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Die Ambivalenz des Banalen – Katharina Fritsch im Folkwang Museum

Katharina Fritsch - Blick in die Ausstellung in der Villa Hügel Foto: (c) Linde Arndt

Katharina Fritsch – Blick in die Ausstellung in der Villa Hügel Foto: (c) Linde Arndt

[jpg] Wer kennt sie nicht, die einfachen Postkarten die eine heile Welt darstellten. Ein See, eine Kirche, ein Rathaus oder die gute alte Natur, es waren banale und rührselige Motive die uns alle bei Übersendung durch die Post berührten. Die Grüße, die mit dieser Postkarte übermittelt wurden, waren eigentlich egal.

Die weltbekannte Bildhauerin Katharina Fritsch, die in Essen geboren und aufgewachsen ist, nahm sich diese Postkarten, die ihr Großvater ihr hinterlassen hatte und die Ansichten ihrer Geburtsstadt Essen beinhalteten. Sie verband ihre persönlichen Erinnerungen mit den Essener Inhalten der Postkarten. Es sind Postkarten die Fritsch vergrößert und mit dem Siebdruck farbig verändert. Die ursprünglich schwarz/weiß Postkarten erhalten mit dieser Technik eine verschwommene Szene, die mit leichten Farben überdeckt wurden.

Katharina Fritsch im Museum Folkwang - 1. Gartenskulptur (Torso) Foto: (c) Linde Arndt

Katharina Fritsch im Museum Folkwang –
1. Gartenskulptur (Torso) Foto: (c) Linde Arndt

Für Fritsch sind es die Erinnerungen die sie mit den Motiven verbindet. Sie ist quasi auf der Suche nach dieser Zeit. Der Baldeneysee, ein für Fritsch Essener Ausflugsziel welches in der Erinnerung Gefühle hervorruft, die gesellschaftliche und persönliche Wahrnehmungen hervorrufen, die nicht so klar aber doch auf der emotionalen Ebene eine Mischung von unterschiedlichen Gefühlen hervorbringt. Überdeckt werden die Bilder mit Farben, die so könnte man meinen, der Pop-Art zuzuordnen sind, allerdings gehen diese Bilder weiter, denn das plakative steht nicht im Vordergrund.

Katharina Fritsch Blick in die Ausstellung im Museum Folkwang Foto: (c) Linde Arndt

Katharina Fritsch
Blick in die Ausstellung im Museum Folkwang Foto: (c) Linde Arndt

Es sind drei Räume die Katharina Fritsch belegt, 2 Räume im Folkwang Museum und ein weiterer Raum in der Villa Hügel. In allen Räumen gruppieren sich die Bilder um eine Skultur, die wie Wegweiser zu den Bildern wirken. Fritsch fand die Zeit in der die Bilder entstanden waren so widersprüchlich, zumal  der 2. Weltkrieg  kaum vorbei war. Das alltägliche und belanglose in seiner Darstellung und dem geschichtlichem Hintergrund der Bilder löst verständlicherweise keine klaren Emotionen aus, zumal dies Kindheitserinnerungen sind, aus einer schon vergessen gewähnten Zeit.

Katharina Fritsch wurde in Essen geboren, nach mehreren Stationen in Langenberg, Studium bei Fritz Schwegler an der Kunstakademie, hatte sie eine Professur an der Kunstakademie Münster, seit 2010 nahm sie eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf an, wo sie heute noch lebt und arbeitet. Katharina Fritsch hatte jedoch immer eine für sie unerklärliche Verbindung zu Essen gehabt, diese Ausstellung sollte ein Besuch ihrer Geburtsstadt sein.

Katharina Fritsch ist weit herum gekommen, St.Louis, London, Chicago, Zürich, Hamburg, K21 Düsseldorf, Tate in London, Basel, San Francisco, Biennale die Venezia, New York, Münster, Frankfurt am Main und Krefeld.

Zu dieser Ausstellung von Katharina Fritsch werden aus der Schenkung von 3.300 historischen Postkarten von Herbert Westphalen eine 30 minütige Videoschleife mit rund 250 Essen-Ansichten im Videoraum gezeigt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Oktober 2016 geöffnet. Die Videoschleife von Herbert Westphalen ist allerdings nur noch bis zum 17. Juli 2016 geöffnet.

Öffnungszeiten des Folkwang Museums:


Sammlung Museum Folkwang und Ausstellungen

Di, Mi 10 – 18 Uhr, Do, Fr 10 – 20 Uhr, Sa, So 10 – 18 Uhr
Feiertage 10 – 18 Uhr
Mo geschlossen

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Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen

Das Unsichtbare sichtbar machen

Taryn Simon

Taryn Simon Foto: © Linde Arndt

[jpg] Taryn Simon präsentiert im Folkwang Museum von ihr selber ausgesuchte, eigene Werke der Öffentlichkeit. Taryn Simon ist Inhaberin des Guggenheim Fellowship der John Simon Guggenheim Memorial Foundation seit 2001 für ihre Arbeit „The Innocents“.

Die US-Amerikanerin Simon präsentiert vom 9. Nov. 2013 – 2.März 2014 selbst ausgesuchte Bilder aus der Olbricht Collection des Sammlers Thomas Olbricht.
Es sind ihre drei umfangreichen Werkreihen:

  • A Living Man Declared Dead And Other Chapters
  • The Innocents
  • An American Index of the Hidden an Unfamiliar

aus denen die ausgestellten Exponate stammen.

