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Finale des Kulturhauptstadtjahres, mit einem Wermutstropfen

[jpg] Erinnern, wiederholen und verarbeiten so könnte man das Finale der Kulturhauptstadt 2010, Ruhr.2010, überschreiben. Es war Daisy die uns Anfang des Jahres in ihre eisigen Arme nahm und die Eröffnungsveranstaltung mit gestaltete. Eine Eröffnungsveranstaltung bei der Gil Mehmert die Regie führte. Hochrangige Gäste, wie Bundespräsident Horst Köhler, der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso oder Minsterpräsident des Landes NRW Jürgen Rüttgers, saßen im Rund von Zollverein bei Wind und Schneeregen und schauten gebannt der Show zu. Eine Show, die das unverfälschte der Metropole Ruhr zeigte, anders, kantig, sympathisch und direkt. Die Bühne musste mehrmals mit Salz abgestreut werden, so dass die TänzerInnen ihren Tanz aufführen konnten. Es war eine Alternativkunst, so könnte man sagen, die es so noch nicht auf der ganzen Welt gab. Die Weltpresse war erstaunt und begeistert, von dieser erfrischenden andersartigen Show.

Und jetzt? Das Tief Petra brachte riesige Schneemengen und eisige Temperaturen, so als wenn die Ruhris geprüft werden sollten. Und sie kamen in Gelsenkirchen auf Nordstern, Essen auf Zollverein, Dortmund zum Dortmunder U und in den Duisburger Innenhafen an die Küppersmühle.

Und wieder war es Gil Mehmert der Regie führte, diesmal ein Finale, wohlgemerkt, keine Abschlussfeier. Und es sollte wieder eine Veranstaltung werden, die ihresgleichen noch erst einmal suchen muss.

In der Woche wurde schon das neue Wahrzeichen, der 18 Meter hohe Herkules, eine Skulptur von Markus Lüpertz, auf dem THS Dach der Zeche Nordstern mit seinen blauen  Haaren montiert.

Auf zwei Videoleinwänden mit 128 m² und 400 m² über die gesamte Gebäudebreite von 86 m wurde ein Schiff, Namens "Ruhrtopia" skizziert.

Technisch war alles vorhanden, was heute machbar ist.

Da war von Moving-Lights über moderne Verfolger bis hin zu LED-Sticks alles da, gesamt ergab dies eine Lichtleistung von 250.000 Watt. Aber nicht nur das, vielmehr entstand im Verbund mit den anderen drei Finalveranstaltungen in Essen, Dortmund und Duisburg erst der Eindruck der Metropole Ruhr.
                 
Durch Zuschaltungen wurde aber auch die Identität der anderen Städte gewahrt, niemals hatte man den Eindruck, dass die anderen Städte untergingen. Die Bedeutung des neudeutschen Wortes Polyzentrizität wurde hier umgesetzt.

                 

Das Schiff "Ruhrtopia" wurde erst sichtbar als der  schwarz/weiß Einspieler von  Christoph Maria Herbst, der einen Kulturdezernenten spielte, beendet war. Kurzweilig zeigte Herbst den Bewerbungsweg über den die Kulturhauptstadt 2010 gehen musste um sodann 2006 den Zuschlag zu erhalten.

Das Schiff setzte sich dann in Bewegung und zeigte Grönemeyer mit seiner Ruhr-Hymne und schlug einen großen Bogen über die vielen Projekte, wie die Helden-Ausstellungen, die Tanztriennale, LiteratuRe-Ruhr und dann kam auch schon das Projekt Schachtzeichen. Noch einmal stiegen die gelben Helium gefüllten Ballons in Bildern in die Luft unter denen sich tausende versammelten um ihre Metropole Ruhr zu feiern. Und so war es auch auf dem Finale indem nochmals Ballons mit Wünschen in die Luft gelassen wurden. Der Traum und Wunsch für die Metropole Ruhr. Ein Traum der sich verliert?

