Mehr Sicherheit mit mehr Polizei, auch in Gevelsberg

[jpg] Ich weiß, wir Wähler haben nur ein Kurzzeitgedächtnis von 14 Tagen. Macht doch nichts, dafür sind wir Journalisten mit einem gut funktionierenden Langzeitgedächtnis ausgestattet.
Wir erinnern uns, als aufgrund der sexuellen Übergriffe Silvester 2015/2016 in Köln, alle Politiker danach und im Wahlkampf versprachen, mehr Polizeikräfte einzustellen. 15.000 Polizeikräfte hatte seinerzeit die Regierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers eingespart. Durch die Kölner Vorfälle sollten diese Einsparungen wieder zurückgenommen werden, um damit dem Sicherheitsbedürfnis der NRW Bevölkerung Rechnung zu tragen.
NRW hat gewählt und jetzt sollte man meinen, dass diese Versprechen auch umgesetzt werden.

Die Stadt Gevelsberg ist eine kreisabhängige Stadt und ist dem Ennepe-Ruhr-Kreis (EN-Kreis) zu geordnet. Der EN-Kreis hat die Polizei in einer Kreispolizei organisiert, wobei Witten sich selber organisierte.

Gevelsberger Polizeistation und Bürgermeister Claus Jacobi Collage: Linde Arndt

Als solches hat jetzt der Kreis dem Kreistag ein neues Sicherheitskonzept vorgelegt, nach dem die Polizeiwachen Gevelsberg und Büttenberg geschlossen werden sollen und sodann in ein neues, noch zu erstellendes, Gefahrenabwehrzentrum am Strückerberg überführt werden. So weit, so gut. In der Vorlage 104/2017, die am 18.12.2017 im Kreistag zur Abstimmung gelangen soll, spricht der Kreis von Synergieeffekten, die durch die Zusammenlegung erreicht werden sollen. Das heißt ja, es ergeben sich Einsparungen auch im Personalbereich der Polizei.

Das im Kreis kein Aufschrei bei allen Städten zu vernehmen war, waren sich doch alle Parteien einig, dass für die Sicherheit personell und organisatorisch etwas geschehen muss, ist verwunderlich. Zumindest weitere Einsparungen oder Einschränkungen sollten nicht hinnehmbar sein. Denn ist die Realität im EN-Kreis, dass bei Streitigkeiten meinetwegen in Breckerfeld, die Streifenwagen vom Büttenberg losgeschickt werden, die aber frühestens nach 3 Stunden wieder zur Verfügung stehen können. In der Zwischenzeit müssten die Kriminellen eine Pause einlegen. In Gevelsberg ist es nicht anders, denn die Stadteile Berge oder Silschede liegen nicht gerade um die Ecke. Der EN-Kreis ist nun mal flächenmäßig einer der größten Kreise.
Nun, die Stadt Gevelsberg sah sich genötigt die konzeptionellen Aussagen des Kreises infrage zu stellen und empört zu protestieren. So argumentiert Bürgermeister Jacobi, dass die Polizeiwache Gevelsberg die Nähe zur Gevelsberger Bevölkerung erreicht, indem die Wache mitten in der Stadt ihren Dienst verrichtet und damit das Sicherheitsbedürfnis der Gevelsberger Bevölkerung befriedigt.

Diese Empörung mündet jetzt in einen Resolutionsentwurf, der vom Rat der Stadt Gevelsberg beschlossen wird und dann dem Kreistag und dem Landrat vorgelegt werden soll.
Was bleibt ist eine bittere Gewissheit, dass die Versprechungen der politischen Parteien vor der Wahl, nach der Wahl hinfällig sind. Ja, nicht nur das, sondern die politischen Parteien sehen bei der Sicherheit immer noch Einsparpotenzial, obwohl seit Jahren keine Einsparungen mehr möglich waren und sind.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Gevelsberg

