Städtepartnerschaft mit Inhalten in Vilvoorde

[jpg] Wir haben uns schon immer gefragt, was macht eigentlich so eine Städtepartnerschaft aus.
Reicht es wenn ab und an ein gemeinsames gemütliches Beisammensein stattfindet oder sollte da doch etwas mehr sein?

Zeit für…. ? fragte vor nicht allzu langer Zeit Pierre Bogaerts, während der Vernissage "Kunst zwischen den Säulen" , initiiert vom Kunstraum-EN  in der ehemaligen Fabrik Stockey und Schmitz in Ennepetal. Damit stimmte Bogaerts manch einen nachdenklich. Seine Zeitkarten fanden sich damals ausgefüllt in den Schächten wieder. Bogaerts lernte ich als einen Künstler in der Ausstellung kennen, der in sich ruhte. Sein freundliches aber auch ernstes Wesen zwang nicht, sondern führte mich zum Nachdenken. Leider sind solche Momente immer nur flüchtig in unserer schnelllebigen Zeit, die kein inne halten erlaubt.

                                                        
Nachdem bereits im April 2009 13 Vilvoorder Künstler (unter anderem auch Pierre Bogaerts) ihre Werke im Haus Ennepetal ausgestellt hatten,  war es jetzt Zeit für einen Besuch in Vilvoorde der Partnerstadt von Ennepetal, einer Kleinstadt im Einzugsbereich der belgischen Hauptstadt Brüssel. Rund 38.000 Einwohner hat Vilvoorde, wie Ennepetal vor 30 Jahren. Nur Vilvoorde hat mehr zu bieten und ist im Gegensatz zu Ennepetal in fast allen Bereichen weiter entwickelt.


So machte sich eine Gruppe von zehn Künstlern des Kunstraum – EN unter in Begleitung von Karsten Michel aus der Stadtverwaltung, zuständig für den Bereich Kultur, auf den Weg nach Vilvoorde. 

Es war ein Gegenbesuch der Ennepetaler Kunstszene anlässlich der Ausstellung von Pierre Bogaerds in der "de oude pastorie" unter dem Titel "De onvoltooide symfonie" (Die unvollendete Symphonie).

"Het verleden vormt het heden, in het licht van de shaduw van het voorruitzicht." (Die Vergangenheit ist die Gegenwart, im Licht der Schatten der Aussicht.) so Pierre Bogaerts zu den von ihm ausgestellten Werken.

Die anschließende Finissage um 11:00 Uhr erreichte für die Ennepetaler ein hohes Niveau. Sie wurden durch die Vilvoorder freundlich und zuvorkommend aufgenommen.

Ein wunderbares Gedicht Bogaerts war im Vorwort, dass so recht zu dieser Ausstellung passte.

 

 

"Wat men ziet kan men doorzien
Aldus heb ik gehoord
Gehoord?
Nog zo iets zoals geproefd, geroken, gevoeld en gedacht
Het geluid is de kleur van de stilte
Voelen is tasten naar de omhulsels van de vormen
De geuren verleggen de grenzen
Alles komt samen in het centrum van de zintuigen, bij de gedachten
Dan is er onwaken
Wat maakt dat alles anders wordt
Dat men de oneindigheid kann aanraken
Dat alles vloeit in een kosmisch vuur"

                                    Panta Rhei

Die Übersetzung dazu.

Was wir sehen, kann man hindurchsehen
So habe ich gehört
Gehört?
Selbst etwas so geschmeckt, gerochen, gefühlt und gedacht
Der Klang ist die Farbe der Stille
Fühlen ist es, die Umhüllung der Form anzugreifen
Die Düfte verschieben  die Grenzen
Alles kommt zusammen in der Mitte der Sinne, den Geist
Dann gibt es Erwachen
Was macht das alles anders ist
Das wir die Unendlichkeit berühren können
All dies mündet in ein kosmisches Feuer

                                   Panta Rhei

Dieses Gedicht berührt einen und nimmt einen letztendlich auch gefangen in dem ewigen Fluss der Zeit.
Nachdenklich machte es mich schon; denn ich frage mich, wo sind da Möglichkeiten um diese Städtepartnerschaft mit mehr Leben, sprich Inhalten, zu füllen? Denn offensichtlich haben die Vilvoorder uns mehr zu bieten, als wir geben können. Oder wollen?

Was spricht dagegen wenn aus unserer Verwaltung Verwaltungsangestellte in die Vilvoorder Verwaltung gehen und umgekehrt? Wenn ein Vilvoorder Polizist in Ennepetal zeitweilig seinen Dienst verrichtet und umgekehrt auch. Ein Lehreraustausch stattfindet, Mathematik z. Bsp. ist in allen Ländern gleich. Die Belgier sind anders aber die Ennepetaler auch, von einander lernen, verstehen, das sollte doch das Ziel der Städtepartnerschaften sein.

Wir Deutschen, auch die Ennepetaler, neigen immer dazu alles komplizierter zu machen als es ist, hier sind uns unsere Nachbarn teilweise überlegen. Die Lebensqualität ist dadurch viel größer, intensiver aber auch einfacher.

"Alles kommt zusammen in der Mitte, dem Geist" und weiter "Wir können die Unendlichkeit berühren.", das ist es was uns fehlt der Glaube an uns selber im Hier und Jetzt, nicht im Jenseits.

Gerade jetzt in der Finanz- und Wirtschaftskrise zweifeln wir so an uns und unserem Tun, wir verdrängen unser eigenes Versagen und schauen gebannt auf die Zeit die uns verschonen soll. Mutlosigkeit erfasst uns auf Jahre.

Lasst doch einmal den Bürgermeister von Vilvoorde zwei Monate in Ennepetal die Geschicke der Stadt führen, dafür geht unser Bürgermeister nach Vilvoorde für zwei Monate in das Amt in Vilvoorde.

Eine vermessene Forderung für viele meiner Mitmenschen. Braucht es dafür Mut? Nein. Es braucht nur ein Wort, und dieses Wort öffnet alle Türen.

Jürgen Gerhardt

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