Und weiter ging es: Die Schattenkultur Ausstellung oder das Projekt Twins flogen als Erinnerung vorbei. Der bekannte Jazzsänger Theo Bleckmann stimmte in das Projekt Sing! Day of Song ein. Die Chöre der Metropole Ruhr probten tagelang für diesen einen Tag in der Schalke Arena in Gelsenkirchen. Aber nicht nur das, um 12:10 Uhr sangen alle in allen 53 Städten das Glück auf Lied. Es waren in den Städten rund 300.000 Sänger aufgeboten. In der Schalke Arena wurde ein Ruhrgebietschor 53.500 Sänger etabliert. Wer dabei war, weiß wie unvergesslich dieser Tag war.

Weiter ging die Reise: Die Orgellandschaften, Wohnkultur, Ruhrkunst, Nacht der Gotteshäuser oder die Local Heroes, dies als Haltepunkte in der Reise durchs Kulturhauptstadtjahr.
Die Stilleben Tische wurden auf der Höhenbühne zu einem Xylophon umfunktioniert und es erklang Südseemusik a la Steel Bands, jetzt die Wood Drummer. Ja, das Stilleben am 18.Juli – 3,5 Mio Menschen gingen oder fuhren auf ihrer Lebensader der 60 Km langen A40 und demonstrierten ein buntes, friedliches Nebeneinander der Alltagskulturen.Grau war gestern, bunt ist heute.

Viele, viele Projekte flogen an den Schiffsreisenden vorbei, begleitet von dem Marler "Junges Blasorchester e.V." Break Dancer vertraten die Straßenszene, Akrobaten der Urbanatix zeigten auf dem Gebäude ihre akrobatischen Einlagen. Dies alles perfekt inszeniert.

Die Live Einspielungen auf den Videoleinwänden aus Dortmund, Essen und Duisburg erbrachten das Wir-Gefühl der Metropole Ruhr. Ob das nun die Bewegtbilder des Dortmunder U von Professor Winkelmann waren, die 360° Lichtperformance am Essener Sanaa Gebäude oder die Ithaka Lesung im Duisburger Freihafen bei der Homer das Europa der Regionen beschwor, es war eine würdige aber auch moderne Inszenierung der Metropole Ruhr.

                

Und der Wermutstropfen? Ja, die Loveparade mit ihren 21 Toten und hunderten Verletzten, nein, sie sollten und sollen in der Metropole Ruhr nicht dem Vergessen ausgeliefert werden. Ob in Gelsenkirchen oder Duisburg, es waren Lichter die für die Toten in unseren Erinnerungen getragen werden sollten. Die reine Kultur will nicht vergessen oder verdrängen, sie wird sich immer moralisch verantwortlich zeigen. Insoweit unterscheidet sie sich von der politischen Kultur, die Verantwortung immer mit der Schuld vermengt um sich nicht zur Verantwortung zu bekennen.

Außergewöhnlich die Wechselgesänge in Sprech- und Gesangsform mit wechselnden Orten, die Technik macht so was möglich. Es ist unsere Stadt, es ist euere Stadt, so ein Credo der Sprechgesänge – wohl war.

Die Ruhrtopia auf dem Weg, Streetpiraten der Urbanatix entern das Nordsterngebäude. Diese ausgeflippten Ruhr Akrobaten mit ihren auswärtigen Freunden, wo man beim Zusehen schon blaue Flecke bekommt.

                

Die Volunteers kamen zu Wort, diese Gruppe die immer freundlich und frohgemut jedem hilfreich zur Seite stand wenn man nicht klar kam. Und die beim Helfen noch offensichtlich  Spaß hatten.

"Wir haben Kultur gelebt…wir haben es einfach gemacht… Die Erinnerung bleibt in unseren Herzen….Anderes Verständnis von Kunst, Kultur und dem Ruhrgebiet….Es muss weitergehen" so die Stimmen der Volunteers.

Und dann wandelte sich das Schiff in ein Raumschiff, welches abhebt in die Metropole Ruhr-Ruhrtopia. Das ganze endete in einem kurzen aber prägnanten Feuerwerk.
Diese fünf Akte wurden mit Szenenapplaus begleitet und mündete dann in einen großen Applaus.