Streng genommen ist Taryn Simon eine Fotografin, die mit ihrer Kamera Aufnahmen macht. Tatsächlich ist sie jedoch eine Konzeptkünstlerin mit Kamera, die das nicht gesagte, das stigmatisierte, tabuisierte oder auch vergessene Geschehen in die Öffentlichkeit bringt. Sie zeigt nicht die Handlung sondern das vergessene Ergebnis. Und das so, dass es im Kontext zum gesellschaftlichen Normen- und Wertegefüge steht. Dadurch wird der Verstoß gegen diese als gemeinsam erachteten Normen und Werte als Paradox sichtbar. Dem Besucher eröffnet sich die andere Welt jenseits der gemeinsamen, immer wider ritualisierten, Welt des angeblich Schönen, wo alles in Ordnung ist.

Taryn Simon erklärt ihre Werke  Foto: © Linde Arndt

Taryn Simon erklärt ihre Werke Foto: © Linde Arndt

In den USA existiert die Todesstrafe, die Rechtsprechung ist unstrittig rassistisch geprägt. Die sogenannten „coloured“ Angeklagten haben in den USA kaum eine wirkliche Chance auf einen fairen Prozess. Als die DNS Analyse in der Kriminalistik eingeführt wurde, überprüfte man auch die schon Verurteilten. Es stellte sich danach ein sehr hoher Prozentsatz von Fehlurteilen heraus. Aus diesem Grund haben viele Staaten der USA die Todesstrafe abgeschafft oder führten sie nicht mehr aus.

So suchte Taryn Simon die Unschuldigen auf und stellte sie in den Kontext zu dem Umfeld in dem sie angeblich dieses Verbrechen begangen haben sollten. Der Tatort wurde nun designt mit der Straftat und dem falschen Täter, der aber schon Jahre dieser Tat verbüßt hat. Es ist die Schande der Gesellschaft, die mit schlechten Fotos, Phantombildern, oberflächlichen Aussagen,  auf die Schnelle zu einem Urteil kam.

Die Fantasie führt uns zu der Tat und lässt uns erschauern über das Unrecht welches durch Unrecht gesühnt werden sollte.
“Meine Arbeit lebt auch von der Balance zwischen ästhetischer Konstruktion und konzeptuellem Hintergrund” , so Taryn Simon. Und so ist sie nicht nur Fotografin, vielmehr ist sie auch Journalistin,  die mit kühler Aufklärungsarbeit die anhaltenden Irrationalismen dieses Lebens aufzeigt.

Einige WerkeFotos Linde Arndt


Taryn Simon

There Are Some Who Are in Darkness
9. Nov. 2013 – 2. März 2014
Works from the Olbricht Collection,
Selected by the Artist

Eröffnung der Ausstellung: Fr, 8. November, 19 Uhr

Di bis So 10 bis 18 Uhr
Fr 10 bis 22.30 Uhr
Mo: geschlossen

Geöffnet:
Karfreitag, 1. Mai, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam,
3. Oktober, Allerheiligen, 2. Weihnachtsfeiertag

Geschlossen:
Heiligabend, 25. Dezember, Silvester, Neujahr

Besucherbüro Folkwang
T +49 201 8845 444
info@museum-folkwang.essen.de
Museumsplatz 1, 45128 Essen

Besucher- und Postanschrift
Museumsplatz 1, 45128 Essen




Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen

PUBLIC ART RUHR: DRITTE NEUENTHÜLLUNG in Essen

ruhrkunstmuseen-logo[5. September 2013, Essen]
TERMINKORREKTUR: Die NEUENTHÜLLUNG
verschiebt sich aus organisatorischen Gründen auf Freitag, 20. September 2013, 17:00 Uhr.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe NEUENTHÜLLUNGEN werden auf Initiative der RuhrKunstMuseen fünf ausgewählte Kunstwerke im öffentlichen Raum gereinigt, saniert und erneut eingeweiht. Zwei Werke – die von Isa Genzken und Gerhard Richter gestaltete U-Bahn-Haltestelle „König-Heinrich-Platz“ in Duisburg und Wolf Vostells „La Tortuga“ am Theaterplatz in Marl – wurden bereits unter großem Interesse der Öffentlichkeit präsentiert.

Raimund Kummer, Schwelle, 1987  Foto:  Andreas Ren, Bochum

Raimund Kummer, Schwelle, 1987 Foto: Andreas Ren, Bochum

Am 20. September 2013 wird um 17 Uhr das dritte Kunstwerk neuenthüllt (vormals angekündigt für den 19. September, 18 Uhr): Raimund Kummers „Schwelle“ in Essen (Emscher Park, Lohwiese 46). Für die Ausstellung „Im Auftrag – Kunst im öffentlichen Raum“, zu der das Museum Folkwang Künstler eingeladen hatte, Werke für die Stadt zu schaffen, realisierte der Bildhauer Raimund Kummer 1987 seine „Schwelle“. Inmitten eines wild bewachsenen Grundstücks ragt ein über sieben Meter hohes Tor in die Höhe. Mit zwei bewegbaren Flügeltüren kommt das Objekt einem Werkstor gleich und spielt auf die industrielle Vergangenheit der Region an. Doch wozu dient eine Tür, wenn es keinen Innen- bzw. Außenraum gibt? Eine Schwelle markiert eine Grenze, die ein müheloses weitergehen verhindert. Wer die Einladung zur Überschreitung der Schwelle annimmt, dem eröffnen sich neue Perspektiven. So steht Kummers Schwelle nicht nur für den Abschied von einer industriellen Vergangenheit, sondern zugleich für den Ausblick auf ein neues Zeitalter der Region, die im Wandel begriffen ist.