6 Kommentare
  1. Sennekind says:

    Manchmal sollte vor dem Denken das Nachdenken kommen. Dabei sollte die Devise sein, von wo kommt man, was soll umgesetzt werden, wie soll das Ergebnis sein.
    Wer eine lange Zeit, über 35 Jahre die Problematik verfolgt hat, erkennt die Schwachstellen in der Polizei hier im Bereich. Weil es keine Stategie gab, war vielleicht politisch nicht umsetzbar oder nicht gewollt, wurden die Dienststellen immer mehr dezentraliesiert. Die Abschmelzung der Sollstärke touchierte eventuelle Probleme der Unterbringung. Wenn jetzt die Polizei wieder aufrüstet im Personalbereich ist es erforderlich die Einsatzkräfte auch dem entsprechend unterzubringen. Dann bekommen nicht nur die Bediensteten eine vernünftige Unterbringung in der Dienststelle, auch werden endlich, der Winter steht vor der Tür, sich die Einsatzfahrzeuge endlich freuen, wenn sie endlich ein Dach über dem Dach bekommen, Wenn in Zukunft, nach der Aufstockung des Personals statt einer Streifenwagenbesatzung mehrere Besatzungen Gevelsberg durchstreifen, ist der Sicherheit mehr gedient als in der Stadt ein gebundener Residenzbeamter. Die Bezirksbeamten bleiben ja auch in Zukunft vor Ort.
    Und wenn die Zweifler in den Städten Probleme haben, wegen der Umsetzung, was am Büttenberg entstehen soll, es gibt solche Zentren wie sie dort geplant werden, schon seit bald 20 Jahren im RP Arnsberg.
    Aber im südlichen Ennepe-Ruhr- Kreis hat ja noch niemand in den letzten Jahrzenten bemerkt, dass das wichtigste Problem der Verlust des Uhrenaufziehers ist, die Zeit hat jemand angehalten und keiner merkt es..

  2. Seneca says:

    @Sennekind
    Das Ergebnis ist doch wohl klar. Personaleinsparungen bringen Kosteneinsparung, dies führt dazu, dass Gelder frei werden, die zu Steuersenkungen beim sogenannten Mittelstand führt. Damit stehen die Kosteneinsparungen gegen das Sicherheitsbedürfnis (subjektiv) der Gevelsberger. Das Sicherheitsbedürfnis ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Was zu einer Frage führt: Wer finanziert die Polizei? Finanziert wird die Polizei durch die Steuereinahmen die der einfache Bürger leistet. Als solches hat er (der Bürger) ein Recht, dass seine Bedürfnisse genauso wichtig sind, wie das Bedürfnis einiger weniger die ihren Reichtum durch Steuereinsparung mehren.
    Wenn Sie anführen, ein Streifenwagen erfüllt dieses Bedürfnis genauso, so könnte auch ein schlecht bezahlter Leiharbeiter aus der Sicherheitsbranche letztendlich diese Aufgabe erfüllen, einen schicken Wagen inbegriffen. Die hoheitlichen Aufgaben der Polizei könnten durch eine handvoll Polizisten erledigt werden. Und wenn die Kriminalitätsrate in die Höhe geht? Was soll es, da finden wir auch noch eine Ausrede

  3. Sennekind says:

    @ Seneca

    Moin.

    Wie kommen sie auf Personaleinsparung ? Hier im Südkreis hat man das Problem der vernünftigen Unterbringung. Es wurden in den letzten Jahren immer wieder Sparprogramme gefahren, nicht nur bei der Polizei. Die Wache in Gevelsberg ist auch so ein Behelf. Wichtig sind aber nicht nur die Räumlichkeit sondern auch die Menschen die dort ihren Dienst versehen.
    Jetzt gibt es die Möglichkeit, endlich die ganzen Dienststellen im Dreistädteeck wieder zu vereinigen mit den entsprechenden Möglichkeiten im Hintergrunddienst. Sollte es jetzt wieder zu Personalaufstockung kommen müssen diese Leute auch wieder untergebracht werden. Wo soll dieses denn in Gevelsberg geschehen ? Vielleicht hätten die Stadtoberen die irgendwann neu zu bauende Feuerwache mit einer neu zu konzeptuirenden Polizeiwache zusammen als Untermieter erstellen können. Aber seit wie vielen Jahren wird hier schon die neue Feuerwache gebaut ?
    Wer sich ein Objekt wie das Rettungszentrum mit Polizeibeteiligung mal auch nur als Bürger ansehen möchte, für dieses Objekt werden sogar wöchentlich Führungen angeboten. Anmelden muss man sich nur bei der Kreisverwaltung in Soest. Auch Politiker können sich dort melden bevor sie sich um Sachen kümmern die auf einer ganz anderen Ebene entschieden werden. Manchmal hilft auch dabei der Bau einer neuen Feuerwache.
    Wegen der Leiharbeiter, die Ironie ist geschenkt, auch bezüglich der schicken Autos, beide stehen doch mehr im Freien und auf der Strasse weil die Räumlichkeiten jetzt schon beengt sind und eine Weiterung nicht möglich ist. Damit fingen vor ca. 40 Jahren die Probleme in Schwelm bei der Polizei an. Weil Mann/ oder Frau ( Scholle ) es nicht fertigt brachten eine vernünftige Konzeption vorzulegen wurde über Jahre auf dem Rücken der Einsatzkräfte Feuerwehr/ Polizei immer wieder gestückelt.
    Man kann nur Hoffen, endlich steht mal wieder ein großer Wurf ins Haus.