Nun eines hatte das Tief Petra erreicht, zu der ausverkauften Vorstellung kamen nicht alle Besucher. Dies lag aber auch an den permanenten Katastrophenmeldungen mit gesperrten Autobahnen oder Staus auf der Autobahn.

Es war ein furioses Finale der Eröffnungsveranstaltung durchaus ebenbürtig. Und da die Erinnerung überwog herrschten Moll Töne vor die erst in Dur gewandelt wurden, als der fest verwurzelte Glaube an eine Metropole Ruhr artikuliert wurde.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Gelsenkirchen

 


Hier noch unsere Gallery zur  Veranstaltung.

[Alle Fotos auf dieser Seite © Linde Arndt]

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Herkules und die wahren Größen fon net Revier de wat andere Bilanz Teil 1

Seit gestern thront der Herkules zwar auf Nordstern, doch dat is nur`n Symbol für de wahren Größen von net Revier. Nicht die gigantischen Skulpturen oder die neuen „Wahrzeichen“ sind die lokalen Größen (neudeutsch Local Heroes), nein sie sind nur die Symbole auf unserer gemeinsamen Fahne!

Da waren es nicht nur die etwa 5.500 Veranstaltungen aller Größenordnungen. Da waren nicht nur Millionen von Menschen auf der Straße und haben gefeiert. Trotz aller Leitsätze der Kulturhauptstadt die Protagonisten herausgegeben haben, nein der Satz „Wandel durch Kultur“ beschreibt nicht wirklich was innerhalb dieses Jahres mit den Menschen hier passiert ist.

Daisy hatte pünktlich zu Beginn das Jahr der Kulturhauptstadt eingeläutet (eingeschneit) und als sich die ersten Knospen aus dem noch gefrorenen Boden dem Revierhimmel entgegen reckten, da brach sie auf die Kraft von 5,3 Millionen Menschen.

Keimlinge
Nachdem sich die ersten Gesichter noch etwas verdutzt ansahen, da wurde allen klar wir stehen auf dieser Bühne ganz vorne im Rampenlicht! Die Menschen aus den 53 Städten, die unter dem Dach der Kultur zusammen auf der Bühne standen bemerkten nun im Herzen etwas ganz eigentümliches.

Unsere UrGroßeltern haben die Integration von verschiedenen Volksgruppen und Stämmen durch lebt und dieses Ruhrgebiet zu dem gemacht was bisher alle kannten. Irgendwann zwischen den sechsziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist dieses Pflänzchen mit aller politischen Macht verschüttet worden. Jede Stadt, jede Gemeinde wollte immer größer, breiter und höher bauen und arbeiten.

Als die IBA vor zehn Jahren anfing diesen Keimling „Kultur“ auszugraben, hatten nach ihrer Beendigung die Politiker der Region nix anders zu tun als wieda mit dat Haun und Stechen anzufangen un wat is dabei raus gekommen? Nix!!!

Visionen ausse Trümmer
Doch aus den politischen Trümmern der IBA haben einige Trümmerfrauen und -männer
eine neue Vision ans Tageslicht gebracht. Diese wurden auch anfangs von Allen im Revier etwas belächelt. Wir, eine Kulturhauptstadt? Doch als dann die Entscheidung für das Revier fiel, setzte sich mehr und mehr das Bewußtsein durch, ach weisse machen wa ma! Denn die Enkelkinder stellen fest; Da wa doch noch wat, wat war dat noch ma??? Die
Solidarität, unsere Sprache, unser Lebensgefühl!!!

  

Mensch wenn die Kicker von net Revier gegen einander spielen, dann dafse die Dorffahne hoch halten aber nich wennet um dat Ganze geht. Da gibbet nur einen Sturm un ein Tor auf dat wir stürmen. So ganz langsam begreifen die gewählten Vertreter ebenso wie der Amtsschimmel, was eigentlich im letzten Jahr hier im Ruhrpott so abgelaufen ist. Dabei stellt auch der Eine oder Andere fest, wenn ich auf das Schild gehoben wurde und ich keine gute Arbeit mache, dann kann ich ziemlich schnell wieder vom Schild fliegen. Viele Menschen in der Region leiden heute noch unter der SuperGebietsreform von 1975.