Anlässlich dieser NEUENTHÜLLUNG sprechen:
Prof. Dr. h.c. Walter Smerling, Sprecher der Projektgruppe Kunst im öffentlichen Raum
Dr. Mario-Andreas von Lüttichau, Kurator Museum Folkwang
Prof. Dr. Wolfgang Heit, Vorsitzender des Vorstands der Brost-Stiftung

DER KÜNSTLER IST ANWESEND.

Wieder zurück, dort wo sie hingehört

    [jpg] Da stand sie nun, die Figurine „Jeune fille debout“ von Aristide Maillol. 2012 war der Erwerb der Figurine, die Karl Ernst Osthaus 1904 erworben und anfangs als Leihgabe dem Essener Folkwang Museum überlassen hatte. Später in Zeiten der „entarteten Kunst“ der Nazis wurde sie zurück in den schützenden Privatbereich von Gerdrud Osthaus verbracht. Jetzt ist sie, die Skulptur, da wo sie immer hin gehörte, in der Sammlung der Familie Osthaus – dem Folkwang Anfangsbestand der Essener.
Es war Liebe auf den ersten Blick den das Ehepaar Osthaus gegenüber der Figurine „Jeune fille debout“ von Aristide Maillol empfand.

 Sie sahen diese zarte geschnitzte Holzfigur, die eine eher klassische Haltung aufweist. Wenn man sich in die Figur vertieft könnte sie genauso aus der Antike stammen. Maillol, neben Rodin einer der ganz Großen der europäischen Bildhauergeneration des 20.Jahrhunderts, wollte nicht nur eine schöne Skulptur schaffen. Vielmehr wollte er die scheinbar gegensätzlichen Begriffe wie „Natur und Idee“ einer Einheit zuführen, die er das Wahre und Reine nannte.

     

Die Figur ruht in sich selbst, schaut in eine ferne Welt die für den Betrachter eine unerreichbare Welt darstellt. Ihr leichter stolzer erhobener Kopf ruht auf einem relativ kurzen Hals der in einen Körper übergeht der nicht als klassisches Schönheitsideal gelten kann. Doch durch die Haltung strahlt dieser Körper eben diese idealtypische Schönheit aus, die wir so lieben. Die Figur wird von einem Hauch an Stoff umhüllt, der die kleinen aber festen Brüste umrahmt, Der Stoff scheint nach unten mit dem Körper zu verschmelzen, wobei er durch die linke Hand zusammen gerafft gehalten wird. Der Stoff dient in seiner Drapierung als Rahmen um der Figur die Leichtigkeit zu geben. Das linke Bein ist leicht nach vorne gebeugt, so als wenn sie sich für einen besonderen Anlass positionieren will. „Schaut her, ich bin es“, so will sie uns sagen. Ja sie spricht mit dem Betrachter den sie sofort gefangen nimmt. Es ist ein zweiter Effekt den die Figur erzeugt, man fühlt sich mit ihr angekommen. Die Rückseite zeigt eine gelockte Haarpracht die wie scheinbar mit der Bekleidung verschmilzt. Durch die Haltung könnte die Figur auch gerade einem Bad entstiegen sein. Es geht etwas berührendes von dieser Plastik aus und man versteht warum sich das Ehepaar Osthaus in diese Figur verliebt hat.

Aristide Maillol hat nicht viele Holzplastiken geschnitzt, man schätzt so an die 5 Plastiken, die außerdem Anfangs noch in den Bereich Kunsthandwerk verband werden sollten. Auguste Rodin setzte sich jedoch nachhaltig für Aristide Maillol ein, so dass wir heute auf ein umfangreiches Künstlerleben blicken können. Sein Einfluss wirkte auf die Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, Georg Kolbe, Arno Breker oder Constantin Brâncusi und Henry Moore, sie alle ließen sich von Maillol inspirieren.

   


Sponsoren und Museumsleitung vor der beeindruckenden Holzskulptur

 

So wusste der neue Direktor des Folkwang Museums Tobia Bezzola diese frühe Holzskulptur von Maillol als besondere erfreuliche Neuerwerbung zu begrüßen. Diese Neuerwerbung wurde ermöglicht durch die Kulturstiftung der Länder, des Landes Nordrhein – Westfalen, des Minsteriums für Familie, Kinder,Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kunststiftung NRW sowie der Eugen-und-Agnes-von-Waldthausen-Platzhoff-Museums-Stiftung. Deren Vertreter sämtlich anwesend waren.

Es ist irgendwie ein schönes Gefühl zu sehen wie etwas nach Hause kommt und sich wie in einer Familie einfügt.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen

Alle Fotos © Linde Arndt

Im Farbenrausch – Munch, Mattisse und die Expressionisten im Museum Folkwang

[Essen, 17. Oktober 2012]

Bereits 30.000 Besucher in der Ausstellung Im Farbenrausch – Munch, Matisse und die Expressionisten.

