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Wie stellt sich die Nach-Kulturzeit in Ennepetal dar

Kulturausschuss-Sitzung Foto:(c) Linde Arndt

Kulturausschuss-Sitzung Foto:(c) Linde Arndt

 

[jpg] Die Stadt Ennepetal hat die Kultur „outgesourced“ (EN-Mosaik schrieb darüber). Konsequenterweise müsste der Kulturausschuss sich selber den Hut geben.

Unsere Redaktion machte sich auf den Weg um den Kulturausschuss zu besuchen um zu sehen, womit sich die Mitglieder des Ennepetaler Kulturausschusses jetzt beschäftigen würden. Wenn man schon mal ein Mitglied eines Ausschusses ist, ist man in Ennepetal schon wer. Es geht da weniger um die Sitzungsgelder, mehr um den Selbstwert des Einzelnen. Einige Mitglieder haben aber auch ein Interesse in diesem Ausschuss zu sitzen, werden doch hier die Zuschüsse an die Kulturschaffenden Vereine vergeben. Da macht es schon Sinn sich in Erinnerung zu bringen.

Um es vorweg zu nehmen, es war ein gruseliger Ausschuss, den Anwesenden war der Kulturbegriff wohl abhanden gekommen.

Als erstes befasste man sich mit Straßenschildern, die einen Zusatz bekommen sollten, wie Karlstraße, sollte demnach den Zusatz Carl Gutjahr…. bekommen und die Wilhelmstraße sollte den Zusatz Wilhelm I seit 1871 Deutscher Kaiser. Das Karl und Carl andere Schreibweisen haben und Wilhelm I nicht mehr in die heutige Zeit passt, konnte niemand anmerken. Übrigens, jede Stadt hat eine Ecke wo man Straßen mit deutschen Vornamen findet. Bei der Friedrichstraße wählte man den Zusatz, Friedrich I., genannt Barbarossa, deutscher Kaiser….passt doch.

Dr. Ohlemüller Foto: (c) Linde Arndt

Dr. Ohlemüller Foto: (c) Linde Arndt

An der Diskussion beteiligte sich nur Dr. Johannes Ohlemüller (SPD) der dann in einen kritischen Dialog mit dem Leiter des Fachbereich 4 Cosimo Palomba trat. Gottseidank entschied man sich nur für 4 Straßenschilder die einen Namenszusatz bekommen sollten. Es waren schon einige Straßenzusätze die dort von der Stadtverwaltung angeboten wurden grenzwertig.

Dann ging es um die Zuschüsse (Förderung) von musiktreibenden Vereinen. Nach Vorschlag der Stadtverwaltung soll es zukünftig ein Zuschuss nach „aktiven Mitgliedern“ geben. Auf die Einlassungen von Stefan Mayer-Stoye (Bündnis90/Die Grünen) ob man nicht den Nachwuchs fördern könne, indem man den Vereinen mit Nachwuchsarbeit einen Bonus zuweisen sollte, wehrte Thomas Braun (FDP) dies ab, indem er die Vereine in die Verantwortung nahm. Bei einigen Vereinen sieht man schon das biologische Ende nahen. Passt doch zu Ennepetal. Warum also Nachwuchsarbeit? Stefan Mayer-Stoye (Bündnis90/Die Grünen) hatte dann nicht das Rückgrat sich durchzusetzen.

Alles in allem, wurde jedoch nicht grundsätzlich über den Nutzen der musiktreibenden Vereine gesprochen. Dabei sollte schon die Frage erlaubt sein, nutzt es dem Image der Stadt Ennepetal oder ist das irgendwo ein Eigenverein der der Persönlichkeitsbildung der einzelnen Mitglieder dient.

 

Danach gab die Stadtbücherei Rechenschaft über das Jahr 2015 ab. Die Leiterin der Stadtbücherei Ennepetal, Verena Lückel legte Statistiken vor, die doch nachdenklich machten.

Wie kommt es, dass nur rund 1% der Leserschaft aus Voerde stammt? Dann, wie kommt es, dass in den Monaten September bis Februar eines Jahres weniger Leser nach Büchern fragen als im Rest des Jahres. September bis Februar sind in der Regel die Monate, die witterungsbedingt die Leserzahlen in die Höhe treiben.

Dann gab es noch eine Umfrage, repräsentativ (?) oder tendenziell, in der man von den Ennepetaler Theaterkunden die Zufriedenheit messen wollte. Wohlgemerkt, nicht bei allen Ennepetaler Bürgern, für die interessierte man sich nicht. Rund 40%, absolut waren das 60 Fragebögen von 146 + einer unbekannte Anzahl von Fragebögen, der Fragebögen wurden zurück gegeben. Toll. Diese Umfrage ist für die „Tonne“ und kann als unseriös abgetan werden. Auf die Frage, worüber informieren sie sich über die kulturellen Veranstaltungen, wurde als Antwort die Presse vorgegeben, dass Internet kam dabei nicht vor. Dabei ist es doch allgemein bekannt, dass das Internet zu fast 70% als erste Informationsquelle genannt wird, je nach Veranstaltung. Bei der Frage des Alters der Besucher offenbart sich das ganze Dilemma der Stadt, denn es waren überwiegend die über 55 jährigen (50 Personen von 60) die befragt wurden. Alles in Allem ist dies eine geschönte Umfrage – unseriös.

 

Zwischendurch wurde die Presse hinaus komplimentiert weil eine Münchner Firma, sie stellte sich als Dr. Martina Taubenberger vor,den Auftrag für ein Kulturkonzept bekommen sollte. Weil diese Vergabe im nichtöffentlichem Bereich stattfinden sollte, die Mitarbeiter*In der Firma um 18:48 h ihren Zug noch bekommen wollten, musste die Presse raus. Für Übernachtungsspesen reicht es wohl nicht.

