Ennepetal: Urlaub vom Kinderverprügeln

[jpg] Manche Väter haben es nicht leicht. Da kriegen sie von ihrem Chef eines auf die Mütze, weil sie mal nicht pünktlich zur Arbeit kamen. Und dann. Dann kommt man nach Hause und der „Kurze“ will mit ihnen die Schularbeiten machen. Und weil der „Kurze“ nicht nach lässt, gibt es „einen hinter die Ohren“. Komisch ist, wenn man am nächsten Tag Hämatome am Körper des Kindes sehen kann. War wohl doch etwas fester. Was soll es. Und so geht das in der Woche so an die drei bis vier mal. Kinder sind für viele Menschen aus dem Erwachsenenbereich nur eine Sache über die man verfügen kann. So wie über einen Rasenmäher oder ein Fernsehgerät. Es ist also ganz normal wenn man seine Kinder ab und an mal verprügelt – für diese Leute. Und weiter, mir wird immer in den höchsten Tönen durch Politiker aller Parteien von dem schönen Ennepetal erzählt. Es stimmt wohl überhaupt nicht, wenn ich mir einen Artikel der Westfälischen Rundschau vom 21.September 2012 ansehe. In dem Artikel schreibt die Kollegin Petra Kappe von der WR ,wie die Sozialpädagogin Frau Heike Ueßeler-Lingenberg und die drei Damen Ulrike Karoff, Petra Backhoff und Sabine Spruth vom Kinderschutzbund Ennepetal einen prügelnden Vater zu einem Urlaub vom Prügeln bis Weihnachten bewegen konnten. (Link: http://www.derwesten.de/staedte/ennepetal/papa-hat-mich-eine-woche-nicht-gehauen-id7120856.html ) Der Knirps freute sich gem.  Artikel riesig darüber, dass er nicht mehr mit Schmerzen und blauen Flecken in die Schule gehen muss. Und das jetzt drei Monate an einem Streifen. Den ganzen Vorfall schickte mir eine Userin per email. Nicht ohne mir ihre Wut über diesen Vorfall mit zuteilen.

Ja geht es denn noch? Kinder verprügeln, geht gar nicht, schon aus strafrechtlichen Gründen nicht.

Wir sollten uns an die UN-Kinderrechtskonvention erinnern, die wir –  auch Ennepetal – unterschrieben haben.

 


Kinder brauchen unseren Schutz (Beispielfoto vom Schulchor aus 2010)
 
Petra Backhoff vom Kinderschutzbund Ennepetal

UN-Kinderrechtskonvention

Artikel 19
(1) Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut.

(2) Diese Schutzmaßnahmen sollen je nach den Gegebenheiten wirksame Verfahren zur Aufstellung von Sozialprogrammen enthalten, die dem Kind und denen, die es betreuen, die erforderliche Unterstützung gewähren und andere Formen der Vorbeugung vorsehen sowie Maßnahmen zur Aufdeckung, Meldung, Weiterverweisung, Untersuchung, Behandlung und Nachbetreuung in den in Absatz 1 beschriebenen Fällen schlechter Behandlung von Kindern und gegebenenfalls für das Einschreiten der Gerichte.

Und wenn dies für die Ennepetaler Kinderschützer, die Stadtverwaltung und die Journalistin von der WR nicht genehm ist, so sollten sie alle zumindest unser deutsches Strafgesetzbuch achten.

 

§ 225 StGB
Misshandlung von Schutzbefohlenen
(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder eine wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlose Person, die

1. seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
2. seinem Hausstand angehört,
3. von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt überlassen worden oder
4. ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet ist,

quält, roh misshandelt, oder wer durch böswillige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu sorgen, nicht nachkommt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.


(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn der Täter die schutzbefohlene Person durch die Tat in die Gefahr

5. des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder
6. einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung bringt.

Danach hätten die oben genannten Damen, einschließlich der Journalistin die Stadtsanwaltschaft informieren und Anzeige erstatten müssen.

Ach, und weil wir gerade dabei sind: Der Vertrag zwischen prügelndem Vater, dem Kind und der Sozialpädagogin geht nur bis Weihnachten. Was ist danach, klar, dann wird doppelt geprügelt. Das Kind hatte ja Zeit genug sich zu regenerieren. Der Artikel erinnert mich an diese „Super Nanny“ Katharina Saalfrank von RTL die sicher an Ennepetal ihren „Heidenspaß“ hätte. Titel des neuen Formats: „Weihnachten gibt es von Papi eins auf die Fresse“

Ich denke demnächst kommen noch Verträge von prügelnden Ennepetaler Ehemännern, die ihre Frauen mal ein paar Monate nicht verprügeln oder vergewaltigen. Jetzt verstehe ich auch warum seinerzeit die Dame vom Frauenhaus über Gewalt gegen Frauen 15 Minuten vor dem Ausschuss referieren durfte und sich dann zu „trollen“ hatte und von der Vorsitzenden verabschiedet wurde. Kein Bedarf an der Lösung dieser in Ennepetal vorhandenen Probleme? Lasst sie uns totschweigen diese Probleme; denn uns geht es doch gut.

Und was, wenn es wie in Bremen im Fall Kevin zu einer Kindstötung kommt? Diese prügelnden Väter wollen ja mehr, sie hören ja nicht auf (außer wenn sie Urlaub brauchen, wegen der schmerzenden Hände). Auch im Fall Kevin war es für das Landgericht Bremen unbegreiflich wie alle Beteiligen, Ärzte, städt. Angestellte und Sozialpädagogen, weg schauten und damit am Tode dieses Kindes mitverantwortlich waren. Und Kevin ist kein Einzelfall, die Tendenz ist steigend!

