Love-Letter auf der A40 zum Still Leben

 

[JPG] So stand es am Dienstag, dem 6. Juli 2010 in der WAZ Essen unter der Rubrik

       "Grüße und Glückwünsche":          

                    
20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20

20

20

20

20

20

20

          Liebe Beate,

          herzlichen  Glückwunsch  zur Porzellanhochzeit.
          Aus  Liebe  zu  Dir  möchte ich auf  der längsten
          Hochzeitstafel der Welt,  am  18.7.2010,  auf der
          A40,  den   schönsten  Tag  unseres  Lebens
          nachfeiern incl. Trauung, wird nachgestellt.

          Dein Uwe

20

20

20

20

20

20

20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20  20
20
 

Diese Zeilen waren dabei rund herum mit der Zahl 20 umrandet. Welch wundervoller Liebesbrief, der auch Aussenstehenden das Herz berührt.
 
Wir wünschen Beate und Uwe einen unvergesslich schönen Tag zusammen mit Millionen Gästen, die gemeinsam mit ihnen diesen Tag auf der A40 verbringen und dieses absolut einmalige Ereignis feiern werden.
 
                
                                                                                                              Foto: Linde Arndt  EN-Mosaik

So wurde heute die Pressekonferenz und das anstehende Briefing in der Messe Essen durch den Pressesprecher Marc Oliver Hänig eröffnet. Die etwa 120 akkreditierten Pressevertreter spendeten Applaus, was eigentlich unüblich ist.

In der Nachbarhalle lagerten die 20.000 Tische und 40.000 Bänke. Sie stehen bereit um in der Nacht zum 18. Juli 2010 auf der gesperrten A40 aufgestellt zu werden.
Als Fritz Pleitgen in New York zum ersten mal sah, wie unkonventionell die Amerikaner einen ganzen Stadtteil sperrten um mit Fahrrädern, Rollerblades oder Skatebords ihren Stadtteil zu erkunden, kam in ihm der Gedanke, so was muss bei uns doch auch möglich sein. Und als er diese Idee variierte und die A40 gesperrt haben wollte, wollten ihn erst alle für verrückt erklären. Nur der Bund hat es der Ruhr 2010 zugetraut. Es war viel Überzeugungsarbeit nötig, die Fritz Pleitgen als auch das Team der Ruhr 2010  um ihn geleistet haben.

       
   ©MESSE ESSEN GmbH, 45001 Essen, Germany / Fotograf: Rainer Schimm/MESSE ESSEN
Fritz Pleitgen (links), Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH und die Oberbürgermeister der A40-Städte, Dagmar Mühlenfeld, Mülheim an der Ruhr, Reinhard Paß, Essen, Klaus Wehling, Oberhausen und Frank Baranowski, Gelsenkirchen sowie Michael Townsend, Kulturdezernent Bochum und Günter Kozlowski, Staatssekretär im Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW und der Düsseldorfer Regierungspräsidenten Jürgen Büssow (rechts)
 

Der Regierungspräsident Jürgen Büssow, als Strassenverkehrsbehörde, übergab sodann symbolisch die Erlaubnisurkunde ( Ein 90 seitiges Werk ) an Fritz Pleitgen, den Geschäftsführer der Ruhr 2010 GmbH, womit alles ein genehmigungsrechtliches Fundament hat.

So standen am 07. Juli 2010 alle Verantwortlichen, fast alle Bürgermeister der Anrainerstädte waren anwesend (s.vor), den Fragen der Presse zur Verfügung. Es gilt ein weiteres Mammutprojekt der Ruhr 2010 Wirklichkeit werden zu lassen.

Es sind keine 10 Tage mehr wenn es im Verkehrsfunk heißt:

Achtung, Achtung, wichtige Verkehrsdurchsage:

Personen auf der A40 und zwar millionenfach!
Wir bitten alle Verkehrsteilnehmer ihre Fahrzeuge auf den ausgeschilderten Parkplätzen abzustellen und über die Auffahrten zu sehen, was sich dort abspielt.

Die organisatorische und logistische Herausforderung ist immens und hatte bisher nichts Vergleichbares. Wo das geht, geht alles. Einer der Slogans der Ruhr 2010.

  Erwartet werden mindestens 1.000.000 Besucher denen von der Firma Edeka rund 1,5 Millionen Flaschen alkoholfreie Getränke, 300.000 Früchte und 100 tausende Snacks zu einem geringen Preis ( € -,50 und € 1,– ) angeboten werden. 

Dieses auf  93 Versorgungsstationen mit 100 Kühl Lkws angeliefert und verteilt.

Es gibt aber auch ein leckeres Bier für einen Euro aus der Dose, gekühlt versteht sich. Damit ist die Grundversorgung gesichert.

