SPD und politische Kämpfer? Niemals

[jpg] Auf der "Insel der Glückseligen" gibt es wie überall auch Parteien. Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Na ja, die Personen sehen schon unterschiedlich aus, ist doch klar. Aber sonst ist man sich in  allem einig und tut lediglich so als wenn es politische Unterschiede gibt.

Wenn ich im Ennepetaler Rathaus bei den Ausschüssen sitze und "verträumt" dem Harmonie trunkenen Treiben zuhöre und zusehe, denke ich, warum gehen wir jetzt nicht alle ganz gemütlich in das nächste Cafe. Dort könnten wir von der Oma, dem Opa plaudern und  uns sonstige Geschichten erzählen und alle wären glücklich. Wenn ich nicht immer einen Artikel über die Politik in Ennepetal schreiben müsste. Gott sei Dank tun mir die Ratsmitglieder und die 14 Millionen Truppe allesamt den Gefallen und mühen sich um eine gute Story für mich. Sie haben mich noch nie enttäuscht.

Wie das ein guter Journalist und Blogger tut, installiert er sich dementsprechende Ticker und treibt sich in den sozialen Netzwerken rum um die News  auf den Desktop zu bekommen.
Auf der Ennepetaler SPD Site fand ich einen Artikel von Kathrin Sicks mit dem Titel:

 "Frauenförderung statt Gleichstellung in Ennepetal – Falscher Ansatz mit schlechter Umsetzung" 

Ich habe den Artikel zweimal gelesen, weil ich es nicht glauben wollte. Ich meine es ist ok, wir haben am 8. März 2011 den 100sten Jahrestag des internationalen Frauentages der UN gehabt. In Ennepetal gingen die Uhren immer schon etwas anders. Aber dass in einem  Ennepetal der Faupels, Rauleffs oder Freys eine Frau etwas über Frauenpolitik schreibt, hätte ich nicht gedacht. Ich könnte mir vorstellen, dass diese gestandenen Politiker es als Blasphemie auslegen könnten und Kathrin Sicks gedanklich auf dem Milsper Markt vom Citymanagement öffentlich verbrennen lassen könnten. Trotzdem würde ich diesen Artikel voll und ganz unterschreiben.

In Ennepetal wo Frauen in der Politik nur rhetorische Fragen stellen dürfen, die zwar notiert aber dann in einem Wurmloch der Stadtverwaltung verschwinden, da  tritt Frau Sicks kämpferisch für die Rechte der Frau ein und legt messerscharf die Verfehlungen der Frauenpolitik in Ennepetal dar. Auch diese Pseudoveranstaltung im Mehrgenerationenhaus legt sie als das dar, was sie ist, ein Rückschritt auf dem Weg zur Gleichstellung  von Mann und Frau. Töpfern, Wände bemalen, Filzen, sich mal wieder schön machen oder Knete selber machen, alle diese  Aktivitäten gehören in den Bereich 3K (Küche, Kinder und Kosmetik). Es mutet irgendwie an, als wenn wir Jungs den Frauen wieder Taschengeld zuweisen wollten, konkret, die Geschäftsfähigkeit entziehen wollten. Es ist ein Schlag ins Gesicht der Frauen und das so wie ich gehört habe, auch noch von Frauen.

Frau Sicks hat aber eines übersehen. Die SPD war ein ganzes Stück weit im Rathaus an der Macht.

In Ennepetal hat man immer Wert darauf gelegt den politischen Gegner in die Verantwortung mit einzubeziehen auch die SPD. So wurde in der Frauenpolitik nur das gemacht, was gesetzlich vorgeschrieben war, nur die Umsetzung ist recht schwach. Also langsam mit den Pferden.

Und so war es nicht verwunderlich, dass die Kommunalwahl mit einem hohen Grad an Frauenfeindlichkeit von der CDU mit Duldung der anderen Parteien eröffnet wurde.

Schaut man das Rathaus der 14 Millionen Truppe an, so erkennt man unschwer, sämtliche Führungspositionen bis runter auf Fachbereichsebene sind nur den Männern vorbehalten – und das seit Jahren. Auf Abteilungs- und Gruppenleiterebene werden sicher einige Frauen vorhanden sein, ich denke aber eher weniger. Auf Sachbearbeiterebene wird es sicher dann eine nennenswerte Quote von Frauen geben. Ennepetal hat zwar eine Gleichstellungsbeauftragte, diese Frau wird sicher  eine Alibifrau sein.

Tja so ist das auf dieser Insel.

Wo sind die an anderen Orten angestoßenen Diskussionen über Gewalt, Karriere, Familie und Beruf, Armutsrisiko bei Frauen, Alleinerziehende Frauen oder Frauen in der Politik?

