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Wir wollen die Wirklichkeit mitspielen lassen

J. Simons  Foto: © Linde Arndt

J. Simons Foto: © Linde Arndt

[jpg] Es ist ein ungemütlicher Tag in Duisburg auf dem Weg zur Gebläsehalle. Es nieselt und ist nasskalt als wir den Landschaftspark mit der eindrucksvollen Industriekulisse betreten. Heute soll offiziell der neue Intendant für 2015-2017 vorgestellt werden. Seit Mai war diese Personalie schon bekannt. Es soll der derzeitige Leiter der Münchner Kammerspiele werden, eines der bedeutendsten deutschen Sprechtheater, welches sich immer wieder mit der Gegenwart auseinander setzt – und das seit 100 Jahren. Sie ahnen es, es ist der Niederländer Johan Simons, dem das Ruhrgebiet nach eigenen Angaben ein besonderes Anliegen ist.

Es ist der „Pott“, Kommissionspräsident Barroso nannte das Ruhrgebiet den „melting pot“, der alles hervorbringt aber auch alles einsaugt. Er reagiert und reflektiert, er ist Armenhaus, birgt aber auch  einen Reichtum, den sich manche Region wünscht. Hochkultur und Straßenkultur gehen friedlich ineinander über. Nirgends gibt es mehr Spielstätten mit alten stillgelegten Fabrikbauten der schon längst vergangenen Industriewirtschaft.

Johan Simons liebt diese Gegend, sind es doch die außergewöhnlichen Orte die Johan Simons und Paul Koek als Innovations-Theater, Theater Hollandia, berühmt gemacht hatten. Das Theater Hollandia spielte damals in Ställen, auf Schrottplätzen oder unter Brücken. Unabhängigkeit und Autonomie sollten die Kunst befördern aber auch die Freiheit der Kunst sichtbar machen. Nicht die große Masse, der Mainstream, sollte bestimmen, der freie Geist sollte der Kunst die Wege weisen.

 

Am Panel v.l.:

v.l.:Stephanie Paeleke-Kuhlmann (Pressesprecherin der Ministerin) / NRW Ministerin Ute Schäfer (Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport) / Karola Geiß-Netthöfel ( Regionaldirektorin RVR) / Prof. Heiner Goebbels (amtierende Intendant der Ruhrtriennale) / Johan Simons (zukünftiger Intendant Ruhrtriennale 2015-2017) / Foto: © Linde Arndt

Es war ein lockerer Pressetermin der von der Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Ute Schäfer, als Aufsichtsratsvorsitzende der Ruhrtriennale organisiert worden war. Ihre charmante Pressesprecherin Stephanie Paeleke-Kuhlmann moderierte souverän das Treffen. Der amtierende Intendant der Ruhrtriennale, Prof. Heiner Goebbels und die Regionaldirektorin des Regionalverbandes Ruhr (RVR) Karola Geiß-Netthöfel wussten aus ihrer Sicht den Wechsel 2015 positiv zu kommentieren.

So ist dies ein normaler wiederholter Wechsel in der Intendanz, der seit Gründung 2002 durch Gerard Mortier nach jedem 3 jährigen Zyklus stattfindet. War der rote Faden bei Professor Willy Decker die Religion, so gestaltete und gestaltet Professor Heiner Goebbels seine Intendanzzeit ohne thematischen Faden. Schwerpunkte waren bis jetzt die Vorstellung von außergewöhnlichen Komponisten wie John Cage oder Harry Partch, beide Avantgardisten der Musiktheorie.

Und jetzt Johan Simons wieder mit einem rotem Faden, er wird die Beziehungen oder Abhängigkeiten zwischen Mensch, Gesellschaft, Staat und den Institutionen in den Vordergrund stellen – also das Soziale. Betrachtungsmaterial findet er im Ruhrgebiet en masse. So versteht er seine Intendanz spartenübergreifend, in welcher Oper, Sprechtheater und Ballett gleichberechtigt nebeneinander stehen. Konkrete Angaben wollte Johan Simons jedoch noch nicht preisgeben. Aus seinen Arbeiten für die Ruhrtriennale konnte man aber schon erkennen, welchen Weg er ab 2015 einschlagen wird. Abgesehen davon, dass seine Äußerungen eine eindeutige Richtung erkennen lassen. So ist besonders das 2002 inszenierte Stück „Fall der Götter“ nach Luchino Visconti mit der Theatergruppe ZT Hollandia als herausragend hervorzuheben und richtungsweisend.

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Bitter stießen bei der Regionaldirektorin des Regionalverbandes Ruhr (RVR) Karola Geiß-Netthöfel die in letzter Zeit aufkommenden Kommentare zum Ruhrgebiet auf, in denen das Ruhrgebiet als Armenhaus dargestellt wurde. Sie verwies auf den ungeheuren Wandel des Ruhrgebietes, weg von Kohle und Stahl und hin zu mehr Dienstleistungen und eines international anerkannten Kunstbetriebes mit anerkannten Einrichtungen wie der Ruhrtriennale. Man müsse mal auf die Parkplätze gehen, wo Autokennzeichen aus der gesamten europäischen Union zu den Aufführungen zu sehen sind. Recht hat sie.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Duisburg (18.11.2013)

No education and adults only

 

[jpg] In The Wall von Pink Floyd gibt es einen Titel „We don’t need no education“ der unmissverständlich das Gefühl vieler junger Erwachsener ausdrückt. Dagegen grenzt sich die Welt der sogenannten Erwachsenen ab mit „Adults only“. Unversöhnlich stehen sich diese beiden Welten in unserer Gesellschaft gegenüber. Gibt es denn noch eine Möglichkeit des Brückenbaus zwischen diesen Welten? Agressionen und Gewaltausübungen sind die erste Wahl der Erwachsenenwelt um eine Unter- oder Einordnung in die „Adults only“ Welt zu erreichen. Schien es Ende der sechsziger Jahre mir Riesenschritten nach vorne in eine gemeinsame gewaltfreie Welt zu gehen, konstatieren wir heute Rückschritte die gesellschaftlich sogar toleriert werden. Es sind die einzelnen Steine die wieder diese Mauern für Kinder entstehen lassen. Wobei jeder Stein eben nur ein Stein sein soll und nicht so schlimm sein kann – so sagt man.

 Was soll das?

Nun, uns geht dieser Artikel in der Westfälischen Rundschau vom 21. September 2012 nicht aus dem Kopf, nachdem ein Kind in Ennepetal Urlaub bis Weihnachten von der Prügelei seines Vaters bekommt. Nun hat die Stadt Ennepetal eine etwas eigenwillige und konservative Einstellung zu Kindern, Jugendlichen oder Heranwachsenden. Was heißt Einstellung? Sie müssen nur das machen was man ihnen sagt. Mehr nicht.

Da mutet es doch etwas komisch an, wenn man sich ein paar Kilometer weiter im Zusammenhang mit der Ruhrtriennale 2012 mit dem Projekt „no education“ befasst. Es faszinierte schon ungemein, wie die Intendanz der Ruhrtriennale mit Heranwachsenden umging. So hatte sich die Intendanz entschieden, Jugendliche als offizielle Festivaljury einzusetzen und sie zu anmieren im Rahmen des „The Children’s Choice Awards“ Preise in unterschiedlichen Klassen zu vergeben. Die Jugendliche der Gesamtschule Gelsenkirchen Ückendorf, der Herbert Grillo-Gesamtschule Duisburg und der Erich-Kästner Gesamtschule Bochum reisten von Stadt zu Stadt und von Aufführung zu Aufführung um unvoreingenommen und mit kritischem Blick die Aufführungen zu prüfen.

Und das lief dann so ab: Der rote Teppich lag schon vom Eingang bis zur ersten Reihe. Die Gäste mit der Presse setzten sich. Eine Musikeinspielung ertönte und die Jury wurde angekündigt. Die Jugendlichen kamen herein und setzten sich wie selbstverständlich in die erste Reihe. Die Aufführung begann. Zum ersten mal war das Folkwang Museum in Essen Spielstätte mit dem Stück „12 Rooms“ einer Live Art Gruppenschau.

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Auch hier der rote Teppich, Aufregung, die Jugendlichen wurden angekündigt und kamen herein, hier konnten wir einzelne Jugendliche interviewen.

Am 30. September 2012 war es dann soweit, die 72 Jugendlichen, die zur Festivaljury gehörten, kamen mit Musik, tanzend herein um die 31 Preise zu verleihen. Preise die sie selber benannt hatten und dazu auch noch gestaltet hatten. Während des gesamten Zeitraumes hatten sie Darren O´Donnel als künstlerischen Leiter und keinen geringeren als Dr. Gerard Alfons August Mortier, den Gründungsindendanten der Ruhrtriennale, als Schirmherrn an ihrer Seite. Mortier kam extra aus Madrid, wo er Leiter des Theadro Real ist.

Die Preise der Jugendlichen hatten es in sich, da gab es Preise für

 

  • das peinlichste Kostüm

  • die beste Geschichte

  • die meiste Phantasie

  • die Show in der ich eingeschlafen bin

  • die schlechtesten Sitze

  • die kreativste Show

  • die perverseste Pose

  • der beste Schnurrbart

  • die witzigeste Stimme

  • und, und, und

 

Hinter allem stehen Menschen, die sich Gedanken machen über das Verhältnis von Macht und Ohnmacht und sich Fragen zu Fairness, Ausgrenzung und der Würde des Kindes stellen.

Gemeint ist die Mammalian Diving Reflex Forschungs- und Performancegruppe aus Toronto unter der Leitung von Darren O´Donnel, Eva Verity und Jenna Winter. Es entstand das Mammalian Protokoll für die Zusammenarbeit mit Kindern die einen anderen Blick auf Kinder ermöglichen soll und letztendlich eine utopische Situation schaffen soll wo die gegenseitigen Erwartungen aneinander angeglichen werden. Im Endstadium soll sich die Erwachsenen- und Kinderwelt  emanzipieren und auf Augenhöhe begegnen. Dieses von einander lernen wird ein neuer Weg sein der nicht nur zwischen Erwachsenen und Kindern  eine neue Qualität des Zusammenlebens ermöglicht, vielmehr entsteht  auch unter Erwachsenen eine neue Akzeptanz des Zusammenlebens.

