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Wenn Bücher Weggefährten sind

Bücher-Appelt in Gevelsberg  Foto: Linde Arndt

Bücher-Appelt in Gevelsberg Foto: Linde Arndt

 

„Ein Leben ohne Bücher ist wie eine Kindheit ohne Märchen, ist wie eine Jugend ohne Liebe, ist wie ein Alter ohne Frieden.“                                                    ( Carl Peter Fröhling )

[la] Wer Bücher liebt, der möchte nicht nur lesen,  sondern möchte möglichst das Buch auch besitzen. Bücher haben einen ganz besonderen ideellen Wert. Bücher sind Weggefährten, beste Freunde. Das geschriebene Wort kann wenig und doch soviel bedeuten! Bereits wenn wir ein Buch in die Hand nehmen und es aufschlagen oder in ihm blättern,  erfasst uns  ein besonderes Empfinden. Wir können es lesend ergründen, oder zu den anderen Gefährten ins Regal stellen. Man hat es nur einmal gekauft, aber mit ihm die Möglichkeit, es immer wieder in die Hand zu nehmen wann es einem danach ist, es noch einmal oder viele weitere Male zu lesen.

Deshalb geht es  nicht nur um einen Einkauf wenn man eine Buchhandlung betritt. Es sind vielmehr die persönlichen Gespräche, der geistige Austausch unterschiedlicher Persönlichkeiten, die eines gemeinsam haben, die Liebe zu Büchern. Man fühlt sich wohl zwischen all den unterschiedlichen bunten, kreativ gestalteten  Einbänden, die zusammen eine Schatzkammer des Geistes ausmachen.

Sicherlich wäre es heutzutage einfach,  das Internet zu bemühen und mal eben schnell  ein Buch zu bestellen. Aber kann es einen persönlichen Besuch in einer  Buchhandlung  ersetzen? Kann es den Flair vermitteln, wie er zwischen all den Regalen voller Bücher und den Präsentationstischen mit liebenswertem Zubehör besteht? Wo man die Augen schweifen lassen kann, das Buch in die Hand nimmt, blättert, diese persönliche Beziehung damit eingeht, Dinge – im wahrsten Sinne des Wortes – „begreift“?  Was, wenn man unsicher ist und nicht genau weiß, welches Buch man gerne hätte oder auch benötigt? Hier kann  eine sachkundige Vermittlung von Literatur und Fachlektüre, fundierte Beratung und eine breite Servicepalette von der Titelrecherche bis zur Buchbestellung sehr wohltuend sein.

Kleine Leseratten in der Bücherei Appelt Foto: Linde Arndt

Kleine Leseratten in der Buchhandlung Appelt
Foto: Linde Arndt

Ein Beispiel ist die Buchhandlung Appelt in Gevelsberg, die seit 1981 an der Mittelstraße angesiedelt ist. Das Sortiment umfasst eine reichhaltige Auswahl an Belletristik, Sachbüchern, Kinder- und Jugendbüchern und Hörbüchern, sowie Kochbücher und Romane für Erwachsene. Man findet dort auch Spiele, Puzzles und Grußkarten. Eine Besonderheit sind die Karten und Alu-Lesezeichen mit Motiven aus Gevelsberg. Reiseführer, Landkarten, Globen und Straßenatlanten gehören ebenso zum Programm, so wie eine große Auswahl an Kalendern, die jeweils ab Juli/August bereits zur Verfügung stehen.

Was noch schön ist, ist die Tatsache, daß der Buchhandel vor Ort sich nicht als rein kommerziellen Verkaufsshop sieht, sondern darüberhinaus auch viele andere Aktivitäten und Aktionen bietet. Hier kümmert man sich um die Leseförderung bei Kindern und Jugendlichen, kooperiert dabei mit Schulen und Kindergärten und bietet kulturelle Veranstaltungen in Form von Lesungen als ein Erlebnis in Wohlfühlatmosphäre an.

 

Beim direkten Kontakt mit dem Buchhändler und seinem Fachpersonal erwartet uns  eine sachkundige Vermittlung von Literatur und Fachlektüre, fundierte Beratung und eine breite Servicepalette von der Titelrecherche bis zur Buchbestellung.

Nachfolgend eine kleine Bildershow von Bücher-Appelt:

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Für Interessierte:

Adresse:
Mittelstraße 76
58285 Gevelsberg

Kontakt:
Tel: 02332 / 32 33
Fax: 02332 / 49 09
http://www.buchhandlung-appelt.de/
info@buchhandlung-appelt.de

Öffnungszeiten:
Mo – Fr 9.00 – 18.30 Uhr
Sa 9.00 – 14.00 Uhr

 

Altkanzler Helmut Schmidt hat Buchhandlungen einmal als „geistige Tankstellen“ bezeichnet.

Und so sollte man sich einfach mal Zeit nehmen um die Auswahl und Atmosphäre persönlich kennen zu lernen beim Treffpunkt kulturellen Austausches für Jung und Alt.


Linde Arndt für EN-Mosaik aus Gevelsberg

Laden-rechts

 

 

 





 

Wenn Schülerinnen und Schüler in einer Bücherschatzkiste stöbern, …

Foto: André Sicks

Da strahlten die Augen der Schülerinnen und Schüler, als ihnen „Mentor – Die Leselernhelfer Gevelsberg e.V.“ am Dienstag eine riesige Bücherschatzkiste schenkte. Foto: André Sicks

[Gevelsberg] Gastbeitrag André Sicks

. . ., dann ist dies wahrlich nicht nur ein echter Spaß, es zeigt, dass vielleicht auch gerade heute im digitalen Zeitalter moderner Medien, ihr Interesse an einem Buch doch noch nicht so ganz verloren ist. Damit Kinder die Möglichkeit haben in den Schlüsselqualifikationen der Zukunft, Lese- und Sprachkompetenz, ausgebildet zu werden, nehmen sich bundesweit zahlreiche ehrenamtliche Mentoren, sogenannte Leselernhelfer, einmal pro Woche für eine Stunde gezielt Zeit, um ein Schulkind, welches ihnen „zugeteilt“ wurde, individuell zu fördern und zu betreuen.


Seit fast zwei Jahren gibt es auch in Gevelsberg den Verein „Mentor – Die Leselernhelfer“ und man kann in so kurzer Zeit schon von einer kleinen Erfolgsgeschichte sprechen. Nicht nur das bereits an allen hiesigen Grundschulen Mentoren aktiv tätig sind, seit vergangenem Dienstag (27. Januar 2015) gesellt sich nun auch die Hasencleverschule – Städtische Förderschule Gevelsberg dazu. Zum Start für die gemeinsame Zusammenarbeit überreichte Klaus R. Wortmann, Vorsitzender der Gevelsberger Leselernhelfer, gemeinsam mit einigen Mentoren sowie Wolfgang Steudtner (Präsident des Rotary Club Gevelsberg-Engelbert) an Schulleiterin Ulrike Tewes-Dominicus eine Bücherschatzkiste im Werte von 200,- Euro.

Foto; André Sicks

In der Bücherschatzkiste, die von Stephanie Kron (Leiterin der Stadtbücherei) gemeinsam mit ihrem Team zusammengestellt wurde, sind neben dem Mitmachmagazin „Benni“ auch einige Geschichten über Einhörner zu finden sowie eine ganze Reihe von spannenden Abenteuern des kleinen Detektivs „Kwiakowski“ zu finden, dem kein geringerer als der bekannte Kinderbuchautor Jürgen Banscherus, der zugleich auch Schirmherr von „Mentor – Die Leselernhelfer Gevelsberg e.V.“ ist, in geschriebener Form Leben einhauchte. Foto; André Sicks

Das Geld hierfür stammt aus der Spende der Rotarier an „Mentor“, die für 2015 bei sage und schreibe 1.000,- Euro lag. Somit gab es dann auch gleich zwei strahlende Gesichter; das der Schulleiterin und natürlich das von Klaus R. Wortmann, der sich für diese großzügige Spende bedankte und noch einmal betonte, dass „wenn wir noch weitere Partner wie den Rotary Club in Gevelsberg gewinnen können, dann ist die Fort- und Ausbildung unserer Mentoren, die Anschaffung von Werbe- und Unterrichtsmaterialien sowie die Entwicklung des Vereins in den nächsten Jahren gesichert“. Für den Rotary Club Gevelsberg-Engelbert selbst zeigte sich im vergangenen Jahr, dass dieses „mit großem Engagement betriebene Projekt eine herausragende Entwicklung genommen hat. Man begrüße daher die Entscheidung, zukünftig auch die Förderung der Hasencleverschule mit in die Arbeit einzubeziehen. Und so sagte Rotary-Präsident Wolfgang Steudtner abschließend, dass „die wöchentliche Zusammenkunft mehr als nur eine Lese- und Sprachförderung bietet. Es entwickeln sich hierbei auch menschliche und soziale Beziehungen.“


André Sicks für EN-Mosaik aus Gevelsberg

Eine zweite Chance, der Drachenläufer

[jpg] Aus der Kindheit behält man viele positive Erlebnisse die in der Erinnerung eine gewisse Sehnsucht erwecken.