Nach nur knapp zwei Wochen verzeichnet die Ausstellung Im Farbenrausch – Munch Matisse und die Expressionisten bereits über 30.000 Besucher. Noch bis zum 13. Januar 2013 werden die bahnbrechenden Werke der „Fauves“, der Expressionisten in Deutschland und Edvard Munch in Essen gezeigt. Die Ausstellung wird präsentiert vom Museum Folkwang und der RWE AG.

Die Ausstellung stellt erstmals den Norweger Edvard Munch und die „Fauves“, die sogenannten Wilden in der französischen Kunst – Henri Matisse, André Derain, Maurice de Vlaminck –, den Expressionisten in Deutschland wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Franz Marc gegenüber.

Das Museum Folkwang weist auf die großzügigen Sonderöffnungszeiten hin:
täglich bis 20 Uhr,
freitags bis 22.30 Uhr,
montags geschlossen.

Der kostenfreie Folkwang-Bus fährt von Freitag bis Sonntag während der Öffnungszeiten des Museums alle 15 Minuten vom Essener Hauptbahnhof direkt zum Museum Folkwang.

     

Fotos: © Hans-Jürgen Palm für EN-Mosaik aus Essen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Mensch als lebende Skulptur – ein Prozess

[jpg] Live Art ist ein recht junges und spannendes Kunstformat. Es ist aus dem Format der Performance hervor gegangen. Und es geht um die Schaffung von Kunsträumen, die mit dem Mensch und seinem Körper herbei geführt werden können. Ein flüchtiges Kunstwerk, welches nur einem Moment eine fiktive neue Realität schafft. Immaterielle Realitäten, die einmal eingegangen schon wieder vergangen sind. Denken Sie bitte einmal an das flüchtige Lächeln zwischen zwei Menschen die in einer Fußgängerzone oder einem anderen Ort aneinander vorüber gehen.

Und so ging die Ruhrtriennale unter Heiner Goebbels eine Partnerschaft mit dem Folkwang Museum in Essen ein, um „12 Rooms“ in deren Ausstellungsräumen aufzubauen. Der ehemalige Direktor des Folkwang Museums, Hartwig Fischer,  hatte sich spontan zu dieser Kooperation bereit erklärt. Die Live Art Arbeiten der Ruhrtriennale wurden mit dem Manchester International Festival (MIF) koproduziert. Als Kuratoren arbeiteten und unterstützten die Ausstellung „12 Rooms“ Hans Ulrich Obrist von der Serpentine Gallery, London, und Klaus Biesenbach vom MoMa ( Museum of Modern Art ) und dem PS1, New York. Dies sind nur einige Namen, die diese  Ausstellung ermöglichten, selbstredend steht hinter dieser Ausstellung auch ein Team, welches die Voraussetzungen für diese Group Show schafften. Diese Group Show wird  im nächsten Jahr mit „13 Rooms“ in Sydney kuratiert und wer weiß, vielleicht auch noch in anderen Städten.

Bevor die Austellung eröffnet werden konnte wurde der rote Teppich ausgerollt. Für wen? Für die offizielle Ruhrtriennale Festivaljury, die aus Heranwachsenden von drei Gesamtschulen der Städte Gelsenkirchen, Duisburg und Bochum besteht. Und so kamen die Heranwachsenden über den roten Teppich, ließen sich geduldig von uns interviewen und machten sich an ihr Werk die „12 Rooms“ für sich erfahrbar zu machen. Die Heranwachsenden tauchen bei allen Eröffnungen der Ruhrtriennale auf, sie sind gleichrangige Partner im Rahmen des „No Education“ Projektes. Dieses Projekt soll Schluss machen mit den >adults  only< – Bezirken. Ein schönes und auch logisches Projekt.  

Zur Ausstellung selber, die bedingt durch die zahlreichen Eröffnungsbesucher etwas verloren hatte. Denn eigentlich wäre es besser, einzeln diese Räume zu betreten und die intimen, flüchtigen Begegnungen wahrzunehmen und für sich selbst  erfahrbar zu machen.

     Allora & Calzilla, zeigten mit ihrem Werk „Revolving Door“ (2011)  ein Werk in dem Menschen  in einer Gruppe Positionen einnehmen und wie eine Menschmaschine funktionieren.  Die Sinnfrage wird hier anders beantwortet. Betritt man den Raum so gerät man in eine lebende Drehtür die von Damen und Herren dargestellt werden, die bei berühren sich tänzerisch dreht wobei man in den Raum geführt wird. Es wirkte auf mich wie eine lebende Begrüßung, die man erstaunt annahm.

      Santiago Sierra, zeigte mit seinem Werk „Verterans of the wars of Yugoslavia, Bosnia, Kosovo and Serbia facing the corner“ (2012) einen Soldaten in Camouflage Uniform, der mit seinem Gesicht in eine Ecke schaute. Kein Wort, keine Bewegung. Beim Betrachter entsteht das Bedürfnis Fragen zu stellen, Fragen nach dem Krieg, Fragen nach dem "Warum". In den Phantasien kommen Bilder von Kriegshandlungen auf. Die Sniper von Serajewo, die vielen Kriegsgräuel. Man fühlt sich allein gelassen, denn eine Antwort wird es nicht geben. Ein Gefühl des Unbehagens schleicht sich ein.

