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Oberhausen ist Neapel? – Nicht ganz!

[jpg] Die Uraufführung von "Gisela! oder: die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks" einer Oper von Hans Werner Henzes am 25.September 2010 in der Maschinenhalle Zeche Zweckel in Gladbeck kann man sowohl als merk- als auch als denkwürdig bezeichnen.Damit erreicht das von der Ruhr2010 initiierte und der Ruhrtrienale zur Aufführung gebrachte "Henze Projekt" seinen absoluten Höhepunkt.

Vorab: Es ist von der Form her keine Oper, zumindest wenn man die Einheit der einzelnen Elemente einer Oper zu Grunde legt. Henze, hielt sich jedoch nie an Definitionen. Er wilderte in allen Gärten um einen Inhalt zu transportieren oder zu verdeutlichen. So wurde dieses Werk auch als Musiktheaterstück angekündigt welches unter der musikalischen Leitung von Steven Sloane und der Regie von Pierre Audi zur Uraufführung gebracht wurde, wobei Hans Werner Henze selbst anwesend war und mit begeistertem Applaus begrüßt wurde. Henze zeigte auch sichtlich seine Rührung für die ihm dargebotene Hinwendung.

Die Handlung ist relativ einfach und kurz erzählt:

Gisela reist mit ihrem Verlobten oder Freund nach Neapel um dort Studien vorzunehmen. Gisela für die Kunstgeschichte und ihr Freund für die Vulkanologie. In Neapel will Giselas Freund ihr einen Heiratsantrag machen.Dort angekommen treffen beide auf Gennaro, der  als Reiseführer sein Studium finanziert und sich so durchs Leben schlägt. Gisela verliebt sich in Gennaro, der ihre Liebe auch erwidert. Beide kommen überein nach Oberhausen zu fahren um dort, wenn er Oberhausen genauso lieben kann  wie Neapel, ihr Liebe zu festigen. In Oberhausen angekommen erleben sie jedoch die Ablehnung ihrer Beziehung. Da sie nicht wissen wohin, übernachten sie auf dem Bahnhof. In einem Kampf, der durch den Widersacher angezettelt wird, der die Liebenden auseinander bringen soll, siegt Gennaro. Dieser Sieg führt dazu das der Vesuv in Oberhausen ausbricht, der eine Wolke von dunkler Asche über die Landschaft legt. Die Liebenden sind vereint.

             
   Hanna Herfurtner, Fausto Reinhart, Michael Dahmen, Ensemble © Ruhrtriennale 2010: Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks/Ursula Kaufmann  

Diese vermeintlich einfache und banale Geschichte ist auch das Problem dieses Musiktheaterstückes welches die Begeisterung für das Gesamtwerk doch in Grenzen erscheinen lies. Das Libretto von Michael Kerstan und Christian Lehnert spielt in einer Zeit ( 60er Jahre ) die so nicht mehr darstellbar sind, weil wir heute mehr über diese Zeit wissen. Es ist aber auch nicht möglich diese Dreiergeschichte so in die heutige Zeit zu transportieren; denn die Thematik, Deutsche möchte Italiener heiraten, ist im 21.Jahrhundert noch subtiler geworden. Dazu kommen noch die Örtlichkeiten, Neapel als eine "unregierbare" Stadt und Oberhausen als eine ehemalige Stadt, die nur das Image einer Kohle- und Stahlstadt  zu bieten hat und heute zu einer sich suchenden Stadt avanciert. So landet die Geschichte auch immer wieder im Klischeehaften um zumindest ein kleines bisschen Farbe in die Story zu bringen.
Da ist das triste Grau des Bühnenbildes und der Kostüme von Christof Hetzer, welches nur durch die szenischen Darbietung der Commedia dell’arte, sowohl in der italienischen Szene als auch in der deutschen Szene unterbrochen wird. Die drei großen schwarzen Kuben, die sich für szenische Elemente öffnen stehen doch sehr bedrohlich im Bühnenbild. Es wird dem Zuschauer ein gewisses Gefühl der Enge vermittelt, welches leicht Ängste freilegen könnte.Ängste wofür?

Die Ängste verstärken sich noch in den Videosequenzen die die Alpträume von Gisela darstellen. Die Gewaltsequenzen in den Videos bewegen sich in einem Grenzbereich der  die Frage, soll das so enden, zwar nicht verlässt aber doch stark überzeichnet. Harlekin beraubt seiner Leichtig- und Fröhlichkeit oder der geknebelte Pulicinella ( Gennaro) der seiner Sprache beraubt wird, soll verdeutlichen was wir, die Deutschen, verlieren können.

Ja, wir verlieren alle, wenn wir die Identität des Anderen nicht achten. Aber haben wir nicht alle unsere Probleme mit dem Anderen? Machen wir es uns nicht immer wieder bequem in den Klischees die wir bedient haben wollen?

           
   Hanna Herfurtner (l.), Ensemble, Michael Dahmen (r.) V  

"Gleich knallt´s" , so möchte man als Zuschauer sagen. Und tatsächlich es knallt, der Vesuv bricht in Oberhausen aus und es legt sich ein grauer Ascheregen über die Szene. Und aus der Szene bricht das Bunte und (vielleicht?) Versöhnliche durch die  Akteure heraus indem sich eine neue (tolerantere?) Gesellschaft in der Mitte darstellt. Und in dieser Mitte können sie das sein, was sie immer schon wollten sich nur lieben und damit leben.

Henzes Musik sollte von, für und mit den Jugendlichen zur Aufführung gelangen. Er verstärkt und überspitzt mit seiner Musik die einzelnen Stationen der Handlungen. Gisela, Hanna Herfurtner (Sopran) spielt ein einfaches deutsches Mädchen und wird immer wieder durch Henzes Musik an die Hand genommen, ja diese Musik legt sich verständnisvoll um sie. Sie möchte ja nur ihren Traum erfüllt sehen, den Prinzen schlechthin zu bekommen. Herfurter spielt die Rolle sehr gut und weiß durch ihre Stimme zu überzeugen. Gennaro, Fausto Reinhart (Tenor), er ist der listige, schwatzhafte aber auch irgendwie liebenswürdige Italiener, der der Liebe zu Gisela erliegt. Für ihn gibt es keine Probleme. Nach Oberhausen ziehen? Na und, ich wollte schon immer Germanistik studieren so sagt er. Er ist aber auch der Beschützer Giselas, eben ein "richtiger" italienischer Mann.