Danach ging es weiter, der Kollege von den Funke Printmedien wartete geduldig auf dem Flur. Na ja, der ist ja auch fest angestellt.

Unsere Redaktion fragte sich aber schon, was das alles mit Kultur zu tun hat, zumal die Informationen recht dürftig oder sogar unseriös waren. Wie bereits gesagt, kann man die Aufgaben dieses Ausschusses auf die anderen Ausschüsse verteilen. Straßenschilder in den Betriebsausschuss, die Bücherei in den Wirtschaftsausschuss. Unsere Redaktion kennt mehrere Städte, wo der Kulturbereich sogar an den Sportauschuss angegliedert wurde.
Die SPD geführte NRW Landesregierung hat die Kultur im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen eingegliedert, Amtsinhaberin: Christina Kampmann (SPD) und die vorherige CDU Landesregierung unter Jürgen Rüttgers (CDU) hatte mit Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) (ein renommierter Kulturpolitiker) den Kulturbereich in der Staatskanzlei angesiedelt.

Warum die Stadt Ennepetal hier nicht konsequenter vorgeht kann man nicht nachvollziehen. Es sei denn die anwesenden Politiker verdienen ein Gnadenbrot.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

Ennepetaler und die Kultur

Ennepetaler Kulturausschuss Foto: (c) Linde Arndt

Ennepetaler Kulturausschuss Foto: (c) Linde Arndt

 

[jpg] Der Ennepetaler Kulturausschuss tagte im Rathaus. Kultur ist in Ennepetal halt ein Stiefkind, eine freiwillige Leistung und man merkt es an der Politik – Kultur muss nicht sein. Und wenn, so auf ganz niedrigem Niveau. So wurde das Theaterabo, welches von einer Agentur betrieben wird, durch die Agentur aufgestellt.

Die Zuschauerzahlen sind rückläufig. Immer weniger Ennepetaler wollen die angebotenen Events sehen. Dadurch kommt das Theaterabo durch die geringen Kartenverkäufe und die Abonnements in einen erhöhten Zuschussbereich. Die Stadtverwaltung muss der Agentur deshalb einen Ausgleich in Höhe von 10.225.– Euro zahlen. Es läuft nicht gut.

Sei es das Angebot der Agentur, sei es die falsche Zielgruppe oder auch ein mangelhaftes Marketing. Es wird in Ennepetal von allem etwas sein, denn wenn Ennepetal was falsch macht, macht es das auch richtig falsch. Die Auslastung der Aula im Gymnasium beträgt zur Zeit nur 69%. Als eine normale Auslastung betrachtet man den Bereich über 80%. Diese 69 %ige Auslastung ist lächerlich und ein Signal um das gesamte Engagement zu überdenken. So wurden auch während der Beratung im Rat grundsätzliche Probleme sichtbar, die diesen Bereich in Frage stellen.

Es kann doch nicht sein, dass man Jugendliche aus den Schulen zu einem Theatergang verpflichtet, so ein Vorschlag. Oder, das man die syrischen Flüchtlinge in das Theater führt. Das sind Quersubventionierungen die die Sicht auf eine grundsätzliche Lösung verstellen. So war das auch nur ein Geplänkel im Rat, welches mit der Verlängerung des Vertrages mit der Agentur endete. Also, weiter so ohne Verstand. Sicher gibt es noch bessere Lösungen, die einen Gewinn für die Kulturschaffenden und das Ennepetaler Publikum darstellen könnten. Aber dafür hatten die anwesenden Ratsmitglieder nicht die Qualität. So wird immer wieder in Ennepetal die mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit oder das Marketing total vernachlässigt. Die ausgesuchten Stücke sind trivial und reißen nicht wirklich vom Hocker.

Ennepetal ist so was von schön, da wird jede Kritik als schlecht machen eingeordnet.

Wer erinnert sich nicht an das Leader Projekt , wo die Städte:

  • Wetter
  • Gevelsberg
  • Ennepetal
  • Breckerfeld
  • Sprockhövel

versuchten gemeinsam an öffentliche Zuschüsse zu kommen, 28 Millionen standen alleine für den Regierungsbezirk Arnsberg zur Verfügung. Der Ländliche Raum sollte eine Zukunftsperspektive durch die EU bekommen. Die Städte sollten sich jedoch selber organisieren, interkommunal, versteht sich. Bürgerbeteiligung und Vernetzung sollten die Projekte und Ideen nach vorne bringen. Es gelang nicht, das gemeinsame Projekt wurde durch die Jury nicht anerkannt.

Es blieb jedoch eine Gesprächsrunde, allerdings ohne Gevelsberg. Diese Gesprächsrunde soll ausloten was man gemeinsam im Bereich Kultur machen könnte. 6 Monate ist es jetzt her und kein einziges Ergebnis kann vorgewiesen werden. Ja, mehr noch, die Gespräche haben noch nicht einmal dazu geführt, dass man Zielvorstellungen oder Erwartungshaltungen definiert hat. Gut das die vier Städte schon mal miteinander reden, reden, reden und weiter reden. Wieder geht es um eine Selbsttherapie für städtische Angestellte und Beamte.

Etwas mehr Mut wäre da angesagt. Da arbeitet das Theater Hagen in allen möglichen Kulturbereichen. Im Moment findet eine Neuorientierung statt, Intendant und Generalmusikdirektor hören auf, warum nicht einmal Ausloten welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit die vier Kommunen mit Hagen hätten.

Und dann war da noch der Vorschlag mit Facebook den Ennepetaler Kulturbereich abzudecken. Nur was bitte will man da abdecken, wenn man kaum was zu bieten hat. Warum nicht gleich Twitter, Google+, Instagramm neben Facebook? Auch hier, wie immer, fehlt ein Konzept mit den Social Medien umzugehen.

Es hat sich in den letzten Jahren nichts geändert, weiter so und, gut das wir mal darüber geredet haben.

Ob sich zukünftig unter der Regie der neuen Bürgermeisterin was ändert? Man wird es sehen.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

Gibt Ennepetal sich auf weil es kein Image hat?

Fußgängerzone in Ennepetal  Fotodesign: Linde Arndt

Fußgängerzone in Ennepetal Fotodesign: Linde Arndt


Demografischer Wandel

Deutschland hat eine „tolle“ Geburtenrate (Fertilitätsrate) von 1,36 der EU Durchschnitt wird mit 1,57 gemeldet. Die Deutschen haben diese Geburtenrate (Fertilitätsrate) seit Jahrzehnten und haben sich anscheinend daran gewöhnt. Sie hätten schon längst wieder 2,10 ( 1970 hatte Deutschland das letzte mal eine Rate über 2,0) haben müssen; denn die 200 Mrd.Euro/pro Jahr, die für Familie und Kinder ausgegeben werden, hätten eine Steigerung dieser Rate schon längst erbringen müssen. Haben sie aber nicht. Man kann diese derzeitige Familienpolitik sicher als gescheitert ansehen.

Mal am Rande. Die Italiener geben in diesem Bereich nur 25% dieser Summe aus und haben eine Geburtenrate etwas über Deutschland. Aber es geht hier nur um Deutschland, hier wollen wir doch etwas verändern. Aber schauen wir auf den lokalen Bereich von Ennepetal, hier werden Kinder geboren und wachsen danach auf, wie überall.

Und so ließ sich der Ennepetaler Rat im Sozialausschuss von zwei Experten aus Siegen erklären warum alles nicht so läuft, mit der Geburtenrate, wie die Politik das sich wünschte. Zwei der netten biederen Ennepetaler Ratsmitglieder hatten denn auch ihre eigene Meinung hinsichtlich des demografischen Wandels in Ennepetal.

 

  • Ob es denn eine Blaupause gibt, wie man die Geburtenrate nach oben verändern kann, so die  eine Gruppe.

           Nein, natürlich nicht so die beiden Experten.

  • Man müsse nur den  richtigen Partner haben und schon würde es auch mit der deutschen Geburtenrate klappen.

    Wir haben den richtigen Partner und wohnen auch in der richtigen Stadt, wir fühlen uns auch wohl, so ein weibliches Ratsmitglied.

Das dieses Statement keine Relevanz hatte, ist wohl selbstverständlich. Mir geht es gut, also muss es den anderen auch gut gehen.

Was also kann oder soll man in Ennepetal machen? Ratlosigkeit auf allen Ennepetaler Rats-Gesichtern. Hatte man doch immer das gemacht, was man besonders gut konnte, die Hände in den Schoß gelegt während man den Kopf in den Sand steckte.

Das man aber im Ansatz nichts für ein positives Image der Stadt getan hat, wird natürlich verschwiegen. Abgesehen davon –  Ennepetal hat kein Image  – oder wenn man nachdenkt eher ein negatives Image. Die Stadt und der Rat gehen immer davon aus, geht es mir gut, geht es den anderen auch gut. Das Gemeinwesen Stadt Ennepetal einmal von außerhalb zu betrachten, kommt niemanden in den  Sinn. Die Attraktivität der Stadt Ennepetal ist unterirdisch.

Das ist aber nicht alles bei dieser Betrachtung. Denn fast 400 Städte und Gemeinden hat NRW und es herrscht Krieg um jeden Bewohner der bleibt oder kommen könnte. Den demografischen Wandel geht man offensiv an, indem man mit einer positiven Marketingstrategie um die Bewohner buhlt. Rabattiert man bei der Gewerbesteuer im Zusammenhang mit Industrieansiedlungen sind es andere Strategien die um die Ansiedlungen von Bewohnern erarbeitet werden. Lohnt das denn?

Schaut man sich die Statistik der Wanderungsbewegungen an, so sieht man unschwer z.Bsp. 892.563 Zuzüge in die Städte von NRW. 546.206 ziehen von einer Gemeinde in eine andere Gemeinde. Das sind alles potenzielle Bewohner für Ennepetal, wenn Ennepetal sich besser verkaufen ( Außendarstellung ) würde. Das Produkt Ennepetal ist ein Produkt für die Ramsch-Ecke.

Und das schlimme ist, alle wissen es. Da läuft der Dortmunder Frank Heinze, von Heinze und Partner.durch Milspe, im Schlepptau eine Handvoll Milsper um diese zu überzeugen, dass sie etwas für ihre Stadt tun sollten. Vergebens. Es wird wie immer. Zum Ende dieser Aktion wird es eine Rechnung geben und nichts ist herausgekommen. Milsper, Voerder oder die Bewohner der anderen Stadtteile haben schon längst aufgegeben. Ihnen ist es egal ob sie der Stadt Ennepetal angehören oder sonst wem.

Anzahl der Gesamtwanderungen in dem Jahr 2012 für NRW

Jahr

Wanderungen

insgesamt

Binnen-
wanderungen
1)

Außenwanderungen

Zuzüge

Fortzüge

Zuzüge

Fortzüge

Überschuss

der Zu- (+)
bzw. Fort-
züge (−)

1)Personen, die innerhalb des Landes NRW von einer Gemeinde in eineandere Gemeinde gezogen sind.

Quelle:Information und Technik Nordrhein-Westfalen Stand: Juli 2013

2012

892.563

839.070

546.206

346.357

292.864

+53.493

 

 Wilhelm Wiggenhagen, Brigitte Drees und Ulrich Schilling haben sich jetzt zwei Jahrzehnte mit der Wirtschaftsförderung Ennepetals befasst und haben letztendlich eine sterbende Stadt den Ennepetalern überlassen – Siechtum an allen Ecken.