EN-Mosaik hat erlebt wie 72 Kinder/Jugendliche die Erwachsenenwelt durchdrang und zumindest einen positiven Effekt des Nachdenkens erreichte.

Warum dies alles? Es ist beschämend und stimmt traurig wenn in der Stadt in der ich meinen Wohnort habe Kinder wie im vorigen Jahrhundert verprügelt werden. Diese Stadt es aber nicht interessiert,  den Vater zu einer Therapie zu bewegen. Auf der anderen Seite diese Stadt sich über den Kauf einer Tribüne in Millionenhöhe in einem Fußballstadion erregt, jedoch kein Geld für die Maßnahmen übrig hat, die den Kindern in ihrer Stadt ermöglicht  zumindest ein würdevolles Leben zu führen.

Ennepetal hat sich damit seiner Verantwortung gegenüber seinen Kindern nicht gestellt und lässt diese mit ihrem Schmerz alleine. Dies in unserer heutigen Zeit und mit den materiellen Mitteln die uns zur Verfügung stehen. Die Stadt sollte sich schämen. Es bleibt zu hoffen die Stadt würde sich der Verantwortung gegenüber den Kindern und Jugendlichen in ihren Stadtmauern stellen und die finanziellen Prioritäten so verändern, dass diese Gruppe ein würde-und angstfreies Leben in Ennepetal führen kann.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal und Bochum.

 

 

 

Prometheus der Menschenfreund

Prometheus Aufführung der Ruhrtriennale 2012[jpg] Es geht um Wort, Tat, Raum und Zeit. Dieses sind die hervorstechendsten Inhalte des Prometheus nach Aischylos. Carl Orff erkannte offensichtlich die Zeitlosigkeit dieser Tragödie und schuf dieses eindrucksvolle Musiktheater. So ändern sich die Zeiten, in meiner Schulzeit hätte ich für dieses Aischylos Drama in der Übersetzung die größten Probleme bekommen. Damals kannten die Altphilologen unserer Schule keine Gnade, es musste übersetzt werden. Am 16. September war Premiere des Prometheus nach Aischylos von Carl Orff in der Duisburger Kraftzentrale Im Rahmen der Ruhrtriennale. Das ganze Stück in Altgriechisch und das mit meinen weniger als rudimentär zu nennenden Sprachkenntnissen. Es kam aber ganz anders, denn Peter Rundel (Musikalische Leitung) und Lemi Ponifasio ( Regie, Bühne und Kostüm ) brachten einen Prometheus zur Aufführung,  der die Inhalte erfahr- und erfühlbar machte. Musik als Sprachverstärkung,  die aber die Sprache nicht unterdrückt, vielmehr die inhaltliche Dramatik des Stückes verstärkt um der Erfahrbarkeit des Stückes wegen. Und das Stück hat es in sich und konnte in der Duisburger Kraftzentrale aus dem Vollen schöpfen. Die Halle, rund 170 meter lang, die noch vorhandenen Industrieaufbauten, die morbide erscheinenden Wände  mit dem verspiegelten und indirekt beleuchteten Bühnenbild, mit einer zerklüfteten Wand (Felswand)auf der rechten Seite, auf der das Orchester mit seinem Dirigenten spielte. Eine unendliche Fläche tat sich dem Betrachter auf. Dies alles ließ ein diffuses Gefühl der Hoffnungslosigkeit aufkommen.

Zum Inhalt und Hintergrund der Tragödie:

In der griechischen Mythologie herrschte Kronos über die Welt. Kronos der seinen eigenen Vater Uranus durch Kastration entmachtet hatte, fürchtete selber durch seine Kinder gewaltsam entmachtet zu werden. Um dem zu entgehen fraß er seine eigenen Kinder die er mit seiner Schwester Rhea hatte. Rhea versteckte das jüngste Kind Zeus und gab dafür Kronos einen in Windeln gewickelten Stein, den Kronos auch sogleich verschlang. Als Zeus groß wurde überwältigte er seinen Vater Kronos und verbrachte ihn für immer auf die „Insel der Seligen“. Einer der Helfer und Freunde von Zeus war unter anderem Prometheus. Als Zeus nun über die Welt herrschte kümmerte sich Prometheus  um die Menschen, er brachte ihnen das Feuer aber auch die Hoffnung. Nur für Zeus waren die Menschen wegen ihrer Sterblichkeit aber auch mangelhaften Einstellung zum Recht unvollkommen, er verbot jedem ihnen in irgendeiner Form zu helfen. Prometheus, höchst moralisch, stellte sich mit dieser Tat gegen Zeus,den Herrscher der Welt. Prometheus dachte allerdings auch, dass seine Freundschaft mit Zeus belastbarer wäre. Ein Irrtum! Zeus schickte Kratos (Macht) mit seiner Schwester Bia (Gewalt) und dem Schmied Hephaistos um Prometheus im fernen Kaukasus für immer an einen Felsen zu schmieden, denn töten konnte Zeus den unsterblichen Prometheus nicht. Um dem Ganzen einen weiteren dramatischen Aspekt zu geben, musste der Adler Ethon jeden Tag dem gefesselten Prometheus die Leber aus dem Leib zerren und verzehren. Prometheus hatte aber noch eine weitere Eigenschaft, er war ein „Seher“ oder Voraussehender und als solcher wusste er auch um das Ende der Herrschaft des Zeus. Zeus schickte Hermes um von Prometheus diese Information zu bekommen, dieser verweigerte sich dem Zeus. Soweit die Inhalte dieser Tragödie mit einigen Hintergrundinformationen des Stückes, um ein Verständnis für dieses  zu erreichen. Es ist ein hochdramatisches Stück welches gerade von dem amerikanischen Regisseur Ridley Scott adaptiert und umgeschrieben wurde. Die Ruhrtriennale 2012 brachte nun den Orffschen Prometheus in Duisburg zur Aufführung. Lemi Ponifasio und Peter Rundel ist es gelungen die Tragödie in Altgriechisch zu inszenieren ohne beim interessierten Besucher das Gefühl aufkommen zu lassen, man benötige die dafür notwendigen altgriechischen Sprachkenntnisse.

Kommen wir nun zur Duisburger Aufführung:

Wenn der Besucher seinen Platz eingenommen hat, sieht er links vorne Prometheus im Halbdunkel sitzen. Das Licht für die Besucher geht aus und die Bühne erscheint einem unendlich weit, in der „Ferne“ sieht man eine Gestalt sich vor einer Wand  bewegen. Je nach Inhalt wird die Bühne mittels Licht, Video oder Spiegelung erweitert. Von rechts oben erkennt man den Dirigenten, der die Verbindung zur Handlung und seinem Orchester aufrecht hält.

Kratos, Bia und Hephaistos kommen wie Schattenmenschen herein um über die Fesselung des Prometheus zu sprechen. Hephaistos zögert den Befehl von Zeus auszuführen, da er mit Prometheus verwandt ist – verständlich. Kratos und Bia sind als typische Befehlsempfänger angelegt, die über den Befehl hinaus Prometheus gequält sehen wollen. Hephaistos ist dabei nur ausführendes Individuum. Prometheus erkennt seine Not und ruft sie in die Welt. Prometheus ist nun physisch zweigeteilt indem er im hinteren Teil der Bühne auf einem „OP-Tisch“ oder „Opferstein“ liegt und vorne links rezitierend oder singend das Geschehen begleitet. Durch seine Anklage erscheinen die Okeanidentöchter die an dem Leid des Prometheus teilnehmen wollen. Die Töchter bieten ihre Hilfe an, erwarten aber eine andere Grundhaltung des Prometheus gegenüber Zeus. Der Frauenchor, ChorWerk Ruhr unter der Leitung von Florian Helgath, erscheint Libellen gleich und  die Okeanidentöchte rumringen  schützend die Gestalt des Prometheus .Stimmlich und sprachlich ein hervorragend besetzter Chor. Aus diesem Chor treten 3 Solistinnen hervor, die die Qualität dieses Chores besonders unter Beweis stellen.

Okeanos tritt auf um Prometheus zum Einlenken gegenüber Zeus zu bewegen. Auch er versucht Prometheus die Schuld an dieser Strafe zu zuweisen. Nun geht zum ersten mal auf allen Vieren im Hintergrund ein "Mensch" über die Bühne. Okeanos will vermitteln, will aber Zeus die Nachricht vom Nachgeben des Prometheus überbringen. Prometheus lehnt die Vermittlungsbemühungen jedoch ab.

Es tritt Io Inachis auf die Bühne. Io hatte eine Beziehung mit Zeus. Io ging diese Beziehung nur ein, weil in ihrem Umfeld ihr alle dazu rieten. Letztendlich wurde sie von ihrem Vater Inachis verstoßen, von Hera der Frau des Zeus bestraft und irrt als Kuh verbannt in der Welt herum. Io haderte mit ihrem Schicksal und hörte vom gleichgelagerten Schicksal des Prometheus. Trotz ihrer eigenen scheinbar unlösbaren und belastenden Probleme bot sie Prometheus ihre Hilfe an. Prometheus lehnt jedoch auch hier ab. Warum? Beiläufig erzählt Prometheus Io, dass er wisse wann die Zeit des Zeus gekommen wäre und auch er (Zeus) untergehen würde. Io versucht Gesprächsweise den Zeitpunkt des Untergangs von Zeus herauszubekommen. Prometheus schweigt hierzu jedoch. Io geht.

Hermes tritt auf und will von Prometheus wissen wann der Zeitpunkt und die Umstände des Sturzes von Zeus kommen würden. Prometheus will diese Information jedoch nur heraus geben wenn Zeus seine Fesselung an den Felsen rückgängig macht. Hermes kündigt Prometheus aufgrund dieser Weigerung den Untergang in den Tartaros an ( Das ist die Hölle (Hades) unter der Hölle, also eine Steigerung der Hölle.) Die Oceaniden bitten Prometheus dem Verlangen von Zeus zu entsprechen. Prometheus lehnt kategorisch ab; denn er weiß um seiner Unsterblichkeit und sein vorausschauendes Wissen. Prometheus will das sich die Oceaniden um ihrer selbst in Sicherheit bringen, sie bleiben jedoch.

