Was brauchen unsere Eltern, jetzt und künftig?

Das städtische Verbund – Familienzentrum hilft, berät und fördert

Viele Bürger wissen, dass es Kindertageseinrichtungen gibt, die auch "Familienzentrum" genannt werden. Auch die drei städtischen Schwelmer Einrichtungen – die Kindertagesstätten Mühlenweg und Stadtmitte sowie der Kinderhort – dürfen diesen Namen mittlerweile führen, ja, sie sind sogar ein "Verbund-Familienzentrum der Stadt Schwelm".

         

Die Initiative, bis 2012 rund 3000 der ca.10.000 Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen zu Familienzentren umzuwandeln, geht vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW aus. PädQuis, ein Kooperationsinstitut der Freien Universität Berlin, wird die Zertifizierung zum "Familienzentrum" übernehmen. Als Familienzentrum passen die drei städtischen Verbund-Einrichtungen ihre Arbeit noch stärker an gesellschaftliche Prozesse an. Immer wieder stellen sich die pädagogischen Fachkräfte in diesen drei Einrichtungen die zentrale Frage: "Was brauchen unsere Eltern jetzt und künftig?" 

Einrichtungen, die auf diese Zertifizierung hinarbeiten, müssen sich nicht neu erfinden. Gleichwohl gilt es, die eigenen Angebote noch differenzierter als bisher auf die Erfordernisse der modernen Familien abzustimmen. Zudem wird mit den eigenen Mitarbeiterinnen ein noch weiteres Leistungsspektrum abgedeckt. Gleichzeitig bindet das Familienzentrum wie ein Kraftzentrum auch externe Partner.

So öffnen sich die drei städtischen Einrichtungen, deren Türen schon immer weit aufstanden, noch weiter für den sogenannten Sozialraum, sprich die Gesellschaft. Schon seit langem wird das deutlich durch die Fülle von Informationsveranstaltungen im "Mühlenweg", in der "Stadtmitte" und im Hort, zu denen neben den Eltern der betreuten Kinder auch die Tageseltern und überhaupt alle interessierten
schwelmer Eltern eingeladen sind.

Der Verbund setzt sich noch stärker für die interkulturelle Öffnung ein: In jeder Kindertageseinrichtung gibt es auch Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Ohnehin gehören die Kitas hier zu den starken Förderern schon im jungen Alter der Kinder. Im Verbund kann man auch den Müttern und Vätern Angebote unterbreiten, die die schon gelebte Integration noch intensiviert. Das betont die Erzieherin Heidemarie Petry, Leiterin der Kita Stadtmitte. Als diese Einrichtung 1976 den Betrieb aufnahm, hatten 50 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund.  Petry, die sich für den Verbund als Fachkraft für interkulturelle Öffnung spezialisiert hat, hat erst jüngst mit Müttern die Schwelmer Stadtbücherei aufgesucht, wo man sich das Bilderbuchkino anschaute, und zwar in deutscher, türkischer, italienischer und russischer Sprache. Es sind diese praktischen und lebensnahen Angebote, die die Eltern tatsächlich erreichen und über den Weg der Eltern wieder den Kindern zugute kommen.

Jeder der drei Verbund-Einrichtungen hält zudem eine Infothek mit Materialien  in verschiedenen Sprachen bereit. Hier sind Flyer und Verzeichnisse mit wichtigen Inhalten und Kontaktadressen zu finden.

Und schließlich sind die drei Kindertagesstätten im Verbund eng mit  Kooperationspartnern vernetzt, in der Regel mit solchen Institutionen, die wertvolle Impulse und Informationen in die Familien hineintragen können. Einrichtungen auch, an die man Mütter und Väter weiterleitet, wenn das beratende Gespräch in der Kita eine Perspektive in diese Richtung aufzeigt.

