Schwelm gibt sich das Heimatfestfieber

     [jpg] Nachmittags ein Fass aufmachen und abends den Elvis geben. Ein Schwelmer Bürgermeister muss am ersten Wochenende im September des Jahres fit sein. Hat er doch viele Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Schwelmer Heimatfest. Verpflichtungen? Nein, es machte allen Schwelmer Bürgermeistern immer wieder Freude, Teil des Heimatfestes zu sein.

Das Heimatfest hat eine uralte Tradition die bis in das 16. Jahrhundert  zurück geführt werden kann.  So teilen sich die Schwelmer die Tage ein um in Stimmung zu kommen. Thematisch sind alle nur noch auf dieses Fest anzusprechen. Da wird die historische Altstadt mit Unterwäsche dekoriert, die Stadt wird herausgeputzt, Einladungen werden ausgesprochen und für den Heimatfestzug wird bis spät in den Sonntag früh noch gewerkelt. So war und ist immer ein Höhepunkt im Zusammenhang mit dem Schwelmer Heimatfest der Heimatfestabend, der in der Mensa des Märkischen Gymnasiums stattfand.
4 Stunden Unterhaltung pur und niemand bemerkte die 4 Stunden; denn es waren nur gefühlte 2 Stunden, so kurzweilig war das Programm.

Wie in jedem Jahr kam der Obernachtwächter ( Christian M. Fasel ) und wusste von allerlei zu berichten. Das ging von der Insolvenz der Schwelmer Brauerei ( Ob man die Schwelmer besch….. hat?), über den Kreisel, die Einbahnstraße Bismarkstraße oder bis zum Toilettenhäuschen auf dem Neumarkt, also alles was den Schwelmer über das Jahr auf- und anregte.Und dann ging es ab mit „6Pack“ einer Rock´n Roll Cover Band die die guten alten Songs der 50er und folgenden Jahren auf ihrem Programm haben. Das die Obernachbarin kurz vor dem Sprung auf den Tisch stand, sprach schon Bände über die Stimmung in der Mensa. Der Gipfel war allerdings als Bürgermeister Jochen Stobbe als Elvis mit Tolle und einem Waschbrett bewaffnet die Bühne eroberte um sich tanzend in die Gruppe einzureihen. Und der Bürgermeister wollte das Heimatfest nicht nur lokal verortet haben, indem er eine Grußadresse des Berliner Oberbürgermeisters Klaus Wowereit vorlas, der sich als Freund des Schwelmer Heimatfest outete. Das reichte Bürgermeister Stobbe allerdings nicht, denn, „Berlin hat nur einen Kuhdamm, wir (Schwelmer) haben den Ochsenkamp“ rief Stobbe in den Saal.

10 junge Damen der Spielvereinigung Linderhausen tanzten einen Csardas im klassischen Ballettstil, der als sehr gelungen zu bezeichnen war. Und dann wurde platt gesprochen mit Irmgard Weinreich, die von einem Rotkäppchen andersherum sprach. Diesmal wurde der Wolf gefressen und nicht Rotkäppchen – oder war es doch irgendwie anders?

Mit Hans-Paul Niepmann, der  mit Irmgard Weinreich und Eugen Dittmar das plattdeutsche Dreamteam darstellte, ging es mit verdrehte Geschichten um die IKEA Ansiedlung weiter. Da wurden Köttbullar, das Billy Regal und andere Produkte einer plattdeutschen Marktanalyse unterzogen, die mit der Frage endete: Was hat Schwelm damit zu tun?