  4. Seneca says:

    @ Sennekind
    Personaleinsparungen können Sie aber aus der Vorlage klar herauslesen.
    Was nun Ihre Ausführungen betrifft, sind diese richtig, wenn ich dieses Gefahrenabwehrzentrum unter Kostengesichtspunkten sehe, Und da sind wir schon bei dem Grundproblem, der politischen Denkansätze. Der Ihrige ist das Denken unter dem Gesichtspunkt, das Maximum an Leistung mit dem Minimum an Aufwand (Kosten). Dies führt letztendlich zu nichts.
    Mein Denkansatz ist jedoch, was will ich mit der Polizei und mit was kann ich das umsetzen. Ich will das jetzt nicht weiter ausführen. Jedoch ist erst einmal eine Zieldefinition notwendig. Und da kommt auch das Sicherheitsbedürfnis oder Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zum tragen. Was sind diese beiden Positionen der Politik wert? Diese beiden Position kann ich nicht mit einem neuen Streifenwagen erreichen. Dies kann ich durch Vor-Ort Präsenz der Polizei erreichen. Dabei ist es wichtig, dass eine persönliche Beziehung hergestellt wird.
    Ihre Lösung sieht mir mehr danach aus, ich verschanze mich am Strückerberg und wer was von mir will, muss erst einmal hier raus kommen. Und die Wache in Gevelsberg? Sie ist “umme” Ecke für den Gevelsberger erreichbar, er kennt die Beamten und hat Zutrauen sich ihnen anzuvertrauen. Also,es gibt viele sensible Bereich für die ein Vertrauensverhältnis zu der Polizei notwendig ist, ich denke da z.Bsp. an das zunehmende Problem, Gewalt in der Familie.
    Und eines können Sie nicht berechnen, Vertrauen, ein Posten der in keiner Kalkulation eingebaut werden kann.
    Machen Sie Ihre schöne Schutz- und Trutzburg auf dem Strückerberg, Sie werden jedoch verlieren, an Vertrauen und und einem Sicherheitsgefühl der Bürger. Die AfD wird es Ihnen danken.

  5. Sennekind says:

    ” Machen Sie Ihre schöne Schutz- und Trutzburg auf dem Strückerberg, Sie werden jedoch verlieren, an Vertrauen und und einem Sicherheitsgefühl der Bürger. Die AfD wird es Ihnen danken ”

    Moin..

    Wer verliert wird die Zukunft zeigen, die Bürger gehen mit der neusten Technik. Wenn man was Neues plant sollte man diesen
    Sachverhalt ins Kalkül ziehen. Wenn es in Zukunft auch zu den Bezirksbeamten der Polizei öfter dann vermehrt Polizei präsent vor Ort sind und diese nicht immer an dem gleichen Punkt in der Stadt, bekommt der Bürger im Ort doch auch eine andere Perspektive von Schutz und Sicherheit. Von der Wache im Zentrum, in schlimmsten Fall ein Diensthabender im Wachraum,
    ,haben die Bürger in Berge bzw. Silschede sehr viel weniger. Bei dem Fortschriit der Technik werden die Bürger in Zukunft per
    Skype mit den Beamten der Leitstelle in den Dialog treten, jedenfalls besteht schon jetzt die technische Möglichkeit und dies aus jedem Winkel einer Stadt.
    Da ich perönlich eine sehr gute Meinung immer zu den Beamten der Polizei hatte und habe ist es mir ein persönliches Anliegen allen Beamten für ihren Dienstablauf die bestmöglichen Arbeitsplatzbedingungen zu ermöglichen. Die Synergieeffekte sind auch in der Bündelung bei den Arbeitsabläufen in der Dienststelle herstellbar, zum Beispiel allein schon manchmal im sozialen Bereich..

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  1. […] Update:08.12.17 zum Artikel: “Mehr Sicherheit mit mehr Polizei, auch in Gevelsberg” […]

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