                       
   Fausto Reinhart, Hanna Herfurtner © Ruhrtriennale 2010: Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks/Ursula Kaufmann  

Die Musik Henzes begleitet ihn in unverhohlener Sympathie, was Reinhart stimmlich spielend bis an die Grenzen des Heldentenors kommen lässt. Tja, und dann ist da noch der Spießer Hanspeter Schluckebier, Michael Dahmen (Bariton) der Antipode von Gennaro. Er, der nichts dem Zufall überlässt, alles bis ins kleinste plant und die Strippen im Hintergrund zieht um die neue Beziehung Giselas zu hintertreiben – ist eben der totale Spießer, typisch deutsch. Hanspeter klebt förmlich an Gennaro und Gisela um den Moment der Rache herbeizusehnen. Dahmen spielt diese Rolle so überzeugend  eckelhaft, die Stimme durchdringt die Szene. Er saugt quasi die Naivität von Gisela und Gennaro auf um sie sodann in seinem Hass stimmlich umzuwandeln.

Von Henze ist man es gewohnt, dass er die Rollen reflektiert um sie sodann mit seiner Musik zu verstärken und  die szenischen Besonderheiten besonders herausarbeitet um sie zu verdeutlichen. Nur verselbstständigt sich manchmal ein Stück weit die Musik selber. Kalkül?

Die stark überarbeiteten Bachstücke, die harmonisch konträr zur Szene stehen, können nur als Versuch gewertet werden, Sehnsüchte zu verdeutlichen. Nach einer alles ordnenden Macht?

Der Jugend-Kammerchor der Chorakademie Dortmund mit seinen Solisten war ein stimmlich gut anzuhörender Chor, der –  bedenkt man die kurze Probenzeit – hochprofessionell auftrat. Der Chor war aber nicht nur Chor, sondern hatte noch andere Elemente in dem Stück umzusetzen. Außerdem brachte der Chor auch klare reine Solistimmen mit ein.

Unter der Leitung von Steven Sloane spielte das Orchester der MusikFabrik einen Henze der keinen Wunsch offen liess. Die Regie von Pierre Audi kann man nicht als glücklich ansehen, hat er doch nicht erkannt, dass die Handlung der 50er und 60er Jahre heute evtl. nicht mehr verstanden wird. Neapel heute eine total heterogene Stadt wo das Soziale kaum mehr Platz hat wie es Jean Baudrillard  in seinem Werk so treffend beschreibt. Gennaro könnte heute einer von den jungen Gewalttätigen aus dem Norden Neapels sein, der sozial entwurzelt, durch Gisela zu dem findet was der Jugend in Neapel heute fehlt, zur Liebe. Warum fährt der Zug heute nicht anders herum, von Oberhausen nach Neapel? Die Musik Henzes gibt das allemal her. Deshalb, Neapel ist Oberhausen – nicht ganz.

 

Weitere Spielzeiten:
Do. 30.09.2010  19:30 Uhr
So. 03.10.2010  19:30 Uhr
Mi.  06.10.2010  19:30 Uhr
Frei. 8.10.2010  19:30 Uhr

andere Termine – ausverkauft, s. auch http://www.ruhrtriennale.de/de/programm/2010/gisela/

Jürgen Gehardt für EN-Mosaik aus Gladbeck.

 

Hier noch einige Fotos von der Uraufführung:
[Fotos: © Linde Arndt]

 

Ein beschwingter, heiterer Premierenabend im Theater Hagen

 

[jpg] Es deutete sich in der Pressekonferenz am 20.September im Theaterkaffee schon an, es sollte eine reizende und erfrischende Premiere werden. Mit Florian Ludwig (Musikalische Leitung), Ricardo Fernando (Choreographie und Inszenierung), Peer Palmowski (Kostüme und Bühnenbild) sowie Maria Hilchenbach (Dramaturgie) stellte sich ein Team vor, welches nicht besser für das Ballett Moliere sein konnte.

      
  v.l.n.r.: Maria Hilchenbach (Dramaturgie) / Peer Palmowski (Kostüme und Bühnenbild) / Florian Ludwig (Musikalische Leitung) /  Ricardo Fernando (Choreographie und Inszenierung)                                           Foto: © Linde Arndt  

Da der erste Teil der Aufführung, "Le disperazioni del Signor Pulcinella", von Hans Werner Henze war, wurde von dem Team eine gewisse Traurigkeit artikuliert, dass Henze zum Hagener Premierenabend am Freitag nicht kommen konnte, zumal dieses Stück dem Henze Projekt der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 gewidmet ist. Und wie es sich so ergab, trafen wir Hans Werner Henze zwei Tage später in Gladbeck, wo er seine neue Oper "Gisela! oder: die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks"  in einer Pressekonferenz vorstellte (Wir berichteten darüber). Es war nicht schwer Hans Werner Henze zu überzeugen, dass das Theater Hagen sich freuen würde, wenn er zumindest an der Hauptprobe teilnehmen könnte, zumal er seine Neufassung von 1995 noch nie selber gesehen hatte. Es wurden kurz Termine umgelegt und Henze kündigte sein Kommen in Hagen an. Wir fanden es ist immer wieder für jedes Haus ein Ansporn, eine Ehre und  Freude im Beisein des Komponisten dessen Aufmerksamkeit für das Werk zu haben. Dies wurde uns auch in der Premierenfeier von Generalmusikdirektor Ludwig und dem Choreographen Fernando bestätigt.

Um das Ballett "Moliere" weitergehend verstehen zu können, sollte man sich in die Zeit versetzen als es entstand, das 17. Jahrhundert. Die Person Moliere war in der französischen Gesellschaft eine total widersprüchliche Person. Auf der einen Seite hatte Moliere die "Gunst" Ludwig des XIV, einem absoluten Herrscher, auf der anderen Seite bekämpfte die Gesellschaft  Moliere mit allen Mitteln bis hin zum Rufmord. Da der König ihn schützte konnte Moliere sich am Hof des Königs halten. Was hatte Moliere getan? Nun, einesteils hatte er die französischen Theatertraditionen der "Farce" mit der italienischen Tradition der "Commedia dell’ Arte" vereinigt und andererseits hatten seine Stücke als Akteure den gemeinen Mann, den Bourgeois, also den Bauer, den Kaufmann usw.. In vielen seiner Stücke ist indirekt aber auch direkt dieser einfache Mann sogar der Held und der Adelige ist der Dumme. In der damaligen Zeit gab es schlicht und ergreifend kein Volk in der Geschichtsschreibung. Und überhaupt gab es in der Geschichtsschreibung Frankreich erst ab dem 17. Jahrhundert. Moliere war es zu verdanken das er Frankreich animierte sich seiner Geschichte zu besinnen und damit letztendlich zu einer eigenen Identität zu kommen.

Moliere war für mich ein Universalgenie, so reiste er mit dem berühmten Scaramouche durch Frankreich und erarbeitete seine Komödien und brachte sie zur Aufführung. Es blieb nicht aus, dass diese Theatertruppe auch in Paris auftrat, wo sie auch direkt Gesprächstoff in der Gesellschaft war. Es war nur ein kurzer Weg und Moliere war am Hof Ludwig des XIV. Dort kam er mit dem Italiener Giovanni Battista Lulli, der sich in Frankreich verständlicherweise Jean-Baptiste Lully nannte, zusammen. Fortan arbeiteten beide zusammen. So weit einige wenige Hintergrundinformationen.

