Wie viel mehr geht in Schwelm?

[jpg] Es geht mehr, so war der Slogan von Jochen Stobbe (SPD) während des Kommunalwahlkampfes. Er gewann seinen Wahlkampf und wurde Bürgermeister mit der Vereidigung am 29.10.09.

Am 29.01.10 lud Bürgermeister Jochen Stobbe nun zu einem Pressegespräch ins Rathaus ein, um über das "Mehr " seiner ersten 99 Tage zu reden. Fragen waren ausdrücklich erwünscht, so dass die Grundlage für einen Dialog gelegt war.

                                          

Es ist eine andere Ebene ob man selber Bürgermeister ist oder dem Amt draußen kritisch begleitend gegenübersteht. So ist es ihm in den 99 Tagen mehr um Orientierung, Gespräche und um ein Kennenlernen gegangen, um so dann die Möglichkeiten auszuloten, die einen weiteren politischen Handlungsrahmen  ermöglichen. Sein Vorgänger, Dr. Jürgen Steinrücke (CDU), hatte ja immerhin andere, mehr konservative, Akzente gesetzt. Sie galt es zwar nicht über Bord zu werfen, es sollte jedoch die Gewichtung etwas geändert werden.

Es wird nicht leicht sein ein "Mehr" heraus zu arbeiten in einer so finanziellen schwierigen Lage. So standen Gespräche mit den Fachbereichen im Vordergrund, kennen lernen war angesagt, Dialoge mit dem Doppelziel, einesteils zu sparen und andererseits dieses "Mehr" für den Bürger zu erarbeiten.

Überhaupt, die Gespräche, der Dialog, der musste wieder in alle Bereiche transportiert werden. Unprätentiös trug Bürgermeister Jochen Stobbe vor, wobei, so wie er sagte, die Gewerkschaftsarbeit für ihn in vielen Dingen hilfreich ist. Er vermittelte den Eindruck: Ich bin ganz bei ihnen.

Er möchte nicht der abgehobene Bürgermeister sein, eher derjenige, der auf Augenhöhe mit seinem Gegenüber kommuniziert. Kritik, kein Problem für ihn, es spornt ihn an die kritisierten Punkte zu überwinden, sie einer Lösung zu zuführen. 

Er führte und ließ sich führen, suchte aber auch nicht um jeden Preis die Harmonie , sondern ging immer wieder zurück zum eigentlichen Thema.

Stichwort Schwelmer Brauerei:

Die Bedeutung der Brauerei als Imageträger für Schwelm, aber auch für die Region, ist unumstritten im Rathaus. Das Qualitätsproblem hat die Brauerei in den  Griff bekommen. Es haben sich inzwischen mehrere Investoren für die Schwelmer Brauerei beim Insolvenzverwalter gemeldet, die allesamt ein sehr starkes Interesse bekundet haben.  Die Investoren wollen die Brauerei kaufen und weiterführen, jedoch nicht ohne das Grundstück. Da treten die Verhandlungspartner auf der Stelle. Es wäre zu wünschen, dass es zu einem guten Abschluss kommt. Als Bürgermeister habe er jetzt natürlich ganz andere Möglichkeiten sich hier einzubringen, was er auch tut. Nur es müssen noch viele Gespräche geführt werden.

Stichwort Jugendproblem:

Für Bürgermeister Stobbe ist das Alkoholproblem nicht hinnehmbar. Das Jugendliche sich bis zur Bewusstlosigkeit betrinken, löst bei ihm Bestürzung aus. Zum nächsten Heimatfest soll eine alkoholfreie Meile eingeführt werden um zu demonstrieren, es geht auch ohne. Hier sieht er aber auch die Erwachsenen in der Pflicht,  die mit ihrem Umgang mit dem Alkohol nicht immer gerade ein Vorbild sind.

Das die Jugendlichen immer mal wieder in den drei Städten, Schwelm, Ennepetal und Gevelsberg  ihr vermeintliches Unwesen treiben, bringt ihn auf den Gedanken, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, um den Jugendlichen die Angebote zu machen, die eben heute andere sind als die in seiner Jugend. Es ist ein Verständnisproblem was sich dort ausmachen lässt. Das Verdrängen der Jugendlichen in die Nachbargemeinden macht keinen Sinn.

Stichwort interkommunale Zusammenarbeit:

Erste Gespräche haben schon Ideen erbracht. So lotet man aus, inwieweit man im Bereich EDV ein gemeinsames Netzwerk aufbauen könnte, so die Gespräche mit Sprockhövel. Auch mit Bürgermeister Wiggenhagen aus Ennepetal, wurden schon Gespräche geführt. Der Bereich Wirtschaftsansiedlung wurde thematisiert, wo man erkannte, dass sich durch Zusammenlegung von Flächen evtl. größere Ansiedlungen vornehmen lassen. Der Bereich der Infrastruktur, wie Straßenbau oder gemeinsames Kanalnetz, Beispiel B483N, sollte man im Zusammenhang neu überdenken. Erste Gespräche auch hier. Interkommunale Zusammenarbeit muss ausgebaut werden, so Stobbe.
 