      Marina Abramovic, zeigte ihr Werk „Luminosity“ (1997). An einer Wand sitzt aufrecht ein nackter weiblicher Körper auf einem „Fahrradsattel“. Die Frau sitzt wie gekreuzigt, die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale sind klar zu erkennen. Die Frau schaut gerade aus auf die gegenüberliegenden Wand. Der Eindruck, die Frau könnte jeden Moment von der Wand fallen, blockiert das weitere Denken. Die Frage kommt auf: wie lange hält diese Frau das aus, diese Position muss doch schmerzhaft sein, zwingt sowohl zum verweilen als auch zum gehen. Es sind die Grenzen des Schmerzes, der Erschöpfung und der Gefahr die durch das Material Körper erfahrbar oder gesucht werden.


     Xu Zhen, „In just a Blink of an Eye“ (2005). Xu Zhen zeigt mit ihrem Körper einen augenscheinlich instabilen Zustand als Zwischenstatus. Durch die Bekleidung ist sie als eine von Millionen Wanderarbeiter in China auszumachen.
Aber, auch die Welt ist bei ihr instabil und bewegt sich immer in diesem einen instabilen Zustand der offensichtlich zur bleibenden Realität geworden ist.

Obige Live-Acts stellen nur einen Ausschnitt aus den insgesamt 12 Inszenierungen dar. Am Ende der Seite haben wir noch eine kleine Galerie für Sie erstellt..

Die Begegnungen in den 12 Räumen bringen dem Einzelnen die Wertigkeit von Menschsein in sein alltägliches konditioniertes Bewusstsein. Erstaunen erfasst einen bei dem Erfahren der vorhandenen oder auch abhanden gekommenen Menschfacetten.

Es ist nicht so einfach Mensch zu sein. Für mich war es eine bereichernde Erfahrung wie in 12 Räumen unterschiedliche Gefühlswelten erzeugt werden können. Aber auch, wie in einem Museum, wie dem Folkwang Museum, die darstellende Kunst mit der bildenden Kunst eine wunderbare Kooperation eingehen kann. Kunst ist eben untrenntbar, es gibt nur die eine Kunst.

„12 Rooms“ ist noch bis zum 26. August im Folkwang Museum in Essen zu besichtigen.

12 Rooms – Live Art/Group Show
Museum Folkwang Essen
Museumsplatz 1
D-45128 Essen
bis 26. August. Di-So 10-18 Uhr. Fr 10-22 Uhr


Auszugsweise wurden hier nur vier der 12 Räume beschrieben.

Künstler: Marina Abramovic (RS), Jennifer Allora (US) and Guillermo Calzadilla (CUB), John Baldessari (US), Simon Fujiwara (J), Damien Hirst (GB), Joan Jonas (US), Xavier LeRoy (FR), Laura Lima (BR), Roman Ondák (SL), Lucy Raven (US), Tino Sehgal (GB), Santiago Sierra (ES), Xu Zhen (CN)

Kuratoren: Klaus Biesenbach und Hans Ulrich Obrist


 

Übrigens: Das Ticket zu 12 Rooms berechtigt zum einmaligen freien Eintritt in die Ausstellung Current von Michal Rovner in der Mischanlage, Kokerei Zollverein, Essen [anmerkung d. Red. : eine durchaus empfehlenswerte Videokunst-Ausstellung]
Tickets: 8,– €  Ermäßigungen ab 5,– €

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen
[Fotos: © Linde Arndt]

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Das Geheimnis ist gelüftet

     
v.l. Claus Wolff / Dr. Hartwig Fischer /  Oberbürgermeister Reinhard Paß und Architekt David Chipperfield
 

 

[jpg] Dr. Hartwig Fischer nannte das Museum Folkwang „Das schönste Museum der Welt“. Und Fischer sagte dies nicht nur einfach daher, er lebte dieses auch.

2006 – 2012 werden wir einmal als eine herausragende Zeit für das Folkwang Museum registrieren dürfen – die Dr. Fischer -Zeit. Es war eine spannende, inspirierende und schöne Zeit die uns Dr. Fischer schenkte. Professor Berthold Beitz, Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, sagte im Dezember 2011 nach Bekanntgabe des Weggangs von Dr. Fischer : Wir haben uns nicht geirrt. Wir bedauern den Weggang eines tüchtigen Museumsmannes und beglückwünschen Herrn Fischer zu dieser neuen Herausforderung.“

Dr. Fischer ist nunmehr Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. eine der größten Kunstsammlung überhaupt mit einer großen Tradition. Es ist sicher eine der schönsten, größten und verdienstvollsten Herausforderung, welche die Museumswelt zu vergeben hat. Dr. Fischer ist der beste Mann den sich die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nur wünschen konnten.