Beispiele: Rund um das Thema Kind und Familie spielen viele Dinge eine Rolle: Medienkonsum, Hygiene, Sprachförderung, Bewegungsabläufe u.a. Eine Referentin oder ein Referent aus einer der Kooperationspartnerschaften kann hier z.B. durch ein Referat Müttern und Väter wertvolle Ratschläge geben. Und sollte ein Beratungsgespräch in der Kita ergeben, dass ein Mädchen oder Junge seine Sprachentwicklung fördern kann oder ggfs. medizinische Unterstützung benötigt, dann sind hier schon die richtigen Ansprechpartner benannt.

Durch die Zusammenarbeit im Verbund muss nicht jede Einrichtung bieten, was auch die andere vorhält. Das setzt Kräfte für Neues frei. So haben zahlreiche Mitarbeiterinnen der drei städtischen Einrichtungen Zusatzqualifikationen erworben und sind Fachkräfte für Kinderschutz und Gewaltprävention oder für Gesundheit, für Sprachförderung, für Bewegung und Psychomotorik sowie für Tagespflege.

Familienbildung und Erziehungspartnerschaft finden ihren Ausdruck z.B. in "Themenabenden" ("Grenzen setzen", "Kind und Medienkonsum", "Mein Kind trotzt").

Ein weiterer wichtiger Bereich sind die Angebote zur Beratung und Unterstützung der Eltern. Dazu zählt auch das Gesprächsangebot mit einer Diplom-Sozialpädagogin des Kinderschutzbundes einmal im Monat in jeder der drei Einrichtungen.

Zudem unterstützt der Verbund die Eltern in ihrem Bemühen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Die Mitarbeiterinnen fragen z.B., ob die Randbetreuung ausgebaut werden muss, also ob Betreuung vor den eigentlichen Öffnungszeiten oder an Samstagvormittagen nötig ist? Und ob Betreuung in den Sommerferien ein noch wichtigeres Thema werden könnte?

Zweimal im Monat findet in jeder der drei Einrichtungen ein Eltercafé statt, das auch und gerade alleinerziehenden Müttern oder Vätern, die nicht viel rauskommen, eine Kommunikationsmöglichkeit eröffnet.

Die Erzieherin und staatlich anerkannte Heilpädagogin Marianne Pogoda, Leiterin der Kita Mühlenweg, weiß, dass heute "sehr viel Druck auf Eltern lastet". Nicht allen fällt es leicht, dem eigenen Kind gegenüber eine Autorität zu sein, die auch Grenzen setzen muss. Hier geben die Mitarbeiterinnen des Verbundes gerne Sicherheit für eine souveräne und konsequente Erziehungsarbeit.

Das begehrte Gütesiegel als "Verbund-Familienzentrum" ist kein Ruhekissen, sondern Ausgangspunkt für ständige Weiterbildung und qualitätsvolle Angebotsverdichtung. Die Einrichtungen haben sich selber fortwährend zu prüfen und ihre Leistungen zu dokumentieren, wie Christiane Stürtzer-Uthoff, Erzieherin und Diplom-Heilpädagogin mit Zusatzqualifikation für Diagnostik vom städtischen Fachbereich Jugend, Soziales betont.

Koordinatorin des Verbundes ist die Diplom-Sozialpädagogin, Heilpädagogin und staatlich anerkannte Erzieherin Ingrid Bruder. Sie leitet seit vielen Jahren den städtischen Hort in der Markgrafenstraße und bildet sich derzeit weiter zur Managerin für Familienzentren. Das Verbundsystem ist nicht mit einem Mehr an Personal verbunden. Im Monat bekommen die drei städtischen Einrichtungen zusammen 1000 € für ihre Arbeit als Verbund-Familienzentrum.

Die drei städtischen Einrichtungen erfüllen die Vorgabe, in einem Umkreis von drei Kilometern zu liegen. Sie decken eine breite Altersspanne bei den Schwelmer Kindern ab, nämlich von 0, 4 Jahren (in der Kita Stadtmitte) bis 14 Jahren im Hort.  Die Kita Stadtmitte betreut zur Zeit 55 Kinder (ab Sommer ebenfalls 55), die Kita Mühlenweg zur Zeit 66 Kinder (ab Sommer 65) und der Hort zur Zeit 45 Kinder (ab Sommer 50).

 

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