Die Reform von damals wurde getrieben von der Sucht nach noch mehr Größe, Macht und Zentralismus von den bis dahin schon großen Städten. Daher stellen sich immer mehr Menschen im Revier die Frage; wann wird aus dem Siedlungsverband endlich ein Ruhrparlament? Wann sprechen wir auch politisch mit einer Stimme?

Da haben manche Schildsteher die Rechnung ohne unsere Mädchen gemacht. Den „Petra“ konnte es nicht abwarten und mußte schon zum Finale das Jahr EINS nach 2010 mit Schnee und Frost versorgen. So zeigt uns die Natur wieder einmal auf ihre Weise was sie damit bezweckt, wenn im Winter vieles entschleunigt und in sich gekehrt zur Ruhe kommt. Wir haben jetzt ein Jahr lang wunderbar gefeiert und unsere Solidarität unter Beweis gestellt. Diese Gemeinsamkeit brauchen wir jetzt ganz dringend, wenn wir den Amtsschimmel vor den Pflug spannen und die Felder neu bestellen wollen.

Bis denne und Glück Auf

Will Rumi

 

Update: Ruhr.2010 das Finale 2010

[jpg] Es durchdringt uns alle aus dem Pressekorps und die Ruhr.2010 Machern eine tiefe Wehmut. Sind es in diesem Jahr doch die letzten Gespräche die notwendig sind um ein Finale für das Kulturhauptstadtjahr zu begleiten. Zuerst sollte es ja eine Abschlussfeier werden, nur was soll man als abgeschlossen sehen, was erst ein Impuls oder gar ein Fanal gewesen war.

Es muss und soll weiter gehen, so lange bis eine Metropole Ruhr sich etabliert hat. Gezeigt hat sich diese Metropole ja und zwar mit allen ihren Facetten die in ihr schlummerten. Es war ja alles da und musste nur freigelegt werden, wie Bürgermeisterin Leidemann von Witten sagte, es brauchte eine Klammer die das Ganze im Zusammenhalt zeigte und zeigen konnte.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und damit wird der Titel Kulturhauptstadt Europas an Turku in Finnland und Tallin in Estland für 2011 übergeben werden. Es war ein berauschendes Jahr 2010 mit der Metropole Ruhr und manchmal reichten uns die 24 Stunden des Tages nicht aus um alles aufzunehmen und damit umzusetzen.

Wer erinnert sich nicht an die Eröffnungsfeier mit dem Unwetter Daisy, welches dem Ruhrgebiet soviel Achtung und Respekt in der ganzen Welt einbrachte. Trotz dieses Unwetters kamen Tausende auf Zeche Zollverein um die Eröffnung zu feiern. Im internationalen Pressezentrum saßen die ausländischen Vertreter staunend herum und fragten ihre deutschen Kollegen, ist das normal bei euch?

Ja es war und ist normal bei uns. Und dann die vielen, vielen kleinen Projekte die die Kreativität und Fantasiebegabung der  "Ruhries" zeigten, alle wurden sie freundlich bis begeisternd aufgenommen. Ob das nun 2-3 Strassen, B1|A40, Ruhratoll, Grand Tour, Starke Orte oder auch das etwas größere Projekt Emscherkunst war, sie wussten alle überzeugend die Vielfalt der Metropole Ruhr in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Denken wir aber auch an die Großprojekte wie Schachtzeichen, Day of Song und letztendlich auch das Still-Leben. Die Bewohner der Metropole Ruhr zeigten was in ihnen steckte, 60.000 Sänger auf Schalke und rund 3 Millionen beim Still-Leben auf der A40. Alltagskunst pur, als tausende von Tischen und Bänken an einer Linie aufgereiht von ihren Bewohnern okkupiert wurden. Da kam Freude auf, viele fielen sich in die Arme und machten das was sie schon immer machten, sie feierten zusammen und zeigten ihre Ecken und Kanten, liebenswert und einnehmend. Ja, die Städtepartner der Ruhrgebietsstädte aus Europa und der Welt kamen und feierten mit, der europäische Gedanke feierte gleich mit und zeigte damit: Wir sind weltoffen!

