Kulturförderung Macht, Ohnmacht oder Pflegefall

Das Jahr der Kulturhauptstadt RUHR.2010 war für alle Beteiligten ein großer Erfolg. Dieser Erfolg beruht nicht zuletzt auf dem riesigen Engagement der gesamten Bevölkerung des Ruhrgebietes. Dieses Erfolgsgeheimnis haben Prof. Dr. Oliver Scheytt und Dr. Fritz Pleitgen bereits vor wenigen Tagen auf der Veranstaltung des Ruhrbistums bekräftigt.

Die Zahlen aus dem letzten Jahr sprechen so auch hier für sich, das Revier hatte 10,5 Millionen Besucher also einen Zuwachs von 13 % an Touristen gegenüber den Vorjahren. Viele von den Gästen kamen zum ersten Mal ins Revier und eine große Zahl wird sicher auch wiederkommen, denn es gibt ja noch vieles zu entdecken. Hier können die infrastrukturellen Investitionen der letzten fünfzehn bis zwanzig Jahre in Sachen Kultur eine sehr positive Bilanz vorweisen. Das Ruhrgebiet hat eine Kulturlandschaft, die sich in ihrer Breite und Vielfalt hinter keiner Region dieser Welt verstecken muß! Allerdings ohne den Enthusiasmus der Kulturschaffenden an der Basis wird es auch in Zukunft nicht gehen.

     
  v.l.:Prof. Dr. Oliver Scheytt, Dr. Michael Köhler, Jutta Stolle, Dr. Hartwig Fischer, Dr. Stephan Muschick,
Foto: © Will Rumi
 

Verfahren "Zukunft"

Bei der Frage was kommt nach diesem Jahr der Kulturhauptstadt, drängen sich sofort die Parallelen zur IBA auf. Nach deren Beendigung begann das große Rosinenpicken und mit dem Rest verfuhr man wie bei einer Zechenschließung "Deckel druff und fettich!"

Damit sich dieses Verfahren bei den so knappen Kassen der öffentlichen Haushalten nicht wiederholt, wollte ein hochkarätiges Podium dieser Frage nachgehen. Unter der Moderation von Dr. Michael Köhler vom Kooperationspartner WDR 3 diskutierten am Dienstag, den 1. Februar 2011 im Hirschlandsaal des Museum Folkwang zu Essen,  Prof. Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer RUHR.2010 GmbH,  Dr. Hartwig Fischer, Direktor Museum Folkwang,  Jutta Stolle, Group Director Corporate Communications Franz Haniel & Cie. GmbH und  Dr. Stephan Muschick, Geschäftsführer RWE Stiftung und Vorsitzender des Arbeitskreises Kultursponsoring im Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, über das Thema;

"Die Metropole Ruhr nach dem Kulturhauptstadtjahr – wie geht’s weiter mit der Förderung?"

Diese Gesprächsrunde wurde aufgezeichnet und wird am 12. März 2011 über WDR 3 relativ zeitnah gesendet.

Ein Zusammenspiel von öffentlicher und unternehmerischer Kulturförderung ist sicher nicht nur für das Ruhrgebiet notwendig. Die großen Epochen von künstlerischem Schaffen auf allen Kontinenten dieser Erde sind nur deshalb so nachhaltig, weil es ebenso das Mäzenatentum, als auch das Sponsoring gab. Dies ist also nicht eine Erfindung des industriellen Zeitalters, sondern die Realität die von Jahrtausend zu Jahrtausend weitergegeben wurde. Diese Erkenntnis wurde von Dr. Hartwig Fischer auch in dieser Runde nochmals deutlich zum Ausdruck gebracht. Bei der Förderung von Kunst und Kultur darf die Priorität nicht nur auf die "Leuchtturmprojekte" gelegt werden. Diese Projekte sind notwendig und wichtig, doch die Förderung von unspektakulären Projekten und Gruppen ist um vieles notwendiger, denn es sichert die elementare Basis der kulturellen Vielfalt.

Kulturförderung an den eigenen Wurzeln

Die Leistungen und das Engagement der hier ansässigen Stiftungen und Unternehmen für die vielen kleinen und großen Projekte der Kulturhauptstadt sind beispielhaft. Das ein Familienunternehmen wie die Franz Haniel & Cie sich seiner Heimat und dem Standort verpflichtet fühlt, konnte Jutta Stolle nicht ohne Stolz berichten. In der Auswahl der Projekte liegt das Hauptaugenmerk auf der kleinen Hafenstadt "Ruhrort" und das Leben um den Innenhafen. Die Verbundenheit mit der Heimat und das Interesse an den Menschen des Reviers bilden auch weiterhin die Grundlage für den unternehmerischen Erfolg. Diese Verbundenheit mit der Heimat konnte Dr. Stephan Muschick, Geschäftsführer RWE Stiftung ebenfalls nur bestätigen, wenn gleich hier der Blickwinkel bisher eher auf den Leuchtturmprojekten wie demDortmunder U, dem Ruhr Atoll und dem Ruhrradweg lag.

Eine besondere Aufgabe sieht  Prof. Dr. Oliver Scheytt in der Schaffung von Kreativquartieren. Eine Heimat für die vielfältigen Kunst- und Kulturschaffenden in der "Metropole Ruhr" zu schaffen muß die Aufgabe der nächsten Jahre sein. Zu dieser Aufgabe gehört es nicht nur ein Bewußtsein für diese kulturelle Struktur zu bilden, sondern es sind ganz einfache und praktische Dinge wie z.B. kostengünstige Atelier- und Probenräume zu ermöglichen. Das dies möglich ist zeigt das privat getragene Unperfekthaus. Ein Beispiel welches in anderen Bezirken der Metropole Schule machen sollte.

Für alle in der Metropole bleibt zu hoffen, das die Prioritäten für Zukunft sich an den Menschen orientieren und nicht nur an leuchtenden Projekten.

Glück Auf!

Will Rumi

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