Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist große Herausforderung

(pen) „Die Antwort auf die Frage, wie der tagtägliche Spagat zwischen den Aufgaben am Bett einer pflegebedürftigen Person und im Beruf bewerkstelligt werden kann, ist eine der wichtigsten, wenn wir über den demografischen Wandel und seine Folgen sprechen.“ Diese Erkenntnis ist ein Fazit, das Christa Beermann, Demografiebeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises und Koordinatorin des Netzwerk W(iedereinstieg) Ennepe-Ruhr, nach der Veranstaltung „Zwischen Pflegebett und Büro“ ziehen konnte.

                                               

Mit der Fachtagung war das Netzwerk auf großes Interesse gestoßen. In Hattingen konnten mehr als 100 Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik begrüßt werden. Kein Wunder, wenn man folgende Zahlen kennt: Von den rund 2,1 Millionen Pflegebedürftigen werden in Deutschland fast eine Million ausschließlich von Angehörigen, vor allem von Frauen, zuhause betreut. Damit sind diese im Durchschnitt mehr als 36 Stunden in der Woche beschäftigt. Zusätzliche Hypothek für die Zukunft: In einer älter werdenden Gesellschaft wird die Zahl derjenigen, die Pflege benötigen, weiter steigen, während die Zahl der Pflegenden gleichzeitig sinkt. Hauptreferentin Dr. Barbara Stiegler von der Friedrich-Ebert-Stiftung brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: „Vereinbarkeit gelingt nur, wenn sich die Geschlechterverhältnisse in der privaten Pflege verändern", sprich, wenn mehr Männer pflegen.

„Mit Referaten, Podiumsgesprächen und Workshops haben wir deutlich gemacht, wie Unternehmen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Pflegeangebote Hand in Hand arbeiten können und welche Ideen und Unterstützungssysteme es bereits heute gibt“, so Beermann. Deutlich wurde beispielsweise, dass es nicht auf das eine, alles umfassende Konzept ankommt. „Am wichtigsten ist es zunächst einmal, Unternehmen, Geschäftsleitungen und Personalabteilungen für das Thema zu sensibilisieren und Mitarbeiterinnen zu ermutigen, über ihre Pflege zu Hause und die damit verbundenen Probleme zu sprechen“, unterstrich Prof. Dr. Monika Reichert von der Technischen Universität Dortmund.

Damit erntete sie Kopfnicken bei Vertretern kleiner und mittelständischer Unternehmen aus der Region. Diese berichteten fast übereinstimmend, dass sie bisher von Mitarbeitern wenig bis gar nicht auf den Stress zwischen Pflegebett und Büro angesprochen wurden – im Gegensatz zum Bereich Kinderbetreuung. „Was nicht heißt, dass es das Thema nicht gibt, sondern eher deutlich macht, dass es nicht kommuniziert wird“, vermuteten zahlreiche Teilnehmer.

Veränderungen liegen dabei im Interesse aller Beteiligten. „Sind die Aufgaben zu Hause und am Arbeitsplatz gut vereinbar, führt dies zu weniger Stress, mehr Zufriedenheit, einer guten Arbeitsmoral und weniger Abwesenheit durch Krankheit“, warb Reichert für einen offensiven Umgang mit dem Thema. Dafür müsse nicht zwingend viel Geld in die Hand genommen werden. „Mitarbeiterumfragen und Informationen, die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen oder mit anderen Unternehmen sind als Einstieg völlig ausreichend. Instrumente wie Telearbeit oder Zeitkonten für Pflegende könnten dann beispielsweise weitere Schritte sein.“

Dass dies auch pflegeengagierten Männern helfen würde, die heute am Arbeitsplatz häufig noch auf ähnliche Hindernisse stoßen wie engagierte Väter, darüber waren sich Dr. Thomas Gesterkamp, Journalist und Autor mit dem Schwerpunkt Geschlechterfragen, und Prof. Dr.  Manfred Langehennig von der FH Frankfurt/Main, der zur Rolle von Männern bei der Angehörigenpflege forscht, einig.

Einig waren sich auch das Netzwerk W(iedereinstieg) als Veranstalter und die Teilnehmer darin, dass die Fachtagung  nur ein Auftakt gewesen sein kann, um das Thema mehr in den Blickpunkt zu rücken. „Der Austausch zwischen einer Vielzahl von Akteuren hat damit erst begonnen. Gut wäre, wenn daraus in naher Zukunft bereits einige gute Beispiele für die Praxis entstehen könnten“, bilanzierte Beermann. Informationen über die Fachtagung sind in Kürze unter www.en-kreis.de und dort unter dem Stichwort „Demografie“ zu finden.

Stichwort Netzwerk W(iedereinstieg)

Das Netzwerk W(iedereinstieg) für den Ennepe-Ruhr-Kreis ist eine Initiative lokaler Akteurinnen, die sich für den Wiedereinstieg von Frauen ins Erwerbsleben engagieren. Aktuell beschäftigt es sich mit der Förderung der Beschäftigungschancen von Frauen in einer älter werdenden Gesellschaft. Es wird koordiniert von der Demografiebeauftragten des Ennepe-Ruhr-Kreises, Christa Beermann: Tel.: 02336/93 2223, e-Mail: C.Beermann@en-kreis.de.

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