Selbst für einen Mann ist das peinlich wie Frauenpolitik in Ennepetal betrieben wird – nämlich überhaupt nicht wirklich. Es geht nicht mehr, wie Frau Sicks richtig erkannt hat  um die ach so schwachen Frauen, es geht um die gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen. Und das nicht nur weil die Gesellschaft auf einmal vor Mitleid die Frauen entdeckt hat. Vielmehr ist es eine Forderung aus allen Bereichen der gesellschaftlichen Sparten endlich das umzusetzen, was politisch seit Jahren gefordert wird. Und diese Forderung will man sogar nun  mit einer Quote erreichen. Die Bundeskanzlerin hat der Quote zwar eine Absage gegeben ( Wenn man oben ist braucht man auch keine Quote mehr), letztendlich kann sie aber mit ihrer CDU die Quote nicht mehr verhindern. Es ist zu einer Frage der Vernunft geworden und duldet keinen Aufschub mehr.

Die Telekom führt inzwischen die Frauenquote ein, zwar erst 30% in den Führungspositionen, aber immerhin. Wenn die Politik ihren Führungsanspruch nicht verlieren will, sollte sie schnellstens eigene Ideen und Konzepte vorlegen. Die Diskussion verläuft im Moment ganz anders als es der konservativen Politik, und da gehört auch die SPD dazu,  lieb ist. Man könnte es auf zwei Kernsätze zuspitzen: Wenn Frauen in den Führungspositionen sind, werden auch Frauen gefördert und einstellt. Es ist dann das was es sein sollte, eine Selbstverständlichkeit. Und wenn Männer den Vorteil durch die Frauenquote sehen, werden die Frauen nicht mehr wegzudenken sein. Dann werden auch endlich die vielen Untersuchungen bewiesen, die besagen, es gibt nur Vorteile auf allen Ebenen wo Frauen ihren Anteil haben.
Wem sagen die Namen  Philippe Juvin, Raül Romeva i Rueda, Marc Tarabella etwas? Niemanden etwas ?

Inzwischen haben sich auch Männer emanzipiert und sitzen mit den Frauen auf Augenhöhe an einem Tisch um die Probleme zu lösen die sich durch noch nicht vorhandene Gleichstellung von Frau und Mann ergeben. In Strasbourg und an anderen Orten eine Normalität und alltägliche Notwendigkeit.

Und was machen wir danach mit Faupel, Rauleff und Frey und all den fosilen Unverbesserlichen? Es sind immerhin gestandene Männer in deren Umfeld die Luft Adrenalin geschwängert ist. Nun, sie werden wie so viele ihrer Vorgänger mit der Geschichte verschwinden und nicht erwähnt werden. Und dann wird Ennepetal eine moderne Stadt sein wo man die heutige Zeit nicht verstehen kann.

Was bleibt?

Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer und sollten sich daher ohne Schuldkomplexe einer Karriere widmen können. Es ist nicht annehmbar, dass sich Frauen entscheiden müssen, ob sie lieber Direktorin oder Mutter werden wollen. Warum gibt es in der Gesellschaft eine Sichtweise, dass Frauen "unangenehme Arbeitnehmer" sind, oder eine zweite Wahl darstellen oder es Risiken in sich birgt sie einzustellen? Ganz einfach: weil die Verantwortung für die Familie nicht von den Männern mitgetragen wird. (Edite Estrela, Portugal)

So, nun schminckt euch mal schön am 12. März ihr Mädchen und Frauen im Mehrgenerationenhaus von Ennepetal, Papa holt euch auch abends wieder ab, wenn er von der Arbeit kommt. Und bringt nicht wieder diese selbstgetöpferten Tassen mit.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal.

1 Antwort
  1. Petra says:

    Nach 10 Jahren Opposition schickte die SPD zur Kommunalwahl 2009 erstmals ( es war das zweite mal. d.Redaktion) eine Frau ins Rennen: A. Schöneberg. Die SPD unterlag, sie wurde ein drittes Mal in die Opposition geschickt. SPD-Wähler erwarteten nun, dass Frau Schöneberg mit breiter Unterstützung ihrer Partei als Oppositionsvorsitzende, als „Gegenspielerin“ des Bürgermeisters in den Rat geschickt würde. Fehlanzeige! Das was zunächst als Wende erschien, die Kandidatur einer Frau für das Bürgermeisteramt, entpuppte sich nach der verlorenen Wahl als Luftblase. Frau Schöneberg wurde von ihrer Partei in die zweite Reihe gedrängt, den Vorsitz der Oppositionsfraktion übertrug man Herrn Rauleff, der Sprüche klopfend dem Bürgermeister hinterherrennt und vor der 14-Millionen-Truppe buckelt.
    Trotz verlorener Wahl hätte die SPD ihre Bürgermeisterkandidatin solidarisch als Oppositionsvorsitzende aufbauen und stärken müssen: Das wäre ein beeindruckendes Beispiel von „Frauenförderung“ gewesen!

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