Prometheus bezichtigt nun Zeus der Ungerechtigkeit aber auch der „Tyrannei „ Prometheus versinkt mit den Okeaniden und dem Felsen in den unendlichen Tartaros. Soweit den Ablauf der Handlung.

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Versuch einer Interpretation der Aufführung

Als Carl Orff 1968 das Stück zur Aufführung brachte, wollte er es nicht psychologisiert sehen. Orff, ein Humanist, wollte der alten Sprache und den Inhalten der großen griechischen Dichter wieder zur neuen Geltung verhelfen. Nur er wusste damals sicher nicht wie die Psychologie sich entwickeln würde. Heute kennen wir auch massenpsychologische Zusammenhänge und deren Ursachen. Prometheus ( Wolfgang Newerla ) spielt seine Rolle unaufgeregt und souverän im Bewusstsein seiner eigenen Macht. Stimmlich  ein Heldenbariton, der weit über die für einen Heldenbariton notwendigen Oktaven verfügt, schauspielerisch ist dies (immerhin) 2 ½ Stunden ohne Pause von Wolfgang Newerla als herausragende Leistung anzusehen. Die Wechsel vom Gesang zu den Rezitationen und umgekehrt waren wie gewollt und ohne Brüche. Und dieser Wechsel ist notwendig um vom klagenden oder anklagenden Prometheus zum souverän agierenden Wissenden zu gelangen, der –  immerhin  noch – ein Faustpfand gegenüber Zeus in der Hinterhand hat. Die Macht des Wissens ist das Thema. Aber auch die Macht des Wortes. Auf der anderen Seite zieht er seine Stärke aus den der Menschen erbrachten Taten. Immerhin hat er die Menschwerdung nicht nur unterstützt sondern sie wesentlich vorangetrieben. Ponifasio lässt wie unbeabsichtigt einen Menschen auf allen Vieren ab und an über die Bühne laufen, Prometheus suchen und letztendlich auch finden. Ein rührendes Erlebnis, wie der auf allen Vieren gehende Mensch sich aufmacht auf „beiden Beinen“ zu stehen. Vor ihm stehen seine Spezies auf zwei Beinen und er steht langsam auf und geht in die Spezies Mensch über. Mag sein, er geht auch unter; denn alle verschwinden in einer Dunkelheit ( Der Geschichte?). Dies alles als Schattenspiel angelegt. Ein Traum, ein Wunschdenken? Zeus der immer das Stück bestimmt, ist klar in seiner Anlage ein Tyrann und hat nicht umsonst die Ängste seines Sturzes entwickelt. Io eine Frau die alles richtig gemacht hat und doch bestraft wird. Brigitte Pinter mit einer gewaltigen Stimme ausgestattet, bringt die widersprüchliche Persönlichkeit der Io über alle Maßen zur Geltung. Der Wechsel von hysterisch, jammernd zu neugierig oder erzählend gelingt Brigitte Pinter ohne Probleme. Sie will nicht mehr verbannt und als Kuh durch die Welten gehen, jeder Verbündete ist ihr da recht um an ihr Ziel zu gelangen. In soweit haben Prometheus und Io die gleichen Probleme, die sie zu Verbündeten machen müsste. Ponifasio legt zwar eine starke Io an, erkennt aber die Schwäche in dieser Frau, die nichts in der Hand hat.

Stichwort die Zeit.

Ponifasio lässt auf beiden Seiten der Bühne im Halbdunkel die Okeaniden als auch die Menschen in langsamem Takt die Seitenbühne abschreiten, ein nicht abreißender Strom. Als sich alles zuspitzt und das Schicksal Prometheus unausweichlich ist, sind auch Mensch und Okeaniden verschwunden – die Zeit ist um.

Stichwort Raum.

Ponifasio benutzte die gesamte Länge der Duisburger Kraftzentrale um die Tat, also Prometheus Fesselung im Hintergrund und das Wort, also die Klage und das Anklagen des Prometheus im Vordergrund darzustellen. Durch diese Anordnung tritt die Handlung der Fesselung durch Zeus in den Hintergrund. Das Mitleiden der Okeaniden und das schützen wollen ist eine Großtat auf der Handlungsebene. Und im Hintergrund geht Prometheus physisch auch unter, nicht jedoch das Wort als Ideal, dies verbleibt vorne bei dem Menschfreund. Mag der Körper auch vergehen, die Idee, ist sie einmal gesagt und getan, bleibt für immer.

Stichwort Politik.

Dieses Stück ist hoch politisch angelegt; zeigt es doch eindringlich die Bewegungs- und Rückständigkeit eines Tyrannen und damit des Systems. Zeus, der narzistisch nur seinem Ego verpflichtet ist. Prometheus ist hierbei der Erneuerer und Veränderer der die Blockaden des Systems überwinden will, indem er einer unterdrückten Spezies hilft sich überhaupt erst zu entwickeln. Er bringt erst das System nach vorne. Aus seiner Person ergeben sich die brennenden Fragen, die jedes Individuum in seiner Uranlage fragt. Seine Erkenntnis zieht er aus einem wie immer gearteten kategorischen Imperativ im Kant´schen Sinne. Und das Macht seine Stärke aus und ist die Schwäche seines Widersachers Zeus. Durch den  Untergang von Prometheus, den Zeus nun herbeigeführt hat, wird nur eines für Zeus gewonnen – Zeit – die er aber nicht hat. So hat Ponifasio Prometheus im Schlussbild mit ausgebreiteten Armen –  noch den Qualm des Untergangs bei sich  als Mahnmal –  in den Tartaros fahren lassen. Denn eines haftet Prometheus, dem Titanen an, die Unsterblichkeit. Ich denke Orff und Ponifasio wollten beide das gleiche, die Unsterblichkeit der Menschwerdung. Hier wird es nie einen Abschluss geben, es wird ein immerwährender Prozess sein. Im Nachhinein gibt es ein großes Lob und zwar ohne Einschränkung. Ja, man hätte ein Laufband installieren können und die Übersetzung von Heiner Müller ablaufen lassen können. Aber was hätte das gebracht? Eine handvoll Altphilologen hätten Übersetzungsfehler gefunden. Aber der große Rest des interessierten Publikums wäre durch diese Laufbänder abgelenkt worden. Und nein, man hätte es eben nicht in deutsch übersetzen sollen. Denn dadurch wäre das Zusammenspiel von Musik und Sprache gefährdet worden. Die altgriechische Sprache hat einen ganz anderen Rhythmus und nur darauf war die Musik abgestimmt. Und im übrigen –  zu jeder Aufführung gehört eine Vorbereitung und ein Programmheft. Viele hatten beides und haben einen Hochgenuss gehabt. Sie auch? Es war zu jeder Zeit eine spannende Aufführung, durch die Ponifasio, Rundel und Helgath dem Besucher das tragische der Prometheus Tragödie so nahe gebracht hatte, das Lust auf mehr entstand.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Duisburg
[Fotos und Collage: © Linde Arndt]

 

    

Prometheus Aufführung der Ruhrtriennale 2012
Prometheus Untergang in den Tartarus ( Unter der Hölle)

 

 

 

………….Grundinformationen zur Tragödie ………………..

 

Prometheus nach Aischylos (Musiktheater)
Von: Carl Orff
Uraufführung: 24. März 1968 (Stuttgart, Staatstheater Stuttgart)

Zur Inszenierung der Ruhrtriennale2012:

Premiere: 16. September 2012 (Kraftzentrale, Duisburg)

Musikalische Leitung: Peter Rundel
Regie, Bühne, Kostüm, Video: Lemi Ponifasio / MAU
Licht: Helen Todd
Dramaturgie: Stephan Buchberger
Klangregie: Norbert Ommer
Einstudierung Chor: Florian Helgath

Besetzung:

Prometheus: Wolfgang Newerla, Ioanne Papalii (MAU Company)

Kratos: Thomas Moewes

Bia: Kasina Cambell (MAU Company)

Hephaistos: Eric Houzelot

Okeanos: Dale Duesing

Io Inachis : Brigitte Pinter, Helmi Prasetyo (MAU Company)

Hermes: David Bennent


Tänzer: MAU Company
Chor: ChorWerk Ruhr
Orchester: Ensemble musikFabrik, SPLASH, Studenten des Orchesterzentrum | NRW, und Statisterie der Ruhrtriennale

Deutsche Übertragung der Tragödie : Heiner Müller

Heiner Goebbels, Künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale 2012/2013/2014, erhält morgen, 8. September 2012, den International Ibsen Award in Oslo.

Gelsenkirchen, 7. September 2012


Intendant Prof. Heiner Goebbels               Foto: © Linde Arndt
  Der von der norwegischen Regierung geförderte Preis ist mit 2,5 Millionen Kronen (330.000 Euro) dotiert und gilt als einer der wichtigsten Theaterpreise weltweit.

7. September 2012 – Der künstlerische Leiter der Ruhrtriennale, Heiner Goebbels, erhält am morgigen Samstag, 8. September 2012, in Oslo den International Ibsen Award 2012.

Der Preis, gefördert und finanziert von der norwegischen Regierung, gilt als einer der wichtigsten Theaterpreise weltweit und ist mit 2,5 Millionen Kronen (rund 330.000 Euro) dotiert.
Heiner Goebbels wird für seine wegweisende Arbeit ausgezeichnet.

 Er hat die Theaterwelt um eine neue künstlerische Dimension bereichert und mit seinen Werken „die Kunstwahrnehmung des Publikums verändert und bei zahlreichen Künstlern entscheidende Wirkung hinterlassen.“ (Zitat Jury, Langfassung siehe unten)

Ute Schäfer, nordrhein-westfälische Kulturministerin: „Ich gratuliere Heiner Goebbels zu dieser herausragenden Auszeichnung für seine wegweisende innovative Theaterarbeit. Als ein radikaler Neudenker des Theaters eröffnet er auch der Ruhrtriennale neue Horizonte.
Hier hat er ein ideales Wirkungsfeld gefunden.“

Der Preis wird im Rahmen des Internationalen Ibsen-Festivals verliehen, das noch bis 9. September im Nationaltheater in Oslo/Norwegen stattfindet. Bisherige Preisträger sind Peter Brook, Ariane Mnouchkine und Jon Fosse. www.internationalibsenaward.com

Inszenierungen von Heiner Goebbels bei der Ruhrtriennale 2012
Am 26. September 2012 feiert in der Jahrhunderthalle Bochum mit When the mountain changed its clothing eine neue Musiktheaterarbeit von Heiner Goebbels in Zusammenarbeit mit dem Vocal Theatre Carmina Slovenica Premiere. Die Saison 2012 der Ruhrtriennale eröffnete am 17. August 2012 mit Europeras 1&2 von John Cage, inszeniert von Heiner Goebbels und seinem Team. Die Ruhrtriennale endet am 30. September 2012.

