Wir sind aber auch an allem schuld – immer!

[jpg] Nun haben wir wieder den Salat. Die Hähnchen, die Schweine und vielleicht auch die Rinder sind mit Dioxinen und/oder Furanen verseucht.

Dioxin ist ein toxischer Stoff der sich bei Einnahme im Körperfett einlagert, sprich kumuliert,  und von diesem nicht ausgeschieden werden kann. Letztendlich führt es zu Zellveränderungen und damit zu Krebskrankheit, meisten Jahre später sodass kein Zusammenhang erkennbar ist.  Das weiß jeder und das gehört zur Allgemeinbildung.

In Maschinenfetten ist dieses Dioxin vorhanden. Kein Mensch würde auf den Gedanken kommen Maschinenfett zu essen oder sonst in der Küche zu verwenden. Es waren auch Abfallprodukte der Industrie die entsorgt werden sollten. Für diese Entsorgung gibt es Geld. Nur die Entsorger wollen immer zweimal verdienen. Das zweite mal eben für die Wiederverwendung indem sie das Maschinenfett wieder in irgendeinem Produktionskreislauf gegen Geld einfließen lassen. Was soll es. Meinetwegen indem man das Fett als Zusatzstoff für die schnellere Mast verkauft. Preiswert versteht sich. Was liegt näher als dieses Fett den von der Landwirtschaft benötigten Futterstoffen beizumischen. Der Entsorger hat sein Fett weg und der Futtermittelhersteller hat ein preiswertes Fett. Auf den Säcken steht dann meinetwegen Turbomastfutter. Der Preis stimmt und der Landwirt verwendet das. Und schon ist ein wunderbarer Kreislauf der Wiederverwendung aufgebaut und alles landet auf den Tellern der Nation. Der Verbraucher wird damit zum Abfallcontainer degradiert.

Und da die Lebensmittelkontrollen in allen Ländern personell ausgedünnt wurden, wird das Ganze auch nicht bemerkt. Dazu kommt, das die Analysen auf Dioxine und Furane sehr teuer sind, so wird diese Analyse auch sehr selten gemacht.

  Alle Beteiligten haben mehr Gewinn und sind es zufrieden. Das Hähnchen kann nun, und jetzt aufgepasst, für sage und schreibe 10 Cent billiger verkauft werden – mehr ist es nicht.

Und jetzt sind auch wir auch glücklich? Im Leben nicht!

Wenn man dem Verbraucher zwei Hähnchen nebeneinander legen würde, eines um 1 Euro teurer aber ohne dieses Gift, welches Hähnchen würde der Verbraucher wohl kaufen? Richtig, das teurere. Evtl. würde der Verbraucher sich einschränken, aber doch nicht verseuchtes Fleisch kaufen.

Bürgermeisterin Hansen
Quelle: StadtUetersen
   

Seit den 60er Jahren haben wir einen Lebensmittelskandal nach dem anderen gehabt, einer schlimmer als der andere. Und warum? Es ging immer um die Gier der Produzenten und Händler. Sie wollten mehr Gewinne machen und da war ihnen jeder Stoff und jedes Mittel recht.
Das Schlimme ist nur immer wieder, man macht den Konsumenten, also uns, dafür verantwortlich. Weil wir billige Lebensmittel haben wollen. Die armen Händler und Produzenten würden ja gerne saubere und gute Lebensmittel produzieren wenn wir sie doch ließen. Die etablierte Presse macht da auch leider immer mit und verbreitet und verstärkt dieses Märchen auch noch.

Fakt ist aber, die Politik hat bis heute, nämlich seit rund 50 Jahren, keine geeigneten Maßnahmen ergriffen um solche kriminellen Machenschaften zu unterbinden. Die Strafe für solches Tun ist sehr gering und wird aus der Portokasse der Firmen bezahlt. In der Regel droht noch nicht einmal eine Gefängnisstrafe. Sind unsere Politiker so dämlich oder haben sie ihre Lernfähigkeit eingebüßt? Denn es gehört auch zur Allgemeinbildung, dass unsere Marktwirtschaft auf der Gier der handelnden Menschen/Akteure basiert, man nennt das Gewinnmaximierung in der Wirtschaft. Und weil das so ist, ist die Kontrollfunktion, in diesem Fall die unabhängige Lebensmittelkontrolle, ein wichtiger Baustein nach der Produktion bevor etwas in den Handel gelangt Und wenn jemand durch die Kontrolle nicht direkt erkannt wird, steht ein dementsprechender Strafkatalog, der es in sich hat,  zur Verfügung. So einfach ist das.

Nur die Futtermittelindustrie hat inzwischen eine Größe von Milliardenumsätzen erreicht,  wo man sie bitte nicht mehr behelligen möchte. Da ist die Kommune, die die Gewerbesteuer vor Ort einnimmt und der Bund, der fleißig Umsatz-und Einkommensteuer kassiert, um nur die drei Steuerarten zu nennen. Die Einnahmen möchte man natürlich nicht missen;denn ein Bürgermeister möchte schon sein Hallenbad als Statusssymbol finanzieren. Dann hat die Futtermittelindustrie auch dementsprechende Lobbyisten auf die Politiker angesetzt, Arbeitsessen auf den Malediven inklusive. Für eine Parteispende kann man schon mal schwach werden; denn die sichert doch die Macht bei der nächsten Wahl,indem man die Millionen teuren Wahlkampagne bezahlen kann.