Das Ballett Moliere das in Hagen zur Aufführung gebracht wird gliedert sich in zwei Teile.
Der erste Teil "Le disperazioni del Signor Pulcinella" (Die Verzweiflung des Herrn Pulcinella) ist der Henze Teil. Man muss die Musik Henzes, die im übrigen sehr wohl "hörfähig" ist, nicht verstehen, man muss sich nur auf die Handlung und die Musik einlassen und schon bekommt man eine spannende und anregende Handlung vorgesetzt, die man nicht mehr missen möchte. Also zurücklehnen, Augen und Ohren auf und auf sich einwirken lassen. Denn Henzes Musik begleitet und verstärkt die Erzählung.

Die Handlung:

Herr Pulcinella (Andre Baeta), ein einfacher aber reicher Mann, ist mit Smeraldine (Hayley Macri), aus der gehobenen Gesellschaft, verheiratet. Smeraldine betrügt ihn mit Salvatore Lupino einem Kavalier der ihrem Stand angemessener erscheint. Pulicinella merkt dies, zumal die Beiden ihre Betrügereien nicht gerade versteckt ausüben, und beschwert sich bei seinen Schwiegereltern Herrn Bellavista (Leszek Januszewski) und Frau Bellavista (Giulia Fabris). Smeraldine ist jedoch eine gewiefte Betrügerin und dreht den Spieß einfach um indem sie die Treue Pulcinellas in Frage stellt. Dies bewirkt nun, dass Pulcinella unglaubwürdig wird. Als Pulcinella Salvatore und Smeralda in Flagranti erwischt holt er seine Schwiegereltern um sie mit dem Beweis zu konfrontieren. Das Ergebnis ist für Pulcinella ernüchternd – er wird verhöhnt und ausgelacht. In seiner Verzweiflung sieht er nur einen Ausweg – den Freitod.  In einem anderen Leben findet er nun zu dem zurück, wonach er sich so sehnte, der einfachen und reinen Liebe.

     

André Baeta      
Fotos: Foto Kühle; Rechte theaterhagen

 

Hayley Macri, Marcelo Moraes  
Fotos: Foto Kühle; Rechte theaterhagen          

   

Baeta (Pulcinella) tanzt einen Leidenden der nicht nur überzeugt, man leidet förmlich mit und möchte am liebsten auf die Bühne springen um ihm zu Hilfe zu eilen. Rührend wie er sich um Smeraldine kümmert. Hayley Macri (Smeraldine) stellt dieses "Biest"  dar indem sie zwar Pulcinella nicht ganz abweist (denn sein Geld ist ihr ja gut) aber doch klar sich für Salavatore (Marcello Moraes)  entscheidet, der ihr mehr gesellschaftlichen Glanz verspricht. Marcelo Moraes als Salvatore könnte die Oberflächlichkeit der gehobenen Gesellschaft nicht besser darstellen. Ihm ist es egal ob Smeraldine verheiratet ist, er lebt nur dafür eine neue Eroberung gemacht zu haben. Liebe ja, aber doch nur bis zum Bett. Mit Leszek Januszewski (Herr Bellavista) und Giulia Fabris (Frau Bellavista) tanzen zwei Schwiegereltern die nur das Aufgesetzte lieben, es ist lachhaft was sie zu bieten haben, nämlich nur Äußerlichkeiten. Diese Gesellschaft die Pulicinella in den Tod treibt kann sich der Verachtung sicher sein. Tänzerisch wird durch kurze Schrittfolgen und Hebefiguren sowohl das Leid als auch in einer anderen Szene die Zerrissenheit sehr gut dargestellt. Die Konfliktsituationen werden in ihrer Dramatik sowohl tänzerisch als auch musikalisch exzellent umgesetzt. Hier zeigt sich die Stärke von Henzes Musik wenn sie gut umgesetzt wurde, das Publikum brennt darauf einzugreifen.


Der zweite Teil des Abends ( es ist eine Uraufführung)  gliedert sich in drei Teile und ein Rahmenteil:

Auf der Bühne steht ein riesengroßes Buch, welches aufgeschlagen, also erzählt, werden will.
Jean Baptiste Moliére (Marcello Moraes), Louis XIV (Vladimir Freitas) und Jean-Baptiste Lully erscheinen auf der Bühne und kommen überein die Erzählungen Moliéres zu inspizieren, die Musik ist hier von Richard Strauß.

Le Bourgeois gentilhomme (Der Bürger als Edelmann), Musik: Jean Baptiste Lully

                       
              Ensemble                                                                       Fotos: Foto Kühle; Rechte theaterhagen  

Jourdain (Leszek Januszewski) ein reicher einfacher Bürger will aufsteigen, sein Status ist ihm nicht gut genug. Er will sich die Regeln der Adligen aneignen. Dazu will er fechten, tanzen und  musizieren lernen. Keine geringeren als Louis XIV( Vladimir de Freitas) Lully (Shaw Colemann) und Moliére (Marcelo Moraes) wollen ihm das beibringen. Aber es klappt nicht, er ist ein wahrer Tollpatsch. Unbemerkt von seinen Bemühungen hat sich seine Tochter Lucile (Yoko Furihata) mit Cleante (Malthe Clemens) nicht nur befreundet, sondern sie wollen gar heiraten. Nur Jourdain und seine Frau (Noemi Martone) sind gegen diese Verbindung, weil diese für sie nicht standesgemäß ist. Cleante und sein Freund Dorante (Andre Baeta) überlisten jedoch Jourdain indem sie sich als Prinz und dessen Abgesandter ausgeben um Jourdain den Titel eines Paladins anzutragen und verlangen dafür Lucile als Frau. Jourdain fällt darauf herein und gibt die Hand seiner Tochter dem Prinzen. Die Liebenden haben sich gefunden. Die Moral von der Geschichte: Schuster bleib bei deinen Leisten.
              

Januszewski entwickelt einen Tollpatsch und einen Neureichen der nicht nur überzeugt, nein mit diesem komödiantischen Talent treibt er einem die Tränen vor lachen in die Augen. Er stolpert von einem Fettnäpfchen in das andere. So ist es nicht verwunderlich das Cleante ihn auch überlisten kann. Wunderbar und reizend erzählt.