Begründung der Jury:

„Heiner Goebbels – Theatermacher, Regisseur, Komponist, Musiker, Hochschullehrer und Kurator eines Festivals – ist einer der großen Kreativen unserer Zeit. Er hat ein erstaunliches Oeuvre in verschiedenen Disziplinen aufzuweisen und übt profunden Einfluss auf Theaterarbeiter und Musiker aus.Seine Theaterarbeit umspannt ein großes Spektrum: von Werken für die Oper bis zu Installationen ohne Schauspieler für das Theater. Alle Stücke sind wesentlich verschieden in Eigenart und Form und jedes ist auf genuine Weise bahnbrechend und wegweisend. Er ist ein wahrhafter Erneuerer, seine Arbeiten lassen sich von konventionellen Definitionen nicht vereinnahmen. Er hat das Terrain, auf dem Theater und Musik zusammenspielen, neu erforscht und erweitert und dadurch die Elemente des Theaters auf eine Weise weiterentwickelt, die neue Einsichten und Möglichkeiten eröffnen. So erfüllt er den grundlegenden Auftrag des Theaters, Erfahrungen unsererselbst und der Welt zu bereichern. Zudem ist er ein Pionier auf dem Gebiet der Theatertechnologie. Sein Werk ist in über 50 Ländern gezeigt worden, es hat die Kunstwahrnehmung des Publikums verändert und bei zahlreichen Künstlern entscheidende Wirkung hinterlassen. Die Ausdrucksmächtigkeit und Bedeutung seines Werkes wird wachsen und seinen Einfluss auf die Arbeit der Theater weltweit für Jahrzehnte und Generationen geltend machen.“

Mitglieder des Komitees:
Per Boye-Hansen (Vorsitz), Therese Bjørneboe, Øyvind Tvetereid Gulliksen, Sir Brian McMaster, Kamaluddin Nilu, Christiane Schneider, Hanne Tømta

Über Heiner Goebbels
Heiner Goebbels wurde 1952 in Neustadt/Weinstraße geboren. Seit den 1990er Jahren komponiert und inszeniert er Musiktheater. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Schwarz auf Weiß, Max Black, Eraritjaritjaka, Stifters Dinge, Songs Of Wars I Have Seen und I Went To The House But Did Not Enter. Die meisten seiner Theaterproduktionen entstanden am Théâtre Vidy-Lausanne in der Schweiz.

Heiner Goebbels ist Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und Präsident der Hessischen Theaterakademie. Er ist Künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale 2012/2013/2014 – International Festival of the Arts.

Die Ruhrtriennale wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes
Nordrhein-Westfalen sowie von der Europäischen Union – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung.
Gesellschafter: Land Nordrhein-Westfalen, Regionalverband Ruhr und Verein pro Ruhrgebiet.
Europeras 1&2 wird gefördert von der Kunststiftung NRW, 12 Rooms und Prometheus durch die
Kulturstiftung des Bundes.

Der Mensch als lebende Skulptur – ein Prozess

[jpg] Live Art ist ein recht junges und spannendes Kunstformat. Es ist aus dem Format der Performance hervor gegangen. Und es geht um die Schaffung von Kunsträumen, die mit dem Mensch und seinem Körper herbei geführt werden können. Ein flüchtiges Kunstwerk, welches nur einem Moment eine fiktive neue Realität schafft. Immaterielle Realitäten, die einmal eingegangen schon wieder vergangen sind. Denken Sie bitte einmal an das flüchtige Lächeln zwischen zwei Menschen die in einer Fußgängerzone oder einem anderen Ort aneinander vorüber gehen.

Und so ging die Ruhrtriennale unter Heiner Goebbels eine Partnerschaft mit dem Folkwang Museum in Essen ein, um „12 Rooms“ in deren Ausstellungsräumen aufzubauen. Der ehemalige Direktor des Folkwang Museums, Hartwig Fischer,  hatte sich spontan zu dieser Kooperation bereit erklärt. Die Live Art Arbeiten der Ruhrtriennale wurden mit dem Manchester International Festival (MIF) koproduziert. Als Kuratoren arbeiteten und unterstützten die Ausstellung „12 Rooms“ Hans Ulrich Obrist von der Serpentine Gallery, London, und Klaus Biesenbach vom MoMa ( Museum of Modern Art ) und dem PS1, New York. Dies sind nur einige Namen, die diese  Ausstellung ermöglichten, selbstredend steht hinter dieser Ausstellung auch ein Team, welches die Voraussetzungen für diese Group Show schafften. Diese Group Show wird  im nächsten Jahr mit „13 Rooms“ in Sydney kuratiert und wer weiß, vielleicht auch noch in anderen Städten.

Bevor die Austellung eröffnet werden konnte wurde der rote Teppich ausgerollt. Für wen? Für die offizielle Ruhrtriennale Festivaljury, die aus Heranwachsenden von drei Gesamtschulen der Städte Gelsenkirchen, Duisburg und Bochum besteht. Und so kamen die Heranwachsenden über den roten Teppich, ließen sich geduldig von uns interviewen und machten sich an ihr Werk die „12 Rooms“ für sich erfahrbar zu machen. Die Heranwachsenden tauchen bei allen Eröffnungen der Ruhrtriennale auf, sie sind gleichrangige Partner im Rahmen des „No Education“ Projektes. Dieses Projekt soll Schluss machen mit den >adults  only< – Bezirken. Ein schönes und auch logisches Projekt.  

Zur Ausstellung selber, die bedingt durch die zahlreichen Eröffnungsbesucher etwas verloren hatte. Denn eigentlich wäre es besser, einzeln diese Räume zu betreten und die intimen, flüchtigen Begegnungen wahrzunehmen und für sich selbst  erfahrbar zu machen.

  [nggallery id=416]    Allora & Calzilla, zeigten mit ihrem Werk „Revolving Door“ (2011)  ein Werk in dem Menschen  in einer Gruppe Positionen einnehmen und wie eine Menschmaschine funktionieren.  Die Sinnfrage wird hier anders beantwortet. Betritt man den Raum so gerät man in eine lebende Drehtür die von Damen und Herren dargestellt werden, die bei berühren sich tänzerisch dreht wobei man in den Raum geführt wird. Es wirkte auf mich wie eine lebende Begrüßung, die man erstaunt annahm.

   [nggallery id=417]    Santiago Sierra, zeigte mit seinem Werk „Verterans of the wars of Yugoslavia, Bosnia, Kosovo and Serbia facing the corner“ (2012) einen Soldaten in Camouflage Uniform, der mit seinem Gesicht in eine Ecke schaute. Kein Wort, keine Bewegung. Beim Betrachter entsteht das Bedürfnis Fragen zu stellen, Fragen nach dem Krieg, Fragen nach dem "Warum". In den Phantasien kommen Bilder von Kriegshandlungen auf. Die Sniper von Serajewo, die vielen Kriegsgräuel. Man fühlt sich allein gelassen, denn eine Antwort wird es nicht geben. Ein Gefühl des Unbehagens schleicht sich ein.

   [nggallery id=419]    Marina Abramovic, zeigte ihr Werk „Luminosity“ (1997). An einer Wand sitzt aufrecht ein nackter weiblicher Körper auf einem „Fahrradsattel“. Die Frau sitzt wie gekreuzigt, die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale sind klar zu erkennen. Die Frau schaut gerade aus auf die gegenüberliegenden Wand. Der Eindruck, die Frau könnte jeden Moment von der Wand fallen, blockiert das weitere Denken. Die Frage kommt auf: wie lange hält diese Frau das aus, diese Position muss doch schmerzhaft sein, zwingt sowohl zum verweilen als auch zum gehen. Es sind die Grenzen des Schmerzes, der Erschöpfung und der Gefahr die durch das Material Körper erfahrbar oder gesucht werden.


 [nggallery id=415]    Xu Zhen, „In just a Blink of an Eye“ (2005). Xu Zhen zeigt mit ihrem Körper einen augenscheinlich instabilen Zustand als Zwischenstatus. Durch die Bekleidung ist sie als eine von Millionen Wanderarbeiter in China auszumachen.
Aber, auch die Welt ist bei ihr instabil und bewegt sich immer in diesem einen instabilen Zustand der offensichtlich zur bleibenden Realität geworden ist.

Obige Live-Acts stellen nur einen Ausschnitt aus den insgesamt 12 Inszenierungen dar. Am Ende der Seite haben wir noch eine kleine Galerie für Sie erstellt..

Die Begegnungen in den 12 Räumen bringen dem Einzelnen die Wertigkeit von Menschsein in sein alltägliches konditioniertes Bewusstsein. Erstaunen erfasst einen bei dem Erfahren der vorhandenen oder auch abhanden gekommenen Menschfacetten.

Es ist nicht so einfach Mensch zu sein. Für mich war es eine bereichernde Erfahrung wie in 12 Räumen unterschiedliche Gefühlswelten erzeugt werden können. Aber auch, wie in einem Museum, wie dem Folkwang Museum, die darstellende Kunst mit der bildenden Kunst eine wunderbare Kooperation eingehen kann. Kunst ist eben untrenntbar, es gibt nur die eine Kunst.

„12 Rooms“ ist noch bis zum 26. August im Folkwang Museum in Essen zu besichtigen.

12 Rooms – Live Art/Group Show
Museum Folkwang Essen
Museumsplatz 1
D-45128 Essen
bis 26. August. Di-So 10-18 Uhr. Fr 10-22 Uhr


Auszugsweise wurden hier nur vier der 12 Räume beschrieben.

Künstler: Marina Abramovic (RS), Jennifer Allora (US) and Guillermo Calzadilla (CUB), John Baldessari (US), Simon Fujiwara (J), Damien Hirst (GB), Joan Jonas (US), Xavier LeRoy (FR), Laura Lima (BR), Roman Ondák (SL), Lucy Raven (US), Tino Sehgal (GB), Santiago Sierra (ES), Xu Zhen (CN)

Kuratoren: Klaus Biesenbach und Hans Ulrich Obrist


 

Übrigens: Das Ticket zu 12 Rooms berechtigt zum einmaligen freien Eintritt in die Ausstellung Current von Michal Rovner in der Mischanlage, Kokerei Zollverein, Essen [anmerkung d. Red. : eine durchaus empfehlenswerte Videokunst-Ausstellung]
Tickets: 8,– €  Ermäßigungen ab 5,– €

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen
[Fotos: © Linde Arndt]

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Mitten ins Herz – Pulse

 

[jpg] Der Westpark in Bochum liegt hinter der Jahrhunderthalle und ist ein beliebtes Freizeitziel für die Bochumer und deren Freunde. Als wir am vergangenen Donnerstag dort eintrafen, lagen Fahrräder  herum, nicht weit davon eine Gruppe junger Menschen die beim Picknicken waren. Dort ein Pärchen welches die letzten Sonnenstrahlen einfing. Und am Rande dieser Idylle waren die Theaterscheinwerfer installiert, 250 an der Zahl. Es war jedoch noch nicht dunkel und so sahen wir viele prominente Bochumer Kunstliebhaber durch den Park flanieren. Wie gesagt, es war noch zu hell um die  Lichtinstallation zur Aufführung zu bringen. Zeit für ein paar Gedanken.

Die Ruhrtriennale hat eine Schwester, eine vierte Säule innerhalb der Kultur Ruhr GmbH bekommen, „Urbane Künste Ruhr“. Am 16.August 2012 brachte diese vierte Säule „Urbane Künste Ruhr“ die ersten Inhalte ihrer Definition von urbaner Kunst.  Rafael Lozano-Hemmer, ein kanadisch-mexikanischer Künstler, zeigte seine interaktive Lichtinstallation „Pulse Park“ Relational Architecture 14. 2008 hatte Lozano-Hemmer diese Installation im Oval des Madison Square Park, New York zum ersten male gezeigt. Pulse Park war der Höhepunkt einer Serie, Lozano-Hemmer debütierte 2007 mit Pulse Room bei der Biennale in Venedig.

Dieser "Pulse Park" im Westpark wird einzig und alleine durch die Herzschläge, also den Puls, der Besucher Wirklichkeit, die bereit sind, ihn durch einen dafür vorgesehenen Sensor einzuspeisen. Als die Dunkelheit herein brach gaben neben dem Künstler zuerst drei ausgesuchte Bürger ihren Puls ein.  Urbane Künste Ruhr hatte Bochumer Bürger aufgerufen, ihre schönste Geschichte oder ihr bestes Erlebnis zum Westpark einzureichen. Von diesen Einsendern waren die besten drei Bewerber ausgewählt worden. Ihre Geschichte sollte bei der Eröffnung am Donnerstagabend präsentiert werden.
Anschließend wurde der Puls von mehreren Besuchern hintereinander durch den Sensor in einen Computer eingespeist. So entstand letztendlich eine Reihe von Herzfrequenzen die die Strahler zum Leuchten brachten. Zuerst wurde der Puls eines einzelnen Besuchers auf einen Strahler übertragen. Schlußendlich wurden die anderen, schon gespeicherten, auf die gesamte Installation ausgeweitet. Das ganze wurde sodann durch die akustischen Signale begleitet.

Zu Beginn das gleichmäßige Pochen eines einzelnen Herzens, welches von dem Stakkato der folgenden schon gespeicherten Herzschläge ergänzt wurde. So weit der technische Bereich.

 
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Begleitet von großen Ohs und Ahs der inzwischen angewachsenen Westpark Gemeinde, sah man wie der Westpark sich in ein Lichtermeer verwandelte. Die Übertragung der Herzschläge taten ihr übriges um die Besucher in romantische Gedanken zu führen. Die eine und andere Hand sah man in der Hand des Partners verschwinden. Köpfe legten sich an Schultern. Die entstehende künstliche Landschaft ließ die Herzen mit schwingen. Es war eine gelungene Vorstellung des Auftaktes „Urbane Künste Ruhr“; dem vierten Bein der Kultur Ruhr GmbH unter der künstlerischen Leitung von Katja Aßmann.

Als wir zum Vortrag des Künstlers Rafael Lozano-Hemmer gingen sahen wir eine Schlange von rund 120 Besuchern die sich am Pulsmessgerät anstellten.

Rafael Lozano-Hemmer wusste uns viele seiner Arbeiten näher zu bringen. Rund um den Erdball wusste er von seinen Arbeiten zu berichten. Da gab und gibt es Videos, Skulpturen, Robotics, Lichtinstallationen mit und ohne biometrische Steuerungen oder auch Performes ( Levels of Nothingness im Guggenheim Museum).

Später, als wir  wieder am Westpark vorbei gingen sahen wir immer noch vereinzelt Pärchen im Park, sicher sich ihr Herz schenken.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Bochum

[Fotos: © Linde Arndt]

INFO:

 PULSE PARK: Relational Architecture No. 14
16. August – 16. September 2012
Westpark an der Jahrhunderthalle Bochum
täglich 21.00 bis 1.00 Uhr
Eintritt frei

 

 

 

 

 

Der ewige Kampf zwischen Kopf und Bauch

   
Pressekonferenz im Dampfgebläsehaus der Jahrhunderthalle, Bochum v.l. Michal Rovner / Professor Heiner Goebbels / Lemi Ponifasio
 

[jpg] Sie haben schon einmal eine Oper gesehen? Klar. Da gibt es die Ouvertüre mit einem Leitthema, drei Akte. Das wesentliche ist jedoch: Sowohl in der Komposition als auch im Libretto gibt es eine „Linie“ nach der das Stück aufgebaut wird und letztendlich zu seinem Ende kommt.Vergessen sollte man in diesem Jahr diese Regeln. Musik und Text müssen nicht einer Linie folgen. Oder doch?

Am 6. August 2012 war die Auftaktpressekonferenz der Ruhrtriennale 2012/2013/2014, es geht also wieder los.

Der amerikanische Komponist John Cage wäre in diesem Jahr ( 5. September ) 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Grunde hat sich Professor Heiner Goebbels entschlossen für die Aufführung von Europeras 1+2 die Regie zu übernehmen. Am 17. August ist Premiere und sämtliche Vorstellungen sind restlos ausverkauft, übrigens, wird an diesem Tage Professor Heiner Goebbels 60 Jahre alt.

Warum Cage? Nur weil er 100 Jahre geworden wäre? Nein. Cage deshalb, weil er als Amerikaner mit dieser Oper den Europäern zeigen wollte, dass auch die USA eine eigene Identität haben sollten. Cage deshalb, weil er mit dieser Oper ein experimentelles Werk geschaffen hat. Cage deshalb, weil gerade die Ruhrtriennale bekannt ist für ihre außergewöhnlichen Produktionen. Kurz, es gibt viele gute Gründe Cage zur Aufführung zu bringen.

Zur Oper selber.
Es gibt auf der Bühne 64 aufgemalte Felder in der 100 Meter weiten Jahrhunderthalle in Bochum. Es gibt 10 herausragende SängerInnen, die von ~ 30 Instrumentalisten und von ~60 Assistenten unterstützt werden. Und dann gibt es noch den Zufallsgenerator. Dieser Zufallsgenerator ( I Ging ) wirft nach einer bestimmten Einstellung eine Feldnummer und meinetwegen eine Arie aus 128 bekannten europäischen zur Verfügung stehenden Opern aus. Zu den Opern gibt es 32 Bilder. Kostüme und Bühnenbilder ergeben sich. Europera 1 dauert 90 Minuten und Europera 2 dauert 45 Minuten. So ist der Regisseur vor der Vorstellung teilweise selber gespannt auf den sich ergebenden Verlauf.

Während der Aufführung entsteht somit eine neue Oper oder aber auch ein neues Gesamtwerk, welches aber so nicht wiederholbar ist. Es sind zwar alles alte Werke der letzten 200 Jahre aber durch die willkürliche Zusammensetzung entstehen neue Melodien, Szenen die zwar bekannt, aber in ihrer Zusammensetzung so noch nie gehört wurden. Problematisch wird es für Menschen die in ihrer Neugier schwach ausgeprägt sind. Man muss sich schon darauf einlassen können. Wie sagte der Intendant der Ruhrfestspiele Recklinghausen Dr. Frank Hoffmann so treffend: Seien Sie neugierig.

Außer  Cages Europera 1& 2 seien noch folgende interessante Vorstellungen erwähnt:

"Lecture on Nothing"

Robert Wilson liest John Cage
            22.  August 2012, 28. August 2012
            Jahrhunderthalle Bochum
 
Künstlergespräch Europeras 1&2

mit Heiner Goebbels und dem Produktionsteam der Inszenierung
19. August 2012, 31. August 2012, 2. September 2012
            Jahrhunderthalle Bochum

tumbletalks 1 – 8

Heiner Goebbels / Holger Noltze
            ab 17.  August 2012
            Museum Folkwang, Essen

 "Current"

Kommen wir zu der anwesenden Künstlerin Michal Rovner. Die israelische Künstlerin ist mit ihrer Arbeit „Current“, die am 18. August in der Mischanlage, Zeche Zollverein, Essen, präsentiert wird, vertreten.

„Datazone 1, cultur table #, 2003"
Parallel wird in den Räumen des  Museums Folkwang ein weiteres Werk „Datazone 1, cultur table #, 2003 zur Ausstellung gelangen.

Mit Tumbletalk 2 wird am nächsten Tag dem 19. August ein Gespräch mit Michal Rovner und Michael Morris stattfinden.

 
Michal Rovner

 Michal Rovner hat mit ihrem Werk „current“ Spuren und Zeiten der Mischanlage aufgenommen und diese in einer Videoarbeit umgesetzt. Die Mischanlage wurde für die Vermengung von verschiedenen Kohlequalitäten gebraucht. Über die Jahre entstanden Rückstände aus den vergangenen Produktionsprozessen. Nimmt man nun die Bauweise der Anlage, den Nutzungs- und Abnutzungsgrad als auch die verbliebenen Rückstände, ergeben sich drei Terminis die dem Kunstwerk zu Grunde liegen.

Rovner ist bekannt für Grenzüberschreitungen in ihrer Kunst, indem sie Grenzen überdehnt um letztendlich ihre Belastbarkeit zu erkunden. Es scheint ihr Spaß zu machen Räume zueinander in eine andere Beziehung zu setzen um sie damit einer Stresssituation auszusetzen. 

Als Israelin wurde sie einer ständigen wechselnden Realität ausgesetzt, deren Gefährdungsgrad sie immer in die Nähe eines mittleren Bebens brachte.
Zu Michal Rovner sei auch gesagt, dass sie eine international anerkannte zeitgenössische Künstlerin ist, die mit Professor Heiner Goebbels seit 2005 eine enge künstlerische Partnerschaft einging. Mit dem Werk „Fields of Fire“, einer großen Video- und Klanginstallation im Jeu de Paume/Paris, hat sie sich einen internationalen Namen gemacht.

„Prometheus“

Vorgestellt hatte sich nunmehr Lemi Ponifasio, gebürtig aus Samoa, als internationaler renommierter Regisseur  und Choreograf Neuseelands. Er wird in der Duisburger Kraftzentrale Carl Orffs ungekürztes Musiktheater „Prometheus“ nach Aischylos  am 16. September (Premiere) zur Aufführung bringen. Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass dies eine Neuinszenierung sein wird und darüber hinaus Ponifasios erste Musiktheaterarbeit darstellt. Ponifasio und Carl Orff, zwei Künstler die sich beide  auf die Ästhetik des Beginns (Archetypus) eines wie auch immer gearteten  menschlichen Dialogs zurückziehen. Wobei Prometheus, der Kulturbringer schlechthin, beiden den Stoff liefert, den sie für diese, ihre Arbeit,  gesucht haben. Pontifasio setzt Prometheus in unsere heutige Zeit in der der moderne Mensch sich in der beschleunigten Welt ausgesetzt fühlt. Prometheus und der moderne Mensch begehren in ihren Welten auf um eine andere Welt einzufordern. Regie führt Peter Rundel, Chor wird von dem stimmlich bewährten „Chorwerk Ruhr“ nunmehr unter der Leitung von Florian Helgath, gestellt. Die Tänzer der MAU Company werden die Aufführung verstärken und Prometheus wird von Wolfgang Newerla gesungen.

 
Lemi Ponifasio                


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  Es ist nicht alles beschrieben worden was in der Pipeline ist. Bis zum 17. August werden 900 Künstler angereist sein, die teilweise aus Übersee kommen. Es werden über 100 Veranstaltungen, 37 Produktionen auf 12 verschiedenen Spielstätten aufgeführt. 30 Vorstellungen sind schon ausverkauft, viele haben nur noch Restkarten zu bieten. Wenn es so weiter geht, wird die Ruhrtriennale 2012 eine Auslastung von über 85% haben. Es geht um die Metropole Ruhr und nur dafür ist die Ruhrtriennale geschaffen worden. Jedoch landete der Bereich Kultur in der Metropole Ruhr in einer Studie der Hamburger Berenberg Bank  im unteren Mittelfeld.  Lediglich die Stadt Essen konnte einigermaßen im Kulturranking punkten. Stuttgart, Dresden oder Berlin sind die Städte auf den vorderen Plätzen. 
Wenn man allerdings weiß wo man steht, so kann man seine Kräfte bündeln um nach vorne zu kommen.

Kultur ist und bleibt ein inzwischen harter Faktor bei der Standortfrage eines industriellen Betriebes. Warum? Kultur ist das „Schmiermittel“ der ersten Wahl in einer intakten Gesellschaft. Ein Trost, es wird noch weitere Studien geben. Die Metropole Ruhr wird sicher seine Chancen nutzen.
Bei 900 Künstlern sollte das oben genannte nicht alles sein, woran die Ruhrtriennale arbeitet um am 17. August die Spielzeit 2012/2013 zu beginnen.

Rafael-Lozano Hemmer
Am 17. August wird im Westpark hinter der Jahrhunderthalle Bochum eine interaktive Lichtinstallation, „Pulse Park“ von Rafael-Lozano Hemmer die Besucher überraschen. Der kanadisch-mexikanische Künstler Rafael-Lozano Hemmer  verwandelt mit Einbruch der Dunkelheit den Westpark in einen Lichtpark. Die gemessenen Herzschläge der Besucher steuern einen computergesteuerten Sensor, der übernimmt diese Schläge um sie sodann in Licht- und Tonsignale umzusetzen. Der gesamte Park wird dadurch zu einem einmaligen Begegnungsraum.

"Our CenturY"

Seit dem 16. Juli werden Folke Köbberling und Martin Kaltwasser mit einem Bauprojekt „Our CenturY“ rund um die Jahrhunderthalle Bochum bis zum 30. September mit über hundert Freiwilligen eine Alternative zum derzeitigen sozialen Zusammenleben sichtbar machen. Irgendwie erinnern die beiden an Alexander Mitscherlich mit seinem „Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden“. Unsere heutigen Städte stehen alle vor dem Kollaps, sind fast unbewohnbar, so dass die Menschen aus den Städten fliehen. Folke Köbberling und Martin Kaltwasser setzen unserer eindimensionalen realen Lebensumwelt einen kritischen Widerstand entgegen. Der Fortgang der Arbeiten kann jederzeit bei freiem  Eintritt besichtigt werden. Auch ein Mitmachen ist jederzeit möglich.

 
Folke Köbberling, dahinter v.l. Martin Kaltwasser und Professor Heiner Goebbels                

Ein weiterer Schwerpunkt der Professor Heiner Goebbels am Herzen liegt, sind Studierende aller Fachrichtungen. Während der Ruhrtriennale 2012 wird es einen „Internationalen Festivalcampus“ geben. Dozenten, Studierende und Künstler aus 12 unterschiedlichen Hochschulen des In- und Auslands werden in einen Diskurs mit dem Theater als eigenständige Realität treten. 150 Teilnehmer  werden mit dem Team der Ruhrtriennale eine sicherlich spannende und interessante aber auch strittige Begegnung haben. Des weiteren wird StudentInnen < 27 Jahre auf alle Vorstellungen ein 50% iger Rabatt eingeräumt – dies ist einmalig für die Ruhrtriennale. Auch sind weitere Vergünstigungen für StudentInnen <27 Jahre durch die Intendanz der Ruhrtriennale veröffentlicht worden. Erwähnt sei das „Last-Minute Ticket“ oder der Studentenpass, aber es wurden auch 50 Freikarten für StudentInnen verlost.


Professor Heiner Goebbels im Gespräch
  Selbstredend sind die Aktivitäten die Professor Heiner Goebbels bist jetzt entwickelt hat andere als die seiner Vorgänger.

Und bis jetzt war es immer ein herausragendes Erlebnis die verschiedenen Intendanten vom Gründungsintendant Gerard Mortier angefangen über Jürgen Flimm und Willy Decker mit ihren Arbeiten zu begleiten.

Heiner Goebbels wird mit seiner Persönlichkeit einen weiteren Pfeiler für die Geschichte der Ruhrtriennale darstellen.

Gefühlsmäßig, also mit dem Bauch, sollten wir in den Stücken Wege erkennen, neue Wege, der Kopf sollte diese Wege alsdann benennen können. Kampf entsteht nur dann wenn unsere Unsicherheit uns nicht verlässt.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Bochum

[alle Fotos © Linde Arndt]

Ankunft! In Deinen Augen mein Leben

 

[jpg] Die Zeit der Ruhrtriennale mit Prof. Willy Decker war und ist noch in diesem Jahr eine bunte, nachdenkliche und inspirierende Zeit. Nachdenklich aber auch, weil man sich an die vielen schönen Momente der Intendanz von Prof. Willy Decker erinnert und den Abschied etwas gemildert betrachtet. Angebote der Metropolitan Opera und des Neuen Nationaltheaters, Tokio versüßen sicher den Abschied. So wird es ein freund- und friedliches Übergehen auf die Intendanz von Prof. Heiner Goebbels geben. Deshalb lassen Sie uns doch die restlichen Tage mit dem Intendaten Decker im Ruhrgebiet geniessen.

 

Prof. Willy Decker nahm als roten Faden für seine Intendanz drei Weltreligionen als Thema. Zu Beginn 2009 das Judentum mit Aufbruch! – Suche nach dem Wort,  2010 dann den Islam mit der Wanderung!- Suche nach dem Weg und nun 2011 den Buddhismus die Ankunft! – Suche nach dem Jetzt.

In einer Zeit in der das religiöse mal wieder die Gewalt hervorbringt, befasst sich Prof. Decker mit der Religion. Nicht das spaltende war Grundlage seiner Aufführungen, vielmehr zeigte er, was für einen kulturellen Wert die Religion hervorbringt. Wie die immerwährenden Fragen der Menschheit durch die Religion im Ansatz auf eine annehmbare Weise beantwortet werden.

Es ist der Glaube der die Menschheit zusammenhält und das Sinnhafte des Handelns erkennen lässt.

 


Willy Decker                               Foto: © Linde Arndt


Ministerin Ute Schäfer Foto: © Linde Arndt
  Nicht Gewalt ist die Triebkraft des Menschen, die Liebe bringt die Kraft hervor um ihn in dem Morgen bestehen zu lassen.
So ist es auch Prof. Willy Decker gelungen Geschichte für die Ruhrtriennale zu schreiben und damit das Ruhrgebiet zur Bühne einer herausragenden Kunst hervorzuheben, findet auch die Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen Ute Schäfer vor der internationalen Presse in der Jahrhunderthalle in Bochum.

Wie in den beiden vorhergehenden Jahren, so wird es auch in diesem Jahr bis zum 9.Oktober über 130 Vorstellungen mit 600 beteiligten KünstlerInnen in den Spielstätten des Ruhrgebietes geben..

  Zur Zeit haben die Vorstellungen eine Auslastung von 80%. Nur für wenige Vorstellungen sind noch Karten zu haben. Die Internetseite http://www.ruhrtriennale.de mag Ihnen ein Führer durch die Veranstaltungen sein.

