Wie dumm muss man in Ennepetal sein?

 "Denkmalgeschütztes Bahnhofgebäude wird verkauft" so titelte die WR am 20.4.09.                                    

[jpg] Der Rat der Stadt der von der CDU dominiert wurde, beschloss daraufhin 180.000,– Euro locker zu machen und diese als Zuschuss an den Investor zwecks Denkmalpflege an die Hand zu geben. So weit so gut.
Nur wie sollte das funktionieren? Der Investor, ein Fliesenhändler wollte dort ein Lager für seine Fliesen errichten, eine weitere Nutzung wurde nicht in Aussicht gestellt oder angedacht. Nun ist er weg, der Investor, dass Investment ist nicht mehr darstellbar, so soll es im Schreiben heißen. War es denn schon mal darstellbar?

Tatsächlich wurden aber EUR 1.000.000,– für die nunmehr umfangreiche Restaurierung benötigt um den Bahnhof gem. den Richtlinien der Denkmalpflege herzustellen. Und überhaupt. Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht, dass ganze Bahnhofsensemble als Gesamtkonzept zu betrachten? Da passt doch nichts zusammen. Wenn man nur von der Restauration des Bahnhofsgebäudes ausgeht, so kann man dann schlicht und ergreifend von einer Verschlimmbesserung sprechen. Und bei Verschlimmbesserungen ist der FB 5 mit sehr großer Erfahrung ausgestattet.

Da erscheinen die EUR 180.000,– doch in einem diffusen Licht. Wie bitte sollten die EUR 1.000.000,– sich wieder amortisieren? Selbst ein Sonderschüler hätte diesen Coup als "Dummes Zeug" von sich gewiesen. Wie dem auch sei, Wilhelm Wiggenhagen tingelte durch Ennepetal und erzählte jedem der nicht denken konnte seine Glanzleistung. Auch die anderen Glanzleistungen wie das Citymanagement, welches bis zur Wahl Aktivitäten entfaltete, nun aber wieder ruhig ist, zeugten von seiner "Kompetenz". Von dem Investor Berlett oder dem Kauf des Postgebäudes, wurde nicht gesprochen. Na ja , das taugte nicht so recht.

Wäre ja auch zuviel des Guten gewesen, denn Wilhelm Wiggenhagen wäre sicher dann mit einem Heiligenschein ausgestattet worden. Die Ratsfrauen und Ratsherren sind offensichtlich etwas naiv im Denken um solche Spielchen zu durchschauen. Dabei hätte ein einfacher Anruf bei der obersten Denkmalschutzbehörde genügt um zu erfahren, es lag kein Antrag auf Zuschuss für dieses Denkmal vor. Wie aber sollte der Investor die EUR 1.000.000,– dann stemmen? Mit Fremdkapital? Jeder Banker wäre in wieherndes Gelächter ausgebrochen wenn für solch ein Investment ein Kredit beantragt worden wäre. Nicht so in Ennepetal, der Insel der Glückseligen. Hier wird alles was aus den "Spaßabteilungen" der Stadtverwaltung kommt, man nennt sie auch Fachbereiche, als bare Münze genommen. "Wir sind im Gespräch" so gingen Wilhelm Wiggenhagen und Brigitte Drees durch Ennepetal tingeln. Der Fachbereich 5 als Gesprächtherapiebereich? Nun haben wir den kompetenten Wilhelm Wiggenhagen für 6 Jahre am Hals und keinen kompetenten Rat gegenüber, der seine Späße richtig zu würdigen weiß. Kontrolle der Verwaltung? Wie denn, bei der geballten "Kompetenz" unseres Rates, der nicht in der Lage ist Fragen im Kontext solch einer Entscheidung zu stellen?
Bleibt nunmehr abzuwarten bis sich das Citymanagement und die sonstigen Absichtserklärungen auch in Luft auflösen, die Wahl ist ja nun vorbei. Dann gehen wir wieder zurück auf Los und schieben die Schuld auf die Bürger oder unsere Firmen, die das alles so schlecht geredet haben. Und in sechs Jahren wenn Wilhelm Wiggenhagen wieder gewählt werden will? Na ja, bis dahin ist ja noch hin. Und die Vergesslichkeit des Bürgers ist eben unendlich. Dann bringt er sicherlich wieder ein paar Brote in den Tafelladen, wie rührend.
Und der Rat der Stadt? Na ab 21.10.09 gehen wir wieder auf Kuscheltour und verprassen das Geld unserer Bürger, ist ja nicht unseres. Vielleicht bringen aber auch einmal die Ratsfrauen und Ratsherren ihre Denkapparate auf Vordermann und machen der Verwaltung ein bisschen Feuer unter dem Hintern.
Ach ja, noch was. Diese Nachricht über den Absprung des Investors wäre in anderen Städten zumindest über eine Pressekonferenz kommuniziert worden, zu denen auch kritische Journalisten mit ihren Fragen zugelassen worden wären.