               

Le Malade imaginaire (Der eingebildete Kranke) Musik: Darius Milhaud

      
   Ensemble                                                                       Fotos: Foto Kühle; Rechte theaterhagen  

Argan (Matthew Williams) ein Hypochonder hat nur seine Krankheiten im Sinne. Diese Krankheiten werden immer mehr, die Kosten für diese Krankheiten jedoch auch. So kommt Argan auf den Gedanken seine Tochter an einen Arzt zu verheiraten, was diese jedoch nicht will, sie liebt einen anderen. Argan soll sich tot stellen um in den nun folgenden Gesprächen herauszuhören, wer ihn wirklich liebt. Es stellt sich heraus, dass nur seine Tochter ihn wirklich liebt, als er als vermeintlich Toter die Gespräche mithört. Argan überlässt nun seiner geliebten Tochter die Wahl des Ehemanns.

Es ist schon eine Freude wie ein Matthew Williams (Argan) sich als eingebildeter Kranker mit seinem Krankenbett über die Bühne fahren lässt. Immer wieder tanzt er szenisch über die Bühne und hopst und plumpst zum Abschluss in sein Krankenbett, nicht ohne vorher das überdimensionale Thermometer in den Mund zu stecken. Mit großen Augen schaut er auf seine ihn versorgenden Krankenschwestern. Und diese Krankenschwestern haben es doch recht leicht mit ihm und seinen vermeintlichen Krankheiten. Ein bisschen abhören, ein bisschen antippen und schon ist eine neue Krankheit diagnostiziert.  Eine Phase der Genesung gönnen sie ihm allerdings nicht, schon wackeln sie wieder zu ihm hin. Die Szene könnte gut und gerne in einem Schönheitsinstitut, nein, es heißt ja heute einer plastischen Chirugie,spielen. Für diese Art von Kranken gibt es in der Regel kein Entkommen.

Dom Juan ou le Festin de pierre (Dom Juan (Spanisch Don Juan)) Musik: Christoph Willibald Ritter von Gluck 

       
     Carla Silva, Leszek Januszewski               



               Fotos: Foto Kühle; Rechte theaterhagen



 

Dom Juan (Leszek Januszewski) hat Elvire (Carla Silva) entführt und will sie heiraten um sie danach wieder fallen zu lassen. Dom Juan ist ein Mensch der keine Normen kennt und ewig Grenzüberschreitungen begeht. So ist es nicht verwunderlich das er keine Freunde hat, jedoch unzählige Feinde. In Elvire hat er jedoch zum ersten mal eine Frau die seinem drängenden Werben widerstehen könnte. Dieser Widerstand stachelt ihn jedoch nur an; denn ein Nein kennt ein Don Juan nicht. Letztendlich kommt es wie es kommen muss, die ehemals Herabgesetzten treten auf um über ihn zu richten.

In diesem Moment steht Jean Baptist Moliére auf und findet sich mit dem sich abzeichneten Ende der Geschichte nicht ab. Er bricht die Geschichte ab.

Leszek Januszewski und Carla Silva zeigen in ihrem  Pas de deux sehr anschaulich den Kampf um eine Moral und die guten Sitten. Das sich fordernde Nehmen und das sich wehren um und gegen die Moral. Zügelosigkeit auf der Seite von Juan der aber nur die  Ehrlosigkeit des anderen erbringt. Das Vereinen wollen und doch nicht können, drückt sich in vielen Figuren der Beiden aus. Eine sehr ausdrucksvolle Darbietung die nur durch das Eingreifen Moliéres beendet wird. Tja, Moliére konnte anscheinend nicht alles ertragen, wie man an seinem Lebenslauf auch sehen konnte.

Das große Buch wird geschlossen, die Geschichten sind erzählt. Vielleicht haben sie den Einen oder Anderen nachdenklich gemacht. Berührt haben sie auf jeden Fall.

Die Vorstellung endete mit tosendem Beifall und nicht endend wollenden Verbeugungen der Akteure.

Das Ballett war ein durch und durch Spitzenballett, das Corps war gut aufgelegt und brachte in Verbindung mit der Musik beste Erzählkunst in  Form einer Komödie aber auch Tragödie dem Publikum dar. Die Kunst Komödie mit der Tragödie zu vereinen ist nicht jedem vorbehalten, das Hagener Ballett hat es jedoch geschafft. Auch wurden Ansätze mit unserer heutigen Gesellschaft offensichtlich aufgezeigt. Erwünscht? Lassen wir es stehen. Dank an  eine hervorragende Leistung aller Beteiligten. Und diese Beteiligten wurden anschließend nochmals in der folgenden Premierenfeier berechtigterweise vom Intendanten Norbert Hilchenbach gewürdigt.

   
  Hans Werner Henze (Zweiter v.l. zweite Reihe) bei seinem Besuch im Theater Hagen                                                  Foto: Foto Kühle  

 Weitere Vorstellungen:

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Hagen.

 

 

 

Wenn man das will, dann ist es kein Traum

[jpg] Ein Aspekt von vielen geht mir durch den Kopf wenn ich an meine Arbeit mit dem Kulturhauptstadtjahr denke. Der Aspekt der Vielfalt in der Metropole Ruhr. Wobei es für mich eine Selbstverständlichkeit ist, und das seit langem, dass es diese Metropole Ruhr gab und gibt. Es ist aber nicht eine Metropole wie Paris mit seiner „Île-de-France“ oder London mit seiner „Metropolitan Area“ die beide mit einem dominierenden Zentrum manchmal erdrückend wirken, sondern diese Metropole Ruhr ist fein säuberlich austariert.

Würde man die kleinen Städte oder Kreise aus der Metropole Ruhr entfernen und nur die großen Städte belassen, so entstände ein Moloch welcher  der Metropole seinen Reiz nehmen würde. Ich denke da immer an eine bunte Blumenwiese, die deshalb so schön erscheint weil sie nicht nur das fein gemähte Gras hat, sondern die vielen unterschiedlichen Blumen und Kräuter zum erblühen bringt.

Die Bevölkerung genießt diese Vielfalt, ja, sie betrachtet diese Vielfalt als eine Selbstverständlichkeit. Und weiter, für die Bevölkerung ist die nächste Stadt ähnlich einem Stadtteil. Die Politik mag jedoch diesen Status nicht akzeptieren und tut sich schwer die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Da spielen so manche Blüten aus dem Bereich des Besitzdenkens eine große Rolle. Auch ist bei den Stadtoberen der kleineren Städte und Kreise ein gewisser Neid gegenüber den großen Städten vorhanden, obwohl sie stolz auf ihre Städte und Kreise sein könnten. So ist es auch immer wieder zu beobachten, wie sich einzelne Städte und Kreise unterschiedlich präsentieren aber auch unterschiedliche Persönlichkeiten hervorbringen, die es verstehen ihre Stadt oder ihren Kreis nach vorne zu bringen. Sie alle stehen in Konkurrenz zueinander und entwickeln unterschiedliche Geschwindigkeiten in ihrer Entwicklung, was der Metropole Ruhr jedoch nicht abträglich ist.

 
So durften wir im Landkreis Unna ein neues Projekt der Ruhr 2010 erfahren, den „Celloherbst am Hellweg 2010“, welches sich dieses Jahr dem „Henze Projekt“ zuwendet indem sich viele Künstler dem Werk Hans Werner Henze widmen. 40 Konzerte mit 30 Ensembles an 45 Tage in 25 Städten und an 35 Spielorten.

 Eine beachtliche Leistung für einen Landkreis.  Diese verdient es näher betrachtet zu werden. Der Kulturkreis der Unnaer Wirtschaft e. V. mit seinem 1. Vorsitzenden Klaus Moßmeier lud zum Presse-gespräch ein um das diesjährige Cellofestival „Celloherbst am Hellweg“ vorzustellen.

   

Anwesend waren auch:
Steven Sloane, Künstlerischer Direktor „Stadt der Künste“, Ruhr.2010 GmbH, 
Felicitas Stephan, Cellistin, Künstlerische Leitung Celloherbst am Hellweg,
Uli Bär, Intendant Celloherbst am Hellweg
Axel Sedlack, Kulturhauptstadtbeauftragter Ruhr2010 GmbH

            

v.l.n.re: Axel Sedlack / Felicitas Stephan / Uli Bär / Klaus Moßmeier / Steven Sloane           Foto: © Linde Arndt
   

Unna will mit diesem Festival nicht in Konkurrenz zu den Konzerthäusern treten, vielmehr will man eine Ergänzung zu den schon bestehenden Konzerten sein. Dafür spricht auch das das Cellofestival nur alle 2 Jahre stattfindet und zwar im Wechsel mit dem  auch alle 2 Jahre stattfindenden Jazzfestival „Take Five“.

Der Landkreis Unna hat mit den 25 Städten aus dem Ruhrgebiet bis ins Münsterland eine intensive Partnerschaft erarbeitet. Jede Stadt hat dazu in eigener Verantwortung die Ausrichtung eines oder mehrerer Konzerte in die Hand genommen. Der Landkreis Unna musste nur den Oberbau wahrnehmen.

         
  v.l.n.re: Klaus Moßmeier / Steven Sloane  / Felicitas Stephan / Uli Bär                                    Foto: © Linde Arndt  

Unna ist aber auch selber als Spielstätte mit dabei. Es ist dadurch gelungen hervorragende internationale, regionale Künstler und  auch Nachwuchskünstler so zu kombinieren, dass uns die Resonanz auf dieses Festival  mit Freude erfüllt, so Klaus Moßmeier. Wir finden es gut wenn heute durch das Kulturhauptstadtjahr dem Festival eine weitaus größere Beachtung zukommt. Denn durch das Kulturhauptstadtjahr wird auch die Kommunikation im künstlerischen Bereich befördert, meinte Uli Bär. Steve Sloane findet es fantastisch wie in dieser Region solch ein Festival auf die Beine gestellt wurde. Er betonte, dass Hans Werner Henze als regionaler Künstler von der Ruhr 2010 favorisiert wurde, weil er nicht nur als bedeutender Komponist der Gegenwart Bestand hat, vielmehr ist er auch als Mittler und Moderator zwischen der Musik, den Künstlern und seinem Publikum hervorgetreten. Dieses Wirken entspricht im Grunde dem Gedanken des Kulturhauptstadtjahres. Henze trat aber auch als Förderer auf, der manch einen Nachwuchskünstler ja sogar Kinder und Jugendliche auf den Weg gebracht hat.

Insofern kann man die Arbeit von Henze nicht genug würdigen; denn sie wird sich in der Zukunft in manch einem Künstler zeigen. Wichtig ist das Cellokonzert „Ode an den Westwind“ in Unna von Henze aber auch die kleineren Konzerte die sich in den einzelnen Spielstätten hören lassen. Uli Bär erinnerte noch an die internationale Henze Nacht die die Kunstakademie Münster am 8.Oktober aufführt. Hier werden Studierende und Lehrende der Musikhochschule Münster das künstlerisch hohe Niveau zur Aufführung bringen.

Neu ist auch, dass mit Rebecca Carrington & Colin Brown die Comedy zu dem Festival gestoßen ist. Aber auch der Jazz findet Eingang in das Festival. Gewinnen konnte man auch einen Weltstar wie Steven Isserlis der mit seinem Duopartner Ian Brown Werke von Schumann und Britten in Unna Massen zur Aufführung bringt.

Ein besonderes Anliegen bei diesem Festival: Es soll die Vielfalt des Cellos zur Geltung kommen. Nicht unerwähnt sollte sein, dass die Spielorte alle einen besonderen Reiz im Zusammenhang mit dem Konzert entfalten. Die Vielseitigkeit des Programms, bedingt durch die schier unendlichen Kombinations- und Einsatzmöglichkeiten des Cellos, bietet für den Musikinteressierten interessante Programme und viele neue Hörerlebnisse an außergewöhnlichen Spielorten. Cello im Autohaus, Cello in der Sparkasse, im Möbelhaus, im Förderturm, in der Scheune und im Internationalen Lichtkunstzentrum – aber auch Cello im Herrenhaus, auf dem Schloss und in der Kirche.

Die Termine im Einzelnen:

25. September 2010  20:00 Uhr – Eröffnungskonzert in Unna Massen, Unna Massimo Theatersaal Die 12 Hellweger Cellisten werden die Luft unter der Leitung von Prof. Matias de Oliveira Pinto zum schwingen bringen. Mit dabei sind Sabine Brunke (Sopran) Zelotes Edmund Toliver (Bass) und Gäste.

26. September 2010
18:00 Uhr geht es weiter in der Kirche Maria zur Höhe in Soest.  Wieder treten die 12 Hellweger Cellisten mit den aus dem Eröffnungskonzert bekannten Künstlern auf.

30. September 2010 20:00 Uhr im Stiftsaal, Eulenstrasse 10 in Frönderberg Frieder Berthold, Violoncello & Carlo Levi Minzi, Klavier, werden ein „Concerto Italiano“ darbieten.

30. September 2010 20:00 Uhr Gelsenwasser, Viktoriastrasse 34 in Unna Rastrellis – das weltbeste Celloquartett werden vom Barock bis zum Free Jazz die Zuhörer mitreißen.

30. September 2010 20:00 Uhr Schloß Horst, Turftstrasse 21 in Gelesenkirchen Por el Tango –Tangogrüße aus New York eine musikalische Reise mit Karin Eckstein, Bandeon, Maxine Neumann, Cello und Peter Ernst, Gitarre.

1. Oktober 2010
20:00 Uhr  im Trauzimmer Marina Rünthe, Hafenstrasse 12, Bergkamen Wiederholung des vorgenannten Auftritts.

1. Oktober 2010 20:00 Uhr  Burg Vischering, Berenbrok 1in Lüdinghausen Kontraste –Musik von Bach bis Henze. Matias de Oliveira Pinto präsentiert Suiten von Bach und einer Serenade von Henze.