Eines dieser Erlebnisse ist das Drachen fliegen lassen, welches meistens in der frühen Herbstzeit des Jahres begann. Schreiners-Wiese, die Hardt oder der Scharpenacken in Wuppertal waren mit Dutzenden von Kindern mit ihren Drachen besetzt. Es war immer ein Wettbewerb um den schönsten, den größten Drachen unter uns Kindern.

Damals hatte die Sparkasse noch jedes mal einen Wettbewerb ausgeschrieben. Der Gewinner bekam ein Sparbuch mit 100,– DM. Der Ehrgeiz befeuerte uns um dieses Preisgeld zu bekommen. Aber es gab noch bessere Drachenbauer unter den Kindern. Die guten Drachenbauer waren deshalb auch immer gefragt, sollten sie doch ihre Tricks den anderen mitteilen damit diese selber einmal ein Gewinner werden konnten.

An diese Erlebnisse dachte ich als ich das Buch von Khaled Hosseini "Drachenläufer" in den Händen hielt.

Khaled Hosseini ist ein Afghane der 1965 in Kabul geboren wurde und 1980 mit seinen Eltern nach Amerika emigrierte.

Afghanistan, woran denkt man unwillkürlich? An ein Jahrhundert voller Kriege. Erst die Engländer, dann die damalige Sowjetunion und heute die USA mit ihren "Verbündeten". Wobei die letzten 30 Jahre ohne Unterbrechung gemordet, gebombt, geschossen und zerstört wurde.

1979 marschierten die Sowjets in Afghanistan ein um das kommunistische Regime zu unterstützen, dieser Einmarsch geriet sodann zu einem Stellvertreterkrieg. Die USA unterstützten die Gegner des Regimes und lieferten Waffen und Ausbilder an die damaligen Guerillas (Mudschaheddin). 10 Jahre dauerte der Krieg, dann zogen die Sowjets wieder ab. Nach einer kurzen Zeit des Bürgerkrieges übernahmen die Guerillas die Macht – die Taliban.

2001 marschierten in Folge des 9/11 Anschlages auf die Twin Towers die US Amerikaner mit ihren Verbündeten ein, setzten die Taliban ab und einen ihnen genehmen Präsidenten ein.
Es sind wieder 10 Jahre Krieg. Es wird weiter gebombt, geschossen und getötet. Nun sind sogar wir Deutschen mit von der Partie. Wir nennen es zwar keinen Krieg, aber auch wir töten und werden getötet. Wir nennen dieses Töten in Deutschland Wiederaufbauhilfe. Wenn man die Bilder von Afghanistan sieht, kann man sich nicht vorstellen, dass dort so etwas wie Kultur überhaupt entstehen kann. Die Grundbedürfnisse der menschlichen Existenz bewegen die Menschen sicherlich den ganzen Tag. Nahrungsmittel, Bekleidung und ein Dach über dem Kopf, dies bewegt dort einen Menschen sicherlich mehr als lesen und schreiben.

Und doch ist dort ein Khaled Hosseini geboren und hat mit "Drachenläufer" einen Roman geschrieben den man mit den besten Erzählungen gleichsetzen kann.

"Komm nach Hause, Amir. Es ist Zeit. Du kannst es wiedergutmachen! " dieser Anruf aus der Heimat bringt dem jungen Amir, der nun in den USA lebt, seine ganze Kindheit wieder in Erinnerung.

Seine Freundschaft mit Hassan, einem jungen Hazara, (Angehöriger einer niedrigere Bevölkerungsgruppe) rückt mit diesem Anruf wieder in sein Bewusstsein.

Amir, ein Paschtune, hatte als Sohn eines reichen Vaters mit Hassan immer gespielt. Beide waren befreundet, wobei Hassan recht unbefangen alles anging und meistens auch alles ohne Probleme bewältigen konnte. Amir war da etwas anders, seine eher zurückhaltende Art ließ es nicht zu körperlich unter den Ersten zu sein – sehr zum Leidwesen seines Vaters Baba. Das Afghanistan in der die beiden Kinder aufwachsen ist ein patriarchalisches Land, die Paschtunen sind die herrschende Klasse und alle anderen Bevölkerungsgruppen sind ihnen unterlegen. Dem Vater ist unbedingter Gehorsam zu leisten. Hassan lebt mit seinem angeblichen Vater Ali im Hause von Baba.

In Kabul ist das höchste Spiel  für Kinder das alljährlich stattfindende Drachenfliegen. Bei diesem Drachenfliegen ist Regel, dass man die anderen Drachen zum Absturz bringt.