Nicht in Ennepetal wo Haus- und Hofberichterstattung vorausgesetzt wird.

Jürgen Gerhardt

12 Kommentare
  1. EIN ENNEPETALER says:

    » geschütztes Denkmal? «

    > “Tatsächlich wurden [werden] aber EUR 1.000.000,– für die nunmehr umfangreiche Restaurierung benötigt um den Bahnhof gem. den Richtlinien der Denkmalpflege herzustellen.”

    Warum werden mittlerweile EUR 1.000.000,– für die Instandsetzung benötigt?
    Der Besitzer, die DB AG (?), ist seinen/ihren Verpflichtungen als Denkmal-Besitzer nicht nachgekommen, er/sie hat das Gebäude so weit verkommen lassen, dass es heute nahezu unverkäuflich ist.

    Haben Rat und Verwaltung dem jahrelangen Verfall des Denkmals, den Versäumnissen seines Besitzers (Verzicht auf Denkmalpflege) seelenruhig zugesehen?

  2. Redaktion
    Redaktion says:

    Das geht ja noch weiter. Die Stadt bekommt für die Denkmäler in ihrem Stadtgebiet eine Pauschalzuweisung,mit denen sie in die Lage versetzt werden soll, die Denkmäler minimal zu erhalten. Übersteigt der Aufwand für ein einzelnes Gebäude die Pauschalzuweisung, so kann für dieses Denkmal eine eigene Zuweisung beantragt werden. Dies setzt aber bei einer Stadt, die in der Regel auch untere Denkmalbehörde ist, eine offensive Grundhaltung voraus. Man kann diese Maßnahme auch mit anderen Maßnahmen, wie dem Stadtumbau West, verknüpfen, so dass eine konzeptionelle positive Veränderung für die Stadt entsteht.
    Der Bahnhof selber kann jederzeit von der unteren Denkmalbehörde aus der Liste der schützenswerten Denkmäler heraus beantragt werden, um dann dem Abbruch zugeführt werden.
    In der Regel kann der Besitzer eines Denkmales nicht zu Restaurationsmaßnahmen verdonnert werden. Aus diesem Grunde lässt man auch die Denkmäler verkommen. Wenn die wirtschaftliche Betrachtung einen unangemessenen Aufwand erfordert, bleibt nur noch der Abbruch. Im Vordergrund der Denkmalpflege steht jedoch immer, dass ein Gebäude einer Nutzung zugeführt werden soll. Dies setzt aber wiederum ein Konzept voraus. Das Wort Konzept wird aber von unseren Politikern und Verwaltungsmenschen inhaltlich nicht verstanden. Ich habe den Eindruck, dass ein Konzept bei denen eine italienische Süßspeise ist.

  3. EIN ENNEPETALER says:

    @ 2 Redaktion

    > “Wenn die wirtschaftliche Betrachtung einen unangemessenen Aufwand erfordert, bleibt nur noch der Abbruch.”

    Die Verwaltung hat offensichtlich (als untere Denkmalbehörde) keine der Möglichkeiten, die ihr zur Verfügung stehen, ergriffen. Dieses Vorgehen läuft letztlich auf einen Abriss-Poker hinaus, den eigentlich nur der Grundstückeigentümer mit einer erheblichen Wertsteigerung (des Grundstücks) gewinnen kann. Die Bereitstellung von 180.000,– Euro (durch die Verwaltung) für den Investor “als Zuschuss […] zwecks Denkmalpflege” erscheint vor diesem Hintergrund als fadenscheinige Alibimaßnahme.

  4. EIN ENNEPETALER says:

    @ 2 Redaktion

    Wer hat seinerzeit initiiert, den Ennepetaler Bahnhof in die “Liste der schützenswerten Denkmäler” aufzunehmen?