Die Firma Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein ist nur eine von vielen Firmen in der Futtermittelindustrie. Harles und Jentzsch ist eine Firma die in Uetersen/Schleswig Holstein ansässig ist, die einen Gewerbesteuerhebesatz von 350%  seit 2009 ausweist, vorher war der Hebesatz 310% gewesen. Harles und Jentzsch  produziert auch deshalb so kostengünstig weil am Standort eine kostengünstige Gewerbesteuer durch die Stadt Uetersen erhoben wird. Aber es war wohl nicht kostengünstig genug, durch weitere Anstrengungen konnte der Gewinn noch gesteigert werden. Welche Anstrengungen dies unter anderem waren, ist jetzt durch diesen Skandal heraus gekommen.

Bilanzjahr   2005   2006   2007   2008  
Umsatz   4,3   4,9   7,2   9,3  
Gewinn   0,6   0,7   1,8   2,4  
(Zahlen in Millionen)                  

Wie sie sehen, es hat sich mehr als gelohnt. Und solche Firmen gibt es zuhauf und die wirtschaften seit Jahren so. Es ist immer der Zufall der diese kriminellen Aktivitäten ans Licht bringt. Die staatlichen Kontrolleure stehen immer außen vor und haben das Nachsehen.

Sicher wird der Bürgermeister der 17.000 Einwohner zählenden Gemeinde Uetersen ein gutes Verhältnis zu dem Geschäftsführer der Firma  Harles und Jentzsch haben, immerhin hat die Firma so an die 450.000 Euro an Gewerbesteuern gezahlt. Und als in 2009 der Hebesatz zur Gewerbesteuer erhöht werden musste, weil die Gemeinde hoch verschuldet war, wird der Bürgermeister zuerst bei dem Geschäftsführer der  Firma Harles und Jentzsch vorgesprochen haben, um anzufragen ob man den Hebesatz zur Gewerbesteure erhöhen darf – man weiß es nicht so richtig.

Unerträglich ist für mich das Geplapper der etablierten Presse, die dem Verbraucher einreden wollen, er hätte Schuld an diesen kriminellen Handlungen, weil er seine Produkte alle billig haben will. Ein Blick in die Bilanz hätte genügt um zu erkennen, diese Firma war mehr als gierig. Sie konnte den Hals nicht voll kriegen würde man umgangssprachlich sagen.

  Und die oberste Verbraucherschützerin unsere Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner (CSU) kann uns nicht sagen wie es zu dieser Katastrophe gekommen ist und wie man das in Zukunft verhindert? 

"Auf jeden Fall muss man eine europaweite Lösung finden", womit man den ganzen Vorfall schon mal vom Tisch hat.

So ein Unsinn das Problem ist in unserem Lande. Und in unserem Lande haben die Kontrollen versagt. Und in unserem Land müssen Kontrollen her.Und in unserem Land müssen die Gesetze verschärft werden.Warum wird da nichts unternommen?

Weil der Schaden relativ gering ist, denn die Krebstoten werden in etwa 20 Jahren unter die Erde gebracht. Und in 20 Jahren wird kein Hahn mehr danach krähen. Frau Aigner ist da schon in Rente.

Verbraucherministerin Ilse Aigner   
Quelle: Martin Kriner / BMELV
   

Was bleibt? Die Konservativen und die Liberalen berufen sich immer auf die Marktwirtschaft eines Smith aus dem 18. Jahrhundert die ja alles selber regelt. Nur Smith wollte in seinen Theorien keinen Nachtwächterstaat. Er hatte seiner Marktwirtschaft einen starken Staat zur Seite gestellt, weil er die menschlichen Schwächen kannte. Und die Gier ist neben dem Neid eine menschliche Schwäche. Und weil die Konservativen und Liberalen einen Nachtwächterstaat bevorzugen, fördern sie die Gier der Unternehmer.

Aber es geht noch weiter; denn unsere Politiker machen uns immer vor sie würden alles für uns organisieren wenn wir sie doch wählen würden. Nur durch solche Vorfälle dokumentieren sie, dass eben nichts organisiert ist. Die Bürokratie ist vorhanden nur der Kopf kann sich dieser Bürokratie nicht bedienen. Es ist wie immer, der Fisch stinkt zuerst vom Kopf her. Und sicher wird der Geschäftsführer der Firma Harles und Jentzsch  der Bürgermeisterin von Uetersen zu Weihnachten auf dem Weihnachtsmarkt einen ausgegeben haben und die Bürgermeisterin hat es gefreut und wird in der Öffentlichkeit sagen, sie habe ein gutes Verhältnis zur Wirtschaft. Aber zu welchem Preis?

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

1 Antwort
  1. Redaktion
    Redaktion says:

    Update 12.Januar 21:19

    Deutschland verkommt immer mehr zur Lachnummer. Die Volksrepublik China verhängt ein Einfuhrverbot für Schweine, Geflügel und Eier aus Deutschland. Ausgerechnet China, welches immer von uns verspottet wurde und belastetes Babymilchpulver produzierte. Mit diesem Land stehen wir jetzt auf der gleichen Stufe? Fehlt nur noch, dass wir jetzt auch Hundefleisch in der Metzgerei angeboten bekommen.
    Was haben unsere gewählten Vertreter aus unserer Republik gemacht? Und was machen die überhaupt noch als zu schwätzen?

    Südkorea verhängte auch Importverbote..

    ……………………………………………………………………………………………..

    Das habe ich in der Zeit online gefunden:

    “Unsere Sucht nach billigen Schnitzeln, Eiern und Milchprodukten hat jegliches Maß verloren. “

    und weiter:

    “Wir sind zu rücksichtslosen Essern geworden, deren Motto lautet: lieber billig als Bio, Masse statt Qualität.”

    Nicht die Gewinnmaximierung der Firmen ist Schuld, sondern angeblich unsere Sucht nach billigen Lebensmitteln.

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