Versorgung durch EDEKA
Foto: Linde Arndt
   

11.700 Helfer, darunter 3.100 THW-Mitarbeiter, 1.700 Polizeibeamte, 1.000 Feuerwehrleute, 800 Entsorger, 780 Volunteers und, und, und stehen bereit für das große Spektakel.

  300 weitere Lkws bringen die Tische, Bänke Schilder und das Equipment auf die Autobahn und Umgebung.

37 Auf- und Ausfahrten werden durch das THW gesichert und begehbar gemacht.

   
Logistik durch Schenker    [Fotos re. + li.: Linde Arndt]    THW auf der Spur

31 Stunden ist die Autobahn gesperrt mit 30 Km Absperrungen.
Es wird 2.700 sanitären Anlagen geben, die vor Ort von 100 Helfern betreut werden.

Die VRR stellt 600 Helfer um die Besucher an die Auffahrten zu bringen. Die Regionalbahn erhöht für 10 Strecken ihre Kapazitäten, teilweise fahren auf einigen Strecken die Züge im 15 Minuten Takt. Shuttlebusse werden die Gäste aus dem Innenstadtbereich an die Autobahnauffahrten bringen. Es gilt statt 200 tsd.Fahrgäste nunmehr ca. 1 Million oder mehr Fahrgäste zu befördern. Dazu kommt, Autobahnauffahrten sind keine Bushaltestellen. Der adfc, also der allgemeine Fahrradclub erwartet bis zu einer halben Millionen Fahrradfahrer und wird an seinen Infopoints mit Pannenkoffern einfache Reparaturen ausführen. Mit dem Angebot "Bett und Bike" hält der adfc noch 100 Betten bereit um ein stressfreies Still-Leben zu gewährleisten. Denn es wird schwierig bzw. unmöglich, sein Fahrrad im öffentlichen Personennahverkehr mit zu nehmen.

Ein gigantisches Projekt um der Welt, Deutschland und der Metropole Ruhr zu zeigen, so leben wir, so sind wir, das können wir. Wir sind vor nichts bange.

Viele beispielhafte Programmbeiträge haben wir schon einmal in unserem Artikel http://en-mosaik.de/?p=13364 zusammengestellt.

Hier  einige interessante Beispiel die sich noch gemeldet haben?

  • Salsatanztreff, Dortmund
  • Goethe Dinner, Bochum Stadion
  • Englisch Table on the A40, Bochum Stadion
  • Rio meets Ruhrpott, Essen Frillendorf
  • Die Band CULTURE POOL spielt unplugged, Essen Holsterhausen
  • Die Pottpoeten mit unplugged Rap, Mülheim Dümpten
  • 100 Bräute für Marxloh, Kreuz Duisburg Kaiserberg


Ach ja, die Stiftung Zollverein ist auch an 15 Tischen nunmehr vertreten. Da können Grubenhelme angemalt werden, an anderer Stelle werden Fühlkästen aufgestellt in welchen man Dinge erfühlen kann. Mit "Schrift und Siegel" können Besucher alte Schriften erlernen und sodann ihren eigenen Siegelstempel anfertigen.

Wie gesagt, dieses sind nur Beispiele die ich nur so willkürlich aus den letzten Meldungen herausgenommen habe.

Die Stadt Ennepetal bunkert da leider etwas mit ihren Informationen. Lediglich wurde verlautet, dass Bürgermeister  Wilhelm Wiggenhagen auf der A40 dabei ist  und jeden begrüßt,  der an den 15 Tischen Ennepetals vorbeizieht. Wäre schön, ausführlicher informiert zu sein, so wie es durch anderen Städten geschieht. Aber was soll es, Ennepetal hat Öffentlichkeitsarbeit schon immer als konspirative Tätigkeit angesehen und sie daher nur rudimentär ausgeführt. Schon bei der Eröffnung von Ruhr2010 kam alles leider kleckerweise.

Aber lassen wir uns, den Tag nicht vermiesen, wenden wir uns interessanteren Dingen zu.

Dieses Projekt ist nicht nur imagefördernd sondern auch gemeinschaftsfördernd im doppelten Sinne. Einmal haben sich inzwischen viele Kommunen ausgetauscht und feiern gemeinsam auf der A40. Zum anderen fördert es den Gemeinschaftssinn innerhalb der Gruppen, die sich neu indentifizieren.

Still-Leben hat das Potenzial zu einem emotionalen Gründungsmoment der Metropole Ruhr zu werden. Alle Städte haben inzwischen ihre Aktivitäten weiter gemeldet, so dass man jetzt schon sagen kann: Bunter geht es nicht mehr. Die Metropole Ruhr ist bunt und nicht grau, und zwar bunt in vielerlei Hinsicht. Wir wollen nicht nur die längste Tischkultur haben, sondern die schönste und kreativste, so Fritz Pleitgen.