Der letzte Drache der zum Absturz gebracht wird, wird von dem der seinen Drachen noch am Himmel hat als Beute eingeholt. Dies geschieht dadurch indem die Drachenflieger immer zu zweit sind, wobei das zweite Kind der Drachenläufer ist.

Hassan hat den notwendigen Riecher und den Instinkt wo er den abgestürzten Drachen finden kann und gewinnt demnach in der Regel. Eines Tages bietet Hassan Amir jedoch an, für ihn den Drachen zu finden und ihm auf dem Weg zu übergeben, sodass  Amir als der Sieger da steht.

 
     Foto: Ronald Mitchell

Amir, der von seinem Vater Baba als etwas verweichlicht angesehen wird, würde durch solch einen Sieg in den Augen Babas an Ansehen steigen. Als die Zeit des Drachenfliegens wieder anstand setzen die beiden dies auch um. Auf dem Wege zur Übergabe wird Hassan von Assef einen Sadisten aus der Nachbarschaft mit seiner Gang aufgehalten und gestellt. Assef fügt Hassan schreckliches Leid zu, wobei seine Gang jede Gegenwehr von Hassan im Keime ersticken. Einige Meter weiter steht Amir unbemerkt um eine Häuserecke und sieht dem ganzen Treiben tatenlos zu. Er ist zu feige um seinem Freund Hassan zu Hilfe zu eilen. Von nun an begleiten Amir Scham- und Schuldgefühle. Hassan sagt er jedoch nicht, dass er dieser schändlichen Tat zugesehen hatte.

Die Beziehung zwischen Hassan und Amir hat von diesem Tage ihre Herzlichkeit für immer verloren.
Amir emigriert mit seinem Vater nach Amerika und führt in der afghanischen Kolonie ein angesehenes Leben. Beinahe hätte er  das Geschehene vergessen, bis eines Tages ein Telefonanruf des väterlichen Freundes Rahim Khan alles wieder in Erinnerung ruft: "Komm nach Hause, Amir. Es ist Zeit. Du kannst es wiedergutmachen! ". Er lässt alles zurück, seine Frau die er liebt und das amerikanische sichere San Francisco um seine Schuld wieder gut zu machen. Er reist in das von den Sowjets besetzte Afghanistan ohne zu wissen was ihn dort erwartet.

Es ist eine Reise in die Vergangenheit, in der er viel über seinen Vater, Hassan und Ali erfährt. Und es ist eine Reise in die Zukunft, die ihm die zweite Chance eröffnet seine Schuld zu tilgen. Mit viel Geduld und viel Gefühl nutzt er diese Chance und es eröffnet sich ihm ein neues Leben.

Hosseini hat die Akteure des Romans mit einer Liebe ohne Gleichen gezeichnet. Ohne Probleme kann man sich mit den Akteuren identifizieren. Auch wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht den unseren entsprechen sind sie jedoch in dem Roman erträglich gezeichnet. Nicht das Afghanistan der Taliban oder der Sowjetbesatzer herrscht hier vor. Vielmehr schwingt immer eine gewisse Traurigkeit mit, die dadurch aufkommt, weil alle Beteiligten sich immer an ein Afghanistan erinnern welches in seiner Schönheit unvergleichlich gewesen sein sollte. Die Beziehungen der Akteure zueinander als auch die Charaktere sind in ihrer Umschreibung von einer Klarheit, die es einem leicht macht sie alle zu visualisieren.
Es ist ein schöner Roman, den ich gerne empfehle. Ich hatte ihn gerne in meinem Sessel an einen Sonntag gelesen, wobei ich das Mittagessen ausgelassen hatte.

Übrigens der Roman wurde inzwischen auch verfilmt. Der Regisseur Marc Forster hat ihn mit dem Titel "The Kite Runner " in englisch und dari gedreht. Er wurde danach auch in deutsch synchronisiert und lief  hier unter dem Titel "Drachenläufer".  Das Buch wurde 8 Millionen mal verkauft und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Neben dem Film wurde das Buch auch als Bühnenstück zur Aufführung gebracht.

"Drachenläufer" ist erschienen im:

  • Verlag: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag; Auflage: N.-A. (8. September 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • SBN-10: 383330149X
  • ISBN-13: 978-3833301490
  • Preis: € 10,50
  • 385 Seiten

Empfehlung:
Bücher Köndgen, Hauptstr. 54 – 56, 58332 Schwelm,  Tel. O2336-18682  Fax: 02336-83231

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Rezension von Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik