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Ein bisschen böse geht aber nun gar nicht

[jpg] Die Kultgarage hatte ihren schon traditionellen Kabarettabend in den Räumlichkeiten der Sparkasse Ennepetal – Breckerfeld. Zu Gast war diesmal Kai Spitzl aus Köln (Wahlheimat). mit seinem Solo Programm. Kai Spitzl ist für die Preise St.Ingbert Pfanne, Paulaner Solo und Reinheimer Satirelöwe, laut seiner Agentur nominiert worden, was ja darauf hindeutet, dass er von vielen beobachtet wird. So ist er schon bei Volker Pispers Show „Volker Pispers und Gäste“ im 3Sat mit Erfolg aufgetreten. Man arbeitet sich halt hoch in der Kabarettbundesliga um letztendlich mit dem Prix Pantheon geadelt zu werden. Es stellt sich allerdings die Frage, warum die Sparkasse Ennepetal – Breckerfeld nicht etwas weiter nach vorne geht; denn die vergebenen Preise können jetzt allemal mit der St. Ingbert Pfanne mithalten. Es braucht nur einen kleinen finanziellen und organisatorischen Stubs um den Ennepetaler Fuchs auf eine andere Ebene zu bringen.

Nun zu Kai Spitzl selber. Versuchen wir Spitzl einmal  einzuordnen: Der Kollege Schmickler hat einen bösen aber/und auch unerbittlichen Humor. Wen er einmal aufs Korn nimmt den erledigt er wie ein Henker mit einem Fallbeil. Der Kollege Schramm  – böse aber auch/und wütend –  agiert eher wie ein Staatsanwalt, der das Objekt seiner Klage unerbittlich zur Anklage bringt. Kollege Pispers übergießt seine kabarettistischen Objekte mit Hohn und Spott und jagt sie danach geteert und gefedert durch die Stadt. Es sind nun drei böse Kabarettisten die ich jetzt aufgezählt habe und mit diesen versuche ich Spitzl einzuordnen. Denn diese drei sind auch irgendwie Maßstab in der Bundesliga der Kabarettisten.

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Dann sollte man jetzt noch böse definieren. Ich denke böse ist man wenn man bei einer Ungerechtigkeit nicht weg sehen mag und die auch danach noch mit einer dementsprechenden Wortwahl kommentiert. Und diese Wortwahl ist das Problem des Kabarettisten Spitzl. So will Spitzl das Piratenproblem am Horn von Afrika, welches im Moment mit unserem teuren Kriegsgerät nur unzureichend gelöst wird, mit einer Armada von Kreuzschiffen voller deutscher übergewichtiger Touristen lösen. Der gemeinsame Sprung von hunderten adipöser deutscher Touristen von den Touristikdampfern ins Wasser soll einen Tsunami aus lösen, der das ganze Piratenproblem auf immer lösen würde, so Spitzl. Nebenbei haben diese übergewichtigen Problemlöser das Niveau eines deutschen Hausmeisters der 35 Jahre auf solch eine Tour gespart hat. Spitzl versucht etwas böse zu sein, ähnlich wie die englische Truppe von Monty Python. Nur, ein bisschen böse ist auch hier wie ein bisschen schwanger sein. Es ist immer wie ein Ritt auf einer Rasierklinge: Man verletzt sich am Allerwertesten. Die drei oberen Kabarettisten sind immer böse auf Kosten des vermeintlich Stärkeren, Größeren oder auch Dümmeren. Der kleine Mann wird immer dabei ausgespart. Bei Spitzl ist er Ziel seines Witzes, wenn er sich den adipösen deutschen Hausmeister der 35 Jahre auf solch einen Urlaub spart, vornimmt. Wäre dies jetzt der englische schwarze Humar a la Monty Python? Nein, nicht wirklich. Spitzl will nicht richtig böse sein, er will ein paar gute Sketche machen. Er will über die Unzulänglichkeit des menschlichen Dasein sinnieren. Er will das Große von nahem sehen und einordnen wollen. Kommt er in die Nähe des Großen, verschlägt es ihm die Sprache. Sarkozy der von weitem so groß ist, wenn er vor einem steht doch so klein.. Warum hat er denn seinen Namen „Speddy“ (Gonzales)? Wusste er dies nicht? Er war schon immer groß aber auch klein. Da sind die Kabarettisten nicht zimperlich mit Sarko.

Alles in allem war es jedoch ein gelungener Abend mit einem Kabarettisten der die Worte klug setzte und sicher noch besser werden kann. Auch wir werden ihn weiter gerne beobachten und freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen in vielleicht anderen Räumlichkeiten.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal