Dorf und die Schwelmer sind auch nur Menschen, gut zu wissen.
    Das schöne war, man konnte nur aus dem Ruhrgebiet selber alle Ballone sehen. Insofern hat Ennepetal ausnahmsweise mal alles rrichtig gemacht und das Geld anderweitig ausgegeben.
    Da fällt mir doch auf, dass Ennepetal mit zwei Chören beim Konzert in Schalke vertreten ist. Recherchieren konnte ich, dass die anderen hier hochgelobten Nachbarstädte das nicht geschafft haben.
    Nach den bisher hier geschriebenen Kommentaren haben die ja dann den Vernetzungsgedanken auch nicht begriffen ?
    Ich nehme doch nicht an, dass wir allen ernstes jetzt hier so die Erbsen zählen.

    Ich fasse es für mich einmal so zusammen, es wäre schön gewesen, wenn wir hier ein Schachtzeichen gehabt hätten, jedoch ist Ennepetal dafür bei anderen Veranstaltungen vertreten. Im Bezug auf Schachtzeichen wurde jedoch eine Entscheidung getroffen und kein Eiertanz vollführt wir in Schwelm.

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