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Camille Pissarro als Fußnote? Um Gottes Willen. Nein!

 

Pissaro-Ausstellung im von-der-Heydt-Museum Wuppertal  Foto: Linde Arndt

Pissaro-Ausstellung im von-der-Heydt-Museum Wuppertal Foto: Linde Arndt

[jpg] Das Leben kann  manchmal furchtbar mitspielen. Camille Pissarro, einer der ganz großen der Impressionisten, bekommt eine Ausstellung im von der Heydt-Museum in Wuppertal. Das von der Heydt-Museum führt Pissarro in dieser Ausstellung als „Vater des Impressionismus“. Vater in vielerlei Hinsicht, sowohl menschlich als auch künstlerisch.

Es ist der vierte Impressionist. Nach August Renoir, Claude Monet und Alfred Sisley nun die Ausstellung Camille Pissarro.

 Dr. Gerhard Finckh bei der Pressekonferenz zur Pissaro-ausstellung  Foto: Linde Arndt

Dr. Gerhard Finckh [links] bei der Pressekonferenz zur Pissaro-Ausstellung
Foto: Linde Arndt

Pissaro war der älteste in der vorgenannten Gruppe, zu der noch Paul Cézanne gehörte. Er war jedoch nicht Vater im Sinne eines Patriarchen mit entsprechender Dominanz. Vielmehr war er ein väterlicher Freund, der mit seiner Lebenserfahrung und Persönlichkeit anderen, den Künstlerkollegen, zur Seite stand. Gefunden haben sich die Künstler in der damaligen Schule von Barbizon bei Fontainebleau, die auch von Jean-Baptiste-Camille Corot besucht wurde. Es war die Schule für Landschaftsmaler schlechthin, außerhalb des akademischen Lehrbetriebs. Claude Monet mit seinem Bild „Impression, Sonnenaufgang“ (1872), gab damit der neuen Stilrichtung seinen Namen. Da die Künstler um Camille Pissaro keine akademische Ausbildung hatten, wurden sie auch von dem Pariser Salon, der damals führenden Ausstellungsmöglichkeit, zurück gewiesen. Camille Pissaro lies sich dadurch nicht entmutigen, und organisierte mit der Gruppe eine eigene Ausstellungsmöglichkeit im Atelier des Pariser Fotografen Nadar. Diese Ausstellung fand jedoch in Paris ein negatives Echo, das Publikum sprach von Schmierereien und verließ schimpfend die Ausstellung. Die ausgestellten Bilder wurden von der Presse als unfertig eingestuft und die Künstler als Impressionisten verspottet. Pissaro hatte nur 130 Franc auf dieser Ausstellung umgesetzt. Zu wenig um seine Familie zu ernähren.

Aber er hatte ja noch die Gruppe ,die sich gegenseitig inspirierte und sich weiter entwickelte. So sympathisierte Pissarro zeitweilig mit den Anarchisten, die die hierarchischen, gesellschaftlichen Strukturen in der Gesellschaft ablehnten. Künstlerisch machte er Ausflüge zum Pointillismus, einer Farben- und Formenlehre, die eine durchkomponierte Malweise erforderte.

Immer war der Dialog mit der vor genannten Künstlergruppe ein wichtiges Element in seinem Leben. Auch menschlich war Pissarro der Gruppe zu getan. Van Gogh der damals unter schweren Depressionen litt, besorgte er den Arzt der ihm half die Depressionen zu überwinden. Gut und gerne kann man sagen, er war eine Größe sowohl in menschlicher als auch künstlerischer Hinsicht.

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Die Dreyfus´ Affäre 1894, die ganz Frankreich damals erschütterte, brachte auch Camille Pissarro aus dem Tritt. Alfred Dreyfus wurde mit dubiosen und gefälschten Beweisen wegen Landesverrates verurteilt. Da Alfred Dreifus  Jude war, setzten kurz nach dem Urteil in Frankreich Angriffe, gegen alles was jüdisch war, ein. Der offen ausgebrochene Antisemitismus entzweite die französische Republik. Und Pissarro? Pissarro war Jude und verlor von einem Tag auf den anderen seine Freunde, die danach nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten. Er, der einer der führenden französischen Impressionisten war, der dem Impressionismus die maßgeblichen Impulse gegeben hatte, er stand auf einmal alleine da. Freunde wechselnden die Straßenseite und grüßten nicht mehr. Unverständlich ist für heutige Begriffe, wenn dann 1937 in einem Standardwerk „Meisterwerke französischer Impressionisten“ von Karl Scheffler, Camille Pissarro nur in einer Fußnote erscheint. Glücklicherweise gab und gibt es ja nicht nur Antisemiten auf der Welt.

1892 erlebte Camille Pissarro trotz allem noch seinen Durchbruch bei dem Kunsthändler Durand-Ruel. Es waren die US-Amerikaner die Gefallen an den Impressionisten gefunden hatten und die nicht genug von diesen Werken bekommen konnten.

Man kann jedoch sagen, es muss eine spannende Zeit gewesen sein, die Stoff für viele Gesellschaftsromane liefern würde. Menschliche Höhen und Tiefen eingeschlossen.

 

Die künstlerischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge aufzuarbeiten und dies in einer Ausstellung sichtbar zu machen ist dem Kurator und Direktor Dr. Gerhard Finckh gut gelungen.

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So wird der Besucher anhand von 170 Werken, wovon rund 120 von Pissarro sind, durch die damalige Zeit geführt. Die gegenseitige Inspiration der Künstler werden sichtbar gemacht und darüber hinaus in den geschichtlichen Kontext gesetzt. Paris wurde durch den Stadtplaner Georges Haussmann zu einer Metropole umgestaltet, die bis heute noch Bestand hat. Die damalige Pariser Weltausstellung erregte die Gemüter positiv. Und die industrielle Revolution brachte dementsprechende gesellschaftliche Umwälzungen. Eine durchaus spannende Zeit des Aufbruchs. Zu jeder Zeit waren die Künstler stille Beobachter der neuen Zeit.

Diesen Spannungsbogen und die künstlerischen Veränderungen aufzuzeigen, wird diese Ausstellung im von der Heydt Museum jederzeit gerecht.

Und so schreibt Dr. Gerhard Finckh zu dieser Ausstellung am Schluss: „ Abgesehen von den betörenden Werken Pissarros sehen Sie hier auch die großartigen Werke von Courbet, Corot, Cézanne, Manet, Monet, Gauguin, van Gogh und anderen Künstlern dieser aufregenden Epoche.“

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Wuppertal


Montmartre bei Nacht Foto: Linde Arndt

Camille Pissaro / Boulevard Montmartre bei Nacht
(ca. 1897) The National Gallery London Foto: Linde Arndt

Pissarro – Der Vater des Impressionismus
Eine Ausstellung:

Bis zum 22.2.2015

Öffnungszeiten:

DI+MI 11-18 Uhr
DO+FR 11-20 Uhr
SA+SO 10-18 Uhr
MO geschlossen

 

Eintrittspreise:

12,–€ pro Persone
10,–€ ermäßigt
24,–€ Familienkarte

öffentliche Führungen Plus 4,–€ zum Eintrittspreis

Adresse:
von der Heydt Museum
Turmhof 8
42103 Wuppertal

Tel.: 0202/563-6231

 

Anreise mit der DB:

Das Von der Heydt-Museum Wuppertal liegt in der Fußgängerzone des Stadtteils Elberfeld und ist vom Hauptbahnhof (DB, S-Bahn) in weniger als 5 Minuten zu Fuß zu erreichen.

 

Anreise mit dem Auto:

Von der A 46 die Abfahrten W-Katernberg oder W-Elberfeld wählen. Dem Parkleitsystem Richtung Zentrum Hofaue folgen (siehe Karte)

Weitere Informationen über das Internet: http://vdh.netgate1.net/index.html

Außerdem eine Ausstellungsseite: http://www.pissarro-ausstellung.de/

Die Zärtlichkeit des Sehens in der Malerei

  [jpg] Manch ein Lebenslauf macht einen schon stutzig. Man liest den Lebenslauf, sieht seine Werke und denkt: Hier kommt alles zusammen was einem Menschen zu einem wunderbaren Erfolg verhelfen kann.

Kurz, es passt alles, würde man heute sagen. Aber diesem Menschen ist eben nicht der Erfolg beschieden. Zu guter Letzt stirbt er arm und unerkannt.

Wir reden, schreiben, von Alfred Sisley einem der größten Impressionisten, wenn nicht überhaupt der Begründer des Impressionismus überhaupt.
Er wurde 1839 in Paris als zweites von vier Kindern geboren und starb ziemlich arm 1899 in Moret-sur-Loing.

Alfred Sisley      Foto: gemeinfrei    

Sein Vater war ein erfolgreicher in Frankreich lebender englischer Kaufmann mit einem beträchtlichen Vermögen. 884 Gemälde umfasst das Oeuvre Sisleys die er, hauptsächlich in der Umgebung von Paris,  zum Teil in Serie gemalt hat.

