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Ein Haar kann singen, faulendes Laub kann malen[ISEA)

[jpg] Unsere Kultur und damit die Künste überraschen uns immer wieder. Zeigen sie uns doch, dass unser Denken keine Grenzen kennt, ja, dass wir sogar in der Lage sind das Undenkbare zu denken – eines Tages. Als Leonardo da Vinci seine Maschinen skizzierte lächelten die Betrachter Jahrhunderte lang, heute sind diese Maschinen in unserem Alltag nicht mehr weg zudenken. Ein Helikopter ist ein alltägliches Fluggerät.

Und als Jules Verne mit seinem Kapitän Nemo in einem Unterseeboot die Tiefsee befuhr, nannte man es damals Phantastereien, spannend und unterhaltend. Unterseeboote gibt es inzwischen zu tausende und in einer Größenordnung und Leistungsfähigkeit die sich Verne so nicht vorgestellt hatte. Beide Männer hatten jedoch eines gemeinsam, sie waren Künstler und Genies die mit ihrer Phantasie und Kreativität ihrer Zeit weit voraus waren.

Nun, solche Künstler gibt es immer noch, es ist uns vorbehalten ihre Werke richtig einzuordnen. Nur wer von uns, wo wir dem alltäglichen, normalen anhängen, vermag die Genialität als solche zu erkennen? Staunend schauen wir zu und vermögen doch keine Einordnung vorzunehmen.

                                                                                                   
  vlnr.: Dr.Renate Buschmann, Prof.Ute Hörner, Dr.Georg Russegger,Karin Bellmann,Dr.Andreas Broeckmann, Stefan Riekeles
Foto: Linde Arndt
 

Erstmals ist  in Deutschland die ISEA (The International Symposium on Electronic Art), die alle zwei Jahre stattfindet, als Projekt der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 im Ruhrgebiet.

Der WDR nannte es in seinen Nachrichten, "Kunst mit technischen Geräten", eine etwas unpassende Einordnung.
Das Gefrieren von Wasser wird in Klang übersetzt, der Zersetzungsprozess von Laub wird hörbar, menschliches Haar wird zu einer Soundquelle.

     

Verteilt über die drei Ruhrgebietsstädte Dortmund, Duisburg und Essen werden 29 Werke von 37 KünstlerInnen aus insgesamt 16 Ländern gezeigt. Der größte Teil der Werke wird im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund  präsentiert. Die Arbeiten beziehen sich hier auf aktuelle Themen wie den Klimawandel, dekonstruierende Identitätskonzepte und alchemistische Experimente.
In Essen Pact Zollverein auf der Kleinen Bühne wird es umfangreiche Performance Programme geben. Im Dortmunder U gibt es die "Trust" Ausstellung.  "Trust" folgt den ästhetischen Fluchtlinien des Vertrauens, indem sie deren Status hinterfragt. Dialoge mit Maschinen und Medien und dem Publikum, eine triviale Situation, die uns aber immer wieder ein Dilemma vor Augen führen – Vertrauen zu den von uns geschaffenen Geräten.

"Heavy Matter" der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) im Westfalen Forum Dortmund  fragt nach der Wirklichkeit die von uns in den Medien wahrgenommen wird. Künstlerisch werden Erklärungen,Verlautbarungen,Verkörperungen aber auch wissenschaftliche Erklärungsmodelle erzeugt um die komplexe virtuelle Welt, unsere Welt, erfahrbar und greifbar zu machen.

"E-Culture Fair 2010"  Im Dortmunder U zeigt innovative Projekte von "Virtueel Platform" aus Amsterdam, "BAM"  aus Gent und dem Medienwerk NRW im Zusammenschluss mit ECCE. Inhaltlich werden hier die aktuellen Stände der künstlerischen Reflektionen im Bereich der Anwendungen des Digitalen abgebildet.

"Return of the Pilots" – in Duisburg-Ruhrort, Festivalzentrum treffen sich Künstler der Medienkunst im öffentlichen Raum.
Dieses Programm ist so vielseitig und vielschichtig: Es werden Konferenzen stattfinden, Keynotes und Workshops werden abgehalten.
Wir sahen in der Tat auf der Pressekonferenz die Eingangs beschriebenen Haare, das faulende Laub und das gefrierende Wasser. Das von uns Gesehene begeisterte, machte nachdenklich lud uns aber auch ein, sich näher auf die Werke einzulassen. Aus terminlichen Gründen konnten wir jedoch nicht alle Bereiche für uns erfahrbar machen.

Wie Programmdirektor Stefan Riekeles treffend formulierte: Es hat sich herausgestellt, dass im Bereich der Klangkunst und im Bereich von Ökologie und Klima tatsächlich einige der spannensten neuen Arbeiten entstanden sind, die wir im Rahmen der Ausstellung präsentieren können. Übrigens, auch die von uns Tag für Tag angefertigten Daten, die inzwischen ein Ausmaß angenommen haben, stellen das Klima vor Probleme. Ein Beispiel: Eine einzige Google Suchanfrage hat einen Verbrauch an Energie die vergleichbar mit dem Tagesverbrauch einer 60 Watt Lampe ist. Nachdenklich?

Die Austellungen gehen noch bis zum 29.August 2010, eine Programmübersicht haben wir
als pdf zum download bereitgestellt.
Weitere Informationen bietet die Internetsite http://www.isea2010ruhr.org/de/de.

Im Anhang haben wir noch einen Videoschnipsel und mehrere Bilder die wir in einer Galerie untergebracht haben.
Fotos © Linde Arndt

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Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Dortmund