1. Oktober 2010  20:00 Uhr evangelische Christuskirche, Viebahnstrasse 13 in Wickede (Ruhr) Marta Carmo do Espirito Santo, Cello, Mazeus Dela Fonte, Gitarre und Vitor Diniz, Flöte als Poetrio Brasilis verwandeln Klänge in Poesie.

1. Oktober 2010  19:30 Uhr Kunstwerkstatt am Hellweg, Wattenscheider Hellweg 9 in Bochum Henze und Friends so überschreiben die beiden Künstler Martin Rummel, Violoncello und Andreas Kern, Klavier ihr Konzert.

1. Oktober 2010  19:30 Uhr Evangelische Kirche St. Simon und Judas Thaddäus, Kirchplatz 1 in Bad Sassendorf Lea Rahel Bader, Violoncello die Meisterin auf dem Barokcello wird begleitet von Jia Lim am Cembalo.Bach, Gabrielli,Coupen und Geminiani kommen zur Aufführung.

2. Oktober 2010  ab 19:00 Uhr Zentrum für internationale Lichtkunst, Lindenplatz1 in Unna Kammermusiknacht mit dem Rimsky-Korsakow Quartett, Vadim Neselovskyi, Kai Adomeit, Martin Rummel, Felicitas Stephan und Frieder Berthold für die Zuhörer.

3. Oktober 2010 19:00 Uhr Schloß Westerwinkel, Horn-Westerwinkel in Ascheberg-Herborn Streichquartett auf dem höchsten Niveau mit dem Rimsky-Korsakow-Quartett.

3. Oktober 2010 20:00 Uhr  St.Petri-Kirche, Petrikirchhof 19 in Soest Konzert für Cello,Orgel und Chor in Soests ältester Kirche mit der Soester Stadtkantorei, Marijke Gonnissen, Violoncello und Els Biesemans an der Orgel.

7. Oktober2010 20:00 Uhr  Rohrmeisterei, Ruhrstrasse 20 in Schwerte Trio Bamberg wird eine Sternstunde der Kammermusik zelebrieren, es musizieren Robert Benz, Klavier, Jewgeni Schuk,Geige und Alexander Hülshoff, Cello.

8. Oktober 2010
20:00 Uhr  Saal Sandgathe, Südstrasse 4 in Ahlen Trio Bamberg. Wiederholung des Konzertes.

8. Oktober 2010 20:00 Uhr Kunstakademie Münster, Leonardo-Campus 2 in Münster Internationale Henze Nacht, Begegnungen: Alt trifft Neu Matias de Oliveira Pinto, Professor der Musikhochschule Münster wird Werke von Bach und Vivaldi mit den Henze Werken zur Aufführung bringen.

9. Oktober 2010 20:00 Uhr Stadthalle Unna, Parkstrasse 44 in Unna. Die Neue Philharmonie Westfalen wird unter der Leitung von Generalmusikdirektor Mathias Förster Dvoraks „Aus der neuen Welt“, Isang Yuns Bara und Henzes „Ode an den Westwind“ mit Jan-Filip Tupa, Violoncello spielen.

13. Oktober 2010  18:00 Uhr Harenberg City Center, Königswall 21, Dortmund Deutsche Meisterwerke:Henze,Beethoven,Brahms und Clara Schumann werden von Felicitas Stephan (Violoncello) & Kai Adomeit (Klavier) interpretiert.

17. Oktober 2010  12:00 Uhr Burg Botzlar, Botzlarstrasse 1 in Selm Wiederholung des Dortmunder Konzertes

 

21. Oktober 2010 20:00 Uhr Montanhydraulik, Bahnhofstrasse 39 in Holzwickede Werke von Robert Schumann, der Jubilar 2010, werden durch das Folkwang Ensemble mit dem Cellisten Alexander Hülshoff aufgeführt.

23. Oktober 2010
20:00 Uhr  Förderturm, Am Bahnhof 7 in Bönen Das Christof Söhngen Trio, mit Christof Söhngen (Gitarre), Jörg Brinkmann (Cello) und Patrick Hengst (Schlagzeug) präsentiert den melodisch zeitgenössischen Jazz und präsentiert seine CD „Aussicht“

24. Oktober 2010
16:30  Märkisches Museum, Husemannstrasse 12 in Witten Wiederholung des Bönener Konzerts vom 23.Oktober

23. Oktober 2010
20:00 Uhr  Emil Schumacher Museum, Museumsplatz 1 in Hagen „Grenzüberschreitende Klangfarben“ ist ein ungewöhnliches Programm mit spannender, temperamentvoller und leidenschaftlicher Musik. Das Kammerorchester der Musikschule Münster wird geleitet von Professor Matias de Oliveira Pinto. Als Solistin tritt die Cellistin Felicitas Stephan auf.

24. Oktober 2010
  17:00 Uhr Hansesaal, Kurt-Schuhmacher-Strasse 41 in Lünen Das Hagener Konzert vom 23. Oktober findet seine Wiederholung

27. Oktober 2010
   20:00 Uhr Schloss Heesen, Schloßstrasse 1 Hamm Johannes Moser (Cello) und Paul Riviniu (Klavier) wird mit „Werke von Henze & Chopin – Neue Musik für eine Metropole“ die Zuhörer in seinen Bann ziehen.

28. Oktober 2010  20:00 Uhr Haus Kupferhammer, Belecker Landstrasse 9 in Warstein Das Programm von Hamm vom 27.Oktober kommt zu einer Wiederholung.

29. Oktober 2010 20:00 Uhr  Wilhelmshöhe, Schwitterweg 29 in Menden Die 12 Hellweger Cellisten mit Zelotes Edmund Toliver (Bass) und Sabine Brunke (Sopran) lassen das Konzert des Jahres erklingen. Ein Bogen mit Werken von Bach über Schubert und Henze bis Piazzolla und Villa-Lobos wird präsentiert.

1.November 2010  17:00 Uhr (Allerheiligen) Gemeindezentrum Kreuzkirche, Am Mathagen 41 in Schalksmühle Wiederholung des Mendener Konzertes vom 29.Oktober

30. Oktober 2010 19:00 Uhr Werner-Richard-Saal, Wetterstrasse 60 in Herdecke „Begegnungen – von Haydn bis Henze“ nennt das Rossignol Quartett sein Konzert.

1. November 2010
18:00 Uhr Lindenbrauerei, Massener-Strasse 33-35 in Unna „Cello & Jazz auf Weltniveau“ mit Lars Danielsson (Cello & Bass), John Pariccelli (Gitarre) sowie Zohar Fresco (Drums & Percussion).

2. November 2010
20:00 Uhr Kurhaus Bad Hamm, Ostenallee 87 in Hamm Das Konzert vom 1. November in Unna findet eine Wiederholung.

