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Tja, so ist das nun mal in Ennepetal

29. September 2009 | Von | Category: Z- Alle Beiträge

[jpg] Am Wochenende war es wieder soweit. Die 26. Stadtfete fand in Ennepetal in der neu geschaffenen, nunmehr ein Jahr alten Fuzo "inne Milspe" statt. Ich nahm die Mhe auf mich und besuchte diese Stadtfete am Freitagnachmittag und am Samstagvormittag, allerdings machte ich das nebenbei, weil ich noch andere Dinge zu erledigen hatte. Nun habe ich in Ennepetal gelernt, dass man keine allgemeingltigen Mastbe in dieser Stadt anlegen darf, sondern immer die Besonderheiten dieser Stadt bercksichtigen muss. Eben halt wie auf einer Insel der "Glckseligen".


Als wir (meine Frau und ich) in der Anfangszeit der Stadtfete zweimal mit geplant, organisiert und im Haus Ennepetal ausgestellt hatten, konnten wir uns an den drei Tagen vor Kunden nicht retten. berwiegend kamen die Kunden aus den Nachbarstdten zu dieser "Fete". Alles wurde von den Einzelhndlern organisiert und auch bezahlt, wobei die Stadtverwaltung den Einzelhndlern einen nicht geringen Betrag in Form von Gebhren "abknpfte".

Wir hatten damals eine sehr groe Kundenkartei, berwiegend auswrtiger Kunden, die wir alle anschrieben.
Der Rcklauf der Direktwerbung in Form eines Besuches lag bei 40%, womit wir zufrieden waren. Viele, viele Einzelhndler waren damals mit Herzblut dabei und mhten sich ab ihr Unternehmen bestens zu prsentieren. Nach zwei Jahren machten wir nicht mehr mit. Warum? Nun, auch wir sind Akteure in einer Marktwirtschaft und da sollte es nicht ausbleiben, wenn man das was man macht auch kalkuliert. Und die Nachkalkulation dieser beiden Auftritte erbrachte einen stndlichen Verlust von rund –, 50 Pfennige, sprich, wir mussten immer dazu legen. Allerdings, dass muss man auch sagen, wir hatten in der Regel auch neue Kundenkontakte, die man als solches nicht kalkulieren konnte. Der eine oder andere kam danach zwar in unser Geschft und kaufte etwas, es war aber nicht der "Bringer". Wir kamen letztendlich zu der berzeugung, dass unser Sortiment oder auch Branche dem Umfeld der Stadtfete nicht entsprach.
Zwei Jahre versuchten wir sodann ein Stadtteilfest in Form eines Kunsthandwerkermarktes in Voerde unter dem Slogan "Herzliches Voerde" zu initiieren, aber auch hier zwangen die Kosten uns, diese Idee aufzugeben. Zuschsse von der Stadt gab es damals nicht. Es gab damals noch rund 180 Einzelhndler, sprich Fachhndler. Hier in Voerde, man hre, sogar 2 Schuhfachhndler.

Heute gibt es nur noch rund 90 Einzelhndler, wobei man die Filialisten auch zu den Einzelhndlern zhlt.
In Milspe war das nicht anders. Heute haben die Stadtteile noch nicht einmal die Kraft den tglichen Bedarf zu decken bzw. ein ausgeglichenes Angebot aufzubauen.

Das Marktumfeld hat sich innerhalb der Jahre grundlegend verndert, wobei Milspe die grte Vernderung aufzuweisen hat. Waren frher die Fachhndler die dominierende Gruppe, so sind es heute die Filialisten in Form der Discounter. Kik, Takko, Schlecker, Aldi oder Zeemann und andere haben die City erobert, da bleibt kein Platz fr den Fachhandel.

Wen wundert es wenn auch die Stadtfete sich dementsprechend anpasst.

Ich finde es scheinheilig und verlogen wenn man ber die Stadtfete herzieht. Es sind genau die selben die frher geschrieen haben, alles zu teuer und heute schreien alles zu billig.
Es stimmt die Stadtfete, so wie sie sich nunmehr darstellt, knnte sie ohne Problem in einem sozialen Brennpunkt, wie Duisburg-Marxloh, installiert werden. Und ja, es ist alles billig, auer dem "Zuckerbcker", wie einige Kommentatoren im Westen schreiben, Caspar Kartenberg. Die Bhnen waren Hobbymig beschallt und die Knstler waren auch nur Hobby DJs. Auch ist es richtig, dass die 60 Jahr Feier oder die Erffnung der Fuzo "inne Milspe" viel besser waren.
Aber, die beiden Veranstaltungen 60 Jahr Feier und die Erffnung der Fuzo "inne Milspe" wurden vom Steuerzahler und einigen anderen Sponsoren bezahlt, die Aussteller,Einzelhndler, brauchten also nicht in die Tasche zu greifen.
Politisch gesehen will man die alten Organisationen wie die Werbegemeinschaften oder das Stadtmarketing nicht mehr. Deshalb lsst man sie "verhungern". Denn wenn man es wollte, so msste man auch ber das Scheitern der Organisationen reden. Und bei diesem Scheitern msste man auch ber die Rolle der Stadtverwaltung reden. Diese Rolle ist nicht gerade die rhmlichste. Hier in Ennepetal ging es immer nur darum wer was machte, nicht wie und was man machte. Wenn man Personen, die mal das sagen hatten ignorierte, war alles von Anfang an zum scheitern verurteilt. Ausnahme zu Zeiten von BM August Born.

Tja, so hat der Ennepetaler endlich die Veranstaltung die er wollte in einem Marktumfeld das passt. Eingezwngt zwischen den Discountern Aldi und Heilebecker Zentrum, eine Stadtfete die mit jedem Discounter konkurrieren kann. Es ist dabei abzusehen, wann dem Veranstalter das Geld oder die Kraft ausgeht und die Stadtfete in den Orkus der Ennepetaler Geschichte verschwindet.
Und dann? Was bleibt ist das Citymanagement, dass mit unseren Steuergelder versucht halbwegs ansprechende Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Aber hier gibt es ja auch schon eine Exit Strategie, nmlich, wenn die EUR 150.000,– verbraucht sind, ist Ende. Ehrlicher wre es heute schon, einen Trdelmarkt "inne Milspe" zu etablieren. Aber auch dazu fehlt der Mut.

Wie weiter?

Es kann so nicht weiter gehen! Als ich vorige Woche in Dsseldorf war, stellte man die neue Marketingaktion des Einzelhandels fr Dsseldorf vor. Ziel ist es Kaufkraft aus den umliegenden Stdten, wie Kln, Neuss, Wuppertal aber auch des nheren und weiteren kleinstdtischen Umfeldes fr sich zu gewinnen. Das Weihnachtsgeschft soll angekurbelt werden. Ein ambitioniertes Ziel der Dsseldorfer. Nur ich wnschte mir, dass Ennepetal ein wenig mehr ambitionierter wre, als es sich jetzt darstellt. Man denke mal, Ennepetal htte das Ziel aus den umliegenden Stdten Kaufkraft fr sich zu gewinnen – undenkbar. So steht immer noch die verlngerte Teppichstange am Ortseingang und muss die mehr schlecht als recht gestalteten Banner tragen. Denn wir wollen ja unter uns bleiben und wir wollen nicht mehr sondern weniger und das auch noch billig.

Solange wie die Profilierungsneurotiker in Ennepetal das Sagen haben, so lange wird es auch nichts geben mit dem Gemeinwesen Ennepetal aber auch nichts mit dem Einzelhandel.

Jrgen Gerhardt



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