Allerdings war und ist dieser Weggang für das Folkwang Museum ein großer Verlust. So musste eine 9 köpfige Findungskommission die Nachfolge von Dr. Fischer regeln, wobei Herr Osthaus der Findungskommission beratend zur Seite stand. 24 Personen bewarben sich für die frei gewordene Stelle, 9 Personen wurden zu einem Gespräch eingeladen.. Andreas Bomheuer, Dezernent für Kultur und Integration der Stadt Essen wusste von einem breiten Anforderungsprofil an den neuen Direktor zu berichten. Er sollte eine fundierte wissenschaftliche Befähigung haben, Managementqualifikationen besitzen und ein souveränes kompetentes Auftreten in allen Bereichen erkennbar leben.


Dr. Tobia Bezzola
  Die einstimmige Wahl fiel auf Dr. Tobia Bezzola der vom Kunsthaus Zürich kommt. Dort war Bezzola seit 1995 als Kurator tätig und zusätzlich ab 2001 Leiter der Abteilungen Ausstellungen, Neue Medien, Fotografie und Wissenschaftlicher Leiter der Bibliothek. Promoviert hat Bezzola mit dem Thema: „Die Rhetorik bei Kant, Fichte und Hegel“.

Das Kunsthaus Zürich steht selber vor umfangreichen Veränderungen, es soll nunmehr zum größten Museum der Schweiz ausgebaut werden.

Der Vorsitzende des Folkwang-Museumsvereins, Dr. E.h. Achim Middelschulte begrüßte denn auch Dr. Tobia Bezzola auf der am 2. Juni 2012 anberaumten nationalen Pressekonferenz als einen erfahren Kurator, der über 30 Ausstellungen in Zürich umgesetzt hatte.

Gleichzeitig verwies Middelschulte auf das Museum Folkwang als eines der ältesten Museen in Deutschland das sich überwiegend mittels Public Private Partnership (PPP) finanzierte.
So fügt sich Dr. Bezzola im Bereich PPP ins Museum ein , wo er seine Erfahrungen im Bereich der PPP einbringen kann und den er weiter ausbauen will. Zürich ist ein Haus der modernen Kunst und hat in Europa und weltweit einen hervorragenden Ruf, eben wie das Folkwang Museum so Dr. Bezzola.
Dr. Bezzola freut sich auf die neue Aufgabe als Direktor des Folkwang Museums. Gefragt, was er in seinem Wohnzimmer an der Wand hängen hat, meinte er: Durch meinen Vater habe ich ein breites Feld an Fotografien an den Wänden hängen, die jedoch nur einen Fingerzeig bedeuten.
 
Dr. E.h. Achim Middelschulte

Ein großes Feld wird für mich die Gegenwartskunst einnehmen, der ich für die Zukunft einen weiten Raum einräume. So ist offiziell der 1. Januar 2013  als Beginn für das Direktorat vorgesehen. Dr Bezzola wird ab Oktober 2012 wochenweise dem Folkwang Museum zur Verfügung stehen. So wird die Orientierungphase im Museum Folkwang durch die üblicherweise schon vorgenommenen Vorbereitungsarbeiten erleichtert, weil die heutigen Ausstellungen eine teilweise jahrelange vorausschauende Vorbereitungszeit benötigen.

Angesprochen auf die finanzielle Situation des Museums, verwies Dezernent Andreas Bomheuer von der Stadt Essen auf die schon im Haushaltsplan bereitgestellten 5,5 Millionen Euro für die laufenden Kosten des Museums. Gleichzeitig kündigte Dr. E.h. Achim Middelschulte für das Folkwangkuratorium die Bereitstellung von 2 Millionen Euro für neue Ankäufe an, womit die aktuelle Kunst nach vorne gebracht werden soll.


Prof. Ute Eskildsen
     Es ist jedoch noch nicht alles was aus dem Folkwang Museum zu berichten ist.

Die langjährige Leiterin der Fotografischen Sammlung und derzeitige geschäftsführende Direktorin des Folkwang-Museums Prof. Ute Eskildsen geht am 31. Dezember in den Altersruhestand.

Für Prof. Ute Eskildsen ist bis heute noch keine Nachfolge gefunden worden.

So schließen wir uns dem Vorsitzenden des Folkwang-Museumsvereins, Dr. E.h. Achim Middelschulte mit einem herzlichen „Glück Auf“ für diese anspruchsvolle Aufgabe an.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen

 [Alle Fotos: © Linde Arndt]

Zukunftsperspektiven der Fotografie und der fotografischen Sammlungen

Ein Medium im Wandel – Fotografie produzieren und sammeln
Internationales Symposium in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung über die
Zukunftsperspektiven der Fotografie und der fotografischen Sammlungen.
27. und 28. April 2012, Hirschland-Saal, Museum Folkwang

Das Museum Folkwang und die Wüstenrot Stiftung veranstalten am 27. und 28. April gemeinsam
ein Symposium, um in transnationaler Perspektive die Zukunft des Mediums Fotografie zu
diskutieren. Ausgangspunkt der Tagung ist die technologische Umwälzung der Fotografie. Diese
hat nicht nur die Definition des Fotografischen in Frage gestellt, sondern verändert auch die
fotografische Praxis tiefgreifend.

