Starke Frauen lesen starke Frauen in Gevelsberg

v.l.: Claudia Michelsen, Sozanne von Borsody, Patricia Litten  Foto: /c) Linde Arndt

v.l.: Claudia Michelsen, Sozanne von Borsody, Patricia Litten Foto: (c) Linde Arndt

[jpg] Als Pressevertreter muss man seinem Gemüt vieles zumuten. Und machmal sitzt man und denkt sich, „Bitte mehr davon.

Vorsitzende des Vorstandes der Stadtsparkasse Gevelsberg Thomas Biermann Foto: (c) Linde Arndt

Vorsitzende des Vorstandes der Stadtsparkasse Gevelsberg Thomas Biermann Foto: (c) Linde Arndt

Der Vorsitzende des Vorstandes der Stadtsparkasse Gevelsberg Thomas Biermann kündigte im Zentrum für Kirche und Kultur drei herausragende Schauspielerinnen der Gegenwart an. Und wie das so üblich ist, wollte Thomas Biermann eine kurze Einführung über die Personen und über die nun folgenden Inhalte geben. Aber es  war ihm nicht erlaubt, die drei Schauspielerinnen baten doch nichts dergleichen vorzutragen. Höflich, wie Thomas Biermann nun einmal ist, folgte er der Bitte und kündigte nur den Namen und den Titel des Abends an. Nur eines, es war der Nikolaustag und als die Sparkasse Gevelsberg den Abend bekanntgab, waren in Windeseile 550 Kartenzusagen bei der Sparkasse eingegangen.

Drei Frauen aus Deutschland“

mit Texten von Erika Mann, Else Lasker-Schüler und Bettina von Arnim.

Eine literarische Revue von Martin Mühleis

Die drei Rezitatorinnen :
Claudia Michelsen, Susanne von Borsody, Patricia Litten.

Textbearbeitung, Konzeption, Regie – Martin Mühleis

Suzanne von Borsody
Grimme-Preisträgerin 2015 („Männertreu“), Bundesverdienstkreuz am Bande, Bayrischer Verdienstorden und wurde mit zwei Goldenen Kameras sowie weiteren Auszeichnungen für ihre schauspielerischen Leistungen ausgezeichnet.

Claudia Michelsen
Grimme-Preisträgerin 2013 (Der Turm), 2014 (Grenzgang), : Max Ophüls – Preisträgerin (Das schafft die nie), Hessischer Fernsehpreis, Goldene Kamera.

Patricia Litten
Trägerin des Bayerischen Theaterpreises 2002. Patricia Litten ist seit 1998 freischaffend tätig. Seitdem ist sie auf verschiedenen Bühnen, wie dem  Schauspielhaus in Frankfurt, dem Schillertheater Berlin und in Film und Fernsehen aufgetreten. Sie ist vor allem als Theaterschauspielerin und Rezitatorin deutschlandweit bekannt.

Die Konzeption ging mit diesen drei großen Schauspielerinnen voll auf. Während eine in die Rolle der Protagonistin schlüpfte, befassten sich die beiden anderen mit dem Kontext in denen die Protagonistinnen wirkten, wechselseitig wurden die persönlichen Daten mit den gesellschaftlichen Daten vorgetragen um diese in Bezug zu den Werken zu setzen.

Susanne von Borsody foto: (c) Linde Arndt

Susanne von Borsody foto: (c) Linde Arndt

In die Rolle der Bettina von Arnim (1785 – 1859), Schriftstellerin der deutschen Romantik, schlüpfte Suzanne von Borsody man fühlte wie sie sich mit der Person identifizierte. Ihre Stimme vibrierte als sie die Emotionalität des Geschehens vortrug. Arnim hatte eine Beziehung zu Goethe die aber mehr oder weniger von ihr mittels Briefen aufrecht erhalten wurde. Sie setzte sich für Menschen in den Elendsquartieren beim damaligen preußischen König ein. Suzanne von Borsody spielte die Widersprüchlichkeit, die in der Person begründet ist, als hilflosen Tatendrang der Person von Bettina von Arnim, die nichts anderes wollte als ernst genommen zu werden. Nur Frauen ernst nehmen, damals wie teilweise auch heute, ein schwieriges Terrain.

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Claudia Michelsen Foto; (c) Linde Arndt

Claudia Michelsen Foto; (c) Linde Arndt

Erika Mann (1905 – 1969), Schauspielerin, Kabarettistin, Schriftstellerin und Lektorin, wurde von Claudia Michelsen angenommen. Michelsen trug eine klare aber kämpferische Erika Mann vor, die sich nicht unterkriegen ließ. Erika Mann war mit einem Koordinatensystem ausgestattet, dass klare pazifistische Werte erkennen ließ. In Michelsens Auftritt konnte man eine Frau erkennen die keinem Disput aus dem Weg ging. Eine starke und emanzipierte Frau.

Patricia Litten  Foto: (c) Linde Arndt

Patricia Litten Foto: (c) Linde Arndt

Else Lasker-Schüler (1869 –1945), eine deutsche Dichterin jüdischen Glaubens, war bei Patricia Litten sehr gut aufgehoben. Lasker-Schüler die wohlbehütet in ihrem Elternhaus aufwuchs konnte schon mit vier Jahren lesen und schreiben und galt demnach als Wunderkind. Sie war stilistisch dem Expressionismus zuzuordnen, ihre Werke unterwarfen sich nicht den bekannten Regeln, vielmehr wechselten sie willkürliche Handlungsstränge um sich auch einmal zu verlieren. In Berlin fand Lasker-Schüler zeitweilig eine Heimat, musste aber 1933 in die Schweiz vor den Nazis flüchten. Dort bekam sie Berufsverbot, die Schweizer wollten keinen Ärger mit den Nazis haben. Zeitlebens lebte sie am Existenzminimum. 1927 starb ihr Sohn Paul, was sie in eine tiefe Krise stürzte. Litten merkte man die Zärtlichkeit an mit der sie Lasker-Schüler vortrug, die nachträglich schützende Hand die sich sorgend über den Kopf von Lasker-Schüler legte wusste Litten herüberzubringen. Wunderbar.

Starke Frauen wurden immer an ihrer Entwicklung indirekt oder direkt durch Männer gehindert. Die drei Frauen hatten in einer falschen Zeit ihre Persönlichkeit entfalten wollen, sie haben gekämpft und mussten doch scheitern. Und die drei vortragenden Frauen? Sie sind in einer Zeit zuhause, die es ihnen zumindest teilweise ermöglicht sich zur Gänze zu verwirklichen. Das es so ist, die Gleichberechtigung, verdanken wir alle den Vorkämpferinnen, die an diesem Abend zum Vortrag kamen. Es sind tragische Schicksale die mitfühlend vorgetragen wurden. Und das Fazit des Abends trugen die drei Schauspielerinnen denn zum Schluss vor, indem sie einzeln aus dem Halbdunkel ins Helle traten und vortrugen:

„Du verlierst nur, wenn Du nicht wagst.“

Langanhaltender Applaus war die Belohnung für diesen Abend. Verbeugung und Abgang. Jedes weitere Wort, hätte dem Auftritt geschadet.

Wie gesagt: Bitte mehr davon.

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Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Gevelsberg


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