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Die Vergangenheit war die Zukunft und ist die Gegenwart

Premiere "ALCESTE!"Ruhrtriennale 2016 Foto: (c) Linde Arndt

Premiere „ALCESTE“ Ruhrtriennale 2016 Foto: (c) Linde Arndt

Vorbemerkung

[jpg] Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – das sind die Rufe der Aufklärung die heute unseren Wertekanon ausmachen sollten. Die französische Revolution stellt hierbei in der europäischen Geschichte eine unumkehrbare Zäsur dar und war der Boden für unsere heutige Demokratie. Aber unsere Demokratie ist in die Jahre gekommen, wobei niemand bereit ist an dem immerwährenden Prozess einer Demokratie zu arbeiten. Die Demokratie war nie fertig und wird auch nie fertig werden; nur, wir müssen bereit sein an dieser Demokratie zu arbeiten, sie weiterzuentwickeln. Eine Zwischenstation auf dem Wege der Demokratie war das zu bauende Haus Europa.

 

Einleitende Informationen

Johan Simons inszenierte für die Eröffnung der Spielzeit 2016 am 12. Aug. 2016 die Oper Alceste von Christoph Willibald Gluck in der italienische Urfassung und dem Libretto von Ranieri de’ Calzabigi, der Dirigent René Jacobs und der Dramaturg Jan Vandenhouwe standen ihm hierbei zur Seite.

Nebenbei, es waren viele Prominente anwesend, die aber in diesem Zusammenhang unerwähnt bleiben sollten.

 

Hintergrund

Nun, Alceste geht auf  die Tragödie Alkestis zurück die Euripides im Jahre 438 vuZ auf einem großen Kunstwettbewerb (Großen Dionysien) aufführte, er machte mit diesem Stück den 2. Platz nach Sophokles. Aischylos, Sophokles sind die großen Dramatiker der damaligen Zeit, zu denen sich nunmehr Euripides als gleichwertig gesellte. Zeit seines Lebens war Euripides ein Einzelgänger, er mochte die Athener Gesellschaft nicht und nahm dann auch konsequenterweise die Einladung des makedonischen Königs Archelaos I an, um an dessen Hofe in Pella zu leben und letztendlich auch zu sterben.

Was Euripides in seinen Werken beschäftigt ist die Freiheit des Menschen in seiner Entscheidungen für Gut und Böse. Aus sich heraus findet er, der Mensch, die rechte Entscheidung. Diese rechte und freie Entscheidung führt den Menschen in den Zustand der Würde.

Die Alkestis des Euripides steigt denn auch zur Heldin auf als sie sich für ihren Gemahl König Admetos entscheidet, indem sie an dessen Stelle in den Tod geht. Euripides zeichnet aber in diesem Stück ein Frauenbild, welches auch und noch in unserer Zeit Geltung haben könnte. Dieses Frauenbild ist deshalb möglich, weil das analoge Männerbild gleichberechtigt neben dem Frauenbild existieren kann.

 

Dieses Thema nahm der Komponist Christoph Willibald Gluck 1767 mit dem Librettisten Ranieri de’ Calzabigi auf und wandelte es ab, so fehlen die Rollen des Herakles oder des Vaters von Atmetos, Pheres. Alkestis, die nunmehr Alceste heißt, hat eine viel zentralere Rolle als in der Fassung von Euripides, die die Sinnhaftigkeit des menschlichen Daseins aber auch in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang darstellt. Sie ist die Frau wie sie sich die antiken Griechen vorstellten. Homer zeichnete mit Odysseus und Penelope vierhundert Jahre vorher eine idealtypische Ehe der damaligen Zeit, dem sich Euripides mit seiner Alkestis anschloss.

Johan Simons erweitert nochmals den Kontext indem er symbolisch den europäischen Gedanken, aber auch den Zustand der europäischen Idee, mit einfließen lässt. Fast wäre man geneigt  die Inszenierung als überzogen symbolisch abzutun, zu viel Europa, zu viel Aufklärung und zu wenig griechische Tragödie. Es ist jedoch der Opfergedanke der einen in den Bann schlägt, nicht der banale Opfergedanke, nein, das Opfer für etwas Großes, welches den der das Opfer erbringt zum Helden aufsteigen lässt.

[Hier einige Szenen aus der Premiere „ALCESTE“ – alle Fotos: (c) Linde Arndt]

Birgitte Christensen (Sopran) als Alceste Foto: (c) Linde Arndt Birgitte Christensen (Sopran) als Alceste Foto: (c) Linde Arndt[/caption]

Langsam bricht es aus Alceste heraus, sie spürt einen Ruf nach ihr, ihr der Retterin. Sie zögert und ist voller Zweifel, kämpft mit sich und findet zu einer Entscheidung: so will sie den Tod anstelle ihres geliebten Gatten wählen. Er soll leben! Kein anderer soll für dieses Opfer einstehen, Alceste sieht die Verantwortung bei sich und bei keinem Anderen. Denn was ist ihre Liebe zu ihrem Mann wert, wenn jeder diesen Platz einnehmen könnte? Alceste ist sich ihrer herausragenden Stellung als Königin bewusst; sie ist sich aber auch ihrer Liebe zu Atmetos bewusst. Sie entscheidet sich ganz bewusst für den Mann Atmetos nicht für den König Atmetos. Und weil sie diese Entscheidung so trifft, steht sie gleichberechtigt und emanzipiert neben ihrem Mann.

Als die Götter sie holen wollen, erbittet sie einen Aufschub um sich von ihren Lieben zu verabschieden.

Atmeto ist gerettet, alle freuen sich, erfährt von dem Opfer eines anderen und will denjenigen kennenlernen um ihm seine Dankbarkeit zu zeigen. Als Alceste erscheint zeigt er Alceste seine Freude über seine spontane Genesung. Die Kraft weiter zu leben verdankt er ihrer Liebe. Da erfährt er von ihrem Opfer.

Atmeto ist nun in einem Bad von widersprüchlichen Gefühlen, Trauer, Depressionen und Wut reißen ihn hin und her, ohne Alceste will er nicht leben. Er will selber sterben und mit Alceste verbunden sein.

Die Götter warten nicht, sie holen Alceste und bringen sie in den Hades. Atmeto, seiner Liebe beraubt, findet sich alleine und zurück gelassen. Sein Schmerz dauert die Götter so sehr, dass sie ein Erbarmen mit den Liebenden haben. Apollon führt die Liebenden wieder zusammen.

 

Die Aufführung-Haus Europa

In soweit kann man Europa im momentanen Zustand analog erkennen. Führungs- und ideenlos ohne Mut sich den Aufgaben zu stellen. Wer tritt für Europa, den europäischen Gedanken ein? Die Fliehkräfte sind sehr groß, wie lange hält die Statik des Hauses Europa noch? In diesem Zustand wird ein Retter gesucht, der Verantwortung übernimmt. Die Liebe zu Europa ist einer Gleichgültigkeit gewichen. Ist das Urteil schon gefällt? Alceste steht für etwas ein was vielen nicht bewusst ist – die Liebe als abstrakter Wert. Als Alceste sich entscheidet, ziehen alle mit, sie opfert sich oder sie verzichtet um für alle  den europäischen Gedanken zu erhalten. Opfer heißt aber auch auf etwas zu verzichten, für den europäischen Gedanken und das Haus Europa, auf einen Grad der Eigenständigkeit der Nation.

Gluck hat bewusst Herakles und Pheres aus dem Spiel gelassen, denn beide sind nicht geeignet den Opfergedanken in die Zeit der Aufklärung zu transportieren und sind deshalb für den europäischen Gedanken ungeeignet.

Johan Simons, selber Europäer, lässt die Hoffnung nicht sterben und zeigt der Liebe zu Europa einen Weg – mutiger Einsatz um das Ganze zu erhalten. Denn der Verlust oder der Tod wäre vorprogrammiert wenn man sich in sein Schicksal ergibt.