Lasst uns alle den Tag ins Auge fassen wo die prognostizierten 24.000 Einwohner in Ennepetal erreicht werden. Dann sollten die Sektkorken fliegen.

Vielleicht ist aber der eine oder andere etwas nachdenklich und nimmt Einfluss auf dieses Rathaus, damit das Ganze nicht wahr wird. Die Möglichkeiten haben wir ja noch. Der demografische Wandel sollte als Herausforderung und Chance gesehen werden und nicht als unabänderlich und gottgegeben kommuniziert werden. Ehrgeiz und Mut erbringen erst Signale des Aufbruchs.

 

Ausflug zum Düsseldorfer Landtag

Es ist ja ein Witz. Da machen sich mehrere vom Ennepetaler Rat und der Verwaltung auf den Weg um an einer Sitzung des Landtages teilzunehmen. Anlass war die ungeliebte Solidaritätsumlage, die von dem Land NRW auf den Weg gebracht wird. Hintergrund: Reiche Städte wie Düsseldorf aber auch Ennepetal zahlen in einen Topf, der von den armen Städten wieder geleert wird. Die reichen Städte wollen natürlich weiter reich bleiben und lehnen es ab den armen Städte etwas abzugeben.

Eine Gruppe unter dem Düsseldorfer OB Dirk Elbers (CDU), will, wenn erst einmal die Bescheide auf dem Tisch liegen, dagegen klagen. Und da saßen die Ennepetaler im Landtag auf der Besuchertribüne und hörten „ergriffen“ den richtigen Politikern im Innenausschuss zu. Die Ennepetaler hatten jedoch kein Protestschreiben oder ähnliches für die Staatskanzlei der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, für den Innenminister Ralf Jäger oder den Finanzminister Walter Borjahn in der Tasche. Nein, sie wollten nur als gute Bürger im Landtag mal zusehen, was die Großen so machen. Sicher wurde dieser Ausflug auf unsere Steuerkosten gemacht oder hat man da in die eigene Tasche gegriffen? Ich glaube, wir (Steuerzahler) haben diesen Ausflug bezahlt. Wir haben ja in Ennepetal kaum was zu tun. Der Ausflug war schon in Ordnung; denn dadurch konnte diese Truppe keinen weiteren Schaden in Ennepetal anrichten. Erreicht wurde natürlich nichts. Denn diese Solidaritätsumlage ist zu komplex für die biederen Ennepetaler. Wie sagt der Kämmerer immer so schön: Das ist ziemlich schwierig, aber ich will versuchen es ihnen zu erklären. Na denn.

Dem Vernehmen nach hat niemand der Ausflügler etwas im Düsseldorfer Landtag verstanden, jedoch waren alle begeistert von den mitgenommenen Frikadellenbrötchen die während der VER Bustour verdrückt wurden.

 

Prozess vor dem OLG Düsseldorf

swap-partner

Swap-Partner – Kämmerer Dieter Kaltenbach und Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen Fotos und Collage: Linde Arndt

Die Stadt Ennepetal muss keine weiteren Zahlungen aus den Swap-Geschäften mehr leisten, so das OLG Düsseldorf. Daraufhin knallten angeblich die Sektkorken im Rathaus. Sieg auf der ganzen Linie? Wohl kaum. Was die Stadt verschweigt, es wird keine Rückzahlung der WestLB Nachfolgerin geben. Wie viel war das denn? Gerichts- und Anwaltskosten werden unter den Teppich gekehrt. Wie viel war das denn?

Und bei aller Liebe, es war eine Wette die die Stadt Ennepetal mit dem Geld der Steuerzahler eingegangen ist. Und da ist erst einmal etwas Demut angesagt, weil der Kelch an der Stadt vorbei gegangen ist und die Gerichte der Stadt Ennepetal Recht gegeben haben. Die Rechtskräftigkeit dieses Urteils ist jedoch noch nicht gegeben, denn die „Erste Abwicklungsanstalt“ (EAA) (Nachfolge der WestLB für risikoreiche Papiere) kann noch Revision einreichen.

Und vielleicht wäre jetzt eine Entschuldigung bei den Ennepetaler Bürgern fällig. Denn mit dem Beschluss aus dem Jahre 2006 zum Einstieg in das Swap Geschäft waren alle damaligen Verantwortlichen einverstanden. Und als zum ersten mal eine Auszahlung stattfand, war man doch zufrieden im Rat der Stadt. Damals herrschte die Gier im Rathaus.

 

Unser Sport soll alles haben wonach der Sinn sein könnte

Während im Sozial- oder auch Kulturbereich mit dem notwendigsten Haushaltsansätzen gearbeitet wird, kann der Sportbereich aus dem Vollen schöpfen. Im Sportbereich gibt es auch keine Einwendungen; denn diese Zahlen wurden offensichtlich alle von den Vereinsvorsitzenden übermittelt. In anderen Städten zahlen die Vereine gerne an ihre Stadt für die Nutzung der städtischen Liegenschaften. Oder da werden Vereine zusammen gelegt. Blau/Weiß Voerde/RSV/TUS Ennepetal oder auch Rot/Weiß Rüggeberg, sie alle stehen auf der Haushaltsliste der Stadt Ennepetal für bedürftige Sportvereine.

Und da geht es nicht um ein paar tausend Euro, sondern um Millionen die die „arme“ Stadt Ennepetal aufbringen muss. Bleibt die Frage nach dem, warum macht die Stadt dies?