Stichwort Ruhr2010:

Hier hat die Stadt Schwelm die Bedeutung als Chance für die Stadt priorisiert. Schloß Martfeld, die Altstadt aber auch das über die Grenzen bekannte Heimatfest sind ja Pfunde die man vorweisen kann. Neben den schon eingeplanten und bekannten Aktivitäten, soll noch ein Projekt zum Zeitpunkt des Heimatfestes mit einbezogen werden. Die Stadt versucht hier geeignete Möglichkeiten zu erarbeiten um sich über das Heimatfest hinaus noch für das Kulturhauptstadtjahr Ruhr2010 zu präsentieren. Die Idee, mehr als das bisherige zu tun, kam Bürgermeister Stobbe auf den Eröffnungsfeierlichkeiten der Ruhr2010 die er mit dem Landrat Dr.Arnim Brux besucht hatte.

Stichwort Ehrenamt:

Hier stellt der Bürgermeister Frau Düster vor, die zwar schon in der Amtszeit seines Vorgängers mit einem 1 Jahresvertrag halbtags eingestellt wurde, die, so der Bürgermeister, für ihn aber eine Ganztagsstelle haben sollte.

Frau Düster referierte sodann ihre Stelle als: Ich bringe diejenigen zusammen die sich einbringen wollen und diejenigen die die Fertigkeiten gebrauchen können. Das Ehrenamt ist nicht nur altbackene Angelegenheit, sondern wird auch zunehmend in den Firmen als Plus angesehen, da dadurch die soziale Kompetenz dokumentiert wird.

Frau Düster versteht sich nicht als Konkurrenz zu den schon bestehenden Netzwerken, wie Vereine, Nachbarschaften oder auch anderen Ehrenämtern, sondern sie will die nachfragenden Bürger begleiten oder mit den Organisationen zusammenbringen.

Sie ist ab sofort unter  Telefon 0 23 36 / 801 211 zu den Sprechzeiten:
Montag bis Mittwoch 9:00 – 13:00 Uhr
Donnerstag 12:00 – 16:00 Uhr oder per email: servicestelle-ehrenamt@schwelm.de für die Bürger erreichbar.

Weitere Infos können Sie auf der Seite der Stadt Schwelm nachlesen oder den Flyer als PDF herunterladen.

Stichwort Privatleben des Bürgermeisters:

Natürlich hat sich in seinem Privatleben etwas verändert. Es ist jedoch immer sein Rückzugsgebiet aus dem er die Kraft holt die er für sein Amt braucht. Das Amt selber sollte durch ihn mit Leben gefüllt werden, nicht jedoch sein Leben mit dem Amt. Im übrigen möchte er nicht sein Privatleben  in die Öffentlichkeit mit einbringen. Wenn das Amt ihn in seiner Persönlichkeit negativ verändern sollte, so sollte man doch bitte einen Eimer kaltes Wasser über ihn gießen, damit er wieder zu Bewusstsein komme.

Ansonsten hätte er ohne die Zustimmung seiner Familie dieses Amt nicht angestrebt.

Eine Anekdote am Rande.  Kinder der vierten Klasse haben  nach seiner Wahl gefragt, ob er als Bürgermeister nicht die  Schularbeiten  abschaffen könne.

Es war ein angenehmes Gespräch in einer spannungsfreien Atmosphäre das die Teilnehmer einlud sich einzubringen. Die Dominanz des Amtes war zu keiner Zeit zu bemerken, eher war es ein kollegialer Stil der vorherrschte. Dieses "von oben herab", was viele seiner Amtskollegen an den Tag legen war noch nicht einmal im Ansatz zu bemerken.

Ich bin gespannt, wie sich Schwelm unter der Ägide von Jochen Stobbe entwickeln wird. Gerade und weil die wirtschaftlichen und finanziellen Parameter nicht gerade große Sprünge erlauben, denn die Stadt Schwelm befindet sich in der Haushaltssicherung.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm

2 Kommentare
  1. Renate Friese sagte:

    Kommt jetzt en-mosaik auch nach Schwelm? Ich dachte immer, Sie wären mit Ennepetal ganz gut bedient.
    Nur wenn, dann bitte genauso kritisch wie in Ennepetal.

  2. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Kritik um der Kritik Willen ist nicht gut. Es war ja nur eine Bilanz der ersten 99 Tage, von einem Menschen der von außen nach innen kam. Ich denke da ist erst einmal Orientierung angesagt. Im Gegensatz zum Ennepetaler Bürgermeister war Jochen Stobbe offen für Fragen, er hatte bei mir nicht diesen Absolutheitsanspruch den Bürgermeister Wiggenhagen pflegt.
    Jetzt muss man die ersten Entscheidungen und Handlungen abwarten.

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