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Wieder zurück, dort wo sie hingehört

[nggallery id=467]     [jpg] Da stand sie nun, die Figurine „Jeune fille debout“ von Aristide Maillol. 2012 war der Erwerb der Figurine, die Karl Ernst Osthaus 1904 erworben und anfangs als Leihgabe dem Essener Folkwang Museum überlassen hatte. Später in Zeiten der „entarteten Kunst“ der Nazis wurde sie zurück in den schützenden Privatbereich von Gerdrud Osthaus verbracht. Jetzt ist sie, die Skulptur, da wo sie immer hin gehörte, in der Sammlung der Familie Osthaus – dem Folkwang Anfangsbestand der Essener.
Es war Liebe auf den ersten Blick den das Ehepaar Osthaus gegenüber der Figurine „Jeune fille debout“ von Aristide Maillol empfand.

 Sie sahen diese zarte geschnitzte Holzfigur, die eine eher klassische Haltung aufweist. Wenn man sich in die Figur vertieft könnte sie genauso aus der Antike stammen. Maillol, neben Rodin einer der ganz Großen der europäischen Bildhauergeneration des 20.Jahrhunderts, wollte nicht nur eine schöne Skulptur schaffen. Vielmehr wollte er die scheinbar gegensätzlichen Begriffe wie „Natur und Idee“ einer Einheit zuführen, die er das Wahre und Reine nannte.

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Die Figur ruht in sich selbst, schaut in eine ferne Welt die für den Betrachter eine unerreichbare Welt darstellt. Ihr leichter stolzer erhobener Kopf ruht auf einem relativ kurzen Hals der in einen Körper übergeht der nicht als klassisches Schönheitsideal gelten kann. Doch durch die Haltung strahlt dieser Körper eben diese idealtypische Schönheit aus, die wir so lieben. Die Figur wird von einem Hauch an Stoff umhüllt, der die kleinen aber festen Brüste umrahmt, Der Stoff scheint nach unten mit dem Körper zu verschmelzen, wobei er durch die linke Hand zusammen gerafft gehalten wird. Der Stoff dient in seiner Drapierung als Rahmen um der Figur die Leichtigkeit zu geben. Das linke Bein ist leicht nach vorne gebeugt, so als wenn sie sich für einen besonderen Anlass positionieren will. „Schaut her, ich bin es“, so will sie uns sagen. Ja sie spricht mit dem Betrachter den sie sofort gefangen nimmt. Es ist ein zweiter Effekt den die Figur erzeugt, man fühlt sich mit ihr angekommen. Die Rückseite zeigt eine gelockte Haarpracht die wie scheinbar mit der Bekleidung verschmilzt. Durch die Haltung könnte die Figur auch gerade einem Bad entstiegen sein. Es geht etwas berührendes von dieser Plastik aus und man versteht warum sich das Ehepaar Osthaus in diese Figur verliebt hat.

Aristide Maillol hat nicht viele Holzplastiken geschnitzt, man schätzt so an die 5 Plastiken, die außerdem Anfangs noch in den Bereich Kunsthandwerk verband werden sollten. Auguste Rodin setzte sich jedoch nachhaltig für Aristide Maillol ein, so dass wir heute auf ein umfangreiches Künstlerleben blicken können. Sein Einfluss wirkte auf die Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, Georg Kolbe, Arno Breker oder Constantin Brâncusi und Henry Moore, sie alle ließen sich von Maillol inspirieren.

   


Sponsoren und Museumsleitung vor der beeindruckenden Holzskulptur

 

So wusste der neue Direktor des Folkwang Museums Tobia Bezzola diese frühe Holzskulptur von Maillol als besondere erfreuliche Neuerwerbung zu begrüßen. Diese Neuerwerbung wurde ermöglicht durch die Kulturstiftung der Länder, des Landes Nordrhein – Westfalen, des Minsteriums für Familie, Kinder,Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kunststiftung NRW sowie der Eugen-und-Agnes-von-Waldthausen-Platzhoff-Museums-Stiftung. Deren Vertreter sämtlich anwesend waren.

Es ist irgendwie ein schönes Gefühl zu sehen wie etwas nach Hause kommt und sich wie in einer Familie einfügt.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen

Alle Fotos © Linde Arndt