 

Die Aufführung – Kritik

 Das Belgische Barockorchester B’Rock, Gent Foto: (c) Linde Arndt

Das Belgische Barockorchester B’Rock, Gent Foto: (c) Linde Arndt

Unter der Leitung von René Jacobs hörten wir das Belgische Barockorchester B’Rock, Gent als außerordentlich lebendiges Orchester das in der Jahrhunderthalle in Bochum, mit seinen noch vorhandenen Industrieaufbauten, ein wunderbares Klangerlebnis ertönen lies. Es war ein konzentriertes Zusammenspiel zwischen dem wunderbaren Chor MusicAeterna aus Perm und den herausragenden Solisten.

Birgitte Christensen (Sopran) spielte eine liebende Alceste die glaubhafter nicht sein konnte und machte aus dieser Alceste eine menschliche Heldin. Georg Nigl (Bariton) war ein leidenschaftlicher Gott Apollon aber auch ein erhabener Todesgott Thanatos , der mit aller Strenge das Recht einforderte. Thomas Walker (Tenor) interpretierte den Atmeto bravourös als tragische Gestalt mit all seiner Verlorenheit.

Kristina Hammarström (Mezzosopran) als Ismene war ein treusorgendes und rühriges Kindermädchen.

Die Kinder Aspasias (Alicia Amo) und Eumelo (Joshua Kranefeld) brillierten mit ihrer Unschuld und zeigten in der Schlussszene mit ihrem Tanz die Erfüllung einer Hoffnung die wahr wurde oder werden kann.

 

Die Aufführung – Technik

Es gehört schon viel Professionalität in einer „Kathedrale“ der Industrie zu spielen. Kirill Petrenko der designierter Chefdirigent der Berliner Philharmoniker hatte mit  Wagners „Tristan und Isolde“ und der Akustik seine liebe Not. Wobei er die Bühne nicht so weit auseinanderzog. Bei Alceste war die Bühne sehr weit und das ging nur auf Kosten der akustischen Qualität. Es ist sicherlich dem Budget geschuldet, wenn man dazu noch die Anordnung der Publikumsränge betrachtete.

Die Kostüme (Greta Goires) waren einesteils klassisch und andererseits modern, der griechischen Tragödie und der modernen heutigen Zeit verpflichtet – aber gelungen. Die griechischen Tragödien sind eben zeitlos, Alceste und Atmeto könnten auch heute in einem konservativen Umfeld ohne Probleme leben.

Dekoration und Bühne waren sehr abstrakt und „sparsam“ teilweise orientierte sich die Aufführung an den Aufbauten der ehemaligen Produktions- und Ausstellungshalle.

 

Trotz allem muss man allerdings sagen, es war eine wunderbare Aufführung die nachdenklich machte. Denn ein Opfer ist nicht unbedingt mit einem Menschenleben gleichzusetzen. Auch der Verzicht auf nationale Egoismen kann schon ein Opfer darstellen, tja, Liebe kann Häuser zum Einsturz bringen, aber sie kann auch Häuser erhalten.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik und european-mosaic aus Bochum


 

“Fidelio” ab 18. April am theaterhagen

[ Hans Leicher ,Hagen]  Die grandiose Musik dieses Meisterwerks der Opernliteratur wird in Hagen ergänzt durch einen neuen Text von Jenny Erpenbeck (deutsche Erstaufführung). Die vielfach ausgezeichnete Autorin schafft eine eigene Perspektive auf die Oper. Sie lässt eine gealterte Leonore (Schauspielerin) zurückblicken auf das Geschehen, das sie immer noch bewegt. In die Erinnerung an die damaligen Gefühle, an den Mut, den sie brauchte, und die Liebe, die sie antrieb, mischt sich jedoch auch Skepsis. Viel Zeit ist vergangen, im Rückblick wird spürbar: Die großen Hoffnungen von damals sind verklungen.

“Fidelio”: Premiere: Samstag, 18. April, 19.30 Uhr, Theater Hagen, Großes Haus
Weitere Aufführungstermine: Fr 24.4., Sa 2.5., Do 7.5., Fr 15.5., Mi 20.5.,
So 31.5. (15 Uhr), Sa 13.6., So 21.6. (18 Uhr), Mi 24.6.2015
– jeweils um 19.30 Uhr, wenn nicht anders angegeben

Bravo !!! – Bravo, Theater Hagen ! … oder wie man eine Oper einfach gut aufführt ..

Rechte liegen beim Theater Hagen. Fotograph der Aufnahme ist Klaus Lefebvre. Die Veröffentlichung erfolgt kostenfrei. Auf dem Bild zu sehen ist Veronika Haller (Marguerite) und der Opernchor des Theaters Hagen

Bildrechte: Theater Hagen. Fotograph Klaus Lefebvre.
Veronika Haller (Marguerite) und der Opernchor des Theaters Hagen

[mowei] Samstag, 17. Januar 2015: Auf dem Spielplan steht die Premiere zu Gounod’s „Faust“. In französischer Sprache mit Obertitel. Dazu noch eine fast dreieinhalb Stunden lange Aufführung. Ob diese Informationen doch zu viele Leute abgeschreckt hatten? – Leider blieben viele Plätze im Theater frei. Eine verpasste Chance, denn die Hagener Inszenierung, Sänger und Bühnenbilder dieser nicht ganz 150 Jahre alten Oper von Charles Gounod waren einfach grandios und erhielten zum Schluss einen verdientermaßen minutenlangen Applaus. „Standing Ovations“ von Jung und Alt.

Auf den Punkt gebracht: …“Der Faust war meine erste Oper, aber nun bin ich infiziert“, so ein jugendlicher Gast im Theater. „Ich hatte mit einer recht klassischen Aufführung gerechnet, nicht mit durchgängig so modernen Bühnenbildern, die schließlich mit einem roten Faden durch diesen Abend führten.“

Méphistophélès (Rainer Zaun) und der sterbende Faust (Klaus Klinkmann) Foto: Lefebvre Theater Hagen: Charles Gounods "Faust": Der Traum eines Sterbenden - Ruhr Nachrichten - Lesen Sie mehr auf: http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kultur-region/Theater-Hagen-Charles-Gounods-Faust-Der-Traum-eines-Sterbenden;art1541,2597975#plx978463300

Méphistophélès (Rainer Zaun) und der sterbende
Faust (Klaus Klinkmann) Foto: Lefebvre

Aber der Reihe nach: Der alte Faust liegt im Sterben, hat schon die letzte Ölung empfangen. Wie vermutlich jeder, der zu diesem Zeitpunkt einigermaßen denken kann, möchte der alte Mann noch eine Chance erhalten um wieder jung  zu sein – um zum Beispiel noch einmal die Liebe zu erfahren. In seiner Not ruft er – im Krankenbett liegend – den Teufel an, der in Gestalt von Méstiphophélès erscheint und ihm tatsächlich einen Pakt vorschlägt. Er will Faust verjüngen und ihm auf Erden dienen, während dieser ihm „drüben“ zur Hand gehen soll. Und schon beginnt eine Traumhandlung, die uns – die Zuschauer – mit einem jungen Faust in eine ‚mal düstere, ‚mal wirre Handlung entführt … – und uns allen zeigt, was alles passieren kann, wenn der Egoist in uns zuschlägt: die „Schändung“ des anständigen Mädchens Marguerite, Fluch, Mord und Totschlag, sogar an einem Neugeborenen, schließlich Irrsinn und Hinrichtung …

Die Geschichte des Doktor Faustus an sich hat schon genügend Potential für einen Krimi der Sonderklasse – doch wenn die außergewöhnliche Musik eines Charles Gounod und brillierende Hauptpersonen (mit einem beachtlichen Paul O’Neill als Faust, einem genial spielenden Rainer Zaun als Méphistophélès – in allen Facetten vollkommen – und die glockenrein singende Veronika Haller als Marguerite) die Zuschauer erst einmal in ihren Bann zieht, dann erlebt man schließlich die höllischen Qualen an eigenem Leibe mit. Dazu ein Chor, der unter der Leitung von Wolfgang Müller-Salow wieder einmal zur Höchstform aufläuft und ruhige wie auch dramatische Momente punktgenau zu präsentieren weiß. In den sogenannten Nebenrollen runden Kristine Larissa Funkhauser als „Siebel“, Marilyn Bennett als „Marthe“, Paul Jadach in der Figur des „Wagner“ sowie Kenneth Mattice als „Valentin“ das Drama in allen Varianten ab. Selten zuvor konnten Zuhörer besser miterleben, wie sich ein perfekt abgestimmtes Team von Sängern in allen Szenen unterstützen und ergänzen.
Exzellente, modern gestaltete Bühnenbilder (immer in Verbindung mit dem Krankenbett oder Rollstuhl eines alten Faust, der auf diese Weise das Treiben des „verjüngten“ Faustes beobachtet), zeigen im Zusammenspiel mit besonderen Videosequenzen sowie vielfach genial positionierten Lichtspielen eine durchgehende „roten Linie“, der man auf den verschiedenen Stationen problemlos, aber zunehmend bestürzt und betroffen folgt. Der Zuschauer erkennt, wohin es führt – eher als es Faust selber merkt – und kann trotzdem nur hilflos zuschauen. Egoismus, Ängste, Grausamkeiten, Voyeurismus … ?