Alfred Sisley sollte wie sein Vater Kaufmann werden, also wurde er nach London geschickt wo er den Kaufmannsberuf erlernte. In London begeistert er sich für die Werke William Turner, John Constable und Richard Parker Bonington und beschloss sodann Künstler zu werden. Er reiste nach Paris zurück, holte sich das Ja seiner Eltern ab und trat sodann in das Atelier von Charles Gleyres ein. Dort lernte er das Malen mit Pierre-Auguste Renoir, Claude Monet und Frédéric Bazille, heute die bedeutendsten Maler der damaligen Zeit. Gemeinsam zogen sie in die Wälder und Landschaften von Fontainebleau, nach Chailly und Marlotte, später in die Ile de France, um diese zu malen. Sie waren alle noch sehr jung  ( Anfang 20) und begeisterungsfähig.

Sisley´s Frühwerke spiegeln deutlich den Einfluss Courbets, Daubignys und vor allem Corots wider. Mit Monet und Renoir gründet Sisley eine Wohn- und Werkstattgemeinschaft, wobei er beide wirtschaftlich und finanziell unterstützte.

1867 stellte er erstmals im Pariser Salon aus. Im Café Guerbois, dem Treffpunkt der Pariser Avantgarde, macht er Bekanntschaft mit den Anfängen des Impressionismus und verschrieb sich fortan dieser Stilrichtung. Als Mensch war Sisley eher schüchtern, sensibler und sanfter einzuordnen. Van Gogh und andere beschrieben ihn zumindest so in ihren Briefen.  Er beteiligte sich an mehreren Ausstellungen ohne Erfolg, ja er wurde sogar von einer Jury abgewiesen. 1882 beteiligte er sich zum letzten mal an einer Ausstellung, auch ohne Erfolg. In der Zwischenzeit verloren seine Eltern durch den Krieg 1870/1871 ihr gesamtes Vermögen. Damit war Alfred Sisley mit einem Schlag mittellos. Von nun an wird Sisley nie mehr aus den finanziellen Schwierigkeiten herauskommen. Sisley inzwischen verheiratet mit Marie Lescouezec hatte nunmehr auch zwei Kinder.
Wenn er nun nicht die guten Freunde mit  Namen Édouard Manet,  Jean-Baptiste Faure, Paul Durand-Ruel und Théodore Duret und andere gehabt hätte, so hätte er noch nicht einmal Farben zum malen gehabt. Auch Renoir und Monet, die inzwischen etwas Erfolg hatten unterstützten ihn, soweit sie konnten. Und er hatte noch ein weiteres Handicap, er war Engländer. Und das ging im Paris Ende des 19. Jahrhunderts gar nicht. Sein Versuch sich einbürgern zu lassen, misslang. Zu letzt starb er noch verarmt an Kehlkopfkrebs 1899. Nach seinem Tode haben seine Freunde Renoir und Monet eine Gemeinschaftsausstellung organisiert in welcher seine Bilder mit aus gestellt wurden, jedoch nicht angekündigt waren. Es war ein überragender Erfolg für Alfred Sisley, die Bilder wurden verkauft. Nur Sisley erlebte dies jedoch nicht mehr. Was für eine Tragik.

                    
  La Seine au pont de Suresnes, Musée des beaux-arts de Lille,                            Foto: gemeinfrei  

Nun zu den Arbeiten von Sisley. Das obige Bild zeigt die Seine in der Umgebung von Paris. Im Hintergrund erkennt man eine Brücke. In der Mitte rechts zwei Arbeiter die Holzstämme tragen. Auf der rechten Seite des Ufers liegt ein Stapel Holz,daneben eine Straße und mehrere Häuser. Der Himmel ist leicht bewölkt. Es sind diffuse Lichtverhältnisse, aber nicht so diffus, dass sie den Horizont nicht erahnen lassen.
Was nun Sisley ausmacht wenn man sich in die Bilder hinein versetzt. Man spürt die Feuchtigkeit des Flusses, den Schweiß der Arbeiter, die Neugier der stehenden und gehenden Menschen. Der Geruch des Bodens oder der Hölzer ist spürbar. Es ist zwar ein statisches Bild, aber man erkennt die Dynamik der Handlung im Bild. Der feuchte Boden auf der rechten Seite setzt den Trägern der Hölzer zu. Auch die Straße ist aufgeweicht. Die auf der Straße befindlichen dunklen Gestalten lassen nichts Gutes ahnen. Es ist nicht einfach eine Arbeitsidylle. Das Licht aber auch die Begrünung legen als Jahreszeit den Frühling nahe. Die Striche sind so zart gesetzt, wie es bei keinem seiner Zeitgenossen vorkommt. Die Lichtverhältnisse sind fein nuanciert und lassen ahnen von wem Sisley inspiriert wurde – von  Wilhelm Turner.

