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Jüdisch, einfach mal zum anfassen und entdecken

[jpg] Wer kennt das nicht, man möchte nichts falsch machen. Keine falsche Fragen stellen, nichts anfassen, eher lässt man den Anderen agieren. Für den Einzelnen bauen sich immer wieder diese Hürden auf, die so schwer zu überwinden sind. So auch mit dem Jüdischen. Was ist koscheres essen? Muss man da bestimmte Kräuter oder Gewürze haben um solche Speisen herzustellen? Oder muss man koschere Speisen nach einem bestimmten Mondstand zubereiten? Sie merken, es geht in den Bereich der Vorurteile und Legenden, dorthin wo die manipulativen Elemente entstehen oder geboren werden. Gerade das jüdische Leben ist voll von Legenden, das sich jedoch bei näherem Hinsehen als normales Leben entpuppt. Und Juden sind ganz normale Mitmenschen, die "nur" einem anderen Glauben nachgehen. Sie sind nicht evangelisch oder katholisch, sie sind jüdisch.

Ansonsten sind sie genauso wie wir. Dr. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland,  sagte so schon bei der Eröffnung der jüdischen Kulturtage 2011 in Dortmund, "sie sind mitten unter uns…quicklebendig…. wieder….und Gott sei Dank."

Und so zeigt die Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal nach einer 1 ½ jährigen Vorbereitungszeit eine neue Dauerausstellung "Tora und Textilien"  ab dem 10. April 2011 in der Begegnungsstätte. Dem Pressegespräch wohnte auch die Schirmherrin der Ausstellung, Alt-Oberbürgermeisterin der Stadt Wuppertal, Ehrenbürgerin, Trägerin des Ehrenringes der Stadt Wuppertal sowie Trägerin des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse Frau Ursula Kraus bei.

        
 Dr. Ulrike Schrader [Leiterin der Begegnungsstätte
 Alte Synagoge Wuppertal ]    Foto:
© Linde Arndt
   Andrea Hold-Ferneck [Kommunikationsdesignerin und Fotografin]
 Foto: WZ-newsline Andreas Fischer

Es ist eine Ausstellung zum erkunden, zum stöbern und was sehr schön ist, die Neugier kommt ganz auf seine Kosten. "Was ich schon immer über Juden wissen wollte" hier kann der Besucher ganz für sich oder unter Führung seine Fragen beantwortet bekommen. Er kann die Exponate mit fast allen Sinnen erleben, so wundert es nicht, wenn viele gekennzeichnete Werke auch mit  einem Audioguide hörbar gemacht werden können. Einfach die Nummer des Exponates eingeben und los geht es. Was mich besonders berührt hat, sind die aufgezeichneten damaligen Stadtratssitzungen als es um den Bau der Begegnungsstätte in Elberfeld ging Was mich immer wieder überrascht sind die räumlichen Beziehungen der einzelnen Gemeinden; denn von Elberfeld nach Schwelm sind es ja schon ein paar Kilometer zu laufen. Auch die Wanderungsbewegungen innerhalb der damaligen Städte werden eindrucksvoll dokumentiert.
Dr. Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, hat mit Andrea Hold-Ferneck, Kommunikationsdesignerin und Fotografin, eine Ausstellung geschaffen, die sicher im musealen Bereich Nachahmer finden wird. Im Vordergrund steht das Erkunden des Besuchers, dem Exponate an die Hand gegeben werden welche das Thema erfahrbar machen.
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Grundlage ist das jüdische Leben von Samuel Steilberger aus Langenberg aus dem Jahren 1814 -1901. Samuel Steilberger ist in dieser Dauerausstellung  fast körperlich vorhanden, er ist geistige Referent. Er trägt zusammen was jüdisches Leben ausmachte, in der Vergangenheit, seiner Gegenwart und bis zur Shoa. Samuel Steilberger,  der übrigens Weber war, zeigt uns anschaulich und interaktiv mit seiner großen Familie die Normalität seines damaligen Lebens. Die Begegnungsstätte hat einen Pfad aufgebaut, der das profane, das weltlich aber auch das religiöse Leben in der jüdischen Kultur uns an die Hand gibt. So erinnert mich die Idee dieser Ausstellung in ihrer Ausführung an den Folkwang Gedanke der Gertrud Colsman, die seinerzeit auch eingefahrene Wege in der Organisation und Ausrichtungen von Ausstellungen verlassen hatte. Frau Schrader und Frau Hold-Ferneck haben die allseits bekannten Ausrichtungen von Ausstellungen bewusst verlassen um damit sicher ihrer Idee der Erfahrbarkeit Raum zu geben.

     
         

Es ist eine gelungene Austellung die wie Dr. Dieter Graumann sagte neugierig auf die jüdische Kultur macht. Aber Dr. Graumann sagte auch noch, seien sie vorsichtig, nachher wollen sie noch mehr von der jüdischen Kultur wissen. Jüdische Kultur, aber nicht nur diese, hat ein gewisses Suchtpotenzial. Und solch einer Sucht gebe ich mich gerne hin.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Wuppertal


Feierliche Eröffnung nur für geladene Gäste am Sonntag, 10. April 2011, 15 Uhr im Von der Heydt-Museum.

Anschließend Besichtigung der Ausstellung auch für die Öffentlichkeit
Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal
Genügsamkeitstraße – 42105 Wuppertal

Gebührenpflichtiger Parkplatz direkt neben der Synagoge

Kontakt und Informationen: 0202-5632843
Internet: www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/wuppertal

 
Öffnungszeiten ab dem 12. April
dienstags bis freitags    14 bis 17 Uhr
sonntags    14 bis 17 Uhr
 
Eintrittspreise

Erwachsene    3,00 Euro
Ermäßigt           1,50 Euro
Mitglieder des Fördervereins    frei
 
Führungen
An jedem ersten Sonntag im Monat findet um 16 Uhr eine öffentliche und kostenlose Führung statt.
Führungen für Gruppen und Schulklassen bieten wir auch außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten an. Wir bitten um eine telefonische Anmeldung unter Telefon 0202-563 2843 oder per E-Mail unter bas-budner@gmx.de.

Termine und Auskünfte für einen Besuch der Bergischen Synagoge in Wuppertal-Barmen gibt die Jüdische Kultusgemeinde Wuppertal, Telefon 0202-371183.

Preise Führungen
Schulklassen         30,00 Euro    Eintritt frei
andere Gruppen    40,00 Euro    plus Eintritt
 
So finden Sie zur Begegnungsstätte:
Die Begegnungsstätte Alte Synagoge liegt mitten im Zentrum von Wuppertal-Elberfeld und ist leicht zu finden: Vom Hauptbahnhof (Wuppertal-Elberfeld) ist sie zu Fuß über die Fußgängerzone, den Neumarkt und den Willy-Brandt-Platz in zehn Minuten zu erreichen. Die nächsten Bushaltestellen heißen "Wall" und "Karlsplatz". Die nächste Autobahnausfahrt der A 46 ist "Wuppertal-Katernberg".