3. November 2010 20:00 Uhr Unna Massimo, Theatersaal, Wellersbergplatz 1 in Unna-Massen Der Weltstar am Cello Steven Isserlis bringt mit seinem Duopartner Ian Brown Werke von Schumann und Britten. Ein weitgespanntes Repertoire mit einem Fokus auf weniger bekannte Werke.

6. November 2010
17:00 Uhr Emscherquellhof in Holzwickede „Die Emscher-Das Musical für alle Sinne“ aus dem Projekt „Henze For Kids“. Es ist eine West-Side-Story light, wobei die zugrunde liegende Liebesgeschichte auf der ehemaligen Zeche Caroline spielt.

7. November 2010
17:00 Uhr Haus Füchten, Füchtenstrasse 1 in Ense Das Duo Casals mit Felicitas Stephan (Violoncelleo) und Wolfgang Lehmann (Gitarre) wird die Seele der Zuschauer bei einem „Kerzenscheinkonzert“ berühren.

9. November 2010 20:00 Uhr  Lindenbrauerei, Kühlschiff, Massenerstrasse 33-35 in Unna

  „Me and my Cello“, Rebecca Carrington (Cello) & Colin Brown (Gesang und Schauspiel).

Cello und Kabarett & Comedy, geht das? Es geht hervorragend! Musik kann auch was für die Lachmuskeln sein, von schmunzeln bis lauthals lachen so kann es gehen wenn dieses Duo mit „Joe“ dem Cello auftreten. Das war es. Aber es finden auch noch Kinderkonzerte & Workshops in den Grundschulen von Unna, Soest und Lippstadt unter demTitel: „Der Geigenbauer von Cremona“statt. Karten erhalten Sie entweder in den Kulturabteilungen der aufgeführten Städte oder aber über die Internetadresse www.celloherbst.de sowie an den Abendkassen.

Was uns an diesem Festival so begeistert sind die vielfältigen Dialoge zwischen den einzelnen Städten sowohl interkulturell als auch interkommunal.

Das Zusammenführen von Wirtschaft und Kultur führt zu einem starken Impuls für den Landkreis Unna und darüber hinaus.

Der EN-Kreis hat sicher mit Ulrike Brux eine Persönlichkeit die solch ein Festival angehen könnte; denn mit dem Ibach Haus aber auch neuerdings mit dem Industriemuseum in Ennepetal hat sie zwei starke kulturelle Events organisiert die begeistern. In unserem EN-Kreis gibt es sicher noch weitere Mitstreiter die sich aufgerufen fühlen würden solch ein Event mit zu stemmen.

Es hat rund 10 Jahre gedauert bis die jetzige Organisation im Landkreis Unna stand, wobei das diesjährige Festival „Celloherbst“ eine Vorbereitungszeit von 1 Jahr hatte.

Ein Glücksfall für dieses kleine Netz des Landkreises Unna war dieses Jahr, das es  unter das weit größere Netz der Ruhr.2010  agieren kann. Und das ist es was uns der Gedanke des Kulturhauptstadtjahr sagen will: Knüpft vielfältige Netze mit denen ihr die gemeinsamen kulturellen Aufgaben bewältigen könnt. Viele, viele kleine Knoten ergeben ein großes Netz, welches wie hier zu einem sicherlich berauschenden Festival führt.

Wie sagte Steven Sloane auf der Pressekonferenz: Wenn man das will, so ist es kein Traum. Recht hat er.

 
     v.l.n.r: Steven Sloane / Jürgen Gerhardt
Foto: © Linde Arndt

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Unna

Das Nichts erfahrbar zu machen -“Element X”

[jpg] Als ich bei den Buddhisten in Düsseldorf das Meditieren erlernen wollte, kam ich in eine Diskussionsrunde, in der japanische Zen Mönche mit Christen über die japanische
und europäische Philosophie diskutierten. Was mich damals faszinierte war die Bedeutung des "Nichts" in der japanischen als auch asiatischen Philosophie.
Dieses Nichts ist ein Zustand den ein Mensch erreichen kann, wenn er in absoluter Vergeistigung verharrt. Alle Dinge, Gefühle, Erfahrungen fallen von ihm ab und er ist "nur" er selbst, eben der Urzustand seiner Gattung als sie geschaffen wurde. Es ist nicht der Nihilismus europäischer Prägung, wie etwa bei Nietsche oder Heidegger beschrieben, er, der europäische Nihilismus ist nur die Verneinung. Das Nichts der asiatischen Philosophie ist ein Endzustand auf dem Weg zur Menschwerdung, er ist quasi die Krönung des zu Ereichenden. Damals hatte ich erfahren, wie viele Gespräche notwendig sind um einander zu verstehen und sogar eine gemeinsame Sprache zu entwickeln. Die damaligen Diskussionen wurden nach zwei Jahren eingestellt, die Teilnehmer dieser Runde hatten erkannt, dass es andere Formen der Kommunikation bedurfte um zu einem Miteinander zu kommen. Was wir erreicht haben, wir waren uns nicht mehr fremd und hatten eine gewisse menschliche Nähe entwickelt.

An diese Erfahrung dachte ich als ich am 24.4.2010 nach Dortmund ins Harenberg City Center eingeladen wurde um der Premiere des Tanzabends "Element X" nach der Choreographie von Xin Peng Wang und der Idee, Konzeption und dem Szenario von Christian Baier beizuwohnen. Element X ist aber auch Bestandteil des Henze Projekts der Ruhr 2010.

Das Dortmunder Ballett wurde begleitet von Hans-Werner Huppertz mit der Gitarre sowie der Musik von Hans-Werner Henze der bekannte Stücke der Klassik und Pop Musik neu interpretiert hatte und multimedial in den Abend einfließen ließ.

Selbstredend, dass in solch einem Haus kein Orchester Platz finden konnte, sondern nur der Gitarist Huppertz konzertant anwesend war.

 

  Das Publikum fand sich in der Eingangshalle in kleinen zufälligen Gruppen ein, kein Zeichen wann die Aufführung beginnen sollte.

Keine Plätze,  die Positionen waren zufällig durch den Einzelnen eingenommen worden. Freundlich lächelnd tauschte man gerade noch Gedanken aus, als eine Vierergruppe in schwarz gekleidet und weiß geschminkt, also gesichtslos würdevoll und ruhig den Raum betrat.

Sie fixierten den einzelnen Besucher mit ihren Augen, suchten ihn und mischten sich sodann unter die Menge.