Tja, wir schauen nur da hin wo es schön ist. Deshalb ist Ennepetal auch eine schöne Stadt. Nächste Woche kommt ein Staatssekretär aus dem Düsseldorfer Innenministerium um Ennepetal während eines „Festaktes“ eine Urkunde zu überreichen – Ennepetal Stadt der Kluterthöhle.

Wie werden dann alle Ennepetaler Politiker sagen: Ennepetal ist eine schöne Stadt. Toll.

Und die geprügelten Kinder, Frauen oder warscheinlich sogar sexuell genötigten dieser Stadt?

Ich schäme mich für diese Stadt, die mit diesem Artikel auch noch eine Sozialpädagogin promoten möchte; auf Kosten des Kindes. Meine Güte, wie verroht muss man sein um so was schreiben zu lassen.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal
[Fotos: Linde Arndt]

6 Kommentare
  1. Kinder says:

    Teilweise bin ich wieder sprachlos, was hier alles möglich ist.

    Da schreibt ein Kinderschutzbund öffentlich in der Zeitung, mit einem Vater einen Pakt geschlossen zu haben, sein Kind bis Weihnachten nicht zu schlagen. Wie bitte? Was soll denn danach sein? Was ist mit den bisherigen Taten? Haben die Beteiligten noch nie etwas von § 1631 Abs. 2 BGB gehört? Da grinsen Alle noch fröhlich in die Kamera. Ein Fall für Jugendamt und Staatsanwaltschaft, aber sicherlich nicht geeignet, die PR für Frau Backhoff zu liefern.

    Wer sitzt denn im Jugendhilfeausschuss? So langsam muss das ja mal hinterfragt werden. Wer übernimmt denn die Verantwortung für diese Aktionen des KSB? Was ist denn, wenn der Vater einmal zu fest zuschlägt? Will das Jugendamt dann die Verantwortung auf Frau Lingenberg abwälzen?
    In anderen Städten wird die Schulsozialarbeit kommunal finanziert und als Säule der schulischen Jugendhilfe angesehen. Allenfalls wird ein Verein oder Verband mit der Umsetzung eines Angebotes der Schulsozialarbeit beauftragt. Die Verantwortung und auch die Kosten bleiben bei den Städten.

    Und dann war da ja noch das „Kuhbingo“………………………..

  2. Kuhbingo says:

    Im Kinderschutzbund geht es doch nur noch darum, an gute Posten zu kommen: hier ein Job für Frau Lingenberg, dort einer für Frau Backhoff bei den Grünen, da ja der Posten der Gleichstellungsbeauftragten leider an Frau Hofmann ging. Wie schade! Glaubt denn da wirklich noch einer, es ginge um die Sache. Die Gelder des Kinderschutzbundes gehen in Ennepetal doch hauptsächlich für Angelegenheiten der Stadt, für Herrn Wiggenhagen mit seiner Ilona oder die CDU drauf. Es ist doch gar kein eigenständiger Verein mehr. Was wie erahnen können ist doch nur die Spitze des Eisbergs der Vetternwirtschaft.
    Danke, mir reichts.

  3. Tanja Schulte says:

    Dem muss ich widersprechen.
    Der Kinderschutzbund ist eine sehr professionelle Organisation.
    Den Artikel damals hatte die Rundschau produziert, der Name der Journalistin stand sogar drunter.
    Ohne die Sozialleistungen des KSB wäre unsere Stadt eine echte Wüste, dann gäbe es keine Ganztagsgrundschule, Schulsozialarbeit…etc.
    Es ist für mich nicht vorstellbar das die Stadtverwaltung das alleine stemmen würde, von den dafür benötigten Geldern einmal abgesehen (diese wären auch nicht da).
    Das Kuhbingo war darüber hinaus eine klasse Veranstaltung, für einen guten Zweck.
    Das unser Bürgermeister (genauso wie seine Vorgänger) die nähe zum KSB sucht ist doch klar,
    der weiß das die Leistungen die der KSB umsonst erbringt, er ansonsten teuer einkaufen müsste.
    Selbst die SPD weiß den KSB zu schätzen, bleiben doch mehr Gelder für diverse „Show-Anträge“ über.

  4. Dengel says:

    So lieben wir die Ennepetaler im Kreis. Kaum eine Moral, die würden ihre Kinder glatt weg verkaufen, wenn sie damit Umsatz machen würden. Wäre doch ein Alleinstellungsmerkmal für Ennepetal: Hier kannst Du Deine Kinder prügeln bis der Arzt kommt.
    Deshalb will in dieser Stadt auch so recht niemand wohnen. Die fast 30% Migranten plus die Alten und Harzer müssen in Ennepetal wohnen.

  5. Manni says:

    Der Kinderschutzbund lässt sich von der Stadt ausnutzen. Die netten Mamis, die da arbeiten und sonst nichts haben, sind froh wenn der Wilhelm sie anlächelt und sie meinen noch das wäre was besonderes. Die erhoffen sich doch alle einen Job sonst gar nichts. Mit Idealen und Interessen von wirklich armen Kindern hat das nichts mehr zu tun.

  6. oweiowie says:

    Frau Backhoff macht es der Stadt doch leicht. Sie gibt für alles aus Spendengeldern was eigentlich die Stadt machen müsste. Warum sollen die denn noch was machen. Und das nur um in der Zeitung zu stehen und bekannt zu werden. Wie peinlich ist das denn!

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