Portrait: Bernd Wilden

 
Portrait:  Bernd Wilden

Champagnerlaune mit dem Traumpaar des deutschen Films, Lilian Harvey und Willy Fritsch
 
„Unter der Intendanz von Peter Pietzsch war ich der Märchenmann,“ gibt er schmunzelnd zu, wenn man ihn nach seiner Hagener Zeit fragt, aus der ihn vermutlich viele Hagener als Komponisten der Märchen zur Weihnachtszeit kennen. Bernd Wilden, freischaffender Dirigent und Komponist, war von 1996 bis 2000 Kapellmeister am theaterhagen. Er denkt gerne an die Jahre in der Stadt an der Volme zurück, in der er seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen konnte. Unter anderem arrangierte er Werke verschiedener Genres für das Orchester, komponierte, dirigierte und sprang sogar manchmal für den Chordirektor ein. „Es war eine tolle Zeit, in der ich mich als Einsteiger ausprobieren und viel lernen konnte. Ich habe gemerkt wie ich mit meinen Aufgaben förmlich gewachsen bin, und das war ein sehr schönes Gefühl.“

Als Musikliebhaber des 21. Jahrhunderts lässt er sich in seinem kompositorischem Schaffen von diversen Stilrichtungen inspirieren. So stehen neben traditionellen Formen wie Ouvertüre, Streichquartett und Solokonzert, auch Jazz-Kompositionen, Bühnen- und Filmmusiken. Nach seinem Weggang aus Hagen – der Familie wegen – leitete er in Bielefeld ein Jugendorchester, mit dem er sein erstes Filmkonzert beim Bielefelder Film & Musik-Fest, das jährlich von der F.W.Murnau-Gesellschaft veranstaltet wird, aufführte: Das Konzert zu Frederico Fellinis`“La Strada“ wurde ein voller Erfolg. Es folgten immer größere Auftrags-kompositionen für u.a. die F.W.Murnau-Gesellschaft, insbesondere im Bereich der sinfonischen Musik zu Stummfilmen.

Mittlerweile sind es neun Stummfilmmusiken, die er komponiert hat, die er auch alle unter seinem Dirigat mit dem philharmonischen orchesterhagen in Bielefeld uraufgeführt hatte; darunter Klassiker wie „Ich möchte kein Mann sein“ (Lubitsch), „Die Büchse der Pandora“ (G.W.Pabst) und „Nosferatu“ (Murnau).

Bernd Wilden geht bei seiner Arbeit sehr ins Detail. „Wenn ich eine Liebesszene im Film habe, reicht es nicht aus, dass ich diese mit `Liebesmusik` untermale. Das wirkt zu großflächig. Es ist durchaus von dramatisch unterschiedlicher Wirkung, ob das gezeigte Liebespaar sich nur anlächelt, umarmt oder gar küsst. Ich bevorzuge das `Mickey-Mousing`“. Damit unterstreicht er, dass jede kleine Geste – wie in den action-geladenen Szenen der Trickfilme – durch eine bestimmte Instrumentierung bzw. Tonfolge begleitet werden muss. Der besondere Reiz besteht für ihn darin, die Konzentration aufs Detail zu wahren, doch den Blick auf das sinfonische Ganze nicht zu verlieren. Dabei wird die Partitur minutiös durchgerastert. Sechs Monate benötigt er in der Regel für das Komponieren einer begleitenden Filmmusik.

Eine weitere Herausforderung stellt für ihn auch das Dirigat seiner Werke dar. Der Film hat sein vorgegebenes Tempo, und wenn der Dirigent nur ein wenig zu schnell oder zu langsam ist, dann passt es nicht. Bernd Wilden muss sich daher in seiner Vorbereitung sowohl das Tempo des Films als auch die musikalischen Tempi so sicher aneignen, dass er im Konzert beides zusammenführen und evtl. Abweichungen sofort bemerken und korrigieren kann. Umso größer ist die Herausforderung, trotz dieses zeitlich engen Korsetts, frisch, schwungvoll und leidenschaftlich zu musizieren.

Beim Filmkonzert „Die keusche Susanne“ taucht auch schon mal „die Wallküre“ als humorvolle, musikalische Persiflage der vorgetäuschten Tugendhaftigkeit höherer Gesellschaftskreise auf.  Die Zuschauer dürfen sich bei diesem Konzert am 25. Januar 2011 um 20 Uhr in der Stadthalle Hagen – neben dem Traumpaar des deutschen Stummfilms, Lilian Harvey und Willy Fritsch – auf „operettige“, heitere, ausgelassene, amüsante Momente und Champagnerlaune mit dem philharmonischen orchesterhagen unter dem Dirigat von Bernd Wilden freuen!

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