Es geht aber auch international zu. Die Co-Kulturhauptstädte Péc und Istanbul schicken uns ihre Frischvermählten und  diese sollen auf der A40  nochmals symbolisch  getraut werden. Unsere Nachbarn, die Niederländer, sind gar mit Tischkontingenten anwesend.

Teilnehmer sind als Besucher aus den USA, Spanien, der Schweiz, Österreich, Polen, Frankreich und Großbritannien fest gebucht. Sie haben konkret gebucht um auf dem Ruhrschnellweg A40 das Still-Leben zu erleben. Die Ruhr.2010 wird die unermüdlichen Ehrenamtlichen aus dem Schachtzeichenprojekt  nochmals sehen wie sie einige der gelben Ballons auflassen.
Aber bitte etwas Ruhe in dem bunten Miteinander, denn es gibt einen "Sing-Mop", richtig es ist dem Flash Mop entlehnt. Um 12:10 Uhr wird es ein Sing-Mobbing geben, alle werden zu diesem Zeitpunkt das Lied:
"Hejo, spann den Wagen an". einen dreistimmigen Kanon singen

Hier der Text:

Heho, spann den Wagen an
seht, der Wind treibt Regen übers Land
Holt die goldenen Garben!
Holt die goldenen Garben!

Und danach, klar, gibt es das Steigerlied. Glück auf! Glück auf!

Und das alles wird dementsprechend dokumentiert. Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum wird mit einem Hubschrauber über der A40  kreisen. Ausgestattet mit hochauflösenden Kameras werden die Aktivitäten in 2D und 3D im Einzelbild als auch im Bewegbildmodus aufgezeichnet. WDR 2 wird im Radio berichten. ARD und ZDF schicken komplette Übertragungswagen.

Den Streckenflyer haben wir als pdf zum download bereitgestellt.  Und hier der Link um wesentliche Fragen (FAQ) wie und  was man alles auf dem Still-Leben machen kann beantwortet. (http://www.ruhr2010.still-leben-ruhrschnellweg.de/deutsch/projekt/gebrauchsanweisung.html)

Als oberste Devise gilt übrigens immer: Rücksichtnahme gegenüber anderen. Die Mobilitätsspur kann beidseitig befahren werden, es gilt das Rechtsfahrgebot. Wer mit dem Auto anfährt sollte sich vorher im Internet kundig machen; denn die Auf- und Abfahrten der Autobahn sind mit Piktogrammen gezeichnet wo man mit dem Auto abparken kann.

Mit dieser Pressekonferenz als auch mit dem Briefing werden gleichzeitig sämtliche Planungs- und Sicherheitsreserven im Tischbereich aufgelöst.

Bis zum 12. Juli 2010 können noch einzelne Tische entweder über das Internet http://www. ruhr2010.de/still-leben/tischtickets oder telefonisch unter 01805-152010 (Festnetz 0,14 €/Min, Mobilfunkpreis max. 0,42 €/Min.) gebucht werden. Bis zum 17. Juli geht es noch an den bekannten Vorverkaufsstellen. Ein Tischticket kostet € 25,– zzgl. € 3,50 Gebühren und zzgl. Versandkosten.

Es gibt auch eine Bürgerhotline: 01805 – 452010 (Festnetz 0,14 €/Min, Mobilfunkpreis max. 0,42 €/Min.)

Generell gilt aber: Auch ohne festen Platz kann man bei Still-Leben dabei sein. Man kann die Programmbeiträge entdecken, erkunden und wird teilweise zum mitmachen animiert.

Auch wir müssen uns vorbereiten, haben wir doch heute bei dem Briefing einige Dinge mit auf den Weg bekommen, welche uns wieder einmal an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit führen werden. Denn eines hat uns das heutige Briefing mal wieder gezeigt, vor Überraschungen, im positiven Sinne, ist man bei der Metropole Ruhr nie sicher. Wurde uns doch heute mitgeteilt, dass die Möglichkeiten der Berichterstattung erheblich ausgeweitet wurden. Wie bei den Eröffnungstagen, dem  !Sing-Day of Song oder dem Schachtzeichen werden wir uns auch beim Still-Leben wieder von der Stimmung beflügeln lassen und erst morgens singen: Komm zu Ruhe…

In dieser Metropole Ruhr macht es Spaß und Laune mitzumachen und die positiven Spannungen auszuhalten. Wir gehören dazu. Und vielleicht gelingt es uns auch später mit ein paar Zeilen und ein paar Fotos ihnen allen diese spannenden Momente auf den Bildschirm zu zaubern.

Hier noch einige Impressionen von der Pressekonferenz in der Messe Essen.
[Fotos: Linde Arndt EN-Mosaik]



Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.