Die Bilder gingen um die ganze Welt, die Volksrepublik China widmete diesen Ereignissen eine ganze Zeitung um nur mal die exotischste Zeitung zu erwähnen-wer hätte das gedacht.

Und die Presse? Ruhr 2010 hatte bis heute rund 120.000 Artikel in den unterschiedlichsten Medien, da gab es Radio, das Fernsehen, Print- und die Onlinemedien. Die Berichte und Artikel über die Ruhr2010 waren in den Statistiken immer in den Rennerlisten.

Nur einmal stockte uns der Atem, ausnahmslos allen, die Ereignisse der Loveparade stürzte uns in einen tiefen Krater der Trauer. Es war ja eine Ruhr.2010 Kooperation welche die nun 21 Toten und viele Verletzte und Traumatisierte hervorbrachte. Ruhr 2010 übernahm sofort die moralische Verantwortung für diese Katastrophe, drückte sich nicht und verhielt sich so wie das Ruhrgebiet das schon immer getan hatte. Die Bergwerkskatastrophen im Ruhrgebiet im vorigen Jahrhundert, da wurden die Verantwortungen nicht verweigert. Und dieses Verhalten  haben auch viele Menschen in der Region für richtig erkannt und setzten die Ereignisse der Loveparade nicht mit dem Kulturhauptstadtjahr gleich.

Wie gesagt, das Jahr ist fast zu Ende und es soll ein Finale geben, welches die Eröffnung nicht in den Schatten stellt, jedoch ihr in nichts nachsteht. Es soll ein Rückblick, eine weitere Darstellung aber auch ein Ausblick sein.

     
     

Die Hauptveranstaltung findet unter Beteiligung der Ministerpräsidentin des Landes NRW, Hannelore Kraft und des Landtagspräsidenten NRW Eckhard Uhlenberg am 18. Dezember im Nordsternpark Gelsenkirchen  statt.
Inszeniert wird die Veranstaltung wiederum von Gil Mehmert der auch für die Eröffnungsveranstaltung  Regie führte.

Es wird ein Finale mit fünf Akten an vier Orten geben.
Der WDR und 2010lab werden das Finale live übertragen und zu den anderen Orten schalten. Wieder etwas was es so noch nicht gab.

Am Nordsternpark wird ein Eintritt von 5,– Euro verlangt, da dort die Besucherzahl begrenzt ist. [Noch sind ca. 1.000 Karten verfügbar] An allen anderen Orten ist der Eintritt frei.

Nun zu der Organisation im einzelnen:

Prolog zum Finale:

[Den Flyer zur Veranstaltung können Sie sich hier ansehen und ausdrucken]

Die Urbanatix (Wir berichteten) stellt gut eine Woche vorher mit seinen Weltklasse Akrobaten in der Jahrhunderthalle in Bochum den Prolog dar. Hier werden die ersten Bilder und Motive aus dem Kulturhauptstadtjahr von jungen europäischen und internationalen Akrobaten mit ihren Ruhrgebiets Akrobaten Kollegen umgesetzt. Showtermine unter urbanatix.de.

Am 14. Dezember um 20:00Uhr diskutieren Ute Schäfer, NRW Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Frauke Burgdorf, Vorstand Montag Stiftung Urbane Räume gAG, Dr.Oliver Scheytt,Geschäftsführer Ruhr.2010 GmbH, Mag. Gottfried Wagner, Ministerialrat im Bundesminsterium für Unterricht, Kunst und Kultur in Wien sowie Ulrich Deuter, Redakteur K.West. Moderation: Vasco Boenisch (WDR) im Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr.

Thema: Und nun? 2011-neue Perspektiven für das Ruhrgebiet?

Finale

Vorab wird erst einmal am 17. Dezember das neue Wahrzeichen der Metropole Ruhr, der Herkules (18 Meter hoch und 23 Tonnen schwer) von Markus Lüpertz auf dem Dach des ehemaligen Schacht II der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen feierlich bei Anbruch der Dunkelheit enthüllt. 103 Meter Höhe hat der Turm danach.