Die Sucht nach der Jugend um jeden Preis – auch heute ist dies ein mehr als aktuelles Thema über alle Generationen hinweg. Unsterblichkeit, Schönheit, Liebe … – und immer alles so, wie man es selbst will – egal, was man anderen (und schließlich sich selbst) damit antut. Ist es nicht beeindruckend, dass gerade diese Oper so unsagbar zeitgemäße Dinge anspricht?
Noch weitere „Kleinigkeiten“ fallen dem sensibilisierten Zuschauer des Meisterwerks auf: Während sich gerade aktuell so viele Moslems über die Karikaturen ihrer Religionsfigur erzürnen, werden in dieser Oper immer wieder die teuflischen auf dem Kopf stehenden Christen-Kreuze gezeigt, wenn Dinge passieren, die nicht einem anständigen Menschen entsprechen … – wie auch immer wieder aus dem Priester der Satan wird und umgekehrt, je nachdem mit wem dieser gerade zu tun hat. Priester oder Satan, gut oder böse, Scheinheiligkeit oder Aufrichtigkeit ?? – Welcher Begriff gehört zu wem ?

Diese Oper „Faust“ von Charles Gounod vom Stadttheater Hagen ist eine der sehr seltenen Diamanten unserer heutigen Zeit. Man darf eigentlich keinen der Verantwortlichen übermäßig hervor heben, um dadurch andere als „weniger gut“ zu bezeichnen. Das Gesamte spricht für sich. Stellvertretend nenne ich daher das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Steffen Müller-Gabriel, die beeindruckende Inszenierung von Holger Potocki, Bühne und Kostüm von Lena Brexendorff … – und die vielen, vielen teilnehmenden Sänger und Sängerinnen, Statisten, Bühnenarbeiter und natürlich die Techniker. Ihnen ist ein Gesamtkunstwerk gelungen, das hoffentlich über noch viele weitere Vorstellungen in dieser Qualität konserviert werden kann.

Und ein ganz spezieller Dank geht an den Intendanten Norbert Hilchenbach, der am Abend der Premiere seinen Geburtstag feiern konnte – und dem „wir alle“, die noch an der Premierenfeier teilnahmen, in einem Kanon „Viel Glück und viel Segen“ wünschen durften. Weiter so, Stadttheater Hagen !!

Mona Weiss für EN-Mosaik aus Hagen


Faust

Oper von Charles Gounod

Oper in fünf Akten von Jules Barbier und Michel Carré

Musik von Charles Gounod
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: 3 Stunden, 20 Minuten
Eine Pause

Besetzung

  • Musikalische Leitung:Steffen Müller-Gabriel
  • Inszenierung:Holger Potocki
  • Ausstattung:Lena Brexendorff
  • Video:Volker Köster
  • Chor:Wolfgang Müller-Salow
  • Dramaturgie:Dorothee Hannappel
  • Regieassistenz / Abendspielleitung:Tobias Kramm
  • Regieassistenz:Rahel Schwarz
  • Inspizienz:Bettina Grüger
  • Faust:Paul O’Neill
  • Méphistophélès:Rainer Zaun
  • Rolf A. Scheider
  • Marguerite:Veronika Haller
  • Siebel:Kristine Larissa Funkhauser
  • Marthe:Marilyn Bennett
  • Wagner:Paul Jadach
  • Valentin:Kenneth Mattice


Termine/Vorstellungen – Großes Haus:

Fr 23.01.2015 / 19:30 Uhr   *  So 01.02.2015 / 15:00 Uhr  *  Kurz & Gut / Einführung     Fr 06.02.2015 / 19:00 Uhr   Theatercafé  *  Fr 06.02.2015 / 19:30 Uhr   * |Mi 18.02.2015 / 19:30 Uhr   *  Do 26.02.2015 / 19:30 Uhr * Sa 28.02.2015 / 19:30 Uhr   *     So 22.03.2015 / 18:00 Uhr   *    So 29.03.2015 / 18:00 Uhr   *   Do 02.04.2015 / 19:30 Uhr   *  Fr 10.04.2015 / 19:30 Uhr  *    Mi 29.04.2015 / 19:30 Uhr

400 junge Ehrengäste bei der Generalprobe vom „Lebkuchenmann“

[Hagen, 28. November 2014]

Besucher bei der Generalprobe "Der Lebkuichenmann"  Foto: theaterhagen

Besucher bei der Generalprobe „Der Lebkuichenmann“ Foto: theaterhagen

Das theaterhagen lud Heranwachsende aus etwa 20 Kinder- und Flüchtlingsheimen zu sich ein.

Spannung und Vorfreude zeichneten sich auf den Gesichtern der 400 jungen Ehrengäste ab, die das theaterhagen am Freitagnachmittag in die Generalprobe von „Der Lebkuchenmann“ eingeladen hat. Das liebevoll-fantastische Musical für Kinder hat am kommenden Sonntag, 30. November 2014, Premiere im Großen Haus.

Die Kinder und deren teils ehrenamtlich tätigen Begleiter aus den etwa 20 Kinder- und Flüchtlingsheimen aus der umliegenden Region durften exklusiv die Vorstellung vom frischgebackenen „Lebkuchenmann“ auf der Bühne erleben.

Der Intendant des theaterhagen Norbert Hilchenbach, der den „Lebkuchenmann“ als Märchen zur Weihnachtszeit inszeniert hat, und die Theaterpädagogin Miriam Walter sowie ihre fleißigen Helfer aus dem „Backstageclub“ freuten sich mit den Kindern zusammen über diese gelungene Weihnachtsaktion.

„Der Lebkuchenmann“ am Theater Hagen

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Foto: Klaus Lefebvre / Rechte: theaterhagen

[Hagen – 24.11.14] Premiere des liebevoll-fantastischen Musicals für Kinder von David Wood ist am 30. November 2014 im Großen Haus / Insgesamt 38 Vorstellungen in der Vorweihnachtszeit.
Der frischgebackene „Lebkuchenmann“ kommt am 30. November 2014, Punkt 17.00 Uhr, zur Premiere auf die Bühne des theaterhagen – und bleibt für insgesamt 38 Vorstellungen in der Vorweihnachtszeit. „Der Lebkuchenmann“ von David Wood ist ein liebevoll-fantastisches Musical, ein musikalisches Märchen über Einfallsreichtum, Mut und die Notwendigkeit, gute Freunde zu haben – und es ist eines der erfolgreichsten Musicals, das weltweit Kinder und Erwachsene gleichermaßen in seinen Bann zieht und begeistert. Regie führt der Intendant des theaterhagen, Norbert Hilchenbach, der Komponist Andres Reukauf hat die musikalischen Arrangements übernommen und die Zwischenmusiken bei dieser Produktion neu geschrieben. Die Premiere selbst ist allerdings bereits ausverkauft.