  5. Redaktion
    Redaktion says:

    @EIN ENNEPETALER #4

    Da muss ich passen. Ich habe nur gefragt ob der Bahnhof und Gut Ahlhaus in der Liste ist. Aber das kann ich sicher telefonisch raus kriegen. Mich interessierte hierbei ob jemals ein Antrag für ein einzelnes Objekt gestellt wurde.
    Das wurde verneint. Denn Gut Ahlhaus als auch der Bahnhof kann nicht über die Pauschalzuweisung restauriert werden, dafür ist die Investition zu hoch. Es sei denn die untere Behörde weißt auf Jahre die Pauschale den beiden Objekten zu.
    Die gebündelte Inkompetenz und Ignoranz in Verwaltung und Rat ( Wir wissen alles besser ) kann man bei manchen Themen, so auch beim Denkmalschutz, nicht ertragen.
    Die werden jetzt sicherlich mit diesem Thema 5 Jahre beschäftigt sein und es letztendlich auch zerreden.

  6. EIN ENNEPETALER says:

    @ Redaktion

    » Finte «

    > “Der Investor, ein Fliesenhändler wollte dort [im Ennepetaler Bhf] ein Lager für seine Fliesen errichten, eine weitere Nutzung wurde nicht in Aussicht gestellt oder angedacht. Nun ist er weg, […].”

    Nachdem ich mit einigen Bekannten aus dem hiesigen Baugewerbe darüber gesprochen habe, bin ich zu der festen Auffassung gekommen, dass dieser ominöse Fliesenhändler kein ernsthafter Kauf- oder Pacht-Bewerber gewesen sein kann. “Nun ist er weg”, das ist das einzig Verlässliche an dieser faulen ‘Geschichte’.
    Es stinkt nach einer Variation von Geben und Nehmen.

    Fakt ist, dass die Verwaltung ihre gestalterischen Möglichkeiten (siehe @ 2 Redaktion), ihre Werkzeuge, jahrelang nicht benutzt hat. Man hätte die DB AG daran hindern können, das Bahnhofsgebäude verfallen zu lassen – jedoch der Wille hat gefehlt. Die Jungs von der DB AG fahren auf der Abriss-Schiene und unsere Verwaltung merkt es nicht?

    Dummheit oder Kalkül?

  7. EIN ENNEPETALER says:

    Haben unsere Ratsfraktionen schon mal ermittelt, welche Art von Bahnhof sich die Ennepetaler wünschen?

    – Einen minimalistischen Pendlerbahnhof?
    – Einen Bahnhof mit Service, mit (beheiztem) Warteraum und Kiosk?
    – …

  8. Redaktion
    Redaktion says:

    @EIN ENNEPETALER #7

    Ich habe mich mit mehreren Ratsmitglieder über dieses Thema unterhalten, es ist ihnen egal was daraus wird, Hautsache sie haben dieses Problem aus den Augen. Ein Fließenlager war den meisten Ratsmitglieder schon recht, nur die EUR 180.000,– wurden dem Investor von einigen nicht gegönnt.
    Was die Ennepetaler Bürger sich wünschen ist im Rat der Stadt ohne Belang. Bei der nächsten Wahl kommen wir wieder für ein paar Monate ins Spiel.

  9. EIN ENNEPETALER says:

    » Das alte Verwirrspiel «

    “Die Stadt Ennepetal beabsichtigt, das Bahnhofsgebäude selbst zu kaufen. Das meinte Wolfgang Frey gestern [22.10.09] gegenüber unserer Zeitung. Die Information des FDP-Chefs deckte sich allerdings nicht mit der Aussage des Stadtpressesprechers. ‘In Sachen Bahnhof gibt es nichts Neues’, so Stephan Langhard gestern [22.10.09] auf Nachfrage.”

    http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/ennepetal/2009/10/22/news-138014112/detail.html#comments

    Um von der derzeitigen Postenschacherei abzulenken, wird das Thema Bahnhof aus dem Hut gezogen. “Laut Frey sei aber schon ein entsprechender Kauf-Optionsvertrag vom derzeitigen Eigentümer Kümmel unterschrieben. Die ‘Politikspitze’ sei sich bereits einig, nun müsse noch der Rat zustimmen, […].” Wer’s glaubt, wird selig?

