Mehr als ein Gespräch unter Christen?

[jpg] Das Thema der Podiumsdiskussion, "Bleiben oder gehen?-Sind die Kirchen noch zu retten?", welches die Initiative "Ökumene 2017" gewählt hatte, versprach einen  spannenden Abend.

      
  vlnr.Klaus Krämer, Bruno Hessel, Dr. Klaus Solmecke,Heinz Ditmar Janousek, Helmut Kirsch             Foto: © Linde Arndt  

Unter der Moderation des Gevelsberger Altbürgermeister Dr. Klaus Solmecke, der  die Diskussion sehr gut in der Städtischen Musikschule Ennepetal moderierte, ging es direkt mit einem Paukenschlag los. Denn die Frage: "Was sind die Stärken und die Schwächen Ihrer Kirche", brachten sowohl den evangelischen als auch den katholischen Geistlichen in Nöte.

Der Gevelsberger Pfarrer der evangelischen Kirche, Helmut Kirsch, mochte die große Freiheit der evangelischen Kirche hervorzuheben und der Probst der katholischen Kirche St. Marien aus Schwelm, Heinz Ditmar Janousek, sah die Stärke seiner katholische Kirche in der starken internationalen Position seiner Kirche als Weltkirche. Beide vermochten jedoch die Gläubigen nicht verstehen, die die jeweilige Kirche verlassen hatten oder immer noch verlassen. Schuldige gab es jedoch zuhauf. Die Spaßgesellschaft, die Geiz ist geil Mentalität, der Egoismus oder das zurück ziehen des Einzelnen aus der Gemeinschaft. Auch wurden die Regeln der katholischen Kirche als zu rigide aufgezeigt, die die Gläubigen zum Verlassen ihrer Kirchengemeinde zwang. Bruno Hessel, katholischer Theologe und ehemaliger Pädagoge am Reichenbach-Gymnasium in Ennepetal, fand die Unbeweglichkeit seiner Kirche so erdrückend, dass er es nicht mehr in seiner Kirche aushielt, austrat und mit anderen den Verein "Ökumene 2017" gründete.

Ja, alle hatten ihre liebe Not mit der "Amtskirche", jedoch nicht, das wurde deutlich in den Meldungen, mit ihrem Glauben als Christen. Anlass dieses Gespräches war die Aussage, dass die Kirchenaustritte in diesem Jahr zum ersten mal in der katholischen Kirche (180.000 ) höher als in der evangelischen Kirche ( 120.000 ) war. Dabei sind die Kirchenaustritte seit Jahren in beiden Kirchen so hoch, zu hoch.

Aber ist es wirklich die zu hohe Kirchensteuer die die Gläubigen zum Austritt treibt? Oder die fehlende Gleichberechtigung von Mann und Frau, das Abendmahl welches die gemischten Paare nicht gemeinsam ohne schlechtes Gewissen einnehmen dürfen oder die Tabuisierung des Sex Themas? Nein, dies sind alles Gründe die sicher zu einem Verlassen der Gemeinschaft führen können, mehr aber auch nicht. Der katholische Pfarrer Klaus Krämer, (Recklinghausen)  brachte es auf den Punkt, es ist die Oberflächlichkeit  wie wir mit den christlichen Themen umgehen. Aber auch wie wir als Gemeinde der  Christen zueinander stehen.Wohl wahr.

Als 6 oder 7 Jähriger haben meine Eltern mich beim damaligen CVJM ( Christlicher Verein Junger Männer ) angemeldet. Damals hatte ich noch keine rechte Ahnung, für mich waren die gemeinsamen Aktivitäten mit der Gruppe schön. Später, als ich schon lange Jugendgruppenleiter war, war der CVJM ein Christlicher Verein Junger Menschen geworden. Die Gleichberechtigung hatte die Kirche, meine Kirche, erfasst. Es fand keine Diskussion über die Gleichberechtigung statt, nicht aus besserer Einsicht wurde dies gemacht, nein, weil es eben notwendig war, es wurde angeordnet.