Gelsenkirchen am 18.Dezember von 17:15 – 18:20 Uhr Hauptprogramm

Die Festreden sind kaum verhallt schon beginnt die Show. Es wird ein großer Bogen gespannt, der von der Bewerbung über die einzelnen Projekte bis hin zum Ende des Kulturhauptstadtjahres reicht. In fünf Akten wird von der Bewerbung in Brüssel, über die Vorbereitungen, den einzelnen Projekten bis hin zu einer Metropole Ruhr zur Aufführung gebracht. Auch die Loveparade findet Eingang in diese Show, denn es soll nicht verdrängt werden. Bühne ist der Förderturm der ehemaligen Zeche Nordstern. Es wird filmisch und beleuchtungsmäßig ein Schiff die Zeche erfassen und auf eine wundersame Reise aufbrechen, dessen Ziel die Metropole Ruhr sein sollte.

Gelsenkirchen am 18.Dezember von 16:30 – 20:30 Uhr rund ums Amphitheater

Stimmungsvoll werden Emscher und der Park im Amphitheater mittels Lichtinstallationen und einem großen Lagerfeuer in Szene gesetzt. Es werden einzelne Highlights des Kulturhauptstadtjahres präsentiert die mit der Original Starlight Express-Band aus Bochum einen Musical Rahmen setzt.


Dortmund am 18. Dezember von 12:00 – 22:00 Uhr Dotmunder U

Steigen sie dem U auf´s Dach. Das Restaurant View auf dem Dach hat ein umfangreiches Bühnenprogramm vorbereitet. Die Dortmunder Philharmoniker und das Musiktheater Dortmund lassen sich neben der Glen Buschmann Akademie sowie dem Weltmusik-Ensemble Chantik im View blicken. Aber auch im Außenbereich ist ein umfangreiches Programm für den Besucher.
Ausstellungen im "U" runden das Ganze ab.

Per Public Viewing wird das Finale aus dem Gelsenkirchener Nordsternpark übertragen.


Foto: © Herzog & de Meuron

Duisburg am 18.Dezember von 16:30 – 19:30 Uhr Museum Küppersmühle, Innenhafen

Duisburg – Hafen der Kulturhauptstadt so inszeniert sich Duisburg und nimmt seine Bürger und Besucher mit.
Chöre des !Sing-Day of Song, zwei Schachtzeichen und zehn Stil-Lleben Tische erinnern an die Großprojekte im Mai und Juli. Viele Gäste aus mehreren Städten sind eingeladen ihre Kulturhauptstadtgeschichten auszutauschen. Musik und Kabarett werden das Ganze abrunden.
Ach ja, und die inzwischen weltweit bekannten Bräute aus Marxloh werden auch noch einmal im Duisburger Innenhafen auftreten.

Die Performance Ithaka bringt Licht und Wasser, Projektionen mit Rezitationen und Musik zusammen um große ruhige Bilder zu zeichnen. Der Leitgedanke "Entschleunigung" prägt das aufgeführte Stück, welches mit grenzüberschreitender Musik arbeitet. Kontemplativ wird am Ende der Performance die Katastrophe der Loveparade mit einbezogen.

Per Public Viewing wird das Finale aus dem Gelsenkirchener Nordsternpark übertragen.

Essen am 18.Dezember von 16:30 – 20:10 Zollverein, Sanaa Gebäude
 

Bevor die Folkwang Uni mit dem Fachbereich Fotografie und Design in das Sanaa Gebäude in 2011 einzieht wird aus dem Kubus des Sanaa Gebäudes noch einmal eine riesige 360 Grad Projektionsfläche erstellt. Innen und außen wird das Gebäude mit eindrucksvollen und abwechslungsreichen Programmen bespielt.
Essen schaut zurück auf das Jahr 2010; denn Essen war der Bannerträger des Kulturhauptstadtjahres. Der positive Zuspruch den auch Essen erlebt hat ist Ausdruck für die Bedeutung der Kultur in der Stadt als auch in der Region und ein nicht wegzudenkender Imagefaktor.

Griduo "Quadrangle" Performance, Zeche Zollverein from Jan Pauly on Vimeo.