Möglich wurde die Hagener Inszenierung, die für Kinder ab vier Jahren geeignet ist, auch dank einer Spende der Märkischen Bank über 5.000 Euro. Seit vielen Jahren unterstützt das Institut das theaterhagen in der Weihnachtszeit. „Wir freuen uns, das Theater, das mit seinem abwechslungsreichen Programm so viele Menschen aus Hagen und Umgebung anzieht, erneut bei seiner Arbeit zu unterstützen“, sagte Hermann Backhaus, Vorstandsvorsitzender der Märkischen Bank, während einer Pressekonferenz zur Premiere des „Lebkuchenmanns“.

Zum Inhalt des Stücks: Um Mitternacht, wenn die großen Menschen schlafen, ereignen sich ungewöhnliche Dinge auf dem Küchenregal: es herrscht heftige Aufregung unter den Bewohnern. Die „Großen“ wollen Herrn von Kuckuck mit samt seiner Kuckucksuhr auf den Müll werfen, denn der Arme ist stockheiser und kann die Stunden nicht mehr ausrufen. Doch das können seine Freunde nicht zulassen. Das scharfe Fräulein Pfeffer, der zupackende Herr Salz und der frischgebackene Lebkuchenmann überlegen gemeinsam, was zu tun ist. Honig für die angeschlagene Stimme muss her. Unglücklicherweise steht dieser im obersten Regal, wo die einsame, grantige Frau Teebeutel in ihrer Kanne wohnt. Und dann taucht auch noch Flitsch Gamasche, die hungrige Mafia-Maus auf, die den schmackhaften Lebkuchenmann nur zu gerne vernaschen würde. Mit viel Witz, Mut und ebensoviel Musik nimmt das spannende Abenteuer seinen Lauf.

Musikalische Leitung: Andres Reukauf | Inszenierung: Norbert Hilchenbach | Bühnenbild & Kostüme: Jan Bammes | Choreografie: Ricardo Viviani | Dramaturgie: Miriam Michel

Mit: Annika Firley, Kristina Günther-Vieweg, Annette Potempa, Emanuele Pazienza, Robert Schartel, Tillmann Schnieders

Weitere Termine: Mo. 01.12. (09.00, 11.30, 15.00 Uhr), Di. 02.12. (09.00, 11.30, 15.00 Uhr), Mi. 03.12. (09.00, 11.30 Uhr), Do. 04.12. (10.00 Uhr), Fr. 05.12. (10.00 Uhr), Sa. 06.12. (11.00 Uhr), So. 07.12. (11.00, 14.00 Uhr), Mo. 08.12. (09.00, 11.30, 15.00 Uhr), Di. 09.12. (09.00, 11.30 Uhr), Mi. 10.12. (10.00 Uhr), Fr. 12.12. (10.00 Uhr), Sa. 13.12. (11.00 Uhr), So. 14.12. (11.00 Uhr), Mo. 15.12. (09.00, 11.30, 15.00 Uhr), Di. 16.12. (09.00, 11.30, 15:00 Uhr), Mi. 17.12. (09.00, 11.30 Uhr), Do. 18.12. (10.00 Uhr), Fr. 19.12. (10.00 Uhr), Sa. 20.12. (11.00 Uhr), So. 21.12. (11.00, 14.00, 17.00 Uhr), Mo. 22.12. (15.00 Uhr)

Karten im Freiverkauf unter 02331 207-3218 oder www.theaterhagen.de, an allen Hagener Bürgerämtern, Tel: 02331 207- 5777 sowie bei den EVENTIM-Vorverkaufsstellen.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik

 

Hanna Arendt ist nichts für biedere Menschen mit provinziellen Vorstellungen

Der Staat Israel heute zwischen Verweltlichung und Staatsreligion

[jpg] Der Film Hanna Arendt war schon lange (über) fällig. Er kommt sehr spät  – aber auch gerade richtig –  wie die Diskussion um die Rankingliste des Simon Wiesenthal Center (SWC), Los Angeles über die schlimmsten Antisemiten zeigt. Das amerikanische Simon-Wiesenthal-Center hat den deutschen Journalisten und Verleger Jakob Augstein auf  seiner Ranking Liste der schlimmsten Antisemiten auf den 9. Platz gesetzt. Angeführt wird diese Liste der schlimmsten Antisemiten zu Recht von der ägyptischen Muslimbruderschaft oder dem iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Augstein hatte in Artikeln Vergleiche zwischen palästinensischen Extremisten und ultraorthodoxen Juden in Israel vorgenommen. Rabbi Abraham Cooper, stellvertretender Direktor des SWC, der diese Liste herausgibt, verteidigte vehement diese Liste, indem er auch auf den Journalisten und Publizisten Henryk M. Broder, Deutschland verwies, der Augstein aus Deutschland als Antisemit bestätigte. Augstein als kritischen Journalisten zu sehen ist eine Normalität. Journalismus ist immer kritisch – sollte er zumindest sein. Und als Freund, Israel kritisch zu betrachten sollte in einer Zeit des angepassten Journalismus doch wohl begrüßt werden? Jakob Augstein ein kritischer Journalist gegenüber Israel, ja, aber als Antisemit, um Gottes Willen, nein.

Es ist nicht alles zum Besten in Israel, immer wieder rückt der Frieden für Israel und seine Nachbarn in weite Ferne. Jederzeit könnte ein Fass zum überlaufen kommen, welches die halbe Welt wegspülen könnte. Man sollte nun meinen, dass Israel Freunde von Feinden (von denen Israel genug hat) unterscheiden gelernt hat. Oder dass das SWC durch seine jahrelange Arbeit nicht leichtfertig Personen in einer Rankingliste anprangert. Nein, beide reagieren auf Kritik immer wieder genervt, vor allen Dingen wenn diese Kritik von einem Deutschen kommt. Liegt es vielleicht daran, dass  Israel als Staat sich von ultraorthodoxen Juden dominieren lässt? Immerhin sind das 10% der jüdischen Religionsanhänger, die fanatisiert den Staat Israel in Schwierigkeiten bringen. So kommt es immer wieder vor, dass ultraorthodoxe Juden Frauen verbieten in normaler europäischer Bekleidung in dem selben Bus wie sie selber zu fahren, ja, sie sogar auf das schlimmste  beleidigen oder auf die Straße setzen, worauf sich israelische Frauen genötigt sahen die Buslinie zu verklagen. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist dort ein Fremdwort. Und schon drängt sich einem der Vergleich zwischen den Religionsgemeinschaften Islam und dem Judentum in den Sinn, beide haben mit der Gleichberechtigung erhebliche Schwierigkeiten. Warum diese Sätze als Einleitung? Die Widersprüchlichkeiten, die ultraorthodoxe Religionen in einem modernen Staat hervor gerufen haben und immer noch hervor rufen, sollten zu einem allgemeinen Wissen gehören.


Adolf Eichmann  Foto: Israel
Government Press Office
   

Die Zeit in welcher der Film spielt – Aspekte

Nun zu dem Film „ Hanna Arendt – Ihr Denken veränderte die Welt“. Zeitlich beginnt die Handlung des Film 1960, mit der Entführung Adolf Eichmanns in Argentinien durch den Mossad.
Darauf folgte der Prozess vor einem Jerusalemer Bezirksgericht. Das Urteil: Tod durch den Strang. Hanna Arendt hatte eine Gastprofessur an der renommierten Princeton University, an der University of Chicago und an der Graduate Faculty der New School for Social Research in New York. Eine der ersten Frauen die selber lehrten, und das mit Erfolg. 

In der jungen Bundesrepublik von 1960 waren die Nürnberger Prozesse erst rund 11 Jahre vorher noch durch die Alliierten  beendet worden. Die letzten Urteile wurden abgemildert, man wollte ein Ende der Aufarbeitung. Der "kalte Krieg" hatte sich in Deutschland eingerichtet. Die Wiederbewaffnung Deutschlands war abgeschlossen. Adenauer hatte die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion zurück geholt. Und das sogenannte Wirtschaftswunder brachte traumhafte Umsätze für viel Unternehmen. Jedoch fanden viele Deutsche es unerträglich, dass die deutsche Justiz in der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit keinen Ehrgeiz entwickelte und die meisten Naziverbrecher unter uns lebten und es sich gut gehen ließen.

Der hessische Generalstaatsanwalt Bauer und Hermann Langbein mussten 1959 vor dem Bundesgerichtshof erst die Möglichkeit einer Zusammenführung von Einzelklagen in dem riesigen Auschwitzprozess erstreiten. Auf Basis von Einzelklagen hätte der Komplex der Auschwitzverbrechen Jahrzehnte gedauert. 1961 endete der Eichmann Prozess in Isarel und 1963 begann der erste Auschwitzprozess.
In dieser Zeit spielt der Film. Beide Seiten, Opfer als auch Täter hatten sich irgendwie in ihrer Rolle eingerichtet. Abgemacht waren die moralischen Attribute, die unverrückbar und nicht verhandelbar waren, quasi wie in Stein gemeißelt die auch  immer wieder holt wurden. Die Deutschen Nazis waren Dämonen die aus dem Nichts über die europäischen Juden hergefallen waren und letztendlich deren systematische Vernichtung betrieben hatten, so die Sprachregelung.

 
Darsteller und PolitikerInnen auf dem roten Teppich vor der Lichtburg Essen bei der Deutschlandpremiere des Films
"Hannah Arendt"   Foto: © Linde Arndt
 

Der Beginn, das Umfeld und der Weg der Hanna Arendt

Hanna Arendt sah es als eine besondere Herausforderung, an dem Eichmannprozess als Berichterstatterin teilzunehmen. Sie bewarb sich bei dem „The New Yorker“, einem Magazin welches für seine Kommentare, Kritiken, Essays und seinen klaren und unnachgiebigen Journalismus einen außergewöhnlichen Ruf erarbeitet hatte, um die Berichterstattung. Der damalige Chefredakteur  William Shawn sah Hanna Arendt als Berichterstatterin des "The New Yorker“ im Eichmann Prozess  als einen Glücksfall für sein Magazin an.
Hanna Arendt akkreditierte sich, fuhr nach Jerusalem und nahm an dem Prozess teil. Für die Presse war von Seiten der israelischen Justiz alles bestens organisiert. Die israelische Justiz wollte sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt  sehen, man würde keinen rechtsstaatlichen Prozess führen.


Hauptdarstellerin Barbara Sukow  Foto: © Linde Arndt
  Das die unrechtmäßige Entführung Eichmanns durch den Mossad (Auslandsgeheimdienst) grundsätzlich eine Unrechtmäßigkeit war, war in diesem Zusammenhang nicht von Relevanz. Nichts desto trotz wurde es aber diskutiert. Hanna Arendt beobachtete, fragte, las die Gerichtsprotokolle, sprach mit Kollegen, mit Verwandten, Freunden und Bekannten. Vor allem mit dem väterlichen Freund Kurt Blumenfeld, einem Zionisten, suchte und fand sie den geistigen Austausch. Da die israelische Justiz nichts falsch machen wollte, flossen  selbst die kleinsten Vorkommnisse und Indizien in den Prozess mit ein. Zu jedem vorgetragenen Detail wurde Eichmann befragt, der sich sehr oft auf den Befehlsnotstand zurück zog, wenn er zu einer Entscheidung befragt wurde.

Hanna Arendt beobachtete Gestik, Mimik, Wortwahl aber auch Tonfall, Inhalte nahm sie nebenbei wahr oder las sie später in den Protokollen.

 Mit Kisten voller Protokollblätter ausgestattet verabschiedete sie sich von ihren Freunden und Bekannten aus Jerusalem um in New York mit dem schreiben anzufangen.
Jetzt kam das was in der ganzen Welt für Aufregung sorgte, nämlich die Deutung des Tuns eines Adolf Eichmann. Durch die Aussage von Hanna Arendt: Die „Banalität des Bösen“ stellte sie Adolf Eichmann in einem Vakuum des menschlichen Daseins ab. Wie kann ein Mensch etwas Böses tun, wenn er nicht gut von böse unterscheiden kann. Wenn er mordet ohne noch nicht einmal im Ansatz zu wissen welchen Wert das Leben hat? Zu dem gleichen Schluß kam schon einmal ein britischer Journalist der den Auschwitz Lagerkommandanten Rudolf Höß befragte: Was haben sie sich bei der Vernichtung von den vielen tausend Menschen gedacht? Und Höß antwortete: Ich habe doch nur meine Produktionszahlen gegenüber dem Reichssicherheitshauptamt erfüllt.
Also das gleiche Phänomen beobachtet Hanna Arendt bei Adolf Eichmann, nur sie wusste nichts von den Vernehmungen  des Rudolf Höß. Wie sollte man jemand –  und darüber hinaus ein ganzes Volk –  für etwas dämonisieren, wenn die Unterscheidungsfähigkeit nicht mehr vorhanden war?
Wenn diese Leute aßen, aßen sie nur weil ihnen jemand gesagt hatte, sie sollen essen, sie heirateten oder liebten weil man ihnen sagte sie sollten heiraten oder lieben. Inhaltlich hatten sie ihr gesamtes Koordinatensystem verloren. Aber hatten sie jemals eines besessen? Das nächste was Hanna Arendt bemerkte war  – Eichmann war nicht mehr in der Lage zu denken. Denn er konnte ja nicht diesen Abgleich mit seinem Inneren und dem Äußeren herstellen um sodann eine Einordnung in Gut oder Böse, Schön oder Hässlich vorzunehmen. Er war letztendlich Nichts und banal. Was blieb ist das Böse der Tat gewesen.
Diese radikale Betrachtung von Hanna Arendt brachte sie mit ihrer damaligen sozialen Umwelt in erhebliche Schwierigkeiten, Freundschaften zerbrachen und Menschen zogen es vor nicht mehr mit ihr gesehen zu werden. Sie, die sehr großen Wert auf die Beziehung zu ihren Freunden und Bekannten legte, litt auch darunter. Das hinderte sie jedoch nicht ihre Betrachtungen und Aussagen weiter zu verfolgen. Sie rechtfertigte sich nur dort wo sie ein gewisses intelligentes Niveau erkannte. Ihr Lebenswerk ist ein geschlossenes Werk, welches keiner Zusammenfassung bedarf.

Zum Film selber

Margarethe von Trotta hat in ihrer eigenen sensiblen Art eine menschelnde Hanna Arendt gezeichnet die nur einmal vor ihrer Studentenschaft ihre Positionen erläuterte und damit ihren messerscharfen Verstand zeigen durfte. Auf der anderen Seite ließ sie der Schauspielerin Barbara Sukowa den Platz den sie brauchte um das menschliche der Hanna Arendt (Barbara Sukowa) zu zeigen.

Hanna Arendt wurde von ihrem Mann Heinrich Blücher (Axel Milberg) als Frau bestätigt, die eben nicht arrogant und ohne Gefühl war, indem sie Zärtlichkeiten austauschen durften. Kurt Blumenfeld (Michael Degen) war derjenige, der Hanna Arendt angeblich als väterlicher Freund verstand und letztendlich ihr nicht folgen wollte. Und da war noch ein Freund der verbittert Hanna Arendt die Treue brach, Hans Jonas (Ulrich Noethen) der Philosoph, der die Verantwortung zum Prinzip erhob.

 
v.l. Barbara Sukowa und Margarethe von Trotta 

. Ach ja, natürlich Freundin Mary McCarty (Janet McTeer) bei der Hanna Arendt ihren Ausgleich suchte und fand. Die schauspielerischen Leistungen  sind überzeugend, soweit sie den geschichtlichen Vorgaben folgten. Was etwas irritierte ist die Grenzgängerei zwischen Dokumentar- und Unterhaltungsfilm. Hanna Arendt war eine starke Frau, aber doch eben eine starke Frau, wie es eben auch starke Männer gibt. Und muss ich Weiblichkeit beweisen indem ich auf die emotionale Ebene gehe? Es ging und geht um eine herausragende Denkerin die ihresgleichen sucht und die von einem herausragenden Philosophen dem deutschen Carl Jaspers gebeten wurde eine Laudatio zu schreiben und vorzutragen. Ist das nichts?
Dann die Zeit in der der Film aufsetzt. Es war die Zeit der großen gesellschaftlichen Umwälzungen und zwar weltweit. In der New School for Social Research in New York City in der Hanna Arendt und Hans Jonas lehrten gab es nicht den Hort der Harmonie. Überall wurde um einen neuen Werte-Kanon gerungen.
Wenn man den Film als Unterhaltungsfilm mit dem Ansatz des Einstiegs in die Gedankenwelt einer Hanna Arendt nimmt, kann man ihn ohne Umschweife empfehlen. Überwiegend macht der Film neugierig, mehr von der Person Hanna Arendt und der damaligen Zeit erfahren zu wollen. Als Dokumentarfilm ist er allerdings nicht zu empfehlen, trotz der Einblendungen in den Eichmann Prozess. Sehenswert aber ist er allemal.