                     
  Pressekonferenz mit Dr. Gerhard Finckh [Von der Heydt-Museum]                 Foto: Linde Arndt  

Dies ist jetzt nur ein Bild von 80 Bildern aus der Wechselausstellung die im September im Von der Heydt_Museum Wuppertal-Elberfeld beginnt.

Die Ausstellung wird vom 13.September (Ausstellungseröffnung)  2011 bis zum 29. Januar 2012 gehen. Es ist die erste große Einzelausstellung Sisleys in Deutschland. Für diese Ausstellung kommen Meisterwerke aus allen berühmten Museen, so unter anderem aus dem Metropolitan Museum, New York, der Tate, London, dem Musée d´Orsay und dem Petit Palais, Paris. Konzeptionell wird die Ausstellung als chronologischer Rundgang aufgebaut werden. Es werden die verschiedensten Zusammenhänge aufgezeigt, so der Einfluss von Wilhelm Turner auch der Beginn der Laufbahn in der „Schule von Barbizon“, dazu die frühen Werke. Dann Sisleys Weg zum impressionistischen Malstil bis 1874 und damit die Festigung seines Malstils in der Gesellschaft. Renoir und Monet im Vergleich zu Sisley, der hier als der Lyriker unter den Malern auftritt. Die Ablehnung der wichtigsten  Pariser Ausstellungen aber auch die vielen Zurückweisungen der etablierten Kunstkritiker.
Dann seine englische Zeit, wo viele schöne Landschaftsmotive bei Regen und Schnee entstanden. Flüsse sind herausragende Motive in Sisleys Arbeiten. Eine Besonderheit, Sisley als Druckgraphiker mit seinen Radierungen und Lithographien, stellt einmal mehr die Vielfältigkeit Sisleys dar. Als Monet seine berühmte Serie der Kathedrale von Rouen malte, malte Sisley die gotische Dorfkirche von Moret. Aber auch seine letzten Werke an der Küste von Wales werden zu sehen sein.

Im Vorfeld haben sich Wuppertaler Einzelhändler zusammengeschlossen um kräftig die Werbetrommel für diese Ausstellung zu schlagen. So wird im Tal in vielen Schaufenstern die lebensgroße Sisleyfigur auf diese Ausstellung hinweisen.

Auch die Dr. Werner Jackstädt-Stiftung für Forschung, Wissenschaft und Kultur hat sich in dieses Projekt eingebracht, ohne sie wäre es in dieser Schönheit nicht möglich geworden. Das Projekt dient der Wuppertaler Kulturlandschaft und stellt einen wunderschönen Punkt mit einer Ausstrahlung auf die gesamte Region und darüber hinaus dar.

So wird es nach Monet 2009/2010, die eine andere Geschichte des Impressionismus erzählt, eine weitere Geschichte dieses wunderschönen Malstils geben. Wir denken auch die Sisley Ausstellung wird von Erfolg beschieden sein. Die Zärtlichkeit des Sehens ist eine wunderbare Sprachschöpfung für diesen Maler. 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Wuppertal – Elberfeld


Informationen

Von der Heydt-Museum
Turmhof 8
D – 42103 Wuppertal
Telefon 0202 – 563 2500
Telefax 0202 – 563 8091

von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de
www.von-der-heydt-museum.de
http://www.sisley-ausstellung.de

Buchungen können auch online vorgenommen werden.

Öffnungszeiten:

DI – SO 11 bis 18 Uhr
DO 11 bis 20 Uhr

MO  geschlossen

 

 

 

Es geht aber noch um die Führungen. In den letzten Ausstellungen waren die Anmeldungen der  Schulen immer geballt auf einen Zeitraum fixiert, so dass manchmal erhebliche Terminprobleme entstanden. Um diese Probleme nicht aufkommen zu lassen bittet die Museumsleitung um kurzfristige Anmeldung.

Gruppenführungen

sind jetzt zu buchen: Online auf der Homepage des Museums oder telefonisch: 0202 – 5636397 (Mo-Do 9:00 – 12:00 Uhr)

 

Öffentliche Führungen:

Mittwochs 15:00 Uhr

Donnerstag 18:00 Uhr

Samstags 15:00 Uhr

Sonntags 12:30  und 15:00 Uhr

Eintritt 10,– Euro + 4,- Euro für die Führung pro Person

Die Karten sind online oder jeweils 30 Minuten vor Beginn der Führung an der Museumskasse erhältlich.