Professor Willy Decker wagte etwas mit doppeltem Risiko, er führte Regie in einer Industriehalle mit einer Oper die sowieso als unspielbar eingeschätzt wird – mit der Oper „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner. Verwundert schaute man zum Ruhrgebiet als man diese Nachricht hörte. Voller Spannung und neugierig wartete man auf die Premiere.

     
v.l.:  Anja Kampe [Isolde] /  Willy Decker [Intendant] / Ministerin Ute Schäfer / Kirill Petrenko [Dirigent]
Foto: © Linde Arndt
 

Decker, der bekennender und praktizierende Buddhist ist, sieht diese Oper als logisches Bindeglied zu dem fernöstlichen Buddhismus. Wagner, aber auch andere Künstler haben sich mit dem Buddhismus befasst, es war ihnen also nichts Fremdes. Und so beschreibt auch Wagner seiner Freundin Wesendonk seine Bedenken hinsichtlich der Oper Tristan und Isolde in Verbindung mit dem Buddhismus und der Aufführbarkeit der Oper.

Nun um es vorweg zu nehmen, es hat trotz vieler Hindernisse geklappt einen Tristan zu spielen der die Zuschauer in ihrem Innersten packt und sie auf sich selber zurück wirft.

Zur Oper wollen wir etwas später kommen.

Professor Decker hat die Premiere von Tristan in einen ganzen Köcher von Hintergrundveranstaltungen gepackt, die für sich schon alleine jeweils eigene Veranstaltungen sind.

So wurde eine Gesprächsrunde mit Prof. Decker, Regisseur Luk Perceval, Hans Günter Golinski dem Leiter des Kunstmuseums Bochum und Prof. der Religionswissenschaften Michael Brück etabliert.

„Suche nach dem Jetzt“ war das Thema in der Turbinenhalle Bochum. Es sollte eine große Besinnung und gemeinsame Verortung aller Teilnehmer für ein gewaltfreies Leben gegenüber der Umwelt und der Natur werden. Solche Gespräche gibt es meines Erachtens leider viel zu wenig.

 
Gesprächsrunde                            Foto EN-Mosaik

 


Oberbürgermeisterin
Dr. Ottilie Scholz
Foto:EN-Mosaik
  Das Kunstmuseum Bochum eröffnete mit der Bochumer Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz die Austellung „Buddhas Spur“.

Im Vorfeld konnte man die Gedanken zum Buddhismus von verschiedensten Persönlichkeiten der buddhistischen Philosophie erfahren.

Die Ausstellung selber, die so prominente Besucher wie unseren Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert vorzuweisen hatte, zeigte die heutige zeitgenössische Kunst aus Asien.

Prof. Decker betätigte sich hier zum ersten mal als Kurator. Die Exponate beschäftigten sich in der Vielzahl mit dem Inhalt des Buddhismus.

 Heitere Gelassenheit, die Anwesenheit des Nichts oder das Füllen der Leere, diese Begrifflichkeiten aus dem Buddhismus wurden in den zu sehenden Artefakten verwirklicht.

Es war ein meditierendes Gehen und Sehen der Ausstellung im Kunstmuseum Bochum. Hier der Link zu dieser wunderbaren Ausstellung, http://www.bochum.de/kunstmuseum, wo Sie auch weitere Informationen erhalten werden. Bis zum 13. November kann diese Ausstellung noch besucht werden.

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Die Kunst der Kalligraphie mit dem Zenmeister Sasaki Gensô Rôshi war nur etwas für Kenner. Diese Kunst ist uns Europäern fremd und doch auch vertraut. Rôshi verstand es den Besuchern Einblicke in den Buddhismus über die Kalligraphie zu vermitteln. Die kalligraphischen Werke, die das Thema der Ruhrtriennale reflektierten, wurden danach in der oberen Etage dem Publikum zugänglich gemacht. „Schnee in einer Silberschale“ sind elf Kalligraphien in der der Meister seine Erfahrung mit dem Ruhrgebiet wieder gibt. Wir haben sie als pdf für Sie zur Verfügung gestellt .

Die gesamten Veranstaltungen habe ich mit den Kollegen auch wirklich als heitere und gelassene Veranstaltungen erlebt. Die Zeit verging wie im Fluge, die Worte waren wie Schwalben die ihre Botschaft trugen und die künstlerischen Werke eröffneten sich den sie ansehenden Menschen.

 

    

 
  vl: Anja Kampe (Isolde) und Christian Franz (Tristan)                    Foto: © Paul Leclaire  

Und dann kam dieser Tristan, diese Aufführung die jeden packte und an seinen Ursprung zurück führte. Vielen blieb die Luft weg in und von dieser Aufführung des Tristan.

Vorweg etwas, was Decker immer wieder betonte, die Funktion des Punktes auf dem alles sich vereinigt aber von dem auch alles ausgeht. Dieser Punkt ist ein Element der Bühne, auf welchem verdichtet wesentliche Aussagen begleitend oder auch erläuternd erscheinen. Überhaupt das Bühnenbild von Wolfgang Gussmann ist eine gelungene Reduktion des Tristan Stoffes. Gussmann und Decker passen in dieser Hinsicht vorzüglich zusammen. Gussmann hat die bestehenden Aufbauten der Industriehalle aufgenommen, die dadurch nicht störend wirken. Vielmehr fließen sie in die Abstraktion der Bühne ein. Die Bühne selber besteht aus drei nach allen Seiten beweglichen Teilen, zwei Ebenen die Räume schaffen und eine Kugel (Punkt!). Die untere Ebene ist das worauf man steht. Man steht fest oder man kommt ins trudeln, je nachdem was auf einen einwirkt. Die obere Ebene dient als Element was an äußeren Einflüssen einwirkt – sozialer Druck. Die Kugel dient der Projektion der eigenen Phantasien aber auch der Rückbesinnung. Gussmann hat mit Susana Mendoza aber auch die Kostüme gemacht. Auch hier die Reduktion auf den Inhalt des Stückes. Die Beleuchtung von Andreas Grüter schaffte mit den Videoinstallationen der "fettfilm" zusammen eine gute und stimmungsvolle unter die Haut gehende Atmosphäre.

Den schwersten Part hatten allerdings Kirill Petrenko mit den Duisburger Philharmonikern und dem Chor Werk Ruhr. Die Tristan Partitur gilt nicht nur als ambitioniert, vielmehr löst sie auch in großen Häusern öfter Irritationen aus, Irritationen; wie sollen wir den Tristan umsetzen. Gilt es doch äußerste Disziplin zu wahren, der kleinste Patzer bringt der Aufführung die schwersten Probleme. Deshalb gab es im Vorfeld auch die berechtigte Frage, warum Decker nicht den Parzival von Wagner für sein buddhistisches Jahr genommen hat. 

Nun, Decker entschied und stellte sich dieser, auch für ihn, neuen Tristan Aufgabe. Für den Tristan stimmte in dieser Halle nichts im Sinne einer Anforderun an ein  Theater. Mit Petrenko hatte er sich einen, wenn nicht gar den Partner, geholt, der dieser Aufgabe nicht nur gewachsen war. Vielmehr löste er die vorhandenen musikalischen Probleme par excellence um einer brillianten Aufführung gerecht zu werden. Die Duisburger Philharmoniker sind ein hervorragender Klangkörper, welcher in Zusammenarbeit mit Petrenko keiner manchmal bei anderen Orchestern vorhandene Selbstverliebtheit der eigenen Musik nachgeht, sodass die Sänger mit einem Wagnerstoff erdrückt werden. Sänger und Philharmoniker taten das was sie immer bei Wagner tun sollten – sich unterstützen um eine Oper wirken zu lassen.

So ging Petrenko während der Proben immer wieder mal in verschiedene Positionen der Halle um den Ton zu überprüfen. Auch die Sänger hatten Probleme die sie durch Neupositionierungen auf der Bühne lösten.

Alles in allem hat Kirill Petrenko mit den Duisburgern eine außerordentlich hervorragende und ungewöhnliche Arbeit gemacht. Er hat Wagners herausragende Tristan Oper in der Jahrhunderthalle Bochum für jeden Menschen nahe gebracht – kurz, er hat die Menschen berührt.

Nur eines sollte man nicht vergessen, die Jahrhunderthalle ist kein Opernhaus mit all seinen Möglichkeiten. Ich denke mir jedoch, dass Decker mit Petrenko den Tristan in dieser Industriehalle, mit seinen restlichen Aufbauten, den Tristan dem Publikum inhaltlich näher bringen konnte als es in einem renommierten Hause möglich gewesen wäre. Und demnächst sehen wir Kirill Petrenko ja als General Musikdirektor in München an der Staatsoper.

 
Kirill Petrenko Foto: © Linde Arndt

 

Nun zum Stück selber.

 

Die Tristan Sage ist eine alte Variation der Artus Sage. Es war Gottfried von Straßburg, der im Mittelalter immer andere Variationen dieser alten Sage in die Welt setzte. Die Tristansage selber existiert nur in Fragmenten und wurde Wagner nahe gebracht. Dieser war von dem Stoff begeistert und komponierte dann in seiner Züricher Zeit diese Oper. Er unterbrach sogar seine Arbeit am Siegfried.

Die Handlung dieser Sage ist selbst für heutige Zeiten eine ungemein spannende und packende Geschichte, Hollywood könnte solch eine Spannung nicht bringen.

 

…. er sah mir in die Augen, so sagt Isolde. Isolde wollte sich rächen und Tristan töten. Und dann dies, dieser Blick der sie nie mehr verlässt, der alles bedeutet und alles sagt aber auch alles eröffnet. Dieser eine Blick der für Beide die ganze Welt bedeutet – nicht mehr und nicht weniger. ( Dies ist der Punkt für Willy Decker) Und jetzt erst setzt die Oper Wagners ein, es hebt sich also jetzt erst der Vorhang. Im Grunde ist ja schon alles geschehen! Aber es braut sich jetzt eine Ungeheuerlichkeit sonder gleichen zusammen. Isolde wird von Tristan als Braut für seinen König geholt. Beide erkennen sich mehr oder weniger.