   
Das Filmteam nach der Premiere vor dem roten Vorhang in der Lichtburg                                                   Foto: ©  Linde Arndt                                                                                               
 

Epilog

Später sollte das Ehepaar Mitscherlich Hanna Arendt Recht geben, indem sie in dem modernen „Massenwahn” und die Übertragung des kollektiven Ich-Ideals an einen „Führer” in extremer Form im Nazireich realisiert sahen. Die Unfähigkeit zu trauern attestierten die Mitscherlichs den Deutschen indem sie (Die Deutschen) sich in die Realisierung ihres Wiederaufbaus warfen um die begangenen  Untaten zu verdrängen. Und eine Zeit weiter sollte es Horst Eberhardt Richter sein der der Verantwortung eine Möglichkeit von Anonymität zuschrieb. Wurde das Böse dadurch gerechtfertigt, also gab es keine Verantwortung? Nein, es gab die Verantwortung als Individuum soweit es nachweisbar war und ist. Was ist mit der Zukunft? Mitscherlich und andere schreiben, solange das Kritische  im Menschen eine gewisse Stärke vor weist, droht nicht die unsägliche Vermassung wie im Nazireich und damit die Anfälligkeit gegenüber Ideologien.
Hanna Arendt war in keinster Weise anfällig gegenüber Ideologien und diesem Massenwahn der auch wieder heute zu beobachten ist. Sie konnte etwas, was viele, auch heute wieder, verlernt haben: Denken. Und das ist es was uns eine Hanna Arendt vererbt hat: Denkt, denkt, denkt, sonst seid ihr eines Tages verloren.
Die Premiere im Essener Lichtburg wurde durch die NRW Ministerpräsidentin Hannelore Kraft  und ihrer Stellvertreterin Silvia Löhrmann, sowie der Ministerin für Medien Dr. Angelica Schwall-Düren „geadelt“

Der Film „ Hanna Arendt – Ihr Denken veränderte die Welt“ läuft inzwischen in den umliegenden Programmkinos von Wuppertal (Cinema) oder Bochum (Union Kino).

Nachfolgend der Trailer des Films.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen.

Die Fledermaus – Beginn der Jubiläumsspielzeit des theaterhagen

Die Fledermaus – Operette von Johann Strauß
Musik von Johann Strauß (Sohn)
Text von Carl Haffner und Richard Genée
nach der Komödie "Le Réveillon" von Henri Meilhac und Ludovic Halévy

Premiere am Samstag, 3. Septemer 2011 um 19:30 am theaterhagen
.

   
  Dominik Wortig (Gabriel von Eisenstein), Sarah Längle (Adele), Kristine Larissa Funkhauser (Prinz Orlofsky), Dirk Achille (Iwan), Opernchor, Extrachor                                                                                                              Foto: Stefan Kuehle  

Wenn am 3. 9.2011 die Jubiläumsspielzeit des theaterhagen beginnt, [Die Hagener Bühne wird im Oktober 100 Jahre alt] wird dem Publikum ein Stück präsentiert, wo wohl fast alle Melodien alt bekannte und vertraute Lieder sind, die  man mitsingen könnte oder wollte.
„Glücklich ist, wer vergisst“ –  „Trinke Liebchen, trinke schnell“ – „Spiel ich die Unschuld vom Lande“  -„Brüderlein und Schwesterlein“ – „Spiel ich die Unschuld vom Lande“ sind nur einige der altbekannten und  unvergesslichen Stücke..

Thilo Borowczak, Leitender Regisseur und zugleich Dramaturg am theaterhagen  beschreibt es so: „Jedes Stück in der Fledermaus ist einfach ein großer Wurf“ und er trägt es mit solch einer überzeugenden Begeisterung vor, dass man gespannt sein darf, was einen erwartet.

Das gerade dieses Stück den Auftakt zur neuen Saison macht, ist einem Großteil des Publikums zu verdanken, welches in der jährlichen Umfrage, die immer mit einem Gewinnspiel verbunden ist,  seine Wahl hierfür getroffen hat.

Der große Johann Strauß hat mit diesem erfolgreichen Stück, das gekonnt ironisch durch die Gesellschaft führt und in welchem die sonst übliche Liebesgeschichte fehlt, nochmals einen Höhepunkt geschaffen und obgleich die Fledermaus am theaterhagen bereits 12 mal gespielt wurde, wird sich die jetzige Inszenierung durch einige besondere Details von den bisherigen Darbietungen abheben und läßt den Besucher überraschende Momente erwarten.

Es ist bestimmt nicht ungewöhnlich, dass der am theaterhagen gern gesehene Regisseur Thomas Weber-Schallauer wieder einmal seine persönlichen Ideen und seine außergewöhnliche Handschrift in dieses Werk eingebracht hat und den eigentlich um 1870 spielenden Zeitrahmen in die Jahre 1949/1950 verschoben hat.

Die  Inszenierung berührt also die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

 

Die Ausstattung, wieder einmal unter der Leitung von Sandra Linde, orientiert sich ebenfalls an den Kostümen der 50er Jahre und dem damaligen Interieur.

Das Stück spielt hier  im Wien der 50er Jahre.

 

 

Für Bernhard Steiner, der Musikalische Leiter, der selbst Wiener ist, bedeutet diese Inszenierung eine musikalische Herausforderung und man darf schon jetzt gespannt sein.

 

 


Der Brasilianer Andre Baeta wird mit einer für die Operette Fledermaus ungewöhnlichen  Choreografie seines Balletts für spannende Momente sorgen.

Dieser Abend verspricht für viele "Fledermaus" Kenner ein besonderes Highlight zu werden.

 

 

[Fotos: © Linde Arndt]


Allein die Besetzung garantiert den Besuchern des theaterhagen  einen wahren Leckerbissen.

Gabriel v. Eisenstein:
Dominik Wortig
Rosalinde:
Stefanie Smits Frank,
Gefängnisdirektor:
Aldo Tiziani / Rainer Zaun
Prinz Orlofsky: Kristine Larissa Funkhauser Alfred,
Gesangslehrer: Jeffery Krueger
Dr. Falke, Notar: Raymond Ayers / Frank Dolphin Wong
Dr. Blind, Advokat: Richard van Gemert Adele,
Kammermädchen: Maria Klier / Sarah Längle
Ida: Anja Frank-Engelhaupt / Nicole Nothbaar
Frosch, Gerichtsdiener: Werner Hahn
Iwan: Dirk Achille
Musikalische Leitung: Bernhard Steiner
Inszenierung: Thomas Weber-Schallauer
Choreographie: Andre Baeta
Ausstattung: Sandra Linde
Dramaturgie: Thilo Borowczak
Chor: Wolfgang Müller-Salow
Regieassistenz: Guta Rau
Inspizienz: Svenja Wessing / Bettina Grüger

Weitere Vorstellungen am So., 11.9. (15.00 Uhr); Fr., 16.9.; Di., 27.9.; Fr., 30.9.; Mi., 12.10.; So., 23.10. (18.00 Uhr); Do., 27.10.; Sa., 12.11.; Mi., 14.12.; Sa., 31.12. (15.00 und 19.30 Uhr); Fr., 6.1.2012; Sa., 21.1.; So., 29.1. (15.00 Uhr); So., 5.2. (18.00 Uhr); Do., 8.3. jeweils 19.30 Uhr, wenn nicht anders angegeben. Karten unter www.theater.hagen.de

 

Uraufführung von „Schneewittchen und die 7 Zwerge“, theaterhagen

Uraufführung / Premiere von "Schneewittchen und die 7 Zwerge",
Märchen zur Weihnachtszeit nach den Brüdern Grimm,
am 28. November 2010 um 17 Uhr im Großen Haus

 
Schneewittchen wird von ihrer Stiefmutter erzogen und muss alles tun, was die Stiefmutter verlangt. Doch dann wächst sie zu einem schönen jungen Mädchen heran. Der Zauberspiegel sagt, sie wäre sogar schöner als ihre Stiefmutter. Schneewittchen legt keinen Wert auf das Schönsein, doch die Alte tobt vor Eifersucht. Sie beauftragt Jonathan Schneewittchen zu töten – der bringt das jedoch nicht übers Herz und lässt sie laufen. Im Wald trifft sie auf sieben merkwürdige Gesellen – Zwerge. Die freuen sich über die nette Gesellschaft und nehmen sie in ihre Gemeinschaft auf. Schneewittchen dagegen ist froh, dass sie endlich in Ruhe gelassen wird.

                        
  Fotos: © Stefan Kühle    

Doch der Schein trügt, denn auch hier ist sie nicht sicher, weil der Zauberspiegel alles weiß und verrät. So kommt die Stiefmutter in den Wald und versucht, ihre vermeintliche Konkurrentin selbst aus dem Weg zu räumen. Zweimal können die Zwerge Schneewittchen retten, aber dann wäre es fast um sie geschehen, wenn da nicht…. Eine mitreißende Geschichte mit viel Musik, Spiel, Tanz und Gesang.

Text: Werner Hahn; Musik: Andres Reukauf
Musikalische Leitung: Andres Reukauf; Inszenierung: Norbert Hilchenbach; Bühne: Jan Bammes; Kostüme: Kristina Carstens; Choreographie: Ricardo Viviani
Mit: Annika Firley, Constanze Fischbach, Tillmann Schnieders u.a.

Nächste Vorstellungen am 29.11. (09 Uhr), 30.11. (09/Restkarten + 11.30 Uhr), 01.12. (10 Uhr/ Restkarten), 02.12. (10 Uhr/Restkarten), 03.12. (10 Uhr), 04.12. (11 Uhr), 06.12. (09 +15 Uhr), 07.12. (09 + 11.30 Uhr), 08.12. (09/Restkarten + 11.30 Uhr/Restkarten), 09.12. (10 Uhr/Restkarten), 10.12. (10 Uhr/Restkarten), 11.12. (11 Uhr/Restkarten), 12.12. (11 + 14/Restkarten + 17 Uhr/Restkarten), 13.12. (09 + 11.30/Restkarten + 15 Uhr/Restkarten), 14.12. (09 + 11.30 Uhr), 15.12. (10 Uhr), 16.12. (10 Uhr/Restkarten), 17.12. (10 Uhr/Restkarten), 19.12. (11 Uhr/Restkarten), 20.12. (09 + 11.30 + 15 Uhr), 21.12. (10 Uhr/Restkarten), 22.12. (10 Uhr/Restkarten), 23.12. (15 Uhr).
(Die durchgestrichenen Vorstellungen sind ausverkauft)

Bitte reservieren Sie Ihre Karten per e-mail an monika.martincevic@stadt-hagen.de oder telefonisch unter 02331-207-3207 bzw. 0177/4806411.


 

 

theaterhagen – Spielzeit 2010/2011

 

                                                    Besetzung

        Schneewittchen und die 7 Zwerge

                                                 Märchen mit Musik
                                            nach den Brüdern Grimm

                               von Andres Reukauf und Werner Hahn

  

Schneewittchen (Prinzessin)

Annika Firley

Königin Richilde (Stiefmutter)

Constanze Fischbach

Jonathan (Diener), Gottfried (Prinz)

Tillmann Schnieders

Althjof (1. Zwerg)

Robert Schartel

Bifur (2. Zwerg)

Emanuele Pazienza

Viggi (7. und kleinster Zwerg)

Bettina Kenney

Bofur, Bombur, Gandalf, Vindalf (Zwerge)

Statisterie

Saxophon

Stefan Olfers

Schlagzeug

Marco Schmitz

Bass

Andreas Müller

 

Musikalische Leitung

Andres Reukauf

Inszenierung

Norbert Hilchenbach

Bühne

Jan Bammes

Kostüme

Kristina Carstens

Choreographie

Ricardo Viviani

Dramaturgie

Lisa Könnecke

Regieassistenz         

Caroline Nöding/ Pawel Strotschilin

Inspizienz

Bettina Grüger/Svenja Wessing

 

 

 
     

 

Premiere „Im weißen Rössl“ im theaterhagen

 
Premiere "Im weißen Rössl"
Singspiel von Hans Müller und Erik Charell
Frei nach dem Lustspiel von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg
Musik von Ralph Benatzky
Gesangstexte von Robert Gilbert
Musikalische Einlagen von Bruno Granichstaedten, Robert Gilbert und Robert Stolz
am 27. November 2010 um 19.30 Uhr im Großen Haus

Im "Weißen Rössl" ist es fast wie im richtigen Leben. Genau das macht den Reiz der bis heute erfolgreichen Operettenrevue aus. Hier lacht ein jeder auch über sich selbst. Das "Weiße Rössl" entführt aus dem Alltag in die Illusion, die am besten funktioniert, wenn man sich darin zumindest in Ansätzen wiedererkennt.
Im Uraufführungsjahr 1930, auf dem Höhepunkt der ersten so genannten Weltwirtschaftskrise, muss der Traum von Idylle und Unbeschwertheit schier magische Anziehung ausgeübt haben. Natürlich hatte der Broadway-erfahrene Produzent und Regisseur Erik Charell dabei gekonnt nachgeholfen. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut: Innen wie außen ließ er das Große Schauspielhaus Berlin in einen österreichischen Gasthof umgestalten, importierte originale Tiroler Watschentänzer und Schuhplattler, die für entsprechende Folklore sorgten. Dazu Anklänge an neue Tanzrhythmen, schlagfertige Wortwechsel mit Esprit und Witz, einige parodistische Einlagen und natürlich begnadete Darsteller in allen Rollen – fertig.
Das "Weiße Rössl" wurde zum Kassenschlager, zog über London, Paris und New York um die ganze Welt. Ein Geheimnis seines Erfolgs: Es passte sich über mehrere Jahre den Umständen der aktuellen Aufführungsorte immer ein wenig an. Musikalische Nummern von gestern wurden gegen modernere Hits getauscht, bis das Optimum gefunden schien. Und so erklingen bis heute unsere Lieblingsme-lodien wie "Es muss was wunderbares sein", "Die ganze Welt ist himmelblau" oder "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist". Auch in Hagen bleiben wir Charells einstigem Revue-Prinzip treu.

               
  Fotos: ©  Stefan Kühle  

Das theaterhagen zeigt eine revidierte Fassung der Uraufführung von 1930, die auf dem vor einigen Jahren in Zagreb gefundenen ursprünglichen Orchestermaterial beruht. Diese "neue" musikalische Fassung wurde 2009 erstmalig an der Dresdner Staatsoperette aufgeführt. Hagen ist die zweite Bühne, die sich mit dieser rekonstruierten Fassung auseinandersetzt.

Seit einigen Jahren hat das Kultstück gerade das Interesse junger Besucher am oft schon totgesagten Genre Operette neu entfacht. Plötzlich ist klar geworden, dass Benatzkys Meisterwerk beileibe kein musikalischer Heimatfilm mit muhenden Kühen und schneebedeckten Alpengipfeln ist, wie es uns biedere Verfilmungen der 50er und 60er Jahre weismachen wollten.

Musikalische Leitung: Bernhard Steiner; Regie: Thilo Borowczak; Bühnenbild: Thorsten Macht; Kostüme: Martina Feldmann; Choreographie: Ricardo Viviani.
Mit: Stefanie Smits, Werner Hahn, Rainer Zaun, Tanja Schun, Jeffery Krueger u.a.