     Auch das alte Kinder- und Scherzlied „Ein Loch ist im Eimer“ mit Bürgermeister Jochen Stobbe, welches abgewandelt wurde in „Ein Loch ist im Haushalt“, erntete reichlich Beifall und Gelächter über die einfallsreichen Textpassagen. Jochen Stobbe und  Hans-Paul Niepmann brachten einen wirklich kurzweiligen Auftritt.
Die 9 Schlümpfe der Turngemeinschaft „Rote Erde“, unter der Leitung von Stefanie Reinwald,  mit Vater Abraham überbrückten die Umbaupausen und darüber hinaus brachten sie als TurnerInnen eine Vorstellung über ihre wirklich sportlichen Möglichkeiten.

Es war ein gelungenes Bodenturnen auf engstem Raum, was mit langanhaltendem Applaus bedacht wurde. Der Schwelmer Kolpingchor unter der Leitung von Ludger Janning konnte als Chor überzeugen und nahm das Publikum mit. Lassen wir zu einer Aufführung der besonderen Art kommen, der Ballettschule Gabi Hilpert mit „Dance Works“ .

 Die Tänzerinnen dieser Schule überzeugten schon recht professionell mit Walzer und Csardas und einem wunderschönen Tanz der Clowns. Hut ab.  Und immer wieder das ev. Kinder- und Jugendtheater unter Sabine Masmeier-Wegemann mit seinen heiteren Kurzsketchen.  Ein Beispiel? Sie zu Ihm: „Du, ich habe im Urlaub schon 6 Kilo abgenommen“. Er zurück: „Du bist ja auch noch nicht geschminkt“. Man sah den Akteuren den Spaß an diesen Sketchen schon an und dabei waren sie hoch konzentriert.

Eine weitere musikalische Bereicherung kam zur Aufführung das Akkordeon-Orchester Schwelm brillierte unter der Leitung von Wolfgang Hanstein mit Potpourris rund um die Welt. Und wieder das plattdeutsche Dreamteam Weinreich und  Eugen Dittmar die sich nun den Werken von Friedrich Schiller zu wandten und im Dialog die gesamte Heldenpalette des Dichters durcheinander warfen.

 

    Viele der Anwesenden hatten feuchte Augen von den witzigen und facettenreichen Dialogen. Wer würde schon die Jungfräulichkeit der Jungfrau von Orleans in Zweifel stellen und diese mit dem Schuß des Wilhelm Tells auf einen Apfel der auf dem Kopf seines Sohnes lag, in Verbindung bringen. Nur weil der Sohn die Jungfrau nicht gegrüßt hat. Die beiden trieben dieses Stück gnadenlos auf die Spitze – das kann man nur göttlich nennen. Das Publikum dankte es ihnen mit langanhaltendem Applaus.
 Kommen wir zum Schluß, und zwar zum „The panic Stones“ Orchester mit einem gut aufgelegten ehemaligen Dachovorsitzenden Jürgen Kuss, der alles durcheinander brachte, und einem Orchester in bunten Kostümen der Stones und Beatles Zeit unter der Leitung von Eugen Dittmar.
Dem Panic Stones blieb es auch vorbehalten das „Westfalen Lied“ zu intonieren, womit der Heimatfestabend 2012 fast genau um Mitternacht ausklang.
   

Als wir die Bahnhofsstraße runter fuhren sahen wir die St. Marien Kirche noch hell erleuchtet, sicher wurde gerade eine Mitternachtsmessen anläßlich der Begegnung des „Club Schwelm-Fourqueux“ abgehalten. Bummler kamen von der Altstadt um sich nach Hause zu begeben oder weiter zu feiern.
Man sah und hörte: Schwelm lebt seine Nachbarschaften.

   

Bis zum Sonntag, dem 2. September, wenn der Heimatfestzug sich in Bewegung setzt und es dann heißt : Ümme dropp, de Stadt stoatt Kopp.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm.
[Fotos: © Linde Arndt]


Damit Sie etwas von der Stimmung mitbekommen, hier noch eine kleine Gallery.

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 Wer noch weitere Informationen zu den Karussells des diesejährigen Heimatfestes möchte, kann sich die
Seite http://www.schwelmer-kirmes.de  ansehen.

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