Isolde ist wütend und voller Zorn. Tristan den sie doch am Leben ließ erkennt sie nicht, ja, behandelt sie so ganz von oben herab? Ihre Liebe die durch seinen Blick entstand sollte keinen Bestand haben? Sie sinnt auf Rache und will diese mit einem Todestrank in die Tat umsetzen. Ihre Dienerin Brangäne soll ihr bei einem Treffen mit Tristan diesen Trank bringen. Isolde will sodann in diesem Gespräch die Sühne. Als Zeichen dieser Sühne soll er mit ihr einen Sühnetrank trinken. Brangäne bringt diesen vermeintlichen Sühnetrank der ja ein Todestrank sein soll. Beide trinken diesen Trank und meinen nun zu sterben. Nur, Brangäne hat diesen Trank durch einen Liebestrank ausgewechselt. Im nun vermeintlichen Angesicht des Todes bekennen sich die Beiden zu ihrer Liebe. Alle gesellschaftlichen Zwänge die auf Beiden lasten fallen von ihnen ab. Was bleibt ist eine Leere die mit ihrer beiden Liebe gefüllt wird. Eine Liebe die nur ein Ziel hat, eins zu werden. Diese Liebe geht über diesen einen Blick hinaus, sie schafft etwas was man das Urvertrauen nennen kann. Ängste, Eitelkeiten oder auch Stolz haben keinen Sinn mehr. Tristan und Isolde können das machen was sie zwar dachten und sich wünschten, es aber nicht konnten. Den Neubeginn, indem das Ich abfällt und nur das Sein vorhanden ist. Körper, Geist und Psyche sind in dieser Leere nicht mehr vorhanden. Den anderen und sich selber zu erfahren und mit ihm zu verschmelzen um eine ganz andere Körperlichkeit zu erreichen. Ohne Sinn und ohne Ziel nur mit der Unendlichkeit der Liebe.

Beide erwachen aus dieser Welt und finden sich in der realen Welt unsanft wieder. Es hätte nicht sein dürfen. Tristan und Isolde waren in der realen Welt doch nicht für einander bestimmt! Was haben die beiden nur getan? Das ganze Tun der Beiden ist natürlich nicht verborgen geblieben. So kommt Melot und klagt König Marke die Schuld der Beiden. Der König ist enttäuscht und entsetzt. War es doch Tristan der ihn zu dieser Heirat überredet hat. Er, der König, wollte doch nicht mehr heiraten. Tristan, der treuste der Treuen, sieht sich in einer tiefen Schuld. Sein Ausweg: Er stürzt sich in das Schwert des Melot. Isolde versucht verzweifelt Tristan nochmals zu retten – vergebens. Isolde kann nicht anders als dem Geliebten in den Tod zu folgen.

Das Wagner einer der herausragendsten Komponisten der Weltgeschichte war, darüber sollten wir keine Unterhaltung führen. Auch sollten wir uns nicht über seine weiter reichenden politischen Ansichten unterhalten. Seine Genialität in der Musikgeschichte ist es die wir uns anhören sollten. Seine Herangehensweise an solch eine Handlung wie die des Tristan wie er die Handlung befördert, wie er aber auch die Sänger fordert.


Anja Kampe                        Foto: © Linde Arndt
  Hier ist es die Ausnahmekünstlerin Anja Kampe der man diese Isolde ohne Fragen abnimmt. Ihr Zorn, ihre Liebe und das Fallen lassen, sie ist das Weib schlechthin, welches in den Sagen zu Hause ist. Sie dominiert mit klarer Stimme die Szene, es gibt hier kein Überhören.

Dagegen wirkt Christian Franz (Tristan) nicht gerade als Held. Stimmlich kann er allerdings überzeugen.

Vielleicht liegt es daran, dass Anja Kampe eine  (gottseidank) zu starke Isolde ist. Sicher hätte Wagner Anja Kampe jederzeit für seine Opern verpflichtet. Sie singt ja Wagners Frauenrollen, wie zum Beispiel die Sieglinde, mit besonderer Bravour.

Ob es nun Stephen Milling als braver und altersmüder König Marke, Claudia Mahnke als quirlige und treue Brangäne, der treue Kurwenal von Alejandro Marco-Buhrmeister und Boris Grappe als undurchsichtiger Melot ist. Alle Sänger konnten ihre Rollen überzeugend dem Publikum nahe bringen.

Einige Gedanken müssen wir noch über den Buddhismus verlieren. Einen Buddhismus als Religion gibt es nicht. Vielmehr ist der Buddhismus eine Art von Philosophie. Es gibt auch keinen Buddha, wie einige glauben machen wollen. Es gibt nur eine Buddhaeigenschaft die jeder in sich trägt. Die Lehre spricht nur von einem Kreislauf der Widergeburten aus dem es gilt auszuscheiden und ins ewige Nichts einzutauchen. Dieses Nichts ist kein Paradies, wie es die anderen Religionen „versprechen“. Vielmehr ist es ein Nichts indem die Leiden nicht mehr anwesend sind. Es ist der reine unverfälschte Geist anwesend. dem nichts anhaftet. Jetzt hat die Lehre des Buddha nur ein Problem. In dem großen Buddhaversprechen kann jemand der die Buddhaeigenschaft erreicht hat nicht ins Nichts eintauchen. Vielmehr hat er versprochen nicht eher ins Nichts einzutauchen bis er allen Wesen geholfen hat diese Buddha-Eigenschaft erreicht zu haben. Dazu gehört sicherlich eine unendliche Liebe aber auch ein genau so großes mit  Leiden. Und hier haben wir die Analogie zur Oper Tristan und Isolde. Das Werden des einzelnen der dann eine Ebene erreicht der alles anhaftende (i.S. von Normen und Regeln) zerfließen und abfallen lässt. Dieses Eintauchen, dieses Stille halten, geschieht nur im Zustand der Meditation. (Im Zen nennt man das Zazen) Es ist ein Schwebezustand der einen in eine Zeit die nicht Tag und nicht Nacht ist, hinein versetzt. Form, Funktionen und Farben sind nicht wahrnehmbar. Vollkommener Geisteszustand ist vorhanden, die Dualität der Dinge gibt es nicht mehr. So singen denn auch beide im Duett: …gib Vergessen, dass ich lebe (!) …löse von der Welt mich los..Stille. Der zweite Akt von Tristan, reines Dämmerlicht, die Protagonisten sich zugewandt, sich wie Kinder alles erklärend. Alles fließt bei den Beiden, nichts bleibt stehen.

Es ist die Abwesenheit von Leben im herkömmlichen Sinne, welches keinen Bestand haben kann. Es ist das Leben auf einen winzigen Augenblick und Punkt reduziert – ein nicht wahrnehmbarer Moment der nun ewig dauert.

 

Weitere Vorstellungen : 9., 13., 17., 20. September 2011.

 

Ich möchte noch auf die „Macbeth“ Aufführung des Regisseur Luk Perceval in der Maschinenhalle Zweckel/Gladbeck hinweisen. Auch hier ein Thema welches die buddhistische Philosophie hervorragend reflektiert. Das Shakespeare Drama in der Maschinehalle zur Aufführung zu bringen hat sicherlich einen ungemeinen Reiz. Aus zeitlichen Gründen konnten wir einer der Vorstellungen nicht persönlich folgen.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Bochum

 

 

Umjubelte Silvesterpremiere

[jpg] Willy Decker der weltbekannte Opernregisseur und Intendant der Ruhrtriennale feierte bei der Silvesterpremiere der Oper Traviata an der Metropolitan Opera in New York einen umjubelten Erfolg.
Die New Yorker gaben minutenlangen stehenden Applaus.

  2005 war Willy Deckers Inszenierung von Giuseppe Verdis La Traviata bei den Salzburger Festspielen der Sensationserfolg: Anna Netrebko in der Rolle der Kurtisane Violetta und Rolando Villazón als ihr Geliebter Alfredo begeisterten durch ihre intensive Darstellung. Diese Inszenierung hat inzwischen Kultcharakter.

An diesen Erfolg kann Willy Decker mit dieser Produktion nun in New York voll und ganz anknüpfen: Am 31. Dezember 2010 feierte La Traviata an der Metropolitan Opera in New York ihre umjubelte Silvesterpremiere. In der von Wolfgang Gussmann ausgestatteten Produktion singen nun Marina Poplavskaya, Matthew Polenzani und Andrzej Dobber. Sowohl Publikum als auch amerikanische Presse zeigen sich einhellig begeistert:

Willy Decker Foto:© Kirsten Neumann    

Pressestimmen:

“Traviata triumphant!” – “Traviata triumphierend!”
Poplavskaya "is perhaps the finest Violetta of our time." – Poplavskaya “ist die vielleicht beste Violetta unserer Zeit.”
New York Post

Willy Decker’s new staging is “an involving and theatrically daring production that belongs at the Met”. – Willy Deckers neue Inszenierung ist “eine mitreißende und wagemutige Produktion, die an die Met gehört”.
New York Times

"Poplavskaya gave a dauntlessly athletic, expressive, magnetic performance." – “Poplavskaya lieferte eine unerschrocken kraftvolle, ausdrucksstarke, anziehende Performance.”
Financial Times

Willy Decker’s production "demands to be seen." – Willy Deckers Produktion „muss man gesehen haben.”
Los Angeles Times

Weiter Aufführungen am am 7., 12., 15, 19., 22., 26. sowie 29. Januar 2011.

 

Professor Paul Willy Decker wurde am 17. Oktober 2007  zum neuen Intendanten der Ruhrtriennale berufen, die er als Nachfolger von Jürgen Flimm von 2009 – 2011 leiten wird. Decker hat an vielen großen internationalen Häuser, wie der Wiener Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper, an der Semperoper in Dresden, beim Maggio Musicale Fiorentino, am Royal Operahouse Covent Garden in London, beim Drottningholm Festival in Stockholm, an der Lyric Opera in Chicago, an den Opernhäusern in Brüssel, Amsterdam, Genf und Madrid sowie am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, gearbeitet und ist ein international bekannter Opernregisseur. Für die Metropole Ruhr gibt er wichtige Impulse im Bereich der Oper und bedeutet ein Glücksfall für die Opernhäuser der Metropole Ruhr.

Die Ruhrtriennale wird durch die Kultur Ruhr GmbH betrieben, die evtl. die Nachfolge der Ruhr.2010 GmbH sein wird. Die Gespräche sind aber noch nicht abgeschlossen. (die Redaktion)

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal