Ich wollte bei der Love Parade nicht funktionieren …

[jpg] Der Trauergottesdienst ist vorbei. Ist dann auch die Trauer vorbei? Nein!
Als ich vorgestern meine Tochter und meinen Schwiegersohn traf und bei beiden ein Lächeln über das Gesicht ging, ging auf einmal ein Glücksgefühl durch meinen Körper. Ein Glück sie gibt es noch. Wie mag es anderen Eltern, Geschwistern, Ehepartnern gehen, die dieses Lächeln nicht mehr sehen können, weil ihre Lieben zu Tode kamen? Es überfällt einen ein tiefes Gefühl von Trauer je näher man an diesem Unglücksort war.

Jeder trauert für sich alleine, es ist ein persönliches intimes Erleben wofür es kein Rezept gibt, wir werden einfach mit diesem Trauerprozess konfrontiert.

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So fand sich in der Salvatorkirche in Duisburg eine Woche nach dem Unglück eine Trauergemeinde aus einem weiten Kreis von Betroffenen als auch der Politik ein um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen.

Der Präses der evangelischen Landeskirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, nannte diese Love Parade einen Totentanz und mahnte Verantwortung von denen an, die dieses Unglück zu tragen haben. Und er konstatierte: "Stärker als der Tod ist die Liebe von uns Menschen zu einander".

 
   

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck sah uns als Menschen, die von einem Moment ihres Lebens zum anderen in Extremsituationen stehen. Jung, dynamisch und lachend, es wird alles gut gehen. Und dann? Katastrophe die alle unbarmherzig in ein großes Leid stürzt – so zerbrechlich ist unser Leben. Und so kommt auch er in seiner Predigt zu dem Schluss: "Die "Loveparade" ist vor einer Woche an ein schreckliches Ende gekommen.
Es ist schwer mit dem zu leben, was geschehen ist.

Und doch bleibt etwas und geht weiter, was auch der Name der "Loveparade" zum Ausdruck bringt: die Liebe".

Ministerpräsidentin des Landes NRW Hannelore Kraft war sichtlich bewegt in ihrer Rede.
"Diese Trauerfeier kann Trost spenden, nur sie kann keinen endgültigen Schlussstrich ziehen. Viele benötigen auch weiterhin unseren Trost."
Und so wandte sie sich besonders an die Gruppe der vielen Helferinnen und Helfer als auch der Ordnungskräfte, die bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen waren. Sie hielten aus, stützten und waren unter Hintenansetzung ihrer eigenen Gefühle gefordert. Und dann war da noch eine Gruppe, sie wollten nur feiern und sahen sich urplötzlich von einem Moment zum anderen der Katastrophe ausgesetzt. Auch sie waren es die halfen, die Menschen die der Ohnmacht nahe waren stützten, die Wasser zum Trinken reichten damit niemand kollabierte oder die nur ihre Hand reichten obwohl sie selber in Nöten waren. Es waren die stillen Hilfen die beweisen – wir stehen uns alle doch so nahe.

Dieses Ereignis  gipfelt in der Bitte eines Vaters an die Ministerpräsidentin einmal unser Wertesystem zu überdenken; denn das Wohlergehen und die Sicherheit jedes Einzelnen sollte immer im Vordergrund stehen. Und wenn das dadurch bedacht würde hätte der Tod seiner Tochter wenigstens doch einen Sinn.

Frau Kraft  beendete ihre Trauerrede damit, dass sie den Trauernden zu rief  "Öffnen auch Sie Ihre Herzen und lassen  Sie sich  von anderen helfen. Sie sind nicht allein."

Damit endete der oekomenische Gottesdienst.

Was bleibt? Nun ich will auch weiter nicht funktionieren. Pressevertreter zu sein kann für mich nicht bedeuten meine Gefühle zur Gänze zu unterdrücken. Wenn ich morgen noch mal in die Situation kommen sollte zu entscheiden ob ich auf den Auslöseknopf der Kamera drücken sollte oder die Hand zur Hilfe zu reichen, so würde ich weiterhin die Hand zur Hilfe reichen.

Und meine Wut? Die richtet sich gegen die, die immer noch nicht in der Lage sind Verantwortung zu übernehmen. Gestern erfuhr ich aus Landes CDU Kreisen, dass der Rücktritt von Oberbürgermeister Sauerland (CDU) nicht in das Konzept der strategischen Überlegungen der Partei passen würde.Wie erbärmlich.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik

                     

 

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