  10. Redaktion
    Redaktion says:

    Das Ablenkungsmanöver hat aber so richtig nicht geklappt, dank Internet. Die CDU versucht nun mittels eines eigenen Portals die Meinungshoheit wieder zu erlangen. Sie spielt den Vorfall der Postenschieberei herunter. Fakt ist aber, wenn die Parteien von sparen sprechen, sollten sie zuerst mit gutem Beispiel voran gehen. Und dieses gute Beispiel ist total misslungen. Auch den guten alten Sozialausschuss, jetzt Generationenausschuss zu nennen ist ein falsches Signal.
    Ein sehr,sehr, schwacher Start des Rates der Stadt Ennepetal. Ich bin auf jeden Fall gespannt was diese “Hobbypolitiker” sich in den nächsten fünf Jahre noch leisten werden.

  11. Leserkritik says:

    Das ist doch kein Portal der CDU… 😉
    Und Wiggenhagen hat mit der CDU nichts zu tun… 😉

    Vor lauter Postenschieberei müsste es den Mitarbeitern in der Stadtverwaltung schon ganz schwindelig geworden sein. Insbesondere der Bereich Ordnungswesen scheint für alle nur eine Zwischenstation zu sein (geht es in der Verwaltung auch einmal um die fachliche Qualifikation, bzw. den Berufsabschluss?!).

    Es wäre aber so richtig schön, wenn wir im Bereich Bauen und Planen nach Wiggenhagen mal jemanden bekämen, der auch die notwendige fachspezifische Qualifikation mitbringt. Einen Juristen, einen Planer oder einen Bauingenieur. Bauen? Richtig, da kommt doch auch wieder Herr Frey ins Spiel… Man könnte manchmal fast meinen, dass nur er in Ennepetal Bauprojekte durchführt – siehe die ganzen Bauschilder. Ich denke an der Vergabe der Position im Bereich Bauen und Planen dürfte Herr Frey als Architekt ganz besonders interessiert sein.

    Zum Thema Bahnhof: Der neue Mittelbahnsteig ist schon jetzt ein “Hit”. Anstatt den Oberleitungsmasten auf den bald nicht mehr benötigten Bahnsteig von Gleis 1 zu versetzen, hat man ihn einfach auf dem neuen Mittelbahnsteig stehen lassen und die Blindenführung drumherumgelegt. Sieht prima aus, bin leider nur noch nicht dazu gekommen es zu fotographieren. Schaut man sich die Pflasterung einmal genauer an, so fällt auch auf, dass es offensichtlich nicht mehr Sitzgelegenheiten als vorher geben wird. Auch prima! Am Bahnsteigende in Fahrtrichtung Schwelm entdeckt man dann eine hohe Kante zwischen rechter und linker Bahnsteigseite… die Gleise sind erst vor wenigen Jahren neu verlegt worden… wieso hat man sie nicht auf gleichem Höhenniveau verbaut?
    Was lernen wir daraus? Planung ist weder eine Stärke der Bahn noch eine Stärke der Stadt Ennepetal.

    Ob wir uns angesichts der aktuellen Haushaltslage überhaupt einen Kauf des Bahnhofs (es wäre ja nicht nur der Kaufpreis, es müssten in der Folge sicherlich umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt werden) leisten können oder sollten… die Frage sollte auch einmal gestellt werden. Vor Jahren wurde die Chance leichtfertig verspielt, nun steht die Hobbypolitik wieder einmal vor einem Scherbenhaufen. Da fällt mir ein… ich wollte Herrn Wiggenhagen ja noch Fragen, ob die Stadt mir für einen Hauskauf auch mit einem sechsstelligen Betrag behilflich wäre… natürlich geschenkt! 😉

    Die nächsten Scherbenhaufen:
    – Flächennutzungsplan
    – Einzelhandelskonzept
    – Haushalt 2010

  12. Redaktion
    Redaktion says:

    Bei den Foren zum Flächennutzungsplan hatten sich aber alle Parteien in keinster Weise geäußert. Die Aussicht in 15 Jahren in Silvercity ( Silver steht für Grauhaarig) zu wohnen, störte offensichtlich niemanden der anwesenden Ratsmitglieder.

    Einzelhandelskonzept? Wo war da ein Konzept? Die 150.000,– für das Citymanagement waren ja wohl eine Wahlkampfunterstützung für die Parteien.

    Haushalt 2010? Hier ist ja schon abzusehen,dass dieser Haushalt bei Erstellung schon Makulatur ist.

    Bahnhof, Brandhaus, Gut Ahlhaus usw. hier hat ja wohl die Stadt gepennt. Interessiert das denn jemanden, außer dem Bürger?

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.