Viele sind mit starken oder auch nicht so starken Gewissensnöten aus ihrer christlichen Kirche ausgetreten, teilweise haben Gläubige den inneren Austritt schon längst erklärt und trauen sich nicht den letzten Schritt zu machen.


Pfarrer Klaus Krämer, Katholisch 
Foto:
© Linde Arndt
  Und die Amtskirche? [übrigens beider Konfessionen] Sie stellt sich hin und behauptet die Gläubigen hätten sich von ihrer Kirche respektive Gemeinde entfernt.

Nein, nicht die Gläubigen haben sich entfernt, vielmehr hat die Kirche sich von den Gläubigen entfernt. Sie sind sich fremd geworden. Für Trauungen, Taufen oder Beerdigungen, erinnert man sich an die Amtskirche.

Der christlichen Religion hat sich mit Jesus eine Religion der Befreiung, eine Religion der frohen Botschaft unter den abrahamitischen  Religionen offenbart. So sah es auch der katholische Pfarrer, Klaus Krämer,  der Initiative "Ökumene 2017" aus Reklinghausen.


   

Noch mal zurück zur Gleichberechtigung.

Wie soll die Gleichberechtigung gelingen, wenn das Podium nur mit Männern besetzt wurde und eine Frau als Alibifrau noch nicht einmal kommen konnte? Wenn die Hamburger evangelisch-lutherischen Bischöfin Maria Jepsen angefeindet wurde, die ehemalige  Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)  und Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Margot Käßmann, noch nicht einmal im Ansatz zum Bleiben angehalten wurde? Zwei Frauen die die frohe Botschaft mit starken Auftritten, auch in Diskussionen, offensiv vermitteln konnten, konnten nicht ersetzt oder zum Bleiben aufgefordert werden. Oder das Kostenargument. Wenn der Fanbeitrag für Schalke04, BVB oder FCB vor einem Beitrag für die Gemeinde steht.

Es sind so viele Dinge in den christlichen Amtskirchen die reformiert werden müssten, wo die Betonköpfe aber keinen Reformbedarf sehen. Wenn Papst Benedikt XVI im vorigen Jahr die Beliebigkeit zu Recht anprangert, so vergisst er jedoch, es fehlt seiner Kirche an dem Willen sich den Herausforderungen der heutigen Zeit zu stellen, damit die Gläubigen wieder das tun können was sie aus tiefstem Herzen wollen, in Gemeinschaft ihren Glauben leben. Die Gläubigen der christlichen Kirchen haben eine tiefe Sehnsucht nach Einigkeit aber auch eine stille Traurigkeit dass die Trennung nicht überwunden werden kann. 


Besucher der Diskussionsrunde    Foto: © Linde Arndt
  Es war ein friedliches Gespräch, Diskussion, Dialog welches durch den Altbürgermeister Dr. Klaus Solmecke  zielsicher gelenkt wurde. Souverän führte  er die Parteien an die trennenden Themen und setzte dort seine Fragen an.

Manchmal hätte er jedoch nachhaken sollen, weil alle Parteien versuchten ausweichende Antworten an den Mann  zu bringen. Es konnte auch nur ein Gespräch unter Christen sein welches auf Entscheidungen zulief.

Es konnte jedoch nur ein erstes Gespräch sein, denn die Nöte und Hilflosigkeit auf beiden Seiten sind zu groß um eine Lösung nach 2 Stunden herbei zu führen. 


   

Die Amtskirche sollte sich auf ihre Hirtenposition besinnen, es ist der gute Hirte der seiner Gemeinde beisteht. Gegenseitige Schuldzuweisungen der beiden Kirchen oder ein Ball der Eitelkeiten führt die Herde nicht zusammen.

Wohl dem der als Christ zwischen Kirche und Amtskirche zu unterscheiden weiß. Denn wie heißt es so schön in Matthäus 18: "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen".

Und es war ein voller Saal in der Musikschule Ennepetal.

Jürgen Gehardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

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