Aufgeregt liefen sie durch die nun teilweise freien Räume, die Besucher wichen zurück. Es waren die Spiegel unserer täglichen Handlungen in denen wir uns so wichtig nehmen und die doch so leer sind. Irritationen breiteten sich aus. Sie nehmen uns auf mit unseren Gedanken, Gefühlen und Wünschen. Sie sind das fünfte Element, der Äther oder die Leere, nicht sichtbar und fassbar, die gefüllt werden muss und doch immer unter uns ist. Musik erklingt, die Kompagnie tritt auf – die Vorstellung. Da löst sich ein Tänzer, steigt in den Aufzug und entschwindet gestikulierend und kommt zurück. Was hat er gesehen, was entdeckt?

  Ortswechsel. Wir werden in den Amphisaal gelockt. Dort das klassische Romeo und Julia Ballet, nach der Musik, Royal Winter Music Nr.2, von Henze. Nur wo ist Julia? Wird etwa Julia unter uns sein? Nein.

Pantomimisch sucht der Solist sein Gegenstück oder das was er dafür hält. Er ist alleine. Die Musik "Echo-Canzone und Ciaconna" von Cazzati lässt ein Gefühl der Sehnsucht aufkommen. Ortswechsel. Es ist noch nicht gefunden was wir suchen.

Ist es denn  hier? Was suchen wir überhaupt? Die TänzerInnen sind wie kleine Geister, geduldig und nicht belehrend. Vertrauen entsteht. Sie zeigen uns die Grenzen der Räumlichkeiten auf, sie machen erst Räume erfahrbar. Flure, Treppen und Freiflächen, die wir so nie wahrnehmen und doch immer durchschreiten. Sie sind öffentlich, für jeden begehbar, weit, um Massen von Menschen durchzulassen. Eine Episode am Wegesrand wird nur außerhalb des Sichtfeldes erfasst, stört uns aber nicht in unserer Suche. Suche nach was? Und immer weiter geht es. Geduldig führt man uns. Der Aufzug bringt uns in die oberen Stockwerke, 18 Stockwerke hat das Harenberg-City-Center. Ein enges Zimmer, tausendfach gibt es diese Zimmer, standardisierte 10 qm. Oder mehr? Eine Schale mit Sand, ein Tisch, Licht und ein Panoramablick auf Dortmund. Ist es das was wir suchen, den Raum außerhalb? Henzes second Sonata aus seiner Royal Winter Music untermalt die Szene mit der Gitarre. Gespannt hören wir und ertragen die Enge.

Die Zeit rinnt dabei durch die Hände. Unsere Zeit? Die ach so kostbar und mit der wir doch nicht so recht was anfangen können. Es sind immer wieder die gleichen Dinge die wir Tag für Tag machen, eine endlos Schleife.

Wer programmierte uns nur? If else ohne Variable. Selbst die Gefühle sind standardisiert, die Begrüßung durch Umarmung geübt und angewendet. Was ist eigentlich Leben? Was ist Liebe? Nur Begriffe ohne Bedeutung, inhaltsleer? Der Sand rinnt weiter, hinter dem Gitaristen steht sie. Wer ist das? Wie eine Wächterin, mahnend. Bedenke! Die Zeit ist um, wir müssen weiter.

Stillstand ist bei uns nicht vorgesehen – nicht programmiert. Und doch kommen wir nicht weiter.
Die Endlosschleifen durchbrechen – die Autonomie über das Handeln wieder erlangen. Andere Inhalte. Räume überspringen um in Räume zu gelangen die unser Sein wieder mit Sinn erfüllt.

 

Auf der Brücke, dazwischen, Schreie des Schmerzes und der Lust, die keine Lust ist. LaBarbara Songs 1-10 ertönen. Das suchen und nicht finden hört nicht auf. Ermattung breitet sich aus. Die Besucher sind nun über das ganze Gebäude verteilt, Verharren auf allen Etagen und verfolgen gebannt das Geschehen im Foyer. Auf den Galerien und Brücken erwarten wir nun die Botschaft, schmerzhaft haben wir es gesehen, was fehlte. Ist die Suche nun beendet? Nein!
Die Suche ist dann beendet wenn wir das Fehlende benennen können und uns wieder mit ihm verbinden. Henzes Royal Winter Music ertönt wieder im Foyer. Dort wo Romeo jetzt seine Julia findet. Sie ist es die das Fehlende besitzt, es ist in ihr wie in uns allen, das eigene Ich welches ungezwungen und frei agieren kann und sollte. Dieses Ich, welches ein wahres Füllhorn ist, so man es frei lässt. Dieses Ich kann lächeln, lächeln das man auch lächeln nennen kann. Dieses geheimnisvolle Lächeln, welches uns zu dem führt was uns Halt gibt, was unseren Handlungen einen Sinn gibt, der universellen Liebe.

Und da kommen wir wieder zurück zu dieser eingangs genannten Diskussion. Es gab eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Gruppen, den Christen als auch den Buddhisten. Bei den Buddhisten gibt es eine Buddhaschaft die in jedem von uns ist, man muss sich nur von den anhaftenden Dingen lösen.
 Die Christen haben eine Analogie indem sie dem Menschen das Göttliche zuschreiben, welches in jedem ist. Denn dadurch das nach der christlichen Lehre Gott den Menschen geschaffen hat ist er in ihm auch vorhanden.
 

 Nur der Mensch muss diese Eigenschaft auch zulassen. Er ist es der sich gegen sich selber stellt und verwirrt durch die Räume geht, immer auf der Suche. Warum sucht er nur? Hat er es nicht erfasst, dass er alles in sich hat? Muss er erst seinen Mitmenschen fragen um zu erkennen? Erfährt er es dann, so ist es für ihn nicht glaubhaft. Die Suche geht weiter. If else ohne Variable. Die Folge: Absturz.
Wir haben ein Ballett der Berührungen erlebt, was unser Seele berührt hat, zärtlich und manchmal etwas fordernd. Es war ein Dialog der in eine Interaktion mündete, staunend haben wir unsere Gegebenheiten erkannt, die ach so einfach aber auch so schwer auf unseren Erwartungen lasten. Es fällt uns schwer uns dem zu öffnen, was uns gut tut. So werden wir weiter hasten zu unserem nächsten Leid, welches uns niemals befriedigen kann.

Das Schlußbild im Pas de deux  geht mir nicht aus dem Kopf, wo das Paar sich nur imitiert aber nicht annähern kann. Wo die bewegungslose Seele des Tänzers ihre Wünsche artikuliert, welche in dem Tanz der Tänzerin ausgedrückt wird. Er, der Tänzer kann seine Seele jedoch nicht fassen und gibt verzweifelt auf.

Deshalb: Geben Sie niemals auf.

Info:

Weitere Termine:

2. und 13. Mai,
5. Juni,
2. und 3. Juli

Karten gibt es unter den Telefonnummern:

Service-Telefon 0231/90 56-166
Theater-Hotline 0231/5027-222

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Dortmund

Fotos: Björn Hickmann, Stage Picture, Linde Arndt, EN-Mosaik

Bilder der Gallery  Björn Hickmann, Stage Picture,