                       

Weitere Vorstellungen am 30.11., 4.12., 9.12., 17.12., 22.12., 31.12.(15/ 19.30 Uhr), 8.1., 19.1., 10.2., 20.2. (15 Uhr), 13.3. (18 Uhr), 18.3. (20 Uhr, Gastspiel in Gummersbach), 24.3., 24.4. (15 Uhr), 29.4., 27.5.,
jeweils um 19.30 Uhr, wenn nicht anders angegeben.

Bitte reservieren Sie Ihre Karten per e-mail an monika.martincevic@stadt-hagen.de oder telefonisch unter 02331-207-3207 bzw. 0177/4806411.

So machen es alle [eine Premiere in Hagen]

[jpg] So machen es alle, heißt auf Italienisch Cosi van tutte. Es ist eine Opera buffa, das heißt, es ist eine Oper bei der man nicht alles so ernst nehmen sollte. Es ist eine Gedankenspielerei die einen ernsten Hintergrund hat, der sich aber vordergründig nicht erschließt, weil komödiantisch aufgeführt.

Die Oper hat zwei Akte. Sie  ist von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 588), den Text (Libretto) hat Lorenzo da Ponte geschrieben. Es war die dritte Arbeit welche  die beiden vorlegten und es war eine Auftragsarbeit von Kaiser Franz Josef II und wurde 1790 uraufgeführt.
Die Geschichte ist eine uralte Geschichte die immer wieder aufgenommen wurde und wird, variiert, interpretiert und  die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt. Es geht um Liebe und Treue. Ein zeitloses Thema. Die Griechen der Antike  haben sich die Köpfe zerbrochen und haben das Thema mehr idealisiert als unserer Kultur gut tat. Auch heute, in unserer ach so aufgeklärten Zeit, können wir dieses Thema nicht einfach beiseite schieben. Liebt er/sie mich? Wird er/sie mir treu sein? Es kommt auf uns an, was und wie wir dieses Thema angehen. Kommt es wirklich nur auf uns an?

                         
     

Die Handlung:

Ferrando (Jeffery Krueger) und Guglielmo (Raymond Ayers), liebestrunken von ihren beiden Partnerinnen  den beiden  Schwestern Dorabella (Kristine Larissa Funkhauser) und Fiordiligi (Stefania Dovhan), haben sich die Treue geschworen. Die beiden Männer singen ein Loblied auf die Treue der beiden sie liebenden Frauen. Die Heirat ist schon beschlossene Sache. Als Don Alfonso (Orlando Mason), ein Zyniker, dies hört, bietet er den beiden eine Wette an. Er bezweifelt die Liebe der Frauen und wettet wenn die Männer eine zeitlang aus der Gegend wären, würden die Frauen dem Werben andere Männer erliegen. Denn Treue und Liebe ist für Don Alfonso (Orlando Mason) ein idealisierter Wert. Ferrando (Jeffery Krueger) und Guglielmo (Raymond Ayers) schlagen sofort in die Wette ein. Die beiden schützen nun vor in den Krieg ziehen zu müssen und machen sich auch sodann auf den Weg. Sie kommen aber verkleidet zurück, wobei sie nunmehr die Frauen tauschen um keinen Verdacht zu erwecken. In ihrer Verkleidung  werben sie um die beiden Frauen, jeweils um die Frau des Anderen. Sie werden jedoch zurück gewiesen. Despina (Marilyn Bennett), die Dienerin von Don Alfonso (Orlando Mason) hilft bei diesem Spiel, indem sie die Strategie der beiden Männer unterstützt und auf der anderen Seite den beiden Frauen suggeriert, es wäre doch nichts dabei wenn man ein bisschen untreu wäre. Letztendlich werden die beiden Frauen schwach und erliegen den beiden Männern. Es ist passiert. Die beiden Männer nehmen nun ihre ursprünglich Rolle ein, stellen ihre Frauen zur Rede und es kommt zu einer Eifersuchtsszene. Die Frauen gestehen kleinlaut ihre Untreue. Die beiden Männer gestehen nunmehr ihrerseits sodann den ganzen Schwindel und sehen die unfaire Handlung ein. Es kommt  – Dank der Vermittlung von Don Alfonso (Orlando Mason) – zu einem glücklichen Ende und die Paare schließen sich wieder in die Arme. Vergeben und Vergessen.

In der damaligen Zeit, es war der Vorabend der französischen Revolution aber auch die Zeit der Aufklärung, wäre das Stück in Frankreich wohl durchgegangen, nicht so im damaligen Wien. Die Aufklärung war noch nicht im deutschsprachigen Raum angekommen, man hörte nur etwas davon. Und zwar hinter vorgehaltener Hand. Das Stück wurde nur mäßig angenommen. Zu unrecht, wie wir heute wissen. Es liegt an der Inszenierung selber wie es rüber kommt. Denn es sind die vielen Fragen die von dem Stück gestellt werden, zwar komödiantisch verpackt aber doch offensichtlich.

Nun hat sich das Theater Hagen aufgemacht dieses Stück zur Aufführung zu bringen –  am 16.Oktober findet die Premiere statt.

  Unter der Inszenierung von Thomas Weber-Schallauer und der Dramaturgie von Anja Oeck wird es in die Jetztzeit befördert.

Die Paare könnten  einer Anwaltskanzlei oder einem Tennisclub entstammen, und auch in der heutigen Zeit gibt es Zyniker wie Don Alfonso genauso wie damals.

 
Thomas Weber-Schallauer       Anja Oeck
  Die Kostüme und das Bühnenbild von Sandra Linde zeigen moderne Menschen die abgeschirmt die Handlung spielen. 

Die in der Urfassung reichlich vorhandenen Rezitative, also gesprochenen Passagen, wurden stark gekürzt um die Spannung zu erhöhen aber auch den Sinn für die heutige Zeit zu verdeutlichen.  Was jedoch bleibt sind inhaltlich die Fragen die an den Sinn von Liebe, Treue oder Untreue gestellt werden.
Diese Fragen sind es, die nicht unbedingt mit dem erhobenen Zeigefinger gestellt werden, die  einer gewissen Situationskomik unseres menschlichen Daseins nicht entbehren. Wir fragen heute, was ist unser Versprechen gegenüber dem Anderen wert, wenn der Andere nicht bei uns ist? Oder wenn uns etwas Besseres über den Weg läuft?

 Sandra Linde    
Unter der musikalischen Leitung von Bernhard Steiner wurde die Musik Mozarts dem heutigen Verständnis angepasst. Die Musik umschmeichelt die Liebenden, bringt eine gewisse Unsicherheit in den Szenen zum Ausdruck als die Liebenden ihrer Liebe nicht mehr sicher sind. Auch Don Alfonso wird musikalisch nicht als der Böse schlechthin gezeichnet, sondern es gibt bei Mozarts Musik kein grundsätzlich Böses. Die Handlung bestimmt die Musik und die Akteure, jedoch nie so, dass es zu einer Verurteilung der einzelnen Akteure kommt. Der Komponist hatte augenscheinlich ein gewisses Verständnis für die vorhandenen Konflikte. Man könnte sagen, Mozart passt in unsere Zeit.  
     Bernhard Steiner

So darf man gespannt auf die Premiere sein, die sicherlich auch für heutige Zeiten ein wunderbares Stück erbringen wird. Denn bei dem Pressegespräch merkte man schon den Spielwitz der Anwesenden.

Setzen sie sich auch diesen Fragen des Stückes aus und antworten sie für sich selber, wenn es heißt: Cosi van tutte: Würden sie es auch so machen?

Machen sie es wie Don Alfonso, seien sie weise und schweigen sie.

Weitere Vorstellungen sind 2010 am:

22.10.2010 Fr –  19:30
31.10.2010 So – 18:00
02.11.2010 Di –  19:30
17.11.2010 Mi –  19:30
01.12.2010 Mi –  19:30
15.12.2010 Mi –  19:30

   

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Hagen