Live Musik auf der Kubus Bühne, Autorenlesungen auf der Containerbühne, Ballett des Aalto Balletts im Sanaa Gebäude, Projektionsperformance mit Licht und Musik am und um das Gebäude und Poetry-Slam auf der Containerbühne, ein mehr als nur alltägliches Programm.

Gäste aus vielen Städten nehmen an zehn Still-Leben Tischen Platz um sich noch einmal zu begegnen und ihre Erlebnisse auszutauschen.

Per Public Viewing wird das Finale aus dem Gelsenkirchener Nordsternpark übertragen.

Und wenn wir alle am Abend nach Hause gehen oder zu einem anregenden Gespräch noch auf dem Gelände verweilen, so sollten wir eines aus diesem Jahr gewonnen haben: Miteinander geht es besser und ist auch spannender. Die 53 Städte des Kulturhauptstadtjahres mussten nicht ihre Identität aufgeben um mit einer anderen Stadt etwas zu machen.Alle Städte waren immer unverwechselbar Teil des Ganzen. Der Metropole Ruhr. Die Ruhr 2010 hat viele Türen zur Metropole Ruhr aufgemacht, nur jetzt müssen die Städte selber über die Schwelle gehen und das dürfte ja nicht so schwer sein. Ein Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt, 2010 wurde dieser ersten Schritt gemacht. Die Bevölkerung hat ihn wie selbstverständlich gemacht, sie hat das getan was sie schon immer getan hat, sie hat ihre Zugehörigkeit zu dieser Region gezeigt und zwar mit einem starken Signal. Sie hat im Zusammenhang mit der Loveparade Katastrophe aber auch gezeigt, dass sie klare Werte hat und haben möchte. Auf Still-Leben haben sie gezeigt, dass sie es miteinander können, ohne Vorurteile wurden Gemeinsamkeiten und die Vielfalt des Ruhrgietes sichtbar. Jetzt ist die Politik dran, sie kann nicht einfach so weitermachen. Ein erster Schritt könnte sein, einen Regierungsbezirk Metropole Ruhr zu organisieren. Die Regierungsbezirke Münster, Arnsberg oder Düsseldorf können nicht unvoreingenommen die Interessen des Ruhrgebietes vertreten, die Grundkonflikte sind zu groß. Und der RVR ist noch zu schwach.
2011 wird es noch eine Ruhr2010 als Ruhr2011 geben aber eben auf Sparflamme. Viele Projekte werden noch organisatorisch begleitet um eine Nachhaltigkeit zu erreichen. Auf der anderen Seite ist die zukünftige Aufgabe Metropole Ruhr ein Dekadenprojekt, vielleicht wird ja 2020 noch einmal ein Still-Leben organisiert, wer weiß.

Der Südkreis mit den Städten Schwelm, Ennepetal, Gevelsberg und Sprockhövel sollte in diesem Zusammenhang eines gelernt haben, interkommunale Zusammenarbeit bedarf der Inhalte und Persönlichkeiten die der Sache "Netzwerk" dienen. Das renommierte Prognos Institut hat den EN-Kreis als Gebiet erkannt in welchem Potenzial vorhanden ist, welches aber auch noch verspielt werden kann. Vorsicht!

Voneinander Lernen sollte im Vordergrund stehen, und damit entsteht ein großes Ganzes. Und die Aufgaben der Zukunft werden um ein vielfaches größer sein, so dass eine Kommune wie die vier vorgenannten diese nicht mehr alleine stemmen können. Der heutige Vorteil einer einzelnen Kommune wird zum Nachteil wenn das Land zwangsweise andere Einheiten schafft, weil die bestehenden Einheiten keine Perspektiven haben. Einheiten auf freiwilliger Basis haben jedoch einen großen Vorteil, sie behalten ihre Identität und das sollte man aus dem Kulturhauptstadtjahr gelernt haben.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Gelsenkirchen


Kleine Galerie der Pressekonferenz und Besichtigung des Rohbaus Zeche Nordstern bis Stockwerk 18
Hier wird am 17./18.12.2010 der Herkules als neues Wahrzeichen montiert.
[Fotos: © Linde Arndt]

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