Es ist für jeden Ratsherrn als auch für den Bürgermeister gut, sich als Wohltäter aufzuführen. Bei den Vereinsversammlungen sich mit einem Grußwort hervorzuheben oder aber selber anwesend zu sein. Bei der nächsten Wahl wird sicher der eine oder andere sich an den Kandidaten erinnern der dem Verein meinetwegen den Kunstrasen ermöglicht hat. Nur für eine 30.000 Einwohnerstadt sind diese Zuwendungen eindeutig zu hoch. Auch ist es für ein noch aufzustellendes Imageprofil nicht vermittelbar, wieso Ennepetal im Sportbereich so mit Steuergelder gefördert wird.

Lokale Kultur ein Imageträger

Die Ennepetaler Musikschule hat durch die Probleme im Fliednerhaus (schädliche Schimmelsporen) den Unterricht ausgelagert. Dies aber nur als Zwischenlösung. Ein zurück wird es nicht mehr geben. Gesucht wird eine Endlösung. Die Endlösung hatte man schon in der Grundschule Friedenstal gesehen. Beim letzten Ausschuss wurde alles wieder auf Start gebracht. Wieder im Rennen ist die ehemalige Grundschule Hasperbach.

Anita Schöneberg (SPD), Vera Zenker (SPD) und Dr. Hella Siekermann (FDP) Fotos: Linde Arndt

Anita Schöneberg (SPD), Vera Zenker (SPD) und Dr. Hella Siekermann (FDP)
Fotos: Linde Arndt

Vom Tisch ist allerdings die Lösung die einzelnen Instrumente auf mehrere Räumlichkeiten zu verteilen. Also ein totaler Neubeginn? Nein, so was ist in Ennepetal nicht üblich – Flickschusterei ist hier die erste Wahl.

So wurde eine komische Koalition im Kulturausschuss sichtbar. Anita Schöneberg (SPD), Vera Zenker (SPD) und Dr. Hella Siekermann (FDP) fanden die Hasperbach Lösung für ausreichend.

Die Grundschule Hasperbach liegt für die meisten Kinder aus Rüggeberg, Büttenberg oder anderen Stadtteilen sehr weit entfernt. So müssten die meisten Kinder bis zu 3 Stunden Hin- und Rückfahrt hinnehmen, was unzumutbar wäre. Andererseits können auch Eltern nicht mehr solch einen Zeitaufwand erbringen. Was dann letztendlich zu einer Abnahme der Schülerzahlen führen würde.

Stefan Mayer-Stoye Foto: LInde Arndt

Stefan Mayer-Stoye
Foto: Linde Arndt

 

Gewollt von dem weiblichen „Le Trio Infernale“? Einzig der grüne Ratsherr Stefan Mayer-Stoye wusste die Situation in diesem Zusammenhang richtig einzuschätzen.

Aber lassen wir das, musische Bildung war noch nie der Deutschen liebstes Kind. Es war auch so nicht alles für einen Neustart der Musikschule vorbereitet.

Es lagen keine Pläne der einzelnen Schulen vor, Konzepte wie eine Musikschule in einer modernen Stadt einen positiven Imagetransfer herstellen könnte fehlten gänzlich, Mehrfachnutzung der schulischen Gebäude waren nicht angedacht. Überhaupt hatte die Politik zur Gänze gepennt; denn außer das es galt zwischen zwei oder mehreren Gebäuden zu entscheiden war da nichts.

Auch hier sollten wir einen Blick über die Stadtgrenzen werfen. In Gevelsberg hat Frau Dagmar Tewes mit ihrer Musikschule ein über die Stadtgrenze bemerkenswertes Gitarrenfestival aufgebaut.

Das ging allerdings nicht von heute auf morgen, Frau Tewes hatte und hat die notwendige Geduld um solch ein außerordentliches Event für Gevelsberg zu stemmen. Dazu kommt noch eine Stadtverwaltung, die die Notwendigkeit und den Glücksfall dieses Festivals richtig zu würdigen wusste. Und Ennepetal?

Wir erinnern uns ungern an die Blamage mit der Jeki (Jedem Kind ein Instrument) Aktion, wo zwar Instrumente mit Steuregeldern abgegriffen wurden, für die Kinder aber keine Lehrer vorhanden waren. Und heute wieder so lieblos, obwohl Frau Schöneberg (SPD) selber musiziert.

 

Nochmals  – wir wollen den Neuanfang beschwören, mit: Einem Image für die Stadt Ennepetal. Die Musikschule müsste unter diesem Aspekt eine Zielvorstellung definieren. Zweimal im Jahr würde die Musikschule ihr Leistungsvermögen in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Die Musik hält unendlich viele Möglichkeiten bereit das eine Stadt sich profilieren (Transfer) könnte. Die Öffentlichkeitsarbeit müsste verbessert werden. Die Räumlichkeit einer Schule, wie der Schule Friedenstal,  müsste unter der Leitung der Musikschule evtl. einer Mehrfachnutzung zu geführt werden. Die Schulleitung müsste alleinverantwortlich in allen Bereichen  entscheiden dürfen. Personell bedeutet dies aber auch, es müsste eine qualifizierte Kraft an die Spitze der Musikschule.

 

Kulturausschuss v.l.: Cosima Palomba / Zink / Carsten MichelFoto: Linde Arndt

Kulturausschuss v.l.: Cosima Palomba /Christian  Zink / Carsten Michel
Foto: Linde Arndt

Das sind nur Stichworte für eine Musikschule die der Stadt Ennepetal Punkte bringen könnten.

Vor allen Dingen müsste zuerst der Kulturausschuss federführend diesen Neuanfang der Musikschule in Besitz nehmen wollen. Danach sollten den weiteren Ausschüsse, wie Betriebsausschuss oder AÖR SBE ein dementsprechender Beraterstatus zu geteilt werden. Die Arbeiten im Rat und den Ausschüssen sollten hier anderen moderneren Vorgehensweisen Platz machen. Zeit ist ja noch vorhanden um die neue Musikschule handwerklich auf den richtigen Weg zu bringen.