                
 

Adrian Sauer  Laptop/Sceensaver, 2011  Still aus HD-Video   © Adrian Sauer, Leipzig

 

Die vollständige Digitalisierung des Mediums, seiner Bildproduktion und auch Verbreitung verändern
das grundsätzlich authentische Verständnis von Fotografie und transformiert offensichtlich
tradierte Arbeitsweisen der dokumentarischen und bildjournalistischen Praxis. Sie forciert
deren Abwanderung in den künstlerischen Kontext von Galerie, Fotobuch oder Museumswand.
Gleichzeitig betreten neue Akteure die Szene, Aktivisten oder „Bürgerjournalisten“, die mit ihren
digitalen Fotos und Videos auf Blogs das Geschehen kommentieren.

Die internationalen Wissenschaftler und Künstler gehen aktuellen Fragestellungen zur Produktion
und Dokumentation der digitalen Fotografien sowie zum Umgang mit den zukünftigen digitalen
Sammlungsbeständen nach. Die Fragen richten sich auch an Kuratoren bestehender
Sammlungen, in denen nicht nur künstlerisch intendierte Bilder Beachtung finden. Gemeinsam
wird diskutiert, inwiefern unsere kulturelle Infrastruktur auf diese Veränderung vorbereitet ist.

Referentinnen und Referenten:
Rahaab Allana, Alkazi Collection, New Delhi
Charlotte Cotton, National Media Museum, Bradford
Heba Farid, Kairo
Katharina Garbers-von Boehm, CMS Hasche Sigle, Berlin
Maryam Jafri, New York/Kopenhagen
Aglaia Konrad, Brüssel
Adrian Sauer, Leipzig
Clare Strand, London
Guy Tillim, Johannesburg
Artur Walther, The Walther Collection, Neu-Ulm/New York

Tagungsort:
Hirschland-Saal, Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen
Daten:
27. April 2012, 11 – 17 Uhr
28. April 2012, 10 – 15.30 Uhr
Ausstellungsbesuch:
27. April 2012, 16.45 Uhr

Der Mensch und seine Objekte – Fotografische Sammlung (25. Februar – 29. April 2012)

Teilnahme und Anmeldung:
Die Teilnahme ist kostenlos. Wir bitten um Anmeldung bis zum 20. April 2012 unter:
photography@museum-folkwang.essen.de
Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.
Kooperationspartner:
Wüstenrot Stiftung
Hohenzollernstraße 45
71630 Ludwigsburg
www.wuestenrot-stiftung.de
Weitere Informationen zum Tagungsprogramm und zu den Referenten finden Sie unter:
www.museum-folkwang.de

 

Die Handlung bestimmt unser Tun – Eigendynamiken

 

[jpg] „Communitas“ heißt die neue Austellung des Folkwang Museums in Essen. Im Mittelpunkt steht Aernout Mik (1962, Groningen in den Niederlanden ), dessen Ausstellung von drei Kunstinstitutionen gemeinsam organisiert wird: dem Jeu de Paume in Paris, dem Museum Folkwang in Essen und dem Stedelijk Museum in Amsterdam. Drei Kuratorinnen: Leontine Coelwij, Marta Gili und Sabine Maria Schmidt haben 2 Jahre an diesem Projekt gearbeitet.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten von 1998 bis heute und wird unter dem Titel „Communitas“ geführt. „Communitas“ wurde aus den Schriften Victor Turner [(1920 -1983) „The Ritual Process: Structure and Anti-Structure“] entnommen. Turner verwendet ihn um einen Prozess des gesellschaftlichen Wandels zu bezeichnen, bei dem alle Mitglieder einer Gruppe temporär gleich sind: Bei einer Katastrophe, bei der Abfertigung am Flughafen oder beim Grenzübergang im Niemandsland.
Miks Arbeiten zeigen ein gleiten in feste Gruppenverbände die sich aber in einem Moment auflösen und zu einer Gesamtstruktur vereinen. Die sozialen Grenzen werden überwunden und gleiten in eine Gesamtsozialisation hinüber. Wesentlich sind auch die die emotionalen Ausbrüche die durch die neue spontane Situation provoziert werden.

   
     

Die Videoinstallationen gehen von einkanalig bis achtkanalig. Man erschrickt förmlich wenn man die Handlungen erkennt die man selber schon evtl. durchlebt hat und sich seiner erlebten Hilflosigkeit erinnert. Der Mensch als selbstbestimmendes Wesen wird hier zu einer Herde dessen Ziel als diffuses Drängen wahr genommen wird. Er (Der Mensch) entwickelt Handlungen nach dem „Try and Error“ Prinzip – ein Vorwärtskommen fast unmöglich. Die Liminalität des Menschen in diesem Zustand ist beängstigend. In einem anderen Fall beschreibt er mit einer dreikanaligen Videoinstallation eine Gerichtsverhandlung gegen den italienischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Da wird das Ritual einer Gerichtsverhandlung geradezu inszeniert. Richter, Ankläger, Verteidiger aber auch Zuschauer befinden sich Eingangs in ihren fest zugewiesenen sozialen Gruppen. Das Ritual der Gerichtsverhandlung wechselt in eine Inszenierung einer Marketingveranstaltung in der alle Beteiligten zu einem Produkt Berlusconi mutieren, so dies seine neue Arbeit „Shifting Sitting“ Schlussendlich wird der Zuschauer zum Angeklagten der von Berlusconi verteidigt wird. Eindringlich zeigt Mik den Zustand der Demokratie in der die Justiz, die Politik und das Volk in eine soziale Gruppe übergehen in der jeder alles sein kann, wo aber die Machtstrukturen nicht mehr sichtbar sind. Berlusconi obsiegt indem wir alle zu Berlusconis werden.

