Interview mit Antony Hermus

Was bedeutet es für Sie nach Hagen zurückzukommen?

In Hagen liegen die Wurzeln für meine weitere künstlerische Entwicklung. Seit ich hier als Praktikant anfing, wurde ich von allen Seiten gefördert – und auch gefordert! So konnte ich mich am Hagener Theater vom Studienleiter über den 1. Kapellmeister bis zum Generalmusikdirektor hocharbeiten.

 

Eine außergewöhnlich rasante Karriere innerhalb eines Hauses…

Ja, absolut! Kein Wunder, dass beim Gedanken an das philharmonische orchesterhagen mein Herz immer noch schneller schlägt. Mit ihm habe ich meine erste Beethoven-Sinfonie, meinen ersten Sibelius, Schumann, Mahler und viele mehr aufgeführt. Auch im Bereich der Oper wurden in Hagen meine Grundsteine gelegt. Zudem konnte ich als GMD Erfahrungen auf politischer und geschäftlicher Ebene sammeln, die mir heute noch extrem zugute kommen. Dabei habe ich fast immer von allen Seiten Unterstützung erfahren. Ich bewundere meinen Nachfolger Florian Ludwig und seine Arbeit sehr und freue mich, dass er mich wieder nach Hagen eingeladen hat. Denn hier habe ich wirklich alle Etappen durchlaufen. Ich würde sogar sagen, dass ich 90% von dem, was ich über Orchester und Oper weiß, in Hagen gelernt habe.

               

Was hat sich seit der Hagener Zeit bei Ihnen beruflich getan?

Zunächst war ich ein Jahr lang freiberuflich tätig. Das war natürlich ein Risiko, aber dadurch bin ich viel herumgekommen und konnte neben vielen Konzerte u. a. Opernproduktionen an der Opera Zuid, Opéra de Rennes und vor allem auch an der Opéra National de Paris dirigieren. Anschließend habe ich mich buchstäblich überreden lassen, wieder in eine Festanstellung zu gehen, und wurde dann 2009 Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater Dessau und Chefdirigent der Anhaltischen Philharmonie. Diese Entscheidung hat sich allemal bewährt, denn hier verfüge ich über ein großes Haus, ein großes Orchester, mit dem ich entsprechende Programmmöglichkeiten habe. Außerdem habe ich u. a. an der Komischen Oper Berlin, am Théâtre des Champs-Élysées, an der Nationalen Reisopera Niederlande, beim WDR und in Taiwan gastiert.

 

Viele sind über den Konzerttitel „Vaterfreuden“ in Verbindung mit Ihrem Foto gestolpert, und dachten, Sie wären damit gemeint.

 

Nein, die sind mir noch nicht zuteil geworden. (lacht) Das Programm haben Florian Ludwig und ich gemeinsam konzipiert, wobei der Titel von ihm stammt und sich natürlich am Programm orientiert.

 

Was verbinden Sie mit dem Programm des 8. Sinfoniekonzerts?

Ich finde, es ist ein sehr rundes Programm. Besonders die 5. Sinfonie von Dvořák liegt mir sehr am Herzen, in der das typische Kolorit seines Stiles schon zu erkennen ist.

 

Sind Sie schon einmal mit Reinhold Friedrich und Gerold Huber aufgetreten?

Nein, noch nicht, aber ich freue mich sehr darauf. Es sind zwei ausgezeichnete Solisten, mit denen wir Mozarts Trompetenkonzert und Schostakowitschs erstes Klavierkonzert aufführen werden.

 

In Dvořáks Fall könnte man sagen, dass „Vaterfreuden“ mit einem großen Schaffensdrang einher gingen. Gab es in Ihrem Leben ein vergleichbares Ereignis, das Sie als Künstler besonders vorangebracht oder beeinflusst hat?

Eigentlich gab es da kein konkretes Ereignis. Vielmehr habe ich das Glück gehabt, immer am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen zu sein. Und vor allem war ich immer von den richtigen Leuten umgeben: Ob Lehrer, Freunde, Kollegen oder Mentoren – irgendwie passte das immer. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sich meine Laufbahn und mein Leben bisher so entwickelt haben.

 

Wo werden Sie als nächstes zu erleben sein?

Einige Sinfoniekonzerte in Dessau werden live vom Deutschlandradio übertragen werden, Mussorgskis „Chowanschtschina“ steht an, ich habe Regisseur Roman Hovenbitzer für „La Bohème“ zu uns geholt, und wir werden in Dessau nächstes Jahr die „Götterdämmerung“ von Wagner produzieren. Neben meiner Tätigkeit in Dessau werde ich nächstes Jahr in Ecuador Mahlers 4. Sinfonie mit Angelina Ruzzafante aufführen, die ich auch aus meiner Hagener Zeit kenne und jetzt auch in Dessau engagiert ist. Darüber hinaus werde ich Aufnahmen für den WDR und CPO machen, sowie in Norrköping (Schweden) Werke von Siegmund von Hausegger aufnehmen. Außerdem werde ich mit dem Bundesjugendorchester arbeiten, „Faust“ in Toulon übernehmen und Vorstellungen an der Komischen Oper in Berlin dirigieren. Also, genug zu tun!

 

Antony Hermus wird das 8. Sinfoniekonzert „Vaterfreuden“ am 5. April 2011 um 20 Uhr in der Stadthalle dirigieren.

 

Das Gespräch führte Lisa S. Breuer.

 

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