Wir leben im Überfluss, Handlungsinitiativen im Fachhochschulzentrum Münster

[jpg] Erinnern sollten wir uns, als unsere Eltern oder Großeltern uns die Wertschätzung gegenüber den Lebensmitteln beibrachten. Reste wurden nicht weggeschmissen, sondern am nächsten Tag wieder aufgewärmt. Beim Bäcker kaufte man Brot vom Vortag, es war schmackhafter weil sich die Zutaten besser verteilten. Heute schmeißt der Bäcker die restlichen Brote weg. Jetzt sollte man nicht so weit zurück gehen, als es die Milch noch in der Milchkanne gab.

Verfalldatum  Foto;:Archiv en-mosaik

Verfalldatum Foto: Archiv en-mosaik

Die Menschen wussten wie die verschiedenen Lebensmittel aussahen, riechen oder schmecken mussten. Das alles haben wir verlernt. Man schreibt uns ein Haltbarkeitsdatum auf die Lebensmittelverpackungen, welches  dazu führtdas wir  diese Lebensmittel schon vor dem Erreichen dieses Datums entsorgen. Ach ja unsere Landwirte, die entsorgen ja auch noch krumme Gurken, Möhren oder Äpfel und Birnen die für den Konsumenten nicht so schön erscheinen.
Und so landen Jahr für Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, nur in Deutschland versteht sich. Die 11 Millionen werden natürlich einkalkuliert, erhöhen also die Preise. Setzt man solche Zahlen neben andere Zahlen, könnte man verzweifeln. 800 Millionen Menschen hungern auf der Welt und sterben an diesem Hunger. Trotz der 11 Millionen Tonnen Nahrungsmittel die wir wegwerfen, sind über 50% der Deutschen übergewichtig.

Minister Johannes Remmel  Foto: Linde Arndt

Minister Johannes Remmel Foto: Linde Arndt

Minister Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW von Bündnis90/Die Grünen stieß denn auch die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Problems an. Es geht um Abfallvermeidung von Nahrungsmitteln, nicht nur in Deutschland, sondern europaweit.
Als Vorbemerkung wurde festgestellt, dass zu jeweils 50% die Landwirtschaft und der Verbraucher diesen Prozess befördern. Dabei könnten wir pro Person 300,– Euro im Jahr einsparen, wenn wir nur ein wenig  unsere „lieb“ gewonnenen Gewohnheiten ändern würden.
Ein paar Beispiele: Salate die in Form oder Größe nicht so schön sind, müssten vom Landwirt nicht untergepflügt werden. Verbraucher kaufen oder kochen zu viel und schmeißen die Reste weg. 14% an Backwaren, 11% an Fleisch oder Fisch, 11% Milchprodukte, 49% Obst und Gemüse und 15% an Fertiggerichten und selbstgemachten Speisen werden gemäß einer Untersuchung der Firma Cofresco weggeschmissen.

In zwei Workschops wurden die vielfältigen Aspekte dieser Nahrungsmittelvernichtung aufgearbeitet und es wurden erste Ergebnisse präsentiert.

Podiumsdiskussion der Workshop-Ergebnisse – für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln

Moderation: Dr. Tanja Busse, Journalistin

Michael Radau, SuperBioMarkt AG, Münster
Ezzedine Zerria, Akademisches Förderungswerk, Gastronomiebetriebe, Bochum
Rike Kappler, Cibaria Vollwertbäckerei Münster

Der Schaden durch diese Vernichtung ist gewaltig, nämlich 25 Milliarden Euro nur für Deutschland. Die anderen 27 EU Staaten tragen entsprechend ihrer wirtschaftlichen Entwicklung einen nicht minder geringen Schaden dazu bei.
Es ist ja nicht nur ein Geldwerter Schaden zu registrieren, vielmehr werden mit jedem weggeworfenem Lebensmittel auch Wasser, Energie und andere Rohstoffe weggeworfen. 30 % der Ackerfläche werden weltweit unnötig genutzt. Denken wir an den Regenwald in Südamerika der nicht nieder gemacht werden müsste. Die Klimakatastrophen würden nicht solche verheerende Auswirkungen haben, weil der CO2 Verbrauch um Millionen Tonnen verringert würde. Entwicklungsländer könnten sich wieder selber ernähren, weil sie ihre Nahrungsmittel nicht mehr exportieren müssten. Und was können wir tun oder was sollten wir tun?

Eintopf  - Foto: Archiv en-mosaik

Eintopf – Foto: Archiv en-mosaik

Es sind nur die Gewohnheiten die wir verändern müssten. Das kostet keine Zeit und auch keinen größeren Arbeitsaufwand.
Wenn die Mahlzeiten Reste bringen, frieren sie sie ein oder kochen am nächsten Tag die Reste, früher gab es in den Familien eine Durcheinandermahlzeit. Reste wurden im Eintopf oder der Suppe verbraucht. Stellen sie im Kühlschrank Übersicht her, indem sie Waren mit kurzen Datum nach vorne stellen. Lassen sie sich nicht von den Sonderangeboten zu größeren Einkaufsmengen verleiten. Frisches Gemüse verliert von Tag zu Tag an Nährwert. Lernen sie wie man mit allen Sinnen Nahrungsmittel erfahren kann. Eine Tomate riecht nicht wie ein Sellerie, es sind Feinheit die unsere Nase erspüren kann. Ach ja, wenn sie in der Nähe einen Hofladen haben, dort gibt es noch krumme Gurken oder Möhren, die zu essen sicher mehr Spaß macht als die geraden schönen Gurken. Spitze wären sie, wenn sie es verstehen, wieder gemeinsam mit der Familie die Mahlzeiten zu zu bereiten. Es macht Spaß, denn wir lernen wieder wie wichtig Lebensmittel sind, denn sie heißen nicht umsonst Lebensmittel. Das EU Parlament hat in einem Beschluss gefordert bis 2025 50% der Lebensmittelverschwendung zu verringern.

Was wir nicht verstehen können sind die politischen Akteure auf der Lokalen Ebene. Da waren einmal Grüne Akteure die den bewussten Umgang mit der Natur auf ihre Fahnen geschrieben haben, die allerdings in vielen Städten verschwunden sind.
In drei Punkten könnte die lokale Politik die Verbraucher auf einen Weg der Lebensmittelabfallvermeidung führen und ein Umdenken herbeiführen:

  • die Kommunikation zwischen den Akteuren verbessern, indem man wieder die Sinne der Verbraucher anspricht.
  • Maßnahmen für ein besseres Verständnis von Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum auf die Agenda setzen,
  • die Förderung von Regional- und Direktvermarktung sichtbar machen und verstärken.

Übrigens viele Zivilisationskrankheiten sind meistens auf übermäßige und falsche Ernährung zurück zu führen. Also, „essen sie sich gesund“.


Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Münster

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