      [flv:/wp-content/video/rolltreppe.flv 600 420]  

Der Spiegel den uns Mik vorhält kann uns nicht gefallen, sehen wir uns doch wie wir unsere Ideale für ein bisschen Konsum verraten. Die Maßlosigkeit und Rastlosigkeit unseres Tuns auf Kosten Anderer münden letztendlich in dem Zerfall der Gesellschaft. Mik geht aber nicht nur mit der moralischen Keule einher um den Untergang zu zeigen, vielmehr erkennt man den Ruf „Muss-das-sein“ der einen sehr nachdenklich macht. Die Installationen sind hochaktuell. Zeigt sich doch heute gerade die Hilflosigkeit des Staates gegenüber dem Finanzsektor. Zeigt sich mit der „Occupy“ Bewegung der Einzelne wieder als Mensch mit der Sehnsucht nach einer Persönlichkeit der sich schon in der sozialen Gruppe Masse untergegangen sah. Diese beiden aktuellen Vorfälle zeigt ein fragiles Individuum welches den Neubeginn reklamiert. Und so sind die Arbeiten Miks auch als Arbeiten zu verstehen die den Zustand unserer Demokratien untersuchen. Allerdings mit einem recht nachdenklich machenden Ergebnis. 

       

Vom 29. Oktober 2011 – 29. Januar 2012 findet die Ausstellung zu den hier zu erfahrenen Informationen statt.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Katalog mit zahlreichen Abbildungen und monografischen Texten zum Preise von 32,– Euro begleitet. Unterstützt wird diese Ausstellung vom Niederländischen Filmfonds, der Niederländischen Siftung für visuelle Kunst, Design und Architektur, der European Cultural Foundation und der Niederländischen Botschaft, Berlin.

Zur Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm statt. In Vorbereitung ist u.a. das eintägige Symposium „Communitas, Commune, Communismus“ in Kooperation mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut, Essen, am 24. Januar 2012 ( näheres ab Januar 2012 auf www.museum-folkwang.de )

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen

Alle Fotos © Linde Arndt

Museum Folkwang – Paul Vogt feiert 85. Geburtstag

Paul Vogt feiert 85. Geburtstag

Mai 2011 – Prof. Dr. Paul Vogt, Direktor des Museum Folkwang von 1963 bis 1988, feiert am 29. Mai seinen 85. Geburtstag. Das Museum Folkwang verdankt Paul Vogt den Wiederaufbau seiner Sammlung und die Gründung der Fotografischen Sammlung im Jahr 1979. Von 1984 bis 2010 war Paul Vogt als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Kulturstiftung Ruhr verantwortlich für die großen Ausstellungen in der Villa Hügel.

               
  Prof. Dr. Paul Vogt, Direktor des Museum Folkwang                                                     Foto: Holger Kruessmann                                                                                                          
 

Cézannes Steinbruch Bibémus und Kirchners Tanzpaar gehören zu den wichtigsten Werken, die Paul Vogt für das Museum Folkwang nach ihrer Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten zurückerwerben konnte. Als geborener Essener hatte er das „schönste Museum der Welt“ in den 1930er Jahren noch miterlebt.

                                „Ich hatte mir drei Ziele gesetzt, als ich ab 1963 […] für das Museum verantwortlich war,  nämlich: das Verlorene, so weit es ging, zurückzuholen oder durch Werke ähnlicher Qualität zu ersetzen; dann die Entwicklung zu dokumentieren, die es weder bei Osthaus noch bei Gosebruch gegeben hatte, Surrealismus, Konstruktivismus, die Malerei Picassos; und dann in die Gegenwart vorzustoßen – die eigentliche Aufgabe, die das Folkwang ja immer hatte, ein Museum der Gegenwart zu sein.“
(Paul Vogt 2009 im Gespräch mit Hartwig Fischer und Uwe M. Schneede)

Er erweiterte die Sammlung französischer Kunst um Gemälde von Monet, Delaunay und Léger und erwarb bedeutende Werke von Miró, Tanguy, Dalí, Munch, Mondrian, Beckmann und Albers. Frühzeitig und auf höchstem Niveau ergänzte er die Sammlung mit Werken der heute im Neubau präsentierten USAmerikaner Newman, Rothko, Kline, Pollock, Reinhardt, Louis und Stella. Er widmete sich der osteuropäischen Avantgarde ebenso wie den Jungen Wilden zu Beginn der 80er Jahre.

Mit dem Erwerb des fotografischen Nachlasses von Otto Steinert und dessen Sammlung zur Geschichte der Fotografie begründete Paul Vogt die Fotografische Sammlung, die heute zu den bedeutendsten der Bundesrepublik gehört. Bereits zu Beginn der 1970er Jahre wurde unter seiner Leitung im Museum Folkwang ein Videostudio eingerichtet, damals einzigartig in einem Museum, und das Deutsche Plakat Museum wurde 1974 ebenfalls auf Vogts Bestreben hin dem Museum Folkwang angegliedert.

Zurzeit schreibt Paul Vogt an seinen Memoiren, die in der Edition Folkwang veröffentlicht werden.

 

 

Hendrik von Boxberg – Museum Folkwang