Und zu guter Letzt sollte den Ausschussmitgliedern bewusst sein, die Musikschule ist mit einer Stadt wie Ennepetal mit vielen Bereichen verknüpft. Ein falscher Aufbau bringt einen negativen Effekt. Eine Repräsentanz sollte die Musikschule schon darstellen, nicht eine Aufbewahranstalt für Menschen die eine komische Neigung haben. Nächstes Jahr 2014 wird es ein Jahr der kulturellen Bildung geben. Das Haus von Ministerin Löhrmann will sich von Leuchttürmen verabschieden und will in diesem Bereich ganze Lichterketten aufbauen. Dazu gehört auch die musische Bildung, die nachweislich Menschen mit mehr Kreativität und Phantasie hervor bringt. Und die wollen wir ja gerade; denn die sind in der Lage Probleme einer Lösung zu zu führen.

 

Stichwort Zielvorstellung

Als Betriebswirt muss man den Rat der Stadt Eennepetal und die Verwaltung bewundern. Jahrelang sehen wir sie durch die Stadt irren auf der Suche nach einer vermittelbaren Konzeption. Da wird von einem auf den anderen Tag ein Problem sichtbar, was bei näherem Hinsehen schon immer jahrelang sichtbar gewesen war. Kurz-, mittel- oder gar langfristige Planungen sind nicht der Ennepetaler Ding. Improvisieren, und zwar Tag für Tag, ist angesagt. Wen wundert es wenn normale Leute scharenweise die Stadt verlassen? Und dann immer diese Neuanfänge, die immer wieder da enden wo sie in Ennepetal enden – im Nichts. Dabei müssten die Ennepetaler doch nur einmal eine Zielvorstellung definieren. Wo wollen wir hin. „Mein Ennepetal“, höhlisch gut“ oder jetzt „Stadt der Kluterthöhle“, alles Slogans die mal auf geworfen wurden und dann wieder verschwanden. Im Moment hat man den Tourismus auf dem Plan, Leute sollen morgen in Ennepetal einfallen, 40 Kilometer auf unzureichenden Strecken mit Kind und Kegel marschieren, dann aber wieder verschwinden. Bewundernswerte Vorgehensweisen bei denen der Schaudereffekt nahe einer Krimisendung ist.

Eine kinderfreundliche Stadt, eine Stadt für Touris, eine industriefreundliche Stadt, eine tolerante Stadt, alles tolle Zielvorstellungen, nur es müssen die Infrastrukturen erarbeitet und kommuniziert werden. Es reicht nicht wenn der BM einen Rundweg abgeht, sich an einem Tag in den Printmedien ablichten lässt und am nächsten Tag wieder Ruhe ist. Nachhaltigkeit ist hier gefragt. Und das bedeutet planen und organisieren und nicht improvisieren.

Und weil das ewige Improvisieren nie hin kommt, wenden sich die Verantwortlichen ab, legen die Hände in den Schoß und den Kopf in den Sand. Das ist Ennepetal die „Insel der Glückseligen“ die eine eigenartige Sicht der Dinge sichtbar macht. Und die Ennepetaler Bewohner? Sie gehen nach wie vor in die umliegenden Städte, arbeiten, chillen,  vergnügen sich, essen und trinken um danach in Ennepetal ihre verdiente Bettruhe auszuüben. Und bei nächster Gelegenheit fragen sich diese Ennepetaler, warum sie nicht gleich in der Stadt wohnen, wo sie eben arbeiten, chillen, sich vergnügen oder essen und trinken. Wie oft habe ich schon gehört, ich muss hier nicht wohnen!.




Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

In Ennepetal wird nur noch gekreist

[jpg] Unter der Hand im Innenhof im Haus Ennepetal standen rund 180 Menschen, wobei die kleineren Menschen ihre Musikinstrumente mit gebracht hatten. Plakate mit Forderungen und Slogans waren ausgerollt und die Kinder spielten auf ihren Instrumenten. Eine Streifenwagenbesatzung war auch angerückt und stand mit dem Leiter des Ordnungsamtes zusammen. Man konnte ja nie wissen. Wenn so ein Kind mal wütend wird, fliegt schon mal eine Blockflöte etwas tiefer. Ich konnte nicht sehen ob die Polizisten Kinderhandschellen bei sich hatten.

Es ging um die Musikschule, die ja bekanntermaßen keine ausreichenden finanzielle Mittel hat um den Schulbetrieb ohne Einschränkung aufrecht zu erhalten. Die Eltern, die sich in einem Förderverein organisiert haben, wollen die Kürzungen jedoch nicht hinnehmen. Frau Thomas hatte schon einmal in einer Hauptausschusssitzung einen Bürgerantrag eingereicht, der jedoch abgeschmettert wurde.

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Jetzt wurden allerdings über 700 Unterschriften für solch einen Antrag der Ausschussvorsitzenden Frau Dautzenberg (CDU) überreicht. Etwas gequält und verlegen lächelnd nahm Frau Dautzenberg das Paket mit den Unterschriften in Empfang. Im Hintergrund stand Wilhelm Wiggenhagen steif mit versteinerter Miene im Eingang. Die dazu gehörenden Forderungen mussten sich alle über ein mitgebrachtes Megaphon anhören. Ein älterer Milsper konnte sich nicht erinnern jemals solch einen Auftritt gesehen und gehört zu haben. Einige der Ratsmitglieder versuchten auch die Demo gequält weg zulächeln. Es war genau 17:10Uhr und ab ging es in den Raum 1 des Hauses. Etwas Stühle rücken und der Ausschuss konnte seine Arbeit aufnehmen. Arbeit? Von den anwesenden 15 Ratsmitgliedern konnte ich allerdings nur einen ausmachen der ernsthaft arbeitete – Stefan Mayer-Stoye von den Bündnisgrünen. Alle anderen beschworen etwas was es nicht gab aber auch nicht geben kann in Ennepetal – Gemeinsamkeiten. Diese Gemeinsamkeiten waren und sind über die Jahre aufgebraucht worden.  Aber lassen Sie uns  einen kleinen Exkurs  in Staatskunde machen.

Es macht nämlich Sinn; denn ab Freitag dem 8. Juli dieses Jahres arbeiten alle Bürger wieder für sich. Bis dahin haben alle Bürger für den Staat gearbeitet, auch für die 14 Millionen Truppe und den gesamten Rat der Stadt Ennepetal. Was bekommen wir aber alle dafür? Unter anderem bekommen wir, neben einer Bundeswehr die uns bei Bedarf verteidigen soll, ein komplettes Bildungssystem. Dieses Bildungssystem beinhaltet Schulen, Universitäten, Lehrer, Professoren, Bücher, Mobiliar und, und, und. Kostenlos, versteht sich. Gut, nicht?

Die Lehrer werden bezahlt und zwar so, damit sie motiviert den SchülerInnen etwas beibringen. Und was noch wichtig ist, diese SchülerInnen sollen sicher sein, dass ihre LehrerInnen ihnen über Jahre als Bezugsperson erhalten bleibt. Diesen SchülerInnen soll nicht nur Wissen beigebracht werden  um  der Wirtschaft eine gute Arbeitskraft zu sein. Nein, diese SchülerInnen sollen wertvolle Mitglieder der Gesellschaft werden, eben gute Staatsbürger.  Was das ist? Dafür haben wir Professoren genommen die uns Rat gaben, gute Professoren, [wie z.B. einen Professor Hartmut von Hentig] die den Lehrern und Politiker sagen wie man aus SchülerInnen gute StaatsbürgerInnen macht.

Und zu dieser Ausbildung gehört auch eine musische Ausbildung. Ach, und Herr Frey von der FDP schimpfte ja so schön über die Kosten, die von Steuergeldern beglichen werden müssten. Richtig Herr Frey von der FDP, dafür arbeiten die Eltern dieser Kinder ein halbes Jahr für den Staat, indem sie Umsatz-, Einkommen-, Kirchen-, Mineralöl-, Kfz-, Salz-, Sekt-, Versicherungs-, Alkohol- oder auch Vergnügungssteuer entrichten.
Und jetzt werden die Forderungen der Eltern der Musikschule einfach umgedreht, so dass eine Forderung des Rates und der Stadtverwaltung daraus wird, die Verantwortung und die Finanzierung für die Schule selbst in die Hand zu nehmen. Zwar ist die Forderung nicht offen ausgesprochen worden, aber man konnte sie schon heraus hören. Wie soll das gehen? Nun erst einmal soll die Öffentlichkeit ausgebootet werden. Es wird ein Arbeitskreis gebildet, bei  dem die Presse nicht mehr dabei ist. Wer zu diesem Arbeitskreis gehören soll, soll noch besprochen werden. Was dort besprochen werden soll, wurde schon andeutungsweise erörtert. Da sollen die Lehrkräfte umsonst arbeiten, man nennt das Neudeutsch Ehrenamt in Ennepetal. Und weiter, Hobbymusiker sollen als Lehrkräfte ehrenamtlich einspringen. Da kommt mal eben schnell Anita Schöneberg mit der E-Gitarre vorbei? Umsonst, versteht sich. Es war eine Liste des Grauens, eine Armutserklärung gegenüber den anwesenden Eltern und Steuerzahlern. Wie ist es dazu gekommen?

Die Stadt Ennepetal mit Rat und Stadtverwaltung haben sich verkalkuliert. Sie haben sich für das Jeki (Jedem Kind ein Instrument) Projekt gemeldet. Dieses versprach 50% Zuschüsse bei den erworbenen Instrumenten. Und es waren viele Instrumente. Und das Jeki Programm fordert:

  • Die Kinder sollen Unterricht in dem erworbenen Musikinstrument bekommen.
  • Die bestehende Musikschule darf aber nicht zurück stehen.
  • Und fünf Jahre sollte der Unterricht stattfinden.

Wenn das nicht eingehalten werden kann, muss das Geld zurück gezahlt werden.

Nun müssen wir ja schon rund 500.000,- Euro für das Zocken (Swap Geschäfte) zurück zahlen, rund 300.000,– Euro Beraterhonorare zahlen oder rund 1.000.000,– Euro für eine Tribünenüberdachung des TuS bezahlen. Da schmerzt es schon wenn man für die „blöden“  Blagen auch noch Geld zurück zahlen muss, zumal das ja nicht die eigenen Blagen sind. Darüber hinaus hat man Gebühren genommen und als der Unterricht nicht stattfand, hat  die 14 Millionen Truppe nur auf Mahnung die Gebühren zurück gezahlt. Dann hat man  Lehrkräfte der Musikschule in den Jeki Projekt Bereich überführt. Und die Musikschule? Man kann eben nicht alles machen – was soll es. Man lässt die Schule eben alleine und hofft das Problem würde sich alleine lösen. Aber die Probleme blieben. Unverstand hat nun einen Namen – Ennepetal.

Die wildesten Lösungsansätze wurden erörtert – schiere Hilflosigkeit von Rat und Stadtverwaltung.
Die Cellistenstelle solle für ein Jahr gesponsert werden, evtl.(?) gibt es einen Sponsor. (Und danach?) Die Leitung der Musikschule ab 2014 soll aus den eigenen Lehrkräften hervorgehen. Aha, und was wird mit der Kraft und deren SchülerInnen? Es fällt doch damit wieder eine Lehrkraft aus! Und was ist mit der Lehrkraft für Geige? Und was ist mit der Weiterentwicklung einer Musikschule zu einem ernstzunehmenden Institut im Kreise?

Eine Schule sollte den SchülerInnen eine höchstmögliche Sicherheit bieten, Sicherheit in dem Sinn, indem sie den Unterricht erbringt die sie anbietet. Einmal gibt es und einmal gibt es den Unterricht nicht, dies sollte auf jeden Fall unterlassen werden. Aber  dies steuert die 14 Millionen Truppe und der Rat gerade an. Auch will diese hilflose Truppe möglichst ganz und gar die Verantwortung auf die Eltern und SchülerInnen wegschieben und sich damit aus dem Staub machen. Wird dann morgen der Sprach- oder Matheunterricht eingestellt? Ok, wir haben kein Geld mehr. Aber ist das wirklich so? Nein!

1. Wir könnten die Hebesätze von derzeit extrem niedrigen 403% anheben um aus dem Gröbsten heraus zu kommen.
2. Wir könnten die Haushaltssicherung nochmals überarbeiten um die Prioritäten neu zu setzen.
3. Wir könnten den Kreis wegen einer Duldung angehen, denn die Jeki Verpflichtung wurde vor der Haushaltssicherung eingegangen.

Das Haushaltsrecht ist auch bei einer Haushaltssicherung ein bewegliches Recht, wenn man will. Aber will die Stadt im Zusammenhang mit der Musikschule denn überhaupt. Waren das im Kulturausschuss nicht nur Lippenbekenntnisse für die Musikschule? Dann war der Sarg auf dem Innenhof eben doch eine zukünftige Realität.

Was mich bestürzte als Anita Schöneberg (SPD) mit Walter Faupel (CDU) eine große Koalition für unbezahlte Arbeitsstellen bildeten. Gerhard Schröder, der Altbundeskanzler, hatte den Menschen zumindest 1,– Euro belassen. Und in Ennepetal?   [[nggallery id=311]

  Da geht es ohne den Euro. Frau Schöneberg, Herr Faupel, wann führen wir denn wieder die Leibeigenschaft ein? Um es einmal klar zu sagen, auch eine Musikpädagogin ist eine Arbeitnehmerin die ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellt und zwar gegen Entgelt.

Und wenn diese Musikpädagogin nach einem 8 stündigen Arbeitstag die Füße hoch legen möchte, so ist  das ihr gutes Recht. Alles andere was im Kulturausschuss in diesem Zusammenhang vorgeschlagen wurde, nennt man neudeutsch „Sozialdarwinismus“.

[nggallery id=310]   Der einzige der vernünftig auf diese Vorschläge reagierte war der Grüne Stefan Mayer-Stoye.
Er stellte zumindest die Frage, wie das Ganze funktionieren sollte.
Soll die LehrerIn ab 16:00 Uhr die entgeltliche Beschäftigung aufgeben und dann unentgeltlich weiterarbeiten?

Herr Frey von der FDP wurde gar lauter und rief zu Frau Thomas, er habe einen FDP Kollegen in Schwelm der ihm gesagt hatte, dass Schwelm nur einen Zuschuss von rund 200.000,– Euro benötige, statt der rund 500.000,– Euro in Ennepetal.

[nggallery id=312]    Wie Schwelm das macht, dass wusste Herr Frey (FDP) jedoch nicht zu sagen. Wahrscheinlich war der Wein ausgegangen und das Gespräch somit erledigt. Was hat ihn denn gehindert mit dem FDP Kollegen tiefer in die Materie einzusteigen?    [nggallery id=313]

Was hat ihn denn gehindert mit der Leiterin der Schwelmer Musikschule Frau Weidner zu sprechen? Das sind alles Menschen die sich offen einem Dialog stellen. Was man von den Ratsmitglieder nicht sagen kann. Aber darum ging es ihm und den anderen ja auch nicht. Es ging schlicht und ergreifend nur darum, keine Verantwortung zu zeigen oder zu tragen . So sind sie unsere Politiker und Verwalter. Auf der einen Seite wollen sie für alles stehen und wenn es nicht klappt, ist eben der Bürger selber schuld.

Und wie soll es jetzt weiter gehen? Wilhelm Wiggenhagen und die 14 Millionen Truppe samt Rat wollen am liebsten dem Förderverein alles aufbürden. Ja, selbst das Personal sollen die selber einstellen. Das ist verdammt noch mal Verantwortungslosigkeit hoch drei.

Oder war diese Hilflosigkeit deshalb so stark sichtbar, weil die Ratsmitglieder und die Verwaltung aus ihrem Wolkenkuckucksheim gerissen wurden? Ich glaube ja.

Frau Höppke, Frau Thomas und rund 180 weitere Kinder und Eltern haben die Stadt eben mal kurz von ihrer rosaroten Wolke geholt und ihnen klar gemacht was Verantwortung für unsere Kinder und deren Lehrpersonal ist.

Vielleicht macht ja Frau Schöneberg (SPD) mit dem Shanty Chor zukünftig umsonst den Musikunterricht und Herr Faupel (CDU) unterstützt sie fleißig. Umsonst versteht sich.
Möge das uns allen erspart bleiben.

Nicht nur wir haben das Geschehen beobachtet, vielmehr hat die  Landesvereinigung  der Elternvertreter und Fördervereine der Musikschulen in NRW e.V. auch einen Kommentar geschrieben. Hier der Kommentar im PDF Format.

Und hier ein Video-Schnipsel  über die Demo.
[flv:/wp-content/video/MSDemo.flv 380 300]

Womit einmal mehr Ennepetal seinen sehr eigenartigen Reiz bewiesen hat.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

Alle Fotos und das Video © Linde Arndt